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27.2.1907 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 49

157. Jahrgang

Mittwoch 27. Februar 1907

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit vuflnahm« de» Sonntagfl.

General-Anzeiger für Oberhessen

DieGießener Zamiiienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Nreirdlatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DerHessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Br übliche» UniDcrfuätfl - Buch- und Sretndruckeret. 9L Lange, Stehen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: 6dnd- sttahe 7. ErpedlNon und Vertag: 6L

Redaktion-II». Tel.-Tldr^ÄnzetgerStehen.

3ur Karwoche icbcniallfl noch ein großes Arbeitspensum zu er­ledigen. Möge ein günstiger Stern über den EtatSberatung-n walten.

Deutsche» Ueich.

Berlin, 26. Febr. Der Kaiser besuchte hetite den Reichskanzler, hörte im königl. Schloß die Vorträge des Chefs de» Militärkabinetts und des Chefs des AdmiralsiabeS und folgte später einer Einladung des Admirals o. Hollmann.

Wie verlautet, fleht ein Besuch des Kaiserpaares am dänischen Hofe für Glitte Juli in 21 uSsicht.

Zn der Kommission, die von den drei links­liberalen Parteien mit dec Formulierung der Einträge betraut wurde, finb gewählt: Bon der freisinnigen Volks- partei die Abgg. Gyßlmg und Tr. Mugdan, von der frei­sinnigen Vereinigung die Abgg. Gothein und Tr. Pachnicke, sotvie von der süddeutschen Volkspartei der Abg. Ocscr. Tie Kommission hat heute eine Sitzung abgehalten und u. a. "Anträge über folgende Gegenstände formuliert: 1) über die mecklenburgische Verfass ungkreform (gemeinsam mit den Äiationalliberalen), 2) über die Strafprozeß- Ordnung, 3) über das Koalitionsrecht, 4) über die Veteranenbei Hilfe, 5) über Beamtenge hälter, 6) über Vereins- und VersantmlungSrecht, 7) über Arbeiter-Ausschüsse, 8) über daß Reichstags-Wohl- r ech t, 9) über die Ausdehnung der Krankenversicherting auf land- und forstwirtschaftliche Arbeiter rc., 10) über die Verhältn isse der Privat beamten.

Köln, 26. Febr. Zahlreiche katholische Ordens« Niederlassungen deS RhemlandeS erhielten von der Re­gierung Aufforderung, in acht Tagen zu berichten, ob und ivann sie genehintgt worden. Man nimmt an, daß diese Reglerungvoersinzung rme allgemeine ist und eine Revision deS gesamten Ordens wesens einleiten soll.

parlamentarisches.

Berlin, 27. Febr. TaS Zentrum hat gestern folgende Initiativanträge einaebracht: 1) die verbündeten Regierungen au ersuchen, zum Schuhe des Wahlgeheimnisses dcm Rcid/Stage einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die vorsätzliche Verletzung des Wahlgeheimnisses durch Mitglieder des Wahl- vorstandes mit Kriminalstrafe bedroht und dasWahlreglement noch ergänzt, 2) den Reichslanzler zu ersuchen, dem Reichs­tage periodisch Über die internationalen Beziehun­gen des Deutschen Reiches urkundliches Mate- r i a l zurommen zn lassen, 3) die verbündeten Negierungen nm Einbringung eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, welcher die öffent­liche rechtliche Seite des Vereins- und V e r s a m m l u n g s - rechtes in freiheitlichem Sinne regelt und insbesondere auch den Frauen die Teilnahme an den sozialpolitischen Be­strebungen in Vereinen und Versammlungen gestattet, 4) einen Gesetzentwurf für Verbesserung der Wohnnngsvcrhält- nisse der minder bemittelten Volksklassen vorzulegen.

Ter Abg. Gras O r i o l a hat mit Unterstützung seiner nationalliberalen Parteifreunde einen Antrag auf Gewährung von Beihülsen für Kriegsveteranen eingebracht.

ZUM Ktfftlun der hrsstjchett Frammertttgung.

Die heute, Mittwoch, zusammentretendc zweite Ständekamme versammelt sich diesmal unter ziemlich diffizilen Umständen, öa schon der von allen Seiten mit größter Heftigkeit und unter An spannung aller Kräste geführte Neichstagswahlkamps die ruhig Fortführung ober Vorbereitung der politischen Geschäfte unsere: engeren Heimatlandes nicht unwesentlich verzögert und beein trächtigt, so wird die jetzt beginnende Karnmertagung noch mch behindert durch die gleichzeitig stattsindenden Etatsberatungei unseres Reichsparlaments, dem auch in der neuen Zusammen setzung wieder fünf Mitglieder der zweiten Kammer ongehörei und zwar neben den Vertretern der Städte Darmstadt, Mainz uni Offenbach noch die beiden Kammerpräsidenten, Namentlich di letzteren werden ihre Schwierigkeit haben, ihren Doppelmandarei als Volksvertreter in Berlin und Tarntstadt zugleich gerecht zi werden. Tie Verhaichlungen der zweiten Ständekammer werde: vielleicht mehr, als ivohl im Interesse des Laiches erwünscht sei: kann, der Leitung des dritten Präsidenten, Abg. Tr. Schmitt Mainz überlassen bleiben müssen. Es mag dabei indessen einiger maßen zur Beruhigung dienen, daß sich dieser Abgeordnete, bc: schon seit 14 Jahren der Kammer angehört und von 1896 bis 1903 den Wahlkreis Mainz-Oppenheiin auch im Reichstag vertrat bei seinen bisherigen Stellvertretungen stets als ein sehr um sichtiger Vcrhandlungsleiter erwiesen hat. Hoffen wir also aud diesmal das Beste!

Die Etatsberatungen an und für sich werden in diesem Jahr: aller Voraussicht nach ebenso glatt von statten gehen, wie in vorigen Jahre, in welchem sie ebenfalls erst am 1. März be gönnen und in 14 Tagen von der zweiten Kammer erledig waren, sodaß auch der ersten Kammer noch genügende Zeit zui Beratung übrig blieb. Dem Staatshaushattsetat für 1907, bei vom Finanzminister ebenfalls wieder sehr sorgfältig vorbereite und aufgebaut wurde, ist aber diesmal ein sehr dicker Schwei angehängt worden, die Nachtragsvorlage mit den Gesetz- entwürfen über den Wohnungsgeldzuschuß für bi« Staatsbeamten, sowie über bie Neuregelung oer Gehalte bei Volks schullehrer, ber seminaristisch gebilbeten und bei technischen Lehrer an den höheren Lehranstalten des Großherzog, lurns und endlich auch der Deckungsmittel für die Mehrausgaben Sie Regierungsvorlage über die Abänderung des Urkundenstempeb Gesetzes und des Ausgleichsfonds. Wir stehen diesmal vor den .Kuriosum, daß die Hauptschwierigkeit der (Stat5bcratung eigentlid erst beginnt, nachdem die Etatsberatung beendet und der Staats­haushalt genehmigt ist; die Hauptsache kommt zuletzt! Und wenr die Kammer den Etat wirklich wieder schon in 14 Tagen unter Dach und Fach bringt, fo kann eS bei dem unberechenbaren Sim unserer Herren Volksvertreter und eS sind recht oielsinnig« Naturen darunter! gar leicht passieren, daß bei Beratung bei Nachtragsvorlage ber ganze Reigen ber Wunschzettel vcrschic denster Art nod) einmal in langen Kammersitzungen zur Auf- fuyxuug gebracht und damit enbgühige Fertigstellung des Staate Haushalts vor Beginn oes neuen Etatsjahres (1. April) vereitel! wird. Wir halten es deshalb aud) für selbstverständlich, daß bit Kammer nicht erst alle 56 Gegenstände ber ersten Tagesordnung erledigen und dann erst mit dem 57. und letzten Gegenstand, bei Etatsberatung, beginnen wird, sondern daß sie gleich morgen ober übermorgen frisch und fröhlich zur Etatsberatung schreitet. Jeder Tag ist diesmal Geldes wert und bie alten Ladenhüter, bie, regelmäßig schon seit Jahren wiederkehren, wie Entschädigung unschuldig Verurteilter, Gebühren für Schöffen und Geschworene, Einheitsschule rc., meist Dinge, die doch zweifellos nur durch Neichsgesetz erledigt toerben dürsten, können sehr wohl bis nach der Etatsberatung zurückgestellt werden.

Die Frage der W v h n u n g s g e l d z u s ch u s s ejür die Staats­beamten hat übrigens fdjon int Vorjahr, bei der Beratung über die Vorstellungen des hessischen Richtervereins und des Vereins mittlerer Justizbeamten am 12. und 13. Juni, worin die Gewährung eines Mohnungsgeldzuschusses oder einer Teuerungszulage für die Beamten verlangt wurde, eine Rolle gespielt. Tamals wäre wohl nach der Stimmung namentlich in den Streifen ber ländlich en Abgeordneten der Antrag des Finanzausschusses, der auf ein befürwortendes En'nchen an d.e Re­gierung abzielte, nicht angenommen, worden, obwohl bie letztere er­klärt hatte, daß sie entfd;loffen sei, eine Vorlage auf Gewährung eines Woynungsgeldzuschch'es den Ständen zu unterbreiten, und baß die Gewährung besselden auch ohne Erhöhung der bereiten Steuern möglich sei. Nur um die Entschueuuilg ber Regierung nicht zu erichweren, wurde bann eine Abstimmung über diesen Antrag des Fiuanzausschustes bis zur Entscheidung über die erwartete Vor­lage ausgesetzt. Wenn sich die Regierung nach biefer lauen Hal­tung in ber zweiten Kammer veranlaßt gesehen hätte, keine folcbe Vorlage einzubringen, so hätte ihr das eigentlich nientanb übei nehmen können. Umsomehr verdient bie doch bewirkte Ein­bringung der Vorlage Anerkennung!

Die V o l l s s ch u l l e h r e r, denen bie Regierung nun eben­falls eine Aufbesserung ihrer Gehalte zugedacht hat, haben durch iljre Standesorganisationen, den Landeslehrerverein und den latbol. Lehr erberein, ihre weitergehenden Wunsche den Ständekanrmern vor- getragen und beim Finanzausschuß der zweiten Kammer Gehör gefunden, durch welchen aud) die Regierung schlietzlich oeraniaßt wurde, ihren ablehnenden Standpuntt aufzugeben und in eine Ausbesserung der vier untersten Gehaltsstufen emzuwilligen. Sie hat dann aus eigener Initiative auch nod) dem alten Petitum der Lehrer Folge gegeben und eingewüttgt, daß in Zukunft das Militärdienstsahr als Besoldungsdieltstzeit in Anrechnung tommt. Auch bezüglich der Anrechnung der Dienst­wohnung als Bezug ber Ruhestandsverfetzung het die Re­gierung den Wünschen der Volksschullehrer insofern Entgegen­kommen gezeigt, als sie anftalt oer bisherigen 200 Mk. in Zukunft den Betrag von 400 Mk. bei ber Pensionsberechtigung zu Grunde legen will. Tie letzte Erhöhung der Vottsschuttehrergehatte er­folgte im Jahre 1901, indem an Stelle der 1896 er Skala von HOU bis 2u0v eine solche ou.l 1100 bis 2oüO Mt. yefcßi touiiK. Jetzt wird nach 5er Verständigung zwischen Finanzausschuß unb Negierung eine Gehausstala von 1200 bis 3000 Mk. festgesetzt werden. Ein sd)öner Fortschritt in ber Lehrergehaltssteigerung, die noch mehr in bie Augen springt, wenn man noch die vorher­gegangenen Gehaltssätze vom Jahre 1890 heranzieht, nach weichen ein Lehrer erst nach fünfjähriger Tienstzeit einen Gehalt von 1000 Mk. und in weiteren Stufen von fünf zu fünf Jahren iiad) 25 Jahren erst den damaligen Höchstgehalt von 1600 Mk. bezog. Tiefer Höchstgehalt hat sich also in 17 Jahren säst ver­doppelt, und bay den Lehrern dies zu erreichen gelungen ist, muß in erster Linie ber festen beruflichen Organisation der Bottsschullehrer zugcschrieben werden.

Nicht ganz den Wünschen der Beteiligten entsprechend ist der Regierungsvorschlag zur Aufbesserung der Gehalte ber s emina- t i U i 1 ü) gebildeten unb technischen Lehrer der höheren Lehranstalten ausgefallen. Die ersteren bilden schon ein altes Sorgenkind der Stände, bie wiederholt bie Wunsche der Beteiligten als berechtigt anerkannten und befürwortende Ersuchen an die Regierung ergehen ließen. Ta aber die Differenz zwischen der von den Interessenten gewünschten Skala (20004000 Mk.) und der von der Regierung in Vorschlag gebrachten (die als Anfangs­gehalt 1800 Ml. unb als Höchstgehalt 38o0 Mk. vorsieht, keine besonders erfjeblidje ist, so dürste die Regierung aud) für diese firforgenbe Vorlage des Dankes der Interessenten sicher sein. Sie zweite Kammer hat in der bevorstehenden kurzen Frist bis

Airche rind Schule.

Der vor 8 Tagen als bevorstehend angelünbigte Pro­testier Kirchlich-Orthodoxen in Dortmund gegen die Wahl des liberalen Pfarrers Götz, ber anstelle des nicht bestätigten Pfarrers Cesar berufen würbe, ist bei dem Konsistorium in Münster eingegangen. Ter Protest fordert die Aufhebung bet Bestätigung ber Wahl des Pfarrers Götz und wirb begrüntet mit ber früheren Entscheidung des Konsistoriums im Falle Cesktr.

Ausland.

London, 26. Febr. Im Unterlaufe verlas heute Premierminister Campbell Bannerman ein Telegramm an den britischen Gesandten im Haag, in welchem dem Prinz- genial)! der Niederlande und der Mannschaft deS Rettungs­bootes die wärmste Anerkennung für ihr heldenhaftes Ver­halten bei der Rettung der Ueberlebenben an Bord des Wrackes der /Berlin* ausgesprochen und nutgcteilt wird, daß an die Mannschaft des Rettungsbootes eine angemessene Belohnung verteilt werden wird. Ter König habe dem Prinzgemahl das Großkreuz deS Bath-OrdenS verliehen.

Paris, 26. Febr. Der Senat nahm heute die Vor­lage bett, die Versammlungsfreiheit an. Artikel 1 betrifft alle Versammlungen ohne vorherige An­in e l d u n g.

Eine auS fünf Offizieren bestehende deutsche Mi- litärMission mit dem General Grafen von Hohenau und dem Prinzen von Neuß an ber Spitze, der sich auch zwei schwedische Offiziere angeschlosien haben, weilt gegenwärtig hier und besuchte gestern die Militär-Reitschule zn Sanmur, wo die Herren bereitwilligst in den Dienst der Schille ein- geweiht wurden. Sie ließen sich an 80 Pferde oorführen und sahen zum Schluffe einem Karufsellreiten zu. Hierauf vereinigte ein Frühstück die deutschen unb französ. Offiziere, wobei Graf von Hohenau in herzlichen Worten ür bie freundliche Aufnahme dankte und den Kommandanten der Kavallerieschule von Saumur einlud, nach Deutschland zu kommen.

Tie klerikale .Croix" veröffentlicht folgende Note: Die erzbischöfliche Kanzlei hat keinerlei Mitteilung von der Seine-Präfektur erhalten und erwartet auch keine mehr. Ter Abbruch der Verhandlungen ist somit eine vollendete Tatsache. Tie Regierung würde übrigens zu ihrem Vorgehen noch eine Ungeheuerlichkeit hmzufügen und Schriftstücke publizieren, welche aus den in der ehemaligen "Nuntiatur beschlagnahmten Papieren herrühren.

Toulon, 26. Febr. Die Polizei verhaftete hier einen italienischen Anarchisten, in dessen Wohnung große Mengen Explosivstoffe beschlagnahmt wurden. Der Verhaftete heißt Garborino. Er konnte über den Erwerb der bei ihm beschlag­nahmten Explosivstoffe keine befriedigende Auskunft geben.

Bei feiner Verhaftung versuchte er einen Pol 1 ze ioUlziet mit seinem Revolver zu erschießen, es gelang jedoch, ihn zu entrooffen. Garborino machte sofort nach feiner Eindrin­gung ins Gefängnis einen Fluchtversuch.

Prag, 26. Febr. In politischen Kreisen erregt eS große Aufregmig, daß der Staatsanwalt gegen zahlreiche deutsche und tschechische radikale Abgeordnete ein Ver­fahren wegen Majestätsdeleidigung eingeleitet hat, deren Immunität infolge der Auflösung deS NeichsrateS er­loschen ist. Die Deutschen und bie Tschechen wollen gegen diese Maßnahme eine Aktion im Landtage einleiten.

Sofia, 26. Febr. Der Vertrag über die Konversion einer Anleihe ist heute nachmittag von der Regierimg und den Vertretern der französischen Banken unterzeichnet worden. Dem regierungsfreundlichen BlatteAelscherna Poschta" zufolge isl in letzter Stunde vereinbart worden, auch bie 6 % i g e Anleihe von 1892 in die Konversion rinziibezieheu, wodurch die Anleihe nm 100 Millionen erhöht werden würde.

Petersburg, 26. Febr. Graf Witte erhielt die briefliche Aufforderung, sofort in das Ausland abzureisen, da er sonst getötet werden würde.

Bo» dcn letzten schwere» Schiffönnfüllcu.

Hock van Holland, 26. jebruar. Die holländisch« Regierung hat die Hebung des Wracks deS Dampfers .Berlin" angeordnet. Die gesunkene Wertpost wird rund ans eine Million Gulden geschätzt. SDlit dem Dampfer gingen von einer englischen Firma Diamanten im Werte von etwa 16 Millionen Mark unter, die ver­loren sind. Für die Herbelschaffung der Wertodjekle wurden 100000 Mk. Belohnung auSgesetzt. Wie weiter berichtet iDirb, sind bis jetzt 70 Leichen geborgen, von denen eine große Anzahl noch nicht ldenuslzlen werden konnte. Ein aufl Warschau in Hon eingetroffener Ruffe ist auf ber Suche nach feinem Bruder unb feiner Schwägerin, bie auf der Hochzeits­reise begriffen, mit dem Dampfer /Berlin* nach dem Konti­nent zurückkehrten. Der Ruffe befindet sich in so aufgeregtem Zustande, baß man für seinen GcisteSzilstand fürchtet. Heute ivurdcn von den deutschen Opernsängerinnen Fräulein Grün­berg und die ältere Fräulein Lehmann agnosziert. Das Be- sinben ber sechs geretteten Damen ist etwas weniger gut. Sie phantasieren unb werden nachts von schrecklichen Visionei» geplagt. Sie erhalten zahllose Briefe unb Telegramme aus allen Ländern.

Kanea, 26. Febr. Die Ueberlebenben der ,Impe- ratrij" erklärten, daß der Dampfer während eines fürchter­lichen Sturmes plötzlich einen derartigen Stoß erhielt, daß bie Passagiere das Gleichgewicht verloren. Gleichzeitig wurde ein dumpfes Krachen und brausendes Eindringen des WafferS in den Tampfer gehört. Infolge Versagens deS elektrischen Lichts wurde die Verwirrung noch erhöht. Unter jammer­vollem Geschrei eilten alle nach dem Vorderteü des Schiffes, Finsternis unb Sturm verhinderten aber jede Möglichkeit, baS Lanb erreichen zu können. Trog den Bemühungen des Kom- nianbanlen unb ber Offiziere, sie davon abzuhalten, bestieg eine Anzahl von Leuten em Boot, das aber sofort von den Wellen verschlungen wurde. Tie Ueberlebenben rühmten ein­stimmig bie Haltung der Offiziere, die feinen Augenblick bz Geistesgegenwart verloren hätten.

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Aus S.aSt UiiO Lcnrd.

Sprechstunden ber Rebattwn 11 1 Uhr Darin., - .11/28 Uhr abbS. Gießen, den 27. Februar 1907.

Eine öffentliche Sitzung d^r Stadtverord- neten-Verfammlung findet am Donnerstag, 28. Febr., nachm. 4 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verkauf von Bauplätzen an der Roonstraße. 2. Verkauf von Gelände an der Wolkengasse an G. Tnnkaus. 3. Austausch von Ge­lände am Wetzlarer Weg mit der Eisenbahn. 4. Tausch zwischen ber Stabt unb Wilhelm Gail. 5. Ausbau ber Fried­richstraße südöstlich ber Frankfurter Straße. 6. Umbau und Instandsetzung des früher Enders'schcn HauseS an der Tamm- straße (Schulbienerwohnung). 7. Uebcrtafiung einer städtischen Turnhalle für die MarmeauSstellung. 8. Desgleichen an den Radklub Germania. 9. Desgleichen an bie Freie Turnerschast ür einen weiteren Abenb. 10. Beleuchtung ber Ärofborfer Kreisstraße bis zum Anwesen ber Firma Rosenthal u. Co. 11. Straßenbeleuchtung in der Licher Straße. 12. Desgleichen in ber SlephanSmark. 13. Beschwerde ber Anlieger deS rechten Lahmifers wegen Ueberschwemmung ihrer Grundstücke. 14. Verkauf von alten Elfentellen. 15. Vergebung von Arbeiten unb Lieferungen für den Neubau der höheren unb erweiterten Mädchenschule. 16. Bedingungen für bie Ver­gebung von Arbeiten unb Lieferungen. 17. Gesuch des Kaninchenzüchterverems,Volkswohf um Bewilligung städtischer Preise. 18. Festsetzung der Ausnahmetage nach § 139 d 3 und 139 e 2 ber Gewerbeordnung für 1907. 19. AuShülfe bei der Stadtkaffe. 20. Niederschlagung von Rückständen auS dem Jahre 1905. 21. Trennung des Realgymnasiums und der Oberrealschule. 22. Aborte beim Realgymnasium. 23. Voranschlag ber höheren und erweiterten Mädchenschule für 1907. 24. Voranschlag der Armenkasse für 1907.

25. Voranschlag des Polizeiamts für 1907. 26 Anschluß ber Eisenbahnnebenwerkstatt an das Elektrizitätswerk. 27. Er­weiterung bes Elektrizitätswerks. 28. Erweiterung oes Wasser­werks. 29. Truck von ZmSscheinbogen. 30. Aufnahme einer Anleihe.

Die Gründung jungliberaler Vereine macht in unserem Eroßherzogtum z. Z. erfreuliche Fortschritte. In Darmstadt unb Worms wurden bie ersten begründet. Jetzt hat sich soeben ein solcher Verein in Mainz gebildet, unb auch bei uns in Gießen besteht, wie wir Horen, die Ab-