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27.6.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 148

Zweites Blatt

Donnerstag 27. Juni 1907

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Oberheffen

157. Fahrgang

DieLietzener FanlilienblStler" werden dem ,Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krebblati für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der»Hessische Landwirt^' erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universität» - Buch» und Stmndruckrrei.

R. Sangt, Gtetzeu.

Redaktion, Expedition und fcructaeh Schul­straße 7. Expedition und Verlag t dl. Redaktion: eeS 112. TeU-Adru LnMtgtrGieGeN'

ein- Der» die

auf Vermutungen von Schwarzen beruhe.

2r. Peters stellt fest, daß er persönlich bei keiner j igen Vollstreckung der von ihm am Kilimandscharo längten Strafen zugeschaut habe, was alle Zeugen, wrt mit Peters waren, auch Wilhelm, bestätigen.

Die weitere Verhandlung findet morgen statt.

Die Friedenskonferenz.

Nach einer Meldung aus dem Haag sind in der Frage der Seeminen D ifferenzen aufgetaucht. Von einer Seite wurde vorgeschlagcn, ein Abkommen dahin zu treffen, daß See- minen so geartet sein müssen, daß sie automatisch sinken, falls sie von ihrem Ankerplatz losbrcchen. Dadurch würde man die tragischen Wirkungen der umhertreibenden Seeminen ver­meiden. Tie Vereinigten Staaten rerwarfen aber diesen Vor­schlag, weil die Notwendigkeit der trcibeiiben Seeminen im Kriege nufjt bestritten werden könne. Die japanischen Dele­gierten gaben gleichfalls zu erkennen, daß sie mit dem humanen

machen. Kncgsllimistec Picquart erwidert nut Bezug auf die Rede des Generals LangloiS, cS fei eine willkürliche An­nahme und eine durchaus übertriebene Hypothese, daß Frankreich von Nachbarn pkötzlich überfallen werden könnte. Der Minister legte dar, daß eS für einen Feind außerordentlich schwierig sei, unvermutet einen cinft» )aften Handstreich auf d.e sranzöstsche Grenze zu versuchen. Er, der Minister, zweifle trog der legten Ereignisse nicht an der Festigkeit der Disziplin des Gesamtheeres. Immerhin )äüen diese Vorkommnisse dargetan, daß eine Reform der regionalen Aushebungen erforderlich ist. Diese Frage werde von ihm erwogen. Bezüglich der Entlastung deS Jahrganges 1903 erklärte der Kriegsminister, daß diese Maßnahme keine Gefahren in sich schließe. Gegebenenfalls wurde er nicht j ögern, von den gesetzlichen Vollmachten Gebrauch zu machen, um die Mannschaften bei den Fahnen zurückzuhalten, deren Anwesenheit für die Sicherheit des Landes notwendig ist. Er schließt mit der Forderung, man möge ihn nicht durch eine Festlegung im Gesetz zwingen, den Jahrgang zu einem festbestimmten Termin zu entlassen; man möge ihm vielmehr in -ieser Bcziehimg Bewegungsfreiheit lasten. Die Vorlage wird sodann angenommen.

Paris, 26. Juni. Die Soldaten eines Bataillons des 40. Infanterie-Regiments in Alais beklagten sich gestern über ihre Suppe. Der Major forderte einen Leutnant auf, sich zu vergewissern, ob die Klagen berechtigt feien. Der Leutnant erklärte die Suppe für gut. Darauf verließen die Soldaten den Speisesaal und sangen die Internationale.

Paris, 26. Juni. Die Budgetkommifsion der Kammer beschäftigte sich mit einer ernsten Angelegenheit, welche die Militärverwaltung stark belastet. Sie beschloß, der Kammer die Verweigerung des ver­langten Kredits von 21 Millionen vorzuschlagen, die an die Militärbetten-Gesellschaft im Austausch deS Materials bezahlt werden sollte, da sie nach Prüfung der Bedingungen, unter denen 1886 der Vertrag mit jener Ge­sellschaft abgeschlossen wurde, barin eine mißbräuchliche Verschleuderung von Staatsgeldern erblickt. Der Kontrakt habe dem HeereSbudget in den letzten 25 Jahren zwecklos 50 Millionen Franks gekostet. Einige Deputierte wollen die Einsetzung einer Kommission fordern zur Er­mittelung der Schuldigen.

Vom Frankfurter Leben

wird uns geschrieben:

Das Goethe-Museum hat soeben eine höchst willkom­mene Schenkung erhalten: durch die Freigebigkeit von be­kannten (d. h. offiziell unbekannten) Frankfurter Kunstfreunden ist es in den Besitz einer größeren Anzahl von jenen Gemälden gelangt, die um das Jahr 1760 herum Franyois de Theas, Graf von Thorane, der Königsleutnant, als er in Goethes Vater­hause als militärischer Gast wellte, durch die bekannlesten frank­furter Maler, wie Seekatz, Schütz, Trautmann, für sein schloß in der Provence malen ließ. Goethe beschreibt inDichtung und Wahrheit", wie man sich erinnern wird, höchst anschaulich die Vorbereitungen zu dieser Kunsttatigkeit, rote seine Mansarde cs sich gefallen lasten mußte, zum Atelier umgewandelt zu werden und wie sich nun dort unter der glühendsten Teilnahme des Knaben eine rege künstlerische Tätigkeit entfaltete. Er erzählt, wie rasch er nicht nur lernte, sondern auch lehrte und wie er mit seiner lebhaften Phantafie die Phantasie der Künstler unter­stützte. Er hat Skizzen jener damals gemalten Bilder entworfen, und diese Skizzen sind heute noch im Weimarer Goethe-Haufe zu sehen. Die Bilder aber, die der Königsleutnant mit in die ferne Heimat genommen hatte, galten lange als verschollen. 2,er Goethe-Forscher G. v. Loeper suchte int Jahre 1874 als enter in der Provence na chihnen, aber er fand sie nicht. Mehr Gluck hatte, aber ohne daß die Leffenttichkeit davon erfuhr, Dr. Marlin sämbart, der schon im Jahre 1876 in und bei der Stadt Grape, der Vaterstadt des Künigsleutnants und dem Orte des Stamm­schlosses, für das die Bilder bestimmt waren, den getarnten Ge­mälde-Schatz entdeckte und sogar einige der wichtigsten erworben hatte Aber er wahrte seinen Schatz für eine große . von ihm geplante Publikation. Zwanzig Jahre und mehr waren leit Loepers Versuchen vergangen, als der verdienstvolle Btblwthekar des Goethe-Piuseums, Prof. Dr. O. Heuer sellytändig in Wahrung brachte, Mfi der ^rogneye Thoranes, Graf öartouj iS Mouas-.

Der WinzerLrieg und die Armee in IrauLrcich.

Montpellier, 26. Juni. Marcellin Albert stellte sich heute hier dem Gerichte. Er erzählt, daß Cls- menceau ihm 100 Francs Reisegeld vorgestreckt hätte, die er zurückschicken wird. Bei seinem ersten Verhör hat Albert erklärt, er habe niemals gegen die Gesetze oder gegen Menschen Krieg geführt, vielmehr den Weinbau retten wollen.

Villefranche sur Mer, 26. Juni. 620 Meuterer deS 17. Infanterie-Regiments wurden heute an Bord zweier Kreuzer nach Sfax in Tunis eingeschifft.

Paris, 26. Juni. Senat. In der Beratung des Gesetzentwurfes über die vorzeitige Entlassung deS Mili­tär-Jahrganges 1903 führte Berichterstatter Waddington aus: Die Entlassung des Jahrganges 1904 werde die Ver- ringerung der Effektivbestände noch steigern und die KrisiL werde sich besonders bei der Kavallerie fühlba^

Deutsches Reich.

Berlin, 26 Juni. Zum Nachfolger des Kultus­ministers Dr. Holle als 'Unterstaatssekcetär im Minstterium der öffentlichen Arbeiten und Leiter der Wasserbau-Abteilung! ist, wie dasB. T." zuverlässts hört, der Regierungspräsident von Arnsberg, Dr. Freiherr von E o e l s v o n d e r D r u e g g h e n, ernannt worden. Freiherr von Coels gilt im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger als Sack)verftändiger in wasserbautechnischen und wasserwirtschaftlichen Dingen.

Hamburg, 26. Juni. Die Bürgerschaft nahm eine Senatsvorlage an, nach welcher berjenige, der nicht für den Unterhalt seiner Familie sorgt, durch Zwangsarbeit in einer Arbeitsanstalt hierzu gezwungen werden kann.

Eine Korreipondenz schreibt: Es bart mit Sicherheit erwartet werden, daß für die nächste Session des Landtags i ne Abänderung des pre ußische n Landtags-Wahl­rechtes vorbevellet wird. Ob sie bereits für die im kommenden Jahre vorzunehmenden preußischen Landtagswahlen in Kraft treten kann, steht noch dahin. .

Nach Meldungen schlesischer Blätter l)at die Regierung in Oppeln im Auftrage oes Kultusministers 2 3 Volksschul­lehrer des Rczierungsbezirks durch G e t b ji r a f e n und Ent­ziehung der Deputate gemaßregelt, weil sie Artikel gegen den Brems-Erlaß in d.e limsstcnnwe Presse gebracht hatten. Gleich­zeitig verbot die Regierung jebe weitere Leoicnung der Presse.

eine größere Zahl der Bilder besitze, die es dann auch gelang leihweise für die große Goethe-Ausstellung des Jahres 1895 in einer Auswahl zu erhalten. Jetzt erst erkannte man den nicht geringen künstlerischen Wert dieser Bilder, und sah, baß es sich keineswegs umTapeten", wie man bisher geglaubt hatte, sondern um verllable Gemälde handelte. Tie Bilder zu er­werben, wollte damals infolge der hohen Forderungen pes Be­sitzers leider nicht gelingen, dagegen flirtete Dr. edjubart 1897 für das Goethe-Museum die in seinem Besitze benndlichen Bilder. Man beschäftigte sich in Frankfurt in den nächsten Jahren sehr viel mit diesen Bildern, und es gelang, namentlich durch die Forschungen von Prof. Donner v. Richter, auch das ursprüngliche Arrangement (die Bilder waren infolge von Erbteilung inzwischen getrennt worden) genau festzustellen. Aber die Bilder selbst schienen unerreichbar. Da rauchte in diesem Fruchayr plötzlich bei dem Kunsthändler Goldschmidt ein ganzer Zyklus der Biloer auf, und zwar die, die den gesamten Gemäldeschmull in einem Salon von des ;>.önigsleutnants eigenem Palais geblldet hattm. Es waren nicht weniger als 86 Einzeldarstellungen: 12 Monats­bilder von Seekatz in schmaler Umrahmung, die ganze Zimmer- höhe emrahmend, große Landschaften von «chuy, em Traut- mann iDü5 trojanische Pferd und den Brand Troias darstellend,, femer eine große Anzahl von Genreblldern, Supraporten u. a. Die Bilder waren sämtlich roohlerhalten und noch m den alten schönen Rokokorahmen Nothnagels. Diese 86 Bilder nun, die nicht nur für die Goetheforschung von unschätzbarem Werte sind (erkennt man doch in Seekatz' April-Bild mll leichter Muhe Goethe und Cornelias, sondern auch sur die ^ranksurier Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts eine autzerorbentlich werl- volle Quelle bedeuten, har das Museum jetzt erworben, oie stehen, der allgemeinen Besichtigung noch nicht zugänglich, in der Mansarde, wo sie vor nahezu 150 Jahren entstanden imo. spater, nxmn erst der Erweiterungsbau des Muieums vollendet sein wird, sollen sie dort eine würdige Ställe finden. ^r. G 4.

Gin Zwischenfall.

Ein Vorkommnis erregte in der ersten Nachmittagssitzung Aufsehen. Es handelte sich um die Mitteilung des Präsidenten, von der Zeugin Baronin Frieda v. Bülow sei ein Schreiben eingegangen, daß sie wegen Krankheit nicht erscheinen könne; im übrigen habe sie angegeben, daß sie, als sie in Afrika war, von Dr. Peters den befteu Eindruck gewonnen habe.Er sei, ob­er streng war, sehr beliebt gewesen. Ost fand man sein Bild an der Wand einer Hütte neben dem des deutschen Kaisers." Der Vertreter des Dr. Peters beantragt im Interesse feines Klienten, die Zeugin kommissarisch vernehmen und vereidigen zu lassen. Und hierauf ruft der Anwalt des Beklagten in den Saal:Ich bitte aber, die Zeugin insbesondere zu fragen, ob sie nicht die Geliebte des Dr. Peters war." Selbstverständlich rief dieser Zwischenruf große Bewegung hervor und durch den Gerichts­aal ging ein Raunen und Zischeln. Und diese Taktlosigkeit geschah in einer Zeit, in der man selbst bis in ullrakonservativen Kreisen hinein die große Resormbedürstigkeit des strafprozessualen Verhörs zugibt und verlangt, daß man niemanden in öffent­licher Sitzung nach seinen Vorstrafen fragen soll, daß man ferner den Zeugen nicht nur solche Aussagen erlassen soll, durch die ie sich nominell belasten, sondern auch solche, durch die sie sich ethisch oder auch nur gesellschastsmoralllch kompromittieren! Und obendrein stellt eine solche Frage ein Vertreter der Anwaltschaft des Rechtes, die doch sonst der Reaktion im Gerichtssaal mit größtem Eifer entgegentritt. Wenn eS aber in den Strom paßt, dann tritt mancher alle guten Vorsätze mit Füßen. Die Herzens- beziehungen der Baronin sind natürlich gänzlich nebensächlich. Dagegen sei daran erinnert, daß Frieda Freiin o. Bülow eine bedeutende Ko lonials chr iststel l er in ist. In ihrem RomanTro­penkoller" schildert sie die Roheiten suballerner Beamten in Tar- es-Salaam. Auch Reiseskizzen und Tagebuchblätter aus Deutsch- Ostafrika hat sie verfaßt. Ihre Schwester war die hochbegabte Novelliftin v. Bülow, die 1884 beim Versuck)e, einen beim Eis­lauf eingebrodjenen Knaben zu retten, ertrank.

Gewiß, es mag Fälle geben, wo nach intimen Beziehungen zur Aufhellung der Wahrheit gerade im Interesse des Angeklagten geforscht werden muß; hier im Falle Bülow-Peters aber ist die Frage nach einem etwaigen Verhältnis eine Frivolität gewesen, die sich durch nichts rechtfertigen läßt.

Expedition gesandt worden sei, fei die Jagodjc» erhängt worden. Eine allgemeine Anordnung, daß Kettengesangcne wegen eines Fluchtversuches zu hängen seien, fei ihm nicht bekannt. Er selber fei niemals von der Notwendigkeit der Hinrichtung des Mabruck und der Jagodja Überzeugt ge­wesen.

Peters erklärt, daß Wilhelm feine Maßnahmen in- olge persönlicher Verstimmung falsch beurteile.

Freiherr v. Pechmann ertlärt, Wilhelm habe im Jahre 1891 feine Stellung gegenüber Dr. Peters von Anfang an verkannt. Er habe sich als den Herrn der Station auf» efpielt. Die Ansicht, daß er ans besonderen geheimen Gründen auf Expeditionen geschickt worden sei, sei un- liegründet. Die Negerin Jagodja fei nur ein einzigesmal geschlagen worden. Rechtsanwalt Rosenthal stellt je ft, daß Wilhelm zur Zeit der Hinrichtungen nicht auf der Station war, daß er dort zuerst zwei Sßoajen und später eine Woche war, und daß alles, was er vorgebracht habe, lediglich

logen.

Generalleutnant z. D. v. Sichert erklärt, daß im Jahre 1897, als er als Gouverneur Leutnant v. Bron- . f ar t eingeladen hatte, feine sämtlichen Offiziere die Ein­ladung ausschlugen, weil sie mit Bronsart nichts zu tun haben wollten. Letzterer gelte als absolut verlogen; tein Wort sei ihm zu glauben.

Oberstabsarzt a. D. Dr. Becker-Berlin äußert sich gleich­falls ungünstig über Bronsart, der leichtsinnig gewesen sei, Schulden gemacht und Schecks auf Banken ausgestellt habe, bet denen er gar kein Guthaben hatte.

Kunstmaler Kuhnert-Berlin, welcher im Herbst 1891 üm Kilimandscharo Dr. Peters kennen lernte, hat der Hin- richtung Mkidrucks als Zuschauer beigewohnt. Nach seinem Eindruck war die Hinrichtung wohl notwendig wegen der dortigen unsicheren Verhältnisse. Für die Hinrichtung der Negerin Nagodja wurden nur ihre Flucht und ihre Kon­spiration als Gründe angenommen. Der Zeuge erklärt, damals habe er über das Auspeitschen und Hin­richten härter geurteilt, jetzt aber, seitdem er eine neue Reise gemacht und die Grausamkeiten der Eingebore­nen kennen gelernt habe, urteileerüber Dr. Peters gerechter. Er, Kuhnert, würde ebenso streng gehandelt haben; nur durch Strenge.nne man die Auto­rität aufrechterhalten.

Verschiedene Sachverständige bestätigen, daß kein Expe­ditionsführer ohne eine gewisse Strafbefugnis auskomme. Die Prügelstrafe sei auch in der Eingeborenen-Truppe in Anwendung gewesen. Früher fei auch das Prügeln von Weibern gestattet gewesen, das jetzt verboten sei. Strafen wie Ketten, Prügel und Hängen seien in der ganzen arabischen Welt üblich und notwendig. Unter den Sudanesen und Askaris habe es als ehrenvoll gegolten, die Prügel- strafe ohne einen Laut ober eine Klage zu erdulden. Eine bloße Gesangensetzung werde von den Schwarzen nicht als Strafe empsunden. Eingeborene verlangten selbst, daß andere Eingeborene mit Prügel bestraft würden. Auch Pater Acker erklärt, dler Schwarze könne nicht vhue Stock erzogen werden, aber ein Fehler sei dft, daß die Schwarzen nicht wüßten, weshalb sie ge­prügelt würden. Bei Lügen und Stehlen müsse man den Stock anwenden.

Reichstagsabg. Dr. Arendt erklärt, seine früheren Be­sprechungen mit dem früheren Kolonialdirektor Dr. Kayser hätten stets einen freundschaftlichen Charakter getragen. Niemals habe sich eure Szene ereignet, wie sie Frau Dr. Kayser geschildert habe. Dr. Kayser habe nach Abschluß der ersten Untersuchung gegen Dr. Peters gewünscht, daß dieser wieder angestellt würde und eine Ordensauszeichnung erhalte. Er habe sich mchrsach dafür verwendet, und selbst Konzepte für ein Wiederanstellungsgesuch, welches Peters einreichen sollte, geschrieben. Erst später nach den An­griffen gegen Dr. Peters int Reichstage habe Dr. Kayser seine Meinung geändert und eine Rede gegen Dr. Peters gehalten, wogegen er (Arendt) bald den Vorwurf der Un­wahrheit erhoben habe. Die Fälschung des Tucker- briefe5, durch welche allein ein Umschwung in der öffentlichen Meinung hervorgerufen worden sei, sei ein Bubenstück gewesen. Bald werde die Zett kommen, baß man nicht verstehen werde, wie man Dr. Peters so habe in den Schmutz ziehen können. Er, der Zeuge, trete für Dr. Peters ein, weil Deutschland diesem ferne Kolonie Ostafrika verdanke und weif nach feiner Ueber- zeugung an Dr. Peters ein Justizmord verübt worden fei. In dem Disziplinargerichtshof hätten keine Afrikakenner und Sachverständige gesessen. Der Haupt- zeuae gegen Dr. Peters, Leutnant a. D. Bronsart v. ^chellen- dors, sei unglaubwürdig. Eine Wiederaufnahme des DiS- ziplinarvckrfayrens sei durch das Gesetz ausgeschlossen.

Nach verschiedenen Feststellungen über die Auffassung, die Major v. Wißmann und andere über Dr. Peters hatten, bekundete Dr. Schröder-Paggelow aus Berlin, daß Kolonial­direktor Dr. Kayser in Prioatgesprächen oft betont habe, daß die ganze große Kolonial Politik auf der Arbeit von Dr. Peters beruhe.

Magistratssekretär Wilhelm aus Schoneberg, der im Jahre 1891 als Schutztruppenunteroffizier bet Dr. Pettrs am Kilimandscharo gewesen ist, gibt eine eingehende Schil­derung der dorttgen Verhältnisse und erzählt dabei, ihm sei von schwarzen Soldaten gesagt worden, der Neger Mabruck sei hingerichtet worden sowohl wegen Ein­bruches, wie auch wegen Beziehungen zuSta- tionsh altern. Auch bezüglich der Negerm Nagocha hätten ihm die schwarzen Soldaten erzählt, daß ihre schweren Kettenstrafen sowohl wegen ihrer Flucht, rote auch wegen ihrer Beziehungen zu Mabruck verhängt worden seien. Im übrigen sei die Jagodja auch während _ ihrer späteren Kettenhaft noch geschlagen worden. Hieraus habe er Dr. Peters aufmerksam gemacht. _

Dr. Peters hält dem Zeugen vor, daß dies gleich nach der ersten Prügelstrafe gewesen fei.

Rechts an walt Rosenthal hält ebenfalls dem Zeugen vor, daß er früher auch ui diesem Sinne ausgesagt habe.

Wilhelm gibt zu, daß er sich dann bezüglich des Zeit- punttes des Schlagens bet feiner heutigen Aussage geirrt habe. Er fährt ferner fort, daß fein Verhältnis zu Dr. Peters nicht besonders gut gewesen sei. Als. er auf Wie

Ier ^erers-Krozeß.

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München, 26. Juni.

Kapitän a. D. Redakteur v. Loßberg-Berlin gibt Auskunft über zwei Unterredungen mit dem Geh. Legationsrat Hellwig aus früheren Jahren. Bezüglich des Disziplinarurteils habe Hellwig gesagt, die Verurteilung sei nicht erfolgt wegen Hängens des Negers, sondern wegen wissentlich fal- . scher Berichterstattung, und selbst dieser Vorwurf könnte sich vielleicht noch anders erklären.

Dr. Peters gibt Auskunft über fein Verhältnis zu Leut­nant Bronsart o. Schellendorf, der ihm feit dessen Ab­berufung von der Kilimandscharo-Expedttion feindlich ge­sinnt sei. Ihm sei Bronsart von Anfang an aus verschie­denen Gründen unsympathisch gewesen. Ueber die Gründe für die Hinrichtung des Negers habe er mit Bronsart nie­mals gesprochen; dessen Aeußerungen darüber seien er-