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Mittwoch 20. Dkärz 1907
Zweites Blatt
lS7.Iahraana
Nr. 67
ß Anzeiger
Erschrint tü-Nq mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Gberhesfen
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Die „flefitner Lamlllenblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS wMrd»blatt für des Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Ter „fitlfUte Landwirt" erscheint monatlich crnmaL
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lche« Untoerfuäit - Buch- und Steindruckerei. 9L Lange, Gießen.
Nach mittag Ssihung.
In der unter Vorsitz des Vizepräsidenten Tr. Schmitt
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag. 5L Redaktion:t 12. ieL-ülör^ AnzetgerGießen.
Engere Besprechung ie Gründung eint: r> Die Notwendig, ntig anerkannt.
Hrkftaftcn Oer dcOaftion.
lAnonyme Linscudungeu bleiben uuderuapchligt.)
P. 21. 1. Nein, er muß bet seiner Einstellung III den Dienst das 17. Lebensiahr vollem bet und bad, wenn er als Postgehulie einlrill, lilchl bas 20., ivenn er als Telegraphengehülie emintt, mci)t das 18. Lebensiadr überschritten Haben. Außerdem wird m t n b c ft e ii 6 bas Reifezeugnis inr bie Unieriefnnba einer nemt- stufigen ober bas Reiiezeugins jür bie erste Mlafie einer sechs» stufigen böbcrcu Lehranstalt verlangt. 2. An bie Ober-Poiidirektion ui deren Bezirk ber Bewerber emzutrelen wünscht ifür Gießen also Tarmslabl). 3. Stach 4 fahren bie Post bezw. Telegraphen- asfistenlenprüfung. 4. Vier Jahre muß sich ber Bewerber aus ebenen Älitieln unterhalten tonnen. 5. Je nach ben ausgen orienen Ltellen nn Poslelai. Zurzeit muffen bie Ainvärter etiva o Jahre nach dem Afiiuentenexamen angestellt werben. __
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Gestorben: Herr Heinrich iHicolat m Darmstadt. — Herr Piarrer Heinrich Hahn m Alzey.
Verlobte: Fräulein Attilie Jockel in Hungen mit Herrn Ludwig Steller in Gießen.
die Vorlage an dem Antrag Osann-Nlo.than nicht scheitern.
Nach weiteren Vemcrl'ungcn der tAogg. Reinhardt und Ko r e l l und dem Nesums des AnösckMßberichterstatters Dr. Gut - 11 e if d> schließt die Generaldebatte und die Sitzung wird V,2 abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachmittag 3 Uhr.
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, R. Ortet noch, 6tc er ez borZ
Gesetzes, bie Gehalte der Bolköschullehrer betr. wird von Minister Brau n eben alls kurz erläutert.
Abg. Hirschel wendet sich gegen den Vorwurf, daß Agrarier Feinde ber Lehrer seien; sie müßten tüchtige Schulbildung
ebcniaUS zu schätzen.
Abg. Tr. Osann tritt für eine balbige Erhöhung ber Lehrerinnengehälter ein; dieselbe sei >wch dringlicher, als bie Pensionserhöhung.
Schließlich ivirb bie ganze Vorlage nach ben bekannten AuSschußbeichlüssen an fl e n o in m en, ivonach also bie Gehalte von einem AniangSgehaU von 1200 Aik. nach je drei Jahren am 1350, 1500, 1650, 1800, 2000, 2200, 2400, 2600, 2800 und vom 31. Tienstjahre an am 3000 Alk. steigen. Dazu kommt bie Anrechnung bes Mtlilanahres als Tiensliahr und bie Tienstwohnung ober Alietsentschäbigung, bie im Pensionierungssalle im Betrage von 400 Mk. augerechnet wirb.
Ohne Debatte kommt bann noch Kap. 116b bes Hauptvoran- schlage, Slachträge betreffend, zur Annahme; desgleichen ber Antrag der Abgg. Tr. Gut fletsch, Tr. Schmitt tu Genofien anläßlich des ,
Jubiläums der Universität Gießen
ein Kapital von 30 oüu 'Ul a r t zu bewilligen, besten Zinsen bem Senat ber Unioerfilät frei zur Verfügung gestellt loerben.
Weiter geiiehmigt bie Lämmer auch noch den üblichen Entwurf eines Fmattzgesetzes für bas Elalszahr 19u7 und ben Ver- ivaltungs vor misch lag bet ziveiten Kammer für bas Etatsjahr 1907, besten Ausgabe im Speziellen 06 12o Al. beträgt.
Abg. Dr. O j a n n rügt hierbei, baß Abg. a u l b a in feiner Selbstdiograplste in bem soeben ber Kammer vorgele.ten neuen Handbuch ber 2. Kammer schrieb, baß er ,int Widerspruch zur Versastung" nach Erklärung des nal.-lib. Slaalsministers Finger wegen fernes religiö|eit Betemilmsies teure Ausstcht auf Staats- anfteUimg gehabt habe.
Abg. Fulda entgegnet, er halte den Fall ebenso für eine Verletzung ber Venafjung, wie bie Nichtbestaligung der Beigeord- neteit von Aiühlheim und Offenbach.
9lad) einer kurzen Entgegnung Dr. Osanns schließt die Sitzuilg. (Siächste Sitzung: Alitlivoch.)
Von anderer Seite schreibt man uns aus Darmstadt vom 19. SOLäri. c .
In der Tat, noch selten hat das P.enum der Kammer so prompt und mit solchem Ei:er gearbeitet, wie in diesen Tagen. Heute wurden die andeni Gesetze des Nachtragsetats erledigt und damit auch der Nest des S t a a t s b u d g et s, u r 1 9 0 /. Man beiand sich freilich heute in einer genauen Klemme ^enn morgen, Mittwoch, will der Finanzauss^ug der ersten Kammer zusammentreten. Da mutzte das Budget fertiggeitellt werden. Und, rote gesagt, es gelang. E- soll darum auch nicht weiter erinnert werden, datz dennoch beute so mancyes ubenlunige «wort
• Tagesordnung- cs Etats.Kot. .ttn-fiontin, 'etr. Gruben.
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ubrik siehendm Artikk! i gegenüber keinnlc
en 19. Mär, 1907, I den Humor noch nich:
nter Bezugnahme m 1. bitten, gleichsam oü achflehende Berse ad u veröffentlichen:
abt, wenn nicht Iw erneuern, )rt da? Mland 1 oeß Simei der Hirsch feiten beurteilt
iw In ben Snöen it tjerumlieflf it wieder gesetzt reit bild) die neue ,'eret.
d Reinlichkeit rotrfi :qem Saumsal, gewöhnt.
Justizrat Tr. lär, in der jiMic Beseitigung de! Kitfleisch auch erfM i nicht allein m ; dein ihnen nvi [« , ^wünscht werden, m m besten wäre, ie durch unbeM nlich ben WW Prozesse wurde sich * es Gerichtsvoi^ ig und Beladenen P BogelSbergs.
einLabn.Baddtt
-^ulbarackei &***
und Beamte mit über 2000 iDit nur 6 Proz. Zuschuß erhalten sollen.
Abg. Wolf zieht auch seinen Antrag zurück, verwahrt sich aber gegen dm Vorwurf der Beamten,einblick/keit.
Staatsmiiiister Ewald erllart, er tonne auch in dem jetzigen Antrag Kvrell keine Verbesserung erblicken und bitte um Ablehnung bcSfelbtn. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Abg. Molthau erwidert der Staatsminister, datz bie Negierung bisher sorglich vermieden habe, in die internen Verhältnisse der Beamten ein» jubringen. Tas müßte aber geschehen, wenn man Unterschiede iroifeben Unverheirateten mit oder ohne Wohnung rc. rnack-en würde. Eine bindende Erklärung über den Antrag Osann- M v l t h a n könne die Negierung noch nicht abgeben, weil sie nicht wisse, wie sich die erste Kammer zu der ganzen Sadje stellen werde. Wenn aber keine weiteren Ueoercaschungen kämen, würde
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öffneieii Sitzimg wird sofort m bie
Tpczlalbcratnug dcS Wohuuugsgcldzuschuß-GcsctzcS eingeueien unb Art. 1 bebaitenlos angenommen. Bei Art. 2, ioelcher bie Höhe des Wohnniigsgeldzuichuffes festsetzt, roenbet sich Fiiianzminister Dr. G n a u I h fei)au gegen ben Antrag Korest, bei burchaus nicht von einem sozialen Geist erfüllt fei. Komme bas Gesetz nach bem Negiernngsvoischlag zur e.nnahine, so winde ber Klembeanite in ber Stadl imnierhin durchschnittlich noch ll°/0, der Beanlle auf bem Vanbe noch 7°/e zur Miele drauf legen muffen; dabei habe der Beanue auf bem Lande meist noch em kleines Gärlchen, ber Slädier aber nicht. Tie Herren von der 'Mittelstands- beivegung wollten nut dem Antrag den muüeren Beamieu 40 000 üJlart iveniger geben. Im Ganzen würde der Antrag Korell dm Beamten nur llßouO Alk. gewahren, 94 oOO Alk. weniger, als bie Negierungsvorlage.
Ter Antrag Korell wirb barauf in namentlicher Ab- ftimmung mit 31 Stimmen abgeleßiit. Taiur limunten bie abgg. Bähr, Breidenbach, Hauck, Hirfchet, Korell, Leun. Schwaidach, ceußtelber unb Wolf. Tie A i» ii a h m e bes Ausfchub- a n l r a g e s, wonach also den Beamten m i t 2000 DJi t. u nb weniger in Tarmiiabt, Aiamz, Offenbach, Worms, Gießen unb Bingen ein Zuschlag von 12°/., ihres Gehaltes unb benen nm mehr als 200v Mk. em Zuschlag von 8°/., dagegen allen übrigen Beaune im Lande bis 2000 Mk. Gehalt 8°/. unb darüber 6°. gewährt iverden, erfolgt darauf mit allen gegen die etmune des Abg. Bähr. •Jlbg. KoieU enthält sich ber Abstmimnng. Der Antrag itireiben- bad) auf Beibehaltung von Bad - Aauheim m der ersten Servisklaffe wird abgelehnt.
Art. 3, der ben unverheirateten Beamten nur bie Hälfte besW o h nu u g s g e l b e 6 zubilligt wirb a n g e n o m m en, cbenfo Art. 4, wonach das Wohnungsgeld nicht p e nfi o n s- iähig ist. Die Annahme ber Art. o, 6, 7 unb 8 erfolgt nach kurzer Diskussion, womit bad ganze Gesetz genehmigt ist. Auch eine Reiolmion bes Ausschusjes, worin bie Negierung ersucht wirb, bis zum Zai>re 1909 Grniillelungen anjuiicllen unb Vorschläge mbclrefi beien Adänberuug ber eeruisflafie i ü r Olauhei m, Friebberg, Alzey, Alsfeld, Bensheim unb V aut er bad) zu machen, wird angenommen. Tie bazu emge- laufenen 23 Vorstellungen eitlärt bie Kammer für eriebigt.
(is folgt bie Beratung des Geietzeimvurfs über bie Gehartsverhättulsse bet semluaiistisch gebildeten unb technischen Lehrer
an ben höheren Lehranstalten, bereu Gehalte bekanntlich von 1800 Al. in ber ersten Stuie am 2000, 22oo, 2400, 2600, 28uo, 3UuO, 3200, 34u0, 8600 unb 3800 Al. in der letzten Stiste steigen tollen.
Alinister 53 raun erläutert bie einzelnen Bestimmungen unb legt bar, baß aus Mangel an Mitteln nicht sämtliche Wuiische ben Intereffenten ernillt werben konnten. Sie dürften aber mit bem Erreichten zufrieden sein.
Abg. Walt wenbet sich gegen bie Vorlage, weil babureb bie Ungleichheit mit ben Vollsfchustehrern 'ortgetetzt werbe. Nad) turzen Ausführungen des Gey. Not Dr. Elf en Huth wird bie Vorlage unveränbert a n g e 11 0 m m e n.
Ter Entwurf bes
Kcj/ijche Zweite Kammer.
Darmstadt, 19. März.
2Tm Ministertische: Staatsminister Ewald, Mnanzminist. Dr. G n a u t h, Minister des Innern, B r a u n, und mehrere Mini- ^^Das Haus tritt nach Eröffnung der Sitzung um 10 V* U^r sofort in die
Beratung der Nachtragsvorlagen ein unb nimmt ohne Debatte bie einzelnen Artikel ber Regierungsvorlage, betr. bie Aenberung bey Gesetzes über dieBil - düng ber Ausgleichs sonds, an.
Zu bem Ersucl>en des Finanzausschusses, bei ber Regierung um Abänderung des Erlasses über bie I a g d w a f f e n p ä s s e (Erhöhung des Stempels von 25 auf 30 Mk.) liegt eine Anzahl Abänderungsanträge aus bem Hause vor. Die Abgeordneten Hirschel, Dr. Weber u. Gen. beantragen bie Erhöhung des Jagbwafseiipasses für außerhalb Hessens wohnende Deutsche von 25 auf 40 Mk., Abg. Braun beantragt, bie Regierung möge darauf hinwirlen, daß für bie Zukunft ein einheitlicher Reichs- Jagdwassenpaß geschaffen werde, Abg. Finger beantragt für Hessen 25 Mk., für außerhalb Hessens wohnende Deutscl)« 40 Mark unb für Ausländer 60 Mk. Ein Antrag Leun und Erk will Tagespässe für 1 Mk. und Wochenpässe zu 5 Mk. auch für Hessen und Sa)ußwasfensteuer für Träger aller Schußwaffen.
Tie Kammer nimmt ohne Debatte unter Ablehnung der drei erstgenannten Anträge den Ausschußanlrag an unb stimmt darnach auch bem Antrag Leun auf Einführung von Tages- unb Wochenkarten zu.
Es folgt bie Beratung des
Gesetzentwurfs,
betr. den rSohnungSgeld-ufchiiß der Staatsbeamten.
Der Finanzausschuß hat ben Antrag auf Genehmigung ber Vorlage nach ben Ausschußbeschlüssen gestellt. Ein Antrag Korell, Leun, Breidenbach, Hauck, Erk unb Senßfelder will bie Wohniuigsgeldzufchüsse wie folgt gestalten:
a) bei einem höchst erreichoaren Dienst-Einkommen im Sinne von Absatz 1 bis 2000 Mk. rinschlicßl. 12 Prozent,
b) bei einem Einkommen bis 8000 Mk. 10 Prozent, mindestens aber 240 Mk.,
c) bei einem Einkommen bis 6200 Mk. einfchließl. 8 Prozent, mindestens aber 300 Mk., unb
b) bei einem Einkommen Über 5200 Msk. 6 Prozrut, minbestenS aber 416 Mk.
Abg. Wolf nimmt zuerst das Wort und begrünbet einen von ihm eingebrachteii Antrag, der bie vorstehenden Sätze des Antrags Korell wiederum verschiedentlich abgeändert wissen will.
Siaaisminister Ewald wendet sich sowohl gegen den Antrag Korell, wie gegen ben Antrag Wolf. Weibe Anträge würben die ganze Vorlage in einer Weise oeränbem, baß bas Zu- ftanbetommen des Gesetzentwurfes überhaupt gefährdet werden würde. (Hört! hört!) Die Anträge würden auch ein Grundprinzip der Zweiteilung für bie Wohnungsgelozuschüffe beseitigen, wie es in fast allen anderen Bundesstaaten eingeführt ist. Vor allem entzieht auch der Antrag Korell der Verteilung der Zuschüsse auf Stadt unb Land den gerechten Boden. Man würde mit der Annahme desselben bie Regierung uiw die Majorität bes Hauses vom vorigen Frellag in eine illoyale Situation versetzen und sä/on beshatb sei ber hier vorgeschlagene ©clyritt ür Alle, gleichviel ob Vertreter der Stadt oder des Landes, voll- tändig ungangbar. Den zahlreichen Anträgen auf Ausnahme »er Städte Friedberg, Bensheim, Alzey, Alsfeld, Lauterbach rc. n bie erste Serviceklasse bittet der Minister keine Folge zu «eben. Wenn er auch z. B. die Berechtigung der Forderung für Nauheim nicht verkenne- so müsse er doch jetzt von ber Bewilligung Abstand nehmen, ebenso wie von ben Anträgen der aitoeren Städte. Dagegen werde bie Negierung nach Erledigung der jetzigen Vorlagen bereit sein, eine Statistik über bie stebensverhältnisse in ben hessischen Städten aufzustellen unb den Ständekammern spätestens im Jahre 1909 die sich daraus :rpebenbcn notwendigen Abänderungen vorzulegen. (Bravo!) Es iet ja nach der Zustimmung für Bad Nauheim ein förmlicher Wettlauf unter ben Stäbten entstanden, ber nur an ber Haub genauer statistischer Ermittelungen zum Abschluß gebracht werden tön ne. Zum Schluß ersucht ber Staatsminister nochmals dringend um Ablehnung ber beiden Anträge Korell unb Wolf.
Avg. in e 1 n i) a r t vetont, es liege 00 1,1 luayrgaitig kein Grund dafür vor, den hessiichen Beamten m leirtd.tcher We.se entgegen* zutreten, beim es leien doch un,ere Beamten. Die Bevotierung müsse ben Beamten Vertrauen entgegenbringen unb es sei eine Pllrchtides Landes, dieselben durch Geivährung eines angemessenen unb auskömmlichen Gehalts zu unterstützen. Die hessischen Beamten rekrutierten sich zunächst nicht, wie in Preußen, aus ben gut situierten Familien, sie hätten meist kein Privatvermögen unb könnten vielfach mit ihrem bescheidenen Gehait nicht aus- Eommen. Man müsse sich doch davor hüten, bei der Besetzung ber höheren Beamtenstellen in den Städten weniger nach der Zähigkeit dcs Betrefienden, als nach den ihm zur ^Verfügung stehenden Privatmitteln zu entscheiden. Redner bittet zum Schluß, die Vorlage uiiverändert anzunehmen.
Abg. Dr. Osann spriast sein Bedauern aus, daß die vielen Einwendungen der Beamten erst so spät in der Presse bekannt geworden feien. In dem einen Punkt sei sich ja die ganze Kammer einig, daß die Wohnungsgelbznschusie iwtwenbig seien. Daß bie Regierungsvorlage einen Unterschied zwischen Stadt und Lanb macht, sei gerechtfertigt, da bie Mieten nuf dem Lande viel billiger seien, als in ber Stabt. Redner wendet sich bann gegen ben Antrag Korell, bedauert, daß man bie berechtigten Wünsche bei unverheirateten Beamten nicht berücksichtigt habe und stellt ben Antrag, wenigstens ben Junggesellen, mit eigener Wohnung, bie Anverwandte zu ernähren haben, den vollen Zuschuß zu gewähren, auch den Beamten der Aritin-Neckarbahn den Wohnungs- geldzuschuß zu verschaffen.
Abg. Breidenbach beantragt, für Bad Nauheim es bet bei Versetzung in die erste Serviere Kass« zu belassen.
Fiiianzminister Gnauth legt die Grundsätze näher dar, bie ber Regierung bei der Verteilung der Städte nach Service- klassen und ber übrigen Unterschiede maßgebend waren; sie ho de sich dabei benmht, alles Aiwrmale auszuschalten. Die Beamten in den Städten hätten durchschnittlich 20 Prvz. ihres Einkommens für Wvhnimgsmiete aufzuwcnden, während der Prozentsatz für baS Land nur 15 sei. Bad Nauheim werde durch die von Regierung unb Finanzausschuß gewünschte Zurückversetzung in die 2. Klasse nur 2078 Mk. verlieren.
Die Abgg. Dr. F r e n a i) unb Dr. Schmitt treten für größere Berücksichtigung ber Wünsche der Unverheirateten ein, wogegen Finanzmin. Dr. Gnauth betont, daß bie llkieitigung des Art. 3, ivonach die Unverheirateten nur die Halste des Wohiiuiigsgeld- iufcyusies erhalten, einen Mehraufwand von 66 000 Mk. erfordern würde. Im übrigen sei der Zuschuß garnich^eboch berneuen, er betrage nur etiva Vs des preugifajun für die höheren Beamten, während sich das Verhältnis bei ben niederen Beamten in Hesien günstiger stelle.
biacy einigen Ausführungen des Abg. Dr. G l ä s s i n g, aus die Finanzinuiiirer Dr. Gnauth kurz erwidert, ziehen
Abg. Korell unb Genossen ihren zutetzt gestellten Antrag wieder zurück. Korell nimmt aber feinen früheren Antrag wieder auf, nach welchem Beamte bis zu 2000 Mk. Einkommen 12 Proz.
fiel, jumai jcyon in der Gcner.lldeoatte zum N^^ytragsetat in ber vorigen Woche plusgiebig unb breit genug geredet wurde, ohne daß wesentlich Neues dabei berauskam. Es ist gewiß ein mißlicher Zustand, wenn ein Gesetz im Ausschüsse zur nähme gelangt, unb bann im Plenum ein wahres Turckteinander von Meinungen innerhalb einzeuier Parteien selbst l-ervorruit. Der bauerbüiidlerische Abg. Wolf hatte Recht, wenn er das hei vor hob. Zweifellos wird eine vom Abg. Molthau angeregte General- bebaite vor der Ausschußberetung (zunäa>st genauet dies die jetzige GefckMitsordnung niuj<t) geeignet sein, den leib.gen Zustand zu mildern. Aber die Hauptursack)e d.s Ueoels liegt doch bei ben Parteien selbst. Die Mitglieder haben bie Vorlagen längst in Händen, tueitn der Ausschuß seine Beratung beginnt.
liegt aijo nur an ihnen, sich mit ber Materie vertraut zu machen unb sich in Fühlung mit ihren im Ausschüsse sitzenden Parteigenossen zu halten. Hier scheints aber 01t in beiderlei Hinncht zu hapern.
Das Abänberungsgesetz zum AusgleichsfonbS würbe ohne Debatte angenommen. Die vom Fr hm. v. H e y l in ber ersten Kammer getanen Warnungsrufe über eine angeblich mit diesem Gesetz involvierte Beschräntung des Budgelrechls beider Kammern hat man nicht erörtert.
In der W 0 h n u n g s g e l d z u^s ch u ß s r a g e veranlaßte eine entgegentommenöe Erklärung des Staatsminsiters Ewald, baß eine Reihe von Abäliderungsaiiträgen zurückgezogen unb damit bie Verhandlung wesentlich vereinfacht Würbe. Die Mehrheit gab sich mit der Einteilung der Ortsllassen zufrieden, ebenso mit den Prozeiitualabsätzcii, wie sie zwischen Regierung und Ausschuß vereinbart waren. Dafür sagte ber Staatsminister zu, daß bie Regierung einem Ersuchen des Hauses folgen würbe, bis spätestens 1U0U hinsichtlich von sechs Stadien eine Revision der Gruppierung ber Ortsklassen vorzunehmen. Nur ber Bauern- bunb hatte noch Sonberwünsche. Der Abg. Breibenbach wollte unbedingt Bad Nauheim in ber Reihe ber Stäbte mit bem höchsten WohnungSgeldzufchuß belassen wissen. Und fein Parteigeiivjse Korell brachte in seinem Bestreben einer Gleich- macheret um jeden Preis, einen neuen Antrag ein, nachdem sein früherer Antrag in ber Generaldebatte als unannehmbar vom Regierungstifche bezeichnet worben war. Nur sozialpolitische Erwägungen haben Herrn Korell (so sagte er) zu dem tiiUxagt veranlaßt, ber keinerlei U 111 e r f to 1 e b z wischen tot abt und Land machen wollte unb im sinanzirlleu Efickt Bcauilen auf dem Lande etwas mehr au? 25 000 Mk. gegeben hätte, um den mittleren Beamten beinahe 0OO0O Mk. zu nehu.err. Aber Finauziliinister Dr. Gnauth zeigte, daß bie Vorlage schon ohnedies die Beamten auf dem Lande begü n ft tat; Der Vtutrag Korell würde dies noch mehr tun. Und die toiaats- regicmng will bed) mit ber Gewährung von Wohuungsgeld- zuschuß auch die Schivierigkciten beseitigen, in denen sie sich bei der Besetzung von Stellen in den Städten so ost befinbet. Auch ber Appell des StaatSministers Ewald an die Loyalität, bie einfach verlangt, baß man den Städten nun auch billigerweise den höheren Wohnu.igsgeldzufchuß gibt, nachdem man ihnen au- diesem Grunde doch die größte Last ans bem Urkundenitempel auigclaben hat, verfing nicht. Mit überwältigender Mehrheit wurde schließlich der Antrag Korell abgetehnt unb ba|ur der Ausschußanlrag angenommen.
Gegen das Gesetz über die Gehaltsaufbesserung der seminaristisch gebildeten unb technischen L e h r er an ben höheren Lehranstalten erhob nur der Ab- georbn. Wolf Widerspruch. Es wurde angenommen, wie aurij die Vorlage über bie Gehaltserhöhung der Volks- schullehrer. Hier empfand Dr. Osann eine Zurück,etzung des Ausschusses darin, daß die Negierung die Priorität für die neuere Gehaltsskala in Anspruch nahm. Dr. Osann ertlärte allerdings, daß er nicht für feine Person ober feine Partei ein Verdienst hcrausrechnen wollte.
Damit war ber Nachtragsetat unb also das Budget erledigt. Die Kammer gab dann ihrer freudigen Anteilnahuie an der 300jährigen Jubelfeier der Gießener Universität Ausdruck in der einstimmigen Bewilligung eines Foitbs von 30 000 Mk., dessen Zinsen zur freien Versagung des großen Senats stehcn sollen. Minister Braun dankte für diese Huldigung ber Luboviciana, „ber Herrin ber stolzen Burg der Geistesfreiheit im Hessenlande". ~ . e
Zum Schlüsse gab eS noch ein Intermezzo. In das neu erschienene Handbuch der zweiten Kammer hat der sozial- denwkratische Abg. Fulda in seiner Biographie ben Vermerk eingetragen: „War 4 Jahre Gerichtsasse,sor unb ging, da er — im Widerspruch zur Verfassung! — nach Erklärung des national* liberalen Staatsministers Finger Aussicht auf Anstellung im Staatsdienste seines religiösen Bekenntnisses wegen nicht hatte, zur Anwaltschaft über." Der Abg. Tr. Osann nahm das zum Anlaß einer Philippika; er erblickte in den Zellen einen Angriff auf feine Partei. Ter Abg. Fulda legte mit einer bei diesem Redner ganz ungewöhnlichen Lebhaftigkeit Verwahrung dagegen ein, daß sich sein „Kollege Osann als Präzeptor aufspiele". Er habe, so behauptete er, lediglich eine Tatsache nieber- aelegt, die er jederzeit beweisen könne unb bie genau so eine Veriassungsverletzung bedeute, wie die Nichtbestätigung von Bei- georbneten heutzutage._______________________
GerichtssaaU
Berlin, 15. Marz. Gia 1 fauler Klein-rfchirne stand heute vor der totrciUammer bes Landgerichts 1, um stch wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten zu veidntroorten. Ter Angeklagte verbüßt zurzeit eine ihm am 20. Oktober auierlegte totraie von 3 Monaten Geiangnis und rouibe deshalb aus bem Geiäiignis in Tegel vo>geiührt. Zur Antlage standen zwei Reden der bekannten Art. Ter Angeklagte beftntt, mit Gewalttätigkeiten angereizt zt> haben. Er vertrete eine 0 0 n G 0 11 gewotl 1 e Sache, er wolle „bie internal ifche Macht des Juden- rums b r ed) eu" und muffe in Volkverfanunlnngen eine kräftige unb hnmoriftiiche Sprad)e lühren. Ter totaatsanioalt beainragte eine Znfatziiraie von 6 Wochen Gefängnis, der Gerichtshof erkannte auf einen Monat Geiangnis.
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droht wurden^ , andeN' te ftd) “”b iftagen y


