Ausgabe 
22.3.1907 Erstes Blatt
 
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auch des sanitären Zustandes bedeute, vom Ministerium den von der Stadtverordnetcn-Versammlung erteilten Dispens nicht er­halten habe. Herr Lorn babe nun einen Polizeibefehl erhalten, bau er bis zum L April die ohne Genehmigung gebaute Treppe zu entfernen habe. Er wolle anrcgen, den Polizcibefehl zu sistieren, damit .T?crr Horn einen Weg finden könne, sich auf an­dere Weise zu helfen. . r .. .^L .... .

Beig. Curschmann bemerkt, daß dies nicht angängig sei. Herr Horn könne aber gegen den Polizeibeschl Einspruch erheben. Beig Georgi, weist darauf hin, daß die Zustände in der Horn'schen Bäckerei durch den Umbau sehr gebessert worden seren und man dem Besitzer auf irgend eine Art helfen,solle Aie Stadtvv. Wallenfels und Löb er unterstützen dies. Stadt- verordn. Krumm beantragt, die Frist bis 1. Juli zu ver­längern, was nach den Ausführungen des Beig. C urschmann nach dem Gesetz unzulässig ist.

Dagegen bemerkt der Vorirtzende, daß eine Fristverlängerung auf ein Gesuch des Herrn Horn wohl erfolgen könne.

Stadtv. Kirch fragt an, in welcher Form die von der Versammlung befürworteten Dispensationsgesuche weiter behandelt würten. Beig. Cnrschmann erwidert, icder,Beschluß über Dispensationsgesuche werde dem Kreisamt mitgeteilt und in dem Begleitschreiben werde erläutert, aus welchen Gründen so be­schlossen worden sei. . , . , n. .

Stadtv. Kirch führt aus, das Dispens<Mhch des >.t. Zmtzer wegen der Führung eines Klosettrohres sei seinerzeit entgegen der Ansicht der Bürgermeisterei von ter Versammlung befürwortet, vom Ministerium aber abschlägig b. slicten worden Er hätte gern einmal die Akten der Angelegenheit eingesehen, aber es jci ihm dies in einem früheren Fall schon als nicht angängig abge­schlagen worden, trotzdem die Stadtverordncten-Verfammlnng nach, der Städtevrdiiung die Pflickst habe, die Ausjichrung der von ihr gefaßten Beschlüsse zu überwachen. Er bitte deshalb um Auskunft, ob vielleicht die Bürgermeisterei dem Beschluß der Versammlung gegenüber dem Ministerium Bedenken beigefugt habe. Der Vorsitzende erwidert, er habe nichts dagegen ge,agt. Nach der Ansicht des Stadtv. Kirch genügt dies nicht, em von der Stadtvcrordncten-Versammlung be,chlossenes Dipcnsatwns- gesuch müsse bei der Weitergabe mit den Gründen der Befür­wortung versehen werden. Der Vorsitzende und spater auch Beig. Cnrschmann betonen demgegenüber, daß die Bürgermeisterei in ihrer Eigenschaft als Baupolizei-Behörde das Recht und unter Umständen auch die Pflicht habe, ihre einem Gesuch entgegen- stehenden Bedenken zu äußern. w t r

Es entspinnt sich hierüber eine längere Auseinandersetzung zwischen Stadtv. Kirch und dem Oberbürgermeister, die da­durch beendigt wird, daß entsprechend dem vom Stadtv. Kirch geäußerten Wunsch der Oberbürgermeister die Akten über das Dispensgesuch Zinßcr der Versammlung vorlegcn wird.

Die auf der Tagesordnung stehende Frage der Verlegung der Oktroierhebestelle am Neuenweger Tor führt zu einer Debatte über die

Torhäuscheu.

Wie der Vorsitzende mitteilt, haben Finanz- und Baudepu- tation in ihrer gemeinsamen Sitzung mit 8 gegen 3 Stimmen be­schlossen, da) Trä s n x i dem i d c Oltrcherhel e, elle befindet, vorläufig stehen zu lassen. Ein Teil der Mehrheit will. die Torhäuschen überhaupt erhalten wissen, ein anderer Teil ist über­zeugt davon, daß die Entfernung bis zur Einweihung des The­aters nicht erfolgt sein kann und außerdem ist auch die Ansicht vertreten worden, daß man noch nicht wissen kann, wie das Ottroihäuschens nachFertigstellung des Theaters wirkt. Der Vor­sitzende gibt ferner Kenntnis von einer Eingabe, die von etwa 30 Beamten und Bürgern unterzeichnet ist und in der um Er­haltung der Torhäuschen gebeten wird.

In der sich anschließenden sehr ausgedehnten Debatte sprechen unter Ansühriing der sck-on in früheren Auseinandersetzungen für die verschiedenen Ansichten sprechenden Gründe für das Stehen- bleiben der Häuschen die Stadtvv. Dr. Haberkorn (der einen Antrag wegen Bewilligung von Mitteln für einen besseren Ver­putz und Ausbesserung des Daches ankündigtß P e t r i, Tr. Ebel (ter seine längere Ausführungen durch Mitteilung von Gut­achten von Prof. Dr. Sauer, Privatdozent Dr. Rauch und Pros. Dr. Weber in Jena unterstützt, die lalle drei aus ästhetischen und historischen Gesichtspunkten heraus für die unbedingte Er­haltung sämtlicher Torhäuschen sind), Emmelius und Beig. Cnrschmann. Für unbedingte Entfernung des einen Häuschens sprechen die Stadtvv. Wallenfels, Krumm, Junghadt, Schaffstädt, Kirch und Leib, während Stadtv. Löb er u. Beig. Georgi sich für das vorläufige Stehenlassen aussprechen.

Schließlich wird in der vom Stadtv. Kirch beantragten namentlichen Abstimmung mit 18 gegen 8 Stimmen der Antrag ter beiden Deputationen auf vorläufiges Stehenlassen des Häuschens angenommen. Für diesen Antrag stimmten Ober­bürgermeister Mecum, die drei Beigeordneten, sowie die Stadtvv. Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Dr. Haberlorn, Haubach, Huhn, Jann, £56er, Orbig, Petri, Dr. Schäfer und Dr. Wimmenauer.

Für das sofortige Entkernen der Torhäuschen stimmten die Stadtvv. Euler, Jughardt, Kirch, Krumm, Leib, Loos Schaffstädt und Walleniels.

Ter Verlegung des W a s s e r h ä n s ch e n s am Neuen- weger Tor, die wegen des Stadtlhealerbaues erforderlich wurde, wurde zugeslunmt. Es soll aus der anderen Seite der 9leuen Baue, zwischen dem Eichamt und dem Petri'jchen Haus Aufstellung finben.

Auf eine Anregung des Stadtv. Dr. Wimmenauer, auch das Bedürfnishällschen ju versetzen (an einen versteckteren Platz) meint der Vorsitzende, daß es gerade richtig stände.

Theatcrfragcu.

Der Vorsitzende teilt mit, daß zwischen dem Theater- bauverein und Direktor Steingoetter ein Vertrag wegen des neuen Theaters auf folgender Grundlage abgeschlossen werden soll: Der Theaterbauverein verpachtet das Stadttheater an Direk­tor Steingoetter für die drei nächsten Spielzeiten ohne den Neftaurationsbetrieb, der besonders verpachtet wird. Der Verein hat das Recht, das Theater auch während der Winterspielzeit anderweitig in Anspruch zu nehmen für Konzerte, Vorträge u,w., doch soll er hiervon den Direktor möglichst frühzeitig benach­richtigen. Im Sommer kann der herein das Theater nach Belieben verwenden, doch soll er vier Wochen nach Schluß der Spielzeit und sechs Wochen vor Beginn der neuen ^opielperiode Seinen gewerbsmäßigen Theaterunternehmern das Theater über- las,en; einzelne Vorstellungen sollen auch in dieser Zeit ge­stattet sein. An anderen Plätzen wie in Gießen, in Gießener Vereinen, in Marburg und Bad Nauheim darf Direktor Stein­goetter nur mit. besonderer Genehmigung Vorstellungen veran- stalten, dagegen ist ihm gestattet, nach Schluß der Winterspielzeit eine Nachsaison, Opern, Operetten und dergl. enthaltend, zu veranstalten. Für die Ueberlassung des Theaters zahlt der Direk- tor 20 Prozent der Bruttoeinnahmen, außerdem 5 Prozent von den. Einnahmen der Nachsaison und von Vorstellungen außer­halb Gießens mit Ausnahme b-er Aufführungen in Marburg. Dre Eintrittspreise sind niedrig gehalten, ein besonderes Gar­derobegeld wird nicht erhoben, dagegen steht für jeden Platz auch em besondere^Kleiderhaken zur Verfügung, der dieselbe Nummer kagt. Al-, Spieltage sind Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag i Auslicht genommen. Es werden besondere Abonne­ments m gegeben, und zwar Abonnements für 21 Vorstellungen ?.nr cw'' > bestimmten Wochentag und Teilabonnements für je lieben Vorstellungen. Vormerkungen werden im Sommer an einem noch bei* mt zu gebenden Zeitpunkt entgegengenommen. Die Mitglieds des ^.heaterbauvereins und die Zeichner für den , aterbauverern genießen dabei einen Vorzug. A-e/l-nA,ker ode erfolgt durch die Theaterkommission. Die Ge>ck'-.istvleitung des Theaters wird von dem Geschäftsführer des Theat?r bauvereins kontrolliert, die städtische Theaterkommission soll bestehen bleiben. Ber ausverkauftem Haus würden die Bruttoeinnahmen eines Abends betragen bei gewöhnlichen Preisen 1788 Mk., bei kleinen Preisen 1205 Mk. und bei Volksvor­stellungen 600 Mk. Die Gesellschaft übernimmt die Reinigung und Unterhaltung des Theaters, wogegen der Direktor die Heizung und Beleuchtung zu tragen hat. 6 u

Es wird beschlossen, dem Direktor Großabnehmer­preise einzuräi-men und zwar für Koks 1.60 Mk. für 100 Kilo' und für den elektrischen Stroin 30 Pfg. für die Kilowattstunde.

Die im alten Theater vorhandenen Dekorationen sollen verkauft werden. Sie besitzen nach der Schätzung des ^Theater- vereinsvorstand.'s, so weit sie dem Verein gehören, o06 Mk. und, soweit sie der Stadt sind, 480 Mk. Wert.

Tie Stadt Marburg ist bereit, die Dekorationen für 800 Mk. zu kaufen, so daß die Stadt 390 Mk. erhalten würde. Tie Stadt­verordneten stimmen dem zu und auch die Bestimmung, day der Erlös für, die Bühneneinrichtung des Theaters Verwendung finden soll, findet Annahme.

Verschiedenes.

Photograph Borst will am Haus Bahnhofstr. 64 einen Schaukasten, der 15 Ztm. tief sein soll, anbringen, was mit Rücksicht auf den b-artigen Verkehr abaelehnt wird. Zudem besitzt Herr Borst dort schon einen Schaukasten.

Auf dem Friedhof am Rodt berg sollen neue Ein- sassungsgräber vorgelegt werden. Der dabei für das Ziehen von Einzuasgräben erforderliche Kredit wird bewilligt.

Ein Geländean stau sch zwischen der Stadt und Wilh. Christ. Löb er an dessen Neubau in der Walltorstraße findet Zustimmung. Es handelt sich nm 2Ao bezw. 3/io Quadratmeter, eine H-ra'.'s'ahlung findet nicht statt.

Mi d r Firma Anlae-as E l r w rd n 1*94 bei der Erwerbung des Geländes für die Dammstr. bis zur Eisenbahn zwei Kau<- verträge abgeschlossen: bei der Anlage deS Grundbuches hat sich -edt herausgestellt, daß damals nur der eine Vertrag persekt wurde. Es wurde nunmehr ein neuer Kaufvertrag über das ganze Ge­lände abgeschlossen. Die Versammlung stimmt dem zu und auch die beantrente Ai's'ahlung des Euler noch zustehenden Betrages von 858 Mk. findet Genehmigung.

Die vom Polizeiamt gewünschte Schreibhilfe für den Wobnungsiuspektor wird abgelehnt, zumal die Stadt in der Wohnungsinspektion jetzt schm über die ihr obliegenden Ver­pflichtungen hinausgeht und ter den Wohnungsinspektor unter­stützende Schutzmann die Schreibarbeiten erledigen kann.

Im Anschluß an die Feldbereinigung soll mit den Gemarkungen' Wieseck und Annerod eine Gelündeaustausch statt- sinden, wodurch die 6stnnarknngsgren'en verändert würden. Bei Wieseck handelt es sich um den Austausch gleich großer Stücke, was gutgeheißen wird. Annerod will zwar Gelände von Gießen annehmen, aber nichts von seiner Gemarkung abtreten, weshalb man von ter Sache absieht.

Zu zwei Gesuchen »in Erlaubnis zuw S ch a n k w i r t s ch a s ts- bet r i e b in der S ch ü tz e n st raße (Karl Valentin st'ir das Hans Nr. 18 und Karl Euler IV. für Nr. 15) wird beschlossen, daß das Bedürfnis für eine weitere Wirtschaft vorliegt und gegen feinen der beiden Bewerber ein Bedenken vorhanden ist.

Ein Gestlch von Ehr. Noll HL um Erlaubnis zum Klein- verkaui von Branntwein für das Haus Großer Steinweg 14 wird abgelelmt. Auch bei dem Gesuch eines Italieners, der im Haus Asterweg 12 (hübet Urmersbach) eine für seine Lands­leute bestimmte Wirtschaft betreiben will, beantragt die Kommission Wblefmung, da die Wirtschaft in der ganzen letzten Zeit ohne Er­folg betrieben worden sei, öfter den Besitzer gewechselt und zuletzt Animierkueipe gewesen fei. Stadtv. Krumm beantragt Befür­wortung, da die außerordentliche Preissteigerung bei den ver­schiedenen Verkäufen allein die Ursache geivesen sei, daß sich kein Wirt habe halten können und das Bedenken bei dem jetzigen Be- Ntzer Jhring ausgeschlossen fei. Ter Antrag auf Befürwortung findet Annahme.

Ta der Voranschlag nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, weil das Staatsbudget nod) nicht erledigt ist, wird der Cberbürqermeiner zur Bestreitung der unbedingt notwendigen Aus­gaben, Gehälter, Löhne ufw. ans der Sladtkasse ermächtigt.

Aus Stadt und

Sprechstunden ber Redaktion:

Vb 121 Uhr vorm., V2 71/2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).

Gießen, den 22. März 1907.

** E i n neuer Vornan beginnt heute in den Gießener Familieublätlern" zu erscheinen. Es ist uns gelungen, mit dem NomanDem Irrlicht nach*, der ans der Feder unseres Mitarbeiters Alexander 9( ö m e r stammt, einen Roman zu erwerben, der allen 9(nforoerungen entspricht, die man an einen guten Familienroman stellt. Er behandelt eine interessante Kulturerscheinung unserer Tage: das Streben junger dilettantischer Talente, auf künstlerischem Gebiet das Höchste zu leisten, nicht, weil sie sich berufen fühlen, Führer und Bahnbrecher zu neuen künstlerischen Zielen zu sein, sondern um aus Eitelkeit und der Sucht nach äußeren Ehren. Der Held des Romans geht schließlich in feiner Jagd nach dem äußeren Nuhme und Glanze unter. Dieses interessante Thema behandelt der Noman in spannender und dabei sitt­lich emmandfreier Weise. Neu gutretenben Abonnenten wird der Anfang des Romans nachgeliefert.

** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog u. a. Pfarrer Schulte von Großen- Liuden, Vorsitzender der Vereinigung für hessische Volkskunde, sowie Mater Laßlo aus Wien.

**DieneueTaunusbahnUsingen°Weilmünster wurde vor wenigen Wochen zu bauen begonnen. Da die neue Taunusbahn die Höhenzüge zwischen zwei Flußtäler, nämlich Weil und Unfa zu übersteigen hat, sind die zu überroinbenben Gelänbeschwierigleiten nicht unerheblich. Es sind tiefe Ein­schnitte, hohe Dämme und Brücken erforderlich, besonders zwischen Wilhelmsdorf, Mönstadt, Grävenwiesbach und Hirnd- stadt. Bet Mönstadt wird eine mächtige Brücke über das Wiesbachtal erbaut und zwischen Audenschmiede und Weil­münster muß em Tunnel gegraben werden, der den Höhen- jug zwischen Bleibe unb Weil durchbohrt. Die Bahn soll un Herbst 1908 eröffnet werden. Lo§ 4 und 5 von Weilmünster bis Audenschmiede am Wiesbach wird in aller Kürze in Angriff genommen, während Los 2 von Gräfen- wieSbach bis Wilhelmsdorf unb Los 3 von Audenschmiede bis Gräfenwiesbach erst im Sommer begonnen werben. Die Bahn von Gräfeniviesbach über Branb- obernborf nach Wetzlar wirb jetzt abgesteckt.

** Wahres Gefchichtchen. Ein Kaufmanns­lehrling eines hiesigen Geschäfts überbrachte einem nnberen hiesigen Geschäftsmann einen Gclbbetrag von über 3000 M. Als er bie Summe hmgezählt unb ber Empfänger quittiert hatte, wollte sich letzterer erkenntlich zeigen unb schob beiu Lehrling zehn Pfennige von dem Gelbe mit bem Be­merken zurück: »Da, trinke ein Glas Bier bafür." Der Lehrling zog baraufhin sofort feine Gelbbörfe, ergriff zwei Pfennige unb legte sie mit ben Worten zu ben zehn Pfennigen: »Danke! Ich lege Ihnen noch 2 Pfg. bazu, da können Sie einen Schoppen dafür trinken."

** Gefaßt sind nun glücklich die Täter, die in der Nacht der Reichstags,vahl unb ebenso nach ber Stichwahl in ber oberen Frankfurter Straße ihren Mut an städtischen Laternen gekühlt 'mben. Dem der Staatsanwaltschaft unterstellten Kriminal -mmiffar 9)tüUer gelang es, die Täter, junge Burschen aus ulein-Linden und Allendorf a. d. Lahn, zu ermitteln und zur Anzeige zu bringen.

* Besitzwechsel. Der letzte noch unbebaute Platz in der Plockstraße neben bem Geschäftshaus von I. Bach ist von diesem an die Baufirma H. W. Rinn für 22 000 Mk. (75 Mk. für den Quadratmeter) verkauft worden. Der Erwerber be­absichtigt, auf dem gekauften Baublock, der bis an die Mai- gasse grenzt, einen großstädtischen, der Neuzeit entsprechenden Bierpalast zu errichten, dessen obere Etagen besonders für Versammlungen eingerichtet werden sollen.

<] Leihgestern, 21. März. Unsere im Sommer v. I. von einem furchtbaren Geivittersturm zerstörte Kirche wirb jetzt wieber a u fg c b a u t, bie Arbeiten begannen vorige Woche. Ter Neubau ist von Architekt Hofmann-Herborn entworfen. Tie ?lrbeiten führt bie Firma Abermann & Kling in Gießen auS. Die Kirche soll bis Weihnachten im Rohbau fertig fein unb im Herbst 1908 einaeweiht werben. Der Gottesbienst wirb gegenwärtig in ber Schule abqehalten.

Z- Lanbach, 21. März. Das biesjährige Qsterpro- granun bes Gymnasiums Fribericianum weist als Lehrerpersonal außer bem Direktor Dr. Baur 10 ordentliche Lehrer unb 2 Hülsslehrer auf. Besucht war eS von 95 Schülern, von benen 25 aus Laubach, 58 auS hnberrn hessischen Orten, 12 aus anberen Staaten waren. Von Großh. Ministerium würben zu ber 1902 gegrünbeten Schülerwerkslätte 200 Mk. gegeben. Den Hanbfertigkeitsunterricht leitete ber Gräfliche Kammerrat Brökeimann. Eine hiesige Stiftung bes Altbürger- meisters Ritter von 200 Mk. würbe zur Anschaffung natur­wissenschaftlicher Lehrmittel verwanbt. Das Schuljahr beginnt Montag, 8. April. Die erste Schnepfe in ben hiesigen Walbuuge'n erlegte bereits am 7. b. Alts, ber Gräfl. Jäger Krauß; ihm fiel baher bie bafür ausgesetzte Gelbprämie von 5 Aik. zu.

[] Marburg, 21. März. Einer Frau aus Seibels- borf im Kreise Alsselb würbe gestern in einem Laben ihre gekaufte Ware im Wert von 70 Mark gestohlen. Die Polizei ermittelte bie Diebin in Gestalt einer wohlhabenben Bäuerin aus bem Ebsborfer Gnmbe.

Arbeiterbewegung.

Breslau, 21. März. Blättern zufolge wird von den soz.- bcm. Parteiburcaus Schlesiens eine M a s s e n a g i t a t i 0 n unter teil Landarbeitern für tes Frühjahr vorbereitet. Flug­blätter in vcrfchicdenen Sprachen sollen sofort nach dem bevor­stehenden Eintreffen der ausländischen Arbeitertransporte unter bie Lanbarbeitcr geworfen werten und in maßlos Verhetzenter Sprache zu einem Zusammenschluß ter Landarbeiter und zu einem allgemeinen Landarbeiter st reik für das Frühjahr auffortem.

Landwirtschaft.

Alle Ob st bäum- und Gartenbesitzer werden hierdurch aus den ameritanischen Stachclbecrmeltau und den Bak- terienbrnnb der Kirschbäumc ausmerksam gemacht. Der ameri­kanische Stachelbecrmeltau erzeugt auf den Fruchten und jungen Triebspitzcn der Stachelbeeren und gelegentlich au<) der Johannisbeeren anfangs mehlweiße, sehr bald aber kastanienbraun werdende, filzige Flecke, unter denen die Früchte nicht ausreifen, platzen und ungenießbar werden; die Tricbspitzen verkümmern. Er ist imstande, die ganze Bccrenernte zu vernichten und die Sträuchev selbst schwer zu schädigen. Der Bakterienbrand ter Kirschbäume gibt zum Absterben der Aeste der Kirsch- und wahr­scheinlich auch minderer Steinobstbäume oder ganzer Stämme za jeder Jahreszeit Veranlassung. Er befällt namentlich die Bäum­chen ter Baumschulen, richtet aber auch in den Obstpflanzungen großen Schaden an. Er ist durch Bakterien hervorgerufen, tee dort, wo sie Eingang finden, die Rinde und das jüngste Holz des Baumes abtöten. Geschieht das in größerem Umfange, fo welkt der über einer solchen Brandstelle stehende Baumteil ab. Aus der Umgebung ber Brandstellen brechen meistens große Gummi- masscn hervor (Gummi- oder sog. Harzfluß), bie aber auch bei anderen Erkrankungen Vorkommen. Beite Krankheiten sind aus­führlicher in den von ber Kais. Biologischen Anstalt in Tvhlem bei Steglitz herausgegebenen und von ihr kostenlos erhältlichen Flugblättern Nr. 35 und 39 beschrieben. Sie sind in Deutschland erst in der Ausbreitung begriffen und werten namentlich durch das Pflanzmaterial verschleppt. Daher wird allen Gartenbesitzern und Obstzüchtern bei dem Bezüge von Stachelbeer- unb Johannisbeer­büschen rund Steinobstbäumcn in ihrem eigenen unb im öffentlichen Interesse Vorsicht empfohlen. Niemand kaufe, ohne oiaß ihm vom Lieferanten Gewähr dafür geboten wird, daß seine Gärten bezw. Schulen frei von den in Rede stehenden Krankheiten sind. Tie Verkäufer aber werten hierdurch nachdrücklich auf das Unrecht hingcwiesen, das sie begehen und die Gefahr, die sie laufen, wenn sie ungeachtet der Gewährleistung kranke Bäume oder Sträu­cher verkaufen!

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen.

Frankfurter Börse, 22. März. 1.15 Uhr.

3^°/0 Reichsanleihe . . 96.15

3% do. . . 84.55

3>4°/o Konsols .... 96.25

3% do 84.55

3^°/0 Hessen . . . 94.30

5>$0/0 Oberhessen . . . 9400

4% Üesterr. Goldrente. . 98.50 4l/6 ?o Üesterr. Sil betreute 99.40 4^d Ungar. Goldrente . . 94.00 4% Italien. Rente . . .

3?6 Portugiesen Serie I . 68.00 3% Portugiesen III 68 70 4>5°/o russ.Staatsanl. 1905 90. 4 >20 o japan. Staatsanleihe 90.80 1% Conv.Türken von l'JUO 94.00 Türkenlose 142.20 l>d Grieeh. Monopol-Aul. 50.00 A% äussere Argentinier . 83.70 3u/0 Mexikaner . . . 65.50

4 >2% Chinesen .... 95.90

Aktien:

Bochum Guss 218.50

Buderus E. W . ... 118.00 Tendenz: träge.

Elektriz. Lahmeyer . . . 133.25

Elektriz. Schlickert . . . 110.30

Eschweiler Bergwerk . . 221.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 195.30 Hamburg-Amerik. Paket?. 133.60 Harpener Bergwerk. . . 205.40 Lanrahütte 220.00 Nordd. Lloyd .... 123.00 Obeischles. Eisen-Industrie 108.20 Berliner Haudelsges . . 163.20 Darmstädter Bank . . . 133.40 Deutsche Bank . . . 236.10

Deutsch-Asiat. Bank . . 166.30 Diskontu-Komuiandit. . . 175.70 Dresdner Bank . . . 147.70 Kredituktien 211.80 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 99.00

Gotthard bahn . . . ..

Lomuard. Eisenbahn . . 26 60 üesterr. Staaisuuhu . . . 142.20 iTinee-Henn-Eisenuahn .

Berliner Börse, 22. März.

Canada E. B 175.90 Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank .... 235.80 Dortmunder-Union C. . . 73.90 Dresdner Bank .... 148.10

Tendenz: träge.

Anfangskurse.

Happener Bergwerk. . . 205.50 uaurahütte .... 221.00 umbarden E. B. . . 26.70

Nordd. Lloyd 122.90 l ürkenlose . ... 141.70

Das ist doch aber wirklich unanqenehm

Äcn schon, vier Tage erkältet und gerade jetz AEtietzung muner die Schule versäumen. Schlimm J-.c,,a "'Ah faßt der Doktor, aber in die Schule kann er mmt. kaufen Sie ihm doch Fays ächte Sodener

/k*x Sn-feu< <_.Geben Sie dreimal täglich sechs Stück

<>kibttzer Milch, die andern soll er lutschen und ich gebe ä,7^^-^^A^^ch.^^ung, daß er morgen wieder wohlauf lft.

▼▼ Die Schachtel tostet nur Psg. und ist überall erhältlich.