Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Januar 1907.
* Dr. phil. Oswald Weidenbach, dem die Vdnia legendi für Philosophie in der philosophischen Fakultät erteilt morden ist (geb. 1876 zu Dresden), studierte in Jena, Tübingen, Leipzig, Heidelberg und Berlin. 1900 promovierte er in Jena mit der Tlssertation: „TaS Sein und seine methodologisch-kritische Bedeutung.* Seine Habilltalions- jchrift trägt den Titel .Mensch und Wirklichkeit."
= Heuchelheim, 23. Januar. Unser Dorf gewinnt von Jahr zu Jahr an Ausdehnung. Infolge der vollendeten Feldbereinigung und des GcländeauStausches mit der Stadt Gießen wurde bedeutendes Bauterrain gewonnen. Eine statt- kiche Häuserreihe ist an der Gießener Straße entstanden und so wächst Heuchelheim immer mehr zu einem wichtigen Vorort heran. Dazu hot man im Spätherbst mit der Anlage eines Bürgersteiges begonnen, der eine geeignete Verbindung nach der Rodheuner Straße und der Stadt bewirken wird. Hoffentlich bleibt eine direkte Verbindung nach Dem Südende der Stadt nach dem Bahnhof und den Kliniken nicht mehr lange aus.
? AuS dem Vogelsberge, 22. Jan. Die I n - fluenza tritt in vielen Orten stark auf. Meist sind eS ältere Leute, die von ihr befallen werden. — In Burk- Hards machte eine ältere Frau ihrem Leben durch Ertränken in einer liefen Stelle dec Nidder rin Orte ein Ende.
N. B. D a r m st a d t, 22. Jan. Wegen Herausiarderuug zum Zweikamp s wurde heute Kaufmann Fritz Laug aus Lampcrt- teim zu drei Tagen und Gerichtsassessor Scotti zu einem Tug Festungshaft verurteilt. Mehrere zerren aus Lanrpertheim kamen am 30. Dez. v. I. aus einer Wahlversammlung in Wvrms und erwarteten in einem Cafe den Abgang ihres Zuges. Lader kam es zwischen den Kaufleuten Fritz Lang und Jawb Eberhardt zu Streitigkeiten, in die sich auch des letzteren Bruder Heinrich E. einmischte und Lang schwer beleidigten. Dieser ließ durch seinen zukunsligen Schivager, den Gerrchtsassefsor Scotti, die beiden Eberhardts zum Zweikampf auf Pistolen foroern. Diese gingen jedoch nicht auf ein Duell ein, sondern erstatteten Anzeige.
Vermischtes.
** Die starke Kälte, die am Montag so plötzlich einsetzte, hält an und ist sogar noch im Zunehmen begriffen. Während die niedrigste Temperatur am Dienstag 13 Grad Celsius betrug, verzeichnete die amtliche meteorologische Beobachtungsstelle heute morgen 15,6 Grad. Das bedeutet eine so starke Kälte, wie sie seit Jahren nicht zu verzeichnen. Auch von auswärts werden ganz außerordentlich niedrige Temperaturen gemeldet. In Frankfurt a. M. zeigte gestern früh 5 Uhr der Thermometer 16 Grad Celsius. — Mit 19 Grad Celsius unter Null hat die Temperatur in Berlin und Umgebung am Dienstag einen Tiefpunkt erreicht, wie er seit 18-88 nicht mehr beobachtet Porten ist. Aus allen anderen Teilen des Neiä-es und aus dem übrigen Mittel-Europa liegen ebenfalls zahcreicte Meldungen über empfindlichen Temperatursturz in den letzten Tagen vor. Das plötzlich eingetretene Frostwetter lähmt die Elbschiffahrt vollständig. Der seit einigen Tagen versuchsweise wieder aufgenommene Betrieb mußte wieder eingestellt werden. Telegramme aus verschiedenen Gegenden Rußlands melden andauernde große Kälte bis zu 35 Grad Reaumur. Wegen Schneeverwehungen können auf den Südostbahnen Züge nicht verkehren. Der Hasen von Odessa ist zugefroren, sodaß die dort liegenden Dampfer einem Dampfer, der in der Nähe von Odessa Schifsoruch gelitten hatte, nicht Hülfe bringen konnten. Zahlreiche Todesfälle durch Erfrieren werden gemeldet. Die Schulen find in verschiedcnun Städten geschlossen worden.
* Kleine Tageschronik. Auf dec Grube Friedrich Wilhelm bei Herdorf (Reg.-Bez. jlvblenz) explodierten bei der Einfahrt auf dem Fordcrlorb 2Vs Kilogramm T h n a in i t. Sechs Bergleute wurden schwer verletzt. — Aus der Einsetzer wurde die Leiche eines Mannes gezogen, der durch Beilh.ebe ermordet worden ist. Die Personalien des Opfers wie des Täters find Koch unbekannt. — In Neu-Sigmar (Kgr. Sachsen) trieben seit 10 Jahren anonyme Briefschreiber ihr llnweien und beleidigten zahlreiche angesehene Familien. Jetzt endlich find diese Briefschreiber in dem angesehenen Faoritanten Henn und seiner Frau ermittelt worden. Btete gestanden ihre Täcer- schast ein. — Die jetzt bekannt werdenden Aorechnuugen über die Nürnberger Jubiläums-Landes-Ausstetlung weisen ein unerwartetes Defizit im Beirage von fast einer Million Mark auf, das hauptsächlich durch Uever-ichreituug der Baukosten, aber auch durch die sonstigen Mißgünstigkeiten, von freiten die Ausstellung ver,oigt wurde, heroorgeru,eu ist. Der Garantiefonds wird zu 41 Proz. zur Deckung des Defizits beansprucht. — In London stürzte infolge Versagens der Bremse ein Automobil-Omnibus in die Themse. Zwei Insassen und der Wagenführer konnten sich noch durch rechtzeitiges
Mißachtung der Grenzlinie zwischen realistischer Darstellung und gröbster Karikatur, sodaß der Laie außer stände ist zu entdecken, wo das dem Leben Nachgefchasfene aufhört und die zu lächerlicher Uebertreibung neigende Phantasie des Autors ihre billigen Spott herausfordernde Mißgeslaltung anfängt. Ein Charakterlustspiel aus dem modernen Zeitungsmilieu, kongenial den Freytagschen „Journalisten", Hal PreSber selber wohl kaum schaffen wollen. Er kennt ja wohl die Grenzen seines Talentes und weiß, daß ihn die Natur zu dramatischen Taten von längerem Leben nicht gerüstet hat. Dazu fehlt eS ihm am Notwendigsten, auch technisch, und gerade hier zeigt er, der langjährige Theaterkritiker, ver- wunderlicherweise eine geradezu bemitleidenswerte Unbeholfenheit.
Daß die Erfindung (der Haupttric beruht doch darin, baß unfern Freunden allzu lange verheimlicht wird, was die Lamberta ist) durstig ist, sieht der theaterfremdeste Laie. Stärkste Karikatur ist der verlegerifche ,s2lnitoiiceiiprolj", während man „Journalisten" von ähnlicher Art wie die des sauberen Sauerland, bei besten Erscheinen man regelmäßig Magensäure verspürt, leider zuweilen antrifft.
Und noch eins. Eine Zeitungsredaktton unserer Tage ist kein neckischer Käsig harmloser Spaßvögel mit der Auf- schrist über der Tür: „Die Kunst, binnen 13% Minuten em perfekter Witzbold zu werden, oder: Tu sollst und mußt lachen, daß Dich das Mäuslein beifjt I* Benn Geratter der Druckmaschinen, dem Gebimmel der Telephonschellen gibt sich der ganze Ernst des WeltgeisteS ein Stelldichein, setbst in den engsten vier Wänden einer Redaktion, lodert die Fackel des AölkerhasseS, toben die Kämpfe der wirtschaftlichen Bestrebungen der Parteien, schluchzt das Elend der Darbenden, hält das sänftigende Mitleid devxEdeliien unter uns seine friedsame Einkehr. — Das aber ^ersah PreSber bei der ,Niederschrift feiner Komödie ... \
Die Glanzrolle des Lustspiels wurde am Dienstag bei uns von Herrn K othe aus Kastel darMtellt. Es ist keine ganz leichte Aufgabe, den wellklugen Junior, Die heilere
Abspringen retten. — In Tokio ist das Hauptgebäude des Departements für Verkehrswesen niedergebrannt. Die Entstehung des Brandes wird einem überheijten Ofen zugescbrieben. Der Brandschaden wird auf eine Million Pen geschätzt.
Ter Finanzausschuß der 2. Hess. Kammer
setzte am Dienstag seine Beratung über den Hauptooranschlag fort. Es wurde zunächst der Schluß deS Kapitel Steuern 2C. erledigt. Von den weiteren Kapiteln haben noch Interesse: Landstände: Allg. Kosten für beide Kammern: 18 000 Mk., besondere Kosten dec 2. Kammer 99 570 Mk., der 1. Kammer 18 000 Mk. Staatsministerilim 88060 Mk. Auswärtige und BundeSverhällniste 36 000 Mk. Kabinettsdirektion 12 500 Mk. Lberrechuiingskammer 243 570 Mk. Ministerium des Innern 256 150 Mk. Allg. Fonds für Vertretungskosten und AuShülfe 104000 Mk., 15 000 Mk. Mehrkosten wie im Vorjahre, die besonders dadurch entstanden sind, daß infolge der Bestimmungen des bürgert. Gesetzbuches die Wohnuugs- miete häufig länger als drei Atonale vergütet werden muß. Zentralbauwcscn, für laufende Unterhaltung 236 900 Alk. Provinzialdiceklionen 863 265 Alk., darunter 18020 Mk. mehr, wie nn Vorjahre für Erhöhung der Gehalte für nicht au- gestelltes Bureaupersonal. Gendarmerie 549 400 Mk. Polizei 102400 Alk. Polizeikasten 143 200 All. Arbeitshaus Dieburg 66 105 Mk. Kirchen 483221 Alk., darunter 310000 All. für den eoang. Zeutralkirchenfond und 171 372 Alk. an die kalh. Kirche. — In der Beratung kant auch der Fall Köpenick zur Sprache. Es wurde hervorgehoben, daß in Hessen ein solches Vorkommnis unmöglich sei, da der bei uns bestehende staatlich unterstützte Schntzverem für slias- entlassene Gefangene, dessen Vorsitzender Generalstaatsanwalt PreetoriuS ist, in ausreichendem Maße sich für die entlassenen Gefangenen verwendet und ihnen Stellen zu verschaffen sucht, sodaß es ausgeschlossen scheint, daß ein arbeitswilliger Mensch auSgewiesen und damit wieder auf die Bahn des Verbrechens geführt wird. _______________________________
GcrichesHaal.
Berlin, 23. Jan. Der iO ^ai/re alte Kaufmann Arthur Nüssen stand gestern vor der 2. Strafiammer des LailDgericytst.il nntn ter Beschuldigung, am 1. August v. I. seine Schwägerin, die llhrmachnL.rau Minna Eifermiann aus Köpemck durch einen Revolver schuß in die Brust v e r l e tz t zu haben. Daö sowohl psychologisch wie lrmrmell Auveroroenlliche des Falles liegt bartn, daß Frau (Sif ermann ihren jugendlichen Schwager zu der Tat förmlich gezwungen hat. Das Geriet erkannte auf eine Gechnguisstraie von 3 Monaten. — Ein entfetziichs Familienleben kam irr einer Strafsache zur Erbrieruug, die geilem unter Ausichluß der Oefsenttich- keit die 3. Strallammer des Laudgerichrs I beschäftigce. Der Tifchlergeselle Kurv hatte sich mit seiner e-genen Tochter i)erganticn. D«s Uruil lautete aus 4 Jahre Zuchthaus Uud a Jayre Ehr-
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
D i S 10 n t e r m a ß i g u n g 0 e r D e u t, ui e u b i e r m s b a n k. Programmgemäß ist in ter gestern stattgehabtcn Sitzung des ZenrraiauSichUlles ter Reichsten l beschlossen worden, den Wechseldiskont von 7 auf 6 Prozent und den Lombardzinsluß von 8 auf 7 Prozent h-erabzusetzen. Der Präsident der Bank sah sich aber veranlaßt, sofort zu bemerien, daß die Rüü- stufse zivar günstiger u.id eine steuerfreie Vtoteirrejerve vorhanden lei, aber der Status fei noch immer angeipannll Sonst recht- [erligt sich die Matzregel auch damtt,, dag der Status des Jn- stilats in ter dritten Januar ooche die von uns schon erwähnte iLrletchterung criahren hat. Allerdings ist Dcrfeibe noch um 11a Millionen Mark schwächer als vor Jahres, ctziuß. Der erhöhte Diskontsatz voir 7 Proz. wurde am 19. Dezemver 1906 deklariert, war also über einen Mo trat in Kraft. Daß die Spekulation aus der Diskontermäßigung keine be,onDere Anregung sich holen kann, ist leicht begreiflich, tenn auch 6 Proz. ist immer noch ein ganz außergellöhullcher Zinsfuß und man wird sich von heule ab nach 5 Proz. sehnen. Daß die Zinsrate dann noch viel weiter heruntergeheu wird, glauben wir nicht. Mit großer (Spannung hat man die Bilanzzinern der Grogvanken zu erwarten, welche iyüianjnia'ßregeln s-niensciils das Reich unter der Sanktion des neuen Reichstages vornirnrnt, und zu erwarten, ob neue ausländische Staatsanleihen un ersten Vierteljahr ItfJe an die deutschen Börsenplätze kommen. Je nach Art der Verhältnisse kann oann die Hornung hervortreicii, dag der Diskont doch noch eventuell bis 4 Proz. heruntcrgeht.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 23. Jan. iOrig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") B 1 e l) m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schale u. Hammel, 1009 Schweine, OZiegen. Schweine: 1. dual. 66—67 Pf. Lebendgewicht 53.UU—UO.UU Pf., 2. Qual. 65—UU P'., ^edendgewichl 52.00-09 Pig., 3. dual. 56—08 Plg. Kalber 1. dual. 00—90 Pi., Lebendgewicht 00—UU Pig., 2. dual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pig., Schlachiqeivlcht 00-00 Pfg. Schale 1. dualtiat 00—00 Pfg., 2. dualüät 00-00 Pfg. Geschcm bei Schweinen:
1.JTTmaMUIH II—M—MW—»MW MIBTTIIJI’IM ri*~^- Geistesüberlegenheit, mit der der simple „Zeitungsschreiber" von feinem armseligen Joilriialistenthrönchen an6 Die dürftige Handlung lenkt, zur Darstellung zu bringen. In dieser neuen Anflage von Frey tags Konrad Bolz, in Diesem unerschütterlich tn seiner Ueberzeugnng aufgehenDen Tagesschriftiteller, in diesem aufopfeinDcn Sohne und Bruder, in Diesem niemals um einen guten Einfall verlegenen Journalisten, in diesem gewandten Weltmann steckt Doch and) so etwas wie ein romantischer Glanz, der Den „Zeitungsschreiber" zu einem echten Ritter des Geistes stempelt. Herr K. vcrnachläfsigte keine dieser vortrefflichen Eigenschaften echter Männlichkeit, er betonte sie vielmehr Den ganzen Abend mit ostentativer Absichtlichkeit. Ter Grundzug des Redakteurs Fahrenholz ist Ernst, er ist eine tapfere, stolze Natur, Die ihren idealen Kern unter Scherz und leichtem Wort vor den Augen "Anderer gern verhüllt und nur in Augenblicken hervortreten läßt. TaS alles hatte Herr Kothe voll erfaßt und darum ivar fein Fahrenholz „sympathisch" (trotz SanerwalD). Aber Herr Kothe, Dessen recht stattliche Erschemiing unseren Damen sehr wohlgesiel, ist doch seiner ganzen Darstellimgsart nach kein Bonvivant, sondern ein erster Held im klassischen Drama. Ich kann ihn mir z. B. sehr iuobl als einen vorzüglichen Egmont denken. Wir Leute von Henle, und namentlich wir Leute vom Zeltungsbau, bevoezugen das Legere, unD sind ungezwungener, lässiger, unschwerer, als der iniposante Bühnenheld Kothe sich gibt. 9tatürlicheS Konversicren liegt ihm nicht sehr, jedenfalls fühlt er sich, der schon so ivie so auf einem Kothurn zu ivandeln scheint, — er könnte sich seine Zigarren an unseren Laternen ohne Kletterapparat an- zünden — nn großworttgcn Tondrama wohlec, als tn diesein PreSberschen 9lippidd)eld)t*n.
Herr Kost hatte eine in ihrer Art noch schwierigere Aufgabe. Ter Sluioc hat den Chefredakteur Tr. Keßler eigentlich nur skizziert, einen Menschen aus ihm zu niödjeu ivar Herrn Kosts ead)C, und das gilnng ihm über alles Er- rondeu gut. Er war ein guler Arnholm in der „Frau vom Ateere", aber em noch viel besserer Tr. Keßler. Ec jdjuj
Ueberftanb unbedeutend. Während des Markte« treten noch vier Wciaaons Ewweme ein.
Arde.tcrbewegttng.
Krefeld, 22. Jan. Tie A u s s p c r r u u g der Färber, ist durch die heute siaklgehabten Verhandlmiqen zwisdien Den ans- gesverrten Färbern, den Färbereibesitzern und den Arbeikgeberu deS Seldengewerbes, die in allen Teilen zu einer iriedtichen Lösung der Streitfragen führten, beendet. Jufolgedesfen wird morgen m allen Betrieben die Arbeit in vollem Ihnfanoe wieder mitgenommen.
ZCird)lid>c 21acbrid?tcn» Evangelische Gemeinoc.
Donnerstag, den 24. Jamiar, abends 8 Uhr, im MarcnS- faale, Kirchstr. 9, Bibel stunde. 2. Tnnoth., Kap. 1. 2.)
Piarrcr Schwabe.
Gießener Wetterdienst.
voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag, d n 24. Januar: Heiter und trocken. Strenger Frost. Cd)arie östliche Winde.
GrrgLttal-Drahtlneldungen.
London, 23. Jan. „Tribüne" vcrostcuttlcht ein Interview mit dem französiichen Minister des Llenßern, Pichon, über die Frage der allgemeinen Ab rüst nng, weiche ans der nächsten Haager Friedens-Konsercnz znr Beratung gelangen wird. Ter Alinister erklärte, daß alleenropäischen Reglerungen dem Abrüstungs-Gedanken sympathisch gegenüber stehen müßten, angesichts Der ungeheuren Last, welche auf allen Nationen ruhe. Es sei daher eine praktische Prüfung der Frage auf Der Konferenz zu erwarten.
Holzvcrstergeruug in der Grüfl. Oversörsterei Lanbrrch. Moutaa den 28. Januar, nach Zusammenkunft 10'/, Uhr am Eingang zum Sircusiecnerücrg von Freien feen aus, werden versteigert: 1) Kreuziceueruera: Duche yiut.: ,70 Scheit, MPrügel, 119 Stocke, 392 Llsrreifer, Eichen: 2 Präget, 9 Avichinlle, 4—14 m lang, 36^-42 cm Durchm., u,U3 Fstm. Bau- unö Wagnerholzi 2) LLeidenau u. Wctteraucrbcrg: Scheiter Rm.: 34 Eiche, Vuche, Birte, 16 Xlüibe, prügel: 8 Fichten, 5 Flchlen-'^uhholz, 3 m lang, 6 Buche, 4Ä) Eiche, 4 ^inbe, Stöcke: 26 Fichte, 13 yieifcrurügeU Weidenau: 9 Eichen-Abichmtte, 6—10 ni lang, 29—40 cm Durchnu, 5,66 Finn., Ban- und V>agnerholz. 3) Traittvach u. Hcrruzimcn: Prügel Rm.: 5 Buche, 2,7 Nadel und Welchholz 2. $1L 4) Erchcl- gatten: Prügel Minu: 4 Eiche, 5 Fichte, 5 Fichien-Nutzhotz, Stöcke: 18 Fichte. 5) Kohtreiscr uud Lcievolz aus Weidenau und Eichet- garten, Schlagrener aus Kreuzfeenerverg uuvorgcäciat, desgleichen das Brennovlz unter 2—4 am Feuer.
Paubach> den 21. Januar 1907.
Gräst. Forflverwaltung.
BK/t___________________________st 0 eiliger.______________________________
Bilil-, Ntz- Nü lZriibkliholz-Lcrkaiis aiis ÄlnülsPü )>. RtiMchclier CemcillScisald.
5 Eid)en-Stämme von 21—32 cm mittl. Durd)m. bis zu 11 m Länge ----- 2,45 Fstm.
1 Kiefern-Slamm 26 cm m.Durd)M., 14mLänge — 0,74Fstm. 582 Stämme Fichten-Banholz von 13—34 cm mittl. Durchm.
bis zu 21 in Lauge ---- 192,12 Fstm.
99 Fichten-Derbstangen von lu—12 cm mittl. Durchm. bis 20 m Länge ----- 7,71 Fstm.
293 Stämme Kiefern - Grubenholz von 13—34 cm mittl. Durchm. bis 17 m Länge ----- 62,07 Fstm.
191 Klefern-Derbstangen, Grubenholz, von 10—12 cm mittl. Durchm. bis 12 m Länge ----- 18,25 Fstm.
434 Fichten-Derbstangen von 7—12 cm mittl. Durchm. big 14 m Länge — 30,97 Fstm.
Die Gebote sind getrennt nach den Sortimenten und der Kaufpreis ist pro Film, anzugeben. Bemerkt wird, daß von jedem Sortiment der Höchstbietende herausgezogen wird und eine Znsammenrechnung ntd)t stattfindet.
Tie Gebote sind schriftlich und verschlossen mit paffender Aufschrift zu versehen und bis zum Montag, den 28. Januar 1907, mittags 1 Uhr an die Großh. Bürgermeisterei Reisklrd)en einjureid)en.
Die Eröffnung findet an demselben Tage, nachmittags 2 Uhr, auf hiesigem Rathause statt, wozu die Interessenten eingeladen sind.
Tas Holz wird dem Kansiiebhaber auf Verlangen vom Forstwart Tebns dahier im Walde vorgezeigt.
Reiskirchen, den 22. Januar 1907.
Großherzogl. Bürgermeisterei Reiskirchen.
590 Wagner.
em Charakterbild von absolut vollkommener Gelungenheit, einen Mann der Feder von erfrisd)ender Wärme und Ehrenfestigkeit, dazu von trockenem Humor, der un Lause der Jahre, Die ihren grauen Staub auf sein Haupt zu schütten begonnen haben, gar oft in brausende Gährung übergeht und dessen Nerven sich über harmlose lueme Kretdestriche erboßen. Alles kam bei Herrn Kost mit schönster Echtheit heraus und nur eine gelinde Unsicherheit — Die er übrigens mit mehreren anderen gestern abenD noch teilte — beeinträchtigte ein wenig seine im ganzen vortreffliche Leistung.
Als Der große ZukunstsDlchtec Johann Christof Finke, Diese neue Auflage vou Freytags Bellmaus, hatte Der immer noch manchmal zu hastig sprechende Herr Kober die Lacher wiederholt auf seiner Seite. Auch er gab gestern abend sein Bestes nnd verdient volle Anerkennnng. Herr Lippert gab den Preßjilden Sailerwald, diesen neu aufgetafelten Schmock, mit ausgezeichnetem Diskretem Realismus und fand für DieieS kleine Meisterstück Der Charakteristik berechtigten Beifall. Recht heiter wirkte natürtich wieDec Herr Reimer als der Verleger, dagegen zeigte Herr Greeff als ReferenDar rote alfl Vizeredallcur beklagenswerte Steifheit.
Frau Baychamnier nahm die Freytag'fche Adelheid — acy nein, Presbers Leonore von der Seite fchallhanen Humors, unter dem sie tiefere Empfindungen verbirgt. Auch ne bot eine tüchtige Leistung. In kleinen Chargen gaben Nettes Frau Bonö und Herr Gronert. Allerdings hat Die törichte Szene der Frau Dr. Keßler ganz und gar keine Daseinsbered)tlgimg.
Die Regie führte sicher, klug und in einheitlicher Ab- gestimmtheit Herr Bakof. P. Witt ko.
— Paris, 22. Jan. Dr. Charcot organisiert eine neue Expedition nach dem Südpol. Von der AkaDemie Dir Wissenschaften erbat er die Elnfetzung eines AuSfchusseS, dec Die wissenschaftlichen Forschungen der ExpeDition ausarbeiten soll. Tie Akademie Ijai bic)ent Wuniche willfahren unD einen Ausfchuß ernannt.


