Samstag, 14. Dezember 1907
157. Jahraang
Nr. 294
Erschein? slWch mH tluVnatynt de- Sonntag-.
General-Anzeiger für Oberhesse
iwrcwwniri
1 Uhr
7.
.cheünhausen.
11. (sind Zinunermcnm,
mit Anna Maria Rolhmaun tn Al-.cy.
Tezember. 7. Otto Aeujch, iöahnarbetter, mit Johanna Hoi-
Deutscher Reichstag
73. Sitzung, Freitag, 13. Dezember.
Am Tische des Buirdcörats: Delbrück.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 15 Minuten.
Tie Börsenreform.
(Zweiter Tag.)
Die ..flHfßcnet fiamtlknblSttcr* werden dem ^Anzeiger' otennal wöchentlich beigelegt, da- „KretsNott für Öen Kreis Stehen" zweimal vöcheuUich. Der „kjefssiche Landwirt" erjcheutt monathd) einmal.
RotaHonßdrnck tn*b Verlag her SrühNcheu Lüimerfuot® • D ich» unb ®ttinOcudci€U UL Lange. Gietzea.
R-daktton. Trveditton anb Druckerei r Sebul* ftratie ?. Lrpedttton und «erlag r bl. Redakrwn: 113. TeL-Adr^ An-etgerGreßen.
-mnacn gewonnen als kürzere, 1L......—- .......- -
Mßt auf die früheren Erfahrungen, naturgemäß einen
Nach Erledigung von Nechnungsjachrn wird die erste Losung LeS Borjengcsetzes fortgesetzt.
Abg. SinLer (Soz.): Mit diesem Entwurf gibt die Regie- ttmg den einseitig-agrarischen Charakter des Gesetzes von 1896 zu. Aber auch dies hier ist halbe Arbeit; genau so wie bei der Spring Prozession; einen Schritt nach links und zwei nach rechts. (Heiterkeit.) Staunenswert ist die « c l b st b e h e r r s ch - ung der Liberalen, genau so wie beim DereinSgesetz. Wir haben an der Börfinreform kein persönliches Jrtteresse. Wir fordern im Interesse der Volkswirtschaft die Zulassung des Termm- handels in Getreide- und Mühlenfabcikatcu. Da ist er notwendiger als bei den Effekten.
Tie Börse darf kein Obfitt der Agrarier werden. Tie breiten Massen der Bevölkerung'werden sonst geschädigt. Die Bevorzugung der Landwirtschaft geht durch die Vorlage ein r o t e r F a d e n. Die Einschränkung des Kreises der an der Börse zugelassenen ist richtig; der Portier gehört nicht an die Börse. Aber die „moralische Erziehung" wird durch Hintertüren illusorisch gemacht. Ein Kaufmann, der übernommene Verpflichtungen nicht erfüllt, gilt mit Recht in den Kreisen seiner VerufSgenossen als Schuft nnd Lump. Wenn man jetzt für einen gewissen Kreis von Leuten das Getreidetermingeschäft wieder zuläßt, wie darf da die Ginrcide deS Bürgerlichen Gesetzbuchs mi5 Spiel und 25ttte bestehen bleiben! Dadurch wird ja der ganze vorhergehende Inhalt des Paragraphen wieder aufgehoben. Auch wieder so ein Beispiel für die Logik Ihrer GesetzesmachereiI Wir verkennen nicht, daß bi< Vorlage eine Verbesserung bringt, aber so können wir sie nlchtannehmen. Wirmachennnsere Stellung von dem Ergebnis der Kom m i ssionSverhand« lang abhängig. Wir bedauern, daß Graf Kanitz seine Ausführungen nicht hat beenden können und wünschen seine baldig Wiederherstellung. Wir sind neugierig, wie die Konservativen sich jetzt zu der Vorlage stellen. (Abg. Kreth (kons.) ruft: Nur etwas Geduld!) Unsere Stellung ist durch unser Programm gegeben.
Abg.Dr. Böhme (wirtsch. Vgg.): Auch wir machen unsereStellung von dem Ergebnis der Kommissionsberatung abhängig, aber aus gerade entgegengesetzten Gründen wie die Sozialdemokraten. , Der Redner wendet uch gegen die AusführungenDr.Semlers, die mit der früheren Stellungnahme der Nationalliberalen in scharfem Gegensatz ständen. Dr. S c m l e r stehe in allen wichtigen Punkten mit seinen Fraktionsgenosien in Widerspruch. (Widerspruch.) ~ Wenn Graf Oriola und Dr. P a a s ch e nicht die alten Grundsätze der Nationalliberalen wieder präzisieren, dann werden wir in~ ihre Wahlkreise geben und die Wähler aufklären mässen. (Gelächter links.) Der Redner zahlt eine Reihe für die wirtschaftliche Vereinigung unannehmbarer Bestimmungen beS Entwurfs auf: die Scheidung des Kreises der zugelasienen Personen; sonst kann man eine Definition de? Begriffs Handwerker nicht finden, mib hier wird der Handwerker im Gesetz genannt. Ferner die Art fctt Bestellung der Sicherheiten; sogar telegraphisch! Auch, bei Kassa- gesääften ist die Bestellung von Sicherheiten erforderlich, denn da wird am meisten spekuliert. Die wirtschaftliche Vereinigung lehnt vor allem auch den Terminhandel in Jndustrwpapieren ab; dafür wird sie nie zu haben sein. Die Stellung der Konservativen, die dafür sind, erinnert an den Vers vom heiligen Florian. Sollte sich wirklich Graf Kanitz jetzt anders äußern als 1904 t Selbst Herr Basiermann hat 1902 im Gegensatz zu Dr. Semler erklärt, die Aufhebung des Verbots des Terminhandels in Jndustricpapiercn befinde sich nicht im Programm der nationalliberalen Partei. Was die Ursachen der Geldkrise anlangt, so mögen die Herren von der Linken einen Artil^l nachlesen, der vor zwei Wochen hn Handels teil des „Berliner Tageblatts" gestanden hat. Nach einem Worte des Reichskanzlers stehen wir ja der Börse mitScheu- klappen gegenüber (Sehr richtig! links.) Nicht van uns stammen die schärfsten Urteile über die Börse, nein, von Geldmagnaten und Leuten, die in engster Beziehung zur Börse stehen. Der Vortrag des Bakiers Warburg in Hamburg hat die Erimrerrmgen cm das Verhalten der Börse 1870 ausgefrischt; national war e5 nicht. Man weiß ja, wozu die Gelder der Börse verwandt werden. '(Zuruf links: Ihr Mahlgelds) Liebermann v. Sonnenberg hat in aller Form erklärt, daß meine Parteifreunde das Angebot zurückgewiesen baben, und die Konservativen haben daß gleiche erklärt. Die Mißstimmung gegen die Börse hängt aber auch damit zusammen, daß so viele jüdische Elemente dabei sind. (Aba! und Heiterke« links.) Ihr „liberaler" Minister Stein hat von Bankiers gesprochen mit Bankiersseelen und jüdischen Bankierseelen I Wir werden die Volksinteresien den Börsenintercffon nicht opfern. (Lebhafter Beifall rechts.)
TYg. v. Saß-JaworSsi '(Pole)' erkenn! die Vorzüge der Vorlage an, hält aber noch Verbesserungen in der Kommission für notwendig.
Abg. Dr. Hahn (B. d. 2.ft Leider ist Graf Kanitz gestern verhindert worden, die Stellung der konservativen Partei darzulegen. Ich gebe meiner Freude Ausdruck, daß der Abg. Kaempf, als er zu Wort kanr, so freundliche Worte gefunden hat für den Gräfin, und daß er so gute Wünsche für die baldige Genesung ausgesprochen hat. Die Worte haben einen vor-
12. Wilhelm Br st,
m Lrn tu <dM. < l^rv.
'Aufgebote.
Dezember. 7. Karl Pflüger, 5'xnimfinbeiter, mit Johannette Schmidt, beide dahier. 9. Johann Friedrich Kgwmcum, Feldwebel dahler, mit Agnes Sauer tn Loudoil. 10. Cito Kraft, Lokomotivheizer-Anwärter dahier, nut Frieda Beru.a Klaas m Langenaubach. 10. Karl Klos, Sergeant dapter, mit Kaibarma Reih m 9heber- Ohnren. 11. Martin Rem, Schmied dohuu, mit Wilhelmine Lparr in Reiskirchen. 11. Otto Peter Bon-Qiß, Mehgermecher dahier,
Börseuwochenbericht.
=■ Frankfurt a, M., 13. Dez.
Im Wirtschaftsleben geht es weiter abwärts. Zwar vird von Leitern großer Betriebe die Lage noch immer als befriedigend geschildert, aber daß die Koniunktur starker im Abflauen begrifserr ist, kann nicht tn Aorede gestellt werden. Die verichiedeucn Vereinigungen, namentlich in der Eisew.<5N- dustrie, soweit sie mit außerhalb ihrer Organisatron ftehendcm Wettbewerb zu rechnen haben, werden durch bteie Konkurrenz ui Preisermäßigungen gedrängt, vereinzelt werden sogar, schon Preisnachlässe auf ftühere Abschlüße gewahrt, die PreOe der Metalle sind stark zurückgegangen und selbst in der Textilindustrie, die einige Jahre ganz Luherordentlich florierte, geht es langsamer. Auch die statistischen Ärn^ichnungen vom Ar- beitsmartt lassen ertennen, daß die Arbeitsgelegenheit abgc- aommen, das Angebot von Arbeitskräften sich gesteigert hat. Dieie Wahrnehmung ist nicht etwa nur bei un^ zu mauien, ter gleiche Zug geht durch alle Industrieländer, namentlich tn Ainerika tritt er besonders scharf hervor, ^ort ist man Idion zu starken Betriebseinschränkuugen und zur Herab.etzung bTarbei'Lutin« gelitten. UAerW.t ift bte &Be: Ü6« bem Ozean noch recht ungeklärt, das Agio sur Bargeld ist noch nicht geschwunden, und Geld blerdt teuer, ici und jtiea der Privatdiskonto bis auf 7^ Proz. Ultimogeld soll ch Berlin vereinzelt mit 9 Proz. bezahlt worden fein, da aoer Sofee Borbereilungeii für den Ultimo getrofsen werden o erwartet man doch einen etwas billigeren Satz. B»-'imtd^»onten
mann, beite dahier. 7. Theodor Dörsiier. Tapezier, mit Lin« Ziegler, beide dahier. 7. Dr. Adolf Maurer, Spezia'arzt für Fiaucnkrankheiten in Worms, mit Klara Cricber.auer dahier.
Karl Walther, Rletallgießer dahier, mit Maria Günther in
। ptnpn uu..uc,vu _uo. Prtvatdistonten Taglöhner, mit Starte SUslerit, beide dahier,
mü^rcintna^t Üauijcit raurben au ctwas gängigeren äebtit» Zahtmeiiter-Awiram, mu Panla beibc dahier. ±n“»Dnnen aU fürserc, weif man im neuen Jahr^ ? . __________
Geborene.
Ds-ember. 4. Denr Lehrer Karl Wilhelm Mulch eine Tochter. 5. Dem HüOsbahmvürler Heinrich Albach ein Sohn, Ludwig. 5. Dein Hül'Sheizer Heinrich Gerlach ein Sohn, Ernst Heinrich. 6. Dem Ofensetzer Philipp Hof ein Sohn, Paul Philipp. 6. Dem Architekten Karl Philipp Müller eine Tochter, 2limemarie. 9. Tein PostafsisleMeii Ernst Mciski eine Tochttr, Alargarete Emm« Elisabeth. 11. Dem Wirt Gustav Adolf Koppen cm Sohn, Julius Bernhard Ehriswph.
Gestorbene.
Tezember. 6. Justus Vogel, Lackiermeister, 49 Jahre alt, Dammslraße 8. 6. Katharine Stieglitz, geb. wiännche, 25 Jahre alt. Neuenweg 52. 6. Walther Zehner, 3 Wochen alt, Linden- qasse 18. 7. Anna Seng, 4^ahre alt, Knchenplatz 2. 7. Ferdinand Panz, 8 Tage alt, Löberslraße 3. 7. Ellsabelh Sann, 2 Jahre alt, Sanbgasse 31. 8. Christine Schuchardt, 6 Dloitnie alt, Kaiharmen- gasse 12. 9. Lina Anme Karl, 2 Fahre alt, Franfinrter Slraize 136. U. Heimaml Schlegel, 2 Jahre all, Süd-Aiilage 7. 9. Elise Mathilde Harth, 10 Monate alt, Teuielslustgänchen 5. 10. Marie Weimer, geb. Heibertshausen, 50 Jahre all, Steinstraße 68. 10. Heinrich Adolf Stieglitz, 1 Woche all, Neuenweg 52. 11. Karo- Ime Leniberger, 7 Monate all, "Marburger Straße 29. 11. Johannelte Schmitt, 1 Jahr all, Neuenbäue 11. 12. Elisadelh Streilmfi, geb. Walther, 84 Jahre all, Sandaasse 35. 12. August Gödel, Schuhmacher, 20 Jahre alt, Buddestraße 7.
gang des hohen Zinsfußes in Aussicht nimmt, ob er aber tn dem Maße zurückgehen wird, wie man hofft, bleibt dahingestellt. Bisher hat mau sich übet die Entwickelung des Geldmarktes vielsach getäuscht. Gar viele Kurückgehaltene Bedürfnisse warten auf Befriedigung, wenn die Leihrake ftärrer zurückgehen sollte unb diese Tatsache wirkt einer rückläufigen. Bewegung des Zinsfußes entgegen. Cs muß also weiterhin Zurückhaltung beobachtet werden. Unter diesen Umständen ist cS uaturaemäß, daß die (Stimmung an der Börse gedrückt ist, auch die Behandlung der Börsengesetznovelle im Reichstage Sonnte daran nicht viel ändern. Auf dem Fondsmarkte lagen Russen fest; die Bedürfnisse des Reiches sollen vorläufig durch eine innere Anleihe gsveckt werden; auch Portugiesen erholt. Banken und Bahnen matter, Montan - und andere n - dustriepapiere teilweise stärker gedrüctc.
zuglichen Eindruck gemacht. Ich kann zugleich mitteilen, daß daS Befinden des Grafen Kanitz sich wieder gebessert hat unb daß er nach dem Fest wieder an unseren Arbeiten teilnehmen wird. (Beifall.) Durch daS Fehlen des Grafen ist mir die Aufgabe erwachsen, den Standpunkt der Konservativen zum Entwurf darzulegen. Nach den Verhandlungen auf dem Sanfiertage in Hamburg sollte man meinen, das Börsengesetz hätte unheilvolle Wirkungen auf unser ganzes wirtschaftliches Leben geübt (Sehr richtig! links), und dre bemitleidenswertesten Mitbürger seien die Börsianer. (Heiterkeit rechts.) Meine Freunde dachten schon daran, für sie zu sammeln. (Große Heiterkeit.) DaS Wort von den .notleidenden Agrariern", das ja leider eine Reihe von Jahren berechtigt war, könnte man jetzt umprägen in die notleidenden Börsianer! Aber sehr zu Unrecht. Das Börsengesetz von 1896 hat dem damaligen wirtschaftlichen Aufichwuiig keinen Eintrag getan. Dann kam 1900 die AbsatzkrisiS «uf Ueberptobuftion beruhend, unb die Börse hatte damals noch D'wsgungSfreiheit genug, durch Erweckung übertriebener Hoffttungen im Publikum unb durch fremde Emissionen wesentlich zur Verschärfung der KrisiS beizugetragen. Tann kamen die ein bis Atoei Jahre deS Niederganges, auch sonst in der Welt; vcm 1602 bis jetzt aber wieder ein glänzender wirtschaftlicher Aufschwung — trotz dem Börsengesetz! Tie Arbeitslöhne find gestiegen, die Preise, besonders der industriellen Produktion, konnten außerordentlich erhöht werden, die Börse hat außeiordentliche Verdienste gemacht, die Danken ^erheblich höhere Dividenden gezahlt — glückliche Jahre für die Börse! (Beifall rechts.) Ter Redner tragt unter dem Lachen der Sozialdemokraten Zahlen aus dem Buche deS RegierungSratS Martin vor. Es kann niemand bestreiten, auch Herr Kaempf nicht, — i ch will ihn nicht angreifen vor dem Fest. (Heiterkeit.) Die Börsensteuer hat sich enorm gehoben, der Bruttogewinn der 188 Großbanken war 1006 doppelt so groß wie der der 146 Großbanken 1896. Tas Grundkapital mit den Reserven, hat sich fast verdoppelt. Jetzt will ich mich mal a I 8 Prophet etablieren: Ich weiß ganz genau, was Herr Kaempf jetzt in diesem Augenblick denkt. (Große Heiterkeit.) Er denkt, dieser Vorgang b.r Konzentration deS Großkapitals geht auf das Börsengesetz von 1306 zurück. (Abg. Kaempf: Sehr richtig! Große Heiterkeit.) Das ist aber nicht der Fall. Ter Beginn der Bewegung liegt weiter zurück, sie hängt mit ganz anderen Ursachen zusammen. Die Großbanken berechnen billigere Provisionen, geben größere Sicherheit in Bezug auf die Depots. Unter dem Börsengesetz ist unsere Preisbildung immer stetiger geworden. (Sehr richtig! rechts.) Damals waren gerade die Leiter der großen gewerblichen Unternehmungen gegen den Terminhandel, weil sie nicht von der Börse abhängig werden wollten, jetzt ist das anders. (Abg. Erzberger ruft: Sehr richtig!) Es freut mich, eine so wertvolle Autorität an meiner Seite zu haben. (Große Heiterkeit.) Mehr und mehr sind die Leiter der Großunterney- mungen als Aufsickstsräte m die Banken ausgenommen (Sehr richtig! rechts), mehr unb mehr haben die Banken die Herrschaft gewonnen über die großen Bergwerke unb Fabrikunternehmungen, haben dafür gesorgt, daß nur ihre Leute in die Aufsichtsräte kommen. Die Industrie ist abhängig geworden von der Börse. Und nun, Herr Erzberger, mit Bezug auf Ihren Zuruf, jetzt werden Sie vielleicht auch verstehen den Zusammen- hang früherer Freundschaften mit fitzigen Gegnerschaften. (Heiterkeit.) Wie energisch hat sich Dr. Beumer m Hamburg die Wünsche dec Börse zu eigen gemacht, die doch ftüher nur von Freisinnigen und höchstens von Sozialdemokraten vertrete» wurden!
Mehr und mehr istunserganzes wirtschaftliches Lebenin die Abhängtgkeitvon einigen wenigen gerate::. (Sehr richtig!) Mehr und mehr werden unsere ganzen wirtschaftlichen Direktiven von ein paar Twtzend beherrscht. Ruhland hat mtr neulich 80 Namen gerannt Es liegt mir fern, Namen zu nennen, vor allem nicht hier au® dem Hause (Heiterkeit), aber als Volksvertreter bin ich verpflichtet, auf diese Dinge hingnweisen, und ich appelliere an Sie ave, ohne Rücksicht auf die politischen Parteien. Im Lande wirft man die Frage auf, ob diese Entwickelung nicht auch staatlich unangenehm werden kann, wie in Amerika. (Abg. Hue (Sog.) ruft: Ist schon teilweise!) Ich bitte, nehmen Sie doch nachher das Wort und sagen Sie uns das. (Heiterkeit. Vizepräsident Dr. Paasche bittet den Redner, mehr geradeaus zu sprechen: DaS Beste verstehe ich gar nicht! Heiterwit.) Wir sollten eS unS in bet Kommission doch gründlich überlegen, ob wir das Verbot des TerminbandelS in Jnduftriepavieren nicht aufiechterhalten sollen. Ich persönlich, und ich glaube, auch noch mancher andere, steht auf diesem Standpunkte.
Der Redner spricht dann über Kn Differenzeinwand. Wir verurteilen ave das Spiel, aber unter zwei Spielern ist derjenige, der den anderen außerdem noch betrügt, dvp® Pelt zu verurteilen. Wenn ich Börfianer träte, tof n n i ch C o h n oder Levy hieße (.Heiterkeit), wäre ich auch darüber empört. Ruhige Bürger werden jetzt zum Drfferenzfpie! verleitet. (Zuruf des Abg. Gothein: Warum spielen sie denn?) Ach, Herr Gothein, die Menschen sind nicht alle als Engel oder als gerissene Morgenländer auf die Welt gekommen. (Große Heiterkett.) Wir müssen den Terminhandel so gestalten, daß nicht der rückfichtslofi Schlaue den unerfahrenen Leichtgläubigen, meinetwegen auch Leichtsinnigen, ousbeuten farm. (Sehr richtig! rechtß.) DaS PubNkum wird jetzt verkettet, mtt seinem Kapital ins Ausland zu gehen. Ich nenne da, so ungern ich es tue, die Firma Callmann, die ausgedehnte Ntederlasiungen in den verschiedensten Provinzen besitzt. Sie verschickt masienweise die Prospekte aus auSkändische Aktien von 1 Pfund und gibt nebenbei noch einen finanziellen Ratgeber heraus, der einer Reihe von Kreis- blättern beige legt wird. (Hört! Hört! rechts.) In dielen Blät
tern wird das Publikum direkt zur Spekulatton auf ausländische Papiere verleitet. (Tr. Arendt ruft: Bauernfang! Sehr richtig!) Dr. Hahn beschäftigt sich Weiler mit dem § 50 und ver- langt eine genaue Trennung zwischen Lieferungsgeschäft aus Zeit und D i f f e r e n z g e s ch ä f t. TaS Liefirungsaeschäft auf Zeit ist für die Landwirtschaft notwendig. Bei Vergehen gegen das Gebot deS Termingeschäfts sind richterliche Strafen das einzige Mittel, geringere Strafen, wie erhöhte Stempelabgaben, nützen nichts. Tas neue Gesetz schafft Welter geradezu neue Privilegien für die Börse.^ Das Recht auf Rückforderung der al§ Sicherheit gestellten Depots muß unbedingt erhalten bleiben. Hier müsien wir daS Publikum gegen die Börsengeschäfte schützen. Es ist jetzt wieder die Zeit für unsere uralten Forderungen gekommen: ^Trennung der Tepositenbanken von den Ilnter- nehmsrbanken und Einrichtung einer Reichs- e m i s s i o n s si e l l e , um dem Publikum die Möglichkett einer unpolteüschen Verattlng zu geben. (Lachen links.) Sie lachen darüber, weil Sie kein VersiandniS dafür haben. Ich beantrage Ueberweisung art eine Kommission von 28 Mitgliedern und horfe, daß daS aus der Kommission eventuell bervorgehende Gesetz allen Anforderungen der Gerechtigkeit entsprechen wird. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Dove ffreis. Vgg.): Es war keine WeihnackstSstimmung, sondern eine Fastnachtsstimmung, aus der der Vorredner sprach. (Sehr gut! kinks.) Bei Dr. Bitter, Dr. jur. uttiusgue, scheint von den beiden Rechten nur das kanonische zum Vorschein gekommen zu fein. (Heiterkeit.) Nennen Sie eS Manchester! ch oder nicht, das richtigste ist immer noch die. Klagbarkeit der Differenzgeschäfte. Herr Bitter hält eigentlich jeden Handel für verwerflich; der alte Robinson belehrt und schon eines anderen, der einen Goldklumpen fand und nichts damit an- zufangen wußte. Je mehr daS Wirtschaftsleben sich kompliziert, um so feiner muß die Organisation sein, unb die feinste ist der Terminbanbel. In Newpork, sagt Herr Arendt, haben wir ja die starke Börse; er muß aber doch wisien, daß dort kein Terminhandel ist. Herr Böhme sagt, er habe keine Scheuklappen vorder Börse; manche Stellen seiner Rede lasten wünschender hatte welche. (Heitere Zustimmung links.) Der Redner erörtert die Haupt- bestimmungen deS Entwurfs im Sinne der gestrigen AuSfürnn- gen von Mommsen und Kaempf. Wenn wir einen Termin- Handel, wie wir ihn haben wollen, nicht haben können, dann nehmen wir einstweilen mit einem vorlieb, der den Zustand immerhin erträglicher macht. (Beifall links.)
Abg. Zimmermann (Resormp.) ruft als letzter Diskussionsredner gegen die Börsenreform: Reichstag, bleibe hart!
DaS Börsengesetz geht dann an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Die Erleichterung des Wechselprotestes.
Zur ersten Lesung des Entwurfs geben die Abgg. Dr. Permock (kons.), Dr. Weber (natl.), Darenhorst (freikons.) im allgemeinen zustimmende Erklärungen ab und beantragen Kommission sberatung.
Dbg. Dr. Ablaß (freis. Vp.) begrüßt gleichfalls den Entwurf, erhebt aber zugleich eine Reihe von Bedenken. Die Postbeamten würben mtt Arbeit überlastet werden, so daß viele Versehen ^entstehen würben, für die die Postverwaltung dann aufkommen müßten
StaatsfikretSr deS ReichspostantteS Kraetke: Die Reichs- # poftverwaltung ist nicht gedrängt worden, sondern hat sich freiwillig erboten, dieses Geschäft zu übernehmen, sobald eine Erleichterung des WechselprotestrS em^riti, wie dies nun jetzt geschieht. _ Es ist augenblicklich noch nicht zu übersehen, inwieweit bte Geschäfte des Wechselprotestes für alle Wechsel, bis zu allen Beträgen von den Postbeamten übernommen werden können. Gerade weil diese Bcr- hältniste sehr schwierig liegen, müssen trir uns erst ern Bild davon machen, tote weit wir das Geschäft übernehmen können. Gerade um diese Freiheit zu haben, müsien wir mit geringen Be- ttäg-n, also bis 800 Mark unb mit.dem einfachen Wechsel an* fangen. DaS Haus kann überzeugt sein, daß, sobald wir weiter geben können, wir eS auch tun werden. Und da? ist uns durch den § 3 in einfacher Weise möglich. Danach ist dann ein neues Gesetz nicht nötig. Der Zweck dieses Gesetze? ist also, die Ausdehnung von der Erfahrung abhängig zu machen. Die Retchspostverwal- htng hat nicht bte Absicht, dabei ein große? Geschäft zu machen. Die Konten, die wir stellen werden, werden sehr gering sein, für einen WeSfil bis 500 Mar? eine Mark.
Die Abgg. eterve (D. vp.), Roth (wirtschaftl. Vgg.)', Dr. Frank-Mannheim (Ssz.) und Werner (Rfp.) äußern sich Eurz, gleichfalls in bet Hauptsache zustimmend. .Roth erklärt, er wolle in dieser feierlichen Stunde, in der der Block seinen Geburtstag feiere — 13. Dezember! —■ ferne lange Rede halten; Pr. Frank spricht von deu,P o st k u l t ?, die intmnehr auch höhere Gehälter bekommen müßten; Werner von den treuen Postbeamten.
Der Gesetzentwurf geht an ei ne Kommission von 14 Mitgliedern.
Dann vertagt sich das Hau?. Nächste Sitzung, M i^t t « w o ch , den 8. Januar. 2 ttbr. M i t t e l sta n d? a n t r ä g e bcS Zentrums, konservativer Antrag, betreffend Pension? v e r- sicherung der Privatbeamten. Der Präsident erbittet die Genehmigung zur Beglückwünschung beS Abg. F ü rsten zu Inn - undKnvphausen (kons.), ber morgen feinen 80. G e- burtStag feiert, unb entläßt mit einem Weihnachts- unb Neujahrswunsch daS Haus in binJWcL^ htsferien.
Schluß 6 Uhr. ' . '


