Nr. »75
Zweites Blatt
157. Jahrgang
Freitag 22. November 1907
Urlcheint tü-Nch mit Ausnahme bei Vonniagl.
^Atehener ZamtNendlStter" werden dem gllnjeiflH* oiennal wöchentltch beigeleqt, das „Krelsblan (Ui den Kreis Eiehen" zweimal MÜche-lUlch. Der „tjefflld)« Eanörolrt" erscheint •umalltd) etninaL
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Rotationsdruck and Verlag der Br üblichen Untoerfuätfl • thid> und Gremdructerel.
R Lauge. Kletzen.
Redaktion, TrvedMon und Druckerei' Schul- stratze 7 $ipebttton anb Vertag t>L Redaktion. ^8,112 leL-Blbt. 81 r-^eig er Götzen.
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Kn nftrtiaHonaftr Antrag üvcr Anfallvkrstcherunq.
Der Bundesrat Hut einen zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden abgeschlossenen Vertrag über Insallverjicherung genehinigt. Der Reichstag wird bei einem Zusammentritt den Vertrag nebst beigefügter Denkchrist sofort entgegennehmen können. Der Vertrag an sich nthält zwar keine weitreichenden Konsequenzen, ist aber lichtsdestoweniger sehr beachtenswert, weil durch ihn ein Ztück der Arbeiterverjicherungsgcsetzgebung wenigstens zum 5eil einer Reglementierung durch internationale Verein-- larungen entgegengesührt wird. Es wird damit still- chwcigend anerkannt, daß die im Prinzip selbstverständ- iche Beschränkung des Arbeiterrechts und Arbeiterschutzes ius das von den eigenen Neichsgrenzen umschlossene Terri- lorialgcbiet sich nicht durchweg mit Starrheit aufrechterhalten läßt. Es scheint uns nicht zweifelhaft, daß im Hinblick aus das Hinüberwechseln von Arbeitsuchenden über >ie trennenden Landesgrenzen hinweg künftighin die Not- ivendigkeit dringlicher hervortreten wird, die einschlägigen Lersicherungssragen durch internationale Vertrüge in breiterem Maße als bisher zu ordnen. Als einen in dieser Richtung abgeschossenen Probepseil möchten wir auch den setzt vorliegenden deutsch-niederländischen Vertrag ausfassen.
Nach dem deutschen Verjicherungsrecht brauchen inländische Unternehmungen bezüglich der Unfallversicherung nicht unbedingt aus das Inland beschränkt zu sein. Als Zubehör der deutschen Betriebe gelten vielmehr auch gewisse in das Ausland übergreifende Arbeitszweige, sosern sie nicht den Eharakter eines selbständigen Werkunternehmens an sich tragen, z. B. die Montage. Anderseits vermeidet eö die deutsche Unjallversicherung, derartige „AuZstrah- lungeu" ausländ. Betriebe aus deutschem Boden in ihren Wirkungskreis einzubeziehen. In den Niederlanden wird die Unsallverjicherung nach ganz ähnlichen Grundsätzen gehandhabt, doch bestehen dort einige Abweichungen vom deutschen Rechte, die zu Unträglichkeiten führen, indem derselbe Arbeiter unter Umständen einer Doppelversicherung unterworfen werden oder auch von jeder Versicherung frcibleiben kann. Niederländische Unternehmer sind nämlich, wenn sie in Deutschland Arbeiten aussühren, in Bezug aus ihr Personal den dortigen Unsallgesetzen unterstellt, jedoch mit der Klausel, daß die betreffenden Versicherten ihren Wohnsitz in den Niederlanden haben müssen. Das deutsche Recht hingegen hält sich eng an das Territorialprinzip und läßt dementsprechend die Staatsangehörigkeit fowie den Wohnsitz des Unternehmers und der Arbeiter außer Obacht. Die deutsche Unfallversicherung zieht also jene Arbeiter aus den Niederlanden zur Verfiche- eungspslicht heran, falls ihre Tätigkeit über den Begriff der „Ausstrahlung", d. h. eines unselbständigen Nebenbetriebes des niederländischen Unternehmens hinausgeht. Das ergibt aber eine zweiseitige Inanspruchnahme derselben Person für die Unsallverjicherung.
Nun kommt zudem die bereits erwähnte Klausel in Betracht, die die Versicherungspslicht drüben abhängig macht vom Wohnsitz in den Mederlanden. Demzufolge versichert, indem nämlich die Niederlande Anstoß daran bleibt die Betriebstätigkeit unter Umständen überhaupt un- nehmen, daß der Wohnsitz außer Landes ist, während
Deutschland aus die Versicherung verzichtet, weil seines Erachtens der Umfang des Betriebes über den Begriff der „Ausstrahlung" hinausgreist.
Diese und noch andere ähnliche Widersprüche in den beiderseitigen Gesetzen haben Veranlassung gegeben zum Abschluß eines Staatsvertrages, der die Unebenheiten durch eine sreundnachbarliche Verständigung beseitigt, und zwar in dem Sinne, daß die Unfallversicherung keinen Arbeiter ausläßt, aber auch niemanden doppelt heranzieht.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Nov. Dcr „Reichsanz." schreibt: Der bisherige Gesandte in Teheran, Ste m r i ch, wurde unter Beilegung des Charakters als Wirkt. Geh. Legationsrat zum Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt.
— In den nächsten Tagen dürste der Bundesrat den zur Vorlage an den Reichstag bestimmten Gesetzentwurf betreffs unserer Handelsbeziehungen zum briti- s ch e n R e i ch e abstrtigen. Bekanntlich läuft das Gesetz, das die erforderlichen Vollmachten zur Einräumung der Meistbegünstigung für britische Erzeugnisse gewährt, am 31. Dezember d. I. ab, sodaß vor Jahres sch lug eine Verlängerung notwendig wird. Der Entwurf nurv dem Reichstage wenige Tage nach seinem Zusammentritt zugehen. — Der Bundesrat hat ferner beschlossen, die veroündeten Regierungen zu ersuchen, den R a d j a h r v e r k e h r in ihren Gebieten nach Maßgabe der von ihm für den Radsahrvcrkehr ausgestellten Gruudzüge lanbesgese tz l i ch zu regeln; die Verordnungen sollen am 1. Januar 1908 in Kraft treten.
— Wie die „Nationalztg." von unterrichteter Seile erfährt, steht ein Erlaß des Reichspostamtes bevor, der die Arbeilsverhältnisse der im Bereich der Verwaltung angestellteu Post- und Telegraph-rmacbeiter zu regeln be- stimmt ist. Dieser Erlaß beschäftigt sich mit den berechtigten Wünschen der Arbeiterschast. Beispielsweise sollen die Löhne, wo dies noch nicht geschehen, ist, ausgebesserl weroen.
— Der Herzog von Cumberland hat nach dem „Niedersächsischen Wochenblatt" 60 000 Mark für den von der Welsenpartei errichteten P a r t e i f o n d gespendet, dessen Zweck die Förderung welsischer Zeitungsunternehmungen in der Provinz Hannover ist.
Frankfurt a. M., 21. Nov. Die „Dtsch. Weinztg." erklärt, mit ziemlicher Bestimmtheit melden zu rönnen, daß bei den Beratungen der Einzelregierungen in Berlin über das neue Weingesetz, die nach dreitägigen Verhandlungen beendet worden sind, die §§ 5 (EtiteUenfrage) und 14 (Kognakbenennung) größeren Abänderungen unterzogen worden sind.
München, 21. Nov. Der Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer hat den Gesetzentwurf über Aushebung der Po st Porto-Freiheiten angenommen. In der gleichen Sitzung recht,ertigte der Finanzminister die Vierpolitik des Hofbräuhauses, das die Bierpreiserhöhung nicht mitgemacht habe und trotzdem rentiere.
Dresden, 21 .Nov. Finanzminister De. v. Rüger erklärte heute in der zweiten Ständelammcr, daß die sächsische Regierung entschlossen sei, mit Rücksicht auf die allgemeine Teuerung am 1. Januar 190J den sächsischen Staatsbeamten doppelten Wohnungsgeldzuschuß zu gewähren uno bereits vom 1. Januar 19u9 ab eine organische Neureg elung der Beamtengehälter in Kraft treten zu lassen. Zur Deckung der benötigien 13 Millionen Mark soll unter anderem eine Reform des Stempelsteuer-Gesetzes vorgenommen und noch in dieser Etatsperiode verabschiedet werden.
Stuttgart, 21. Nov. Ter katholische Historiker an der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen Hein- rich Günter, dem der Bischos Keppler eine Vorlesung über mittelalterliche Legendenbildung verbot, hat diese Vorlesung tatsächlich eingestellt. Der „Schwäbische Merkur" sordert sosortige amtliche Aufklärung über diesen unerhörten Eingriff .in die Lehrfreiheit der Universität.
Karlsruhe, 22. Nov. Gestern beriet die sozialdemokratische Landtags-Fraktion über die Zräsidentschaftsjrage zur 2. badischen Ka turn e r. Die Beschlüsse werden geheim gehalten. Die Mannheimer sozialdemocratlsche Voltsstimme fchreibt: Die Sozialdemokratie übernimmt keine hö, Ischen Repräsentationen und schiebt den Nationalliberalen die Verantwortung für die Folgen zu.
Freiburg (Breisgau), 21. Nov. Der frühere Reichs- tagsabgeorünete Ludwig Marbe (Zentrum) ist gestorben.
Münster (Elsaß), 21. Nov. (Privattelegramm.) Der Bürgermeister Dr. Nuhlan, srüher Mitglieo des Reichstages im Wahlkreise Evlmar uno Mitgckeo des Lanoesaus- chujses, ist gestern abend, 73 Jahre alt, gestorben.
Straßburg, 21. Nov. Statthalter Gras von Wedel und Gemahlin ist heute nachmittag hier einge- trossen und am Bahnhöfe von den Spitzen dec bürgerlichen und ntililärischen Behörden empfangen worden. Nach der Begrüstung begab er sich im Wagen zum Statthallerpalais.
uunl.pt unO ^.beitiifrußrn.
Der Petitionsauchchuß der 2. Hess. Kamucer beschäftigte ich am Miktlvoch mit den Artträgen Dr. Freitah unb Gen., jüiuie Ulrich und Genossen bete. Gewecbeausjicht, lOiuie Bauarbeiter sch utz. Den Bericht hierüber ec* stattete Abg. Adelung. Daraus geht hervor, daß nach der vom Rcichsveriicherungsomt herausgegebenen Uitfallstaästik eine Steigerung der Unfälle zu verzeichnen ist. Die Petenten lueijen daraus hin, baß es ähnlich wie mit den Unfällen auch mit der Beschajjenheit dec Bauten bestellt sei. Eine von der Kommission in den Städten Darmstadt, Worms und Ossenbach aufgenommene Statistik stellt feft, daß es bezüglich der Schutzvorrichtungen und sanitären Einrichtungen bei Hoch- und Tiefbauten äußerst schlecht bestellt ist. Die Petenten unterbreiten ferner eine auf der dritten hessischen Arbeiterschutzkouserenz gefaßte Resolution, in der gegen die Nachlässigkeit der Behörden auf dem Gebiete des Bauarbeiterschutzes protestiert und die Uebernahme des Bauarbeiterfchutzgesetzes auf das Reich verlangt wird. Die Regierung hat in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Ausschusses auf diese Anträge geantwortet. In einem weiteren Schreiben macht die Regierung auf ihre Auslassung zur Vorstellung der Zentralkommission der Bauarbeiter Hessens aufmerksam, in der es u. a. heißt: „Die Gewerbeaufstcht hat inzwischen eine Vermehrung ihres Personales durch Hinzuziehung von Hilfskräften aus dem Arbeiterstande erfahren. Es sind im Rechnungsjahre 1907 5 Gehilfen angestellt worden. Im Hauptvoranschlag für das Rechnungsjahr 1907 begründet die Regierung die Anstellung wie folgt: „Seit der letzten Personalvermehrung linb, abgesehen von kleineren Vorschüssen, folgende neue oder beträchtlich erweiterte Tätigkeitsgebiete für die Ge* werbeaujsicht entstanden: Kellnerschutz, Konsektionswerk- stätten, Ziegeleien, Steinbruchbetriebe, Handwerksbetriebe mit Motor, das Kinderschutzgesetz und Deausjichtigung der Tünchereibetriebe. Dazu kommt die fortgesetzte Vermehrung der schriftlichen Arbeiten. Hierunter leidet die Revisionstätigkeit empfindlich, und dieser Zustand wird sich noch verschlimmern, wenn die bald zu erwartende reichsgesetzliche Regelung der Heimarbeit den Gewerbeinspektionen weitere Belastung bringt. Es kann deshalb eine Personalvermehrung nicht umgangen werden. Der Ausschuß bezweifelt, ob die Vermutung dec Regierung richtig ist, daß sie mit Vermehrung des Aufsichtspersonals um fünf Gehilfen auskomme. Im sozialpolitischen Interesse des Staates liege eS, die Gewerbeinspektion stets in der Lage zu erhalten, die zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiterschast und der Kinder notwendig ist. Der Bauarbeiterschutz harre noch immer seiner gesetzlichen Rege« (ung durch den Staat.
Da die Regierung eine Vorlage betr. den Bauarbeiterschutz in Aussicht gestellt hat und sie sich bei früheren Anlässen gegenüber den detaillierten Vorschlägen ans Bauarbeiterkreisen über die Ausgestaltung der gesetzlichen Schutzbestimmungen im allgemeinen zustimmend verhielt, so darf wohl angenommen werden, daß in der in Aussicht stehenden Vorlage den geäußerten Wünschen Rechnung getragen wird. Auch zur Frage der Organisation der Dauarbeiterschutz- kontrolle müsse Stellung genommen werden. Der Ausschuß neigt der Ansicht zu, die Baukontrolle sei am zweckmäßigsten der Gewerbeaufsicht anzugliedern, da sie sich hier am geeignetsten einfüge. Der Ausschuß beschließt hiernach: Die Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen: 1. Alsbald eine Gesetzesvorlage eine zubringen, die einen wirksamen Schutz der Bauarbeiter in Bezug auf Sicherheit gegen Gefahren für Leib und Leben, Gesundheit und Sittlichkeit garantiert, unter Berücksichtigung der Vorstellung der Zentralkom- mission der Bauarbeiter Hessens. 2. Auf eine ausreichende baupolizeiliche Ueberwachung, insbes. durch Heranziehung praktisch geschulter Bauarbeiter hinzuwirken.
Derselbe Ausschuß beschäftigte sich dann mit dem Antrag Ulrich und Genossen betreffend die Arbeiter und Angestellten in den Staatsbetrieben, wonach verlangt wird der achtstündige N o r m a 1 a r b e i t s t a g , Fepsetzung eines Minimallohnes, Zusicherung fester Alters- und Pensionszulagen, Einrichtung von Arbeiterausschüssen und Garantierung des freien KvalitiotrscLchtes. Aus der Aut-
Eine Bilderansstellung iu Wetzlar.
AuS Wetzlar wird uns geschrieben:
Im .Jerusalem-Z, in in e tw in Wetzlar befindet sich mr- zelt eine Büderausslellung, die es verdient, beachlet und gewürdiqi zu werden. Es sind Aquarelle, Lelqemälde und Federzelchmmqen eines Wetzlarers, des vor 3 Jahren verstorbenen Eugen K o h l - Hauer. Maler von Berus ist Kohlhauer mcht gewesen, doch Hal er es mit semer 'Dlalfunft — wie seine zahlreichen Werte durchweq beweisen — ernst genommen. Vorwiegend hat er sich Motive ans Wetzlar und Umgebung gewählt. Ta iesselt znnächst em größeres Aquarell „Tie Bahnbrücke bet Wetzlar", dann Partieen aus Alt- Wetzlar iDie: „Die alte Stadtmauer", „Tas alte Rathaus" und einige andere mehr. Ein Blick über bteie Bilder und Bildchen genügt, um von der wahren Kunst Kohlhauers überzeugt zu Jem. Juntg hat er sich in die vlatur versenkt; sem "Lmsel ist nicht minder sorgiälttg gewesen, wie sein Attge im beschatten und festhalten. Sehen mic tvener, dann entdecken rotr, daß der Dialer die Stille und den Frieden in der Natur für seine Schöpümgen bevorzugt hat. Da ist u. a. ein Dori-Idyll „Lötvenhageu bet Königsberg", das ein Werk seinzügigster Kleinknnst bedeutet. Eitt wmdschieier Zann nut geknickten Wiesenblumen, nickenden Gräsern, eine satte grüne Wiese, durch die sich ein t nimmer Psad schlängelt, wie plastisch wirkt auf diesem Bude selbst die kleinste Kleinigkeit. Auch die Laiidschaft ans .Garbenhelm" (Goethe'S Wahlheim in „Werther") und weiter .Dlagdaletienhausen", berühren recht sympathisch. Tie Farben sitid niemals anidrniglich, nicht schreiend, dabei aber echt der Natur entlehnt. Ohne irgend welche Tüsterhen, ohlte Rätsel und Geheimnis, klar und deutlich führt er uns in seinen Gemälden durch Täler, Wälder, Dörfer unb Städte, und überall sollen wir em Stückchen Weltfrieden, Frohsinn und Soinienjchein mitnehmeii. — Unter den Federzeichnungen kann an dieser Stelle nur das Lilo-Koluß-Grab, .Deckstem im Kaisergrunb", angeführt werden. Von den Celgemälöen möchte ich zuerst .Tas Lahnpwrtchen" nennen. Dieses Bild übt wegen seiner ruhigen arbeit einen eigenen Reiz aus. Tie Ausführung der leeren ^enlterhohleu tu dem verfallenen Häuschen am der Stadtmauer halten das Auge des Beschauers lange fest. Daneben berührt der hohe spitze Giebel, der m den farblosen Himmel ragt, höchst wundersam. '^5ul fiel) einem dabei die Frage über die Lippen stehlen, ob hier die Vergessenheit schlummert? —- "Auch einige Pouräts hat Kohlhauer gemalt. Vielleicht ist sein Pinsel ein wenig idealistisch veriauren, gleichviel, der Eharakterkopj eines alten Mannes i|t künstlerisch schön. „ . . i.
Hoffentlich haben diese wenigen Zeilen em ganz klein wenig die Neugier auch der Gießeiier Eliiwohncr angeitachelt, o, vag ste NW aiitmachen, um die Bilder im Jetulalein-Znnmer selbst m Augenschein zu nehmen.
— Das Kaiser-^>oktordtpiom. Das Dtplom, bas am 15. ds. der Kanzler Lord Curzon und die Abordnung
dec UniDcifität Oxford in Windsor dem Kaiser überreichten, lautet:
„Kanzler, Lehrer und Graduierte der Universität Oxford entbieten allen, denen diese Urkunde vor Äugel' kommt, eiuigen Gruß im Herrn. Da S. SJJL der deutsche Kaiser, der in den Künsten des Friedetls ebenso erfahren ist ivie m tcuen des Krieges, genehmigt hat, daß sem Name den berühmten Geschlechtern augereiht wird, die unsere Annalen zieren, haben wir Kanzler, Lehrer und Graduierte dieseit Herrscher, ebeuiotvohl der Hoheit Würde wegen, die er bekleidet, ivie tvegeti der engen Verwandtschaft mit unserem Königshause krau dieses Diplomes 511m Doktor der bürgerlichen Rechte ernannt u. bestellt und wollen, daß er die säntllichen Rechte und Sonderrechte, dte Dem Grade zukommen, genieße itud ihrer froh werde. Gegeben m UiiseremEonvoeatlon House am V.November im Jahre desHeils lN)?." Tas Aktenstück ist kunstvoll auf Peigament mit Verzierungen in Blatt iind Gold und mit Schrift im Stile des 16. Jahrhunderts angesertigt und mit dem Siegel der Universität in einer goldenen Kapsel versehen.
— Kleine K 11 n st ch r 0 n i k. — Jn^dem aus dem allen Orpheum neu hervorgegangeiien Residenz-Theater zu Fränkin rt a. 9)1. bürgert sich der deutsche imt) »rcuizüsische Schwank mit Glück ein. Neuerdings hat da „Reiterattacke" von Stobltzer und Friedinann-Frederich besotideren Er'olg errungen. — Frau Elsa Hensel-Schweitzer, die befaimte dramatische Sängerin der Frankfurter Oper, ivuibe vom Herzog von Anhalt anläßlich eines Gastspieles in Dessau ivähreud der B 0 r st e 11 u n g der „W a l f ü v e" zur Kammersängerin ernannt. — Der Künstler- Verband österreichischer Bildhauer veiößeutlicht eine 9)htteilung, in welcher der Bildhauer Joses P a r s ch a l k des P l a g 1 a t s beschuldigt und ihm die Fähigkeit abgesprocheu wird, ein Denkmal, das ui Wien zur Aufstellung gelangen soll, selbständig zu schassen. — .Onkel B e r n i cf e" von Kadelburg wurde un Berliner Lnstspielhaus mit einem Erfolg aufgetührt. Das Stück ist eigentlich eme Wiederaufführung eines gänzlich iimgeaibeiietcii Schwankes, der im Schauspielhaus früher einmal durchgeiallen war. Damals nannte Kadelburg fern Werk .Tas Bärenfell". — Ter bekannte Frankutrter Bühnenkünstler Atax B a y r h a m m e r veranstaltete dieser Tage m M a 1 nz einen Rezitationsabend. In den /DL 91. 9L* heißt es darüber: H. Bayrhatiniier ist ein bedeutender Sprach- (ünfller. Es vereinen sich bei ihm Fülle und Wohllaut des Organs. Seii,e Tavbietimgeii wurden mit großem Beifall amgeuommen. — Der sattsam bekannte Komödiant und Berliner Theater-Tirektor Botin scheidet am L0. November aus dem Berliner Theater. Tie Direktion ivuibe von Willy Großlopi, dem neuen Besitzer des Berliner Theaters, auf zehn Jahre an die Herrn Meinhard und Ber- uauer übertragen. Bts zum Schlnsse der Saison joll das Theater l’ür Gastspiele verpachtet werden. Dte neue Spielzeit beginnt am 1. September 1908.


