«r. 353 Zweites
kögNttz mit Ausnahme des SonniÄgS.
Die „Stetzener KamiliendlStter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das 'itrcisblatt fftt den Kreis Gießen" zweimal wöchrnlirch. Der..Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Mott 1^. Jahrgang
Montag 38. Stober 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brühl^chen UniversitätS - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange. Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei! Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^il2. Tel.-Ad r^AnzetgerBießen.
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Fortschritten aus sozialem Boden."
Allmählich nehmen nun auch die einzelnen Parlamente ihre Tätigkeit wieder aus, auch der deutsche Reichstag wird in nicht allzu langer Frist loieder zusammen- treteu- Im Auslande sind die Parlamente meist schon in voller Tätigkeit, insbesondere in Oesterreich und in Frankreich. In Oesterreich drohte eine tschechische Obstruktion eine zeitlang die überaus dringliche Erledigung der Ausgleichsvorlage ernstlich, zu verzögern. In der französischen
Als Harden mit seinen Freunden aus dem Gerichtsgebäude trat, wurde er von einer riesigen Menschenmenge, die sich vor den Toren drängte, mit stürmischen Hochrusen begrüßt.
(Vierter Tag.)
Die MoUKe-Kaldenaffäre vor Gericht.
(Dritter Tag. NachmittagSsihung).
S. u. H. Berlin, 26. Okt. 1907.
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Kammer wird wegen des marokkanischen Feldzuges wohl noch mancher Strauß gekämpft werden, aber schließlich kann das französische Kabinett doch mit ziemlicher Gemütsruhe die Entwicklung dieser Angelegenheit abwarten. Ernste Kon- slikte zwischen der Negierung und der Parlamentsmehrheit sind hier nicht zu befürchten. ______
Der Gesichtshof erschien pünktlich um vier Uhr. — Justizrat
Bernftein eröffnet den Diskurs mit dem Bemerken: Ich bitte Dr. Limann als Zeugen darüber zu 'vernehmen, daß Bis
marck gesagt hat, „Sie, die Hintermänner im doppelten Sinne, auch im physischen, siehe Eulenburg, die sitzen in Liebenberg. Diese Leute umgeben den Kaiser und schließen ihn ab. Der Kaiser glaubt, daß niemand ihn beeinflußt Und auf die amtlichen Berater tcifst das zu. Aber diese Leute sind Menschen, die ihm an Geist und Willen unterlegen sind, die aber eine gegenseitige Lebensver- icherung abgeschlossen haben. Diese Männer treiben alles von ihm fort, was ihm nicht paßt. Das Schlimmste ist, daß solche Leute immer die Meinung des regierenden Herrn haben. Wenn der Kaiser etwas sagt und sich umsieht, so sieht er nur anbetende Gesichter auf sich gerichtet. Sie geben ihm immer Recht und chaffen so ein Gegengewicht gegen die Berater, die ihn pflichtgemäß unterrichten". — Das Gericht beschloß dann, den zweiten Sachverständigen, zweiten Vorsitzenden des wissenschaftlich Humanitären Komitees, Dr. M e r z b a ch , zu vernehmen. Dieser erklärt: Ich habe denselben Weg zu meinem Gutachten gewählt, wie mein Mitarbeiter Dr. Hirschberg. — Bors.: Würden Sie den Grafen Mollke unter Unterstellung der von Frau von Elbe gemachten Aussagen als wahr, für homosexuell veranlagt halten? — Sachverft.: Nein. Es sind keine normwidrigen Triebe bei ihm vorhanden. Es gibt ja wenige Menschen, deren Geschlechtsleben vollkommen normal ist. Graf Moltke hat ein durchaus un-
Gießen, 28. Oktober 1907.
Qu einem Sensationsprozeß der allerhäßlichsten Art at sich der Prozeß des Grafen Kuno w Moltke eaC t den Herausgeber der „Zukunft", Maximilian Harden, mwickelt. Es widert einen förmlich an, wenn man da ieft wie die intimsten Intimitäten des Ehelebens, des senkens und Handelns des Klägers erörtert werden, und »rau fragt sich wieder einnral, ob es denn wirklich nötig, ist, ^artige Dinge vor aller Oefsentlichkeit zu erörtern. Dieser irnien gewährt im übrigen das eigenartige Schauspiel, daß
Kläger cingentlich die Rolle des Angeklagten spielt, " n Harden und sein Rechtsbeistand hatten den Grasen Moltke'schon gleich nach Beginn der Verhandlungen so in die inge getrieben, daß er sich nur mit Mühe und 9tot in seiner chwacheu Verteidiguiigsstetlung halten konnte. Harden verband es recht geschickt, sich als den Netter des Vaterlandes änzustelleu, der sich das große Verdienst erworben habe, den uwnarchen von jenem Kreise schädlicher Ratgeber zu rennen, zu denen ja auch der Kläger gehörte. Einen sehr .blechten Eindruck machte es übrigens, daß das Haupt üeses Kreises, Fürst Eulenburg, sich hinter ärztlichen Attesten verschanzt hielt, nnt in dieser heiklen Angelegenheit nicht tobe und Antwort stehen zu müssen. Mit einer vornehmen aandbewegung oder mit einem verächtlichen Rümpfen der tose lassen sich solche Anklagen doch wahrlich nicht ent- üäften, wie sie in diesem Prozesse vor allem gegen den dürften Eulenburg erhoben worden sind. Man versteht es -infach nicht, wie ein Mann — mag er sozial auch noch io hoch stehen — solche Beschuldigungen auf sich sitzen -assen kann, wenn er sich frei von Schuld fühlt. Für die Zeurteilung der Angelegenheit Moltke-Harden ist dieses Verhalten Eulenburgs von sehr großer Tragweite, es er- iveckt den Anschein, als wenn in dieser Sache der Angeklagte ;tod)t habe und als wenn hier wirklich mancherlei das afcht der Oefsentlichkeit zu scheuen hätte. Es verlautet, daß ver Kaiser sich täglich den stenographischen Bericht über diese Prozeßverhandlungen vorlegen lasse. Mlem Anschein nach ist es wohl auch der Monarch selbst gewesen, der den Grafen Moltke erst veranlaßt hat, Klage gegen Harden ■u erheben, um volle Klarheit über diese Angelegenheit m erhalten. Wie der Prozeß schließlich auch ausgehen mag, das Eine hat er jedenfalls gezeigt, daß jene unverantwortlichen Ratgeber, die sich an den Monarchen^ gedrängt hatten, nicht durchweg die lautersten Charaktere gewesen sind, für die sie gehalten wurden. Der Kaiser ist ja eine starke, selbständige Natur, der sich über alles nach bestem Wissen und Gewissen sein eigenes Urteil bildet, aber vor schädlicher, einseitiger Beeinflussung ist schließlich fein Mensch sicher. Bemerkunswert ist, was Fürst Bismarck einstmals von diesen Ratgebern des Monarchen in höchst drastischer Weise gesagt hat: „Die Hintermänner im doppelten Sinne, auch im physischen — siehe Eulenburg — sitzen in Liebenberg. Diese Leute umaeben den Kaiser und schließen ihn ab. Der Kaiser glaubt, daß niemand ihn beeinflußt und für die amtlichen Berater trifft das zu, aber die Leute, diese Menschen, die ihm an Geist und Wissen unterlegen ind, haben eine gegenseitige Lebensversicherung abge- chlossen. Diese männlichen Kinüden treiben alles voii ihm ort, was ihnen nicht paßt. Das Schlimme ist, daß solche Leute immer die Meinung des regierenden Herrn haben. Wenn der Kaiser etwas sagt, und sich umsieht, sieht er immer nur anbetende Gesichter aus sich gerichtet. Sie geben ihm immer recht und schassen so ein Gegengewicht gegen die Berater, die ihm pflichtgemäß opponieren müssen."
Das Ausland, vor allem die Franzosen und Engländer, lassen es sich natürlich nicht nehmen, den Moltke- hardenprozeß gehörig auszuschlachten, um eine große Sittenverderbnis im heutigen Deutschen Reiche zu konstatieren. Erbaulicher Art sind die Tinge ja freilich nicht, die in diesem Prozesse verhandelt wordeii sind, aber es ist doch kein Zeichen von moralischem Niedergange des ganzen Volkes, wenn Mißstände mit solcher schonungslosen Offenheit noch aufgedeckt werden können. Gerade darin, daß das heutige Deutschland den Mut und die Kraft hat, krankhafte Erscheinungen sofort zu beseitigen, liegt doch sicherlich mehr ein Zeichen der Stärke und der inneren Gesundheit als der Schwäche und Dekadenz. Es gibt Länder und sogar demokratisch regierte, in denen weit schlimmere Uebelstande allgemein bekaniit sind, ohne daß es irgend jemand wagte, Versuche zu ihrer Beseitigung zu machen.
Ein Zeichen von innerer Fäulnis im deutschen Volks- körper ist es doch auch gewiß nicht, wenn unsere Arbeiterschaft immer mehr ansängt, sich von der alles verneinenden tatenlosen Sozialdemokratie abzuwenden. Der dieser Tage abgehaltene deutsche Arbeiterkongreß zeigt, wie groß der Ueberschuß an gesunder Kraft in unserer Arheiter- chast ist. Die Teilnehmer dieses Kongresses waren keine chwächlichen Ja- und Amensager. Wie die Verhandlungs- Berichte ergeben haben, wissen diese nichtsozialdemokratischen Arbeiter allem Anscheine nach ganz^ genau, was sie wollen und auch au Energie ließ ihre Sprache, nichts zu wünschen übrig. Aber diese Arbeiter wissen bei aller ihrer Oppositionslust doch, daß sie Deutsche sind und daß wahres Gedeihen eines Staates, wie das Deutsche Rein), nur möglich'ist, wenn die verschiedenen Erwerbsstände sich nach Möglichwit zu friedlichem Zusammenarbeiten einigen. In diesem Sinne sagte der Reichskanzler denn auch beim Empfange einer Abordnung dieses Kongresses mit Recht: „Nichts aber wird die sozialen Verhältnisse der gesamten Nation mehr fördern, als wenn die deutsche Arbeiterschaft in immer weiterem Umfange auf dem nationalen Boden steht. Dadurch bekennt sie sich zu einer Solidarität mit den anderen Ständen, die auf anderer Seite nicht unerwidert bleiben kann und die Freudigkeit stärkt zu weiteren
Ter sensationelle Prozeß, der auf das Leben unserer Gesellschaft so viele grelle Schlaglichter geworfen hat, geht seinem Ende entgegen. Graf Moltke sieht außerordentlich müde aus, auch Harden hat viel von seiner alten Frische verloren. Der Gerichtshof betritt pünktlich 9 Uhr den Saal.
Zunächst erbat Graf Moltke noch einmal das Wort zu einer Erklärung. Er gab an: Gegenüber der Teutung, die meine Verabschiedung von der Gegenseite gefunden hat, sehe ich mich veranlaßt zu erklären: Als die Bezichtigungen der „Zukunft" an Se. Majestät gelangt waren, habe ich dem General von Plessen mein Ehrenwort gegeben, daß ich nie mit Männern geschlechtlichen Umgang gepflegt habe. Gleichzeitig habe ich meinem Standpunkt gemäß meui Abschiedsgesuch eingereicht, unter der Motivierung, daß es nicht angängig wäre, daß Personen des allerhöchsten Gefolges unter so schwerem, oft nicht gleich zu' beseitigendem Verdacht ständen. Am 24. Mai hat dann Se. Majestät in der üblichen Form meine Zur Tispositionsstellung zu gewahren die Gnade gehabt. — Darauf begannen die Plädoyers. Ter Vertreter des Grafen v. Moltke, Justizrat Dr. o. Gordon, führte auö: Es ist wohl in diesem Saale kein Teutscher, der nicht mit tiefer Beschämung die Schilderungen gehört hat von den Vorgängen in der Adlervilla in Potsdam. Das Furchtbare ist, daß diese Dinge von feiten der Jckhrer in unserem Heere mit ihren Untergebenen vorgekommen sind. Und gerade in der Garde, zu der aus allen Provinzen unseres» Vaterlandes die Elite strömt, sind diese Tinge geschehen, so daß wir befürchten muffen, daß die Anschauungen, die den Leuten dort eingeimpft sind, hinausgetragen werden ins Land. Wir müssen fürchten, daß die Disziplin gelockert wird durch solche Handlungen. Jeder, der deutsch ist, und besonders nehme ich das für meinen Mandanten in Anspruch, wird über diese Tinge eine tiefe Entrüstung empfinden. Graf Moltke hat mit diesen Schmutzereien nicht das Geringste zu tun gehabt. Man fragt sich nun: Was haben eigentlich diese Vorgänge mit dem Prozeß Moltke-Harden zu tun? Ist der Beklagte vielleicht derjenige gewesen, der in dieses Sodom und Gomorrha hineingeleuchtet hat? Hat er versucht, der Tugend in Potsdam wieder eine Stätte zu bereiten? Nein, in dieser Hinsicht hat er kein Verdienst. Das Verdienst kommt einem einfachen Manne aus dem Volke^ dem Zeugen Bollhardt zu. Dieser Mann, der verheiratet ist, tritt nach 15 Jahren mit seinen Bekundungen hervor. Er zog die anderen Soldaten in den Kreis des Grafen Lynar, und nahm selbst an diesen schamlosen Dingen teil. Man mag abwägen, was ein solcher Zeuge wert ist. Er muß doch ein besonderes Interesse daran haben, jetzt auf emmal in die Oefsent- lichkeit zu treten. Er bezichtigt den Fürsten Eulenburg der Betätigung der Homosexualität. Ich bedanre, daß es nicht gelungen ist, den Zeugen mit dem Fürsten zu konfrontieren, ^ch bedanre im allgemeinen menschlichen Sinne diesen Mangel an Aufklärung. Der Zeuge will den Fürsten dort gesehen haben, er schätzte ihn auf 25 Jahre, Ter Fürst war aber damals schon 50 Jahre ' alt. Wie soll er mit den jungen Offizieren in Potsdam zusammen ' gekommen sein, er, der längst Botschaftsrat in Wien war? ' Warum hat man zur völligen Aufklärung nicht die Grafen ' .Hohenau und Lynar geladen? Mein Mandant ist an dn.en 1 Dingen völlig unschuldig. Daraus, wie militärisch mit ihm verfahren wurde, geht hervor, daß er absolut rein, absolut unschuldm ist. Die Gesichtspunkte bei der Verabschiedung waren eben die militärische Dienstpflicht. Ich stelle fest, daß gegen den Graw'n Moltke auch nicht ein entfernter Verdacht nach der Richttrng hin vorliegt, er könnte sich in unanständiger Weise irgend etwas zu schulden kommen lassen. Allein schon der Vorwurf, so etwaK getan zu haben, tastet die Ehre eines Mannes an Ich? stelle heute am Geburtstage des Feldmarichallö Moltke feg, daß sich Graf Moltke seines hohen Verwandten würdig gezeigt har. Nun hat Herr Harden dem Grafen Moltke den Vorwurs gemacht, sich homosexuell betätigt zu haben. Dr. v. Gordon geht nun die emzelnen Artikel der „Zukunft", die infninicrt sind, durch. Harden spreche nicht in der gewöhnlichen Sprache, er wisse seine Worte überaus fein und Vorsicht^ zu waylen, so daß feine Artikel nicht jedem verständlich 1 men. Er habe den Grasen durch Bezeichnungen, wie der „Sätze verhöhnt mu> der Homosexualität beschuldigt. Er habe von einem „Vorder- eingnng", der nicht benutzt werde, gesprochen,, von warmen EckÄen", von „angewärmten" Herren ulw. Es fände sich fogar eine Bosheit gegen einen Toten, wenn bei der Erwähnung des Prinzen Johann Friedrich von eroberter Perversität gesprochen werde. Harden hat trotz seinen halben Andeutungen klar erkennen lassen, was er sagen wollte. Und leder wutzte, was Herr »arbeit meinte. Serr Harden. konnte sich nnt den M^amer Vorgängen beschäftigen, er durfte den Grafen Moltke aber nicht hineinziehen. Er hat iljm den Vorwurf der aktuellen Homofexuak- tot absichtlich gemacht. § 186 kommt also in Anwendung. r5urft G^eXg mtbTraf Moltke find der Frenndfchast Sr Mafeftar gewürdigt worden. Wie kommt Leeomte dazu, wie ^as Hohmau. Lecomte kann nur mit Wissen des Monarchen nach Lrebenbergl geladen worden sein, als der Kaiser dort weilte. , Wenn gegen ihn etwas vorläge, würde die franzofische Regierung emge- schritten sein.Der Kaiser soll beeinflußt worden fein. Nun wem jeder daß Majestät eine Persönlichkeit ift, die fremden Einflüssen durchaus nicht zugänglich ist. Es sind hieri allerlei, Perversitäten festgestellt worden. , Man hat von Homosexnalttm gesprochen. Was haben alle dieie ^mge aber mck der Politik: zu tun? Michel-Angelo und Friedrich der Große waren hoch- ftebenbe Männer, welche homosexuell veranlagt waren. _ Herr Harden hätte vernommen, daß Fürst Bismarck den Für11en Euün- bura der Päderastie beschuldigte, da dachte er gleich,, dav wolle er benutzen, nm den Fürsten zu stürzen. Aoer auch fein Freun Graf Mollkc sollte mit ihm fallen. ^Vhm’ffieltkieben’moIIen cwrirritp Cfr aebört zu lenen, die Nicht den Weltfrieden wollen, sondern 'die Welibrände entfesseln möchten. Er hatte, tote er. Lat einen politischen Zweck im Ange, trotzdem verfolgte er erneu 'S ünvolMchen Mann. Er kannte die Eh-fcherdungsakt-n d-s, Grafen Moltke i'.nd war darum gegen ihn eingenommen, darum suchte er ihn zu stürzen. Die Tafelruiche lst^verfchwunden. von der Kamarilla ist nichts übrig gebheoen. Ter Kaper haL 1ÖOM mit dem Fürsten Eulenburg politifche Gefprache geführt, mit dem Grasen Moltke sicher nicht, das Bild der Tafelrunde hat aber seine Schuldigkeit getan. Es liegt darin eme strafbare Handlung vor. Es handelt sich um eine einheitliche Handlung. Die ganze Welt hat die Ausfül-rungen Hardens so aufgefaß^ wie wir es tun, daran kann niemand deuteln. Dann kommt noch hinzu, bai Harden den Grasen Moltke als pervers tätig bezeichnet und herabgesetzt hat, tmß.er ihn verhöhnt hat als
Süßer" usw., darum kommt § 185 m Betracht. Um <. Junv 1907 wurde die Klage eingcreickt, am 15. Juni erklärte Horden: „Aber was will denn die Preße, ich habe teilt Wort von allen diesen Dingen gesagt. Ich habe doch nicht behauptet, Dcntstl)- land wird von einer Gruppe von Männern beeinflußt, die homosexuell sind. Ich habe nur gesagt, es feien Männer, die eme normwidrige, aber harmlose Freundschaft empfinden." H-rau von ! Elbe hat rückhaltslos die intimsten Intimitäten ihres EhelebenS' i erzählt, sie hat sogar die Ehescheidungsakten einem Publizisten übergeben. Graf Pioltke hat aus Zurückhaltung diese Szenen mit
antaftbares Geschlechtsleben geführt. Die psychische Impotenz .. trat im Verlaufe der Ehe ein. Es ist nicht der geringste Anhalts- ! punkt für Homosexualität vorhanden. Er ist eine ideale über- ( fchwengliche Natur und hat ebenso überschwengliche Briese an seine ; Verwandte geschrieben wie an feine Freunde. — Vors.; Beweis ! . — Justizrat Bernstein : Der Herr versteht nicht die Ergebrnsse ' der Beweisausnahme auseinander äu halten, von dem, was er privatinv erfahren hat. Ich protestiere gegen seine Vernehmung als SachverMiidiger und bitte Professor Eulenburg und Dr. Molt als Sachverständige zu laden. — Bors.: Diese Herren haben ja nicht der Verhandlung beigewohnt. — Harden: Was hat denn der Herr für wissenschaftliche Arbeiten geleistet und war er schon einmal Sachverständiger? — Dr. Merzbach: Meine Arbeiten sind bekannt, als Sachverständiger habe ich schon häufig fungiert. — Justizrat Bernstein: Dieser Herr ist ganz unbewußt parteiisch. Wir protestieren gegen seine Vernehmung.
Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und verkündete dann: Wir sollen dem Sachversländigeii nicht zu nahe treten. Aber vielleicht hat er durch Informationen außerhalb der Beweisaufnahme ein Bild von der! Sack)e gewonneit, das nicht als Grund- la.ge seines Gutachtens geeignet ist. Das Gericht veschließt da- hei', von der Erstattung seines Gulachtens Abstand zu nehmen. — Justizrat v. Gordon: Dann bitte ich, Dr. Moll zu laben.
Darauf wurden die ehemaligen Potsöamer Garvisten, dcr Zeuge Bollhardt und die anderen vereidigt. — Der nächste Zeuge ist 'der Platzmajor von Berlin, von Hülsen. — Bors.: Ist Ihnen bekannt, daß der Privatkläger wußte, daß er von einem Freundeskreise umgeben war, von Herren, die homosexuell waren? — Zeuge: Davon weiß ich nichts. — Bors.: Sprachen Sie mit dem Grasen Moltke darüber, daß gegen Graf Hohenau und Graf Lynar Verfuhren wegen Homosexualität schwebten? — Zeuge: Nein. — Vors,: Wissen Sie etwas davon, daß Graf Äcoltie davon gewußt .hat? — Zeuge: Nein. — Justizrat v. Gordon : Haben Sie etwas davon gewußt, daß Gras Hohenau homosexuell war? — Zeuge: Nein. — Justizrat Bernstein: Wissen Sie, warum Graf Moltke und Fürst Eulenburg nicht mehr in ihren früheren Stellungen sind, und warum sie die Gnade des Kaisers verloren haben? — Der Zeuge schweigt lange, endlich erklärt er: Darüber kann ich nichts bestimmtes sagen. Es ist mir im Dienstwege als Bureauches eine darauf bezügliche Order bekannt geworden, über die ich aber ohne höhere Erlaubnis nichts aussagen darf. — Justizrat Bernstein: Ich frage rwchmals, ist dem Zeugen außeramtlich bekannt, warum Graf Moltke uud Fürst Eulenburg nicht mehr in ihren früheren Stellungen sind? — Zeuge: lieber Fürst Eulenburg kann ich überhaupt nichts sagen, lonst habe ich nur gesprächsweise etwas gehört. — Justizrat Bern- ftein: Was beim? — Zeuge: Ich hörte, daß Fürst Eulenburg homosexuelle Beziehungen unterhalten haben soll, die ihm in der Oefsentlichkeit geschadet haben. Es wurde das von verschiedenen Seiten besprochen. — Justizrat v. Gordon: Wissen Sie darüber mehr, als in den Zeitungen stand? — Zeuge: Nein. — Justizrat Bernstein: Sind diese Gerüchte in Ihren Gesellschaftskreisen und denen des Fürsten Eulenburg geglaubt worden? — Zeuge: Ja. — Justizrat Bernstein: Ist Ihnen amtlich bekannt, warum Graf Moltke sich nicht mehr In feiner früheren Stellung befindet? — Zeuge: Eine Frage, die dienstliche Angelegenheiten behandelt, darf ich nicht beantworten. — Justizrat Bernstein: Sind Sw nicht der Ansicht, daß Graf 'Moltke wissen mu'ßte, daß omst Eulenburg wegen homosexueller Beziehungen "aus dem Amte gekommen 'ist? — Zeuge: Ich habe die Ansicht, daß er davon erfahren hat. — Justizrat Bernstein: Haben Sw jemals außeramtiich : etwas über die Entlassung des Grafen Moltke gehört? — Zeuge: : Jawohl. — Justizrat Bernstein: Aus welchem Grunde soll cv ent» - lassen worden sein? — Zeuge: Aris demselben Grunde, wie üüvit - Eulenburg. Er wurde homosexueller Neigiingeu oezichtigt. — ! Justizrat Gordon: Wußten Sie auch, daß Graf Hohenau homo- . sexuell war? — Zeuge: Nein, das ist miu entgangen; — .Harden: . Ist es richtig, oaß ausschließlich militärtechnische Gründe dazu ' gesührt haben, daß Gras Moltke nicht mehr Kvmmandant von Berlin ist? — Zeuge: Nein, aiisschließlich militariscye Grunde waren cs nicht, ovivohl sie mit dem Militärdieuft in Beziehungen stehen. — Justizrat Bernstein: Haben sie mit dem militärischen PsUchtbegrsif in Beziehung gestanden? Hat man an dem Verhalten des Grasen Moltke etwas nicht ganz Evaudcftrei ge- fundeu? - Zeuge: Jawohl. - Graf MoM- Wann ftnddwse Gerüchte zu Ihnen gekommen? Nach dem Er.chemen der Artikel in der Zukunft? — Zeuge: Jawohl nachher.
Tas Gericht zog sich darauf zur Beschlußsassu.ig über die noch einaebrachten Beweisanträge auf kommissarische Vernehmung des Fürsten Eulenburg, auf die Vernehmung des Zkalsers, des Fursteli Bülow auf die Ladung der Grasen Hohenau und Lynar, auf die Ladung von neuen Sachverstäiidigen zurück, u.id verkündete nach längerer Sßcratung, baß das Gericht von feinem Rechte Gebrauch
' die Beweisaufnahme zu schließen.
Damit sind alle noch gestellten Beweisanträge abgelehnt. Die rablreichen Zengen, die noch nicht vernommen waren, Prinz Biron von Curland, Frhr. von Berger, die Krimmalkommchare von Lresckoiv, Dr. Stopp und alle anderen Zeugen wurden entlassen.
Darauf vertagte der Vorsitzende um 5 Uhr nachmittags Die Sitzung am Samstag 10 Uhr vormittags. Es soll bann mit den Plcndoyers begonnen werden.


