Paris, 25. März. Tie nationale Leichenfeier s ü r Berlhelol fand heule vormiltag im Pantheon statt. Im Mittel- schiff der Ruhmeshalle war der Katafalk ausgerichtet, über dem em gewaltiger Lorbeerkranz hing. Der ganze Raum war mit^ einer 'Menschenmenge gefüllt, die in ihrer Zusammensetzung alle Stande des Staates, vom 'JJlilttär zum Burger, vom belehrten zum Hand- iverker präsentierte. Nur die Geifilichen fehlten. Um */, 11 Uhr hielt der Präsident der Republik mit seinen Ministern und den Präsidenten der Kammern seinen Einzug. Fallisres nahm an der emen Seite des Katafalks vor den zwei blumengejchmückten Särgen Platz, ihm gegenüber die Familie Berthelots, in deren Nachbarschaft das gesamte diplomatische Korps. Ten Särgen gegenüber stand eine kleine Tribüne, von der Briand die Ehrung Berthelots verlas. Ter deutsche Botschafter Fürst Radolm sprach dem 'Mmiiierpräsidenten (ilemenceau nn Namen der deutschen Regierung das Bellerd aus, (llemenceau bantte.
M ü n st er i. W., 25. 'JJlärj. Eine Reche hervorragender Gelehrter, Kimstler und einflußreicher Perjoneii der Provinz erhebt in einem öffemlichen Aufruf schar'sten Protei: gegen das Projekt einer Wiederherstellung der Burg Altena. Ter Protest ivendet sich an die Regierung und die gesamte deutsche Nation mit der Bitte, eine der herrlichsten deutschen Ruinen vor einem prunkvollen Wiederaufbau zu bewahren und em nationales historisches Kleinod vor unheilvoller Zerstörung zu schützen.
— Wegen öie Leiter der Münchener Hosbühne waren kürzlich in dem „Bayr. Kur/, einem ZenirumsblaNe, äußerst scharfe Angriffe erhoben worden. Namentlich Generalmustkdireklor 'Mottl und Generalintendant Frhr. v. Sp e i b e l waren auf das ungünstigste kritisiert worden. Herrn v. Speidel z. B. wurde Un- lahigkcu und Grobheit vorgeivorien. Wie letzt 'Münchener Blätter melbeii, stellte Mottl wegen der Angriffe des „Bayr. Kur." Antrag auf Eröffnung eines D i s z i p l i n a r v e r f a h r e u s gegen sich. Frhr. v. Speidel bat gleichzeitig, daß die Untersuchung auch aus dte gegen ihn erhobenen Borwürfe ausgedehnt rocoöe.
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Nr. 7Ä Zweites Blatt
Dienstag 26. März 1907
157. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „6kfieiter Zamilienblätter" werden dem /Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatt für de« Kreis Gießen" zweimal wöchenllich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oherhesjen
Rotationsdruck und Verlag bet Brü bliche» UmversuätS • Buch» und 6t«tnbruderet R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strage 7. Expedition und Verlag i e^6» 5L Redaktion: 11L. Test-Adr^. AnzeigerGietzen.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. März, lieber dte lünslige Gestaltung des Gesetzentwurfs über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine sind, wie mehrere Blätter hören, noch keinerlei Entschließungen gefaßt worden. Wenn in absehbarer Zen unter den Bundesregierungen für eine reichsgesetzliche Regelung deS VereinswcsenS eine Einigung ntcht zu erwarten ist, so wird dte Retchsregierung, um ntcht dem Verdacht der Verschleppung sozialpolitischer Aufgaben ausgesetzt zu sein, das Berufs-Veremsgesetz zum Herbst dem Reichstag wieder vor- legen und dabei jedenfalls über die Möglichkeit der Entziehung der Rechtsfähigkeit, deren allzu große Dehnbarkeit einen entschiedenen Widerspruch im Reichstage hervornef, eine genauere Fassung geben. Auch einige Bestimmungen der polizeilichen Kontrolle der Vereine sollen eine Umgestaltung in liberalem Sinne erfahren.
— Der Vorstand der Berliner Drechsler-Innung wurde im kronprinzlichen Palais vom Kronprinzen empfangen, wo dieser den für ihn ausgestellten Ehren» Meisterbrief inkl. Rolle und Ständer entgegennahm.
— Zwischen Deutschland und Belgien schiveben Verhandlungen zwecks Verbilligung des Briefportos auf 10 und deS Postkarten-PortoS auf 5 Pfennig.
Mannheim, 26. März. Die Vollstreckung der ZeugniS-ZwangShaft, die heute für den Redakteur Geck von der foz. „Volksstimme" beginnen sollte, ist durch Beschluß der Straskammer vorläusig ausgesetzt worden/
Die erime Lage im ganzen Lande hat zum Rücktritte des Ministeriums Cantacuzena geführt. Das neugebilbetc Kabinett Sturdza enthob sämtliche Präfekten ihres Dienstes und verhaftete, wie es heißt, den Prä- fetten VaseScu von Botuschani.
Die Erhebung richtet sich jetzt hauptsächlich gegen die Bojaren. Viele von ihnen werden ermordet. Auch die Stadt Alexandria wurde von Bauern in Brand gesteckt. Ueberall zünden sie Gutshöfe an und werfen Pächter in die Flammen. Die Anführer der Banden sind zum größten Teil Rerservisten. In Tausenden von Exemplaren werden Flugblätter verbreitet, die zur Fortsetzung der Exzesse auffordern. Als Verfasser dieser Flugblätter wurde der Staatsanwalt von Jassy ermittelt. Gestern versuchten die Bauern Galatz zu stürmen, den Hasen und die diegie- rungögebäude zu besetzen. Das Militär gab Feuer und tötete 2 5 Bauern.
Auch die Güter deS rumänischen Gesandten in Wien sind zerstört worden. Der Schaden beläuft sich auf 300000 Franks.
Aolonialpoft.
— Das „Militärwochendlatt" veröffentlicht die Beförderung des Obersten v. Deimling zum Generalmajor und die Enthebung desselben von seiner Stellung als Kommandeur der Schutztruppe, sowie die Ernennung des Oberstleutnants o E stört i zum Kommandeur der -scyutztruppe.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Urkunde betreffend die Stiftung einer Denkmünze für die an der Niederwerfung der A u f st ä n d e i n S ü d w e st a f r i k a beteiligt gewesenen deutschen Streitkräfte. Die Denkmünze besteht aus Bronze oder Stahl. Erstere erhalten alle an den kriegerischen Ereignissen direkt beteiligt gewesenen Personen. Zur Verleihung der Denkmünze aus Stahl können vorgeschlagen werden diejenigen Personen, welche an den Vorbereitungen zur Entsendung der südwestafrikanischen Streitkräfte in außergewöhnlicher Weise tätig waren, sowie Angehörige derjenigen Schisse deutscher Reedereien, welche zur Beförderung von Truppen und Kriegsbedarf nach Südwestasrika gescharten waren. Die Denkmünze zeigt auf der Vorder, eite den Kopf der Germania und die Inschrift „Südwestasrika 1904 bis 06", auf der Rückseite den kaiserlichen Namenszug, darüber die Kaiserkrone und bei der Denkmünze aus Bronze darunter zwei gekreuzte Schwerter sowie die Inschrift „Den siegreichen Streitern", bei derjenigen aus Stahl unter dem Namenszug einen Lorbeerzweig sowie die Inschrift: „Verdienste um die Expedition". Die Denkmünze wird auf der linken Brust an einem an beiden Rändern mit schwarzen und weißen Längsstreisen und in der Mitte mit roten und weißen Querstreifen versehenen Bande getragen und rangiert unmittelbar vor der Chinaoenkmünze; die Teilnehmer an einzelnen Gefechten sind berechtigt, aus dem Bande der Denkmünze Spangen mit dem betrefsenden Namen zu tragen. Die Denkmünze führt die abgekürzte Bezeichnung „Süd- weftasrika Denkmünze". , „ t . ,,
— Der bekannte Reichs- und Landtagsabg. Prinz von Aren-
von Darmverschluß auf, der letzte vor einem Jahre, welche aber alle von dem ungemein kräftigen Organismus des Patienten überwunden wurden. Die Diagnose hat v. Bergmann selbst m dem letzten Jahre auf Krebs gestellt, eine Annahme, bie leine ärztliche Umgebung wohl auch teilen mußte.
Bergmann, dessen geschickte Sand ungezahlten Leidenden Hülfe brachte, der mit Recht als unser erster deutscher Operateur galt, mußte das Opfer einer Operation werden. Im vorigen Jahre konnte der Verstorbene den 70. Geburtstag begehen. Ernst von Bergmann war am 16. September 1836 in Rusen in Livland geboren. Auf den Universitäten in Dorpat, Wien und Berlin erwarb er die Grundlagen seines Wissens, das ihm einen Weltruf schaffen sollte. Nachdem er zunächst an der chirurgischen Klinik in Dorpat gewirkt hatte, habilitierte er sich, 28 Jahre alt, als Privatdozent an der dortigen Universität. 1866 sehen wir ihn in unermüdlicher, aufopfernder Tätigkeit in den Kriegslazaretten zu Königinhof in Böhmen, während des Krieges von 1870/71 als Leiter der Barackenlazarette in Mannheim und Karlsruhe. Nachdem er 1871 zum ordentlichen Professor der Chirurgie in Dorpat ernannt worden war, wirkte er 1877 als konsultierender Chirurg bei der russischen Tonauarmee, ging 1878 als Professor und Oberwundarzt des Juliushospitals nach Würzburg und wurde 1882 zum Nachfolger Langenbccks als ordentlicher Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Universitätsklinik nach Berlin berufen.
Was Bergmann der medizinischen Wissenschaft gewesen, was er als Arzt und als Lehrer bedeutete, das weiß die Welt, sein Ruhm ist über Länder uiiü Meere gedrungen, und neuerdings erst noch hatte der türkische Sultan den berühmten Chirurgen an das Krankenbett feiner Licblingstochter rufen lassen. Man weitz ja auch, wie die Persönlichkeit des Gelehrten eng mit der Tragödie im Hohenzollernhause verknüpft ist, wie Kaiser Friedrich, damals noch Kronprinz, bei Bergmann Hülfe in seinem schwnen Leiden suchte. Ein reiches Leben zum Wohle der Menschheit erlosch durch den Tod dieses wahrhaft Großen deutscher Wmenichalt.
Professor von Bergmann +.
Die medizinische Wissenschaft hat einen schweren, fast unersetzlich scheinenden Verlust erlitten: Jn Wiesbaden ist, wie wir bereits in einem Teile unserer gestrigen Auflage infolge eines Wiesbadener Original-Telegramms mitteilen konnten, am Montag vormittag Geheimrat Prof. Ernst v. Bergmann gestorben. Der berühmte Chirurg erkrankte in dem Kurort vor 14 Tagen an einem Darmleiden. Auf seinen besonderen Wunsch wurde am Freitag der Oberleiter der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses 1 in Hannover, Prof. Schlange, telegraphisch zu ihm berufen. Pros. Schlange begab sich mit feinem Assistenten Dr. Försterling sofort nach Wiesbaden und nahm, so meldeten wir auch bereits gestern, am Samstag morgen bei dem Patienten einen operativen Eingriff vor, der dessen sehr erhebliche Beschwerden beseitigte. Doch blieb die bereits vorher vorhandene große Schwäche bestehen. Geheimrat v. Bergmann selbst hielt seinen Zustand für sehr ernst und war der Ansicht, daß die Operation früher hätte vorgenommen werden müssen. Auf seinen Wunsch schritt Professor Schlange noch am Montag vormittag zu einer zweiten Operation, zum Bauchschnitt, der ohne Narkose ausgeführt wurde. Der Kräfteverfall nahm zu, der Puls wurde allmählich schwächer und mittags gegen 12 Uhr trat der Tod ein. Prof. v. Bramann aus Halle traf am Montag mittag in Wiesbaden ein, traf aber seinen ehemaligen Lehrer nur sterbend an. Vom Kaiser ging kurz vor dem Tode v. Bergmanns iwch eine Depesche ein, in der er sich nach dem Befinden erkundigte. Gleich nachdem ihm der Tod des großen Gelehrten mitgeieilt iuotben war, ließ der Kaiser durch Reg.-Präs. v. 'JJieifter ein Blumenarrangement an der Leiche niederlegen. Die Leiche des Entschlafenen soll nach Potsdam übergeführt werden.
Bezüglich des Leidens, welches als Todesursache Professor to. Bergmanns angesehen werden muß, erfährt man folgendes: Schon seit fünf Jahren zeigten sich von Zeit zu Zeit Erschei- roungen, welche auf eine bösartige Neubildung im oberen Telle tzeS Mtstdarms hinzudeuten schienen, dreimal traten Anfälle
berg, Mitglied der Zenlrumssrakllon als Vertreter eeo iycin* ländischen Wahlkreises Malmedy-Montjoie-Schleiden, ist, wie wir bereits gestern kurz meldeten, nach langer Krankheit am Montaa vormittag in Krefeld, wohin er von seinem Schlosse Pesch bei Osterrath gebracht worden war, gestorben. Prinz Franz Ludwig von Arenberg, ein Vetter des jetzigen Herzogs von Aren- berg, stand im 58. Lebensjahre. Nach Absolvierung deS juristischen Studiums hatte er sich der diplomatischen Karriere zugewendet und war als Legationssekretär in verschiedenen europäischen Hauptstädten tätig gewesen. Doch schon in ziemlich jungen Jahren trat er aus dem Staatsdienste aus und widmete sich fortan der politischen Laufbahn. 1882 wurde er ins preußische Abgeordnetenhaus und 1890 in den Reichstag gewählt, dem er seither als eifriges und fleißiges Mitglied der Zentrumspartei angehörte: insbesondere beschäftigte sich Prinz Arenbery angelegentlich mit Kolonialfragen und war seit 1897 Vvrfitzender der Deutschen Kolonialgesellschast, Ortsgruppe Berlin-Charlottenburg. In der letzten Zeit trat er olerdings teils seines leidenden Zustandes wegen, teils wegen der oppositionellen Stellung seiner Partei gegenüber der Kolonialpolitik der Reichs- regierung ganz in den Hintergrund. Im Reichstag vertrat er den fast ausschließlich von Katholiken bewohnten Wahlkreis Atal- medy-Monffoie, eine sichere Domäne des Zentrums.
politiid)c Lagesßcbau.
Eine Grundbesitz-Gewinnsteuer in Berlin.
R. Berlin, 23. März.
Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat sich im Prinzip für die Einführung einer Wertzuwachssteuer auf Grundbesitz entschieden. Gerade diese Steuer schien in der ReichShauptstadt so viele und so einflußreiche Gegner zu haben, daß man fast allgemein an daS Scheitern der Magi- slratsvorschläge glaubte. Allerdings ist die Mehrheit für die Besteuerung des Wertzuwachses knapp: 65 gegen 54 Stimmen. Mancher hat seine Zustimmung von der endgültigen Fassung der Vorlage abhängig gemacht oder von der Annahme von Abänderungsanträgen, da über die Einzelheiten noch eine besondere Kommission beraten soll. Trotzdem wird wohl die neue Steuer in nicht ferner Zeit zur Einführung gelangen. Der grundlegende Paragraph lautet folgendermaßen:
,Zu der Umsatzsteuer wird eine Wertznwachssleuer erhoben, wenn der gegenwärtige Erwerbspreis beziv. der gemeine Wert des Grundstücks den für den irüheren Eigenlinnswechsel in Betracht kommenden (zuzüglich verschiedener Anrechniingen) um mehr als 10 Proz. übersteigt. Bei der Veranlagung dieser Zuschläge ist es belanglos, ob der frühere Ergentumswechsel vor oder nach dem Intrasttrelen dieser Ordnung ftattgenmben hat."
Eö ist feine Frage, daß m Berlin, wo ein überaus lebhafter spekulativer Handel mit Grundstücken stattfindet, wo nicht selten Grundstücke in besonders günstigen Geschäftsgegenden an einem und demselben Tage zwei-, dreimal mit enormen Preiszuschlägen verkauft werden, die WertzumachS- steuer ganz bedeutende Erträge verspricht. Daß die Mehr- belastung solcher Verkäufe der Spekulation Eintrag tut, daß also die Steuer auch eine „soziale" Wirkung hat, daran ist nicht zu denken. Bei so kolossalen Gewinnen, wie sie aus dlesem Gebiete erzielt werden, spielen etliche tausend Maik Steuer keine Rolle. Der Verkäufer wird in den meisten Fällen den PreiS einfach um die Wertzuwachssteuer erhöhen. Richtiger wäre es, den unbebauten Grund und Boden bei einem Besitzwechsel zur Wertzuwachssteuer schärfer heranzuziehen, als den bebauten. Denn wer für sich oder für Andere baut, leistet immerhin etwas zum stutzen der Allgemeinheit, hilft Mitwirken an der Entwickelung des Gemeinwesens. Die Wertzuwachssteuer ist ja schon in mehreren Städten elngeführt; nach der endgültigen Einführung m Berlin wird sie wohl in vielen Städten in Erwägung gezogen werden. Di« Befürchtung, daß die neue Besteuerung des Grundbesitzes ab gewälzt wird — auf die Mieter, läßt sich freilich nicht von der Hand weifen. Und das dürfte auch nicht auS- bleiben, daß das Reich dec Besteuerung des Gewinnes Beachtung widmet und eines Tages beispielsweise für den (Se» winn auL beweglichem Kapital „sich interessiert!*______
Aer rumänische Bauernaufstand
dehnt sich über das ganze Land auS. Aus der Wallachei ckommen entsetzliche Nachrichten. AuS Turnu Magurelle an der Donau wird gemeldet, daß einberufene Reservisten -sich weigerten, die Kommandos der Offiziere auSzufü hren. Mehrere taufend Personen warteten am Znnmiceaer Bahnhof die Durchfahrt des ReservistenzugeS ab, bombardierten die Wagen 1. und 2. Klasse und bedrohten den Zugführer mit dem Tode, falls der Zug nicht auf der Station Buzesci halten werde. Die Reservisten in dem Zuge schlossen sich den Revoltierenden an und zogen gegen Alexandria, wo sie grausam wüteten. Der jüdische und griechische Tempel sowie alle jüdischen Geschäfte wurden demoliert. Militär intervenierte, jedoch zu spät. Die Habe der ganzen Bevölkerung ist vernichtet. Jn Turnu Magurelle wurden der Rabbiner, seine Frau und ein Kind arg zugerichtet, sein Haus geplündert und Alles auf die Straße geworfen.
Jn Bacesti bei Vasului rourbe bisher der schwerste von ollen Kämpfen zwischen Bairern und Militär geführt. Eine einzige Kompagnie halte mit 2000 Bauern zu tun. Die Soldaten wurden umzingelt und beschaffen. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist unkontrollierbar. Das Militär mußte sich zurückziehen, den Marktflecken und die Bewohner ihrem Schicksal überlassend. Der Telegraph ist zerstört.
AuS der Duma.
Petersburg, 25. Mär».
Stachowüsch (Kadett) fordert die sofortige Beratung des Antrages aus Abschaffung der Feldgerichte. (Lärm auf den Bänken der Rechten.) Die Beratung gestaltet sich sehr lebhaft. 70 Redner sind vorgemeldet. Kusniin-Karawsjew sagt, er protestiere gegen das Blutvergießen, wie man es selbst in China nicht kenne.
Der Moskauer Advokat Maklakow (Kadett) hält eine lange Rede, in der er aus führt, die Staatsgewalt dürfe nicht die Revolutionstribunale nachahinen, das Feldgericht sei eine Einrichtung ohne Vorgang, es unterdrücke das Gesetz und werde zwar die Revolution zertrümmern, aber nur Wilde würden in diesen Trümmern übrig bleiben. Redner ist davon überzeugt, daß Stolypin, der doch einen konstitutionellen Staat chassen wolle, nichts gegen die Abschaffung der abscheulichen Einrichtung haben werde, die Menschen wie Vieh töte, nichts mit Justiz gemein habe.
Der Priester Tikhwinsky beschuldigt die Regierung, bau ’ie bie christliche Lehre unberücksichtigt lasse und sich zum Mör - ) e r mache, und wendet sich dann an die zwei der Duma angehören- >en Bischöfe, die er dringend bittet, die Todesstrafe zu verdammen. Bischof Eulogius erklärt daraufhin unter donnern- dem Beifall, er verdamme jeden Mord, spricht sich gegen die Todesstrafe aus, bittet aber die Duma, auch die Taten der Terro- risten zu verdammen.
Da daö Haus ermüdet ist, wird die Sitzung vertagt. Für morgen sind noch 52 Redner angemeldet.
Ausland.
Paris, 26. Marz. Der lüiuuiierflat beschloß auf toitrag des Ministers des Aeußern Pichon eine provisorische Besetzung von von U b s ch b a (ülarorlo) üonuneljmen, bis der Machsen Frankreich wegen der Ermordung des Dr. Manchemps im Murale sch Genugutung gegeben haben werbe.
Genua, 26. März. Gestern abend sind Fürst Bülow und Gemahlin in Santa Margherita bei Rapallo eingetroffen. Sie wurden am Bahnhöfe von Donna Laura Menghetli, der Schwiegermutter des Fürsten, empfangen und nahmen im Hotel Imperial Wohnung. Ihre Zimmer liegen neben denen desGroßherzogÄ von Luxemburg. Tie italienische Regierung ließ in dem! Hotel eine Telegraphenstation errichten. Für Mlltwoch wird daS Eintreffen Tittonis erwartet. Auch glaubt man, daß Ad- miral v. Tirpitz bei der Zusammenkunft zugegen sein wird.
Sofia, 25. März. Die Gesetzesvorlage über die Abänderung des Preßgesetzes veranlaßte durch ihre großen Härten in der heutigen Sobranjesitzung stürmische Szenen. Bei einer scharfen Kritik der Vorlage seitens des Zankowiflen Christvw enfftand ein Handgemenge zwischen Abgeordneten. Christow wurde von dem Regierungsfreundlichen Ionow mißhandelt. .
Newyork, 25. lülärj. Der Gouverneur von Kalifornien will gegen die Gesetzesvorlage, die eine Million Dollars für eine Weltausstellung in San Franzisko im Jahre 1913 fordert, ein Veto einlegen. Der Gouverneur erklärte, diese Vorlage sei lediglich aus Sympathie für das so schwer betroffene San Fvanzisfi» eingebracht worden. Der Weltausstellmigsplaq sei aber unausführbar. __
Konstituierung des ProvinzialauSschustes der Land- wirtfchaftsrammer für Oberhesten.
Am Samstag leien 2d. 'März fand hier die Konstituierung des Ausschusies der Landwirtschajtökammer jur die Provinz Ober* Hessen statt. Anwesend waren 42 Mllgüeder des Provinzial- ausschusies. Tie Landrvirtschastskammer war vertreten durch den Voriivenden Geh. Regierungsrat Haas und Oetonomierat Tr. Müller- Darmstadt. Das Großh. Ministerium hatte sich entschuldigen lassen. Geh. Regierungsüat Haas erösfnele die Ver-


