Ausgabe 
27.2.1907 Zweites Blatt
 
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w, gleichfalls einen junglibercilen Ver^t ins Leben zu rufen- . .... x

** Der Ausschuß für Volksvorlei ungen eröffnet tinen neuen Vortragszyklus von drei Abenden über Goethe am Mittwoch, 6. März. )Kei)ner ist Pfarrer Bürs ch aus Eschers­heim bei Frankfurt n. J.'i. Hoffentlich werden diese Vorlciungcn stärker besucht, ms die beiden letzten Vortragsabende, in denen doch so viel zu sehen und zu lernen war. Wenn der Ausschul; nichts unterläßt, um gediegene Belehrung zu bieten, )o solUe es auch das Publikum nicht versäumen, durch regelmäßiges und zahlreiches Erscheinen sein Interesse an dem Dargebotenen zu

d**U-S)cr Gießener Lesehalle-Verein hält feine ordentliche Mitgliederversammlung morgen abend im Casö Ebel ab.

* Neuer Ka mmerherr. S. K. H. der G r o ß h e r zso g haben den Kammerfunker Franz von Herget zum Kammer­herrn ernannt.

'* Ernannt wurde der Finanzaspirant Hugo Ploch

auS Gießen (zuletzt in Mainz) zum Assistenten bei bei Landes-Hypothekenbank mit Wirkung vom Tage seines Dienst­antritts an.

Erledigt ist die Stelle eines HauptsteueramtS- laff iftenten bei dem Hauptsteueramt Gießen.

Parlamentarisches. Der 4. Ausschuß bei 2. Kammer beschäftigte sich am Dienstag zunächlt mit bei Vorstellung ber Gerichtsoollzieherge hülfen, bn wegen ihren schlechten Anslellungsoerhültnissen um Vermehrung der Gerichtsvollzieherstelle eingekommen sind. Nach dem Bericht des Abg. Dr. Frenay hat die Regierung erklärt, daß mit wenigen Ausnahmen die Einkommen der Genchts- 'vollzieher feine besondere Höhe erreichen und daß es nicht im Interesse ber anzustellenden Gehülfen liege, wenn durch Vermehrung der Stellen die Einkommen herabgedrückt würden. iNur in Darmstadt übersteige bei einzelnen Gerichtsvollzieher! !daS Einkommen die normale Höhe und hier wolle bii Regierung zwei neue Stellen schaffen. Besonders _ wird abci !daraus hingewiesen, daß man den Nechtsanwälten uni Notaren nicht verwehren könne, sich die Gerichtsvollzieher zi wählen, welche sie für die geeignetsten halten. Danach be­antragt ber Ausschuß die Eingabe für erledigt zu erklären. Man beriet dann weiter den Antrag Dr. Frenay betr. bei Arbeitsnachweis. Es soll nach bem Bericht des An. tragstellers der Regierung anheimgegeben werde n, ob e>. laicht möglich wäre, durch Bereitstellung von Geldern fiu Lelephongebühren :c. den Arbeitsnachweis auf dem Lande szu erleichtern.

! R. B. Ein Landesverein hessischer Zeitungs lebafteure. Wie in vielen anderen Teilen des Reiches, si ist nun auch im Grobherzogtum Hessen eine feste Vereinigung ber Berussjournalisten geschaffen worden. Am Sonntag vor mittag fand in einem bjer prächtigen kleinen Säle des Hotel- Restaurant Heß in Darmstadt die konstituierende Versamm lnng statt, -an welcher außer fast sämtlichen Darmstädter Kolleg?, auch solche aus Gießen, Worms und Offenbach teilnahmen, wäh lcend sich aus Mainz bereits vorher eine stattliche Anzahl als Mitglieder für die zu begründende Vereinigung angemeldet hatte, sodaß die Konstituierung mit 22 Mitgliedern vollzogen werden konnte. DerLandesverein hessischer Zeitungsredakteure" stell, sich nach der einstimmig genehmigten Satzung die Aufgabe, du Redakteure dn den hessischen Tageszeitungen, ohne Rücksicht au, deren politische Parteistellung und unter Ausschluß aller Sonder bestrebungen zu einer kraftvollen Organisation zusaplmenzu- schließen, um energisch und zielbewußt die Berufsinter- essen und die Standesehre ber Männer von bei lieber zu wahren und zu fördern. Daneben aber sollen durch entsprechende Maßnahmen und Anträge bei den gesetz­gebenden Körperschaften, z. B. gelegentlich der in Aussicht stehen jben Vorbereitung und Beratung des Reichsgesetzes über das P r i - vatbeamten-Versicherungswesen, sowie bezüglich bei ganzen rechtlichen Stellung des Redakteurs auch die mate­riellen Interessen gebührend gewürdigt und gesichert wer­den, wie überhaupt im Zusammenschluß mit den übrigen Jour- nalistenverbänden und verwandten Organisationen eine achtung gebietende Gesamtvertretung der deutschen Presse erstrebt werden soll. DerLandesverein hessischer Zeitungsredakteure" bestellt satzungsgemäß einen Ehrenrat, der über berufliche Angelegen- theiten der Kollegen zu entscheiden haben wird. Eine der vor- '.nehmsten Aufgaben wird auch die Schaffung einer H ülfskasse !bilden. Bei der nach Annahme der Satzung vollzogenen Vor- >standswahl wurden einstimmig gewählt: Chefredakteur A. Gras- Wurm (Darmst. Tägl. Anz.) 1. Vorsitzender, Redakteur Friedrich Hannemann 1. Schriftführer, Chefredakteur Dr. Otto Waldaestel (Darmst. Tagblatt) Kassierer, Chefredakteur A. Beer (Offenb. Ztg.) 2. Vorsitzender, Redakteur Dr. Erler (Darmst. Ztg.) L.Schrift- ftihrer, und vier Beisitzer: die Redakteure Franz Koepgen (Mainzer Journal), K. Rohaschek (Mainzer Anz.), H. v. TrützscUer (Worms. sZtg.), P. Wittko (Gieß. Anz.). Zum Vorsitzenden des Ehren­rats wurde Chefredakteur L. Lantz (Mainzer Tagbl.) in Aus­sicht genommen, die Wahl der Mitglieder jedoch bis zur nächsten Versammlung vertagt. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann Ü. in Darm­stadt hat sich bereit erklärt, als juristischer Sachverständiger des j Landesvereins zu fungieren. Im Anschluß an die Beratung fand im Hotel-Restaurant Heß ein gemeinsames Mittagessen statt, bei welchem die freudige Stimmung der Berufskollegen über (i>i6 ü«nteT so günstigen Auspizien vollzogene Gründung des Landesvereins hessischer Zeitungsredakteure" auch in beredten 'Toasten zum Ausdruck kam. Anfragen und Anmeldungen zur Mitgliedschaft wolle man gefl. an die Adresse des Schriftführers, Darmstadt, Landwehrstraße 1 (Telephon-Anschluß 1390) richten.

Zur Lehrergehaltsfrage. Eine in Mainz ad- gehaltene Delegierten-Versammlung deS katholischen LehrervereinS des Grobherzogtums Hessen stellte sich in Sachen ber GehaltSregulierung der Lehrer auf den Stand- punkt, daß auch die neueste Skala der Regierung, die auch die unteren Gehaltsstufen mit einer Aufbesserung von 100 Mark bedenkt, den heutigen Zeitverhältnissen nicht entspreche und eine weitere Erhöhung anzustreben sei.

** Aus dem Bureau oes Stadttheaters. Die nächste Vorstellung am Freitag bem 1. März ist eine Benefiz - Vorstellung und zwar geht Sudermanns »Schm et terlingssch lacht" als Ehrenabend für Fräulein Donecker in Szene. Frl. Donecker, die in zwei Jahren als Mitglied unserer Bühne durch ihr starkes Talent und ihren künstlerischen Ernst sich zahlreiche Sympathien erworben hat, wird sicher am Freitag ein zahlreiches Publikum begrüßen können. Die .Schmetterlmgsschlacht« ist seit einer Reihe von Jahren zudem hier nicht zur Aufführung gekommen.

** Der Kriegerverein hielt am Montag abend seine Hauptversammlung bei Konrad Sauer ab, die sehr §tark besucht war. Nach ber Begrüßung durch den I. Vor- fi^nben Hauptmann d. L. Gabriel wurde m die Tages­ordnung cingetreten. Zunächst erstattete der Rechner den Kaffenbericht, aus dein heroorging, daß der Verein ein Ver­mögen von 3700 Mark besitzt. An Beiträgen und Eintritts- gelbem sind im abgelaufenen Jahre 1642 Mark eingegangen, auch wurden namhafte Betrage gestiftet. Der Verein war dadurch in der Loge, seine bedürstigen Mitglieder kräftig zu

unterstützen und den Kindern verstorbener VereinSangehörigen ein reichliches Weihnachtsgeschenk zu teil werben zu lassen. Aus dem Bericht bes Schriftführers war zu entnehmem, baß im abgelaufenen Jahre 106 Zugänge und 36 Abgänge zu ver­zeichnen waren. Der Verein hatte zu Eube des Jahres einen Mitgliederbestand von 19 Ehrenmitgliedern und 404 ordentlichen 'Mitgliedern. Durch ^je Zunahme des Vereins mußte ber Vorstand um 2 Mitglieder erweitert werben. 2lu§ der Wahl gingen bie sämtlichen seitherigen Vorstandsmitglieder sowie die Kaineraden Karl Haupt und Franz Roth hervor.

* Keine Geschenke für Vorgesetzte. Durch Ver­fügung des Großh. Ministeriums deS Innern ist es allen hessischen Beamten untersagt, ohne besondere ministerielle Genehmigung Ehrengeschenke von Untergebenen an» zunehmen. Wie streng diese Verordnung gehandhabt wird, ist daraus zu erkennen, baß, wie wir in ber Frank- rurter Zeitung lesen, jüngst bie oberste Schulbehörbe einen städtischen Hauptlehrer, ber sein 50 jähriges Dienst- jubiläum feierte und aus diesem Anlaß von bem ihm unter­stellten Lehrerpersonal eine Uhr zum Geschenk erhalten hatte, durch bie Kreisschulbehörde auffordern ließ, sofort bas Ge­schenk zurückzugeben.

Laubach, 26. Febr. Zwei in engen Verhältnissen .ebenden Frauen rourbe heute bie freudige Mitteilung, baß fie in einer Wo hlfahrtS-Lotterie in Frankfurt nüi ihrem S-Mk.-Los, das sie sich zusammen vor 14 Tagen er» landen, bie Summe von 6000 Mk. gewonnen hätten. Merk- würdig ist es, daß sie noch niemals vorher Lotterie gespielt .lütten und gleich ber erste Glücksversuch gelang. Dir .rsten Vorboten beS Frühlings, große Scharen von Schnee- f änse, sind in vergangener Woche mit großem Geschrei nach Jlorben gezogen. Mildere Witterung scheinen sie uns ja ge- .>racht zu haben, hoffentlich auch bas ersehnte Frühjahr.

Burg-Gemünden, 25. Febr. Viel besprochen ourbe vor kurzem ein Raubansall an einem Knechte du§ Zchadenbach, ber sich aber als fingiert herausstellt. Der stnecht wurde wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe ver- irtcilt. Mehrere Orte unserer Gegend haben bie Anlage iner Telephonleitung miteinander angeregt, so Büßfeld, Döingen, Deckenbach, Holzhausen, Bleidenrod, Schabenbach mb Burg-Gemünden.

Offenbach, 26. Febr. Ein frecher Gaunerstreich st gestern hier verübt worden. Bei der Schriftgießerei von lioos & Junge wurden mittags um 121/, Uhr telephonisch ingeblich für bie Firma Baer in Frankfurt für über 1 000 WM. Üleitypen bestellt und gegen 1 Uhr erschien auch schon ?ln Fuhrmann mit einem Schimmelfuhrwerk, der bic bestellte Ware abholte. Wie sich herausstellte, war bie Be- tellung fingiert. Die Offenbacher Polizei vermutet, daß man in dem Täler mit ein m gewissen Brauer au§| Offenbach ,u tun hat, der schon öfters derlei Betrügereien verübt hat.

-s- AuS bem Kreis Wetzlar, 26. Febr. In Groß* .'lltenstädten starb ber erst kürzlich in den Ruhestand 'ersetzte Lehrer Christoph Schneid er, der ein volles Menschen- ilter hindurch als Lehrer hier tätig war. Auch bie Ge- neinbe Groß-Rechtenbach hat einen schmerzlichen Todes- all zu verzeichnen. Im 67. Lebensjahr verschied nämlich )er Ortsvorsteher und Bürgermeistereibeigeordnete Friedrich partma nn.

sj Marburg, 25. Febr. Die Anmeldefrist für bic Vereine, die sich an bem in den Tagen des 6., 7. und 8. Juli hier stattfindenben Gesangswettstreit beteiligen wollen, ist bis zum 1. Mai verlängert worden. Veranstalter dc5 Festes ist ber bem Lahntal-Sängerbund angehörenbe GesangvereinLiedertafel".

][ Marburg, 26. Febr. Trotz aller Nachforschungen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den Absender des Pakets an den Pfarrer in Roßdorf, das eine mit Sprengstoff gefüllte Blechbüchse enthielt, ausfindig zu machen. Bei öen jetzt ftatlfinbenöen Hozverküufen in den umliegenden Forsten werden sowohl für Nutzholz wie auch für Brennholz Preise erzielt, wie man sie bis jetzt noch nicht gewohnt war. Durchschnittlich werden 2530 Prozent über den Taxwert hinaus bezahlt.

U Kirchhain, 25. Febr. Das in Barockstil ums Jahr 1706 erbaute Kirchlein in Sch iffelbach ist wieder wie neu hergestellt worden. Gestern sand die feierliche Einweihung deS Gotteshauses statt.

fc. Frankfurt a. M., 26. Febr. Der Dachdecker Georg Dick fiel heute morgen in der Hohenzollernstraße von dem Dach eines 4 Stockwerk hohen Hauses und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Die Wucht des Sturzes wurde dadurch etwas gemildert, daß Dick zuerst auf em gespanntes Waschseil siel. AuS Liebeskummer ver­suchte sich die 24jährige Haushälterin Anna Stüber durch Leuchtgas zu vergiften. Ihr Dienstherr fand sie bewußtlos in der Küche liegend, während die Gashähne geöffnet waren. Man brachte bie Lebensmüde in das Heiligegeistspital.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Gemeinde Nieder-Breide ubach errichtet noch in diesem Jahr eine Wasserleitung, zu der Ingenieur Schiffmann in Gießen die Pläne ausarbeitete.

** Unter Bezugnahme auf eine Briefkasten- n ofiz in Nr. 37 vom 13. Febr. unseres Blattes sandte uns »ein höherer Beamter" vor einigen Tagen einen Artikel, ber auf einer Mißdeutung bes letzten Satzes fußte, in dem er bie politische Betätigung ber Beamtenschaft angegriffen sah. Nun zählt aber erfreulicherweise ber Gieß. Anz. eine Anzahl von Beamten aller Kategorien auch zu seinen besonders ge­schätzten politischen ajlitarbeitern. Der Gieß. Anz. hätte sich also ins eigene Gesicht geschlagen mit einer darauf hin- zielenden Bemerkung. Es wurde diesem Herrn daher mündlich wie schriftlich mitgeteilt, daß bie ganze Notiz von A bis Z sich nur an eine bestimmte Person gerichtet habe und habe richten können und auch nach unseren Fest- lleünngen in weiteren Kreisen ber höheren Beamtenschaft nahezu allgemein in biesem Sinne aufgefaßt worden ist. Wir halten sonach zur Veröffentlichung seines ganzen, teil­weise rein persönliche Bemerkungen enthaltenden Artikels keme Veranlassung, baten ihn aber ausdrücklich, eine etwa hier oder da ihm entgegentretenbe unrichtige Auslegung jener Notiz zu beseitigen. Auf welche Weise diese Bitte erfüllt wurde, ergibt sich aus einem am Montag in einem anderen Platte erschienenen Sprechsaalartikel. Tie Schale beS Grolles, bie man aus gekränkter Eitelkeit über uns auSzuschütten beab»

sichtigte, ergießt ihren Jnhatz ohne uns zu berühren auf den Boden, da bie Auslassungen bieses Artikels von falschen Voraussetzungen und schiefen Vorstellungen ausgehen, so daß sich ein Eingehen auf Einzelheiten erübrigt, zumal er an einer Stätte Aufnahme gefunden hat, bie ausnahmsweise nur dann em wenig Beachtung findet, wenn sie persönlichen Aus­fällen Unterkunft gewährt.

Gießener Strafkammer.

X Gießen, 26. Febr. Widerstand nnd Beleidigung.

Der Tagelöhner Pf.), hier war zur Verbüßung einer kleinen Freiheitsstrafe aufgefordert worden. Tft er sich nicht rechtzeitig einsand, erhielt die Polizei Auftrag, ihn vorzuführen. Ter mit der Ausführung beauftragte Schutzmann fand ihn in einer Wirtschaft und forderte ihn auf, mitzugehen. Dft er gutwillig nicht mitging, sah sich der Sämtzmann veranlaßt, ihn gewaltsam fortuzbringen. Unterwegs hielt er sich an Wagen und Hojtoren fest, so daß er nur mit Mühe und unter Ausbietung weiterer Kräfte sortgeschafst werden konnte. Hierbei faßte er den Trans­porteur an und erging' sich, in! Beleidigungen gegen ihn, die er im Arresthaus wiederholte. Wegen Widerstands und Be­leidigung unter Anklage gestellt, verurteilte ihn das Schöffen­gericht zu einer Gesamtstrafe von 4 Wochen Gefängnis, wobei es strafmildernd seine aufgeregte 9batur und seine durch den teilweise unverschuldeten Vermögensrückgang heroorgerusene Er­bitterung in Betracht zog. Er fochl das Urteil an und bestritt, sich eines Widerstandes schuldig gemacht zu haben, ob er die beleidigenden Ausdrücke gebraucht hat, will er nicht mehr wissen. Nach den Schilderungen des Vertreters der Staatsanwaltsck-aft ist er ein durch Trunksucht heruntergekommener Mensch, der nach Zden ärztlichen Zeugnissen als geistig minderwertig bezeichnet werden muß weshalb er bat, die Stckase mit Rücksicht hierauf berabKusetzen. Tas Berufungsgericht war jedoch der Meinung, daß di.s.-m Umstand in der ersten Instanz schm genügend Rechnung getragen worden ist. Eine weitere Herabsetzung der Strafe tonnte den Angeklagten zu/ dur. Ansicht bringen, er stehe unter milderen Gesetzen als andere. Da o»uch bezüglich der Straftat eine andere Feststellung nicht getroffen wurde, sand das Urteil seine Bestä - t i gu n g.

Tiebstiihle usw.

~ Gegen den 18jährigen D i e n st k n e ch t K. O. O. B. aus Anna (Sachsen-Weimar) hat die Staatsanwaltschaft wegen schweren und einfachen Diebstahls, sowie wegen Feldfrevels Anklage erhoben. Nach seinen Angaben sind seine Eltern früh gestorben And da er sich nicht gut geführt, wurde er in der Zwangserziehungsanstalt Tiefenort untergebracht. Nach Zuziehung einer Strafe wegen Diebstahls fand er bei einem Bauer Aus nähme, dem er entlief, da er angeblich mißhandelt wurde. Er kam auf seiner Wanderung nach Kassel, wo er sich in den Besitz stner Invaliden karte aus den Namen des Taglöhners Friedrich Held aus Dohrenbach setzte und auf die er von nun an reiste. Zn Dortelweil und Vilbel hatte er im vorigen Jahr verschiedene Stellen »alls Fahrbursche. Er stahl einem Mitknecht ein Paar Schuhe, wofür er mit 14 Tagen Gefängnis bestraft wurde. Nach Verbüßung dieser Strafe trat er bei dem Gastwirt und H ä n d l e r I. H. zu V i l b e l in Dienst. Hier will er von seinem Dienstherrn zum Diebstahl angestiftet ivorden sein. Er schlich sich nachts in die Scheuer seines früheren Dienstherrn und brach den Haferkasten auf und entwendete eine Quantität Hafer im Werte von 2 Mark, die er zu seinem Dienstherrn brachte. Als des andern Tages der Diebstahl bekannt wurde, gestand er die Täter­schaft zu; weiter will er in Gemeinschaft mit seinem Dienstherrn nachts mehrmals Klee und Stroh lauf dem FeLde mit dem Fuhrwerk entwendet haben. Aus Grund dieser Angaben wurde auch H. in Untersuchung gezogen; dieser bestritt jedoch, sich einer itragbaren Handlung schuldig gemacht zu haben. Der Uuistand, daß er zugab, mit dem Taglöhner F. A. nachts Felddieb stähle ausgesührt ju haben, ließ jedoch feine Ehrlichkeit anzioeiseln, weshalb gegen ibn wegen Anstiftung zum Diebstahl und wegen Hehlerei, sowie wegen Feldfrevels Anllage erhoben wurde. Kurz nach dem Hafer­diebstahl vermißte er seine sämtlichen Arbeitspapiere, B. aber war von Vilbel verschwunden und hatte sich in Hösbiich bei Aschaffenburg auf den tarnen des Muth vermietet. Dieses wurde ihm zum Verhängnis, denn als er sich auf diese Papiere zur Stammrolle anmeldete, wurden von der Behörde in Vilbel Er- lundigungen in Vilbel eingezogen, wobei es sich heraus stellte, daß er die Papiere gestohlen hat. Der ihn verhaftenden Gen­darmerie nannte er sich weiter Muth, während er sich bei seiner gerichtlichen Vernehmung den Namen Held wieder beilegte. Erst nach langen Erkundigungen gelang es den Behörden, den rich- tigen Namen zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft beantragte, gegen B. wegen Diebstahls auf 1 Jahr 4 Monate Gefängnis und wegen der falschen Namensangabe auf 14 Tage Hast zu erkennen, und H. wegen Anstiftung und Hehlerei zu 4 Wochen Gefängnis zu verurteilen; dagegen wegen des Feldfrevels bezüglich aller auf Freisprechung zu erkennen, da inzwischen Verjährung ein» getreten fei. Das Gericht setzte die Entscheidung auf nächsten Freitag aus.

(vtetzencr rderrerolenft.

Boranssichtliche Witternug für Heften am Donnerstag den 28. Februar: Trüb und nedlich. Trocken. Nachts lerchter Frost, am Tage mild. Mäßige östliche Winde.

<£an0H.

Die Mitteldeutsche Kreditbank zu Frank­furt a. M. hatte im Jahre 1906 einen Reingewinn von 4 287 552.67 Mk. (ausschließlich 344 025.18 Mk. Vortrag aus 1905) zu verzeichnen. Hiervon sind zunächst 4 Proz. Dividende auf 54 Millionen Mark Aktien-Kapital zu Derteüen = 2 160 000 Mark. Der Vorstand schlägt der am 2h, März in Frankfurt a. M. stattfindenden Generalversammlung bezüglich per restlichen 2 127 552.5 < Mk. folgende Verwenoung vor: Tantiemen an Auf- ftchtsrat und Vorstand 495 807.62 Mk. und Zuweisung an das Spezial-Reserve-Konto II 400 000 Mk. Die nunmehr verblei­bende Restsumme von 1575 770.23 Mk. (einschließlich des Vor - tr,a93J,on 1905) soll zur Verteilung einer weiteren Dividende von 2x/2 Proz. = 1350 000 Mk. (also zusammen 6»/- Prvz.) zu be- vutzen und 225 770.23 Mk. auf neue Rechnung zu übertragen.

Dermifd?te»e

D i e neuesten E i f e n v a h n u n f ä l l e. Auf der Luxemburger Elsenbahnliuie stießen zwei Güterzüge zusammen, wobei mehrere Bahnbeantte schwer v e r l etz t worden sind. Der Verkehr auf der Linie mutzte auf mehrere Stunden eingestellt iverden. In der Nähe der ungar. Statton E s a p faramboherte em Personenzug mit einem Lastzüge. Vier Personen wurden getötet, zahlreiche verwundet.

* Parts, 26. Febr. Heute nachmittag fand im Hause be­sängst verstorbenen Bankiers Osiris in Gegenwart der Testa­mentsvollstrecker, deren einer der frühere Präsident Loudet ist, sowie des Notars des Instituts Pasteur und dreier Vertreter des Staates die Prüfung der Testaments und der Codicille, sowie die Inventaraufnahme statt. Es wurde sestgesteUt, daß das zum Hut- versalerben eingesetzte Pasteursche Institut auch über­aus koltbare Schmucksachen und Kleinodien, darunter die aus dem Verkaufe der Rroubiamanten herrührenden Diamanten, sowie Perlen von unschätzbarem Werte erbt. Tie Erbschatt des Inrntuts Pasteur betragt nach dem -Petit Temps' einige 3 0 Millionen. Dem etaate hat Osiris seine sämtlichen Kunstfammlimgen vermacht.

K l e i n e a g e s u) c v ii i i. Bei einer Feuersbrunst, welche L1} *3er Atzten Nacht m Bristol ausbrach, sind b Kinder einer Arbeiterfamilie in den Flammen umgefommen. Vater, Mutter und eine 18jährige Tochter konnten rechtzeitig gerettet werden. In Perlgotville lAlger.) sind eine Anzahl Ge­bäude infolge der auf ihnen lagernden Schneemafsen e i n - g e st u r z t. Trotz den sofort angestellten Rettuntzsverfuchen gelang es incbt, die zehn verschütteten Personen zu retten, dieselben konnten erit spater als Leichen geborgen werden. In Kulm in West- preuBen erschoß s ich der Einjährigfreiwillige Witt vom hiesigen ^agerbataillon init fernem Tienstgewehr. Die Veranlassung zu dem iceibumovbc tu unbekannt. 2m nahen Pegau bei Leipzig.