Ausgabe 
20.11.1907 Fünftes Blatt
 
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Nr. 278

Fünftes Bintt

etld)ttni tSgttch mit Ausnahme des Sonntag«.

157. Jahrgang

Redaktion, Exoedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Exvedrtton und Verlag: 9teöafhon:e^ll2. Tel.-Adr^AnzeigerGreßen.

Die ..Sietzener LamtltenblStter" werden dem ,Anzeige>* otcrmal wöchentlich be,gelegt, daS tlreirdlaN ffit den Kreis Giehen" zweiinal «öchentltch Derhefstsche Landwirt" erschemt monatlich einmal

Mittwoch 20. November 1907

-a, A a Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen W Unwersttäts - Buch- und Stemdructeret.

B B M R. Lange, Gießen.

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E. A.

üehürde und dem Kreisveterinäramt Anzeige zu erstatten, wes-

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sein ihre

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 19. Nvv. Beleidigung.

Bei einem Wortwechsel ließ der Landwirt Ehr. K. an die Ehefrau des K. M. in F l e n s u n g e n die bekannte Ein­ladung ergehen, weshalb sie Privatklage wegen Beleidigung er­hob. Das Schöffengericht verurteilte K. zu einer Geldstrafe von 3 Mk. und sprach der Beleidigten die Publikationsbefugnis zu. Darob Berufung von feiten des Angeklagten und zloei Termine vor der Strafkammer unter Zuziehung von zwei Rechtsanwälten und etwa 10 Zeugen. Das Urteil wurde bestätigt.

Vom Vielsten cheugesetz.

ms, was er sagte, war doch im hohen Maße geeignet, )em Zuhörer manche neuen Einblicke in das schwierige

hielt die Angeklagten für schuldig, da es ihre Pflicht gewesen wäre, sich als Schweinehändler mit den einschlägigen Verord­nungen vertraut zu machen. Von der Verteidigung wurde die Gültigkeit der Verordnung bestritten, da sie in unzulässiger Weise ohne ministerielle Genehmigung erlassen worden sei. Tas Gericht beschloß deshalb die Aussetzung dec Verhandlung und die Ein­forderung der KreisamtSakten, um zu ersehen, ob die Voraus­setzungen zum gültigen Erlaß der Verordnung vorliegen.

In dcr Trunkenheit.

Um die Fastnachtszeit kam der G a st w i r t L. B. V. von Lollar nachts in das Lokal eines Kollegen, wo er mit Gästen in Streit geriet. Um weitere Störungen zu vermeiden, schaffte der

Der Schweinehändler H. B. IX. von Schwarz und Sohn haben einen Transport Schweine von Hannover in . Hofreite eingeführt und wieder forttransportiert ohne der Polizei-

Pensionsversicherung der Privatangestellten war doch von größtem Interesse für alle Privatangestellten.

Herr Dr. Drunhuber ist Dozent an der Handelshoch- chule in Köln. Man kann ihn nicht eigentlich einen glän­zenden Redner nennen, er ist kein sog. Schönredner, aber

weiterer Passus der Verordnung besagt aber, daß, wenn Schweine aus dem Gehöft innerhalb zwei Tagen wieder ausgeführt werden sollen, es keiner Beobachtung bedarf, vorausgesetzt, daß sich in dem betr. Gehöft keine anderen als die Handelsschweine befinden. Die Angeklagten gaben vor dem Schöfsengericht an, sie hätten eine Belehrung des Kreistierarztes in der Weise aufgefaßt, es bedürfe weder einer Anmeldung, noch einer Beobachtung, falls die Tiere innerhalb zwei Tagen wieder ausgeführt werden. Das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da nicht feststand, daß den Angeklagten der Inhalt der sehr umfangreichen Verordnung bekannt war. Die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an, sie

sionsversichorung der PrMatbeamten, aber man müsse nun auch endlich den großen Schritt von'dem Wollen zum Tun, von der Theorie zur Praxis machen. Der Redner ging sodann auf den politischen Kernpunkt dieser Frage näher ein. Er warf zunächst die Frage auf, ob es niciji noch andere Wege als die Pensionsoersicherung gebe, um den Privatbeamten zu helfen, zeigte dann, daß das nicht der Fall sei und daß auch die Mohltätigkeitsanstalten der Unternehmer den Privatbeamten eher schlechter als besser stellten, weil die Freizügigkeit und freie Konkurrenz hier­durch gehemmt werde und die Angestellten kein Recht aus die Wohltätigkeitsanstalt beanspruchen könnten. Zudem handele es sich bei den Wohltätigkeitsanstalien doch nur um einen Bruchteil der Privatangestellten. Wirkliche Hilfe sei nur von der Pensionsversicherung zu eriuarieii und es sei nun objektiv zu prüfen, welcher der hier vorgeschlagenen Wege der beste sei. Redner ging nun an der Hand eines neuen großen Programms für die Privatbeamtenversiche­rung, das jetzt in Frankfurt a. M. herausgetommen ist, näher auf diese Fragen ein.

Ueber die Denkschrift der Regierung fällte der Referent ein sehr absprechenoes Urteil. Er behandelte bann in ob­jektiver Weise die Frage, ob es besser sei, die Privatbeamten- versicherung an die bestehende Invalidenversicherung an­zuschließen oder eine selbständige Kasse zu gründen. Gegen letztere sprächen vor allem der Kostenpunkt, ferner die Schwierigkeiten, die bereits jetzt in die Arbei.erversicherung Eingeschlo,jenen herauszunehmen und auf die neue Ver­sicherung zu übernehmen, und endlich die Schwierigkeit, luie man eine starre Grenze zwischen Arbeitern und Ange­stellten machen könne.

Auf der anderen Seite würden aber auch für die Er­richtung einer besonderen Versicherung so schwerwiegende Gründe angeführt, daß es nicht möglich sei, sich für das Eine oder Andere zu entscheiden. Der beste Weg wäre indessen eine Veriohnung beiuer Ansichten: eine be,ondere Privatbeamtenverficheruug, aber em Anschluß an die be­stehende Jnvalidenversicherungsverwaltuug in nein verwal­tungstechnischer Beziehung. Sb das möglich sei, darüber fehlten bis jetzt allerdings noch die dReinungsäußerungen von den hierbei in Betracht kommenden Stellen.

Redner beklagte es in seinen wetteren Ausführungen, daß die Regierung einen recht zähen Widerstand zeche. Selbst Graf Posadowski) sei nicht so für die Privatbeamten­versicherung gewesen, wie man es habe erwarten können, und sein Nachfolger, Dethmann-Hollweg, habe diese Frage geradezu einschlajen lassen. Die Denkschrift der Regierung Iei von allen Sachverständigen als verfehlt bezeichnet wor­den; sie fei eine Tendenzschrift.

Die Aufgabe der liberalen Parteien, vor allem der nationaliliberalen Partei fei es nun, diese Frage zur Ent­scheidung zu bringen. Wenn die Regierung sich immer vor der Kostenjrage zurückziehe, so müße man zechen, daß selbst uie ReichSeinrommensteuer rttcht zu schade sei, um den Ge- danken der Pensionsversicherung durchzusuhren. Bei den Reichstagswahlen zu Beginn des Jahres habe man ge­zeigt, daß man rückhaltlos für die Regierung eingetreien sei und daß man dem Unternehmertum wohlgesinnt sei. Man hübe die Mittel gewährt, um die expansiven Kräfte des Reiches zu stärken, aber nun wolle man auch an den hierdurch erzielten Vorteilen teilnehmen. Redner schloß unter stürmischem Beifall mit den Worten, daß man sich einen neuen Mittelstand sichern müsse, der dazu beitrage, daß unser Vaterland sich in bet aus steigenden Linie bewege, wie bisher.

An den Vortrag schloß sich noch eine längere Dis-

Die Begrünung der deutschen Kaiserin in Holland.

Gestern vormittag traf die deutsche Kaiserin auf der Reife von England in Imuiden in Holland ein. Unter dem Donner der Geschütze und von der Menge auf ba§ lebhafteste begrüßt, betrat die Kaiserin das Land und begab sich zum Atuccider Bahnhof, wo der kaiserliche Zug bereit stand. Bei der Landung war die Kaiserin namens der Königin Wilhelmina von deren Oberstallmeister begrüßt morden. Prinz Heinrich der Niederlande war der Kaiserin

Amersford entgegengefahren und begleitete von dort aus die Kaiserin auf ihrer Weiterfahrt. Der Zug traf um 12 Uhr 55 Min.- in Apeldoorn ein, wo die Königin Wilhelmina sich auf dem Bahnsteig zur Begrüßung ttngefunden hatte. Hierauf begaben sich die Kaiserin, die Königin, der Prinzgemahl nebst Gefolge nach dem Schlosse f)ßt Loo. Abends fand im Schlosse Het Loo ein Fa­miliendiner zu 26 Gedecken statt. Kurz nach 10 Uhr geleiteten die Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich die Kaiserin Auguste Viktoria zum Bahnhofe. Nach herzlicher Verabschiedung von der Königin, die sie wiederholt küßte, und von dem Prinzgemahl trat die Kaiserin mit dem bereit stehenden Zuge die Heimreise an. Die Ver­abschiedung von der Königin-Mutter hatte bereits im Schlosse stattgefunden.__________

Die Se»sio! svelsicherrrng Oer Anvarangelrülen.

Der kürzlich gegründete Verein der nationalliberalen Jugend in Gießen trat gestern abend zum ersten Male tin die weitere Öffentlichkeit, indem er Einladungen zu einer öffentlichen Volksversammlung in Steins Garten hatte ergehen lassen. Die Versammlung war gut besucht, aber sie hätte noch weit besser besucht fein können, denn der Vor- ttag des Hemm Dr. Brun Hub er aus Köln über die

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Lagesschttn.

Ter Kaiser in England.

Der deutsche Kaiser wird tzighclisfe am 5. De­zember verlassen, um sich nach Amsterdam zu begeben, wo er am 6. zum Besuch der Köniain von Hollano und deren Gemahl eintreffen wird-Daily Chronicle" schreibt zum Kaiserin suche: Ter Kaiser ist ein Herrscher, dessen Charakter, Persönlichkeit und Talente dem englischen Volke Achtung a 13nöligen und sein Interesse fesseln. Die Vielseitigkeit des Kaisers, der Umfang feiner Interessen und der 1 weite Bereich seiner Kenntnis, machten aus alle Ein­druck, die mit ihm in Berührung kamen. Sein Besuch war jedoch mehr als ein persönlicher Erfolg, denn der Kaiser wurde mit Herzlichkeit und Zuneigung, nicht nur als ^cvorragender Mensch, sondern auch als Repräsentant einer großen Nation empfangen. Das englische Volk hat den größten Wunsch, mit dem deutschen Volke uird seiner Ne­gierung in Freundschaft und Eintracht zu leben. Es freute stch über den deutschen Besuch, weil es in ihm den Aus­druck des Wunsches sah, die gegenseitige Zuneigung zwi- idjen beiden Vattern zu fördern, ein Wunsch, der herzlich erwidert wird. England hofft, daß verschiedene Mißver­ständnisse inbetreff seiner Politik jetzt endgültig beseitigt seien. Diese Entente cordiale beeinflußt weder die Inter­essen noch die Empfindungen von Frankreich und Eng­land dahin, daß diese Freundschaft dahin ausgelegt wer­den könnte, als ob sie zu einer Verfeindung mit Deutsch­land führen müßte. In Europa werde ein großes gegen­seitiges Wohlwollen einziehen, wenn dies Actßverstänbnis beseitigt ist und wie zu hoffen steht, die britische Politit in Deutschland mit weniger Mißtrauen betrachtet werden würde. England aber komme es zu, mit gleicher Sorgfalt darüber zu wachen, daß man nicht in irgend welches Miß- trauen gegen die Politik Deutschlands verfalle. Einige eng­lische Journalisten begannen bereits zu fragen, warum Deutschland so viele Schisse baue. Genau dieselbe Frage könne angesichts der neuen englischen Schiffsbauten ge- ßeitt werden. Jeder Staat habe das gleiche Recht, über feine eigenen Bedürfniße zu enlscheiden. Man|fe daher niU dem Gebrauch brecheu, jede neue Rüstung einer anderen Macht als eine gegen sich selbst gerichtete Verletzung zu be­trachten.

halb gegen sie Anklage wegen Vergehens gegen das Rekchs- Viehseuchengesetz in Verbindung mit Uebertretung der kreisamt­lichen Verordnung, die zur Verhütung der Einführung und Ver­breitung von Viehseuchen erlassen worden ist, erging. Nach der fraglichen Verordnung müssen Schweine, die von außerhalb des Der Redner behanbelte Großherzogtums eingeführt werden, einer Utägigen Beobachtung ~er peyanoetle unterto0I|en werden, und es ist von der Einsuhr der Polizei­

behörde und dem Kreisvelerinäramt Mitteilung zu niacheu. Ein

und jetzt hochaktuelle Thema der Pensionsversicherung der privatangestellten zu gewähren.

Haupt sächlich Detailsragen, ohne aber dabei die großen | Gesichtspunkte gänzlich unberücksichtigt zu lassen. Er be­handelte recht ausführlich die Schwierigkeiten, die bei Durchführung der Pensionsversicherung zu überwinden sind, zeigte aber auch gleichzeitig die Wege, die geeignet sind, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

Mit großer Genügtuung, so führte der Redner ans, haben wir zu Beginn dieses Jahres den erfreulichen Erfolg des letzten Reichstagswahlkampfes ausgenommen. Er hat unbedingt eine Stärkung des liberalen Gedankens er­geben, er hat aber auch dem Liberalismus die große Ver­pflichtung auferlegt, die auf ihn gesetzten großen.Hoffnungen nicht zu enttäuschen. Redner ist nicht optimistisch genug, zu glauben, daß es dauernd gelingen werde, die abge­sprengten Kreise des arbeitenden Volkes zu gelvinuen, uin- fomehr trete die Notwendigkeit zutage, andere Berufs- gruppen zu sammeln und zu stärken, den neuen Mittelstand, zu dein die Privatangestellten gehören, das seien 3 bis 4 Millionen Bürger des Deutschen Reichs. Beim Liberalis­mus stehe die Taktik 'vis jetzt noch viel zu sehr im Vorder­gründe, und man müsse wieder mehr darauf bedacht sein, diejenigen Kreise heranzuziehen, die bisher ferngestanden haben. Wenn man den Privatbeamten helfen wolle, so )ei | ^-rt angetrunkenen B. hinaus und verschloß die Türe. Er es nicht deshalb, weil man hierdurch einen Zuwachs zur schlug die Türfüllung ein und versetzte dem Wirt, als dieser Partei erwarte, sondern weil das sozialpolitische Emp- die Türe wieder geöffnet hatte, mit einem Prügel einen Schlag sind en c5 erheische Man wolle felbstverMndlich die Pen- auf beit Arm, der eine erhebliche Verletzung zur Folge hatte.

Auf Anzeige wurde er durch das Schömngericbt wegen Ruhe­störung zu 10 Mk. und wegen Sachbeschädigung zu 20 Mk. Geldstrafe und wegen Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt. Auf seine Berufung, die sich nur gegen die Verurteilung wegen Körperverletzung richtete, erzielte er vor der Strafkammer Freisprechung. Es stellte sich aber bald heraus, daß er einen Zeugen zum Meineid verletter hatte, wofür er beim letzten Schwurgericht mit einer Zuchthaus­strafe von 3 Jahren belegt wurde. Demzufolge wurde das Ver­fahren wieder ausgenommen und die Strafkammer verwandelte die 4 Wochen Gefängnis in eine Zuchthausstrafe von 2 Woäien,

Diebstahl und Hehlerei.

Im letzten Sommer wurden die Tag löhn er D. S. unb K. W. von W i e s e ck wegen D i e b st a h l s zu erheblichen Ge­fängnisstrafen verurteilt, die sie zurzeit in der Zellenstranmstalr Butzbach verbüßen. Sie hatten damals aus einer Reihe von Waschküchen hier die kupfernen Kessel aus dem Atauerwerk l)eraus- gebrochen und diese an einen Allhändler verkauft. Vor einiger Zeit liefe sich S. vorführen und gab an, er habe in Gemeinschatt mit W. und dem Taglöhner A. R. aus W i e f e ct einen weiteren Diebstahl verübt, inoem jte aus dem Hofe des Garmfonlazaretts etwa einen Zentner Bleiabfülie gestohlen hätten. Weiter habe er mit W. mittels Einstetgens, zu einer anderen Zeit, abermals im nämlichen Hof einen Diebstahl begangen. Das unter Mitwirkung deS R. gestohlene Blei will er an den Althändlergehilfen F. D. hier, dem der unredliche Erwerb bekannt gewesen sei, für 10 Mk. verkauft haben. Da W. die Angaben des S. während der Unter­suchung bestätigte, und man eine Verabredung zwischen den beiden in dec Strafanstalt für ausgeschlossen hielt, nahm die Staats­anwaltschaft Veranlasiung, Anklage zu erheben. Während S. und W. bei ihren früheren Angaben beharrten, bestritten R. und 2. auch nur das Geringste von der Angelegenheit zu wissen. Die Beweisaufnahme ergab, daß bei der Menge dcS im fraglichen Hof lagernden allen Bleies, nicht festgestellt werden kannte, ob davon gestohlen worden ist. Auf die Frage, wie S. zu der Selbstdezichtigung komme, da ihm doch die fünf Jahre Gefängnis genügen dürften, halte er immer nur die Antwort, ec möchte nur haben, daß die ganzen Sachen herauskommcn. Auffallend war, vaß S. sowohl wie auch W. _ant Schlüsse der Verhandlung um Umwandlung der Gefängnisstrafen in Zucht- Hans baten, weil hierdurch die Strafen reduziert und sie früher zur Entlasslmg kämen. Dieser Umstand dürfte dem Gericht zu Bedenken Anlaß gegeben haben. Es sprach sämtliche Angeklagten frei, indem es aussührte, daß die Angaben in der Verhandlung in keiner Weise unterstützt worden sind. Wenn diese auch den Eindruck der Wahrheit machen, so könne eine Verurteilung doch nicht cmtceten, zumal es nicht ausgeschlossen ist, daß sich die zwei Angeklagten vor ihrer Verbringung in die Zellenstrafanstalt schon im hiesigen Arresthaus verständigt haben. Weiter kann die Selbstbezichtigung ihren Grund darin haben, daß die Ange­klagten glaubten, dadurch Gelegenheit zur Entweichung zu be­kommen, oder sie können auch irgend einen andern Ziveck damit verfolgt haben.

Diebstahl im Rückfall.

Bei dem Dienstknechr H. L. aus Sarnau, der bei einem Land­wirt zu R o d h e i m v. d. H. in Diensten stand, wurde im Bett eine Ackerleute vorgefmtden, von der es sich herausstellte, daß er sie gefunden, aber trotz Ersuchens um Abgabe nicht ablieferte. Kurz darauf verschwand er und mit ihm eine weitere, seinem Dienstherrn gehörige Leine. Einige Tage darauf wurde er in Bad-Nauheim bettelnd betroffen und am folgenden Tage ver­übte er in betrunkenem Zustand groben Unfug. Er wurde wegen Diebstahls im Rück faire zu 5 Monaten und wegen Unter­schlagung zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Wegen Betttlns erhielt er eine Haftstrafe von 2 Wochen und wegen groben Unfugs eine solche von drei Tagen. Die Haflstrafen sind für verbüßt erklärt worden. Nach Verbüßung der Gefängnisstrafe wird er dec Landespolizeibehörde zur Unterbringung in ein Arbeitshaus überwiesen.

* Die geplagte Millionärin. Tie durch ihre wohltätigen Stiftungen bekannte Mrs. Nttifsell Sage, die Witwe des reichen am er. Philanthropen, führt bitter Klage über die Folgen ihres Reichtums. Seit Wochen ist sie in ihrem Landhaus in Long Island buchstäblich zum Hausarrest verdammt; die zudringlichen Bittsteller kennen weder Rücksicht noch Erbarmen. Eine ganze Reihe von kleinen Hütten umgeben vorpostenartig den Landsitz der Philanthropin; hier walten besondere Wächter ihres Amtes. Aber alle Maßnahmen find fruchtlos, Wächter, Hunde, Tiener und Polizei reichen nicht au5, um den Scharfsinn der Zudringlichen zu täuschen, und in den letzten Wochen konnte Mrs. Sage ihr Haus nicht mehr verlassen, ohne unangenehme Zwischenfälle zu erleben. Die Plage geht so i weit, daß sie selbst der Einweihung der von ihr gestifteten Emma Williards School in Troy nicht beiwohnen konnte; am Tage vorher wottte sie resolut ihren unfreiwilligen Arrest brechen, sie ging entschlossen in den Garten und dabei kam es sofort zu einem Zusammentreffen mit einer etwas leidenschaftlichen Bittstellerin, so daß Mrs. Sage eiligst wieder heimlehrte und ihren Besuch in Troy absagte. Wir Neichen sind die best Unterdrückten," klagte sie ihrem Sekretär,und das Schlimmste ist: es scheint, dagegen gibt eS kein Mittel."

Kleine TageSchronik.

Ein Schnellzug üb^rful-r bvi N e ck a r e t % ein Fuhrwerk mit drei Insassen, von denen einer, der Branereibcsitzer Max Werrlein, .getötet wurde. Der Schrcinermeister Karl Bans­bach wurde so schwer verletzt, daß er noch in der Nacht ver­starb. Der Gäciner Gottfried Aliendorff ist schwer verletzt. Dis Schuld an dem Unglück soll der Bahnwärter Küippyahn iragen, der die Schranke zu früh öffnete.

oiogrscke Beovrrsytttngen der Station Gießen.

November

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