Ausgabe 
25.10.1907 Erstes Blatt
 
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nichts.

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ob Eulenburg etwas mit es dem Reich zuträglich ist festgestellt, daß Fürst Bewußt unwahr ist die er den Sinn der Artikel

den Grafe,' wurde, vor

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Sees* rin- Flotte.

Berlin, 24. Okt. DieNat-Ztg." be montiert die Nachricht einer Korrespondenz, wonach der rommanbicrcnbe General des 7. "Armeekorps, Frhr. o. Vissing sein Ab- schiedsgesuch einzureichen beabsichtige.

ncntcii des Berliner Polizeipräsidiums §n laden, die über die Neigungen des Fürsten Eulenburg, des Grafen Willi Hohenau unb Lecomtes Auskunft geben werden. Warben: Der Chef des Militärkabinetts hat über den Privatklüger in Ausdrücken gesprochen, die ich nur unter Ausschluß der Ocffentlichkcit wiedergeben könnte. Wenn dieser Herr so von dem Grafen spricht, wie kann ec sich beleidigt fühlen, wenn ein Schriftsteller ihn alsSüßer" bezeichnet. Bernstein: Wenn er sich schuldlos fühlt, warum hat er sich dann ans Vermittlungen mit Harden eingelassen? Warum hat er ihn nicht gleich ge­fordert? Fürst Eulenburg hat sich Herrn Harden gegenüber bereit erklärt, auf seine poetische Tätigkeit zu verzichten, wenn dieser schweigen würde. Las ist ein Beweis der Schuld. Graf Moltke: Ich erkläre, daß ich die Spitzen in den Artikeln nicht als, Spitzen Erkannt habe, daß mir ihr beleidigender In­halt erst später klar wurde. Ich habe Harden keine Sekundanten geschickt, weil man mir sagte, daß er für seine literarische Tätig­keit nicht mit der Waffe eintrete. Ich weise nochmals zurück, daß eine Gruppe in der allerhöchsten Umgebung bestanden hat, und daß eine solche Gruppe politisch zusammenwirkte und ver­derblich mar. Die anders lautende Behauptung ist eine Ver­dunkelung der wirklichen Tatsachen. Wenn inan glaubt, daß in der allerhöchsten Umgebung ein General ä la suite sein könnte, der der Zuträger für politische Nachrichten für Se. Ma­jestät ist, so ist das eine empörende Unrichtigkeit. Bei uns ist jedes Ressort viel zu streng geschieden. Ich bin gestern den Behauptungen der Frau v. Elbe nicht energisch genug entgegen* getreten. ES wird mir keiner verdenken, daß es mir unendlich schwer war,, auf diese dunkelste Stunde meines Lebens zurück­zugehen. Es ist außerordentlich peinlich für einen alten Sol­daten der wohl vor der Front ein frisches Wort hatte, nach 42jähriger Dienstzeit sich nun vor der Oesfentlichkeit als Ver­dächtigter zu verteidigen. Alle die Anklagen, die von Frau v. Elbe gegen mich erhoben wurden, sind von acht Richtern geprüft worden und nicht der Schatten eines Verdachtes ist auf mir sitzen geblieben. Ich bitte, eventl. das Erkenntnis zum Ehescheidungsprozeß zu verlesen. Harden: Warum ist denn Graf Moltke seiner Stelle verlustig gegangen? Warum ist er beim nicht mehr Stadtkommandant von Berlin? Er ist ge­zwungen worden zu klagen. Man hat ihm gesagt, er müsse klagen oder .den Rock ausziehen. Ich rufe dafür das Zeugnis des Reichskanzlers Fürst Bülow und des Grafen Hülsen-Häseler an., v. Gordon: Es ist behauptet worden, daß Graf Moltke versucht habe, den Kaiser zu beeinflussen. Ich rufe den Kaiser als Zeugen an, daß Graf Moltke nie versucht hat, mit Wünschen politischer Art an den Kaiser heranzutreten. Das Gericht setzt die Entscheidung über die meisten Beweisanträge aus und beschließt zunächst, Beweis zu erheben, ob der Freundeskreis in der Nähe des Kaisers Päderastie getrieben habe, und ob das dem Grafen Moltke bekannt war. Darüber soll General v. Kessel vernommen werden.

wir nicht. Wir wissen auch nicht, der Majestät besprochen hat, und ob war oder nicht. Bernstein: Es Eulenburg sich politisch betätigt hat. Behauptung des Grafen Moltke, daß

Das Gericht beschließt, bei dieser Beweiserhebung die Oef- fentl ich keil a u s z u s ch l i e ß e n. Die Presse und die an­wesenden Juristen werden zugelassen. Zeuge Boll Hard, der 1690 beim Regiment Garde du Corps stand, bekundete, daß Graf Lynar in Potsdam sich homosexuell betätigte, unb daß ein Graf Hohenau dabei war und andere Herren, die der Zeuge nicht kannte. Es sei auch gemunkelt worden, daß Graf Moltke so etwas mache. Die Gardisten seien in Potsdam unb Berlin viel von Herren belästigt worden. Wachtmeister Berendes be­zeugt, daß der Bursche des Grafen Lynar abgelöst werden wollte, weil der Graf zu liebenswürdig sei. Darauf folgte das weitere. Vom Grafen Hohenau wurde dasselbe erzählt wie vom Grafen Lynar. Der Zeuge Krause, der 1898 bis 1902 in Pots­dam diente, hat ebenfalls gehört, daß Graf Lynar und Graf Hohenau Umgang mit Männern hatten., Einige andere ehe­malige Soldaten der Potsdamer Garnison haben wohl dunkle Gerüchte gehört, daß Offiziere mit den Soldaten geschlechtlich verkehrten, sie wissen aber Positives nicht zu bekunden.

Unter allgemeiner Spannung wurde dann der Kommandeur des Garde du Corps, General v. Kessel, vernommen. Bors.: Haben Sie einmal mit dem Grafen Moltke darüber gesprochen, daß gegen den Fürsten Eulenburg ein Gerede wegen wider- uatürlickier Unzucht^ ging? Zeuge: Nein, niemals. Harden:

)in Garde du Corps eine Aktion gegen ing und das Polizeipräsidium gebeten U zu berichten? Zeuge: Nein, cht die Absicht, den Grafen Lynar zum

Exchange Telegrain Company wirb aus Petersburg gemel­det, unter dem H aup tp o liz e i a m t e in Peters­burg sei eine Mine entdeckt worden. Mehrere Ver­haftungen seien vorgenommen worden.

Warschau, 24. Ott. Die revolutionäre So­zialdemokratie hat ihre Tätigkeit wieder ausgenom­men. Im Laufe der Nacht zum Mittwoch und in den gestrigen Morgenstunden wurden in Warschau und Um­gebung nicht weniger als 6 Attentate auf Privat­personen verübt, die als Vollstreckung revolutionärer Todesurteile anzusehen sind. 2 Personen wurden ermordet, 2 schwer verwundet. Die Attentäter sind entkommen. Nur in einem Fülle wurden drei Männer als verdächtig ver­haftet. Bet einem Ueberfall entslvhen die Attentäter in zwei Droschken und schossen auf die sie verfolgenden Poli­zisten. Dabei wurden zwei Privatpersonen verwundet. Alle Attentate wurden nach derselben Methode ausgeführt. Die Vollstrecker der Todesurteile arbeiten fast immer in Gruppen von 5 Personen, von denen zwei den Mord ausführten und drei das Publikum mit vorgehaltenen Revolvern fern hielten.

DieVoss. Ztg." meldet aus Warschau: Das Kriegs­gericht fällte am 24. Oktober fünf Todesurteile.

Helsin gsors, 21. Okt. Der Landtags-Ausschuß hat beschlossen, für das Jahr 1908 die Bewilligung von zehn Millionen sinnischen Mark zum Bau neuer Bahnen zu beantragen.

Rußinnd braucht Ruhe.

Der russische Minister Iswolski hat einem Mitarbeiter desMatin" erklärt, Rußlands auswärtige Po­litik bleibt auf der Allianz mit Frankreich basiert in beiden Ländern muß alles getan werden, dies Band

Von einem Teilnehmer an den Berhandi u n g e n wird uns außerdem geschrieben:

Wenn es in dem letzten Bericht b Gießener Anzeigers große Zahl der Dist'nsswnsri . * einig in dem

Rus dem Zarenreiche.

Petersburg, 24. Ott. (Petersb. Telegr.-Ag.) Die im Auslande verbreiteten Gerüchte über ein b e v o r st e he n d e S Verbot der Ausfuhr von russischem Getreide sind gänzlich falsch.

DerVerl. Lokalanz." meldet aus Petersburg: Der

immer fester zu machen. Auch die Verständigung mitunseren englischen Freunden" ist zur Sicherung des Friedens erfolgt. Sie verletzt die Interessen keiner anderen Macht und ist überall gut aufgenommen lvorden. Von den Verhandlungen wurden unsere deutschen Nachbarn ebenso verständigt wie unsere französischen Verbündeten. Ebenso dienen unsere Abmachungen mit Japan, unsere gemeinsamen mit Oesterreich-Ungarn der Türkei gemachten Vorschläge für Reformen in Maeedonien der Sicherung des Friedens. Rußland braucht Ruhe und will keine Abenteuer. Wir verfolgen nach allen Seiten eine friedliche Politik und ich bin glücklich, nach meinen Unterhaltungen mit verschiedenen Staatshäuptern und Staatsmännern feststellen zu können, daß überall der gleiche Wunsch vorherrscht.

Are Mottke-Kardenuffäre vor Gericht.

(Fortsetzung.)

~ t .. S. u. H. B rlin, 23. Okt.

Frau v. Elbe erwidert: Das hat er zu meinem Vater gesagt. Sie gibt bann -an, daß der Graf in Wien ständig in der Botschaft der Eulenburg weilte, unb daß er einmal sagte:Wie es zu Hause ist, ist mir egal, wenn es nur bei meinen Freunden schön ist." Liumal jaub ich einen Brief an Eulenö'.irg, der überschrieben . war:Meine geliebte Seele". Der Graf hat erzählt, er sei nur einmal m seinem Leben mit einem weiblichen Wesen n Hi dl ich gewesen. J '

m Kordon: Wollten Sie nicht Ihre Gesellschafterin Frl. Millet veranlaßen, unGanlois" einen Artikel zu verösfent^ lichen, der Ihren Gemahlzerreißen" sollte, und der Bosheit gegen den Kaiser enihalten sollte? Zeugin: Davon weiß ich nichts, mar damals sehr krank. Graf Moltke: ES ist sehr schwer, darüber zu sprechen, denn da kommt die Erinnerung an sehr trübe Jahre meines Lebens. Wenn ich nur annähernd ein solches schein al von Roheit und Brutalität war, warum ist bann meine Fran nicht schon am ersten Tag fortgelaufen? Zengin: Der Graf war sehr musikalisch, und das hat mich immer wieder $u.-,l^n! hmgezogen. Bernstein: Hat er Sie geschlagen und mißhandele? Zengin: Ja, ich habe mich auch gewehrt. Bernstein: Hat er nicht jeden Tag Berichte an Eulenburg ge­schrieben über das, was der deutsche Kaiser gesagt unb getan bat? Zeugin: Ob alle Tage, weiß ich nicht, aber häufig. Bernstein - Hat der Graf nicht gesagt: Wir haben einen Kreis um Se. Majestät geschlossen, da kommt niemand heran? Zengin: Das hat er meiner Mutter gesagt. Bernstein: Hat er nicht einmal ge- lagt, er hätte gehofft. Sie würden nur wie ein schönes Märchen neben ihm hervorgehen? Zeugin: Ja.

Der nächste Zeuge ist der Sohn der Frau von Elbe ans der ersten Ehe, Leutnant von K r n s e. Er erinnert sich daran, daß der Graf das Taschentuch fand und küßte. Er hat bas Benehmen Mollkes zu Fürst Eulenburg immer mit anderen iiinbem er war damals 10 Jahre alt nachgemacht. Graf Jioltfe: Die ganze Sache war ein Scherz. ES war der letzte Versuch, mit meiner Frau wieder einen Verkehr anzubahnen. Voii Gordon: Kein Mensch konnte mit dieser Fran glücklich zusammen leb en. tme har dem Grafen und der Dienerschaft die nr '^ennU Obacht. Die Nächte waren angefüllt mit bas d,A6lnti^r 9trL Scugin Frau von Elbe: Wie kann wieder dit Ni?,. acht. Jahre glücklich verheiratet lind lebe mieöer fiu oiu Jahren ui glücklichster Ehe. Bernstein - Ich to'illÄ ar&cin.. Vid,t t4 ^cntlcma" hier au stehen und

gedauert . Gras Moltke: Der eheliche Verkehr hat bis in de debruar 1898 gedauert vom Jahre 1896 an. Ich habe nur gesagt:Euic nur gclchlcchtlrchc Ehe ohne ein geistiges Band

erst später erkannt hat, besonders die Bezeichnung alsSüßer". Schon Bismarck hat den Fürsten Eulenburg in den krassesten Ausdrücken als homosexuell bezeichnet. Ich bitte die Dezer-

ist eine Schweinerei". Bernstein: Hat sich Graf Moltke nicht angekleidet ins Ehebett gelegt mit einer Schüssel mit kalrem Wasser neben sich, um sich abzukühlen? Frau von Elbe (weinend): Jawohl, in Unterkleidern und Strümpfen. Graf Moltke: Davon weiß ich nichts.

Darauf wurden um 6 Uhr abends die Verhandlungen auf Donnerstag 10 Uhr vormittags vertagt.

(Zweiter Tag.)

Pünktlich um 10 Uhr vormittags eröffnete Amtsrichter Kern die Sitzung. Frau v. Elbe und ihr Sohn, Leutnant v. Kruse, wohnen wieder den Verhandlungen bei. Justizrat Tr. v. G o r-. b o n beantragt Beweis zu erheben, baß Graf M o l t k e den Verkehr mit edlen Frauen von jeher in besonderem Maße gesucht und gepflegt hat, und daß sein Verhalten gegenüber Frauen stets ritterlich war, und daß er von ihnen stets eine ethisch hohe Auffassung hatte, so daß es bei seiner vornehmen und idealen Gesinnung völlig unmöglich ist, daß er in Bezug aus Ehe und Familie in verächtlicher unb herabwürdigender, ia zynischer Weise gesprochen haben soll. Ferner soll bewiesen werden, daß der Spottname der,Süße" für den Grafen weder in Freundes- noch Bekanntenkreisen bekannt ist. Als Zeugen benennt Bern­stein u. a. Gros Otto Moltke, Major v. Rochow, Platzmajor v. Hülsen, Professor Schiemann. Ferner soll ein Brief der Frau von Elbe an der Grafen verlesen werden, in dem es heißt:Ich empfinde tiefe Reue, Du bist gut und klug, ich bin unb bleibe treu für immer. Dein Findling." Justizrat Bernstein: Ich will beweisen, daß Harden bei der Veröffent­lichung der Artikel nur politische Gründe hatte, und baß er sich nur mit biesen Artikeln ein Verbienst um das deutsche Volk erworben hat. Der Beklagte hat Zustände bekämpft, die bekämpft werden müssen. Er hat Männer zu vernichten ge­sucht unb es ist ihm gelungen die der Vernichtung als Politiker wert waren. Sein Verdienst ist es, daß diese Manner keinen politischen Einfluß mehr haben, unb daß diese Zustände nicht mehr bestehen. Ein Merkmal dieser Zustande war es, daß die Herren, die die allerhöchste Person umgaben, Päderasten waren. Ich behaupte nicht, daß Graf Moltke sich aktiv an diesem Treiben beteiligt hat. Er ist aber, der Einzige aus dieser Gruppe, von dem ich das nicht behaupte. Ich behaupte aber von ihm, baß ihm die Qualität der Anderen kaum unbekannt sein kann, und daß seine Angabe, von diesen Dingen nichts gewußt zu haben, kaum glaubhaft ist. Graf Moltke hat von dem Treiben des Grasen Hohenan gewußt, das werden General von Kessel unb Platzmajor von Hüljen bezeugen. Ferner werden bic Sachverständigen bestätigen, daß Graf Moltke geschlechtlich anormal ist. Auch wird bewiesen werden, daß Fürst Eulenburg schon in Wien als homosexuell galt, unb daß Graf v. Moltle davon wußte. v. Gordon: Homosexuell ist nicht püdera- stisch. Bezüglich der gestrigen Bekundungen der Frau v. Elbe stelle ich noch einmal fest, daß die Ehe ganz losgelöst, von von jeder idealen Gemeinschaft war, und daß daher bei der weiblichen Seite der Gedanke an Impotenz aufkommen konnte. UebrigenS steht Graf Moltke den politischen Dingen völlig fern. Die Anficht darüber, ob der Einfluß des Fürsten Eulenburg dem deutschen Reiche zuträglich war oder nicht, sind geteilt, ob Eulenburg sich in Politik eingemischt hat oder nicht, wissen

Eine französische Spionageaffäre.

In Toulon wurde gestern ein Schiffssähnrich namens Ulmo unter dem Verdachte der Spionage und des Betruges verhaftet. Unter anderem soll er ein Sianalbuch und einen Chiffreschlüssel entwendet haben. Ulmo soll bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Er selbst hatte, wie die Blätter melden, in einem anonymen Schreiben dem Marineminister für die Summe von 150 000 Frank verschiedene Dokumente angeboten und gleichzeitig für den Fall der Ablehnung gedroht, die Schrift­stücke einer fremden Regierung zu verkaufen. Tas Mini­sterium ging scheinbar auf den .Handel ein und der Fähnrich bestimmte Ort und Stunde der Uebergabe der Dokumente. Ein Unteroffizier wurde damit betraut, die Schriftstücke zu übernehmen. Ulmo bedrohte den Unteroffizier zuerst mit dem 'Revolver, er wurde jedoch rasch entwaffnet und sestgenommen. Er erklärte, er habe Geld gebraucht, um die Wünsche seiner Geliebten zu befriedigen.

: Flügeladjutanten zu machen? Zeuge: Nein.

Um 4 Uhr erschien wieder das Gericht. ?luch Frau v. Elbe : war wieder mit ihrem Sohn erschienen. Zunächst legte Harden einen Band des Gothaischeu Hofkalenders vor, in dem sich ba-i Bild des Fürsten Eulenburg befindet. Er hat das Bild seinerzeit dem Zeugen Volkhard gezeigt. Dieser hat in dem Bilde einen der Teilnehmer der Orgien in der Adlervilla des Grafen Lynar erkannt. Bollhard gab heut an, daß dieser Fürst Eulenburg, dessen Bild im Kalender sei, an den Orgien teilgenommen Hai' Das Gericht will den Zeugen Bollhard vereidigen. v. Gordon - widerspreche der Vereidigung und bitte, sie anszusetzcn und vorher den Fürsten Eulenburg selbst in seiner Wohnung zu vernehmen Der Fürst wird bcl'unben, daß er niemals in oen Kreisen des Grafen Lynar verkehrt hat, daß er diesen Vorgängen vollkommen fern steht. Ferner wird er bekunden, daß er nicht die Anregung gegeben hat, Lecomte in die kaiserliche Umgebung zu ziehen. C^ wird bekunden, daß er vollkommen intakt ist, und daß die Freund schäft zwischen ihm und dein Grafen Moltke keineswegs erotisch ist. Der Zeuge kann den Fürsten Nicht wiebererkennen. Ter Herr beim Grasen Lynar soll danMls 25 Jahre alt gewesen fein; Ser Fürst war aber damials fast 50 Jahre alt unb grauhaarig. ES ist absolut unwahr, daß er mit ben Vorgängen in Potsdam etwas zu tun hatte. Bernstein : Ich werbe mich nichl damit be­gnügen, den Fürsten nach den Beziehuilgen zum Grafen Moltke zu fragen, ich löcrDe ihm. Fragen vorlegen, ob er überhaupt mit der Homosexualität etwas zu tun hat. Vors. zum Zeugen: Erkennen Sie den Herrn genau wieder, oder wollen Sie ihn erst sehen? Zeuge: Ich tnöchte ihn ent sel-en. Vors.: Kan" Der Fürst nicht hergetragen werden? Gordon: Es ist ui.-, möglich für ihn, hier zu erscheinen. Harden: Um Berli.i. zu erreichen, müßte er von Liebenberg nach der Bahn und von Der Bahn wieder nach seiner Wohiuing fahren. Kann er nicht mit Demselben Wagen auch hierher kommen? Ich sehe in der Weigerung nur den Versuch, die Verhaiidlungeii zur Vertagung zu bringen. Ich möchte doch bitten, dieses Spiel ein-zustellen Zwei Flügeladjutanten sollen nichts voneinander wissen, die ihren Dienst ancinaiibcr abgeben, die fortwährend zusammen zu tun haben, wo gibt es denn da sonst eine Gemeinschast? Gordon - Zunächst stelle ich fest, daß sechs Flügeladjutanten im Dieust bei Sr. Majestät sind, die garnicht näher miteinander zu ver­kehren brauchen. Harden: Der größte Teil der Offiziere bes brutschen,Heeres wußte, wie es mit Hohenau stand. Und nur der Graf Moltke, sein Verwandter, sein Duzfreund, will es nicht gewußt haben. Bernstein: Der Herr Graf soll doch endlich sagen, warum er nicht mehr Stadtkommandant von Berlin ist. v. Gordon : Das wirb er nicht sagen, denn diese Frage ist rein militärisch. Harden : Dann werbe ich den KEronprinzeii und ben Erbprinzen von Mining en laden lassen. Damit sie darüber Auskunft geben. Das Gericht zog sich zur Be- ichlußfassung zurück und verkündete dann, daß der Fürst Eulen­burg als Zeuge zum Freitag geladen werben solle. Das Gericht hält das von Dr. Gordon überreichte Krankheitsattest für den Fürsten nicht für ausreichend, da er ja natfy Berlin gekommen lei, könne sein körperlicher Zustand einer Vernehmung nicht im Wege stehen. Eine seelische Aufreguilg sei nicht zu befürchten, Da der Fürst sich ja für unschuldig hält. Die Verteidiger werden aufgcforDcrt, weitere Beweisanträge bis 'morgen zu formulieren. Dr. v. Gordon: Ich bitte, gleich Beweis zu erheben, baß die Angabe der Frau von Elbe, der geschlechtliche Verkehr habe nur bis zwei Tage nach der Hochzeit gebauert, nicht richtig ist, er hat dreiviertel Jahre gedauert. Ich bitte, eventl. die Akten bes Ehescheibungspwzesscs einzufordern. Dann bitte ich, Frau von Marwitz-Berlin zu laden, die befanDen wird, daß Frau von Elbe mit ihrem ersten Manne unsagbar unglücklich gelebt hat Bern st ein : Wann weiter der Versuch gemacht wirb, eine öTau als meineidig hinznstellen, die nur schweren Herzens sich entschlossen hat, I)ier auszusagen, so werbe ich das Krankheit^- attest des Grasen Moltke, bas bei Den Ehescheidungsakten liegt, verlesen lassen. Das würde vieles erklären. Ich kampse nicht gern mit wichen Waffen, nur wenn man mich zwingt. Wie steht es Dann mit der beantragten Vernehmung des Kaisers darüber, ob Graf Moltke versucht chat, auf ihn politisch einzuwirken? Bernstein: Darüber können wir morgen sprechen. Graf Moltke : Ich erkläre nochmals, es ist durchaus falsch, daß ich in irgend einem besonderen Verhältnis zwGraf Hohenau gestanden habe. Die Flugeladjutanetn sind Kameraden, sie tun ihre Pflicht und weiter gibt es zwischen ihnen nichts.

Darauf wurde die Sitzung um 4 % Uhr nachmittags auf Freitag vormittag 10 Uhr vertagt.

2. Generalversammlung derkirchlich-positiven Berciniguug für Hessen".

= Gießen, 25. Okt.

II.

Man schreibt uns von beteiligter Seite: Am Morgen des 23. Oktober ward die Hauptver­sammlung der positiven Kir ch l i ch e n V e r e i n i g u n g fortgesetzt. Zuerst fand eine geschlossene Mitgliederver)amm- lung, in der die Arbeit und erfreuliche Weiterentwick-l lung des Vereins geschildert wurde, statt. Pfarrer Bern-, b e ck -iHutzdorf begann mit erbaulicher Ansprache über 1. Cor. 16,13. Sodann begrüßte der Vorsitzende die Haupt-i Versammlung, warf einen Rückblick auf Gründung und bis­herige Arbeit der Vereinigung, indem er besonders die Not­wendigkeit unserer bauenden und, wenn nötig defensiv kämp­fenden Arbeit betonte. Sodann hielt Professor Stange- Greifswald einen Vortrag über dasFr o m m i g ke i t s- ideal der modernen Theologie". Der Vortrag wird nächstens gedruckt erscheinen, so daß wir dessen ent­hoben sind, ihn auch nur zu skizzieren. Es schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in der der gegnerische Stand­punkt besonders von Professor Weinel-Jena vertreten wurde. Dessen Ausführungen ließen erkennen, daß trotz der unleugbar bestehenden wesentlichen Differenz beiderseits der gute Wille vorhanden war, auch dem Gegner Gerechtig-^ keit widerfahren zu lassen. Es ist dabei zu bemerken, daß die Zuhörerschaft zahlreich und sehr aufmerksam war. Die Präsenzliste wies 260 Anwesende auf.

'Nach dem Mittagessen, an dem auch die Fürstlich Solms- Lichjchen und Solms-Laubachschen Herrschaften teilnahmen, chloß sich die wieder gut besuchte Nachmittagsversammlung an. Direktor Lie. Dunkmann vom Predigerseminar zu Wittenberg referierte über das ThemaBedeutet die pau- linische Predigt Dom Kreuz eine Veränderung des einfachen Evangeliums Jesu". Der Vortrag wurde von der gespannt lauschenden Zuhörerschaft aufmerksam und mit freudiger Begeisterung ausgenommen. Auch er wird im Druck erscheinen. Die Diskussion konnte diesem Vor­trag gegenüber, dessen gewaltiger Gesamteindruck wirkte, kaum etwas Wesentliches ergänzend hinzuftigen.

Der Vorsitzende B e r n b e ct-Okarben schloß die Ver- ammlung mit der Versicherung, daß nach dem Verlauf der Tagung die Möglichkeit, solche Versammlungen zu wiederholen, in sichere Aussicht gerückt sei. Die positive Vereinigung könne mit dankbarer Freude auf das Gesamt­ergebnis zurückblicken als aus einen wichtigen Marfftein in ihrer Entwicklung.