Ausgabe 
23.11.1907 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

kr. L76

157. Jahrgang

Samstag 23. November 1907

Lrlcheinl täglich mit Ausnahme des SonnllrgS.

Die ^Oietzener §amillendI8tter" werden dem ynjeiflei* otermal wöchentlich beigelegt. daS ^Mretshlatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentitch. Derhesfische Landwirt" erichemt monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitäts Buch- und ©teinbrudeceL R. Lange. Greben.

Redaktion, Exvedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: dl.

Redaktion.^KIlL. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

in der Entwicklung oder beim Lernen -urück- bleibende Kinder, sowie blutarme, stch matt­fühlende und nervöse überarbeitete, ieicbt erregbare und frühzeitig erschöpfte Erwachfeue gebrauchen als Kräftigungsmtttel mit großem Erfolg Dr. Hommcl's Hacmatogcn. t

Der Appetit erwacht, die ßcu'tiöcn und korvcrlrchcn Kräfte werden rasch gehoben, das Gejamt-Nerverivstem gestärkt.

Lian verlange jedoch ausdrücklich das echte Dr. Bommel s Haematogcn und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aurreden

politijd?c Ccrgesscdau.

atereflante Angaben über den Fleischverbrauch in Deutschland acht Richard Ealwer in der Arbeitsmarkt-Korrespondenz 8, November). Danach hat sich der Jleischverbrauch im Quartal 1907 bis jetzt auf 9,68 kg pro Hopf gehoben, >gcn 8,96 kg in 1906, 9,27 kg in 1905 und 9,62 kg

1904. Am meisten gestiegen ist der Verbrauch von chwemefleisch, und zwar auf 4,85 kg pro Kopf gegen 4,12, 14 und 4,71 kg in den vorhergehenden Jahren. Dagegen die Zunahme viel geringer für Kalbfleisch und Rindfleisch, e zwar absolut größer war als in den Vorjahren, aber m< ,lge der Vermehrung der Bevölkerung pro Kopf sich nicht anz so günstig stellte. In allen Fleischsorten war diesmal e Einfuhr so niedrig wie in keinem vorhergehenden Quartal. ie Niehrversorgung ist mithin hauptsächlich durch die erstarrte eistungsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft gedeckt worden.

e^i^geeeaeeegeeeHeeewiiBeiHBeeaeeeaiBÄWJMeeHeMneHemaaöeBeesaiB

den, da das Absteigen im Fahren durch die Bestimmungen der Betriebsordnung verboten sei. Auf die Berufung des beklagten Fiskus wiesdas OberlandesgerichtFranksurt a. M. den Kläger mit seinen Ansprüchen völlig ab. Das Oberlandesgericht erklärt, daß ein Verschulden des Schaffners nicht vorliege, da dieser beim Absteigen nur behilflich war, um größeres Unheil zu verhüten, den Kläger aber nicht zum Ausstei­gen veranlaßt habe. Ter Paragraph 254 B. G.-B. könne zwecks Teilung des Schadens nicht Anwendung finden; den Kläger allein treffe das überwiegende Verschulden an dem Unsalle, denn er hätte nicht den Sprung vom Wagen machen dürfen, als er sah, daß sich der Zug wieder in Belvegung befand.

Tie vom Kläger gegen das obcrlandesgercchtliche Urteil ein­gelegte Revision wurde vom 6. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen.

Verrniscyte».

* Ein böser Vergleich. Ein Berliner Blatt, die Zeit am Mittag", bringt eine recht unerfreuliche Gegenüber­stellung:

Wie gesagt, sie liest sich recht unerfreulich, diese Gegen­überstellung von Beilin und London! Aber nur für uns; die Engländer werden mit stolzer Genugtuung davon Kennt- nis nehmen.

* Eine Bestürmung der Sparkasse zu Danzig erfolgt seit letztem Samstag ununterbrochen. In Reu- fahnvasser, der Danziger Ostseevorfladt, war das Gerücht entstanden, daß infolge des Zlisammenbruches eines großen industriellen Unternehmens dorr die Sparkasse fchivere Verlufle erlitten habe, und es bemächtigte sich alsbald aller Spar- kassenbilehinhaber eine Panik. Es begann ein großer Run auf die Sparkasse, die aber dem An dränge als solides, feil fundiertes Jnstitilt DoUfommen gewachsen ist. Tie Danziger Sparkasse hat einen intakten Reservefonds von 41/* Millionen Mark. Der Danziger Polizeipräsident sah sich angesichts der wilden, in der Stadt verbreiteten Gerüchte zri einer öfscnt- lichen Kundgebung veranlaßt, in der erzur Beruhigung des beteiligten Publikmus" darauf hinwieS, daß die Gerüchte völlig grundtos seien. Die Sparkasse arbeitet Mit allen Kräften; an allen Schaltern wird voll jeder Betrag aus- gezahlt und von keiner Kündigung Gebrauch gemacht. Binnen ivenigen Tagen ist über eine Million Mark an die Sparer zurückgezahlt worden. Die Sparkasse kann leicht jeden Be-

Zyfinder werden auf die nassen yaaie gestülpt, die Schirme ge­öffnet und m Mieldrojchken eilen die Verlreier derBerliner Bürger- fchait nach Hause und wechseln die nassen Kleider.

London, Ellv, King Street. In der Ginldhall zu London sitzl der Lordmayor auf einer ihrou- artigcit Erhöhung neben seiner Gemahlin. Em Hermelmmanlel umflutet seine Gestalt und die Ladi)«Aiai)oreß ist prächtig ge­kleidet. Ter fremde Herrscher ivird eriuartet, und als sein Kommen gemeldet ivird, da schreiten der Lordmayor und die Lady-Atayoreß würdevoll dem erl. Gast bis an die Schwelle ihres Palastes entgegen. Der oberste Bürger Londons begriißt den »trächtigen Herrscher Deutsch' lands und die Kai erin nut Ehr­furcht.Londons Oberbürgermeister geleitet dteKaiserin in die prächtige Jpalle, und der Kaiser reicht iemeu Arm der Lady-Alayoreß.AlSGast- geber waltet der Lord-Mayor seines AmteS beim Feftniahl unb lauscht Reden nut dem Kaiser, in denen die gegenseitige Hochachtung zum Ausdruck tomlnt.

Berlin, Brandenburger Tor. Es regitet. T ieTekorat tonen hüben von Viertelstunde zu VtertelstmiOe von ihrer Pracht em. Unter ihren Regendächern harren die guten Bürger des Einzuges des fremden Herrschers. Tie Ehrensungiraueli in ihren weißen 5Uetdern frieren unb em Häuflein befrackter Herren mit goldeneii Ketten um den Hals harrt der Tinge, die da kommen sollen. Sie harren im Regen, sie treten wohl ungeduldig einmal von einem Bem autS andere, find aber im übrigen ganz Ehrfurcht und Geduld. Tie Stunde, da die Spitzen Der Stadt Berlin vors Tor be­fohlen find, ist längst vorüber. Endlich! Tie Menge schreit Hurra, Pferdegetrappel, der fremde Sou­verän und unser Kaiser sitzen un Wagen unb laßen vor dem Grüpp­chen befrackter unb befetteter Männer halten. Das Oberhaupt der Reichsycuiplstadt tritt an den Wagenschtag, das Haupt entblößt im rieselnden Regen. Begrün-- ungsrede. Gnädiges Kopfnicken der Souveräne, tief|te Verbeugung deS Ausertvählten der Berliner Bürgerschaft, die Pferde des Prunkivagens ziehen an, die

Reichsgerichtsbrief.

I. S. Leipzig, den 20. Nov. 1907.

(Nachdruck verboten.) ^bsieigenvoneineMschontvieder fahrenden Eisen­rahnzuge als jede Haftpflicht a u § sch l ie ße n d e s eigenes Verschulden.

Als der Landmaun K. am 14. Oktober 1905 in einem 4. Klasse-Wagen die Eisenbahnstvecke von Fulda nach Gersfeld uhr, machte er sich beim Abrufen des Ortes Altenfeld zum !lus steigen fertig. Er hatte einen Quersack auf dem Wckcn u nehmen schleppte in der rechten Hand einen Hand- öffer und einen Knüppel, in der anderen einen Dreschflegel mb eine Senfe. Als er auf die Plattiorm des Wagens ge- ommen war, setzte sich der Zug bereits wieder in Bewegung, t. sprang aber noch vom Wagen herunter, und half ihm Mr- ,i bei Schaffner, um ein Malheur zu verhüten. Bei dem Ad­ligen hatte K. jedoch durch den weitersährenden Zug eine Lrehang gemacht ober durch das Fortreißen der Belive machen wlnen und sich dabei einen Fuß gebrochen. Nach K. flieg roch jemand ab und der Schafiner stieg wieder auf den Wagen. Infolge dieses Unfalles machte K. Schadew.rsatzansprua^ auf Grund >ev Reichshaftpflichtgefetzes gegen den Eisenoahnsiskus gellend.

Das Landgericht Frankfurt a. M. verurteilte den.be­sagten Eisend ahnstslüs dem Grunde nach zur Halste zum Ersätze ;es dem Kläger entstandenen Schadens. In dem Bcryallen

Klägers sah das Landgericht ein konkurrierenoes Berschull

llirc^c Schule.

x Gietzen, 21. Nov. Die Evang. Konferenz ür das Grohherzogturn Hessen hielt heute ihre iesjahrige Provinzialversammlung im Hotel chütz hier ab. Den tzauptgegenstand der Verhandlungen lldete der Vortrag des Professors Schoell-Friedberg über te Frage:Haben wir ein gemeinsames evangelisches Fröm- ligkeitsideal?" Während bei der vor einigen Wochen im eucn Saalbau hier abgehaltenen Hauptversammlung der kirchlich-positiven Bereinigung" von dem Greifswalder Uni- >rsitätsprosessor Stange das Frömmigkeitsideal der mo- rruen liberalen Theologie als unbidlisch und unzureichend ingestellt worden war, gipfelten die das gemeinsame römmigkeitsideal energijch betonenden, vorzüglichen Aus- ihrungen des Referenten in dem Satze: Wir haben ver- hiedene Unterarten von Frömmigkeit innerhalb derselben langelischen Art. Wir haben darum nicht bloß das sitt- che Recht, einander zu tragen, sondern können bei pflicht- mäßiger möglichster Durchbildung der eigenen Weise sogar ajür dankbar jein, datz sie an der Frömmigkeitsweise nderer Gegengewicht und Ergänzung findet. In der chr regen, eingehenden und anregenden Aussprache über en Vortrag, der keinerlei kirchenpolitische Tendenzen hatte, im neben verschwindenden Einwendungen die allgemeine ustimmung der Versammlung zum Ausdruck. Mit einem tankeswort an den Referenten und die zahlreichen An- 'ejenden schloß der Vorsitzende, Professor Eger-Friedberg, ie Tagung.

trag, der verlangt wird, zahlen, doch nt es, rein physisch genommen, unmöglich, alles an einem Tage zu erledigen, ba Zinsen unb dergleichen berechnet werden müssen. Sonst werden bei der Sparkasse durchschnilllich 20 000 Mk. täglich aus- unb eingezahlt.

»Die alten Herren gegen den Trinkkomment« Unsere studentischen Trinkfitten haben den Groll alter Burschen­schafter erregt. Gegen den Trtnkzwang in studentischen Kor­porationen wendet sich ein AufrufAlter Herren" in den »Burschenschaftlichen Blättern". Tie Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft dürste, so heißt es da, m keiner Weise davon abhängig gemacht werden, wie der einzelne sich dem Alkohol- genusse gegenüber verhalle. Tie alten Zöpfe der Vergangen­heit, das Bierjungeu- und Cuantitäteutrinfen, die Fuchs­tafel u. s. w, feien zu beseitigen. Das Spinnenlassen sei als ein völlig veraltetes Erziehungsmittel zu entfernen. sDlan könne wohl ein forscher Student jein und doch dem Trink- zwang feindlich gegenüberstehen. Daher seien das maß­lose Trinken und die öde ftommentrciterei zu verbannen. Ter Aufruf ist unterzeichnet von vielen Aerzten, aber auch von einer großen Zahl im öffentlichen Leben stehender Viänner« So haben die Reichstagsabgg. Dr. 9lblaß, Detto, Eickhoff. Tr. Kolbe, Dr. Leonhardt, Dr. Polthoff, ferner Staats­minister v. Bobmann, Dr. Bürklin-Karlsruhe, Rechtsamvalt Tr. Tietz-Karlsruhe, Geheimrat Prof. Dr. Fischer-Rlarburg, Geheimrat Prof. Dr. Haupt-Gießen, Pros. Labanb- Straßburg, Prof. Orth-Berttn, Prof. Paulsen-Berlin, Wiinnrer v. Schönstcbt, Friebr. Spielhagen, der Generaldirektor des 9!orddeiitschen Lloyd, Tr. Wiegand und noch andere unter­zeichnet.

Frauensport. Unter diesem Schlagwort bringen die Münchener Blätter für Sporihnmor" wlgende lustige Aphorismen: Tie 'Dhigüt ist das Schmerzensgeld der Ehe. Das Heiraien ist die erfie Dummheit, die man begeht, wenn man vernünftig geworben ist. Wirit man feiner Frau den Haiidsainh hin, hebt sie den Panloffel auf. Viele Töchter Evas gleicheii auch dann ihrer Stammutter, daß siö durch einen Süiideniall zu ihrer ersten Toilette kommen. Tie Weisheit einer Iran ist billiger als ihre Schönheit.

Enfant tem'ble. Tie kleine Liselotte (beim Frühstück, während mehvere Gäsle anwesend sind):Mamachen, hast du auch schon deine Zähne eingesetzt?^

h Hafermehl Reismehl

Grünkernmehl Tapioka-Julienne Suppen-Würstchen Hahn-Maccaroni.

Grösste Ergiebigkeit und höchster Wohlgeschmack als Folge sorg­fältigster Fabrikation u. Verwendung bester Rohprodukte sind die unbe­strittenen Vorzüge der Knorrschen

Fabrikate.

\ freche mit BKnorr"\

ZUodt n s uus aller Zelt.

(Nachdruck verboten.)

In letzter Zell wird manches versucht, um dem Scheckver­kehr in Deutschland auch in Privaten Kreisen mehr Eingang zu verschaffen. Aber bei den meisten stoßen diese Versuche aus Widerstand, mitunter wohl aus dem Grund, weil man d.efer .modernen" Einrichtung nicht traut. . ,

Vielleicht interessiert aus diesem Anlaß ein kurzer Hinweis Darauf, daß es sich bei einer solchen Inanspruchnahme der Zanken im Grunde durchaus nicht um eine Errungenschaft der Aeuzeit handelt: vielmehr haben wir Zeugnüse aus einer lang 'iUrückliegenden Kulturepoche, die uns eine außerordentlich hohv. Entwicklung des Banw.rllhrs offenbaren. Es handelt stch daoei um die sogenannten Papyri, d. h. Schristitücke: aus emer Art Lavier, das aus der Papyruspflanze hergestellt wurde, Mtzei Menge hat uns der Boden Aegyptens derartige Schriftstücke bewahrt etwa aus der Zell vom Z. ^ahrh. vor Christ, bis zum 7. Jahrh. nach Christ, stammend^ Eine solcher Papyri, die geglättet und unier Glas gebracht, ronservrLrt werden, sind in dem Gießener O b e r he s s seum, oberer Stock, links, dauernd zur Besichtigung ausgcsiellt.

Diese unscheinbaren, braunen Fetzen mit.oen os. fast ver­löschten Schriftzügen erweisen sich immer mehr ah? unfdwbbar.. Erkenntnismittei des Lebens und Treibens emer langst iMabge- sunkencn Zell. Auch der Laie liest mit Interesse , die Schrist- irücke, die uns einen Einblick in die intimsten ^olMlige im tag- lick-en Leben jener Schreiber gestatten. Da rmbet man Ein­ladungen zum .Hochzeitsmahl, ^amlllenbrieie, " J3 bem liebenden Gatten, der seiner Frau schreib t,baßer vor Kummer über ihre Trennung die ganz eZ eit wedergebetetnoch gebadet habe; ^^cr von dem Knaben, der seinem Vater Vorwürfe macht, daß er ihn wcht mit nach Alexandria genommen habe und ihm nur dannu^4e lagt, wenn er ihm etwas Schones mllbrnige,

Tie Todes- und Geburtsanzeigen berühren als -modern vor allem auch die Gutachten von Aerzten auf^^dnung der Behörden bei Körperverletzungen, Mord, SelbMord, Unglücks fällen und deral tut comme enez nous. ,., ,

' Toch genug von solchen Einzelheiten, von denen sich nock viel ertt dlm ließ Es soll ja hier nur ein kurzer Blick auf die ®(Vu bei B°nkwes°ns in jenen Zeiten g-w°r,en weÄen^ Ta können wir denn beobachten^ daß wohl die JJCel}roai)i aller Zahlungen, wie AuL;ahiulrg unb Rück»ahlung von Cnt-

Achtung bess Kauspreiics unb bergt, nidjt m bar erfolgt, Ion em daß vielmehr hierbei meistens die Banken ttt ^uiprucy rnm wÄm. Jeder einigermaßen vermögende Mann hatte

vermutlich ein Depot bei seiner Bank und leistete seine Zah­lungen nicht in bar:r Münze, sondern dadurch, daß er ferne Bank zur-Zahlung anwies. Dann schrieb er etwa derartige Schreiber sind uns erhalten:

An Hermaws uuo Genoisen von Apollonws.

Zahle an den H-.-raches von dem Depot, das ich bei Dir habe, die Summe von 10J Drachmen als Tell des Kaufpreises für ein Haus, das ich von ihm gekauft habe."

Auf diese Anweisung ihres Kunden Apollonws zahlt dann die Bank, welche die Firma Hcrmaios und Genüssen (al,o unser: & Co.) trägt, dem Herachcs, dem Gläubiger des Apollonios, die Summe von 10J Drachmen aus, bezw. schreibt sie ihm zu gut Dies ist ein ganz einfacher Vorgang. Verwickelter wird die Sache in folgendem Fall: Die Isidora hat von dem Cyrill em Grundstück gekauft. Da Isidora und Cyrill Künden bleiben Bankiers sind, so braucht keine Zahlung in bar stattzusmden, vielmehr läßt die I., die Käuferin, einfach den Betrag des Kauf­preises von ihrem Konto ao- und dem des C. zuschreiben. Das Depot der I. verringert sich also um diese Summe, wähiend sich das des C. um dieselbe erhöht. Aber damit noch nicht genug Es ist auch stoch ein Gläubiger des C. vorhanden, der Sarapammon, der ihm auf Hypothek 10J Drachmen gellehen hat Diesen will C. mit der Summe, die ihm die I. als Kauf­preis zahlt, absinden. Da auch Sarapammon Kunde der Bank ist so laßt C. die ihm von der I. durch Umschreibung in den Büllern der Bank überwiesenen WO Drachmen weiter auf den S überschreiben, der damit Gläubiger der Bank für die,en Betrag wird. So sehen wir, daß zwei Barzahlungen, nämlich die von der Käuferin I. an ihren Verkäuier C. und imco-cr von diesen an seinen Hypotyekengläubiger S. er|part werden. Tie ganze Trausallion vollzieht sich nur durch Umschrewen bei der Bank von einem Konto zum aubent, ohne daß ein Geldstück bewegt wird. So gesckfehen vor 1<OJ Jahren, wie uns ein wohlerhaltener Papyrus erkennen läßt. Und gerade das, was in diesem Fall erreicht ist, die Vermeidung von unnötigen Hin- unb Herchieben von barem Geld, das ist cs, was unter anderem als Hauptvorzug des Scheckverlehrs, der sich bei uns einbürgern ^Olt' Un?"nun noch ein Beispiel aus dem reichen Papyrusmaterial, das vielleicht besonders geeignet ist, bei den Gießenern das Verlangen nach einer bequemen Einrichtung zu erwecken, die schon vor Jahrhunderten funktionierte. Kaum Jemandem ist es wohl in nuferer Stadt verborgen geblieben, mit wieviel Schwierigkeiten und Zeiimnust es ü|t verknüpft ist, wenn man als treuer Bürger seine Steuer zahlen will. Wie viel bequemer a 1 § hier konnte man das im alten Aegypten haben! So sehen wir aus einem Papyrus, der ein Einnahme-

register von Steuererhebern darilelll, daß ein großer Teil der Steuerzahler sich nicht persönlich zu ihnen bemühte, um ihren Tribut zu entrichten, sondern dies durch ihre Bank erledigen ließen. Eine kurze Anweisung dcs Stcurrzahlers an seine Bank genügte, woraus diese die Steucrzaylung eo^nso wie seine anderen Geldgeschäfte erledigte und sein Konto entsprechend belastete.

Mögen sich auch recht bald, viele Gießener im Jahre ISO? nach Ehr. ihre Steuerzahlung so erleichtern! Tie Getegenhell dazu ist ja jetzt geboten! Dr. T.

Der Wiener Hofburgtheaterdirektor .Paul Schlcnt- her schrieb für eine soeben in Wim ersch. n ne kleine Thraterichnft folgendes sehr bezllchn^nde Zitrn. dieser: Tie verschränkten Verhältnisse theatralischer Beziehungen rauben den Vorstehern derselben fast allen freien Willen, indem sie sich durchaus genötigt sehen, nach inneren Rücksichten zu handeln. Es kann nirgends ein GehoimNts bleiben, wo ein Theater in der 9llihe berwachtet wird." So schrieb der Hoftheaterdirektor Goethe aus Weimar am 15. November 1815 an die Darmstädter Hofdame Caroline v. Bode, welche ihm den italienischen ^Sprachlehrer der Großher­zogin von Hessen nebst seiner Tochtcr für die Weimarer Hofbühne empfohlen hatte.Goethe hat damit, so fügt Schlenth^r hinzu, allen fpatcven Theaterdirekwren aus der Seele gesprochen."

Kleine Kunstchronik. Tie BerlinerNeue Freie Volksbühne" brachteUm die Zukunft", Drama von Wilyeun Holzamer, am 20. November zur Auuührung. Cs wird darüber berichtet: Vian wird die starke, edle Teud_nz, d.e noch einmal ein paar Akioroe aus der Sp.elhagenzeit au)greift, eine Tendenz gern auf sich wirken lassen, ohne darum die Anfänger­technik HolzunarS zu über,eben. Ter soeben e rschiencne iilu- ivierte Woihnachls-Almanach der G. Grotefchen Verlagsbuch­handlung in Berlln enthält eine kurze Studie über Wi.hllm Raabe von Karl Busse und die Anzeigen bir Neuerscheinungen o.s Jahr.s und der Werte der Autoren des Verlages mjjt einigen Porträts. Eugen d ' Albert wird einem an ihn ergangenen Rufe als Direktor der tintigL Hochschule in Berlin als Nachfolger von Prvstistr Joachim'n i cht «olgen. Wertvolle Funde sind in der Pfarrkirche auf dem Petersberg bei Fulda gemacht wer­den. Ein Teil der Krypta dieser Kirche stammt noch a us der karolingischen Zeit, und in diesem Teil fand man noch zwei iteiiuriie UUurplatten, die laut Inschrift direkt auf den Fuldaer Abt Hrabanus Maurus, der von 822 bis 842 amtierte, zurück­gehen. Ferner zeigten sich Neue von Wandmalereien, die, falls iie bet weiter.r Ausveckung unb Untersuchung Stich hallen, a^s höchst seltene Zeugen karollng.scher Wanburaierei auf deutschem Boden von Wichtigkeit wären.