Nr. 274 Zweites Blatt 1F7.Rahrgarrg
Donnerstag 21. November 1907
ttfchehtt tStzNch mtt Ausnahme be» Sonntags.
Die „Siebener fiamilknblätttr“ werden dem otermal wöchentlich beige)egt, das „Hretsblan füt Öen Kreis Glctzen" zweimal wöchenUich. Der ..hefstjche tanöwirf erschemr ewnathd) einmal.
General-Anzeiger für Gberheßen
RolaNonSdruck und Verlag der Br üblichen UnwersnälS - Bach- und Sutnönirfecet 9L Lange. Pretzen.
Redaktion. ErwedMon und tDruderti’ ®<W* stratze ? ©rpebttton und öeriag bL StedaktwmS-E 113. icL-Slhu. Äneei«<rMietzen.
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Dentieyes Letetz.
Berlin, 20. Nov. Von ossi-tüser Seite werden nunmehr die Schluß-Ergeb nisse des neuen Reichs- yausHalts-Etats veröffentlicht. An neuen Anleihen und Krediten werden gefordert 2601/2 Millionen. Die Matri- kular-Beiträge übersteigen die Reichs-Anweisungen an die Einzelstaaten um 124,256 511 Mk. Eine entsprechende Entlastung der Einzelstaaten durch weitere Erschließung erhöhter Reichs-Einnahmen wird Vorbehalten.
— In Bezug aus. den Gese tzentwurf über das Vereins- und Versa mmlungsrecht erfährt der ,L 2L" noch, daß die Bundesratsausschüsse an dem Sprachenparagraphen nichts geändert haben und daß auch der Bundesrat den Entwurf in diesem Punkte unverändert gelassen hat. Demgemäß soll es den Landesregierungen überlassen bleiben, ob sie den Gebrauch einer nichtdeutschen Sprache in den öffentlichen Versammlungen gestatten wollen oder nicht.
München, 20. Nov. In der heutigen Rachmittags- sitzung der Kammer der Abgeordneten erllärte Justiz-minister Miltner bei der Generaldebatte über den Juftizetat, die bayerijä)c Regierung habe sich wegen der E n t s ch ä d i g u n g für d i e Schöffen und Geschworenen mit einem förmlid>cn Antrag an den Bundesrat gewendet. Der Bundesrat habe sich leider ablehnend verhalten. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts habe aber erklärt, daß er im Reichstage eine entsprechende Erklärung abgeben werde.
Karlsruhe, 20. Nov. Zur badischen Groß- ßlock-Frage erklärt das offizielle Organ der nalional- libcralen Partei Badens, die „Badisä)e Landesztg.", bei den Rationalliberalen sei eine prinzipielle Geneigtheit, das Großblock-Experiment im Jahre 1909 zu wiederholen, nicht vorhanden. Der Artikel lehnt entschieden die Forderung der Linksliberalen ab, eine Politik der Annäherung des Liberalismus an die Sozialdemocralie zu betonen.
— Der „Slaatsanzciger" veröffentlicht die Einberufung des badischen Landtags auf Dienstag, den 26. November.
Mannheim, 20. Nov. Nach der „Neuen badischen Landeszeitung" ist aus Baden ein neuer Fall Schau- feie zu berichten: Der Arbeiter Leber der Etjenbahnoirek- twnswe-rkstälte Mannheim wurde wegen Agllalion für den suddentscl)en Eisenbahnerverband, der als sozialdemokratisch ailt, kurzerhand entlassen, nachdem er sich wochenlang eine demütigende Bel-andlung hatte gefallen lassen müssen.
Soziatdemok a lsche Krauen Konferenz.
(.Unberechtigter^ Nachdruck berboten.)
S. il £). Berlin, 19. November.
Im Gewcrkschastshause trat beule eine außerordentliche sozialdemokratische F-raucuLonferenz zusammen, um zu der Dienstbolenfrage Stellung zu nehmen. Die sozialdemokratische Partei bemüht sich schon seit langem, die Dicnsimädä>cn zu organisieren. Auch die freisimiigen Parteien waren schon aus d-eknselben Gebiete tätig. Da aber die Sack>e nicht vorwärts ging, haben die sozialdemokratischen Frauen sie je^t selbst in die Hand genommen.
Nach den üblichen Begrüßungsansprachen behandelte Genossin Kählcr-Tüjscldvrf die Frage der Agitation und Organisation der Dienstmädchen. Sie wies darauf hin, daß die vielen Tausende von Tienslmädchen noch in Sklavenletten schmachten. Ihnen tönnc nur geholfen werden durch eine kräftige Organi- salion. Sie müßten durch Zeitungen aufgeklärt werden, damit sie wüßten, wie nnichtig sie seien, wieviel sie ausrichtcn können.
wenn sie sich zusammenschließen, um eventuell einen Streik durchführen zu können (Beifall). Frau Z i e tz-Humdura: Wir müssen agitieren und immer wieder agitieren, auf dein Tanzboden, an den Litfaßsäulen und überall. Auch die Waschfrauen und Scheuerfrauen müssen wir organisieren, damit sie im Falle eines Streikes den Dienstmädchen nicht in den Rücken fallen. Tie Agitatwnsfrage rief eine tebl-afte Aussprache hervor. Frau Klara Zetkin-Stuttgart: Die Dünubotenoewegung muß sich in die moderne Aroeiterbewegung einreil-en. Auch unter den Dienstboten regt es sich jetzt, sogar unter den ländlichen. Sie fühlen sich schon als häuslick)e Arbeiterinnen und keine Lohnsklavinnen. Zum Pefstmismus haben wir gar keine Veranlassung (Beifall). Auch unter den Di entboten gibt cs verschiedene Schichten. Aber kein einziges kann so verblendet und so versklavt fein, daß es nicht einmal eine Zeitung lieft. . Die Dienstmädchen nehmen doch als Erste im Haushalt die Zeitung in die Hand. Wenn sie nur den guten Willen haben, dann können sie schnell einen Blick hineintun, ob es der „Gnädigen" gefällt oder nicht (Beifall). Es empfiehlt sich wohl nicht, ein besonderes Organ für die Tiennmädcheu zu schaffen. Das Organ der sozialdemokratischen Frauen, die „Gleichheit", kann aver für die Tienslbotenbewegung ausgebaut werden. Freilich finden luir bei einer Erweiterung unseres Blattes sehr wenig Gegenliebe bei unserer vorgesetzten Behörde (Heiterkeit), bei unseren lieben Parteivälern, die ja immer eine so große Weisheit zeigen, wie sie den Spitzen einer Bewegung geziemt. (Stürmische Heiterkeit.) Tie Sache ist nicht zum Sachen. Es ist mein bitterer Ernst. «Aber wir werden schon Wecker Kimmen, auch wenn man uns nicht mit günfügen Blicken betrach.et. (L-ebh. Beifall). Frau Baumann-Altona: Wir haben in Hamburg und Altona schon viel geleistet, weil wir alle unsere Kräfte eingesetzt haben und tüchtig mit Flugblätter agitiert hauen. . Cs empfählt sich, den Bürsahrecn F.ugzcktel miizugeüen. Diese können 1 ic den Dienstboten aogeben, oyne daß Die „Gnädige" etwas merkt (Beifall). F-rau Ku hle r-Hamburg: Es regt sich mächtig im Tienstbotenslanoe. Bei uns gibt cs sogar schon Dienstmädchen, die der Partei angehören. Tie Dienstmädchen verlangen geradezu nach Flugschristen und Broschüren, die sie ausklären. Mit ein wenig Schlauheit kommt man an die Dienstmädchen gut heran, ohne daß die Herrschaft etwas davon be» merkt. Mindestens einmal im Monat mü,sen Die Tienstmädchcn versammelt werden.
Ter Versammlung tourt« folgende Resolution borge» letzt: „Die heutige Konferenz fom Lat irrt mit Befriedigung, daß seit der letzten FrauenÜ-nserenz zu Atannl-eim die Dienaboten- betoegung sel-r erfreuliche Fortschritte gemadjd hat. Die Konferenz glaubt nunmehr die Möglichkeit für gekommen, daß die einzelnen örtlichen Vireine ohne Gefahr für ihren Bestand, zu einer Zentralorganisation zusammengeschtosfen werden können. Mit einer einheitlichen Organisation ist gleichzeitig die Schaffung eines einheitlichen Diensibotenorgans von NRen, dessen Ausgabe es ist, nicht nur die Forderungen der Tiensrboten zu vertreten, und ihre gei- itige Aufklärung zu fördern, sondern ihnen auch in beruflicher Hinsicht ein Wegweiser und eine Stütze zu sein."
Tarauf nahm Genossen Kähler-Düsseldorf das Schlußwort: Da die Gewerk)chasten sich ablehnend verhalten, schlug sie die Wahl einer fünfgliedrigen Kommission mit dem Sitz in Hamburg vor, die die V0 r a r be i t e n f ü r d i e D i e n st b 0 t e n- Zentralisativn vornehmen soll. (Beifall.) In die Kom- nvission wurden Genossinnen aus Hamburg, Berlin, Frankfurt a. M., Leipzig und Nürnberg gewählt. Eveillueü soll iwch eine Genossin aus Dtünchen gewählt werden.
Tie Resolution wurde einstimmig angenommen.
In der fortgesetzten Verhandlung sprack) Frau Zieh-Hamburg über den Stellennachweis der Ticnstboten. Sie wies darauf hin, daß der städtische und private Stellemiachweis viele Nachteile für die Tiensäboten in sich berge und daß daher die Dienstboten am besten taten, eigene Arae^snachtveife zu schaffen.
Es gelte, zunach't die Tienstnrädchen für den ArbciiSnack)- weis der Vereine zu interessieren. Darauf sprach Frau Baar- Berlin über Den freien Dienstvertrag. Sie schilderte das jetzige Leben der Dienstboten in den düstersten Farben.
Ein freier Arbeitsvertrag sollte den LÜadchen die Möglichkeit geben, nicht mir den Lohn zu bestimmen, sondern auch die Arbeitszeit zu bestimmen, auf einen antzemessenen Schlasraum zu sehen und sich die persönliche Freil)eit zu sichern. Darauf wurde in später Nachmittagsuunde die Konferenz geschlossen.
— Tie 50jährige Tottorjubelieier beging am 20. November der bekannte Hygieniker, Proiessor a. D. Dr. med. Gustav Zager in Stuttgart, Herausgeber von ^Proi. Tr. G. Jägers -Dioriatsblatt für Gesundheitspflege und ^ebensleljre".
— Aus der unter dem Vorsitz des Stabtrats Münsterberg in Berlin stehenoen Dr. G 0 b u r e ck-S t i f t u n g für Medi- z i n siudierende Frauen (Dr. G. war ein vermögender Arzt in Tilsit) sollen noch für das Wintersemester 1C07/U8 Darlehen gegeben weroen. Bew^roerinnen beutidjcr Staatsangehörigkeit, welche an einer deutschen Universität vollrechtckch immatrikuliert find und die ür^tlidje Vorprüfung befanden l)aben, wer- oen aufgeforixrt, Betverbungen an Frau Dr. Lydia Rabino- witsch-Kempner, Berlin W. 50, Augsburgersrr. 57/58, einzu- sen D e n.
KleincTageschronik.
Unter dem Verdacht des Mordes wurden der Landwirt Hamm in Wülfrath und dessen Schwager, der Restaurateur Weisloch in Elberfeld, verhaftet.
Der Assistent, des Universitäts-Professors Durant in Rom verübte auf der Straße muf einen sizilianischen Edelmann, mit dem er einen Ehrenprozeß vor dem Kassationshof hatte, ein Revolver-Attentat, schoß aber fehl. Dagegen wurde ein Unbeteiligter leicht verwundet.
In der Baumwollfpinnerei Dugaresa in Agram haben 40 Beamte Defraudationen verübt, die sich auf mehrere Hunderttausend Gulden belaufen. Die Beamten sind flüchtig und werden steck- brüslrch verfolgt.
der Station Gießen.
November
1607
Barometer am 6* reduziert
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x6 Prozent von reinem Eiweiss — f dem Grundstoff für den Aufbau des \ Körpers — enthält Quaker Oats. Keine andere Nahrung kann mit Quaker Oats verglichen werden. Keine andere Nahrung ist so schmackhaft und sparsam.
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। Gieszcner Stcidttheater.
Mamzelle Nitouche.
Vaudeville-Operette in 3 Sitten von Herds-
Für eine Vaudeville-Operette ist „Mamzelle Nitouche" außerordentlich reich an hübschen musikalischen Einfällen. Diese Musik ist aber nicht nur hübsch, sie ist auch originell, graziös, durchaus nicht banal und vor allem echt pariserisch. Aber die Musik ist es trotzdem sicherlich nicht, die der Operette auf deutschen Bühnen Erfolge verschafft. Man kann sich diese Musik aus ein,Minimum reduziert denken, und der Erfolg wird doch nicht ausbleiben. Das lehrte recht deutlich die gestrige Aufführung von Mamzelle Nitouche. Vom Orchester, der hiesigen Infanterie-Kapelle, abgesehen, das unter der tüchtigen Leitung des Herrn Hermann Wei- nack ganz vortreffliches leistete, blieb die Aufführung am ßestrigen Abend dem Publikum, rein musikalisch betrachtet, fo gut wie alles schuldig, und doch war es ein großer Erfolg. Das Wagestück, eine Operette ohne einen einzigen wirklichen Sänger und nur mit einer indisponierten Sän- tzerin zu geben, ist also wirllich gelungen. Dieses Kunststück fertig gebracht zu haben, gereicht in erster Linie der ausgezeichneren Regie des Herrn Reimer-Schlegel zum Lobe, dann aber auch seiner Darstellung. Was diesem drolligen Cölestin an stimmlichen Mitteln abging, ersetzte er reichlich durch sein burleskes Spiel, und so kam selbst das hübsche Liedchen vom Zinnsoldaten zu großer Wirkung. Von geradezu überwältigender Komik war die eine Szene im zweiten 2lkte, in der Cölestin, der viel geplagte, glücklich- unglückliche Lperettenkomponist, sich in feiner Verzweiflung auf den Kopf stellt. Den Höhepunkt der Komik in der ganzen Aufführung erreichte Herr Reimer-Schlegel aber doch in der S^ene aus dem Gaul. Von vielen hilfreichen Händen verkehrt auf die Rosinante gesetzt, kann der friedliche Organist des frommen Dameustists sich an die ihm neue höchst eigenartige Perspektive nicht gleich gewöhnen; er findet in seiner heillosen Angst und Verwirrung natürlich nicht einmal den Kopf seines Tieres. Ist das nicht sehr komisch? Das Publitum belohnte diesen Scherz natürlich mit dröhnendem Gelächter. Im Zuschauerraum konnte mau übrigens auch Zweifler hören, bie nicht recht an die Echtheit des edlen Vrerfüßlers glauben wollten. Er war indessen echt; es war, wie wir versichern können, ein wirkliches, lebendiges Pferd. Ja, was man heutzutage nicht alles auf die Bühne bringt! —
Auf Fräulein Else Jüngling vom Hoftheater in Darmiiadt halte die Reise hierher bei der jetzigen unwirtlichen Jahreszeit offenbar nicht günstig erngewirkt, denn die Stimme klang recht belegt. In der Darstelluua der Denije be Flavigny war die Dame dagegen um so bester. Sie verstand es sel/r geschiut, die Wirkung ihres Spiels ollnmhlich zu steigern und bot so namentlich im zweiten
und dritten Akte vollendeie Leistungen. D^e Schanhajtmkeit und natürliche Anmut der Nitouche sand in ihrem Spiel einen vortrefflichen Ausdruck. Ihr Tanz war geradezu bezaubernd.
Eine geringe Beeinträchtigung erlitt das reizvolle Doppelspiel der Nitouche und des Fernand de Ehancplatreux nur durch die totale Heiserkeit des Vertreters der zuletzt genannten Rolle, des Herrn Clemens Roden. Herr Roden war für feine Nolle auch ein wenig gar zu ernst.
Den polternden Major gab Herr Richard G s e l l in Maske und Spiel derb komisch und sehr wirkungsvoll. Den betrunkenen Loriot markierte Herr Fred Fredy in unübertrefflicher und wahrheitsgetreuer Weise. Ten aus dem Häuschen geratenen Direktor spielte Herr Gar eis recht belustigend. Die Darstellung der Oberin durch Louise Bons war ihrer Rolle angemessen. Die übrigen Künstler und Künstlerinnen füllten in ihren kleineren Partien ihre Rollen gut aus.
Besonders zu rühmen wären zum Schluß noch die hübsche Szenerie des zweiten und dritten Aktes, sowie die geschmackvollen Kostüme. Das recht zahlreiche Pubckkum naijm die Operette, wie bereits eingangs erwähnt wurde, mit freudigem Beifall aus.
— Aus Frankfurt a. Ml wird uns geschrieben: Dem städtischen historischen Ü)i u f e u m ist in diesen Tagen em Geschenk zugeggngen, das dazu bestimmt ist, das Andenken des ! Gründers imi) langjährigen Direktors des Acktseums dem großen Publikum ständig ins Gedächtnis ziirückzurtisen. Es ist die iiber- lebensgroße B n st e Otto C 0 r >r i 11 S, tnodelliert von E. Witt* rneger, geschenkt von Stadtrat W. Hanau. Denr skaduseben Böller- Aiuseum, zu beffcii Mitbegründern Cornill gezählt rnirb, hat der Stüter em zweites Exemplar der Büste gejcheiikiveise ztigehen lassen. — Ztn Börsensaal sprach im Verband Frankfurter Franen-Vereine Frau 'M a r i a »t n e Weber aus Heidelberg über gemeinsame Erziehung vor einem sehr zahlreichen Publilunr. Atts freu mit großem Beifall mitgenommenen Aiistührungen der Rednerm ist Folgetides hervorziiheben: Itr Deutschiaiid mar die Bestrebung auf Zulassung der Al ä d ch e n zu h ö h e r e n Schulen zunächst in Baden,dantr in Württemberg, Hessen, Elsaß-Lothringe>i, Kötiigreich Sächselt, Sachsen-'Memingen voti Erfolg begleitet. Bayern und Preußen verhielten sich bisher ablehnend. Im Ganzen werden jetzt 2300 'Mädchen an höbet en Schiiten, davon 48b an Gumnasien, Progymnasien uub Oberreal- Ichulen unterrichtet. Tavoii hat Baden allem 265. Die von badischen Schulleitern eiugeboltcu Gutachten über die Zweckmäßigkeit des gemilchten Sysleitis lauten fast ausnahmslos günstig. Der Wille der Knaben und Blädchen >vird aus dieselben Ideale gerichtet imi) das Betragen beider Geschlechter unterwirf sich dem gleichen S i 11 e n - Li 0 d e x. Die Liädchen verlieren im allgemeinen nichts von ihrer Blädcheiihastigkeit. Bei bett Knaben mildert sich die Roheit; die größere geistige Regsamkeit der Nlädchen wirft außerdem als Ansporn für sie. Die Rednerin empfahl noch Anstellmig von Lehrerinnen an höheren Schuleti.
— In Frankfurt a. 2)1. starb vor eitrigen Tagen der Bild
hauer Franz Krieger. Bei feiner Beerdigung ließen Proi. Gabriel von Seidel und Maler Hermann Gröber aus 'München Kräiize am Sarge deS 'rüh Verstorbenen nlederlegen.^ Ein Vertreter des 'Mr'nicheiier Künstlervereins, der zum Begräbtris erfdüen, fchilderte m feiner Gedächtnisrede die eigenartige künstlerrfche Begabung des Verbltcheiien. Wer, fo führte der Redtrer aus, Gelegenheit hatte, Krügers Heim aufzufucheri, der mar ergriffen von dem Hauch küniilerifchen Lebens, den ineie Behausung ausstrahlte, gefesselt auch durch den Zauber echten Volksempsindens, wie es sich in solcher Ursprünglichkeit sonst wohl nur noch in München und Oberbayern finden läßt. Was ^Volkskunst" ist, konnte man da erfahren,: eine Insel bayerischer Volks- und Bauernkunst im Groß- llabtmcer. Alles in der Wohnung hatte der Verstorbene selbst gezimmert und bemalt, die breiten Schränke, die Kästen und Truhen die Lchmuckslücke alter Klosterarbeiten, die schlichten Kirchenbllder'
— Eine l)o ebb eben Haine Entdeckung ist dem Aegypto- logen Dr. Grenfell gelungen. An derselben Stätte der Ausgrabungen von Lxyrhyncus, ivo er unter anderem ein PapyroZ mit „Worten Ehrt fit" fand, entdeckte er das Fragment eines verlorenen Dramas des Euripides, „Hypsipyle" genannt em Fragment zugleich, das mit {einen 300 Lextzeilen einen fast vollständigen Einblick in das gesamte Drama gewährt, dessen OjefamtgröBe der Gelehrte auf etwa 1700 Textzeilen veranschlagt, beim die gefundenen Teile erstrecken sich gewissermaßen jplitter- artig über das ganze Werk und sind auBerordenllich leicht zn ergänzen. Vor der ägyptischen Altertums- und Ausgrabungs- Gesellschaft zu Loudon hat Prof Greickell Den gesamten Inhalt des neuen Euripides klarlegen können.
— L e h r st i"i h 1 e für'Photographie. In jüngerer Zeit sind an einigen Universitäten versuchsweise Lehrstühle für Photographie eingerichtet worden, die ausschließlich die Aufgabe Haben, die Anwendung der Photographie zu ivissenschaftlichen Zwecken zu lehren; alle anderen Teile dieses großen Gebietes iverden den Lehrstühlen an den Techniichen Hochschulen überlassen. Dr. W. Scheffer bespricht in der „Photograplscheii Rnndschari" die Aufgaben, die der Hochfchiillehrer dieses Faches zu erfüllen hat, um den Wünschen der Studierenden gerecht zu iverden. Eilt photographnches Kolleg für die Studierenden aller Fakultäten würde ziinächn die Grundlagen des Sehens, die Grundsätze der Perspektiven Tarstellmig, die Bilder- erjcugung durch optische Instrumente, das Festhalten der Bilder am photographischem Wege mu Hülfe der verschiedenen Regativ- versuche und eine kurze Ueberstcht der wichttguen und einfachsten Positivveriahren zu erörtern haben. Semmaristifche Hebungen geben den Hörern dann Gelegenheit, sich praktisch zu betätigen. In Sondervorlesungen müßten z. B. die Ackkrophotographie und Stereophotogrammetrie besprochen werden. Der Dozent hatte weiterhin die Pflicht, den Hörern mit Rat und Tat zur Seite zu «em, weil durch die Unkenntnis der vorhandenen Hül'smitiel sehr viel Geld und Zeit vergeudet ivird. Em Institut für Wissenschaft» liriie Photographie wäre an die übrigen Universitäts-Ins n..te an- zur,1 tedern, und hier mußten Assistenten mit den erforderlichen Vor- lenntiilssen die Arbeiten leiten. Ein solches, mit den besten Hülis- Mitteln und -Kräften ausgerüstetes Institut wäre nicht bloü eine wirtschmtliche Ersparnis, sondern auch die Erüillung eme* wahren Bedürmtfscs für alle Gebiete des Wissens, wenn es durch das Vor-- handewem beftimmter Bestände an Photogrammen dem Forscher ermöglicht wurde, durch einfache Anfrage leicht und bequem alle I Photographien zu erhalten, die m fern Spezialgebiet fallen.


