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1.57. Jahrgang
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:^A112. Tel.-AdruAnzeigerGreßen.
Die „ttefotner ZamiNenblätter" werden dem .Anzeige^ viermal wöchentlich beigelegt, das fflx dea Kreis zweimal WScherrtÜch. Der „Yesstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
yr. 3*55 Zweites Blatt
Erscheint mti Ausnahme des Sonn^gS.
MitiwoH 25. September Il)07
ja AxA Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Untversitäts - Buch- und Steindruckerei.
H R. Lange, Gießen.
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zweitausend
daß das Loten des Nordteils des Rilaksjords in den Jahren 1904, 1905 und 1906 ausgesührt worden sei, jedoch sei der Felsen, worauf der „Standard" aufgelaufen sei, augenscheinlich infolge seiner unbedeutenden Größe unentdeckt ~1'-
„Ständer d" im einz-elnen dargelegt. Infolge mehrerer in der Presse erschienener Gerüchte wird amtlich ausgeführt.
versammelt g c w e s e n e n
blieben. Die Maschinen und die meisten Kessel seien unbeschädigt und die Pacht sei imstande, in den nächsten Tagen selbständig nach Kronstadt zu gehen, wo sie ins Dock gebracht wird. — Am 21. und 22. Sept, nahm der Kaiser mit seinen Töchtern an einem Gottesdienst an Bord der Pacht „Standard" teil und nahm darauf mit dem Kommandanten und den Offizieren im Speisesalon des „Standard" das Frühstück ein. ______
OoUtksche Cagesseharr.
Gegen die Verunstaltung von landschaftlich hervorragenden Ortschaften.
Zur Durchführung des Gesetzes gegen die Ver - unstaltuug von Ortschaften und landschaftlich her- '-orragender Gegenden sind, wie die „B. N. N." 'hören, die vtegierungspräsioenten angewiesen worden, für diejenigen Ortschaften, in denen dies angezeigt erscheint, Orts- statute im Sinne des Gesetzes zu erlassen. Ferner ift von den beteiligten Ministerien des Innern, der öffentlichen Arbeiten und der geistlichen Angelegenheiten eine sehr eingehende Anweisung zur Ausführung des Gesetzes ergangen. Danach soll im allgemeinen jede Schaffung eines positiv häßlichen Zustandes, der geeignet ist, ein für ästhetische Gestaltung ofsencs Auge zu verletzen, als grobe Verunstaltung anzusehen sein. Zur Ausführung' des orts- ftatuariscyen Verbots ist die Ortspolizeibehörde verpflichtet; die Entscheidung steht also nicht mehr in ihrem freien Ermessen.
Tanga, 24. Sept. Gestern abend um 9 Uhr traf der Gouvernementsdampfer „Kaiser Wilhelm II.", von Mombosa kommend, mit der Expedition Dernburg hier ein. Heute vormittag reist die Expedition nach Muhesa, um Plantagen in Augenschein zu nehmen. Daran schließt sich eine achttägige Tour durch Usambara. Am Schlüsse der Reise werden die Pflanzer Gelegenheit haben, in Tanga Exzellenz Dernburg ihre Wünsche vorzutragen.
Polnisches.
Mörs, 24. Sept. Der polnische Bansomiumklub hielt in Hochstraß bei Mörs in einem Gasthaussaale eine Versammlung ab. Von der Polizei aufgefordert, den Saal zu räumen, verließ der größte Teil der Anwesenden das Lokal, nur etwa acht Mann widersetzten sich der Aufforderung. Einer von diesen zog in der Erregung einen Revolver und schoß. Das war das Signal zu einer allgemeinen Schießerei und Schlägerei. Die Polen stürzten auf die Schutzleute, von denen einer durch drei Hiebe über den Kopf und ein anderer durch einen Messerstich in den Rücken, der die Lunge traf, schwer verletzt wurden. Die beiden Schutzleute feuerten aus ihren Revolvern mehrere Schüsse auf die Menge. Zwei polnische Arbeiter wurden getötet und 14 Personen zum Teil sehr schwer verwundet. Nach der Schlägerei wurden über 40 ausgeschossene Revolverpatronen gefunden. Infolge dieser Ausschreitung ist die Abhaltung einer polnischen Festlichkeit in Hochemmerich von der Polizei untersagt worden.
Die Havarie der russischen Kaiserhacht Standard.
Petersburg, 24. Sept. In den amtlichen Depeschen wird die Beschreibung der Havarie der Kaiscryacht
Die Schandsanle in Memel.
Die „Königsb. Volksztg." ist ein Blatt, das seine Ehre darin sucht, mit der „Leipz. Volksztg." im Sauherdentone konkurrieren zu könne::. Jetzt aber hat sie das Leipziger Schimpfblatt weit hinter sich gelassen, indem sie das Memeler Nationaldenkmal „d i e S ch a n d s ä u l e i n M e m e l" nennt. Voller Entrüstung schreibt die freisinnige „Hartungsche Ztg." in Königsberg: „Die Terminologie des Blattes in diesem Schmähartikel niedrigster Gattung ist nicht mehr auf den Sauherdenton gestimmt, sondern direkt aus der Gosse geschöpft. Wie einen Schlag ins Gesicht muß eS ein jeder, welcher Parteirichtung er auch angchören mag, vielleicht selbst bis in die sozialdemokratischen Reihen hinein, empfinden, wenn die „Königsb. Volksztg." es wagen darf, in einem Artikel, der nach materialistischen Geschichtsklitterungsrezepten mit der ausgesprochenen Tendenz, die Nationalfeier in Memel zu verunglimpfen, gearbeitet ist, die Persönlichkeit der Königin Luise herabzuzerren und dieses Elaborat mit der nichtswürdigen Ueoerschrift -„Tie Schandsäule in Memel" zu versehen. Auf weitere Proben sozialdemokratischer Wissenschaft verzichten wir. Es genügt uns, die „Königsb. Volksztg." und ihre Sippe vor "dem Lande an den Pranger der „Memeler Schandsäule" zu stellen. Es wäre eine Beleidigung der deutschen Arbeiterschaft, sollte man ihr an dieser sozialdemokratischen Nobeit teilgeben. Die „Mentehr Schandsäule", des dürfen die Herren Genossen gewiß sein, soll ihnen in unserer Stadt und Provinz nicht vergessen w e r den."
Belgien und der Kon gestarrt.
Brüssel, 2-r. Sept. Die parlamwltarische Kongokom- Mission beriet heute über die Abänderungs-Vorschläge der belgischen Regierung zum Ent-- Wurf des Kolonialgesetzes. Die Kommission beschloß, bei der Llongoregierung anzufragen, welche Tragweite der Erlaß des KönrgS-^Souverains vom 20. Juli, durch den er einen Teil des Kongostaates als Krongut zurück- stellt, für den belgischen Staat habe. Die Kommission ist der Ansicht, daß Vie gesetzgeberische Gewalt dem König lediglich übertragen werden solle, das Parlament solle dann immer noch Gesetze schaffen können, die von den Staatsgrundsätzen abweichen. Die Worte „Die juristische'
Die Lage in Marokko.
Paris, 24. Sept. Man hat hier Grund, anzunehmen, daß die bis zum Schluß der vorige:: Woche in Marrakesch
Mann nicht überstiegen, daß M u l a y H a f i d aber auf den Anschluß aller Stämme rechnete, die der Aufforderung Drudes, sich zu unterwerfen, Trotz boten. Drude steht gegenwärtig vor dem Problem, mit Hilfe der drei Stämme, die ihre Unterstützung zugesagt haben, den wichtigen Knotenpunkt Berreschid, 40 Kilometer von Casablanca, zu besetzen, bevor Mulay MafidS Anhang sich dieser Operationsbasis bemächtigt, oder abzuwarten, ob die scherifische Malhalla den Gegensultan zu bekämpfen ausgesandt wird. — Ein hier verbreitetes Gerücht, der Fesselballon Drudes sei, nachdem das Seil gerissen, in das Kabylenlager geflogen, ift durchaus unbestätigt.
London, 24. Sept. Ueüer Tanger wird aus Altäzar Kebir gemeldet, daß der Stamm der Venihassen dem Sultan Abdul Aziz 400 000 Dollars gezahlt und ihm 400 Maultiere geschenkt hat. Der Stamm hatte dem Macbsen viele Jahre hindurch keine Steuern entrichtet. Abdul AziK ist heute morgen in Rabat eilt getroffen.
Tanger, 21. Sept. Mac Lean berichtet in einem hier ein getroffenen Briefe, daß er sich bei g n t e r G e s u u b* heit befinde. Er ersucht um Proviant und Zelte, die ihm! gestern sofort übermittelt wurden.
Tanger, 24. Sept. (Havas.) Tazi, der Bruder des Finanzministers, ist heute früh nach Gibraltar abgereist, von wo er sich nach Paris begeben wird, um dort finanzielle Unterhandlungen zu führen. Zugleich mit ihm sind der Delegierte der Gläubiger der marokkanischen Anleihe sowie der französische Geschäftsträger mit Urlaub ab gereist., -
Paris, 25. Sept. Die „Werts" verbreitet eine aus! London übermittelte Lassan-Meldung, wonach die Fran-- zosen vor Casablanca eine ernste Schlappe erlitten haben sollen. Auf dem Auswärtigen Amt wird diese Meldung als pure Erfindung bezeichnet.
Deutsche» Ueich.
Berlin, 24. Sept. Fürst Bülow, der sich recht wohl befindet, gedenkt, wie die „Voss. Ztg." hört, an- sangs Oktober wieder in Berlin einzutrcffen.
— Me die„Voss.. Ztg." hört, werden die Beschwerden der Deutschen in Lodz, die dem deutschen Generalkonsulate in Warschau zum Vorwurf machen, daß es 'anläßlich der Unruhen in Lodz der russischen Regierung gegenüber nicht genügend den deutschen Standpunkt ge- -wahrt habe, geprüft und sind der Konsularbehörde zur Aeuhcrung zugegangen. Die Einrichtung eines deutschen Konsulatesin Lodz wird erwogen. Möglicherweise wird in den nächsten Etat eine entsprechende Forderung eutgestellt werden.
'Marnau, 24. Sept., nachmittags 4 Uhr. (W. B.) Der Krästezustand des Großherzogs scheint sich im Laufe des heutigen Tages etwas zu heben.
Dr. Fleiner. Dr. Dreßler.
Konstanz, 24. Sept. Die Konstanzer Jungliberalen beschlossen in ihrer gestrigen Versammlung, dem Reichsverband der nationalliberalen Ju- -gend nicht beizutreten.
Abänderung des amtsgerichtlichen Verfahrens.
Aus sicherer Quelle erfährt die „Kölnische Ztg." aus Berlin, daß die Vorlage über die Abänderung deS amtsgerichtlichen Verfahrens voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Oktober veröffentlicht und gleichzeitig an den Bundesrat gelangen wird. Von der Reform der Strasprozeßordnung wird angenommen, daß sie im Februar 1908 dem Bundesrat vorgelegt und gleichzeitig zur Veröffentlichung zur allgemeinen Diskussion gestellt wird. Wenn nicht besondere Hindernisse eintreten, wird die Vorlage über das amtHgerichtliche Verfahren dem Reichstage im Januar 1908 zugehen können, während bei der Reform der Strafprozeßordnung noch mit längeren vorbereitenden Verhandlungen zu rechnen ist, die einer Vorlage noch in dieser Reichstagssession hindernd im Wege stehen.
2Cieenc» Feuilleton.
— Der achte internationale Kunsthistorikertag ist, wie man uns aus Darmstadt schreibt, dort am 24. d. Mts. in Gegenwart von ca. 100 Teilnehmern, darunter
Rat Bode, Berlin, Geh. Hofrat Prof. T h o d e, Heidelberg, lßrof. v. P e tz o l d , Nürnberg, Prof. v. S e y d l i tz, Dresden u. a. nöffnet worden. Die Verhandlungen wurden von Prof. Strzy- 6 o w s k i, Prag, und Professor Dr. Kautsch, Darmstadt, geleitet and Graf Adalbert zu Erbach-Für st enau zum Ehrenvor- iitzeriden ernannt. Die Versammlung ehrte das Andenken des verstorbenen Prälaten Dr. Schneider,Mainz, durch Erheben von den Sitzen. Die Verhandlungen waren streng fachwissenschaftlicher und obendrein vertraulicher Natur. Nur das sei daraus lxrvorgehoben, daß Geh. Rat Bode einm längeren Vortrag hielt, in welchem er besonders über die Vorbereitungen berichtete, welche bis jetzt zur Begründung einer deutschen kunstwissenschaftlichen Gesellschaft getroffen worden sind. Diese Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß in Mrze zu einer Konstituierung der Gesellschaft geschritten werden kann, deren Haupttütigkeir auf die Schaffung eines großen deutscher:, umfassenden Kunstwerks nach dem Beispiel der Monumenta Ger- Müniae hiswria gerichtet sein soll. Später erstattete Professor Dehio, Straßburg, ein Rcserat über die Schaffung von kunst- visscnschaftlichen Jahresberichten. Am Nachmittag erfolgte eine Besichtigung des neuen Landesmuseums, am Abend sprach Prof, st aut sch über „Beiträge zur Geschichte der mittelrheinischen Malerei".
— Kölner Kunstausstellung. Aus Köln wird geschrieben: Zur Prämiierung hervorragender Leistungen auf der Ausstellung hatte die Stadt Köln der Aktiengesellschaft Flora jwei goldme und fünf silberne Medaillen sowie 10 000 Mk. für Geldpreise gestiftet. Durch einen gewählten Ausschuß,, dem u. a. der soeben verstorbene Hofrat Prof. Aldenhoven, Prof. Dr. von Falke, Oberbaurat Prof. Halmhuber, Kommerzienrat Dr. Rich. Schnitzler und Prof. Olbrich augehörten, ist nun die Verteilung erfolgt. Je eine goldene Medaille erhielten Architekt Ludwig Paffendorf, Köln, und Maler A. Deusser, Monheim, je eine silberne Medaille Bildhauer Georg Grasegger, Köln, Photograph Jakob Hilsdorf, Bingen, Prof. Alfred Mohrbutter, Ehar- lottenburg, Bildhauer Alexander Oppler, Paris, und Möbelfabrikant Ludw. Sch ä fer, Main z. Je Geldpreise von 500 Mk. erhielten u. a. Fräulein Berta Appel, Darmstadt, Prof. A. Faure, Stuttgart, Prof. Adalbert Niemeyer, München, Prof.. Ernst Riegel, Darmstadt und Architekt P. L. Troost, München.
— Die Dorf-Linde. Land-rat BüchtiNg^in Limburg erließ soeben folgende Bekanntmachung an die Bürgermeister des Kreises Lrmburg, die auch bei uns in Oberhessen beachtet werden möge: „Der schöne alte Brauch, in den Dörfern auf den offent- Ücheu Plätzen Lindenbäume anzupflanzen, ist neuerdings leider vülsach in. Vergessenheit geraten. Nur hier und da findet man noch einmal eine „Dorflinde", mächtige, oft mehrhundcrtjährige Baumriesen. Nachgepflanzte jüngere Linden trifft man aber selten am Praktisch als Schattenüxmder auf freie»; Plätzen und bei
Brunnen ziert die Linde gleichzeitig wie sonst selten ein anderer Baum jeden Platz und verschönert das Dvrfoild. Ich empfehle daher jeder Dorfgemeüü>e, welcher ein passender Platz zur Verfügung steht, wieder „Dorfliiwen" anzupflanzer: und zu pflegen. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit, Wioerstandsfähigkeit und besonderen Schönheit eignet sich in erster. Linie die Krimlinde zur Anpflanzung. • Im Jiueresse des Anlo-achfeus wähle man nicht zu starke, sondern jüngere Bäume, ßereile den Boden gut vor und schlage vor der Anpflanzmig einen kräftigen, richtig zugerichteten Pfahl in die Baumgrube. Den Bezug sortenechter guter Lindenbäume will ich gern vermitteln, wemi mir bezügliche Bestellungen bis zum Monatsschluß eingesandt werden. Die Kosten einer gut entwickelten Linde wrvüen sich auf etwa 2 bis 2.30 Mark stellen."
— Berlin, 23. Sept. Heute abend fand im Rathaus ein festlicher Empfang der Delegierten und Mitglieder des Hygiene-Kongresses unter der Teilnahme des Staatssekretärs des Innern v. Bethmann-Hollweg, mehrerer Minister uiü) zahlreicher Ehrengäste statt. Nach der Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Kirschner brachte der Prinz zu ^chönaich- Carolath ein L>och auf die Stadt Berlin aus. Aus die Munizipalität Berlins toastete der Generalstabsarzt der französischen Armee Viry, worauf der österreich-ungarische Generalstabsarzt, Ritter von Uuriel, auf Deutschland und Berlin ein Hoch ausorachte. Ihm schlossen sich mit Trinksprüchen der italienische Generaloberstabsarzt Skorza und der Direkwr des Russischen Statistisck-en Amts, Timoiww, an.
— Ein amerikanischer Universitätsrektor. In einer großen Newyorker Gesellschaft wird ein reicher Mann auf einen untersetzten, sehr beweglichen, augenscheinlich äußerst unterhaltsamen Herrn aufmerksam. Er fragt einen Bekannten, wer das wohl sei. „Was, den kennen Sie noch nicht? Das ist ja Präsident Harper von der Universität Chicago." Der andere antwortet keine Silbe, aber er geht zu seiner Gattin und spricht: „Frau, da sind 10 Cents für die Trambahn zum nach Hause fahren; verwahre sie gut, der Präsident Harper ist da." Der Mann, von dem diese Anekdote erzählt wird, William Rainet) Harper, war eine der interessantesten Persönlichkeiten im amerik. Universitätsleben, und die Geschichte beleuchtet in schlagender Weise die unwiderstehliche Liebenswürdigkeit, mit der er die Millwnäre Amerikas zu großen Geldopfern für, die von ihm ganz neu geschaffene und umgestalte:' Universität zu bewegen wußte. Kein noch so fest geschlossener Geldbeutel konnte ungeöffnet bleiben bei der hinreißenden Beredtsamkeit, mit der der joviale Herr die notwendigen Erfordernisse für sein Institut auseinandersetzte, aber wer ihm eine Geldsumme übergab, der wußte auch, daß sie in der segensreichsten und nutzbringendsten Form verwendet werden würde. Der Präsident einer großen amerikanischen Universität hat ja einen viel veranttvortlicheren und vielseitigeren Posten als etwa der Leiter einer deutschen Hochschule. Er ist, wie Professor Karl Budde in einem von persönlichen Erinnerungen an Harper belebten Aufsatz der von Professor Hinneberg herausgegebenen Internationalen Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik meint, Rektor, Kurator und Diinisterialdezernent in einer Person, ja, er ist noch ntehv «als das, er ist die Seele der Lanzen Anstalt, der, für ihr .materielles und ideelles Fsrt-
kommen zu sorgen hat. Es ist ein Segen für das Hochschulleben der Vereinigten Staaten, daß unter ihren Gelehrten immer wieder solche Männer der Tat erstehen, die unter den Millionären die Mittel zu gewaltigen Neuschöpfungen aufbringen, ein bewunderns^ wertes Organisationstalent entfalten und aus den Universitäten ganz kleine Staaten, tief in das Leben eingreifende und auf weite Volksschichten wirkende Institute schaffen. Unter diesen kraftvollen Gestalten war Harper der energischste, in seiner Sieges^ gewißheit und Unverwüstlichkeit der imponierendste. Eine kühle, kurz entschlossene Geschäftlichkeit, die das Engagement eines Professors äußerlich nicht anders behandelte als etwa den Kauf eines Ballens Baumwolle, verband er mit vollster Schätzung der Persönlichkeit und dem idealsten wissenschaftlichen Streben. Bei all seinen wichtigen Verwaltungsarbeiten, bei seinem Wirken an der Nutzbarmachung der Hochschulen auch für weitere Volkskreise gewann er doch noch Zeit, sein Amt als Professor der alltesta^ mentlichen Exegese auszufüllen und seine große Lebensarbeit, den musterhaften Kommentar zu den Propheten Amos und Hosea, zu vollenden., Mit seinen gelehrten .Forschungen aber vereinigte er auf die eigenartigste Weise den sicheren praktischen Blick. Seine wirksam inszenierten Universitütsfeierlichkeiten, bei denen dis Redech und Preisverteilungen eine leichte Operettenmusik begleitete, kamen dem naiven Verlangen des amerikanischen Publikums nach äußerem Gepränge entgegen. Mit kräftigen Knalleffekten wußte er auf die Millionäre wie auf die Pdafsen zu nnrken. Ein prächtiges Beispiel, das den Mann charakterisiert, bietet etwa der Schluß eines der jährlichen Geschäftsberichte, in denen er die Lage der Universität seinen Hörern vorführte. „Am 1. Januar 1899", so setzte er auseinander, „haben wir laut eingegangener Verpflichtung an Herrn John D. Rockefeller die Summe von einer Million Dollar zurückzuzahlen, die er uns zinslos vorgestreckL hat. Nun ist Herr Rockefeller ja gewiß ein guter Mann; aber Sie alle wissen auch, daß er in Geldsachen keinen Spaß versteht. Herr Goodspeed (der Kassierer) und ich werden uns also wohl oder übel aufmachen müssen, um binnen drei Monate die Summe zusammenzubringen, von der bis heute noch kein Cent vorhanden ist. Ich kann Sie versichern, datz es kein Vergnügew ist, ganze Wochen lang von Tür zu Tür zu ziehen und mit 50 und 100 Dollar eine Million zusammenzubetteln. Aber da hilft nichts, da sein muß das Geld zu Neujahr, und umsomehr muß es das, weil wir von Herrn Rockefeller noch 3^2 Millionen brauchen!" Diese Offenherzigkeit entfesselte natürlich einen Sturm von Heiterkeit.
— Kleine Kunst chronik. In Wetzlar veranstaltet zurzeit der Maler Theodor Ohlsen aus Wiesbaden eine Ausstellung seiner Studien und Bilder in Oel, lvorunter sich Motivs von seinen Reisen in Italien, Marokko, Korsika und Deutschland^ befinden, sowie sein Werk „Durch Südamerika", figürlich, landschaftlich und architektonisch. Der Ertrag der Ausstellung ist für die Errichtung des Wetzlarer Goethedenkmals bestimmt. — In Köln ist Professor Aldenhoven, Direktor des Wallraf- Richartz-Museums, gestorben. — In Magdeburg wurde ein Denkmal des berühmten Physikers Otto von Guericke enthüll^


