Sin GetreideschiedSgericht.
Wie der „Köln, ^tg/ auS Tüsseldori gemeldet wird, hat dort nu! Anregung der Tüsseldorfer Handelskammer eine Verfammlung von Vcrlrelern der Getreidebörse, der Geireideoereine, sowie der am Gelreidetzandel tnleresjrerlen Handelskammern stallge'undcn, um über die Gründung eines rheinisch-westfälischen Geixeidefchieds- gertchls zu beraten, daS neben dem Rollerdainer Schiedsgericht zur Entscheidung vor» Streitigkeiten aus dem überseeischen Geireide- handel dienen soll. Es wurde beschlossen, ein solches Schiedsgericht mit dem Eitze in Suis bürg enizurichlcn. Tie Träger dieses Schiedsgerichts und beffen Wahtkörperschaften sollen folgende sein: Ter Verein rheiiliich-tvestiälrjcher Geireide- und Eis-Agenturen m Düsseldorf, der Verband deutscher Aiüller m Elberfeld, der Verein der kleinen und großen Händler und der Verein der deutschen HandeiSniüller und als sechste Gruppe die Getreidebörsen pon Duisburg, Essen, Torlniund, Köln, Kreicld und Neuß. Die fünf erstgenannten Vereine sollen vier Fünftel, die Vörsenvorstände der sechsten Gruppe das letze Fünftel der Gesamtzahl der Schiedsrichter wählen. Tie Zahl der Schiedsrichter soll nimdesiens 3U betrageZur Diirch'ithrung der Beschlüsse im einzelnen wurde als vorläusige Geschäftsstelle der Verein der Rhemifch-Weslfällschen Gelrelde- imporleure deau'lragt.
politische Lagesschav.
Ein agrarischer Sozialdemokrat.
Der „Genosse" Richard Calw er nimmt bekanntlich in der Sozialdemokratie eine Sonderstellung ein. Er vertritt gewissermaßen „agrarische" Anschauungen und besitzt deshalb viele heftige Feinde in seiner Partei. In der von ihm herausgegebcnen „Wirtschaftlichen Wochenschau" widerlegt er, wie wir bereits gestern kurz mittelsten, die Versuche, schon jetzt aus der Bewegung der Getreidepreise am Weltmarkt und in Deutschland die Einwirkung der höheren Zölle auf die Getreidcpreise in Deutschland feststellen zu wollen. Er schreibt:
Dian kann sehr häufig lesen, daß der englische Arbeiter billigeres Brot esse als der deutsche. Warum? Weil bei uns in Deutschland das Brot durch den Zoll verteuert werde, ivährend in England Getreide zollfrei sei. Diese Feststellung klingt sehr einleuchtend, sie gehl durch die Presse und wird allgemein geglaubt. Nur entspricht sie keineswegs den Taijachen, sondern in Wirklichkeit verhält eö sich euva umgekehrt: nicht der deutsche, sondern der englische Konsument hat einen höheren Brolpreis zu bezahlen. Tas klingt zunächst unglaublich, paßt auch ganz und gar nicht zu der üblichen Ausjasjung und wird daher gar nicht gern gehört. Tatsachen soll man aber lieber beizeiten anerkennen, da sie sich schließlich doch Anerkennung erzwingen. Nach deutschem Geld und Gewicht kostete em Kilogramm Brot, wenn wir das engl. Piund zu 453 Gramm und den englischen Penny zu 8 Ps. annehmen, am 1. Dezember in London etwas über 24 Pfennig. Für ganz Deutschland durfte sich der Durchschnlllsvreis auf etiva 22 Pf. pro Kilogramm belaufen. Dieser Unierschied zivlschen engl. unb deut- 'chem Brotpreis verblüfft zunächii, aber der Grund dieses Uiver- fchiedes ist sehr einleuchiend: der Engländer ißt ausschließlich Wetzenbrot, der Deutsche übenviegend Noggenbrot. Roggen steht aber an sich tiefer im Preise als Weizen. Alles in allem scheinen mir die Dinge so zu liegen, daß wir in Deutschland für die Brot- unb Mehleinheit im allgemeinen sicher nicht mehr, sondern eher etwas weniger bezahlen, als der Engländer.
Wenn wir unseren deutschen Brotpreis mit einem ausländischen vergleichen wollen, dann müßte es der russische Preis fern. Lieser steht allerdings sehr weil unter dem Niveau des deutschen. Aber das ist erstens bei der Qualität des russischen Roggens, sodann bei semen Gestehungskosten nicht anders möglich. Der billige rusfische NoggenpreiS basiert auf dem Elend und dem Hnnger- Lasein des rusiifchen Bauern. Dabei ist der Exportpreis oft merklich niedriger, alS der im russischen Verkehr bezahlte Preis. Mi' dem niedrigen russischen Roggenpreis kaiiil Deutschland nicht tonfn-rieven, soll nicht das Lohnniveau in der deutschen Landwirl- zchast, namentlich in den östlichen Provinzen, noch tiefer sinken. Gerade nn Verkehr mit Rußland aber wirkt der Zoll keineswegs -immer jo einfach, daß der Zoll nur vom Inland getragen wurde.
Wir hätten m Deutschland ohne Zölle zweifellos billigeres Brot, aber mir dürfen nicht übersehen, daß Deutschland mit Ausnahme von Rußland em hauptsächlich Roggen konsumierendes Land ist, und deswegen seine Mehl- und Broiprelse trotz hoher Zölle nicht oder doch nicht viel über die Niehl- und Brotpreise m den hauptsächlich Weizen konjunnerenden Ländern hlnausgehen.
Ktjstsche Zweite Kammer.
R.-B. Darmstadt, 21. März.
Am Ministertische: Staatsnuiiister Ewald, Minister deS Innern Braun, Ministerialräte S ü f f e r t und ll \ i n g e r.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um O1/, Uhr. DaS Hautz tritt zunächst in eine Besprechung der Anfrage der Abgeordneten Dr. Schmitt und Genossen betreffend
Die BerkchrSverhältmste der Stadt Maiuz.
Abg. Tr. Schmitt begründet die Anfrage in eingehender Weise und fragt, wie es zugehe, daß trotz der Zusage der preuß. Eisenbahnverwaltung bei Schaffung der preußisch-heisischen Eijen- bahngemeinschaft und der Erbauung der Kaijerbrücke, ine Verkehrs- oerhultnisje von Mainz nirgends zu verschlechtern, jetzt doch alle seither bestehenden direkten Zugverbmdungen zwischen Mainz und Kastel emerjeilS und dem Rhemgau andererseits beseitigt und alle Züge über Wiesbaden geleitet werden. Ferner, ob die Regierung diese drohende Unterbindung des Jahrhunderte alten lebhaften H a n d e l s v e r k e h r S zwischen Mainz und dem Rheingau zu Gtinsten Wiesbadens ruhig zugcben und nicht sosorl die erforderlichen Schritte tun wolle, um diese enorme Schädigung der Mainzer Verkehrst nteressen abzuwenden. Ter Interpellant bedauert, daß die Regierung in ihrer Antwort erklärt habe, sie könne kein Bedürsnis für einen direkten Verkehr anerkennen. Redner führt dann an der Hand der Fahrpläne dar, wie Wiesbaden ans Kosten der Stadt Mainz m jeder Hinsicht bevorzugt werde. Es wäre dringend wünschenswert, daß eine höhere Stelle sich der Sache annehme und der G r o ß h e r z o g direkt für die Wahrung der Interessen der Stadl 'Mainz e i n t r ä t e.
Ministerialrat Süffe rt bedauert die sehr scharfen Angriffe deS Vorredners gegen die Elsenbahnbehörde und meint, daß die Beschuldigungen nicht berechtigt seien. Die Minister seien die ersten Diener der Krone, man solle sie auch mit der nötigen Ehrfu rcht behandeln. Tie Aufhebung der drei direkten Personenzüge nach dem Rheingau erfolgte, weil ine letzte Instanz für die erwrderliche Kreuzung mit den anderes Zügen nicht die Verantivortung für die Sicherheit üben-ebmen zu können erklärte. Die Tatsache einer gewißen Schädigung der Mainzer Verkehrsmteressen durch den Bahn- hofsbau Wiesbaden erkenne die Regierung an, aber sie glaube doch, daß der Verkehr von Mainz mit dem Rhcingau nach wie vor bestehen blerben werde; die alten Handelsbeziehungen könnten dadurch nicht gestört werden, daß mit der Bahn ein kleiner Umweg gemacht werden muß. Die Regierung hab sich bemüht, die Schädigung von Mainzer Interessen abziiweuden und sie beb eure, daß ihr dies nicht gelungen sei. Aber große Befürchtungen, wie der Vorredner, hege er nicht. Für berechtigte Wünsche werde die Regierung beim preiiß. Eisenbahnnlinisterlum auch Gehör finden.
Abg. Adelung meint, man scheint im preußischen Eisen- bahnmin isterium zweierlei Begriffe von Moral zu haben. Ter Abg. Schmitt habe sich noch viel zu zart ausgedrückt, es seien in der Antwort des E i senb a h n m in ist e rtums direkte Unwahrheiten enthalten. Im übrigen könne er sich den Ausführungen dieses Redners vollständig anjchließen.
Abg. Reinhart ist der 'JJlemung, daß, wenn wirklich die Mainzer Verkehrsintereffen zu Gunsten Wiesbadens verletzt wurden, unbedingt dagegen etwas getan werden müße. Auch er empfände die vom Abg. Dr. Schmitt gerügten schlechten Anschlüsse nach dem Rhemgau als eine Ungerechtigkeit. Ter Ausdruck „tunlichste
Bebel unb die Bauern.
Wir lesen in der „Ttjchn. Tageszig.":
Der bekannte Ausspruch des Abg. to e o e 1 über die Bauern ist im Reichstage wieder zur Spache gekommen. Skt idbj. Dr. Wagner hat in dttnkenS.ocrte^ Weise auseinandergeieht, daß aus dem ganzen Zusammenhänge der Rede kxbcl» au, dem Münchener Parteitage her'vvrgehe, bu-j er nur die B a u e r n gemeint haben könne, als er sUgte, es gebe (eine egoiflu schere, rücksichtslosere, brutalere, aber auch Heine borniertere Klasse als »„unsere Agrarier". Wir möchten unsererseits einiges hinzusugcii. DamatS hatten die menven Blätter, die über den Parteitag berichteten, an Steile des Wortes „Agrarier" das Wort „Bauern" veiöijeiitlicht. Daraus ist zu schließen, daß die burgeruchrn Berichterstalter dieses Wort gehört hatten oder doch gehört zu haben glauulen. Im Vertäue des „Vorwärts" war dann Ian Stelle des Wortes „Bauern' die Be- zeiä/nung „Agrarier" gesetzt worden. Ob Bebel den Bericht korrigiert, oder die zahlreichen bürgerlichen Berichterstatter stc^ ven-ört haben, läßt sich jetzt nicht mehr seststellen. Es liegt aber aus der Hianb, daß Beael das Wort Agrarier vcrständiger- mcise gar niäst gebrauäst haben kann, denn er spricht davon, daß es keim brutalere und borniertere Klasse gäbe, ald die Agrarier. Die Agrarier sind nun bekanntlich keine Älaiie. Hätte er die Agrarier gemeint, so hätte er von einer Richtung oder einer Partei sprechen müssen. Da er aber von einer Klaise geiprochen hat, so tann er nur die Bauern gemeint haben; man mußte beim annchnnen, daß er über den Begrisi der Klasse gänzlich im Unklaren sei; unb diese Annahme wird er selbst nicht gelten lassen wollen.
Beiuctsichlu.ung" heiße doch auch „moglichnes (emgcguuommeir und das scheine das preußische Eijcnbahlimimstermin iDtamj gegenüber nicht bewiesen zu haben.
Abg. Tr. Schmitt bemerkt, man dürfe sich durch die „höhere Einsicht" der oberen Stellen nicht imponieren lassen. Tic Heimchen ’Ucvueter bei der Eisenbahuverivalumg häiten die Pflicht, die hessischen Interessen zu vertreten, dem großen Nachbarsiaate gegenüber.
Abg. Senßselder spricht sich im Sinne dcS Vorredners aus.
Minifterialrat S u f f e r l versichert, daß die hessische Regierung die Interessen des Landes stets nachdrücklich m Berlin uemeicn habe. Alan durie aber nicht vergesieii, daß em nut nut 2°/, au einem UmevueOmen betet.igter Gesellschafter nicht domi- niexen könne. Ter Redner beipvicijt dann uochnials öie jetzigen Fahiverbmdungcli, worauf nach kurzer weiterer Aussprache die bebaue geichiossen wird.
Zur Beratung gelangt darauf der auS dem Hauptvoraufchlag Titel 9 des Kap. 12b zuructgestellte Titel:
Neubau eine» ittli»t»geri<ytsgebäuvcö in Ober-Iugclhcim.
2tdg. Dr. Gul11 eifch bexidjiei öaxiioev jiameiid des AuS- fchusfes, der gestern Nachmillag au Crt uud Stelle eine Besich- uguug der in Frage lommenden Bauitelleii vorgenommen Hai.
Ulad) einigen Ausiuhrnngen des Abg. Finger imo der Abgg. Dr. F r e n a y uno Dr. v. Brentano, wird der Aus,chuß- aiuiüg angenommen.
Au, die Anuage des Abg. F u l d a, was die Regierung zu tun gebeufe, um in Zutunii wiche Unfälle, wie den am öu. Atärz v. I. an dem Bahnübergang der Darm Ha dter Laud- |t x a b e nächft Sprendlingen panierten, unmöglich zu machen, erivideri
Almisierialrat Süf f e r t, daß den verunglückten Käsefabri- tanteu Beitder und jemem Knechi ferner die Schuld zuznichxeideu sei.
Nach unroqcniliüjer Debatte über biejeu Gegen>iand schließt die Sitzung.
Rachiie Sitzung: Freitag. __ _____
Die Ahjchanuug des Freigepäcks
nach der neuen 'ianireprin nw^t nutnrliuji ine i^epackabsetti g ung ivcfeiulich sch.vi.i.,ällXtt^r als oisher. D-s fogenannte „anicritan. Achcrtigungsvcrwhrcii" Vvn Gepüclsiü.am iui Go^iäst bis zu 25 Kilogr. fällt fort. Damit leiwaj beu Rcisenbcn auch in Zutun st bie unneymlicijacitcii ber üe|a1i1Leunigtcn riU|Crtigung ovn Gepäck in ber Gewichtsl>ö.)c bis zu 25 Kilogr. gesichert wirb, sollen |ür ben Staatävayiivcrtehr üi be,onpers leuijaiten Berllhrs-Berbin- bangen, in benen bisi>er Abserligung nut vorgedrackten amerikan. ^epaulcheinen irattiinM, gelbiucrte Gcpaaschicine eingesührt lucitxm, b. h. Gepäcksä-cinc, benen die Bestimmungsstation, bie Wcgcvvr» ichriit unb ber ber Ent,ernung entspreä)ienoe Frachtbetrag (20 Psg^ 50 Psg. bezw. 1 Mk. für Entfernungen bis -u 50 beim. ÜOO vezw. mehr alS 300 Kilometer- amgeb-rudt sinb. Um auch nach anbereu preußischen Swiatsbaynstativnen, nach denen die geld- werten Eepäafcheine auigebrnut nid)jt vorratgi sind, eine bo schleunigte Abfertigung ausführen zu uhtnen, werben Blocks mit Blankosa/einen im Ükrte von ‘20 Pfg., 50 Pig. unb 1 Mk. aufgelegt umb in biese bei ber Abfertigung bie Bestimmungsstation, Wegevorfchrijt usw. eingetragen. .Die neuen Gepäckscheine be* stehen aus vier aneinanberhängenden, perforierten Teilen: Stamm (ber auf der Station zurückbleibt, auf welcher bas Gepäck auf-, gegeben wirb), PacaneisteriUttö, Gepäckschein (für den Reisenden) und Beklebezettel laus das Gepäckstück auszukleben). Die Auf- brud5roei[e gleicht Derjenigen ber bisherigen amerikanisä-en (sog. Runb-) Scheine. Für bie Falle, in benen Gepäckseilbungen bis zu 25 Kilogr. in mehreren Stücken ausgeliescrt werben, (ein itieflebxettel also nicht <ausreicht), sinb Blanko-Beklebzettel mit bem Äorbruck ber Abgangsstation vorgesehen, auf welche dis Rümmer, Bestimmungsstation usw. Hanbi'christlich naä-getragev werben. Neue Abfertigungöporschristen werben binnen kurzem erscheinen.
Sitzung der Stadtverorvueten.
Gießen, 21. März.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschmann, Georgi und Heyligenstaedt; die Stadtverordneten : Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, EmineliilS, Euler, Faber, Gabriel, Dr. Haberkorn, Haubach, Huhn, Jann, Jughardt, Kirch, Krumm, Leib, Löber, LooS, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schaffstaedt, Wallenfels und Dr. Winiinenauer.
Mitteilungen.
Vor einigen Wochen war in einer Sitzung Klage darüber geführt worden, daß in der inneren Stadt, insbesondere der Bahnhofstraße unb im Selterswcg, nachts außerorbentlicher Lärm sei. 9tad> einer Zuschrift bes Potizeiamts ist bies richtig, boch ist bie Polizei stets eingeschritten, wo es in ihrer Möglichkeit lag unb bies wirb auch ferner geschehen. So weit an wirklichen Ausschreitungen Stubcnlen beteiligt waren, wirb bet Rektor vorn Oberbürgermeister benachrichtigt werden.
Die Stadtvv. Kirch unb Krumm halten dafür, daß man die Angelegenheit bezüglich der Ausschreüungen am Seltersweg u. s. w. auf sich beruhen lasseii solle. Die öffentliche BesprechunA ber Angelegenheit werbe wohl bazu beitragen, daß in Zukunft derartige Ausschreitungen unterbleiben.
Stabtv. Eichenauer bespricht bie Verkchrsberhältnisse in ber Bahnhofstraße. Es fei bei ber verhältnismäßigen Schmalheit ber Straße für eilige Passanten, bie noch einen Zug erreichen wollen, sehr mißlich, daß keine Bestimmung bestehe, bie bas Rechtsgehen vorschreibe. Er bitte bie Schutzleute entsprechend anzmveisen und vielleicht auch entsprechende Schilber am Bahn- Hos anzubringen. Der Vorsitzende sagt Schritte in dieser Richtung zu.
Baugesuche.
Ein Baugesuch des W. Gerhardt für den Schisfenberger Weg, bas bie Versammlung schon einmal beschäftigte, soll befürwortet werben. Es hanbclt sich um außerhalb bes Ortsbauplans liegenbe GewäclrsHauser.
Karl Kaufmann will bei seinem Haus an ber Marburger Straße eine Verkaufsstelle errichten. Der erforderliche Dispens wird unter der Bebingung genehmigt, baß bas Häuschen um 8 Meter von bet Straße ab bleibt.
Ein Baugesuch von A. H e I f e n b e i n für den Wicsccket Weg wird abgelebnt, da dort bie zukünftigen Bebauungsverhältnisse noch nicht feftgelegt sind.
Ein Gesuch bes Louis Jochem für bie Rodheimer Straße (Pulvermühle) wirb befürwortet. Es hanbclt sich bähet urti einen Anbau an ein besteheubes Gebäude, das außerhalb bes Otts- bauplans liegt.
Stabtv. Huhn bringt zur Sprache, daß Bäckermeister Hom bei dem Umbau seines Häuf es, der eine wesentliche Betbesserung
Nr. 69 Erstes Blatt 1S7. Jahrgang Freitag 22. März 1907
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ESE General-Anzeiger für Oberhessen
äibrtd, tüt T-o-ichm! Rofcflon$6ru« und Verlag der vrichNchen Unlo. vuch. und Slelndruckerel. H. fange. Rröaftteg, «spedttlan und vruckerel: r-ulftrasle 7.
Anzeiger ici;cn. - — —^r-r_— , ——i
Aie heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
KeyaltaufVessei ungen.
Gießen, 22. Marz 1907.
Die Hess. 2. Kammer sowie der Reichstag haben soeben Gesetze gemacht, wofür beide den Dank eines beträchtlichen Teiles der Bevölkerung ernten. Tie Hessi schen Staatsbeamten sollen danach forlan WohnungSgeldZuschüsse erhallen und die Gehälter der Hess. Volksschullehrer, ber braven Bildner der Heranwachsenden Jugend unseres Volkes, erhöht werden. Die untcrenundmiltlerenNeichS- beamten erhalten noch in diesem Jahre eine Teuerungszulage, und für daS nächste Elatsjahr wurde ihnen eine organische Gehaltsaufbesserung, sowie eine Neuregelung des WohnungSgeldzuschusseS zugesagt.
Rian wird die Aufbefferungen allen, denen sie zu Gute kommen, von Herzen gönnen, denn der Tüchtigkeit, strengen Pflichttreue und obsolulen Ehrenhaftigkelt unserer Beamten und Lehrer haben wir nicht zuletzt viel von unserer politischen und wiilschaftllchen Wohlfahrt zu verdanken. Zudem bc findet sich der Beamte und der Lehret Nicht in der Lage, eine Steigerung der HauShaltungSkoslen ober sonstiger notwendiger Ausgaben auf andere Schultern abzuwälzen; für ihn gibt cS nur ein Mittel, um seine Finanzen im Gleichgewicht zu erhalten, äu sparen an allen Ecken unb Enden. Eine solche Einschränkung spürt aber natürlich auch jener Teil der GeschästSwelt, welcher auf die Beamten und Lehrerschaft in Stadt und Land angewiesen ist.
Zu wünschen wäre eS, daß die Parlamente ihre Fürsorge aber auch auf die anderen Berufsstände ausdehnen, die im Kampf uniS Dasein noch viel schlechter daran sind, als die Beamten und Lehrer, denen die Stabilität ihrer Exi^enz und das Bewußtsein beS Pensionsbezuges im Alter zugute kommen. Tie Verteuerung der Preise für Lebensmittel ist ein Uebelflanb, besten wenigstens teilweise Beseitigung den Parlamentariern nicht dringend genug ans Herz gelegt werden kann. Denn auf die Privatbetriebe haben die Regierungen nicht den Einfluß, eine Erhöhung der Bezüge bet bork angestellten Beamten durchzusetzen. Hier hängt es lediglich von dem Wohlwollen der EhefS ab, ob sie angesichts der allgemeinen Teuerung nahezu aller unentbehrlichen Bedarfsartikel, wie z. B. auch der Kohlen, ihren Leuten eine Zulage gewähren wollen oder nicht. Deshalb müssen die Parlamente, wenn ihre sozialpolitische Arbeit nicht ein Stückwerk bleiben soll, darauf hinwirken, daß in der Verbilligung der Lebensmittel irgend etwas geschieht. Von einer Fleischnot kann nicht mehr die Rede sein, es wird sogar schon eine Ueberpr o duktio n an Schweinen konstatiert unb die Preise im En xros-Verkauf sind in den letzten Monaten fortgesetzt ganz bedeutend ge- fünfen. Trotzdem haben die Konfumenten noch vielfach die gleichen hohen Preise zu zahlen. Ta sollten die Parlamente ein kräftig Wörtlem reden im Interesse aller Verbraucher.


