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25.5.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 120 Zweites Blatt 1S7. Jahrgang

Samstag 25. Mai 1907

Erscheint »glich mit AnSnahrne deS Sonntags.

Die6leBtott FmoMenblStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisbloti für den Kreis Gießen" zweimal wSchenllich. Der ^esstfche Landwirt" erschemt monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck and vertag der vrüh lachen UnwersttLtS - Buch- und Vwindruckeret.

R. Lange, Lietzen.

Redaktion, Expedition and Druckerei r Schul- stratze 7. Expedition und vertag i fc« 6L Redaktion: e=Ä 119. Tell-Adru Aneetaer^ietzen.

politische Tagesschau.

Die Maffeuverhaftuug russischer Studenten durch die Berliner politische Polizei wird möglicherweise mit­tels einer Interpellation im p«ußischen Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht ioerden. Tie ist das Ergebnis der seit geraumer Zell schwer durchgeführten Beobachtung der Gaste aus dem Oiren. Die Polizei tut nur ihre Pflicht, wenn sie beim geringsten Anzeichen staatsgefähclicher Treibereien rücksichtslos dazwischen- Lhrl. Ohnehin wird das Strastcnbild Berlins neuerdings wieder m unerwünschter Vielgestaltigkeit belebt durch fragwürdige Ele­mente slawischer Sperumft, und der Taschendiebstahl steht in Blüte. Tie anstänoigen Russen selbst gehen in weitein Bogen um diese Volksgenossen herum. Von Verletzung der Gastfreund­schaft kann bei einem Akt deutscher Selbsthülfe nicht die Rede sein. Ebenso scheidet die Rücksichtnahme auf dasbefreundete" Rußland aus, das von der Gepflogenheit nicht läßt, über Rechtsansprüche ehrenwerter Teutschcn in brüsker Form zur Tagesordnung überzugehen. Ein festes Zugreifen war umfa» mehr geboten, als bei den Russen Anleitungen zur Bomben­fabrikation gefunden worden sind.

Deutschrs Reich.

Berlin, 24. Mai. Graf v. Moltke, Generalleutnant, Kommandant von Berlin, wurde zur Disposition gestellt.

Nach den Abendblättern wurden von den geitern ver­hafteten Russen alle bis auf zehn aus der Haft ent­lassen; heute wurden sechs als luftige Ausländer ausge­wiesen und zwei wegen Teilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll und deren Mitglieder /ich zu un­bedingtem Gehorsam gegen die Verbindungsoberen verpflichten, dem Staatsanwalt vorgeführt.

Danzig, 24. Mai. Ter Kaiser ist heute nachmittag auö Marienburg hier eingelrossen; er begab sich nach Langfuhr. Um 7 Llhr sand im Las uw der Lcibhusaren ein Essen statt. Die Abreise des Kaisers nach Dresden erfolgte um 10 Uhr 20 Min.

Dresden, 24. Mai. Der König verlieh anläßlich seines wvrgigen Geburtstages dem deutschen Botschafter in Washuigton, Grafen Speck von Sternburg, und dem Ge­sandten in Peking, Grafen Rex., daS Großkrruz des Albrecht­ordens.

Braunschweig,. Mai. Dem Landtage ist ein Dnttag Nuf Weiterzahlung des bisherigen Zivillisten-Zuschusses von 300 000 Mst zugegangen. Don der Wei^rzahlnng dieses Zuschusses uxer die Regentschaftsübernahme durch den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg abhängig gemacht worden. Mw Annahme des Antrages ist gesick>ert.

NÜrnberg, 24. Mai. Die englische Abordnung von Dar la ments Mitgliedern und städtischen Vertretern zur Besichtigung der hiesigen Sehenswürdigkeiten sind heute abend von Nauheim hier eingetrvffen. Es fand ein Festessen statt.

Rieche und Schule.

Die Iahresveriauunlung des deutschen Bere ins ür Schulgesnndheitspslege in Karlsruhe befaßte ich u. a. mit der Frage der Abschaffung des Abi - rurientenexamens. Der Nervenarzt Dr. Dorn- bl ü t h - F-rankfurt a. M. wies auf die Ueberbürdung der «Gymnasiasten hin und kam zu dem Resultat, daß das Examen auf den Primaner ebenso wirke, wie die Angst vor dem Stock auf den jüngeren Schüler. Die durch das Vxamen bedingte Uebersprnnung der geistigen Kräfte müsse cU Reaktion das Bummeln in nächsten Monaten und Jahren bedingen. Durch die Ueberarbeitung vor dem Abi- turientenexamen werde außerdem noch die Blasiert­heit gefördert und die neurasthenischen Zu­ist ände der Studenten hervorgerufen. Direktor Dr. 'Korn-Frankfurt a M. führt aus, das Abiturienten- «xamen sei seinerzeit eingesührt worden, um den Besuch der Universitäten durch unreife Jünglinge zu verhüten und 'diese zu gewissenhafter Benutzung des Schulunterrichts zu veranlassen. Dieses Ziel kann heute aber auch ohne Abi­turientenexamen erreicht werden, da unsere höheren Schu­len gleich und bis ins einzelne organisiert finb und von den Staatsbehörden genau überwacht werden. Nach kurzer Debatte gelangte eine Resolution einstimmig zur Annahme, die im Sinne der Ausführungen der Referenten das Abi- furieutenexamen verwirft.

Au-larrS.

London, 24. Mai. Der Präsident des Handels­amts, Lloyd George, der von seinem Besuch m Ham­burg und Antwerpen zurückgekehrt ist, erklärte: ,WaS wir gesehen haben, hat tiefen Eindruck auf uns gemacht. London muß erwachen und zwar schnell, wenn es nicht will, daß diese großen Häfen ihm einen beträchtlichen Teil de ^Geschäftes fortnehmen sollen. Zu lange hat sich London auf seine natürlichen Kräfte verlassen und, darauf fußend, nicht genug Geld auf die Entwickelung seiner Hülfs- queUen verwandt/ Was der Minister und die ihn begleitende Kommission bewunderten, sind die Anlagen für große Schiffe, die Einrichtungen, die für das Anlegen und Löschen dieser Schiffe in deutbar kürzester Zeit geboten werden, ferner das harnionische Zusammenarbeiten von Stadt, Staat und Privaten im Interesse der unmittelbaren Verteilung der einkommenden Fracht über den Kontinent.

Brüssel, 24. Mai. In der heutigen Kammer- sitzung verlas der Arbeitsminister den Bericht, auf den er sich m der vorigen Sitzung gestützt hatte, um seine Be­schuldigungen gegen die Führer der Ausständigen auf der Grube Hazard bei Lüttich zu begründen. Da der Minister sich weigerte, den Namen des Urhebers de§ Berichtes preis­zugeben, erklärte die Linke sich mit den Erklärungen deS Ministers nicht zufrieden. Auf die Frage des Ministers, ob die Linke nun noch die Ansicht aufrecht erhalte, er, der Mi­nister, sei em Verleumder, erwiderte der sozialistische Abg. MeysmanS: oder einen Dummkopf!

Paris, 24. Mai. Im Dorfe Arraye, an der loth­ringischen Grenze, sollen zwei französische Zollbeamte vom Lehrer und einem Bauer deS deutschen Dorfes Ajoncourt angegriffen worden sein. Die beiden Angreifer sollen dann über die Grenze entflohen sein. Untersuchung wurde eingelecket.

Die Meldung, wonach das deutsche Kanonen­boot ,2uchs*, welches sich in Shanghai besindet, vom

Kaiser beauftragt worden sei, dem gestrandeten französischen Dampfer .Ehanzy" Hilfe zu bringen, hat an hiesigen amtlichen Stellen lebhafte Genugtuung hervor­gerufen. Man erklärt, daß dieser schöne Zug deS Kaisers von allen Franzosen gewürdigt werden wird.

Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft.

HL

B. Worms, 24. Mai.

Die heutigen Verhandlungen beginnen mit der Be­ratung eines Antrags der Abteilung Lippstadt betr. Jn- der frage. Es soll der Reichskanzler ersucht werden, Vorkehrungen dahin treffen zu lassen, daß die für das Schutzgebiet Deutsch-Ostasrika gültigen allgemeinen Vor­schriften betreffend Handel, Buchführung und Verkehr auch rn vollem Umfange auf die Inder angewandt und, in Uebereinstirnmuirg mit dem Zansibarvertrage, nach dem Borbilde der für die englischen südafrikanischen Kolonien geltenden Bestimmungen vervollständigt werden. Nach längerer Debatte einigte man sich auf eine Resolution:

Die D. K. G. hält es für wünschenswert, daß das Gouvernement von Deutsch Ostafrika Verordnungen erläßt oder Vorkehrungen trifft, durch die mehr als bisher die deutschen kleinen Händler gegenüber den Indern ge­schützt werden."

Die Abteilung Lippstadt hatte einen wetteren Antrag eingereicht, der im wesentlichen die Einführung der deut­schen Retchswührung und des Maß- uni) Gewichtssystems in unseren Kolonien fordert. Als Resultat dieser Debatte wurde beschlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, für alle Kolonien das deutsche Maß- und Gewichts- s y st e m baldigst cinzuführen. Nach besonderer Debatte beschloß die Versammlung alsdann, an die Negierung das Ersuchen zu richten, zu veranlassen, daß an den deutschen Universitäten, technischen, landwirtschaftlichen, forst- wissenschaftlichen und Hmtdets-Hochschulen Vorlesungen über kolonialwissenschaftliche und -Wirt­schaf t l i ch e T h e m a t a in größerem Umsange als bisher gehalten werden und daß wenn irgend möglich besondere Lehrstühle für Koto nialwiss en sch asten ge­schaffen und wo irgend angängig koloniale Ferien­kurse für Lehrer und Lehrerinnen eingerichtet werden; ferner daß in dem Unterricht für Geographie und Völker­kunde in den Lehrerseminaren, sowie in sämtlichen höheren und mittleren Volksschulen einschließlich der technischen Fortbilduntzsanstallen mehr als bisher unsere überseeischen und kolonialen Interessen berücksichtigt werden. Weiter wurde mit Nachdruck beschlossen, den Reichskanzler zu bitten, den Ausbau des Hafens von Tanger in Ostafrika in einer den Erfordernissen des steigenden Verkehrs ent­sprechenden Weise baldigst ins Auge zu fassen, und die Vorarbeiten für die auszuführenden Bauten |o zu fördern, daß bereits in den nächsten Reichsetat (Etat des Schutz­gebiets Deutsch-Ostafrika) Mittel dafür eingestellt werden können. Angenommen wurde ferner ein Antrag, daß in den Schutzgebieten auf die Reinhaltung des Deutschen in Schrift und Sprache mehr Sorgfalt vertvandt werde und auch die Regierung ihrerseits in geeigneter Weise wirken solle. Die vorliegenden Anträge über die Siedlungs-Gesell­schaft wurden zurückgezogen im Hinblick auf schwebende Verhandlungen des Kotonialamts mit der Gesellschaft. Ein Antrag Lippstadt erstrebt eine Organisation für das Hy­potheken- und Personalkreditbedürfuis der Ansiedler. Ta im Hinblick auf die großen Geldopfer, welche das Reich in jüngster Zeit dem südwestafrilanischen Schutzgebiet gebracht hat, eine Erfüllung des Wunsches der Abteilung Lippstadt zurzeit ausgeschlossen erscheint, anderseits auch anerkannt werden muß, daß die Negierung bisher nach Kräften bemüht gewesen ist, die Ansiedelung von ehemaligen Angehörigen der Schutztruppe und wehrhaftigen Reichsangehörigen im südwestafrilanischen Schutzgebiet durch Ansiedelungs-Bei­hilfen und andere Vergünstigungen zu fördern, sieht der Ausschuß sich nicht in der Lage, den Antrag der Abteilung Lippstadt seinerseits zu befürworten. Die Versammlung pflichtet dieser Stetlun^iahme bei. Der Antrag Preuß, der eine Kodifikation des Eingeborenen-Rechts erstrebt, wurde für die nächstjährige Hauptversammlung zurück- gestellt.

Als Ort der näch st jährig en Hauptversamm­lung wurde Bremen bestimmt. Eine Sammlung für das Wißmann-Tenkmal in Dar-es-Salaam hatte gestern 1425 Mark ergeben, lieber den Deutsch-kolo­nialen Frauenbund soll auf der nächsten Haupt­versammlung berichtet werden.

Der Präsident Herzog Johann Albrecht schloß so­dann die Tagung, indem er betonte, die Deutsche Kolonial- Gesellschaft gehe aus diesen Verhandlungen, von denen mancher vorher ein schwarzes Bild prophezeite, stärker und einiger denn je hervor. Mit einem dreifachen Hoch auf ihren Präsidenten gingen die Versammelten ausein­ander.

Aus» S.aor uno itatio.

Abdruck unserer durch Korrespondenzzeichen kenntlich ge­machten Originalartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Anz.) gestattet.

Gießen, 25. Mai 1907.

* Die Beratung der Gesetzentwürfe, betr. die Abänderung der Artikel 67 und 75 der Ver- fassungSurkunde des Großherzogtums, sowie der Land- stände, und die Wahlkreiseinteilung betreffend, dürfte durch die Tatsache, daß sich der Gesetzgebungs aus schuß, der sich mit der Materie befassen wollte, für unzuständig erklärt hat, leider eine längere, aber hoffentlich nicht allzu lange Ver­zögerung erfahren. Bekanntlich hat die Regierung die Gesetzentwürfe, insbesondere die Wahlkreiseinteilung nebst Vorbemerkung und Begründung in Gemäßheit deS Gesetzes, die Ausführung des Artikels 92 der Verfaffungsurkunde hin­sichtlich größerer Werke der Gesetzgebung betr. vom 14. Juni 1836, zur verfassungsmäßigen Beratung rc. vorgelegt. In dem Ausführungsgesetz zu diesem Artikel 92 der Verfassungs­urkunde heißt es nun in Art. 2;

Sobald em solcher Euuvnri an die Kammern gelangt ist, wird zu dessen Begutachtung von jeder derselben auS ihrer 'Ulilte ein besonderer aus fünf Mitgliedern bestehender Ausschuß nach den in der landstandischen Geschäftsordnung rückstchtlich der Wahl der Ausschüsse enthaltenen Bestimmungen gewählt rc.

Obwohl nun bei ähnlichen Anlässen dieser Artikel noch nicht zur Anwendung kam, beschloß der Ausschuß trotzdem, die Gesetzentwürfe nicht zu beraten, sondern den Entschluß des Kammerpräsidenten, von dem der Ausschuß die Entwürfe zur Beratung erhalten hatte, abzuwarten, da er sich nach dieser Bestimmung nicht für berechtigt hält, in die Besprechung der Materie einzutreten. Der GesetzgebungSausschuß nahm die Berichte dec Referenten über daS Jagdgesetz entgegen. Dabei wurden die meisten der von dec Landwirtschaftskammer gemachten Vorschläge als überflüssig abgelehnt. Auch der von dem Abg. Brenner vorgelegte Abänderungsantrag fand keine Gnade, da man auch diese Forderung nicht für nötig hält, die nach der Meinung der anwesenden Regierungs­oertreter die Gemeinden noch länger Hinhalten würde, so rasch wie möglich an die Parzellenvermessung heranzutreten. Von Seiten der Regierung waren anwesend der Minister deS Innern Braun, Geh. Oberjustizrat Lorbacher und Finanzamtmann Spanier. Staatsminister Ewald besindet sich in Erholungs­urlaub im Odenwald.

* Personalnachrichten. S. K. H. der Großherzog hat dem Psarrverwalter Friedrich Schmaltz zu Beuern die evang. Pfarrstelle dafelbft über trugen und dem Musiker- und Schneidermeister Friedrich Wilhelm Reinhardt zu Schlitz das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Verdienste" verliehen. lieber tragen wurde am 21. Mm d. I. je eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz den Lehrern Erhard Dapper zu Worms und Jol)ann Karra zu Wald-Michelbach, den Schulamtsaspi- ranten Franz Phll. Balbach aus Nackenheim (Kreis Oppen­heim), Heinrich Joseph Molitor aus Ockenheim (Kreis $ lugen) und Jakob Petermann aus Frei-Laubersheim (Kreis Alzey); je eine Lehrerinstelle an derselbe Schule den Lehrerinnen Maria Gerecht zu Heppenheim und Anna Reckert zu Binaen, den Schutamtsaspirankinnen Margarete Großart aus Ludwigs- l)asen. (Shriiline Harrach aus Nieder-Olm uub Klara Wern e r aus Mamz; eine Lehreritelle an der kathol. Schule zu Grvß- llmftadt dem Schulamtsaspiranten Michael Fore stier aus Gen­singen (Kreis Bingen). Ernannt wurde am 22. Mai der Vize- jeldwebet im Leibgarde-Jnfanterie-Regiment Nr. 115 August Sfilörb zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Ulrich­stein mit Wirkung vom Tage feinet1 Dienstantritts an.

M Die Anlagemusik morgen um 12 Uhr in der Süd-Anlage wird nach folgendem Programm sich abspielen: Ouvertüre z. O. ,Dcc Schiffbruch der von Reißiger:

Auf dem Meere, Walzer von Triebel; Am Kaiserhof, Fackel­tanz von Förster; Der Nheinströmer, ein Armeemarsch.

Der Turnverein, dessen Bestehen seit dem Jahre 1846 vielfach angezweifelt wurde, ist jetzt in der Lage unr- kundlich den Nachweis zu liefern, daß er im Dezember 1846 tatsächlich bereits bestanden hat. Der Vorstand des Vereins hat kürzlich eine künstlerisch ausgeführte Aufnahmeurkunde eines Mitgliedes vom Dezember 1846 erworben, unter welcher der damalige Vorstand des Gießener Turnvereins seine Namens- nntcrschcift abgegeben hat. Der Turnverein beabsichtigt diese alte Urkunde als Vorlage für eine neue herzustellende Mitglieds­karte zu benutzen.

(k.) Gonterskirchen, 24. Mai. In der mysteriösen Erkrankungsgeschichte ist von authentischer Seite die Ursache wie folgt sestgeftellt worden: Das Schweine­fleisch, welches bei der verhängnisvollen Hochzeit ge- gessett worden ist, war gleich nach dem Zerlegen noch warm in einem Korb aufeiitander gelegt worden. Hier­durch bildete sich Leichengift. So wurde das Fleisch, welches das Unheil angecichtet hat, zubereitet und gegessen. Bemerkenswert ist, daß diejenigen Leute», welche atsbald von der gefährlichen Krankheit befallen wurden, ziemlich gut davon kamen, während bei.solchen, die erst später heimgcsucht wurden, schlimmere Folgen zutage traten.

g. Bad-Nauheim, 24. Mai. Ungefähr 50 englische Parlamentsmitglieder und Bürgermeister beehr­ten heute unsere Badestadt mit ihrem Besuche. Um 9.31 trafen sie mit dem Schnellzug hier ein und wurden von dem Vor­stande der Badl direkcwn Baurat Dr. Eser, Kurdirektor v. Stark, Bürgermeister Dr. Kayser und einigen weiteren staatlichen Be­amten und Aerzten empfangen. Ter erste Besuch 'galt den neuen Anlagen auf dem Goldstein. Darauf besichtigten die Herren dir Sprudel, neuen Vadehstnser, Inhalatorium, Fern Heizkanal, die Verwaltungsgebäude mtd fuhren dann von hier mit voraus- bestellten Wagen nach dem Kurhaus. Hier konzertierte während des Aufenthaltes der englischen Herren die Kurkapelle. Dann fand im großen Speisefaal des Kurhauses ein Keiner Lunch statt. Punkt 12 Uhr fuhren die Wagen wieder vom Kurhaufe ab durch die Terrassensttaße, sodann durch die reich beflaggte Park- und Ludwigsstraße na^ch dem Bahnhofe, wo die Herren wieder ihre Reise svrtsetzten. Jedenfalls ist der befriedigende Eindruck, dem die Herren in ihrer Tankesrede Ausdruck gaben, eine wertvolle Reklame für unser Heilbad.

W. Bad Nauheim, 24. Mai. Bis zum 23. Mai sind 5891 Kurgäste angekommen, von denen an genanntem Tage noch 4320 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 23. Mai 48 348 abgegeben.

-sd. Darmstadt, 24. Mai. Das Großherzogliche Paar fuhr gestern mit der Schwester der Großherzogin, Prin­zessin Dorothea, welche hier zu Besuch weilte, nach Lich im Automobil. Die Herrschaften nahmen auf der Rückfahrt in Frankfurt am M. bei dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen den Tee und fuhren dann, durch das Gewitter zurück- gehalten, gegen 10 Uhr wieder mit dem Auto über Mör­felden nach Darmstadt zurück. Die deutsch frei sinnige Partei hat in ihrer gestrigen Vorstandssitzung beschlossen, zu Ehren des Pfarrers Kore 11 am 9. Junt d. Js. in König­stätten, dem Wohnorte Karells, eine große Heerschau in Form eines allgemeinen freisinnigen Vo 1 ksfestes abzu­halten.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der Gemeinderatswahl in M ü h l h e i m a. 3)1. wurden die Kandidaten der soz. Partei gewählt, sodaß nunmehr die Sozialdemokraten im Gerne: n berat zu Atühlheim die Al a j o r i t ä t besitzen. Von den 15 Mügliedern des Gemernderats gehören 12 der ioz ialdemotratischen Panei an