Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt; den Oberlehrer an der Realschule zu Alsield, Aug. Eckel, zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach: den Lehramtsassessor Jul. Revv zum Oberlehrer an der Realschule zu Oppenheim; den Lehraintsasseffor Jak. Kabel zum Oberlehrer an dem Gymnasium zu Worms; den Lehramtsassessor Theod. Ranft zum Oberlehrer an dem Ludwig- Georgs-Gymnasium zu Darmstadt; den Lehramlsass. Fritz Textor »um Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms; den Lehramls- assesior Ludw. La m b i n e 1 zum Oberlehrer an dein Realgymnasi- um zu Mainz; den Lehramtsassessor Tr. Otto Sch midlgen zum Oberlehrer an dem Wolsgang-Ernft-Gymnasimn zu Büdingen; den Lehramlsaffessor Otto Hotz zum Oberlehrer an dem Oslergymna- fluni zu Mainz: den Lehraintsasseffor Dr. Herrn. Lotz zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey; den Lehramlsass. Dr. Ph. Seitz zum Oberlehrer au der Lberrealichule zu Osfenbach: den Lehrarntsastestor Otto Emmel zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymiiasium zu Mzey; den Lehr- amtsasseisor Willy B oe cl zum Oberlehrer an dem diealgymnasium und der Oberrealschule zu Greffen: den Lehramtsassestor Wilh. Kl eck zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Mainz: den Lel/ramtsassessor Ioh. Kron zum Lberlelu.-'r an der Oberrealschule zu Offenbach; den Lehramtsanesior Friedr. La mbH zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Greffen; den Lehramtäas,eiior Franz Petersohn zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach; den Lchramtsajsessor Ernh Keller zum Oberlehrer an d.m Gymnasium Frideric.anum zu Laubach; den Lehramtsanessoc %t. Hch. Gräf zum tL/uerieyrcr an der Oberrealschule zu Osfenbach und den Lehramtsussenor Jak. Fuldner sum Oberlehrer an der höh. Bürgerschule zu Bad-Nauheim ernannt. Durch Entschstcßung des Grogh. sJJiini|ie=- riums des Innern wurden die LehramtSreserenoare Frstor. B a r t- schat zu Offerrbach, Karl Gnsgraber zu WorncS, Wilh. Fink zu Büdingen, Friedr. Fischer zu Offenbach, Hugo Hahn zu Pfungstadt, Dr. Kur». Hahnzu Darmstadt, Wily. Ä l o o s zu Friedberg, Gmil Ko hl zu Mainz, Karl Kohlbacher zu Schollen, Karl Naumann §n Gieüen, Hch. P r ö s ch e r zu Gernsheim, Karl Riehl zu Worms, Dr. Otto Schmidt zu Darmstadt, Tr. Wirhelm Schmidt zu Darnstladt, Dr. Friedrich S ch r o d zu Ofsenoach, Wilh. Schuchmann zu Vingen, Dr. Wüh. Süff zu Gieffen, Dr. Aug. Vetter zu Tarmimdt, Rud. Wagner zu Ofsenbach, Friedr. Will zu Mainz zu Lehr- amtsasseisoren ernannt. Ernannt wurde der Lehrer an dem Realgymnasium zu .Mainz Ioh. Pet. Luley zum Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt, der Lehrer an dem Gymnasium SU Offenbach Ludcv. Rud. Reitz zum Lehrer an der Oberrealschule zu Mamz, der Lehrer an der Gemeindeichule zu Treis a. Lda. Kürl Gödtel zum Lehrer an dem Gymnaiium zu Ossenbach, unter Belassung in der Kategorie der Bollsschullehrec.
** M u ft e r u n g a u f d e m L a n d e. Ein groffes und wichtiges Ereignis ist für unsere Jugend der Tag der Musterung. Schon der kaum der Schule entwachsene Knabe sehnt diesen Lag herbei und sogar unsere kleinen Schulkinder singen mit Begeisterung : „Wißt ihr, was ich werden will?
Nun ich wills euch sagen: Ein Soldat mit blauem Rock Und mit rotem Kragen."
Sind es für unsere Kleinen die bunte Uniform, Säbel, Gewehr und Pferd, was sie für das Militär begeistert, so ist es neben diesen für die erwachsene Jugend wohl auch'das kameradschaftlich- fröhliche Leben, das besonders von den „alten Leuten" durch ost schön ausgemalte Manöverabenteuer ausgeschmückl wird; bei manchen ist es auch Vaterlairdsliebe oder das Streben, sich eine Lebensstellung zu erwerben. Einige Wochen vor der Musterung heißt es für die Gestellungspflichtigen, sich auf der Büi gerineisterei zur Stammrolle anzuinelden. Ist dies geschehen, ziehen die Burschen unter fröhlichem Gesang durchs Dorf nach der Wirtschaft, wo ihrer schon die „Ausgedienten" harren. Sie fühlen sich bereits als halbe Soldaten und stolz singen sie:
„Es gibt fürwahr kein schön'res Leben, Als der edle Soldatenstand.
Er ist mit lauter Lust umgeben. Zu streiten für mein Vaterland. Fürsten und Grafen, sein hohe Herren, Sie müssen alle zur Fahne schwören. Ist denn iwch ein Mensch auf dieser Welt, Dem dieses Leben nicht wohlgefällt."
Endlich kommt um Ostern der heiffersehnte Tag der Musterung. Am Abend vorher kommen die Kameraden zusammen und schmücken ihren Leiterlvagen mit Eichenlaub, Fichtenzweigen und Fähnchen. In sder Frühe des nächsten Morgens geht es nach der Stadt; bei der Ausfahrt aus dem Dorfe erschallt das Abschiedslied :
„Jetzt reisen wir zum Tor hinaus, ade.
Mein Schatz der schaut zum Fenster hinaus, ade! Schön Schätzlein laff das Trauern sein, ade!
Es kann fürwahr nicht anders fein, ade, o weh, ade!" Fährt dann die Jugend in dem Städtchen ein, so singt sie: „Zur Must'rung marschieren, lassen wir uns visitieren. Ob wir tauglich, ob wir tauglich sein ins Feld."
In dem Städtchen selbst hebt ein fröhliches Leoen an, Soldatenlieder singend durchziehen die Rekruten die Straffen. „Für Deutschlands Ruhm und Ehr, ja alle streiten wir!" so tönts verheißungsvoll im Laufe des Tages an unser Ohr. Der Humor bei der Sache ist, daß so mancher dieser heute so mutigen Streiter, der sich schon im Geist im bunten Rock sieht, der wackeren Truppe .Landsturm mit Waffen" oder gar „L. ohne Waffen" ungeteilt wird, auf die das Vaterland seine letzte Hoffnung setzt. >ie für tauglich Befundenen aber sind besonders stolz und in etwas derber Weise sprechen sie von den Landstürmer u>rd nennen sie kurzweg „Staatskrüppel". Nachdem sich die Losburschen mit mächtigen sei in einem solchen Zustande der Unordnung, wie es nur jemals war; die Großen seien in Waffen und gegen einander erregt Ter Krieg, der in das Gebiet der Sachsen, des kriegerischsten Volkes in Deutschland, geworfen sei, sei wahrscheinlich von längerer Tauer und schwerer beizulegen, als dies in irgend einem anderen Deutschland der Fall wäre. Auch wird als für Frankreich günstig hervorgehoben, daß der Krieg weit von dessen Grenzen geführt werde.
Dieser Kriegszustand entsprach natürlich den Wünschen de§ für deutsche Größe so besorgten Franzmannes.
Ein Brief ebendesselben Herrn vom 3. Juli 1553 verrät klipp und klar, warum man mit Moritz von Sachsen weiter zu unterhandeln suchte. Ter Bischof spricht darin em treffenves Urteil über Moritz aus: er sei ein feiner Kopf, argwöhnisch, schwankend und öffne nie eine Tür um einzutreten, ehe er ’ine andere zum Entweichen habe.
Aber er könne viele das Reich angehende Dinge auf. ivühlen, da er sehr ehrgeizig sei. Es sei besser, ihn, trotzdem er verdächtig sei, zu behalten, als ihm Gelegenheit zu geben, Feind Frankreichs zu werden, um ihn nach den Bedürfnissen der Zeit zu benützen, je nachdem es für das Interesse des Königs geeignet fei.
©in Brief des Königs vom 9. Juli ist wieder an den Bischof von Vennes und Herrn de Vicilleoille gerichtet. Der König ist argwöhnisch geworden, weil Moritz von Sachsen noch nicht mit anderen deutschen Fürsten zwecks Abschlusses eines Biindniffes in Metz angekommen ist. Doch scheint es ihm auf Grund erhaltener Mitteilungen, daß in Deutsch- and so große Unordnung herrscht, das Feuer so lang anhaltend und so weit vorgeschritten m dem 2ande ist, daß die Dinge für ihn nicht besser stehen könnten als sie sind. Unter allen Umständen will bei König, daß man dem Moritz von Sachsen so viel als möglich den Glauben beibringe, daß er (der König)
BtrÄusien und vunten MlnDern Dük iE'Brust gqmmnztr inw ein Schildchen, auf dem das Ergebnis der Musterung steht, an die Brust geheftet haben, wird der Wagen bestiegen und heimwärts geht es. Die Schuljugend eilt dem Wagen bis vors Dorf entgegen, werfen doch die Rekruten die „Mofteringsweck und Orangen aus unter die Kinder. Zu Haus angekommen, hebt ein ziemlich ungebundenes Leben an. Mit Sang und Klang ziehen sie von Wirtschaft zu Wirtschaft. Eines der beltebtesten Lieder ist dann: . .
.Der Hauptmann stand draußen, schaute leine Leut an:
Seid nur lustig, seid nur fröhlich, es kommt keiner davon!"
Abends finden sich dann Burschen und Mädchen zu sröhltchem Tanz zusammen. Besonders stolz ist dann die Liese, daff ihr Heinrich zur Infanterie 1 ausgehoben ist, aber auch Dortchen freut sich trotz manchen Spottwortes, daß ihr Hannes sreige- kommen, hatte sie doch bei dem Gedanken an die Trennung schon zum siebenten Taschentuch Zuflucht genommen. Ja die Musterung ist eine schöne Zeit für unsere erwachsene Jugend!
** T rnckiehler - Berrch11grrn g. In Dein gestern ucr- öffenllichieii Artikel über ,.R a n a 11 j a 11 o n s g c b ii l) r e u" sind mehrere Truck'elster flehen geblieben, die nachstehend berichtigt seien. In der 2. Spalte, Zeile 3, muff es stall „Gehirnhallens" Gehet in *• haltens Heißen, lernet in Zeile 28 Papiere statt „Pagiere" und ui Zecke 31 bet teuren WoHnungen statt „bis nach teuren Wohnungen".
-j- Ettingshausen, 2. April. Einen wichtigen Altertumsfund machte man dieser Tage auf dem Speicher des Rathauses, nämlich das alle, längst verloren geglaubte Wappen des Dorfes. Es ist in Eichenholz künstlerisch geschnitzt, zeigt in seiner Mitte ein Herz, auf dessen oberen Teilen zwei Tauben sitzen, darüber befindet sich eine Krone.
ch Aus der Wetterau, 2. April. Aeufferst langsam schreitet der Bahn bau Helde nbergen-Win decke n- Bilbel fort Obwohl schon 3y2 Jahre daran gearbeitet wird, ist nock) keine Aussicht auf Eröffnung der Bahn. Die fortgesetzte Verzögerung hat in den beteiligten Gemeinden große Unzufriedenheit hervorgerusen. Sowohl Landwirte, die ihre Produkte nach Frankiurt und Umgegend verlausen malten, als auch die zahlreiche in Frankfurt beschäftigte Arbeiterschaft wartet schn- lichst aui die Fertigstellung dieses wertvollen Verbindungsweges. In diesem Sinne sind auch die Ortsvorftäude der Gemeinden vor wenigen Tagen wiederum an den maßgebenden Stellen vorstellig geworden. Von Hetdenbcrgen bis Gronau ist die Bahnstrecke so gut wie fertig, Oberbau und Gleise liegen schon nno in den Sllckionsgebäuoen sind nur noch die letzten Jnnenarbeiten auszusüyren. Aber zwischen Gronau und Vilbel sind die Arbeiten noch weit zurück, namentlich von der Nidda-Brücke bis zur Einführung in die Main-Weser-Bahn. Das ^eiimbe muffte hier erst enteignet werden und erst vor 8 Tagen konnten die Erdarbeiten an der etwa 500 Meter langen Strecke beginnen. Diese Verzögerungen hängen auch mit der geplanten Bahnhofs- verlegung zu Vilbel zusammen. Soviel erscheint schon jetzt sicher, daß eine Eröffnung der Bahn frühestens am 1. Juni erfolgen kann; allgemein glaubt man aber, daff es 1. Oktober werden wird. Infolge der vielen Windungen der Nidder bot der Bahnbau nicht geringe Schwierigkeit, mufften doch allein zwischen Windecken und Büdesheim sstnf große Brücken über das Nidoertal und bei Büdesheim sogar ein 200 Meter langer Tunnel erbaut werden. Die etwa 18 Kilometer lange Strecke erhält die Stationen Heldenbergen, Windecken, Büdesheim, Kilianstädten, Dorselden, Gronau und Vilbel.
K. B. Dar m sladt, 3. April. Ems miposante Bismarckfeier hatte gestern abend der Jungliberale Verein im Kaisersaal veranstaltet, die tiotz deö FrühlingewetlerS sehr zahlreich von Damen und Herren besuchl war. DaS Programm des Abends bestand aus Mtilitärrnusik, Gesangs- und Lieder- oorträgen, Prolog und Festreden. Nach einer Begrüßungsansprache deö Vereinsvorsitzenden, Finanzamtmann Bangel, hielt Pros. Tr. B > e r m e r - G ie ff en die Festrede, in der ei fesselnd und scharf em Lebensbild von dem Altreichslanzler und seinem unvergleichlichen Wirken gab. Besonders eingehend zeichnete der Redner das wirischastspolltiiche Programm des Altreichskanzlers, dessen feine Fäden und Gedanken er mit treffenden Worten darlegte. Ter Redner kam in seinen gut anderthalbstündigen Ausführungen zu dem Schliiß, daß die jetzt nach der Reichslagsivahl geschaffene neue politische Parleikonslellation im Reichstag ganz dem Geiste Bismarcks entspreche. Der moderne Liberalismus (im Gegensatz zu dem früheren theoretisch-manchesterlichen) bedeute eine Rückkehr zu der glänzendsten BiSmarck'schen Geistes- und Kulturperiode, die jetzige liberal-konservative Paarung Büloivs fei em offenes Bekenntnis zum BiSmarck'schen Gedankenkreis und wenn die vereinigten Liberalen und Konservativen jetzt im Begriffe seien, mit frischem Mut eine neue Aera gesunder moderner Realpolitik emziilelten, so würden sie stets auf dem tiefen Boden der Bismarck'schen Grundsätze zurückzugreifen veranlaßt sein. — Die Rede wurde mit dem lebhaftesten Beifall ausgezeichnet.
Glieder-2aulhe im, 1. April. Der seither in der Landes-Irrenanstalt zu Heppenheim untergebrachte Müller Melchior Thomas ist dort entsprungen und Samstag ihn für grad und aufrichtig und seine Liebe zu ihm für gewiß halte, und daß er (der König) wünsche, daß Moritz an die Liebe des Königs zu ihm glaube, da er nicht zweifle, daß er guten und glücklichen Erfolg in seinen Angelegenheiten haben werde, und Deutschland in l'o großer Verwirrung erhalten werde, daß er selbst nichts zu fürchten habe und der Kaiser sich keine große Hülfe versprechen könne.
Da trat unvermutet der Tod deS Kurfürsten Moritz ein, und Frankreich schien sein Werkzeug zur Schwächung und Veruneinigung Deutschlands verloren zu haben.
Heinrich II. war indessen nicht lange in Verlegenheit. Am 6. August 1553 schrieb er einen Brief an seine beiden oben genannten Diplomaten. Er verlangt, daß man einen Gesandten zu dem Landgrafen Philipp von Hessen schicke, um diesem sein Beileid wegen des Verlustes seines Schwieger- sohnes auszudrücken, ihn über seine Absichten auszuforschen und ihm eventl. ein vom König verfaßtes Schriftstück zu übergeben. Ter Abgesandte solle dann weiter reisen zu Herzog August von Sachsen, dem Bruder von Moritz, und ihm einen eigenhändigen Brief des Königs überbringen, luenn er finde, daß Sluguft geneigt sei, das Unrecht, das seinem Bruder z,i- gefügt worden sei, lebhaft zu empfinden. »Er soll den Herzog des Wohlwollens des Königs versichern, bie Angelegenheit in Deutschland für den Kaiser weiterhin als verdächtig erscheinen zu lassen. Ter Herzog werde dort das Feuer wieder anzfinden können, das möglicherweise durch den Tod des Herzogs Moritz erloschen sei. Dec König will, daß zu diesem Zweck nichts unterlassen werde.- So sah die Liebe des Königs von Frankreich für Deutschlands Größe aus.
Aus einem von den Herren de Vicilleoille und dem Bischof von Vennes aus Metz an den König gerichteten Bries (8. August 1553), dec die scheinheilige und im höchsten Grade
naä)i ferner m seine Beyausung gerömmett. svÄyrenv das Dors sich noch in Ailfregimg befand über seine Flucht aus dem Irrenhaus und über seinen unbekannten Aufent- Haltsort und viele sogar der Meinung waren, Thomas habe, um allen Weiterungen aus dem Wege zu gehen, Selbstmord begangen, arbeitete er schon in aller Gemütsruhe in seinem Garten.
le Offenbach a. M., 2. April. Am 1. Ostertage machten 4 junge russischeJudcn eine Bootsfa h rt auf dem Main. Als sie mitten auf dem Strome fuhren, fiel dem einen, Namens Benjamin Fränkel, der Hut ms Waffer. Weil sich alle Vier seitwärts bogen und nach dem/ Hut griffen, kippte der Nachen um, und die Insassen fielen ins Waffer. Einer rettete sich durch Schwimmen, zwei wurden von Flößern gerettet, und Fränkel, 1889 in Lodz geboren, ertrank. Das Unglück ereignete sich in der Nähe des Hafens.
Offenbach, 1. April. Nachdem die 5. Konferenz bet Anarchistischen Föderation Deutschlands im Kreise Offenbach verboten und auch die Genehmigung zu ihrer Ad- Haltung m Frankfurt verweigert worden war, erklärte die Gcschäftsleitimg, daß die Konferenz am ersten und zweiten Cflerfeicrtag in einem Orte m der Nähe von Offenbach statt- finden werde. Am Samstag abend fand tm Gewerkschafts- Haus eine Volksversammlung statt, in der R. Lange aus Berlin, Redakteur des /Anarchist", sprach. Als er im Laufe feiner Rede erklärte, er halte sich für feine Person überhaupt mcht für verpflichtet, Gesetze zu hallen, wurde die Versammlung aufgelöst.
Mainz, 2. April. Heute fand auf dem Gemeindehaus in Mombach aus Anlaß der Eingemeindung dieses Ortes in Gegenwart von Vertretern der Großherzogl. Regierung, der Stadt Mainz und der Gemeinde Marnbach durch die städtischen Vertreter die feierliche Ucbernahme der Verwaltung von Mombach durch die Stadt Mainz statt. Mit der Eingemeindung von Mombach tritt Mainz in die Reihe bei Städte von mehr als 1 00 000 Einwohnern em.
[] M ü n ch Hausen, 2. April. Unter dem Vorsitz des Kreisbraudmeisters Heuser aus Marburg tagte heute hier der 9. Delegiertentag des Kreis-Feuerw eh r-Ver- band es Vk ar bürg. Aus dem geschäftlichen Teil sei ermähnt, das von den 90 Feuerwehren des Kreises jetzt 85 dem Verbände angehören. Ni'an besprach bann u. a. das neue preußische Feuerlöschgesetz und wünscht bie baldige Einführung einer Unfallkasse. Als Ort des nächsten Delegiertentages wurde 91 o r b c c£ gewählt. Mit dem Telegiertentag war auch eine Hebung ber Feuerwehren von Münchhausen, Vollmar, Niederasphe und Todenhausen verbunden, die gut gelang.
** Kleine i- u nD den
N a d) b a r fr a a t e u. Tie Errichtung eines W o ch e n m a r k t e s für die Kreisstadt B r e d e n k o p s ist vom Bezirlsausschuß genehmigt morden. — In O b e r n rset ist der Rendant der Spar- und Dar- lehnstasse Josef Adnan verhaftet morden. Es sollen- n. d. Frti. ^oltsst. llnregelmaßigteiien in der Kasse emdectt worden sein.
* Das Opfer des Ehemanns. Aus New-Pork wirb gemeldet: In Philadelphia erregt eine soeben ausgeführte Operation lebhaftes Interesse. Nirs. Peter Anbersoii lag an schwerer Blutarmut totkrank darnieder. 21 Ue bie Herztätigkeit anregenden Mittel versagten, die Lterzte waren ratlos. Endlich entschloß man sich zu eihem Versuch mit künstlicher Blntzrstührrlng. Ter Gatte der Sterbenden erklärte sich zu dem Opfer bereit. Er wurde chloroformiert, man legte ihn neben seine sterbende Frau auf den Operationstisch, öffnete eine Ader seines linken 2lrmes und durch eine Rohre gelang es, der Kranken mehr als 2 Liter Bliit zilzuführen. Sie erholte sich nun fast sofort und eine rasche Zunahme der Kräfte ivurde beobachtet. Die 2lerztc stellten m Mrs. Andersons Blut eine Vermehrung der Blutkörperchen fest, die Zunahme stieg von 10 auf 75 Proz. Allerdings wird noch eine Wiederholiing der Operation nötig sein; sie soll vorgenoimnen werden, wenn sich der Gatte genügend erholt hat, um eine zweite Blutabgabe überdauern zu tonnen.________
Uiiivcrjitat»*2lad?rid)ten.
Die Generalaussperrung i m Scyneiber - G ei» werbe ist am Dienstag nach b?m Beschlug des Arbeitgeber- Versandes für das b.utiaje Scyneioergemeroe in Krast getreten, lecim Zentraworstand des bciitiujen ischneioervervandes lagen am Dienstag vonncktag nur vereinteste 2im^ perrnngsme^dungen aus dem Reiche vor. Vielfach staftoen Arpertgeoer und ^roestiiehmn ,chon kurz vor der Berstanoigung, aid der Ausiperrungsoe,a)luij die Einigung lveryinderte, so in Mannheim, Hamern, Frankfurt a. L.
eigennügige französische Politik feuer Zeit teunzeichnet, geht hervor, daß die französische Regierung nut dem berühmten Schulmann Johannes Sturm in -Straßburg, der früher eine Zeitlang Vorlesungen m Paris gehalten hatte und dem Calvinismus zugetan war, in Verbindung stand.
2lm Schluffe dieses Briefes schreibt der Verfasser in Bezug auf den geplanten Reichstag zu Ulm, daß es für bie Interessen des Königs nützlich sein könne, wenn der Bischof von Nietz, Kardinal de Lenoncourt, Vertreter auf den deutschen Reichstag schicke. — Bemerkt sei hier, das Metz damals in französischem Besitz war, und der dortige Bischof nichts mehr auf einem deutschen Reichstag zu suchen hatte. — Es heißt weiterhin: ^Denn außerdem, daß er darum könne, daß er Mitglied des Kaiserreiches sei, würde er zu erkennen geben, daß er sich nicht davon trennen wolle; das wäre dann ebenso sehr ein Nlittel, zu entdecken und zu hören, alles was man dort tun würde, wovon man bann rasch Nachricht über die Schweiz geben könne." Tie Rietzer Bürger sollen nach der Ansicht des schlauen Diplomaten niemand in den Reichstag schicken, weil sie kein Recht dazu hätten. Das ist sein formeller Grund. Aber er hat noch einen materiellen: „Die Rietz er Abgesandten könnten sich dort beklagen und bie Angelegenheiten Frankreichs schädigen."
Es ist gewiß nicht schwer, die Maske und das wahre Gesicht zu unterfchelden, wenn man durch Kenntnisnahme dieser Schriftstücke hinter die Kulissen sieht. Das war natürlich unseren Vorfahren nicht möglich (der Graf von Mansfeld, em Herr Ehelius, Sturm u. a. gingen auf den Leim) unb nahmen die schönen Worte der höflichen westlichen Nachbarn für bare Münze. Wie oft hat sich unser Volt in dieser Weise von Fremden an ber Nase herumführen und mißbrauchen lassen! x L»


