Ausgabe 
27.5.1907 Erstes Blatt
 
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ALe Heutige Nummer umfaßt 10 Seiten«

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Hochzeitstur m",

Aie Aarmstädter AussieLung 1908.

(Nachdr. Verb.)

englische Bündnis gezeuiat. Tie japanische Pr. ssc wcno.'t sich ganz offen gegen Teuischland und erklärt, diese (sntcntc erstrebe nichts andere- als die Verdrängung Deutsch­lands aus dem Kvnkurrenzgebiet des Stillen Ozeans. Auch

Von Mai bis Oktober nächsten Jahres findet bekanntlich in Darmstadt dieHessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst" statt. Schon seit langer Zeit regen sich eifrige .Hände, um die Ausstellungsstadt zum richtigen Zeit- punkt in vollstem Glanze erscheinen zu lassen. An ständigen Bauten wird ein riesiges, von Professor Olbrich entworfenes Ausstellungsgebäude und der og.Hochzeitstürm", welchen die Stadt dem Großh. Paare zum Geschenk mucyt, errichtet werden. Die Arbeiten ind ziemlich wert gediehen und schon kann man sehen, daß sie einen monumentalen Eindruck auf den Beschauer ausüben werden.

Für die nichtständigen Bauten und die allgemeine Platz- aestaltung war von der Ausstellungskommission eine Kon- turrenz für hessische Architekten ausgeschrieben worden. Es waren drei Preise im Betrage von 1500, 1000 und 500 Mk. ausgesetzt. Der Termin zur Einreichung der Entwürfe war anfangs Mai abgelausen und es waren 13 PNisarberten

gestellte

löglicht dies* . 0Ddrs Wertsachen

08 Bankhauses auf. lankgescbätt ie 2.

In der Hauptachse liegt als Mittelpunkt, ein monumentaler Repräsentationsraum, das Gebäude für angewandte ziunst, an das sich ein Säulenhof angliedert. Das zweigeschossige. Gebäude für Wohnungskunst liegt an der linken Sette der Achse. Die Ausgänge des Gebäudes für angewandte Kunst fuhren durch eine Terrasse mit Pergolen. An die Terrasse sind angebaut zwei Verkaufs Häuschen mit acht Räumen, von denen je vier von der Terrasse aus und vier von dem tieferliegenden Terrain aus zu benützen find. Das Restaurationsgebäude liegt in dem südlich des Aus- stellungsterrains befindlichen Viereck. Der Haupteingang ist am Platanenhain mit dem Zugang vom Nicolaiweg aus geplant. Die Kosten sind auf 70 800 Mk. vorgesehen.

Auch unter den übrigen, nicht preisgekrönten End» würfen befindet sich manches bemerkenswerle Stück Arbeit. So sei besonders der Entwurf von Prof. Wickop und ein solcher mit dem MottoHarmonie" genannt. Die Ent­scheidung darüber, welcher von den drei preisgekrönten Entwürfen zur Ausführung kommen soll, ist noch nicht getroffen.

Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Entwurf des städt. Bauinspektors Buxbaum hat, was die praktische Lösung der Aufgabe anbetrifft, zweifellos vor dem Pros. Müllerschen, der mehr auf äußerliches Blenden angelegt ist, viel voraus.

Der Bauausschuß wird sich deshalb vor seiner definitiven, Entschließung- wie es wenigstens wünschenswert erscheint, nochmals alle Details genau überlegen müssen, welche Arbeit er zur Ausführung bestimmt.

Aus Frankfurt schreibt man uns: Am Freitag fand im Schauspielhause die zweite Aufführung von Th. Manns feiugeiskiger Renaissance-DichtungFiorenza" statt. (Buchverlag S. Fischer in Berlin.) Bon den unge­wöhnlichen Längen der geistteich pointierten Reden der genuß- und schön heits froh en Männer von Florenz zur Zeit Lorenzos des Prächtigen merkte man nichts; man lebte alles mit Jedenfalls i raren auch die vorzügliche Aufführung und die Anwesenheit des Autors mit an der gehobenen und beifallsfreudigen Stimmung schuld. Man hatte noch srun- denlang zuhören mögen. Das Theater war schlecht besetzt. Herr Ziegler erinnerte als 17 jähriger Kardinal ein wenig an Ihr Frl. Donecker, er machte aber seine Sache sehr gut, durchlebte sie bis in die kleinsten Bewegungen. .Herr Wa n ka überraschte durch seinen prächtigen Pico. Er spra ch mit einem überzeugenden Feuer. Nur die Darsteller oer ftett.ch vom Autor mehr oberflächlich gls lebenswahr geschilderten Künstler waren nicht so ganz auf der Höhe. Frl. Rott- mann als Fiore, die lasterhaft schöne Geliebte Lorenzos, sah wunderbar aus und spielte wie eine Märchenprinzefiin. Der Autor wird den ganzen Abend gewiß recyr zufrieoen gewesen fein. M. H.

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javanische Abgeordnete stellen sich auf diesen Standpunkt. Der Deutschenhaß der Japaner hat eine solche Löhe erreicht, daß man sich vor allem von derdeutschen Gefahr" be­droht sieht und Stimmen wurden laut, auch mit Frankreich in Verbindung zu treten, um den Einfluß Deutschlands« im fernen Osten zu brechen. Inzwischen ist dieses Bünd­nis ja zustande gekommen. Deutschland vertritt im Osten das Prinzip der offenen Tür, und wenn Japan dieses durchbrcä)en nvllte, hätte es bald die ganze Welt gegen sich. Tie j.'tzt pev- sekt gewordene französisch-japanische Verständigung hat aber vor allem den Zweck, Javan das zu schassen, was es zunkeiil braucht, nämlich Geld. Es handelt sich um zwei Milliarden Francs« von denen England nur den kleineren Teil geben würde. Welches die Vorteile sind, die Frankreich dabei zufallen, wird wohl erst nach Veröffentlichung des Vertragsinstruments ersichtlich fein. DemEcho de Paris" wird auS Rochefort gemeldet, daß ein amerikanisches und ein japanisches Ge­schwader Ende Juni mit dem Mrd- und Mittelmcergeschwader, aus der Reede von La Ppllice an der M.stc des atlantischen Ozeans zu lammen treffen und sich sodann nach Bordeaux begeben würde, wo in Anwesenheit des Präsidenten Falliöres eine internationale Regatta stattfinden werde. Lllso immer größer wird dieVer­brüderung". In Amerika liebt man indes die Japaner ganz und gar nicht und man äußert den^Unwillcn über die gelben Eindringlinge dort recht deutlich. So wurden soeben cr]t in San Franzisko ein japanisches Restaurant und eine japanische

politische Wochenschau.

Die Pause, die durch die Pfingsttage in unserer Politik ein­zutreten schien, wurde unterbrochen durch die kolonialen Er­nennungen. Namenttich die Bestallung des Herrn v. S ch u ck - mann zum Gouverneur von Südwestasrika hat in der Presse ein langanholtendes und oft sich wiederholendes Echo gefunden. Man ist mit der Ernennung nicht zufrieden, ja man gießt wieder alle Schalen des Zornes über den neuen Gouverneur aus, die man früher für lühn wegen seiner Rede über Berliner Nächte in Bereitschaft hatte, und man eifert gegen Dernburg, daß er es nicht durchgesetzt habe, daß nicht noch mehr Kaufleute in die Kolonialverwaltung gelaugt sind, ia daß das kaufmännische Element bei den jüngsten Ernennungen völlig übergangen wor- ben ist.

Wir halten diesen wenig freundlichen Standpunkt für ver­früht; die neuen Männer werben doch zunächst zu beweisen haben, ob sie die Hoffnungen, die man in sie gefetzt hat, nicht erfüllen, und zum Kolonial-Staatssekretär Dernburg sollte man nach seinem bisherigen amtliä)en Verhalten auch das Zutrauen haben, datz diese Ernennungen mit seinem Einverständnis erfolgt sind und daß er andere durchgesetzt l)ätte, wenn er es für zweckmäßig gehalten haben würde. Und schließlich: es kann jemand doch ein tüchtiger Kolonialbeamtcr sein und in den Kolonien segensreich wirken, auch wenn er nicht mit den Zuständen, wie sie nachts in Berlin herrschen, zufrieden ist! .

Wie stets, so bewahrte auch dieses Jahr die Psingstwoche ihren Charakter als Kongreßwoche. Die Veranstaltungen waren so reichlich wie kaum zuvor. Den stärksten Eindruck rief wohl der evangelisch-soziale Kongreß in Straßburg hervor, den wir aus Raummangel bisher nur ganz kurz erwähnen konnten. Ein geistvoller Vortrag des Freiburger Nationalökonomen Pro­fessors Dr. Schulze-Gävernitz über neudeutsche Kultur zeitigte die praktische Forderung Naumanns, die Sprache der Kant und Goethe, der Präger ncubeutschcr Ideale, erst einmal ins Volks­tümliche zu übersetzen. Daß Kantische und Goethische Kultur direkt gegensätzlich ist, wie das erst kürzlich Georg Simmel in einer vorzüglichen kleinen Schrift überKant und Goethe" aus- iührte (Bard, Marquardt u. Co. in Berlin W. 50), daß man den Pflichtmenschen und den Genußmenschen, den Dualisten und den Monisten nicht vor einen Wagen spannen kann, dürfte den Herren infolge der fesselnden Redekunst des Referenten und in der Eile der Debatte entgangen sein. Es läge außerdem eine starke Ein­seitigkeit darin, eine moderne Kultur nur aus diesen beiden Geistern l-erleiteu zu wollen. Was die anberen Nationen, was auch das deutsche Volk selbst an Külturinhalt und Kulturreichtum geschahen hat feit jener Zeit vor hundert und mehr Jahren, sollte keineswegs gering geachtet werden. Eine gewisse Enttäuschung auf dem evang.- sozialen Kongreß brachte die Behandlung des Sexualpro- brems, die einigermaßen das Verfahren der voraus]evungs- lofen Wifsenschast vermissen ließ. Pfarrer Wegener, der das Mönchsideal des Mittelalters verwarf, prollamiette für dre Un­verheirateten gleichwohl ziemlich dasselbe Ideal. Er schloß mit dem Ausspruch CarpentersErsparte körperliche Sexualität wird zur geistigen Kraft und Kulturmacht werden." Die Versammlung, die noch am Tage vorher für Goethesche Kultur geschwärmt hatte, spendete auch hierbei lebhaften Beifall. Ein Blick in die Renaissanceperiode der abendländischen Kultur hätte übrigens die Unhalloarteit der Carpenterschen These und des ganzen Wegener- schen Tiktarnens bartun müssen. Nur auf dem Wege der wirt-

eingegangen. x r x

Ta fast sämtliche Arbeiten ihre Eigencirt Haden, hatte die Kommission keine leichte Aufgabe, die drei besten Ent­würfe auszusuchen. Indessen kann man mit ihrem Urteil einverstanden sein. .

Ten ersten Preis erhielt Professor Albin Muller für feinen EntwurfRepräsentation", den zweiten Preis Bauinspektor Buxbaum mit dem MottoMai I." und den dritten Preis die Architekten Phil. Schäfer und Hans Hirth mit dem Motto ,^essenkunst".

Bei der Ausgestaltung der Pläne war vor allem die schwierige Platzfrage, die durch den Höhenunterschied ver­ursacht wurde, in Betracht zu ziehen. Außerdem war auf dem Olbrichschen Bau, der sich als Koloß repräsentiert, sowie auf Olbrichs große Flächen und Linien Bedacht zu nehrnW. Außerdem durfte dec Kostenvoranschlag 75000 Mk. nicht übersteigen.

Der Entwurf von Prof. Müller sieht die Gruppierung der einzelnen Räume so vor, daß sich der Schmuckhof und der Martesaal für Bad-Nauheim im Hintergründe be­finden. Für den Konzertgarten enthält das Pcojekr zwei Vorschläge. Durch die nachträgliche Bestimmung, daß der Wohnungsgrundriß des Vorprojektes nur in den Grund­zügen einzuhalten sei, wurde eine großzügige etnheitlick)e Gestattung möglich. Tie Nähe und Höhe des Olbrichschen Ausstellungsbaues war bestimmend, den Platz vor dem Hauptgebäude durch den offenen keramischen Hof zu er­weitern. Aus diese Weise wird der keramische Hof als eine der bedeutendsten Ausstellungsleistungen, nicht hinter GEi-.deteile versteckt, sondern schon wett sichtbar, auch als Haupimoriv der Architektur des Baues eingegliedert, da per Hauptzugang zum Gebäude der angewandten Kuntz

Badsanstalt zerstött.

In der ni a r o k k a n i s ch e n Angelegenheit ist be­merkenswert, daß nun iiibezug auf die Ermordung des Tr. Maucharnp die marokkanische Regierung alle Bedingungen Frank- reichs nach einigem Zögern angenommen hat, und der fran­zösische Geschäftsträger in Tanger wurde beauftragt, mit den marokkanischen Vertretern in Fühlung zu bleiben, bis alle Be­dingungen, insbesondere die Bestrafung der Schuldigen, erfüllt seien. Gerüchtweise verlautete, Raisuli habe vom Sultan seine Begnadigung erhalten und sich den Truppeti des Sultans bei Tetuan angeschlossen. Doch ist dtts Gerücht verfrüht; richtig ist allerdings, daß durch die Vermittlung des Vcrttetcrs des Sultans, Mohammed el Torres Verhandlungen gepflogen werden., ES heißt, Raisuli werde den Schutz einer fremden Macht erlangen.

lieber die Unruhen in Indien liegen bisher keine ausführlichen inü> wahrheitsgemäßen Berichte vor. Die englische Regierung ist mit ihren Nachrichten sehr zurückhaltend, was sich wohl verstehen läßt. 9lad) offiziösen Meldungen ist die Lage in Ost-Bengalen im allgemeinen ruhiger. Wie es aber in anderen indischen Landesteilen aussieht, wird gar nicht be­richtet. Man erfährt nur, daß im Zusammenhang mit den Unruhen 69 Verurteilungen im Marinensing-Tistrikt fiattfanben. 150 gerichtliche Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. In dem unruhigen Gebiet wurden Verstäriungstriippcn und Polizeiinann- schasten zusammengezogen. Es scheint, daß es nicht nur religiöse" und politische Viotive sind, welche die Massen in Bewegung gesetzt haben, sondern daß Not und Verzweiflung bnbev eine Rolle spielen. Man hat es wenig beachtet, baß "eine dös-' artige Pestepidemie durch Bengalen zieht. Tie Zahl der Opfer wird fo hoch angegeben, daß man sich scheuen muß, sie, zu wiederholen^ weil sie übertrieben scheint. Was vor der Kraui- heit flieht, ist "verzweifeltes, zu allem bereites Volk, so recht

schaftlicheu und rechtlichen Emanzipation der Frau, der Reform ber Ehegesetze, ber BeseitifilMg aller Zwangsbestimmungen, bie ber weiblichen Persönlichkeit eine bemütigenbe Rolle cmierlcgen, kann man zu einerKulturehe" gelangen. Ob bieder Weg für ein großes Volk gangbar ist, ist eine andere Frage. Hier bot Brau Professor Webers gedankenreicher Vortrag, der eine bereform befürwortete, eher eine Leistung als Wegeners Postulats, betten Begriff derReinheit" mehr als id-ologischc Konstruktion denn als Forderung praktischer Lebensweisheit gelten konnte. Ter Ruf:S)ie Frau in der Kinderstube!" ist jebenfalls keine Lösung des aesellschafllichen Problems.

Während der Pfingstfeiertage wurde in Hamburg em natio­nalgesinnter Arbeiterverein begründet, der auf feine Telegramme an Kaiser unb Kanzler sehr freunbliche Antworten erhielt. Die burch ben früheren polit. Redakteur ber ,Mormser Ztg.", Lubw. Schaper, erfolgte Gründung ist als ein Zeichen zu betrachten, daß es auch in Arbeiterkreifen zu tagen beginnt, daß die letzten Reick)stagswahlen auch nach dieser Richtung hin ihre Früchte zu tragen beginnen und bie Worte bes Kaisers unb des Fürsten Bülow sind ein neues Zeichen dafür, daß man an ben entscheidenden Stellen jede vaterländische Regung in ber Arbeiterschaft mit bankbarer Freube begrüßt. Leiber aber ist nod) sehr viel verscmbetes Lanb zur Fruchtbarkeit zu bringen, ehe man auf nennenswerte Erfolge bet Sozialbemokratie gegen­über rechnen kann. Nieblich ist, was aus Anlaß ber Grünbung bieses Bimbes bie sozialbemokratischeLeipz. Bolksztg." sagt. In einem Artikel über bieArbeitcrbündler" befinben sich Jolgenbe Kraftworte: Politische Lumpengarbe, Spot:gcburt von Treck unb Phrasenfeuer, Verbaub ber Lüge unb Veileumbung, Gegemtück zu ben russischen Morbbrennerbcmben, Gekreisch, Getrampel, Frech­heit, katilinansche Existenzen, Dummheit, Wirrwarr von Niebet- ttacht unb Unsinn, Pogrom gegen bie Sozialbemokratie,er murmelte unter bem Einfluß von Spirituosen viiionär", arm­selige Sölblinge des Reichsverbandes, Tummelfelb für anrüchige Existenzen, Streikbrecher und Lumpenproletarier, Gesindel, Hyänen des Schlachtfeldes, Mordbuben, infame unb ehrlose Ge­sellen usw. Das ist selbst für Franz Mehring eine ungewöhn­liche Leistung!

lieber ihre Niederlage bei den letzten Wahlen kann sich die deutsche Sozialdemokratie burch einen Lichtblick trösten: In Oesterreich haben die Genossen ihre bereits xm ersten Wahlgange eroberten Mandate in den Stichwahlen noch erheblich vermehrt. Hier unb ba hat man übrigens im buntscheckigen Sanbe bie Wahlresultate mit großer Empörung ausgenommen. In bem galizischen Orte Horucka z. B. verlangte bie aufgeregte Menge die Rückgabe der Stimmzettel, weil ber altruthenyche Kanbidat angeblich 1000 Stimmen mehr als ber Vorsitzende an­gegeben hatte, erhalten hätte. Bauern bewarfen bie Wahlkom- mifsion unb Gendarmen mit Steinen, zertrümmerten die Fenster unb löschten alle Lichter aus. Drei Gendarmen erlitten Ver­letzungen. Der Gendarmeriekommanbant ließ, nachbem bie Menge nicht zurüaweichen wollte, von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei vier Bauern getötet und neun schwer verwundet wurden. Nach einer anberen Version soll bie Zahl ber Opfer noch viel größer sein. Jetzt nach ben Wahlen, also ganz post festtun, wollen bie Führer der deutsch-freihettlichen Partei- Verbände zur Beratung zusammentreten über den Zusam men - s ch l u ß ber Deutschen Fortschrittspartei, der beittschen V o l k s p a r t e i, der F r e i a l l d e u t s ch e n und der d e u t s ch e n Agrarier. Hätten sie's früher getan, so wären ihre Erfolge bei ben Wahlen nicht ausgeblieben. , .

Recht bedenlliche Folgeerscheinungen hat baS i a p a n i ] ch -

der sein ward, der über die vom ständigen Ausstellungs­bau herunterführende Pergola-Treppe geht, wurde der kera­mische Hof in die Achse Vieser Terrasse gelegt, wodurch ebne festliche und repräsentative Mrkung erreicht werden dürfte. Die Ausstellungsräume sind in folgerichtiger und leicht übersichtlicher Weise angeordnet. Für Garderoben, Toi­letten, Not- und Nebenausgänge sind Vorkehrungen ge­troffen. Durch die direkte Angliederung der Läden an das Hauptgebäude können diese bei schlechtem Wetter trockenen Fußes besichtigt und auch das Restaurationsgebäude kann betreten werden, ohne daß der Besucher zuerst ins Freie muß. Abgesehen von fczn edent. kleinen Anbauten kann eine Erweiterung des Bauprogramms insofern vorgenom­men werden, als Vie WeitungLäden" weiter nach Osten vorgeschoben und zwischen den jetzt vorgesehenen Wohn­räumen und den Läden wettere Räume angegliedert wer­den können. Der Kostenanschlag sieht 74 058 Mk. vor.

Bei dem Entwurf des Bauinspektors Buxbaum hat der Lageplan eine Aenderung insofern erfahren, als für den Haupreingang zur Ausstellung eine würdigere Lösuna gefunden wurde. Sowohl die russische Kapelle, als auch ein weiterer Teil des umliegenden Geländes ist zugezogen. Der Haupteingang führt zwischen der russischen Kapelle und dem herrlichen Platanenhain durch einen Blumenhof direkt auf die Eingangsterrasse zu. Die Restauration ist ganz absetts von der eigentlichen Ausstellung auf dem Platanenweg gedacht. Ter Platanenhain soll, wie 1901, als Wirrschaftsgarten benützt werden. Auch Vie Verkaufs­lokale liegen hier und sind als KioÄke gedcubt. Bei der Verschievenhett der unterzub ringenden Gebäude in Bezug auf Ausdehnung, Höhe, Anordnung der Fenster ufw. wurde dahrn gestrebt, Vie einzelnen Räume um Höfe und Zwischen­gänge herum zu gruppieren und außen nt Form von ver­bindenden Hallen mtt einem neutralen Momente eine mög­lichst ruhige Ausbildung zu erzielen. Daher wurde die Auflösung der Gebäude in drei Gruppen gewählt, die an sich event. auch als zusammengehörig zu betrachten sind; iiämlich: ein keramisches Haus, ein Gebäude der Staats- aufträge und ein Gebäude für die Wohnungskuust. Strenge Arkaden bilden die einzelnen Gruppen, aus deren nie­drigen Massen nur der Nauheimer Vorsaal und der Mainzer Schwuvgerichtssaal heroorrageu. Die Arbeitshäuser grup­pieren sich' um einen Garten, der als Abschluß des stell abfallenden Terrains erforderlich ist. 2luch in der Nordost­ecke des städtischen Ausstettungsgebäudes, zwischen diesem und dem keramischen Haus, ist als Abschluß ein kleiner Garten angelegt, in welchem sich der mit tief roten Rosen bepflanzte Rofendom mtt Därrmorfiaur befindet.

Die Architekten Phil. Schäfer unb Hans Hirth halten sich bei der Errichtung des Gebäudes für augemandte Kunst aus die Hauptachse, welche mit derjenigen des Olbrichschen Ausstettungsgebäudes auf dem Hochreservott übereinstimmt.

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Nr. 121 Erstes Blatt L57. Jahrgang «tag 27. Mai 1907

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