Ausgabe 
2.3.1907 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

äaÄ'Äiiit ?tc|iycim iÄni|,u. SüSty1,,. Gaierin

Ä EK-

^uS swi«;?. »««tt ?(*^WobtrKSi* r ^Uöbune n ,7aw »SÄJE J: ^üdch. j. dauert

?oi>« luäpriidn

GW lUiß l^jyhunT (rin ulld *V'connibihra lavftDigy 7,

'Mcll.Plljon Zubern aeludji [i^ ^^luoiuuswintj, mädcben Joinille ßtfr lolunigi tur mein Lkpl^np ivarcuarichait iui io aiei sviucVl >iLü ukr, goiiiienfit.2j. lmadchki» QÜi 15. Wan Wnuaiie o. joiua :!Btiiäuj(tiniitii innäbajcu für losort lnuier ueiud/i

cuiiflum & gacob

JieunuOf in. iui2l)l

26

ÄltlU^cU

*,!15- «tau -'M-, ^LeL's'K,' ^iui^ 5.11

tue DJiabcbcu iuns-

1374 :id)tveg 7 imtiene.

,ann,

55*$«^ DWL Z-Ls

^cii

s»«>^

MüvLM

Md haud fltiudjt ivadudoinr. 1.

Aiarz bis uoiwiidjt- init b. 9. roirO euie jljilicouHcbcriu tieiflüiung tüfl/i® iw Aoil U.L>chMg- Die it eine üiigenwuie und Lewerbemmen wo den De anbi^ireuicu öti Hihauieo ndjien. djioK, L »etiruftr 1007. UUII1C0 Vanötöjudjb

Mies.__uj

smW5

Alte Ülinll^ PÄsjfcÄ ßui enmiavlene öciiin » SsB

iLieidUeÄ; nbnufmoi-'fp^£

UliM___-

lain» P^A^Ieine« in^^ iieiudJt

Nr. 52

Drittes Blatt

1S7. Jahrgang

Erscheint ISglich Ausnahme des Sonntags.

Tie ..Siebener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Ter..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeig

General-Anzeiger für S'mhessen

Samstag 2» März 1907

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unlversuäls - Buch» und Slemdruckerei.

R. Lange, Dreßen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul straße 7. Erpeditron und Verlag: e^ß 51. Redaktion.«--^ 112. Tel.-AdruAnzeigerDreßen.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 28. Februar.

(Schluß.)

Ueberschwcmmung des rechten LahuuferS.

Eine Eingabe der Anwohner des rechten Lahnufers fordert Abhülse eines tlebelftandes, der sich feit dem Löherlegen der Kreisstraßen nach Krosdors und Gleiberg herausgejtellt. xa an den neuen Straßen keine Durchlässe vorhanden sind, bleibt das Wasser stehen und die Bewohner werden durch das Hod.vaner nicht allein sehr belästigt, sondern sogar sehr bedroht. Tie Ein­gabe schlägt vor, entweder dein Wasser durch Anbringung von Durchlässen an den neuen Straßen seinen früheren Abfluß zu verschaffen oder an 'bier Brücke die Lahn zu verbreitern, um dem Wasser einen rascheren Abfluß zu verschaffen. Da es sich bei den neuen Straßen um Kreisstraßen handelt, gab die Bürgermeisterei die Sache an Äas Kreisamr ab- Der Kreisbaurmoektor erklärte, daß das Weglassen der Durchlässe auf Wunsch der Feldbereinigung erfolgt sei und die jetzige Kalainität wohl darauf zurückzusühren sei, daß die Stadt den Schweinemarktplatz,aufgefüllt habe. Die Deputation steht auf item Standpunkt, daß die Stadt nicht ver- pslia tei ui, dem Uebelstand abzuhelfen, da er allein durch die Löherlegung der Kreisstraßen erfolgt sei. Deshalb habe der Kreis die Pflicht, helfend einzugreifen.

Sladtv. Helfrich führt aus, es handlefich um Ltauwa'uer Und bic Jeldberemigung trage keine Schuld an dem Uebeiftanb.

Dradto. Laubach macht Mitteilung von einem Schreiben des Herrn Nübsamen, daß die lleberflutung wohl daher rühre, daß die Lahn an der Gießen-LaunTbacher Gemarknngsgrenze ver- kiest sei, durch eine Baggerung dort sei dem Uebelstand abzu- helsen.

Stadtv. Krumm meint, mit der Stellungnahme der De­putation fei den Anwohnern nicht gedient, etabt, Kreis und Feldbereinigung sollten zusammenwirken, um den Mißstand zu beseitigen. Im übrigen habe man sich zur Beratung der Ein­gabe reichlich Zeit genommen. Der Vorsitzende stellt fest, daß von der Stadtverwaltung in der Angelegenheit nichts ver­säumt worden sei. Nachdem noch Stadtv. Petri ausgeführt hatte, daß die Löherlegung des Schweinemarktes nicht an dem Lomwasser Schuld fein könne, beschließt die Versammlung im Sinne des Deputationsantrages.

Finauzangclegcnheiten.

Aus dem Jahre 1905 sind im ganzen 11 272.94 Mk. nicder- zuschlagen. Es handelt sich eiuschließiiu) 571.81 Mk. evangelische und 139.77 Mk. katholische Kirchensteuern um 10 324.56 Mt. Steuern. Der hohe Betrag erklärt sich daraus, daß die Stenern der ans Lessen verzogenen Personen nicht nacherboven werden. .Man beschließt, die Ausstände niederzuscUaaen bis auf einen Steuerrückstand von über 400 Mk., bei dem spätere Beitreibung möglich ist.

Der Voranschlag der höheren und erweiterten Mädchenschule, der sich im seitherigen Rahmen hält, wird genehmigt. U. a. wird neu bewilligt für Sammlungen statt '250 Mt. 450 Mk. innd zwar soll der höhere Betrag drei Jahre lang erhoben werden.

Luch der Voranschlag des Polizeiamts ist den früheren entsprechend; er wird bewilligt, abzüglich eines Betrages von 200 Mk. für den Kriminalwachtmeister.

i Wasser- und Lichtfragen.

Tie Eifenbahnverwaltung will auf Grund des bestehenden Ver­trags auch die Ei senbahnnebenwerk statt an das Elek­trizitätswerk anschließen und zwar steht hierdurch ein täg­licher Höchstmehrbedarf von 70 Kilowatt in Aussicht. Die er­forderlichen 57 000 ML für ein neues Kabel werden bewilligt und die Arbeit soll dem Wunsch der Bahnverwaltung entsprechend so beschleunigt werden, daß der Anschluß möglichst ftijon am L April erfolgen kann.

Die Stromabnahme des Elektrizitätswerks Hal sich oußerordentlich gesteigert und für die nächste Zeft ist eine weitere erheblichi Steigerung der Abnahme sicher zu erwarten, so daß der seitherige tägliche Höchstbedarf sich bis Ende 1908 etwa ver­doppeln wird. Es wird deshalb eine neue Maschine erforderlich, tnö zwar wird vorgeschlagen, eine solche von 600 Pserdekräften cmzuschassen, die für täglich 400 Kilowatt ausreicht. Eine Ver­größerung -des Mascuinenhauses ist nicht erforderlich, dagegen soll eine Vergrößerung des Kesselhauses staltfinden. Die Er- weiterungsarbeiten sollen so eingerichtet werden, daß man spätere toeuere Vergrößerungen leicht vornehmen kann. Die geforderten 150 000 Pik. werden bewilligt.

Für die Anlage eines weiteren (4.) Brunnens beim Was,er­st, erk in Qnecklwrn, der 4000 Kubikmeter Wasser liefern wird, st,erden die ersorderlichen 25 000 Mk. ebenfalls genehmigt.

Verschiedenes.

Ein Gesuch deS R a d k l u b s Germania um Ueberlc.ssung einer städtischen Turnhalle zum Saalfahren wird itarii kurzer Debatte abgelehnt, da die Stadt den einzigen noch verfügbaren freien Abend nicht hergeben kann und auch leicht Beschädigungen .an den Wänden zu erwarten sind.

Dagegen wird ein Gesuch der Freien Zürnet)' du a f t 3jm Ueberlassung der von ihnen benutzten Turnhalle für einen weiteren (4.) Abend genehmigt, nachdem sich die Stadtverordneten Krumm, Eichenauer, Jann und Beig. Georgi dasür ausgesprochen haben. Es wird dem Verein jedoch die Verpflichtung auferleat, daß er in Fällen, in denen die, Turnhalle anderweitig in An- sprucl) genommen wird, zurückznstehen hat.

Der freihändige Verkauf von alten Eifenteilen an die Firma Leß wird genehmigt. .

Tie Liierung von & ejt c H e n für Bilder für bte höhere Mädchen ss-ule wird freihändig der Firma E. Rorh zum Preis von 272 Mk. übertragen. Der Voranschlag sah 320 Mk. vor.

Stadtv. H a u b a ch hat eine Neuordnung . der Be­dingungen für die Vergebung von Arbeiten und Lieferungen

IcSputlUionsabeui).

Gießen, den 2. März 1907.

Am Donnerstag abend fand im großen Saale desEinhorn" die angekündigte Disputation über das Thema:Sozialismus, Nationalismus und Studentenschaft" statt, die äußerst stark besucht war. Reserenten waren Dr. Michels und cand. theo l. st er aus Marburg. Herr Krumm, der die Versammlung äußerst gewairdt leitete, eröffnete diese gegen 9 Uhr.

Dr. M i ch e l s begann mit der Darlegung, daß es für den Wissenschaftler nichts historisch Ueberkommeiies geben dürfe, daß derselbe vielmehr alles von vorn an durchdenken müiie. Das Problem des Patriotismus sei nicht gelöst.Was i)t Vaterlandsliebe? Ist sie ein Gefühl, so wird entgegengehalien, daß mit Gefühlen feine Politik zu treiben ist. Biete Hellen die Gleichung auf Patriotismus-Monarchismus, d. h. Liebe zu ^hron und Altar." Das verwirft natürlich der Referent. Ueberhaupt, sagt er, sei das Wort Patriot revolutionären Ursprungs. Er verurteilt u. a. die Blutrevolutionen, dennKöpseschneiden ist kein Mittel, die Köpfe mit neuen Gedanken apzufüllen. (Große Lciterkeit.) D^r Patriotismus war ein Erbteil der linken Parteien und kam erst zu der Rechten, als er ein Geschäft war. Was i)r Vaterland? Als Land einer Rasse kann es nicht anerkannt werden. Als das Land, wo ick geboren bin, klingt es aus in Glockentonpatrioiismus. Die Arbeiterschaft kann eine Liebe zum Vaterlande nickt kennen, weil sie von Ort zu Ort geworfen wird. Eine rein deutsche Rasse aber, gißt es nicht. Andere wieder suchen das Vaterland im Staat, wo dock unsere Fürsteithäuier selber international sind. Wir haben selbst 1866 deutsche Brüder aus- gestoßen. Zu verwerfen ist auch die Definition des Sprachen- vatenandes. Auch iblte Kultur macht das Varorlcuid nicht aus. Schiller hätte ebeufogui in Padua geboren werden können. Bei all der Definition schließen wir entweder das Proletariat oder andere vom Vaterlande aus. Nicht die Kasse, sondern die Klasse zweireilt heute die Well. Ganz von selbst ergibt sich eine goldene und eine rote Internationale. Diese Klassengegensätze machen sich auch im Gefühlsleben geltend." Dr. Michels machte sich dabei über die Duellsitte lustig, während der Arbeiter gleich im Affekte seine Ehre räche. Sonderbare Ansichten entwickelte er dann über Brautstandsmoral. Im Sinne der heutigen Welt sei die Frau eine Wate. Die Arbeiter könnten zu dem heutigen Klassenstaate, ihrem Todseinde, feine Liebe hegen. Tie Sozialdemokratie habe xtiud) einen Vaterlandsgedanken; sie ver­werfe die Form und fehe den Patriotismus in bet Liebe zur Menschheit. Tas Vaterlanb für die Arbeiter sei ihre Klasse.

Nach ihm erhielt das Wort cand. theol. K ö st e c, der erst gegen Nationalismus und Imperialismus, die er auf eine Stufe stellte, loszog. Sie feien die letzten Schlupfwinkel der bürgerlichen Gesellschaft und die letzte Frucht an einem dem Tode geweihten Baume. Die Klassengegensätze sind international. Sozial denken heißt also international, heißt ethisch denken. Nationalismus und Imperialismus feien unsittlich! Ter Redner behandelte dann die Stellung bet Studentenschaft zu diesen Fragen. Eine Regierung sei jedesmal bter Arm der herrschenden Klasse. Dieses Klasseninteresse muß sich notwendig gegen alles wenden, was sich

angeregt. Nach kurzer Debatte wirb bie Angelegenheit ber Bau- beputation überwiesen.

Die A n s n a h m e t a g e nach § 139 b 3 und 139 e 2 ber Gewerbeorbnung es handelt sich dabei um bic Bestimmung ber Tage, an benen bie Laben bis 9 Uhr offen bleiben können würben wie in den Vorjahren festgesetzt, womit bie Bmsammli.'ng, bie dazu zu hören ist, ihr Eiiwerständnis erklärt.

Ter Truck von Zinsscheinbogen wirb freihändig oit die Brül.lsche Universitäts-Buchbruckerei vergeben

Stadt. Laubach fragt an, wie es mit Dein Umbau bezlv. Neubau des 2 ch l a ch t h a u s e s unb ber Kühlanlage stehe und wann die Vorlage Über die Kanalgebühren zu er­warten sei.

Der Vorsitzende beantwortet letztere Frage dahin, da); die Vorlage noch in diesem Monat und jedenfalls vor der Bor- anschlagsberatung das Haus beschäfligen werbe.

Beig. C ursch mann führt aus, die Pläne für den Lcklachl- hausumbau seien da, es sei aber wegen zahlreicher anderer Sitzungen in den letzten Tagen nicht mögti^ gewesen, eine Tepulationssitzung abzuhalten.

Stadtv. Jughardt tritt für möglichste Beichleunigung des Baues der Kühlanlage ein, worauf der Vorfitzcuoe mitteLt, die Verzögerung fei zum Teil darauf zurückzusühren, daß die Metzger nachträglich Gleisanschluß verlangt hätten.

Stadtv. Gabriel teilt mit, datz die Biebertalbahn bereit sei, kostenlos ein Projekt wegen des Anschlusses durch Lcgung einer dritten Schiene ausarbeilen zu wollen, was dankend ange­nommen wird. , t , _ . _ .. ..

Stadtv. Dr. Ebel macht darauf aufmerksam, daß die hrejige Ortsgruppe der Bodeuresorrncr am nächsten Donnerstag eine Be- prechung wegen des Erbbaurechts abhalten werde und bittet um zahlreiche Beteiligung. ,

Stadtv. Gabriel fragt an, ob ein Eingciandt im Gießener Anzeiger wegen des schlechten Zustandes der etettriscken Strom- Zuleitung nach dem P h i l o s o p h e n w a l d den Tatmcköli entspreche. Ter Vorsitzende teilt mit, daß nach Mitteilung deö Betriebsleiters des städlisck)en Elektrizilätswcrks die Arbeiten bei dem plötzlich eiiigetretenen starken Frost nicht zu Ende g.süh^t werden konnten und dies jetzt unverzüglich geschehen werde. Un­richtig sei die Angabe des Eingesaiidts, daß die LelltUigsmaHe nicht imprägniert seien. ~

Zu den Verhandlungen über die Straßenbeleuchtung sei noch nachgetragen, daß Stadtv. Eichenauer eine Veroesse- r u n g der Beleuchtung in der oberen Grünberger Straße anregte, die hauptsächlich den Abendspaziergäiigern nach dem Philosvpheiiwald zugut kommen würde. Der V v r i i U e nb e sagte zu, bie Angelegenheit prüfen zu wollen.

ter esse vertreten.

StuD. Riedel roenbet sich bann, oft unterbrochen durch Zwisaicurufe unt> Lärm, gegen Herrn Köster. Er weist viele An­griffe auf die bürgerliche Gesellschaft zurück auf den Sozialismus selbst. Vor allem protestiert ec dagegen, daß die nationale Stu- Dciiien]'ci;afl nur aus Klas.eninsUnkt ihr Vaterland liebe. Er stimmt überein mit Küster, daß die Studentenschaft Interesse an der Pviiti.k haben müsse, unb er hofft, baß bic Mahnung die!es Herrn, den Sozialismus zu bekämpfen, statt zu schweigen, er cig- reid) sein wird. Was die Ethik in der Politik anbelangt, die Herr Köster nur beim Sozialismus findet, so verweist. Hud. Iiedel nu c aus den Sauherdenton, vor allem auch im hiesigen Sozialiften­blatt. Dem fanatischen Sozialisten stellt er den fanatischen Natio­nalisten entgegen. Er stellt in Gegensatz zum deut.chen Sozialis­mus den französischen, der in nationalen Fragen nicht einfach negiere und der auch positive Arbeit leiste.

Rechtsanwalt Raab erinnert an das junge Alter der Stu­denten. In der sozialen Frage lernt man nie auS. Er wümcht politische Fortbildungsschulen. Dann wendet sich) dieser Redner gegen die AusdruckeEnterbte, Entrechtete" und er­klärt, daß der Arbeiter politisch reifer sei als der S-udent. Dreier soll offenes Auge für die Politik haben, mit der Aktivität aber warten, bis er die Hochschule verlassen hat.

Eand. cheol. Koster wandte fia? gegen stud. Riedel, lieber den Ton der sozialistischen Presse ging er mit Schweigen hinweg, weil das nicht zu einer wissenschaftlichen Veriamrnlung gehöre. Tann zählt er sog. Sünden nationaler Studenten bei den letzten Wahlen'auf unb sucht an ber Hanb von Plakaten bie Jnlernatio- nalität bes französischen Soziallsrnus zu beweisen. Er schließt mit ben Worten, daß stud. Riedel nur Bulowsche Witze nach- schwatze.

Dr. Michels geht gegen Dr. Bogt vor. In Deutschland dürfe sich her Universitätslehrer nicht auf bie Seite ber Arbeiter­schaft stellen. Schiller sei fein Urbeutscher. Nach einer Tirabe gegen bic Nationalen wirst er Dr. Vogt vor, gar nicht histoRsch denken zu können, benn im Mittelalter habe es feinen Patriotismus gegeben (trotz Walter von der Bogelweide). Dr. Vogt habe eine Keiltaktif versucht. Aber gerade durch ben Klasienkampf werbe man zur Klassenlosigkeit kommen. Er berührte bann die Marokko frage, den Reichsverband und die Kriegeroereine. In England fei man gegen Deutschland, weil dieses in Europa die Reaktion darstelle. Der Sieg des Sozialismus sei gewiß.

Es harten sich noch eine Anzahl Herren zum Wort gemeldet, wegen der vorgerückten Stunde erhiell aber nur Dr. Bogt das Wort zu einer äußerst geschickten Replik, die von Dr. Michels noch einmal beantwortet wurde.

Gegen 3/i2 Uhr schloß dann Herr Krumm die Versammlung.

ihr emgcgeniteLir. Tw Regierung verlangt von oen ou.wenwn nur Königstieue, nicht Fleiß und Tüchtigkeit. '201c akademisci.cn Berufe sind Klassenberufe. Auch die Siudenten seien aus bloßem Jnsiintt Anhänger der herrschenden Klassen. - Es wirb Zeit, daß sie sich mehr um das politische Leben kümmern.Bekämpfen Sie uns doch, nur la;.en Sie das gräßliche Schweigen!" Eine Nieder­lage des Sozialismus ist eine Niederlage der Kultur. Von ber Bourgeoisie ist Gur und Recht gelehrt worden, unb mit diesem Maßstab ist sie selber zu messen. Ein Viertel aller Studenten har überhaupt nicht das Recht zu sittlicher Existenz. Es wird jetzt eine neue Welt geboren, aber bie Studentenschaft ment cs nicht, »ic kompromit iert den deutschen Namen im Auslände. Unsere höhere Bildung sei unsittlich unb ungeredji. Der Paniotis- mus der Studenten fei zu neun Zehntel Klimbim. Deutschland bilde eine Gefahr sür'dic internationale Kultur. In längeren AuS- lührungen bieiit ber Redner den Sozialismus. Was sich von Der deutschen Studentenschaft ihm zuwenoet, das sei bereu bessere Schicki. Bei ber Lozialbemofratie werbe nicht gerebet (11t tgura bocet! T. Red. -, sondern gehandelt. Sie schweige, während die Bourgeoisie rede. In ber Sozialbemokratie sec Platz für alle philosophischen Systeme. Es lebe ber Sozialismus!

In der nun folgenben Diskussion trat schon äußerlich ein Unterschieb zwischen ben schwülstigen pathetischen 9Lbcn ber oeiben Referenten uito ben ruhigen, wenn audj manchmal scharfen Ausführungen ber Gegner hervor. Zunächst erhiell Privatbozent Tr. Vogt bas Wort. Er äußerte feine Freubc üoer bie Ein­richtung eines solchen Abenbs unb hofsie, baß noch mehrere folgen würden, nur mit etwas besserer Geschänsvrdnung. Er bestritt die Ausführungen des Dr. Michels, daß Vallllanvsliebe niu}t existiere, weil sie nicht zu definieren sei. Dann ist audj d.c bculjuje Kultur durckmus nicht so unbedeutend (Durerj, um) wenn 5ujiLa:r als Jnternalionaler hiugesteltt wird, so kennt man Stiller iujlixijt Tann existiert auch eine dent.che Geschichte. Es besteht «.ine deutsche Gemeinichast. Der deutsche Arbeiter steht dem deut- scheu Professor doch näher als dein Hottentotten. Hierauf geht Dr. Vvgt nock) näher auf oie Sozialisten Frankreichs und Englands cm. Eand. cheol. Kvsiei hat Beuel avgeschütlelt, wird von ihm fest­gestellt. Erp ein Vaterland, dann eine Klaffe, ist feine Schluß- lo.gemmg. Die Klafiengcgenfätze sind bed^u.riidj groß, aber bic Soziaibeuwfratie giui sich ja gar feine Mühe, sie zu uberurucken. Die Vaterlanbslwoe ist eine sittliche Jbce, unb ber Rebner pro­testiert bagegen, baß die Vertreter dieser Idee nur ihr eigenes In-

| Polologlow-Cigaretten

fea sind in Geschmack und Qualität unerreicht!

Das stück 3 bis 10 Pfennige.

Überall käuflich! «»»*«

[D^/i

Neu! Flüssige Neu!

Esmatose

Hervorragendstes, appetitanregendes, nervenstärkendes

Kräftigungsmittel.

Erhältlich in Apotheken und Droguerien.

s

Gaiüvirlschafts-Ierlrauf.

Die Gemeinde Augersbach beabsichtigt, daS Gasthaus Zum Löwen"

Samstag, den 9. März 1907, nachmittags 3 Uhr im Ratszuumer öffentlich meistbietend zu versteigern. Das Gebäude, in welchem seit Jahren Gastwirtschaft mit Erfolg betrieben worden ist, sich aber aiich zu anderen Geschäfts­betrieben eignet, liegt inmitten des Ortes, in bester Lage, hat Tanzsaal, Fremdenzimmer, großen Hof nebst geräumigen Oekouomiegebäuben.

Angersbach hat 1300 Einwohner, Post- unb Bahnstation und ist in nächster 9tähe (8/4 Sld.) der Kreisstadt Lauterbach und des Babes Salzschlirf gelegen.

INähere Auskunft erteilt bie unterzeichnete Großh. Bürger­meisterei.

Angersbach, ben 14. Februar 1907.

Großherzogliche Bürgermeisterei Angersbmch.

R o b e m e r. C16/,

FM-G«sichtsh«t

Mirdsammctwcick.aeickmeidig

?e«T Herva-Seife.

Zu haben in allen Apoth., Drog. u. Parf. t>n 50 4 u. I

hvu/6

Bürg erverein Giessen.

Montag, den 4. März er., abends 9 Uhr im Saale des Löwen", iiieuenroeg

Hauptversammlung.

Tagesordnung: 1. Jahresrückblick, 2. Nechnungsablage, 3. Er« ganzungsivahl des Boritanües, 4. Beratung vorliegender Anträge, ö. Verschiedenes. v./-*

Wir loben unsere Mtglieder zu recht zahlreicher Beteiligung em.

Der Vorstand.