Mittwoch ÄO. November 100'S'
Rr- 273
Drittes Blatt
Eicheln! täglich mit Ausnahme des Sonnys.
157. Jahrgang
Die ..Metzener ZamtUendlatter" werden dem ,Hnactflcre viermal wöchentlich beigelegt, das „Xreirblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Der ..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen UnwersuätS - Buch- und Slelndruckereu R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und $) ruderet: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: bl.
Redaktion: 112. Tel.-Adr^ AnzeigerGreßen,
Gießener< zeiget
General-Anzeiger für Gderheffen
Urue Anruyen ui Kl-ma.
Nach der letzten militärischen Expedition der eu.ro- paischeir Mächte in China schien die fremdenfeindliche Bewegung gänzlich niedergeschlagen zu sein, wenngleich man von kleineren Unruhen hier und da gelegentlich hörte. Die Situation schien derartig günstig zu sein, daß die Okkupationstruppen von den Mächten zurückgezogen wurden, und auch wir haben nur noch ein Detachement in Stärke von rwei Bataillonen in Tientsin stehen, um für alle Eventualitäten, wenigstens für den ersten Augenblick, gewappnet zu sein; aus diesem Grunde befindet sich auch eine kleinere Mteilung in Peking zum Schutze der dortigen deutschen Gesandtschaft. Diese Entfernung größerer Truppenmassen scheint aber doch die Führer der sremdenfeindlichen Bewegung wieder ermutigt zu haben, denn seit einiger Zeit hört man abermals von derartigen Unruhen, die auch größeren Umfang zu gewinnen scheinen; insbesondere sind oie Provinzen Nanking und Tschinkiang davon betroffen. Daß die neuerliche Bewegung, von der genauere Einzelheiten bisher noch fehlen, einen ziemlich gefahrdrohenden Charakter angenommen haben muß, geht daraus hervor, daß die fremden Mächte ihr die größte Aufmerksamkeit widmen. Namentlich sind es die Vereinigten Staaten, die die Vorgänge sehr genau verfolgen und bereits Anweisung gegeben haben, daß vier Kanonenboote an der chinesischen Küste den Wachtdienst übernehmen; von offiziöser amerikanischer Seite wird erklärt, daß es sich hierbei um keine Flottendemonstration handle, sondern daß nur eine Kontrolle der Küste ausgeübt werden soll, gleichwohl aber wird der Besorgnis Ausdruck gegeben, daß Zwischenfälle nicht ausgeschlossen erscheinen. Nunmehr wird bekannt, daß die deutsche Reichsregierung erklärlicherweise auch chrerseits den Ereignissen nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern alle Maßnahmen vorsieht, die für den Fall ernsterer Verwicklungen erforderlich wären. Der Kreuzer „Leipzig" ist den Jangtse hinauf nach Nanking, gedampft und soll jetzt nach Tschinkiang weitergehen. Auch das Kanonenboot „Vaterland", das für den Dienst auf den chinesischen Flüssen eigens gebaut ist, befindet sich in jener Gegend. Allzuviel ist das freilich nicht, und es ist nicht ohne Interesse, daß der neue Marineetat u. a. auch den Bau eines weiteren Flußkanonenbootes zum Schutze unserer Handelsinteressen auf den chinesischen Strömen vorsieht.
Hoffentlich reichen die erwähnten Maßnahmen vorläufig aus, da man nur allseitig wünschen kann, daß oie Unruhen sich nicht weiter ausdehnen möchten, denn dann müßten weitere Maßregeln getroffen werden, insbesondere wäre es erforderlich, ein größeres Geschwader 'hinauszuschicken. Ebenso könnten möglicherweise die Besatzungstruppen von- Tientsin nicht ausreichen und Verstärkungen notwendig werden. Eine derartige Wendung wäre im höchsten Grade bedauerlich, da sie neue Verwicklungen in sich bergen könnte und die Westmächte schwerlich ruhig zusehen würden. Vorläufig allerdings müßte man sich damit begnügen, einen scharfen diplomatischen Druck in Peking auszuüben, damit die chinesische Regierung selber mit Energie daran geht, der Bewegung Herr zu werden. Sollte sie freilich zögern, und sollte Gut und Blut fremder Untertanen durch die Boxer wieder vergossen werden, dann wäre der Zeitpunkt zu einer Intervention gegeben. Hoffentlich bleibt eine derartige Wendung uns erspart, da sie für die weitere Entwicklung der Dinge in Ostasien leicht verhängnisvoll werden und auch eventuell in der Konstellation der europäischen Mächte nicht wünschenswerte Veränderungen Hervorrufen könnte.
Aus srudt UN- LasrH.
Gießen, 20. Nov. 1907.
Fürsorgestelle für Lungenkranke.
Auch hier in Gießen ist, wie man aus dem Inseratenteil ersieht, durch gemeinsames Wirken der städtischen Behörden lind der Direktion der medizinischen Klinik eine Fürsorgestelle für Lungenkranke eingerichtet. Die Fürsorgestelle beschäftigt sich nicht mit der ärztlichen Behandlung der Lungen- kranken, sondern sie stellt ausschließlich das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Lungenerkrankung fest und gibt je nach der Art der Erkrankung dem Kranken die geeigneten Ratschläge, ob er in eine Heilstätte oder in ein Krankenhaus sich aufnehmen lassen soll oder ob eine Behandlung in seiner Behausung unter Beibehaltung der Berufstätigkeit möglich ist. Weiter wird durch genaue Untersuchung der Angehörigen festgestellt, ob die tückische Krankheit schon im Kenne bei Frau und Kind vorhanden ist. Nur früh erkannt ist die Krankheit mit Erfolg zu bekämpfen. — Der zweite Teil der Tätigkeit der Fürsorgestelle, der für die Gesamtheit einer Familie, für die ganze Gemeinde von eminenter Wichtigkeit ist, betrifft dieVerhütung weiterer Ansteckung. Dem Kranken werden geeignete Verhaltungsmaßregeln, Schriften, Spuckfläschchen gegeben, es wird die Wohnungseinrichtung besprochen oder durch ärztliche Besichtigung die bestmögliche Einrichtung der Wohnung zur Verhütung weiterer Infektion zu erreichen gesucht. Enge Beziehungen zur Stadtarmenpflege und den betreffenden Vereinen ermöglichen es, Wohnungs- hygienische Fragen oder Fragen rationeller Ernährung, die ja mehr oder weniger pekuniäre Fragen sind, im Interesse armer Kranker durch Zumietung von Wohnräumen, Leihen von Betten oder Ueberweisung geeigneter Lebensmittel zu lösen. Die Fürsorgestellen bilden die wichtigste Ergänzung unseres modernen Heilstättenwesens. Es gilt nicht nur in gemeinsamer Arbeit den eingebrochenen Feind zu vertreiben, sondern Familie und Gemeinwesen vor seinem klebersall zu schützen.
** Gerichtspersonalien. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben den Aktuar bei dem Amtsgericht Wald- Michelbach Hch. Al aus zum Akluar bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim und den Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Mainz Joh. Schäfer zum Aktuar bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach ernannt — Ernannt wurde der Gerichtsschreibergehülse Aug. Menninger in Alzey zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Mainz.
** Die Gemälde-Ausstellung am Brand bleibt von heute (Mittwoch) an 4 Tagen geschlossen. Es findet ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt, und Kollektionen gelangen von Max Fleischer, Wilh. Doms- Berlin, Frz. Türcke-Charlottenburg (Aquarelle), Joses Hahn- München, F. Zencker-Antwerpen und M. Schulz-Franksurt zur Ausstellung.
s|c* „Humor und Freundschaft". In der Nacht vom Samstag auf Sonntag gerieten in Höchst a. M. Mitglieder des Vereins „Humor" mit solchen vom „Freundschaftsklub" in Streit. Der 18 Jahre alte Schlosser Paul Fuhr machte dabei von seinem Revolver Gebrauch, schoß ein Loch in die Natur und eins in das Fußgelenk des 17jährigen Kaspar Witzel, der von der Sanitätskolonne nach Hause gefahren werden mußte.
4- Beuern, 18. Nov. Am gestrigen Sonntag -weihte die Gemeinde Beuern ihr neuerbautes Schulhaus ein. Dao Wetter war so prächtig, wie es nur von einem Novembertage erwartet werden durste, und die Festversammlung, die sich zunächs. am alten Schulhause zusammen land, war durch eine große Zahl auswärtiger Gäste verstärkt. Nachdem um x/a3 Uhr die Vertreter der Behörden erschienen waren, sprach der erste Lehrer Musch herzi. Worte des Abschiedes von dem alten Hause, das so vielen Generationen gedient hat. und des Tankes gegen Gott, der m den alten Räume» mit der Schule gewesen sei und sie nun mit seinem Segen in die neue geleiten wolle. Ter Schülerchor nahm diesen Wunsch an mit dem Gesang: „Ach bleib mit Tenier Gnade". Hieraus begaben sich die 3 Klassen m ihrem fröhlichen Festschmuck, der Kirchen- gesangverein, die Vertreter der Behörden, die Ortsvorstände und die mitströmende Menge der Festteilnehmer aut den geräumigen schön hergerichteten Hoi der neuen Schule. Hier eröffnete, bei Kirchengesangverein mit dem Chor: Jehova! von Silcher die Feier, ivoraut der Ortsptarrer die Weihrede hielt, in der er betonte, wie das Ziel der Schule nicht nur das sei, Kenntnisse zu vermitteln, «andern Menschen zu bilden und zu erziehen, und aut den unersetzlichen Wert auch des Religions-Unterrichtes grade für diesen höchsten Zweck der Schule hinnnes. Nachdem daun der Schülerchor deii Psalm: „Singet dem Herrn ein neues Lied" nach Klein zum Vortrag gebracht hatte, übernahm zunächst Reg.-Banmeister Kalbfleisch, der als Vertreter des zu allgemeinem Bedauern am Erscheinen verhinderten Schöpfers des Baues, Baurats Tiehm, erschienen war, dem von der erstell Schülerin mit poetischen Worten dargereichten Schlüssel und übergab ihn an Kreisamtmann Lang ermann, der ihn wieder an Schulrat Kleinschmidt weitergab. Beide Herren brachten dabei in kurzen Ansprachen die Glückwünsche der durch sie vertretenen Behördeii für die Gemeinde Beuern zum Ansdrucl. Darauf ergriff Schulrat Kleinschmidt das Wort, führte aus, ein wie notwendiges und segensreiches Werk die Gemeinde mit diesen» Bau, der ihr immer zur Ehre gereichen werde, geschaffen habe und übergab den Schlüssel dem Stellvertreter unsres Burgermeis^is, der leider ebenfalls an diesem Tage nicht unter den Feiernden sein konnte, Beigeordneten Otto, der mit kurzem Segenswunsch die Thüi des neuen Hauses aufschloß. Der von den Schülern vorgetragene Ehor: „Lob sei Dir, mein Gott, gesungen" nach Gluck beendete diesen Teil der Feier. Ter ausgezeichnete Vortrag dieses wie bei andern Chöre wie aiich die Leistung des ebenfalls unter der Leitung des Lehrer Musch stehenden Kirchengesangvereins erntete wohlverdienten Beifall. Nun folgt die Besichtigung des Neubaues, der in zwei Stockwerke übereinander zwei wundervolle hohe, und Helle Schulhäuser und darüber eine überaus freundliche und geräumig. Lehrerwohnung enthält. Die in die Augen springende Zweckmäßigkeit und einfache vornehme Schönheit des Bauwerkes fügi sich dem ganzen Torfbild aufs Beste em und muß jedes Aug erfreuen. Nach der Besichtigung und nachdem die Schüler ihre Festbretzeln erhalten hatten, begaben sich die Vertreter der Behörden, die Ons vorstände unb Hanbwerksmeister auf Einladung der Gemeinde zu einem geselligen Beisammensein in das Gasthaus des Herrn K. L. Ranft, wo man bet vortrefflicher Bewirtung noch lange gemütlich beisammen blieb. Nach Eintritt der Duiikelhelt veranstalteten die Schüler auf eigener Hand einen kleinen Fackelzug, der großen Jubel erregte. Alt und Jung wirb sich bes Tages noch lange mit Freude erinnern.
= Bad Salzhausen, 17. Nov. Der Verkehrs- Verein beschloß in seiner gestern im Hotel Kronprinz abgehaltenen Generalversammlung, dem „Bund deutscher Verkehrsvereine" beizutreten. Vom 1. Dezember ab soll eine Reihe von Vorträgen in sämtlichen Gemeinden, in denen Ortsgruppen vorhanden sind, gehalten werden. — Die Versetzung des Herrn Rückert ist noch nicht beschlossene Sache und man hofft, daß er der hiesigen Tiefbohrung bis zum Schluß erhalten bleibt.
-L- Naunheim, 18. Nov. Unser Bürgermeister Kern wurde um seiner Verdienste *um die Sache des Flottenvereins zum Ehrenwart des deutschen Flottenvereins ernannt. — In diesen Tagen feierte der Kirchenälteste Kaspar Doktor III. das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das besagte Paar wurde mit Geschenken überhäuft und allseitig herzlich beglückwünscht.
Landau, 19. Nov. Der Weinproduzent Karl Seitz aus Roth wurde wegen Weinfälschung zu zwei Monaten Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe verurteilt.
Verinischte».
* Die organisierten Mädchen von Forst, einem Dorfe in Baden, haben eine Niederlage erlitten. Man schreibt der „Wtbg. Ztg.": Forster Mädchen waren mit den Forster Burschen in Streit geraten, und die jungen Herren hatten in mehreren Zeitungsinseraten öffentlich erklärt, daß sie diejenigen Mädchen, welche während des letzten Manövers mit den em- quartierten Soldaten „Umgang gehabt bezw. poussiert haben", in corpore mißachten und insbesondere auf der „Kirwe" nicht mit ihnen tanzen wollten. Daraufhin hatten sich die Forster Mädchen im Gefühl der Solidarität organisiert und eine geharnischte öffentliche Gegenerklärung abgegeben, wonach alle Mädchen, auch diejenigen, welche keinen Umgang mit den armen Soldaten gehabt haben, sich verpflichteten, mit keinem der Forster Burschen zu tanzen. Um in jeder Hinsicht gesichert zu sein, hatten sie die Soldaten des seinerzeit einquartierten Regiments (Konstanz) zur Forster Kirwe eingeladen unb nach ihrer siegesbewußten Geaen- erflärung bereits „mehr als nötig" Zusagen erhalten. Ganz Baden und die benachbarten Lande, die Pfalz und Württemberg, waren demnach auf den Ausgang der Kirwe gespannt. Der Tag
der Kirwe ist nun vorüber. In Scharen waren die Bewohner und Bewohnerinnen Bruchsals und anderer Nachbarorte nach Forst geströmt, um die Forster Burschen und ihre organisierten siegesbewußten Mädchen kennen zu lernen. Der Tag sollte mit einer 9tieterläge der Mädchen endigen. Denn es waren doch nicht genügend Soldaten gekommen, und die Forster Burschen, welche Wort hielten, hatten genügend andere „Nichtorganisierte" Mädchen zum Tanz; die Folge war, daß viele der „Drgan liierten" meistens sitzen blieben.
* Einen gelungenen Studentenulk leistete sich während seines Stiftungsfestes das Korps „Athesia" in Innsbruck. Bei einer Juxausfahrt nad) Hall waren Pferde und Wagen mit vielfarbigen Kinderlustballons geschmückt. In Hall wurden sämtliche Ballons zusammengeknüpst unb daran eine ans Korps adressierte Ansichtskarte befestigt, auf der an den etfoaigen Finder die Bitte gerichtet war, die Karte aufzugeben, und als Belohnung dafür einer Einladung zu einem fröhlichen Suff in Innsbruck Folge zu leisten. Zum fröhlichen Erstaunen aller fand sich nun nach drei Tagen diese Karte unter dem Einlaufe des Korps mit folgender Notiz vor: „Sonntag früh, halb 9 Uhr, wurden Ballon gefunden auf dem Kornfeld Deinhofen, Post Moosach bei Grafing, Oberbayern. Ick) erfreue miet) sehr auf den Suff, erwarthe antwort. Mitt Freundlichen Gruß, I. Strohmeier, Knecht." Das Korps gedenkt, seine Einladung zu verwirklichen und wird trachten, den Aufenthalt oes ehrlichen Finders in Innsbruck recht angenehm zu machen.
* Druckfehlerteufel. Verwandten, Freunden und lüe- kannten die erfreuliche Nachricht, daß mich meine liebe Frau heute zum fünften Male mit einem kräftigen, gesunden Jungen erfreut hat. Alexander Müller, Schreimaschinenfabrikant.
* Die Gelehrtenhandschrift. Fräulein Berta (mit einem Gelehrten verlobt): „Ach, so ein Liebesbrief von meinem Doktor ist wirklich reizend! Da hat man immer stundenlang oran zu lesen."
* Was ein kleiner Prinz an richten rann. Am 9. November kam es — so erzählt man der „T. R.", in der Berliner Königl. Universität zu folgendem drolligen Auftritt:
Der Professor T. führte seine Zuhörer gerade in den tiefsten zTbgrünben philosophischer Spekulation spazieren, oder er schaute gewissermaßen nur noch mit dem Kopfe aus dem Gischt der ihn umbrandenden Objekte, Subjekte und anderer philosophischer Jir- gredienzien hervor, als plötzlich höchst reales fröhlick>es Trom- ^etengeschmetter von der Straße herauftönte.
dca nu denk' ick) — es ist eigentlich noch etwas früh für die Wache.
Tra . . Trraa . . . Trrraaa.....
Der Herr Professor taucht auf. Etwas ärgerlich: „Ich werde, ein wenig warten. Die Musik ist jetzt von einer Häufigkeit ..."
Das bekannte Lachen im Auditorium.
Der Professor: „Hanslick nennt sie die aufdringlichste Kunst, er hat nicht unrecht . . ."
Zustimmendes Lachen. ,
Der Herr Professor taucht mit einem kühnen Kopfspmnge wieder unter.
— Bum — bumm — bummm usw. in infinitum.
Mir dämmert's. Ein Prinz ober ein Prinzeßchen ist ge-, öoren, und bie Garde-Artillerie schießt Salut. Erleichtert flüsterte ich meinem Nachbar meine Erleuchtung zu.
Ter Professor aber steigt empört wieder empor unb klettert ans Gestade. „Es ist wirklich ichlimm, baß man bei Dingen, die bie höchste Konzentration erfordern, in dieser unqualifizier- baren Art--"
Bum. Bum. Bum. ,
Die Zuhörerschaft trampelt und scharrt, teils dieserhalb^ teils außerbem. Mein Vergnügen wächst.
„Soll ich aufhören?"
Frenetische Zustimmung einerseits. Abmahnendes Schweigen^ anderseits.
„Ich werde also versuchen, fortzufahren." Recht böse verschwindet der Herr Professor wieder. Er hatte wirklich, vor Lauter Gelahrtheit, von dem Prinzen und der großen Komik immer noch nichts gemerkt.
Moral: Die Prinzen werden von jetzt ab vor 7 Uhr morgens und nach 8 Uhr abends geboren, denn was dem einen Professor recht ist, ist dem andern billig. Oder: Es wird in Berlin, solange es noch Universitätsstadt ist, nicht mehr Salut geschossen.
*Eine eigentümliche Ansicht von der Ehe verriet ein Maurer aus Oberfell (Kreis St. Goar) vor dem Bonner Sdwfsengericht. Er war mit noch zwei Kollegen unter Anklage gestellt, weil sie am 20. Oktober vorigen Jahres einen Tag-- Löhner aus Kessenich gemeinschaftlich mißhandelt haben sollten unb ztvar im Eisenbahnzuge auf der Fahrt von Bonn nach Köln. Als ber Lorsitzenbe den ersten Angeklagten fragte, ob er vorbestraft sei, meinte dieser: „Ja, ich bin verheiratet!"
* Ein überraschendes Ergebnis hatte ein Bauer aus Holt, ber auf feinem Felde ein Plakat angebracht hatte, das bie Aufschrift trug: „Hier kann Kappus (Kohl) geholt werden." Natürlich meinte er gegen Bezahlung, hatte aber vergessen, dies anzugeben. Das Plakat wurde nur zu wörtlich befolgt, denn als später der glückliche Besitzer zu seinem Kappusfelde kam, fand er auch nicht einen Kopf mehr vor.
* Aus den „Fliege nden Blättern". Moderner Schluß für ein Märchen.....Da gab der König dem Prinzen
zur Belohnung die Prinzessin, unb bie Hochzeit wurde im Königsschlosse mit großer Pracht unb Herrlichkeit gefeiert. Unb wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute — wahrscheinlich aber getrennt
Neues Wort. Studiosus Spund (als er bemerkt, daß | fein Freund ein Glas Wasser trinkt): „Wer Süffel, seit wann bist du denn A q u a demiker?"
Liebeserklärung. „Herr Rat, ich bin wahnsinnig verliebt ! Ohne eine Ihrer Töchter kann ich nicht leben!"
* Aus der „Ingend". Persische Kunstfragen. „Der Schah hat also auch in diesem Jahre wieder keinem Dichter den Hafispreis verliehen." — „Ob er wohl den Preis bekäme, wenn die Dichter einen Königspreis zu verleihen hätten?"
«Sessi® v. Mk. i.35 »b
D2/u> — Zollfrei! — Muster an jedermann! —
Seidenfabrikt. Henneberff, Zürich.
Nur echt
Marke auf der Sohle.
iracx'.-'.njniiim»
Häuft nur


