Ausgabe 
25.5.1907 Zweites Blatt
 
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Wie hatten cs andere Städte mtt der SLraßen- reimgung?

Gießen, Mai 1907.

(Infolge Raummangels em wenig verspätet.)

In dieser Zeit der weniger poetischen als meteorologi­schen Frühlingsergüsse vom hohem Himmel herab auf die des IFeuchteu nachgerade unfroh gewordene Menschheit ist die Straßenreinigung wieder eine bitter ernste Frage. Der reich­liche FrühlingSregen gibt unserer fleißigen Schmutztruppe überreiche Arbeit. Sie arbeitet sehr richtig zur Zeit nicht mit der Maschine, sondern mit Handbesen, denn die Besen­walzen der Maschinen können die Löcher unserer überaus ,mangelhaften Straßenpflaslerung, in denen sich immer wieder das Wasser zu Pfützen ansammett, nicht säilbern. Die Maschmenbesen können nur in gleichmäßigem Laufe über die glatte Fläche gehen. In späteren Jahren hoffentlich wird das mit der auszugleichenden Pflasterung besser werden. Wie viel Kehricht wohl von den Straßen nach den Ab- ilagerungsplätzen abgefahren wird in einer Woche, im Monate, im JahreI Welche gewaltige Masse von Abfallstoffen aber auch in die Häuser und dabei nicht zum wenigsten mit in !die Wohnungen geschleppt wird!

In Gießen wird die Straßenreinigung bekanntlich durch die Stadt ausgeführt. Es sind für sie im Voranschlag für '1907 insgesamt 69 750 (1906: 63 500) Mk. vorgesehen und .zwar für das Reinigen der Straßen und Plätze durch städtische Taglöhner, Abfuhr des Kehrichts, Beschaffung und Unter­haltung der Arbeitsgeräte 50 600 (45 400) Mk., für den Betrieb der Kehrmaschinen 1800 (1700) Mk., für die Be­seitigung von Schnee und EiS in den Straßen und Plätzen 1000 (1000) Mk., für das Begießen der Straßen emschl. Unterhaltung der Gießfässer 7000 (6500) Mk., Unterhaltung der Bedürfnishäuschen 1300 (1300) Mk., für den Wasser- .verbrauch zur Straßenbegießung und Reinigung 3000 (2700) ^Mark, für die Instandhaltung der Dienstkleider für die Kehr- hmnnschaft 550 (500) Mk., für Aufstellung eines Bedürfnis- !Häuschens Ecke der Neustadt und Bahnhofstraße an Stelle des zu beseitigenden in der Bahnhofstraße 4500 Mk.

Blicken wir nach anderen Städten. Unter den Städten mit über 50 000 Einwohnern führen die Straßcnreuügung ausschließlich in städtischer Regie aus: Altona, Barmen, Berlin, Bochum, Braunschweig, Bremen, Charlottcnburg, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Duisburg, Halle, Hamburg, Karlsruhe, Kaffel, Kiel, Köln, Königsberg, Liegnitz, Nürn- berg, Potsdam, Rixdovf, Rostock, Spandau, Stettin, Straß­burg und Stuttgart. Die Städte, welche die Reinigung des .DammeS in eigener Regie ausführcn und die Hausbesitzer zur Säuberung der Bürgersteige verpflichten, sind: Bielefeld, Bonn, Frankfurt a. M., Görlitz, Hagen, Hannover, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Plauen und Zwickau; davon beschränken sich die drei Städte Leipzig, Lübeck und Dtagdeburg auf das Kehren der Dämme in den Haupt­straßen. Den Hausbesitzern ist zurzeit noch die Reinigung ganz, also auf Damm und Bürgersteig, überlassen in: Aachen, Augsburg, Breslau, Ehemnitz, Danzig, Düsseldorf, Elberfeld, Elbing, Erfurt, Essen, Frankfiirt a. O., Freiburg, Krefeld, München, München-Gladbach, Posen, Wiesbaden nnb Würz­burg. Es kann indessen nur eine Frage der Zeit sein, daß die Städte, die zuletzt genannt sind, zur teilweisen oder voll­ständigen Uebernahme in städtische Regie schreiten. DaS ist eine einfache hygienische Forderung. Unter Den Städten mit der Straßenremigung in gänzlich städtischer Regie arbeitet Charlotteuburg am billigsten, Dortmund am teuersten. In jener Stadt kostet ein Quadratmeter Kehrfläche 17 Pfg., in dieser 64 Pfg. Verschieden wie die Art dec Uebernahme ist auch die Kostendeckung. Die meisten Städte bezahlen die Unkosten aus den allgemeinen Steuern. Wenige Städte haben besondere Abgaben dafür eingerichtet, die in der Hauptsache von den Hauseigentümern erhoben werden.

Ueber eine Schwierigkeit sind sich aber die Städte noch weniger einig, über die rascheste und billigste Art der Schnee­abfuhr. In diesem schncereichen Winter hatte Berlin Hun­derttausende von Mark für das Fortschaffen von Schnee nach den starken Schneefällen ausgeworfen und konnte dennoch die Gigantenarbeit nicht leisten. Die lockeren Schnecmasscn bean­spruchen viel Raum. Da ist ein Kastenwagen schnell gefüllt. In Halle u. a. Städten haben die Hausbesitzer nur noch die Pflicht, die Bürgersteige von Schnee und Eis reinigen zu lassen. Die Schneemasseu brauchen aber nur bis auf den Damm geschoben zu werden. Dort werden sie von den die Fahrstraße kehrenden städtischen Mannschaften mit fort­gebracht. Hamburg hingegen hat sich gegen die Not nach starken Schneefällen noch mehr reserviert. Die Hansestadt überläßt die Beseitigung von Schnee und Eis auf dem Trottoir . und auch auf dem Damm den Anliegern. Paris wendet seit Jahren eine Methode an, die indessen zur Nachahmung nicht zu empfehlen ist. Es taut den Schnee durch Zusatz von Salz auf und läßt dann die Massen einfach in die Kanallöcher schieben. Das hat aber den großen Nachteil, daß durch das Salz die Stiefel der Paffanten, wie auch Die Hufe der Pferde leiden. In Amerika hat man einen Versuch gemacht, der in* dessen noch nicht über das erste Stadium hinausgerückt ist. Man preßt da den Schnee mit Hülfe von Maschinen auf der Straße in große Blöcke und fährt diese ab.

Eine zweite Aufgabe erwächst den Komniunen in der Unterdrückung der Staubplage. Völlig kann der Staub trotz Sprengen und Reinigen nicht beseitigt werden. Neben dem Kehren bleibt das beste immer noch das Sprengen mit Wasser, und zwar so, daß die ganze Fläche nur wie durch feinen Regen angefeuchtet wird. Je stärker die Trockenheit, desto öfter muß das allerdings geschehen. Alle übrigen Mittel, die zur Veseitigung des Staubes versucht wurden, haben diesen oder jenen Nachteil. Früher in Frankreich, dann in England und zuletzt auch in Wien hat man mit Hülfe von Teer den Staub festzuhalten versucht. Der zuständige Wiener Ingenieur lobt das Verfahren. Jedoch hat die Technik die zweckmäßigste Methode noch nicht gefunden, den Teer auf die notwendige dünnflüssige Form zu bringen, um ihn bequem durch Maschinerie verbreiten zu lassen. Sehr praktisch und gediegen arbeitet das Sprengautomobil. Berlin verwendet jetzt das erste Spreng­automobil. Die erste Stadt, welche überhaupt derartige Auto- mobile benutzte, war Paris, und als erste deutsche Stadt ahmte Mannheim die Einrichtung nach. Loudon verwendet elektrisch betriebene Sprengwagen, die auf den Schienen der

Straßenbahnen laufen. Ebenfalls eine Neuerung, die sich empsiehlt, sobald wir einmal die elektrffche Straßenbahn haben. Freilich, laug, lang ift'S noch bis dahin und wie viel wir noch unter Schmutz und Staub bis zur gründlichen Durch- pflasterung der ganzen Stadt und zum Besitz einer elektr. Straßenbahn zu leiden haben werden, wie viel Gelder noch für andere städtische Zwecke von unseren Stadträten hin- gegeben werden, das sind Fragen, deren Beantwortung wir uns beklommenen Herzens leider noch lange werden versagen müssen.

vermischtes.

Eßlingen, 25. Mai. Geheime Kommerzienrat O. Merkel hat hier in seiner Vaterstadt mit einem Kosten­aufwand von 350000 Mk. nach Entwürfen von Plänen des Architekten Hans Meyer-Gießen, dem Erbauer des Gießener Volksbades, ein Volks bad erbauen lassen. Heute fand in Gegenwart der Vertreter der höchsten Behörden des württem- bergischen Landes die Uebergabe der fertig gestellten Anstalt an den Bauherrn Geh. Kommerzienrat Merkel statt, welcher das Bad, das sehr opulent eingerichtet ist, der Stadt Eßlingen zum Geschenk machte.

E i n politischer Mord. JnKirchsteitz (Prov. Sachsen) hat der Arbeiter Rosenberger, der Vorsitzende des sozialdemokratischen Turnvereins, den Arbeiter Funke, mit dem er in Streit geraten war, erstochen. Der Mörder ist flüchtig und wird von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Er ist erst 20 Jahre alt und mittelgroßer Statur.

* Ein romantisches Liebesabenteuer. Die 21jährige Tochter eines zwanzigfachen Millionärs und Schloßherrn aus Ilse Adam, unweit Paris, ist mit einem Dachbcckersohn, der ihr Herz gewann, entflohen. Von dem flüchtigen Liebespaar fehlt bisher jede Spur.

* Eine goldene Hochzeit mit zwei Frauen! Eine goldene Hochzeitsfeier ist an sich schon ein ziemlich seltenes Freuden­fest, aber das ein Fünfundsiebzigjähriger seine doppelte goldene Hochzeit feiern kann, das ist etwas, was denn doch nicht alle Tage vorkommen dürfte. In Hyde Park, einem kleinen Dorfe in Der Nähe von Logan in Utah, hat, wie aus New Aork ge­schrieben wird, Absalom Woolf dieses eigenartige Jubiläum in diesen Tagen begehen können, und von weit und breit waren Kinder, Enkel umd Freunde herbeigeeilt, um den greifen Gatten und seine beiden Frauen zu feiern. Denn Absalom Woolf hat am gleichen Frühlingstage des Jahres 1857 feine beiden Frauen Lucy Anna und Harriet zum Altar geführt! Eine romantische Geschichte lag dieser eigenartigen Eheschließung zu Grund. In jener Zeit war es in Utah Sille, recht jung zu heiraten. So war denn der junge Woolf mit Luc» Anna, einem ftffchen sechzehnjährigen Mädchen, schon regelrecht verlobt, die beiden liebten einanöer innig und bald wollten sie den Bund fürs Leben schließen. Sie wohnten einige hundert Meilen fern von Sait Lake City, dem Mekka der Mormonen, zu dem alle Heiligen der letzten Tage alljährlich pilgern, um den Kirchenverfamm- lungen beizuwohnen. Bei einer solchen. Pilgerreise ereignete es sicy nun, daß Miß Wood in der Salzstadt von Verwandten auf­gehalten wurde »u'Nd längere Zeit dort blieb, damals gab es keine regelrechten Postverbindnngen und die Liebenden waren auf die Reifenden angewiesen, die manchmal die beiden Orte be­suchten. Absalom Woolf bekam da schlimme Botschaften. Be­kannte erzählten ihm, daß Lucy Aima ihn aufgegeben und ihr Herz einem Salzfeemann geschenkt habe, und schließlich erfuhr er noch, daß sie bereit» verheiratet sei. Die Botschaft tat ihm wenig wohl, aber entschloß sich, wegen des treulosen Mädchens nicht den Kopf hängen zu lassen, sondern Ausschau zu halten nach einer anderen, die ihn nicht so betröge. Harriet Hambleton liebte ihn schon lange insgeheim, und ihr Streben, seine Schwer­mut zu brechen, brachte die beiden schnell einander nahe. Sie verlobten sich. Kurz vor dem Hochzeitstage .kam aber Lucy Anna aus der Salzsecstadt heim und Woolf mußte erfahren, daß sie ihm immer noch treu gewesen und ihn noch liebte, wie vordem. Der jungeAppy", denn so nannten ihn feine Freunde, war nun in einer recht schwierigen Sage; beide Frauen liebten ihn, beide waren ihm wert, mit beiden war er verlobt. Er überlegte hin und her und sand lange keinen Ausweg und vertraute schließlich der Macht der Zeit die Entscheidung an. Umsonst, beide Mädchen blieben standhaft. Schließlich lief Appy zum Bischof und trug ihm den verzwickten Fall vor. Der alte Mormonengeistliche half dem Bedrängten:Heirate sic beide, mein Sohn, heirate fie beide!" Woolf, der ja Mormone war, sah auch kein Hindernis und trug feinen Bräuten die Sache vor; die waren denn auch mit dem eigenartigen Ausweg einverstanden und Ende April 1857 brachen die drei nach der Salzstadt auf, um sich feierlich trauen zu lassen. Auf der Ehe lag Segen. Fünfzig Jahre haben die drei einträchtig und glücklich zu­sammengelebt und kein Wölkchen trübte je den Himmel. 22 Kinder zeugten von der Liebe der Gatten, und heute blicken die drei glückstrahlend auf eine Nachkommenschaft von 110 Enkeln und 21 Urenkeln! Als bann die Ä'ormonenhrdje das be­kannte Woodruffmonifest erließ, das die Polygamie aufhob, kämpfte der nun schon alte Appy mit aller Jnnbrunst gegen die Willkür, mit der man so in sein harmonisches Familienleben eingriff, und berief sich immer wieder darauf, daß er seine Ehe in aller Form und völlig korrekt abgeschlossen habe. Aber schließlich gab er dem Rat der Geistlichen nach, und die drei einigten sich, daß eine der Frauen pro forma für sich wohnen sollte. Harriet entschloß sich zu dem Opfer, und Woolf mietete ihr in der Nachbarschaft ein Häuschen, indes er bei Lucy Anna verblieb. Trotzdem lebten die drei eigentlich gemeinsam, besuchten ein­ander täglich, nichts störte ihr Glück, und am goldenen Hoch­zeitstage stauben die drei lächelnd Hand in Hand und nahmen die Glückwünsche ihrer Kinder entgegen.

Ein Reichstagsabgeorbneter, ben die Post- behörde nicht auffinben kann! Aus ein absonder­liches Urteil über die Fähigkeiten unserer Postbehörden kommt man, wenn man die folgende Notiz derPsälz. TgSztg." liest, die diesem Blatte aus Kirchheimbolanden zugeht: »Zur Illustration dec vielgerühmten Findigkeit und Fixigkeit der Post ein Beispiel, das wenig zugunsten dieser sonst löblichen Eigenschaften des großen Verkehrsinstituts spricht. An einen hiesigen Verein, so schreibt derKb. Anz.", kam dieser Tage ein Brief als .unbestellbar" zurück, der an folgende Adresse gerichtet war: .Herrn Dr. Roesicke, Reichstagsabgeordneter, Goersdorf." Mehrfach befand sich auf dem Briefumschlag der Vermerk: .Adressat unbekannt." Ob Herr Dr. Roesicke, der seit 1889 Besitzer des Ritterguts GoerSdors ist, dort wirklich so unbekannt geblieben ist, daß nicht einmal der Briefträger etwas von ihm weiß, entzieht sich unserer Kennt­nis. Aber eigentlich hätte doch die Postbehörde auch auf den schlauen Gedanken kommen können, einmal im Reichs­tage anzufragen; dort wäre Dr. Roesicke jedenfalls nicht so unbekannt" gewesen.

*Die Mädchen von Gottenberg" und b er Zensor. Aus London wird geschrieben: Im Gaity- Theater sollte am Donnerstag abend die Erstaufführung der musikalischen Komödie .Die Mädchen von Gottenberg-" statt- sinden, wurde jedoch, angeblich wegen Indisposition zweier Schauspieler, abgesagt. Nach Dem -Daily Chrorricle" war

diese Indisposition nicht vorhanden. DaS Stück wurde, rotd vorgeschrieben, vor einigen Tagen nach dem St. James- Palast geschickt, um die Lizenz des Zensors zu erhalten. Dieser entdeckte, daß es sich um eine Parodie des Köpenick- Vorfalles handelte, und daß sich auch gewisse indirekte Be­zugnahmen auf den deutschen Kaiser darin befanden. De§- halb wurde die Aufführung untersagt, bis einige Aender- ungen im Texte vorgenommen seien. Diese Aenderungen haben jetzt ftattgefunben, und das Stück, für das auf diese Weise eine wertvolle Reklame gemacht worden ist, wird am SamStag zum erstenmal über die Bühne gehen. Sämtliche Hinweise auf Berlin und Potsdam wurden gestrichen und den Schauspielern Instruktion erteilt, sich, jeder persönlichen Bemerkung in der Aufführung zu enthalten, die in Berlin als Beleidigung aufgefaßt werden könnte.

* Wie die Klöster entstanden. Durch Beispiel und Vorbild haben die als Kirchenväter bekannten Männer aus den frühesten Zeiten Des Christentums zur Förderung und Verbrei­tung des Einfiedlerlebens und des Eremitentums beigetragen, das schon vor ihnen in der Kirche des A^orgenlandes Eingang! gesunden hatte. Bon dort stammt auch der griechische Name Anachoreten", den sich die Einsiedler, die sich aus den Zer­streuungen und der Unruhe weltlichen Treibens in die Einsam­keit zurückzogen, selbst beilegten. Das Einsiedlerleben, aus dem sich später das Mönchtum entwickelt hat, ist aus der Anschaus ung hervorgegangen, daß in der Zurückgezogenheit von der Wett, in der Enthaltung von allen Genüssen, in dem frei­willigen Verzicht auf jede Bequemlichkeit und Behaglichkeit des irdischen Lebens, insbesondere auf den Ehestand, sich eine über das gewöhnliche Christentum hinausragende Frömmigkeit und eine höhere Stufe der christlichen Vollkommenheit darstelle. An­fangs haben die Vertreter dieser asketischen Anschauung noch- zerstreut inmitten der übrigen Christen gelebt. Im Laufe ber) Zeit aber suchten sie die Einsamkeit der Wüsten auf, um sich' ganz dem ungestörten Verkehr mit Gott hinzugeben. Je größer die Zahl dieser Einsiedler wurde, um so häufiger geschah es, daß sie sich zu gemeinsamem Leben zusammÖrschlossen, wo­durch sie fteilich aufhörten, im engeren Sinne Einsiedler zu, sein. Aus diesen Genossenschaften, Könobien genannt, sind dann später die Klöster entftanben. (Aus dem PrachtwerkeBilder­saal der christlichen Welt". Von Hofprediger D. Beruh. Rogge. 40 Lieferungen zu je 40 Pfg. Stuttgart, Union Deutsche Ver-s lagsgefellschast.)

* Kleine Tageschronil. Eine in Köln auf Besuch weilende Familie ans Iserlohn erkrankte plötzlich unter Ver­giftungs-Erscheinungen, so baß sie sich zur schleunigen Rückkehr nach der Heimat entschloß. Dort verstarb kurz nach der Ankunft die 30jährtge Frau unter furchtbaren Qualen. Die Be­hörde hatte eine Untersuchung eingeleitet. In Düsseldorf schoß der Arbeiter Scholven feiner Geliebten, einer Frau Wiebusch, in deren Schlafzimmer zwei Kugeln in die Schläfe. Bei seiner Festnahme sprang der Täter aus dem 2. Stock auf den Hof. An den Verletzungen ist er im Kranken Haufe gestorben. Frau Wiebusch schwebt in Lebensgefahr. Der ernannte Gouverneur von K a m e r u n Dr. Seitz verlobte sich mit der Tochter des verstorbenen Militärschriftstellers Jähns. Die Hochzeit findet in nächster Zeit statt. Die junge Gattin wird ben Gouverneurs nach Kamerun begleiten. Bei einer Abendmahlsfeier in der katholischen Kirche zu O st r o w o (Posen) schlug das Licht einer Kerze durch einen Luftzug zur Seite und setzte die Kleider der 13jät)rigen Tochter des Schneiders Adamski in Brand. Das Mädchen wurde schwer verletzt.

Arbeiterbewegnng.

Berlin, 24. Mai. In der Generalversamnllung des Ver­bandes der Baugeschäfte Berlins und der Vororte wurde heute mitgeteilt, daß die Zahl der Ausgesperrten nahezu 3 0 0 00 betrage. Ein Streik der Zuschneider und Zuschneiderinnen in der Herren- und Knabenkonsektion steht bevor. Ter Forderung eines Wochenlohnes von 36 Mark Haden sich die Arbeitgeber bisher nicht zugänglich gezeigt, weshalb fast überall die Kündigung eingereickt wurde.

Saarbrücken, 25. Mai. Zur Lohnbewegung im Saar­revier ist zu melden, daß der Streik der Pferdejungen zunimmt. Außer auf der Grube Ehrhardt hat sich der Streik auf die Gruben Eamphausen und Altenkessel ausgedehnt. Ferner legten die K o h 1 e n a b l a b e r des Albert-Schachtes in Loussentat die Arbeit nieder. Sie verlangen 30 bis 60 Pfg. Lohnerhöhung, eine Forderung, auf welche die Verwaltung sich weigert ein* zugehen.

Königsberg, 25. Mai. Zwischen Vertretern von Arbeite gebern und Hafenarbeitern wurden vor dem Einigungsamt dcs Gewerbegerichtes Vorverhandlungen zwecks Beilegung des Konfliktes im hiesigen Hafen gepflogen. Die Beratung hat sich auch auf den Abschluß eines neuen Lohntarifes für die einzelnen Arbeiter-Kategorien erstreckt und sollen in den nächsten Tage», fortgesetzt werden.

Hamburg, 25. Mai. Die streikenden Seeleute beschlossen, den Vorschlag der Reeder zu akzeptieren, eine Kommission aktiver Seeleute zur Anbahnung von Verhandlungen zu wählen. Das Ansinnen jedoch, ben Streik vorher zu beendigen, lehnen sie ab.

Bremen, 24. Mai. Die hiesigen Seeleute beschlossen, sofort in den A u s st a n d zu treten, da zu erwarten steht, baff die Reeder den am Mittwoch unterbreiteten Tarifentwurf ablehnen werden. Tie Seeleute in Bremerhaven schlossen sich der Streik­bewegung an ohne an die Reeder eine Forderung gestellt zu haben.

Gera, 24. Mai. Die Arbeitgeber im Baugewerbe» haben das auf Grund des Spruches des Schiedsgerichts gemachte Angebot eines Höchstlohnes von 45 Pfg. pro Stunde zur Zahlung vom 18. d. Alls, ab m letzter Stunde abgelehnt. Die Aus» i p e r r u n g der organisierten Arbeiter im Baugewerbe erfolgt i auf einstimmigen Beschluß der Arbeitgeber morgen.

Bergarbeiter streik in Südafrika. Nach Mel- bungen Londoner Blätter hat der Ausstand der 67000 Gruben­arbeiter am Rand große politische Bedeutung, da die Absendung britischer Truppen aus Prätoria zum Schutz der zumetst Holland. Streikbrecher auf Verlangen des Kolonialsekretars -vmuettS erfolgte, nachdem der Befehl zur Einberufung von Freiwillige» zurückgezogen worden war. Außer 600 südasrikanifchen Konstablern kampieren 800 Fußsoldaten und 200 Berittene zwischen Benonj und Krügerdorp. Allgemein befürchtet man, daß es zu Blut­vergießen kommen werde, da laut Gesetz nach Jamesons Beutezug jeder Polizeioffizier das Recht hat, Ansammlungen auf- zulöseu und im Weigerungsfall den Befehl zum schießen zu geben. Der Ausstand umfaßt jetzt 46 Gruben, doch stehl laut einer Timesmeldung die Goldindustrie nicht still, da die AuS- ftänbigen rasch durch andere Arbeitskräfte ersetzt wurden, zumeist durch Holländer, was den jetzigen Machthabern nicht unangenehm ist. Eine Gefahr für die Goldindustrie würde erst eintreten, wenn die Maschinisten und Mechaniker dem Ausstand beitreten würden.

Universitäts-Nachrichten.

In den Pfingsttagen fand inKobnrg der 39. K o n - greß der im Ko bnr ger L C. ve reinigten Land- mannschäften ans deutschen Hochschulen statt. Ver­treten waren 37 aktive Landsmannschaften. Vor dem Kon- grefse am 19. Mai hatten die Vertreter des Alte Herrerr- Verbandes getagt, der zurzeit 57 örtliche Vereinigungen aller Landsmannschaften in Deutschland und der Schweiz zählt. Auf dem Kongresse wurde u. a. die alle Leipziger Landsmannschaft Plavia wieder in den Verband ausgenom­men, und der A.-H.-Tag erhöhte den Beitrag zum deutschen Flottenverein. Die üblichen Festlichkeiten (Kommers, Ball, Besuch der Festung- Auffahrt und Ausflug nach Schloß Rosenaus an denen sich auch die Bürgerschaft Koöurgs lebhaft beteiligte, umrahmten, nachdem am dritten Feier­tag wieder gutes Wetter eingetreten, auch diesmal die geq schafttichen Handlungen»