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3.7.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 153

Zweites Blatt

General-Anzeiger für Oberhefien

157. Jahrgang

Erlcheint täglich mit Ausnahme de» Sonntags.

DieSiebener ZamiUenbiätter- werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt erscheint monatlich einmal.

Mittwoch 3. Juli 1907

Berfa® der vrühNchen UnwersitLtS - Brich. Gretndruckerei.

W. Laag,. Dietzen.

Redaktion. Expeduwn and Druckerei: Echul- ftratze 7. Expeditton and vertag, e^61, Redaktion:HL Tell-Adr« AnreigerE'chpu

politische Lagerscha«.

Deutschland und die Nordstaaieu.

Dm Dienstag hat KaiferWilhel m seine diesjährige Nordlandreise angetreten, die ihm zunächst in Begleitung der Kaiserin zu einem mehrtägigen Besuche des dänischen K'önigspaares nach Kopenhagen führt, von wo der Monarch dann weiter die übliche Erholungsreise nach den norwe­gischen Gewässern sortsetzen wird. Der Besuch in Kopen­hagen ist die Ernnderung der vorjährigen Antrittsvisite des Königs Frederik und wenn es sich auch äußerlich um einen bloßen Höflichkeitsakt handeln mag, so wohnt ihm doch eine gewisse politische Bedeutung bei. Konnte man es doch als ein erfreuliches Symptom begrüßen, daß der König den ersten Besuch nach seiner Thronbesteigung ge­rade in der Hauptstadt des deutschen Nachbarlandes machte, um damit zu dokumentieren, daß ein völliger Umschwung in der Gesinnung eingetreten sei und er aus das aufrich­tigste freundliche Beziehungen zwischen beiden Ländern wünsche. Nunmehr nimmt der Kaiser Gelegenheit, diese freundschaftliche Gesinnung durch einen offiziellen Besuch zu erwidern, bei dem auch die Politik zu Worte kommen dürfte. Es ist vielleicht nicht von ungefähr, daß vor einigen Tagen, also kurz vor der Kopenhagener Reise des Kaisers die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutsch­land und Dänemark ihren provisorischen Abschluß in soweit gefunden haben, als es nur noch der Erledigung der Punkte bedarf, die den Parlamenten vorzulegen sind. Das ist ein erfreulicher Fortschritt in den beiderseitigen Be­ziehungen, zumal es nicht ganz leicht gewesen sein mag, bei gewissen Fragen, speziell der Vieh- und Fleischeinfuhr, eine Einigung zu erzielen. Daß man doch dahin kam, beweist den Geist, der die Verhandlungen beseelte. Daß der Kopenhagener Aufenthalt des Kaisers auch politi­schen Zwecken bienen wird, kündet eine kürzlich ver­öffentlichte offiziöse Notiz, wonach zwei besonders strittige Fälle der Optantenfrage während dieser Tage ihre Lösung linben sollen. Jedenfalls hat die Politik, im Dänenlande gegenüber Deutschland unter dem jetzigen König, und so­gar schon während der letzten Regierungsjahre des greisen Christian eine völlige Aenderung erfahren, das frühere Mißtrauen ist gänzlich geschwunden und man ist zur Ein- sicht gekommen, daß ein gutes VethältniZ' zu Deutschland im ureigendsten Interesse liege. Aus diesem Grunde dürften auch die verschiedentlich austauchenden Bemühungen eng­lischer Blätter Deutschland gewisse Absichten in der Ostsee anzudichten, schwerlich irgendwelchen Erfolg haben, da man eben in Kopenhagen besser unterrichtet ist, als in den Redaktionen der Hetzblätter an der Themse. Ueberhaupt ist unser Verhältnis zu den Nordstaaten durchaus freund­schaftlich, woran auch die Trennung zwischen Schweden und Norwegen und die Thronbesteigung des Königs Haakon nichts zu ändern vermocht hat. Man hat zwar von Lon­don aus versucht, den jungen König in englisches Fahr-: wasser hinüberzuziehen, und diese Bestrebungen dürsten and) bei der Königin, einer geborenen englischen Prinzessin, lebhafte Unterstützung gefunden haben. Aber irgend welchen Erfolg hat man schwerlich erzielt, denn die Norweger, die eher zu einem republikanischen Regime neigen, als daß die dynastischen Interessen Vorschub leisten würden, sind viel zu gute Rechner, als daß sie wünschen könnten, in den Beziehungen zu Deutschland eine Aenderung herbei­zuführen. Tausende deutscher Touristen, allen voran ja der in Norwegen überaus populäre Kaiser Wilhelm kommen alljährlich nach den norwegischen Gewässern und sichern den Anwohnern ganz beträchtliche Einnahmen. Ebenso lind die Wechselbeziehungen auf dem Gebiete des Handels weit umfassender, als mit England. Man bleibt also bei der alten Liebe, und den gleichen Standpunkt nimmt schon seit vielen Jahren Schweden unter den überaus deutschfreundlich gesinnten König Oskar ein. An und für sich sind die drei Nordstaaten zwar ziemlich unbedeutend und spielen in der großen Politik keine Rolle mehr, gleich­wohl aber ist ein gutes Verhältnis zu ihnen von nicht zu unterschätzendem Werte. Solange Dänemark uns wenig freundlich gesinnt war, lauerte von dort für uns eine große Gefahr, die aber nun glücklich behoben ist und die hoffentlich für immer zu beseitigen die diesjährige dkord- landsreise des Kaisers beitragen wird.

*

Herrn Dernburgs Afrikafahrt.

Nach dec bestimmten Erklärung des Staatssekretärs Dernburg bei Gelegenheit dec Besichtigung der Kolonialschule in Witzenhausen kommt eine Verschiebung seiner O st afrikafahrt aus Familienrücksichten nicht in Frage. Präziser müßte es heißen: eineweitere" Verschiebung, denn der Termin der Abreise war ur- svrünglia) viel früher angesetzt, auch der Reiseplan ist bekanntlich eingeschränkt worden. Von unterrichteter Seüe erfahren wir, daß die gesundheitlichen Rücksichten Gegenstand eingehender Er­wägung in der Familie des Staatssekretärs gewesen sind, wie das bei einer erstmaligen Tropenfahtt durchaus begreiflich ist. Wenn aber gesagt wird, das Schicksal des nationalliberalen Abg. Fttes, der von der ersten parlamentarischen Jnformationsfahrt nach West­afrika nicht zurückkehrte, sondern in Togo starb, erregte Besorgnis in dec Decnburg'schen Familie, so trifft das nicht zu. Abg. Fries war hcczleidend, während. Herr Dernburg als rüstiger Mann in der Vollkraft des Lebens steht. Das Unternehmen der Durchquerung Ostafcikas ist im vorigen Jahre von dem älteren und behäbigeren Petecofreund, dem Abg. Dr. Arendt, sogar von dem sehr korpu­lenten Zenttumsmann Schwarze-Lippstadt glücklich bewerkstelligt lvorden. Auch Herr Dernburg dürfte also ohne Schaden an seiner Gesundheit die nicht geringen Strapazen überstehen, die seiner harren, besonders in der Gegend des Kilimandscharo. Da der Staatssekretär spätestens zu Beginn des Oktober wieder in Berlin eintrcnen will, stehen ihm zur eigentlichen kolonialen Besichtigung nur wenige Wochen zur Verfügung.

Ans 5>taot utto tano.

Gießen, 3. Juli 1907.

* Lehrer Lehr f. Am Montag starb in Bad Wildungen, wo er nach einer Operation durch eine Kur Genesung suchte, Herr I. A. Lehr, Lehrer an der höheren städtischen Mädchenschule hier. Der Verstorbene, der ein Alter von 66 Jahren ereichte, wirkte viele Jahre in ersprieß­licher Tätigkeit an der genannten Schule. Auch viele Beamte an der Eisenbahn und Reichspost verdanken ihm einen guten Teil ihrer Ausbildung; denn Herr Lehr, ein fleißiger, tüch-

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tiger Lehrer, war eine lange Reihe von Jahren Lehrer an der Kapitulantenschule des hiesigen Regiments. Ein längeres schweres Leiden nötigte ihn, diese Stelle vor einiger Zeit niederziilegen, ebenso war ec gezwiingen, Urlaub zm nehmen in der Hoffnung, seine Gesundheit bald wieder zu erlangen. Herr Lehr, ein wahrer Freund der Kinder, wird bei seinen vielen Schülerinnen gewiß lange in ehrendem Andenken bleiben. Auch bei seinen Kollegen und Freunden wird er als echter deutscher Charakter allzeit in Ehren genannt werden!

** Ordensverleih ung. Das Komthurkreuz mit dem Stern des Franz Josef-Ordens erhielt der Kanimerpväsident Haas in seiner Eigenschaft als Generalanwalt der Deutschen Landwirt­schaftlichen Genossenschaften von dem Kaiser von Oesterreich ver­liehen.

** Ter Wette rau-Lahngcmi-Sängerbund hatte sich am Sonntag, 30. Juni im Neuen Saalbau zusammengefunden zu einer Vo r p r o b e seiner Massenchüre für das Bun­de s fe st in Grv ßen-Lin de n. Wegen der ungünstigen Witte­rung mußte lieber von dem Aufenthalt im freundlichen Garten abgesehen werden und die ganze stattliche Versammlung tagte im Saale. Bei der Auslosung des aufgegebenen Volksliedes für das Wettsingen der Bundesoereine traf düs Los das Volksliev Jetzt gang i ans Brünnele", und es wird nunmehr dieses Lied neben einem selbstgewählten von jedem Bundesverein vorge­tragen werden. Tie verschieomartige Auffassung der Dirigenten gerade auf dem Gebiete des Voltsliebes dürfte hier zu interessanten Vergleichen Anlaß geben. Tie anschließende Pwbc der drei übrigen Bunbeschöre als Massenchöre nahm einen recht flotten Verlauf. Ueberraschen mußte neben dem ausgezeichneten Stimmaterial die Leichtigkeit, mit der sich die noch nie zusammengeübten Sänger in die Situation fanden, zumal es sich hier ausschließlich um Land­vereine handelt. Ter günstige Verlaus der ersten Probe verspricht jedenfalls für die Aufführung in der Turnhalle zu Großen- Linden das Beste. Geübt wurden: das stimmungsvolle Z,D wundeo- bares tiefes Schweigen" bearo. v. van Ende, das hesffsche Volks­liedMein Mädel hat einen Rosenmund" in der Neuerlichen Bearbeitung, sowie die charakteristische und doch volkstümliche Soldatenliebe" von Groß. Tie Leitung lag in den Händen des Dirigenten derLiedertafel"-Loltar Musiklehrer Gernhardt- Gießen. Nach der Mplsseuchorprobe lvurde der offizielle Teil der vom 2. Buicdesvorsitzenden Bolte (M.--GV. Lollar) geleiteten Ver­sammlung geschlossen. Die BundesvereineFrohsinn "-Giarben- leich,GermMtha"-Grvßen^Linden undLiedertafel"-Lollar trugen dann noch einige sehr beifällig aufgenommene Einzelchöre vor. Befriedigt ging man mit einemAuf Wiedersehen in Großen- Linden" aneinander.

* D i e erste Original-B um baß-Gesellschaft in Gießen, die 1899 gegründet worden ist, hatte sich am Freitag das letztemal auf dec ,Liebigshöhe^ zusammen­gefunden, uni die lieblichen Weisen des Bumbaß ertönen zu lassen. Bei Begründung der Gesellschaft waren die Mitglieder sämtlich Junggesellen, sie haben sich im Lause der Jahre sämtlich verheiratet und des Letzten Hochzeit gab Veran­lassung, der Auflösung des urgemütlichen Kreises näher- -zutreten. Die Instrumente sind verkaust worden und der Erlös daraus, sowie das sonst noch vorhandene Vermögen fand Verwendung zu einem fröhlichen Abschiedsmahl.

** Hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst 1908. In diesen Tagen hat sich eine Anzahl oberhessischer Kun st gewerbetreibender zu einer Gesellschaft zusammengefunden, um auf der hessischen Landes­ausstellung für freie und angewandie Kunst in Darmstadt im kommenden Jahre Arbeiten des oberhejsischen Kunstgewerbes in einem eigenen Gebäudezur Ausstellung zu bringen und dort den Besuchern der Ausstellung zu zeigen, daß das Kunstgewerbe auch noch in Oberhessen eine Heimstätte hat und gepflegt wird. In einer Besprechung, die am letzten Freitag hier stattfand, wurde beschlossen, einen der schönstgelegenen Plätze der Mathildenhöhe (gegenüber dem Ernst-Ludwighaus) käuflich zu erwerben und mit dem Ban des Hauses unverzüglich zu beginnen. Da die Mathilden­höhe auf Wunsch des Großherzogs einheitlich ausgebaut werden soll, werden die Enttoürfe für die Außenarchitektur durch Professor Olbrich hergestellt, während mit der Ausstattung der Innenarchi­tektur ein Architekt, der in Ober Hessen tätig ist, betraut werden soll. In Anbetracht der sehr kurzen Zeit, die noch zur Verfügung steht, werden die Architekten, die eventuell bereit sind, die AuHgestatttiung diesets Planes zu über­nehmen, gebeten, diesbezügliche Mitteilung an die Ge­schäftsleitung bis zutn 10. Juli l. I. gelangen zu lassen. Leider war es auch nicht möglich, in der kurzen Zeit eine voll­ständige Liste aller in Bettacht kommender Gewerbetreibender in Obcrhessen laufzustellen und diese zur Vorbesprechung einzu­laden. Alle die, welche sich an dieser Kunstausstellung, fei es auch mit einem noch so kleinen Gegenstand, beteiligen können und wollen, werden gebeten, sich mit der Geschäftsleitung (Adresse: Gesellschaft Oberhessisches Ausstellungshaus" G. m. b. H., Gießen), die jebe Auskunft erteilt, in Verbindung zu setzen.

* * Um die Bahnwärter zur Bienenzucht anzu- eifern und zu fördern, haben die Eisenbahndirektionen der prew- ßischen Bahnen angeordnet, daß die Stteäen des Bahndammes, die in der Nähe von Bahnwärterhäusern liegen, mit dem Samen des )ogenanntenweißen Honigklees" bestellt werden. Tiefe Pflanze erreicht Manneshö'he, blüht im Sommer bis in den Herbst hinein und produziert große Wöengen von Honig.

* * Die Heuernte ist bis auf "einen Heinen Teil beendigt. Ter durchdringende Regen hieß die Arbeiten auf dem Felde aufhören, kam aber der Sommer frucht, den Rüben, Kattoffeln und Krautfeldern sehr gelegen, denn überall zeigt sich ein schönes Wachstum. Tie Aussichten, auf eine gute Aepfelernte mindert sich mit jedem Tag, während Birnen und auch die Zwetlchen in vielen Gegenden einen vollen Ertrag verheißen.

* Die Fleischlieferung für das Jagerbataillon in Marburg ist dem Gießener Metzgermeister Emil Kimpel zu folgenden Preisen übertragen worden: Rindfleisch 1,32 Mk., Ochsenfleisch 1,40 Mk., Schweinefleisch 1,40 Mk. das Ko. franco Marburg. Die Marburger Garmsonsverwaltung hatte, wie man uns mitteilt, die Lieferung unter den dortigen Metzgern ausgeschrieben. Diese hatten, wie hausig in anderen Städten, einen Ring gebildet und forderten Preise, die von der Intendantur in Kassel nicht genehmigt wurden, und so kam es, daß man die Lieferung nach Gießen vergab und zwar zu den gleichen Preisen, wie sie von der Gießener Garnison bezahlt werden, zuzüglich der Kosten des Trans­portes.

* I n Amerika verstorbene Hessen. Her­mann Fried aus Wohnbach, 48 Jahre alt, zu Erie, Pa. Jakob Lauter aus Gimbshelm, 50 Jahre alt, zu Cincinnati. Frau Anna Schwärzler, aus Lampert-

M"a

beim, 78 Jahre alt, zu Ehillicolhe, O. ^äuEttsi^th Schnellbacher, geb. Trietsch, aus Erlau i. O., 54 aLk alt, zu Allegheny, Pa. Metzger Nik. Brauer' aus bürg, 63 Jahre alt, zu Denver, Col. 1

n. Grün berg, 30. Juni. Heute nachmittag wuch hier das Jahresfest des Zweigvereins der Äustack Adolf-Stiftung im Dekanate Grünberg gefeiert. Festgottesdienst, in dem Pfarrer Gußmann von Kirchberg predigte, fand in der sehr geräumigen Stadtktrche ftattA 'Musikverein und Kirchengesangverein verschönten durch ihre^ Mitwirkung die Feier. Im Auftrage des Hauptvorstandes redete Dekan Hainer von Hungen zu der Gemeinde und schilderte die Lage der Diasporagemeinde Rockenberg in feinem Dekanate. Von 4 Uhr an tagte im Hotel zum Rappen die Nach Versammlung. Hier wurden unter Mitwirkung der genannten Vereine Ansprachen von Pfarrer Siebeck- Wirverg und Pfarrer Georgi-Ermenrod gehalten. Pfarrer Schmidt-Grünberg erstattete den Jahresbericht und Dekan Wagner schloß mit Dankesworten an alle Mitwirkende die Ülachoersanimlung.

[] Wetter, 1. Juli. Im Beisein von Vertretern der Regieriing und des Konsistoriums, sowie der gesamten Ge­meinde wurde heute das an Stelle des sog. Klosters neu er­baute Gebäude des Hospitals Wetter, das eine Schöpfung des Landgrafen Philipp des Großmütigen ist, und jetzt auch zugleich als Schwesternhaus und Kleinkmderschule dient, ein» geweiht. Die Weiherede hielt Generalsuperintendent Dr. Werner-Kassel. Ailßerdem sprachen noch Oberpfarrer Lodderhose hier und Pfarrer Dr. S ard ema n n - Kastel.

(!) Schotten, 1. Juli. Nunmehr hat auch unjere Kreis- veriualtung die Formaldehyd- und Dampfdesinfektion eingefühtt. Der Kreis ist in zwei Bezirke (Schotten und Laubach) eingeteilt. Für jeden Bezirk ist ein Desinfektor bestellt.

Altenschlirf, 1. Juli. Der hiesige Männer- Quartett-Verein, gegründet am 23. Juli 1882, feiert am 10., 11. und 12. August d. I. sein 25jähriges Be^ stehen.

D. Al.sfeld, 3. Juli. Die Arbeiten im neuen Kreis­krankenhaus, von dessen Standort man eine hübsche Aus­sicht bis weit hinunter ins Schwalmtal genießt, nehmen in letzter Zeit einen erfreulich raschen Fortgang. Es steht sicher zu erwarten, daß die ganze Alistatt bis zum 1b. Oktober, an welchem Tag sie bestimmt ihre Pforten der leidenden Alenschheit öffnen soll, in ihrer Vollendung da steht. Die Gebäulichkeiten liegen völlig abseits vom Getriebe unseres gewerbereichen Städtchens. Auch dürste sich wohl so schnell fein anderer Platz gefunden haben, der den An­forderungen, wie man sie bei Erbauung eines solchen Instituts in Berücksichtigung ziehen muß, in so vollkommener Art entspttcht. Die erfreuliche Bautätigkeit in den letzten Jahren zeitigte auch die Erschließung neuer Straßen. In der jüngsten Stadt- vorstandssitzung nahm man deshalb Anlaß, verschiedene der neuen wie auch schon bestehenden Straßen nach Namen, die auf die Geschichte Alsfelds Bezug haben, zu benennen. Die Tuber- kulose-Ausstellung hatte bis vergangenen Montag, den 1. Juli also innerhalb 8 Tagen eine Besuchsziffer von über 1000 Personen aufzuweisen. Verschiedene Schülerklassen, so von Vadenrod, Gewerbeschule Alsfeld, Realschule, u. a. unterzogen sie unter Führung von Kreisarzt Dr. Wengler einer Besichtigung. Moiitag, 1. Juli fand eine Führung für die Bürgermeister des Kreises statt, der auch Kreisrat Dr. Hölzinger beiwohnte. Heute Mittwoch findet im HotelDeutsches Haus" hier die dies­jährige Kreislehrer-Konferenz statt, der sich ebenfalls ein Rundgang durch das Museum, das ab 13. ds. in Lauter-- b a ch zur Aiifstellung kommt, anschließen wird.

Tarrnftiadt, 1. Juli. Der Plan einer elektrischen! Bahn von Tkrrmstadt nach der Bergstraße ist feiner Ver­wirklichung einen Schritt näher gerückt. Auf eine vom Handels­verein unterstützte Eingabe des VerkehrsoereinS hat das Mini-, fterium der Finanzen erwidert, daß der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten gegen eine elektrisch zu betreibende- Straßenbahn von Darmstadt bis Heppenheim, mit einer Ab­zweigung von Eberstadt nach Pfungstadt, vorn Standpunkt des- GemLinschaftsverhälttrifses Bedenren nicht zu erheben hat, wenn, der Verkehr der Sttaßenhahn auf die Beförderung von Per­sonen, Expreß- und Marttgut beschränkt bleibt und außerdM der Schnellverkehr zwischen nichtbenachbarten Stationen bei der; Genehmigung ausgeschlossen wird. Das Ministettum trägt hier^ nach keine Bedenken, die Konzessionierrmg der bLabsichtigten Bahn zu Befürworten, sobald eine geeignete Persönlichkeit, etwa eine zu gründende Aktiengesellschaft, ein Kvnzefsionsgesuch einreidjt/ (Frkf. Ztg.)

-r Singen a. R h., 2. Juli. Für das Wett schreiben, das der hessisch-nassaiiische Verband Gabelsbergerscher Steno­graphen gelegentlich semes Stenographentags am 7. Juli hier, abhält, hat der S t a d t v o r st a n d zwei wertvolle Ehren­preise gestistrt.

h. Frankfurt a. M., 1. Juli. Der 20jähttge HeiLLp Peter Lauer aus Mainz verunglückte gestern auf einem Schnellzug, als er vom Tender Briketts holen wollte. Er stieß, als er sich aus seiner gebückten Stellung auftichtete, gegen einen Kandelaber, verlor das Gleichgewicht, stürzte und kam unter- die Räder zu liegen. In der Dr. Bockenheimerschen Klinik, wohin er gebracht wurde, wurde ihm ein Fuß maputiert. Sonntag früh blieb der Lokomottvführer Anton Dönni nn der Nieder Brücke bei Höchst am Geländer hängen, stürzte ab und verletzte sich s e h r s ch w e r. Er kam ins Höchster Krankenhaus.. Das 19jährige Dienstmädchen Elise Fuchs aus Thaimbach i. B. trank in verletzten Nacht ein Fläschchen Salzsäure. Die Schwerverletzte, welche die Tat in einem Anfall von religiösem Wahnsinn begangen haben soll, tarn in die Dr. Bockenheimersch^ Klinik.

[] Marburg, 1. Juli. Im Museum sand heute die 28. Versammlung des Hessischen Forstvereins statt. Anwesend waren etwa 80 Herren aus allen Teilen Kurhessens. Forstmeister Grebe-Hofgeismar sprach über den Fichtenanbau unter Schirm und Forstmetster S el lh ei m- Hann. - Münden über den Wert der Bodenbearbeitung für den forstlichen Betrieb. Außerdem folgten noch sonstige forsttechnijche Erörterungen. Als Ort der nächsten Versammlung, die m zwei Jahren stattsindet, wurde Hers- feit) gewählt. Für morgen sind Ausflüge in benachbarte Obersörstereien vorgesehen.

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