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Irfft'lat tSgNch ȟber Bomuagt.
Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hesfischen Landwirt die Siebener Zamilicn- blätl« viermal in der Woche beigelegt und zi-»'rnal wöchenilich da» k-.tSblaü für den Kreis Lieben. Ferniprech-An- schlugi.d. Redaktion 113 Verlag u. <i$peDuum 51 Adresse Mr Depeschen:
Anzeiger Sieben.
Mittwoch 23. Januar 190/
157. Jahrgang
Erstes Blatt
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General-Anzeiger für Oberhessen WZZ
notationsbrad und Verlag der vrühflschen Univ.-Vuch. und Lteindruckerel. B. Lange. Nedaltlon, Expedition und Druckerei: Zchulprahe 7. ^enteiu Han! B^e ck
Sie heutige Kummer umsaht 12 Seiten.
Koa der ZSuhtbeweguag.
Gießen, den 23. Januar 1907.
In einer Versammlung in 91 i b b a ging eS bieser Tage überaus amüsant her. Den Vorsitz führte — so berichtet man unS — Herr Erk unb etwa 20 Bettenhäuser Bauern scharten sich um ihren Abgott Böhler. Indes waren auch mehr als 20 liberale Männer erschienen. Nach einigen kurzen Worten Kühler« trat Hirsche t al« Vertreter des Bunde« der Landwirte aus und behauptete breifl und ohne GolleSjurcht, der Liberalismus habe enge Aerivandtschast nui dec Sozialdemokratie (die bekanntlich zu Wahlzwecken nut liberalen Forderungen hausieren geht und ihre utnüürjenben Tendenzen schün zu Hause läßt, um die Bauernfängerei im Großen treiben zu können. Herr Hirschel liest wohl nicht die sozialdemokr. Presse, er hat ofsenbac mit bem Wechsel seiner Meinung so viel zu tun, baß ihm bazu keine Zeil übrig bleibt. Sonst würbe er sehen, wie bieje den LlberatiS- muc angeifert unb ,ben antisemitischen Mönch Stöhlet noch anmutiger siubet, als den agrarlsch-nattonaUiberal-frelsinnigen Heyligenstaedf, wie e« neulich sehr lieblich in dem Gießener Sozialiltenblatte zu lesen war. D. Red.)
Herrn Hrcichel erwiderte Herr OberamtSrichter Tr. Fn h r au« Otlenberg unb fragte anck nach Köhlers Stellung zum Zentrum unb der Kolonialpolitik. Damit brachte ec auch Köhler zum Reben. 9lun kam ein ganz tolle- Zeug! Wie sonderbar konfus malt sich doch in diesem Kopfe die Well! Plan konnte sich entfetten ob dieser Verwahrlosung politischen unb nationalen TcnkcnS unb Empfindens. Herr St. kann den .Juden" Dernburg nicht leiben, der drauf und dran i i, umere Kolonien zu säubern und auS ihnen den Nutzen zu ziehen, den sie uns bei kaufmännischer Bewirtschaftung versprechen. Freilich ein „kapitales" Verbrechen! Herr K. verflieg sich zu der Bemerkuiig: Der Kaiser, dec Dernburg berufen habe, ginge feinen Idealen für englische und amen« tonische Verhältnisse nach und dort herrschten die gleichen Anschauungen, wie bei dem Judentum, kurz, der Kaiser sei in den Händen des Judentums, Großhandels und Großkapitals.
Ist jemals blühenderer Blödsinn zu Tage gefördert worden? J>t auch nur em vernünftiges Wort in allein dem enthalten? Kann auch nur ein Mensch nach solchem Gefasel Köhler ernst nehmen? Man sollte meinen, Herr Köhler befinde sich heute bereits ganz im Banne deS Zentrums, das ähnlichen Unsinn so gern verbreitet, um die Leute auf dem Lande stutzig zu machen und aufzuhetzen gegen die Regierungen. JedeniallS leugnet Herr Köhler gar nicht, daß seine Partei einen Pakt mit dem Zentrum eingegangen ist. Obendrein ist es ja längst stadtbekannt, daß daS Zentrum zur Wahl Köhlers auffordert und vom Gießener kathol. Pfarrhaus aus Stimmzettel für Köhler verbreitet werden! Herr Köhler nimmt es ja der NeichSregienrng sehr übel, daß sie mit dem Zentrum, seinem neuesten Freunde, gebrochen hat. Er erblickt ai,ch darin scherzhafterweise, wie er in Nidda auS- führte, .jüdische Mache*.
Oberamtsrichter Dr. Fuhr versuchte der Versamlnlung klar zu machen, daß solche Politik dem Tiefstände der Sozialdemokratie gleichkomme, indem so das Vertrauen zum Kaiser und seiner Regierung erschüttert werde und dem antinauonalen Zentrum die
Kanainen auS 'Dem Feuer geholt würben, das bie Teutsch- sozialen nur benutzt, um sein eigene« Schäslem in« Trockene bringen zu können. Werden bie gut protestantischen Bauern OberHessens sich aber vom Zentrum ins Schlepptau ziehen lassen?
Man schreibt unS aus Ettingshausen 22. Januar:
Eine richtige Abfuhr wurde hier dem bekannten sozialdem. Agitator Häuser cu« Steinberg zuteil. Er hatte dieser Tage beim Gastwirt Stein eine soziattremolratiscl)e Wahlversammlung anberaumt, die auch recht zahlreich — natürlich von fast nur naiionalbenkenden Landwirten — besucht war. Hauser warf wieder nur so mit hinlangtta- bekannten unnütz hinau^geworsenen Millionen und Milliarden um sich, schimpfte über Heer, Flotte und Kolonien und rief: „Weg mit den unnützen Kolonien!" Sud- westainka schilderte er als eine einzige Fieber- und Sandwüste. Ein Landwirt rief ihm zu: „Waren Sie dort?" Unter mehrfackx'm lebhaftem Widersprucp der Versammlung griss Häuser die deuuchcn Soldaten an und schilderte zahlreiche Q)reueitaten, die sie an den „armen, wehrlosen" Schwarzen begangen hätten. Als Häuser, ohne Beisall zu finden, geendet hatte, ergriff Landwirt G. Keil das Wort und widerlegte Häuf ws Angaoen über die Wertlosigkeit der Kolonien, die im Gegenteil die bellen Aussichten auf Enolg bäten, Südwestafrila müsse mir durch Eisenbahnen erschlossen werben. Gerade Arbeiter hät^n Ursache, für die Kolonien zu stimmen, bie für die Industrie Liohxrodu'.: erzeugten und Absatzgebiete abgäbcn. Ganz entschieden trat er den Verunglimpfungen unserer wackeren Soldaten entgegen, die in höchstem Maße unsere Verwunderung, unieten Ta..f verdient yäatn, und -^hne loeupietc der bestialischsten Grausamkeiten der Schwarzen gegen Farmer- iaihüten, Soldaten und Kinder an. Zum Schlune forderte er zur Treue zu Kaiser und Reich auf, urschte ein o e g c i |t e r t aufgeno m meues Hoch auf den Kaiser aus und unter großem Beisall sang die ganze Versammlung ein Vaterlandslied. So endete die von den Sozialdemokraten einberusene Wahlversammlung mit einem lebhaften patriotischen Protest. Häuser aber klagte nachher: „So Ichlecht ist mir's iwch nicht gegangen." 2ieS zeigt wieder, daß die Sozialdemokratie unter bei; t a ii ü io i r t f d) a f 11. Bevölkerung keinen Anhang findet. Unsere Gauern sind allezeit mit die besten S.ützen bed Staates und werden es bleiben. Möge Häuser iwch mehr solche Abfuhren erleben.
Man schreibt uns aus Queckborn 22. Januar:
Welche Bluten die Wah.agitutwn in unserem Otte zeitigt, und zu rodeyem Zwecke sie benutzt wird, möge and solgendet Tatsache erhellen. Ter chrmlich-soz. Herr Pfarrer von Queckborn, durch die Dv.5össeniiichungen im „(ikeg. Anz." gekrankt, versammelte am 21. d. M. irn „Adler" seine Getreuen, um »ich ein Vertraucnsootum erteilen zu lassen. Den Plan der bieiigen SigituDren, d.e an gleichem Abend in Grün berg tagende irziaidruwiratiiche DerfamMiung zu besuchen und Ferrit krumm eiitgegenzutrr^.i, gab man aus, faiid es vielmehr wichtiger, diesen Akt zu vollziehen. Trotzdem lügt sich die Tatsache nucht verlachen, o g auch vielen der bisherigen Getreuen drl. Herrn 4)iatrcr dessen u.g..at^u-.iDei,e mißfällt Samll wird sicherlich das Vertrauen zu dem Ortsgeistiichen nicht gestartt, Sem d.e Füriorge der 1 i.b e r a i e n und auch der sozialdemokratischen Wühler bezw. Einwohner oozuliefen hätte.
Alsfeld-Lautetbach-Schotten.
Herr Maler F. Bindewald aus Berlin beehrt uns mit einer Zuschrift. Er desavouiert unsere Gewährsmänner in Schlitz und Grebenhain unb schreibt:
Ter ui Ihrer Zeitung vom Montag 21. Jan. 1907 unter der Rubrik *Von der Wahlbewegung' enthaltene Bericht über eine von mir m Schlitz abgehaltene k>eiiammiung ist den Tatsachen nicht entiprechend. Es ist unwahr, wenn behauptet wird, ich habe ui dieser Versamnuung Herrn Tr. Wallan m Bezug auf Die Fahr- tarrenfteuer der Toppetzüngigkeit bezichtigt. Ich habe vielmehr nachgewiesen, daß Herr Tr. Wallan fiel) in zwei Versammlungen jebedniat anders zur Zigaretten neuer geäußert hat. Es ist uiiivahr, wenn in Dem Artikel steht, ich habe behauptet, Dan
Die Nummer vom 18. August des Hieß. Auz. die Notiz gebracht hatte, Herr Wallan habe für die Z i g a r e11 e n ft e u e r gestimmt. Wahr ist vielmehr, dav ich gesagt habe: .In der Nummer vom 28. Auaust 1906 des Gieß. Anz. befindet sich em Artikel, wo es am Schlüße heißt: ,Tr. Wallan hat übrigens, wie wir hervorheben wollen, ui Sachen Der Neichssinanzreiorm sich al» guter Liberaler bewährt unb z.B. gegen die Fahrkarte n- neuer g c ft i m m t !e — ES ist univahr, wenn weiter unlen in Bezug aul die Versammlung in (bicbenbain behauptet wird, ich habe heilige peiiönlttbe Angriffe gegen Tr. Wallau gerichtet und es sei Darüber zu ledhasten l-'arinfzenen gekonimen. Wahr ist vielmehr, Dau Die anweicnden Anhänger Tr. WallauS, besonDer» Die perreu au6 üauteibad), durch ihre unaufhörlichen Störung-versuche und wüsten Lärm Den UiiiDiUeit Der Werjammlung gegen sich yerau'bejchivoren.
ES ist Lache unserer Herren Gewährsmänner, Herrn B. darauf zu erwidern. Auf irgend einer Seite liegen gewiß Irrtümer vor. Tatsächlich haben wir die oben zitierten Worte über Dr. Wallau s. Zt. gebraucht und denken heute selbst- verständlich Nicht anders, und es wäre sehr nett von Herrn BmDeivalD, wenn ec so Vernünftiges von Herrn Dr. Wallau allenthalben erzählte. Denn das Eintreten WallauS gegen die Fahrkarlensteuer kann doch nur seine Wiederwahl fördern. Wir wissen also dieses Vorgehen Herrn BindeioaldS zu schätzen und seine gesamte Gegnerschaft wäre ihm dankbar, wenn er weiter in dieser Art im Wahlkampfe föchte und auch die Ruhe und Sicherheit beibehatten möchte, bie seins Gegner bei ihm vermissen und bie er ihnen seinerseits vor- wirft. Tann wären wir auch gern bereit, die ihn kränkenden Ausdrücke .Bauernfänger* und ,Wahlschwindel* zurück- zunehmen.
AuS dem Wahlkreise Friedberg
wird unS geschrieben:
Vor einer äußerst zahlreichen Versammlung sprach am 21. Jan, in Vilbel Dr. Sire der, Der Kandidat der bürgerlichen Linken. ES kam zu längeren Diskussionen mit Führern der Frankiurier Lozialdemokraiie, bie, was anerkannt werden muß, ruhig und sachlich gegen das Programm der Liberalen sprachen.
Tie ,Butzb. Zig." urteilt in einem Bericht über eine Rede bei linffcltberalen Kandidaten, daß dessen Rede «grade so gut au® dem Alun de eines Sozialdemokraten' kommen konnte, was zur Folge Hane, daß eiiizetne Saalbciitzer aui Dem Lande BeDentcn bauen, Den Liberalen Die Lokale zu WahlreDen zu übellasjen. T>e bürgerlichen Parteien jollteit sich doch Nicht civ diese An bekämpien, wobei- poraussichtlich nur die Sozialdemokratie profilieren kann.
Ferner wird uns aus Friedberg geschrieben:
In einer öffentlichen Erkürung sagt Öcrc Hirschel, daß er nicht mehr zur n t i se m i t i f ch e n Partei gehöre, sondern nur zum Bunde der Landwirte unb nur in biefem Sinuc für den Grafen Diü>la wirke. Aber noch am vorigen Dotmerstag trat er in Berstadt und Eckzell für den Deutsch-sozialen KvHler.LangLdors ein. ^ai ist denn deutsch-sozial? Deutsch smd wir alle, darauf sind wir stolz, und sozial zu sein ist uniere Menschenpslicht, Die wir Liberalen gleich,alls üben. Aber jene Herren nehmen das LeUtschtum in Erbpacht, unb die soziale Oiejmnung geht ziun 2eu,ei, wenn es sich um Andersdenkende und andere Llonsesitonen handelt.
Uebrigens hat Friedberg eine JahrmarltA-Sehenswürdigkeit ersten '«Range»: ein Hirschel und ein Wolf, die einem Bahr aus der Führte sind: Weidmanns Heil!
Dcrrtjches Ueich.
— Bekanntlich hatte Der „Vorwärts" bchauptet, daß die AehälterseinerRcdakteuredie Summe von 4 5 0 0 M k, nicht übersteigen, und daß nur ein einziger diese Höchstsumme beziehe. Die „Deutsäie Tagcsztg." erfährt nun dazu noch, daß Die Redakteure des „Vorwärts" nicht nur ein festes Gehalt, sondern auch eine besondere Entschädigung für alles das, was sie selbst schreiben, erhalten. — Dadurch werden bie Einkünfte allerdings ganz anders gestaltet.
Kjetzener Tijeatelvcreia. Die Nachtkritik.
Lustspiel in 3 Akten von Rudolf PreSber.
Auch Kollege Fahrenholz von der »Wahrheit* schreibt seine Kritiken nachts unmittelbar nach bem Theater, weil am Tage die fortwährend neu auf ihn cinstürmende vielgestaltige redaktionelle Kleinarbeit, daS Bearbeiten und Ordnen der von fern und nahe brieflich und drahtlich und durch Personen ungufhÜrlich eintreffenden Meldungen, die Menge der selbst zu rsosienden größeren und kleineren Artikel, die Lektüre von Zeilitngen, die technische Gestattting des BlalteS :c. einen ganzen Mann voll in Anspruch nimmt Daß solche Kritiken etwas flüchtig Jmpressiomstisches erhalten, daß nicht jedes einzelne Wort auf die berühmte Goldwagc gelegt werden kann, die Autor, Theaterdirektor und Schauspieler wie auch das liebe Publikum nicht mit Unrecht beanspruchen, versteht sich danach von selbst. Aber der moderne Dämon, genannt die Zeitung, stellt an seine Sklaven so mannigfache Anforder- ringen, daß die Nachtkritik nun einmal nahezu allenthalben ihr auf allen Beteiligten schwer lastendes Regiment führt. Wie so vielen Benifsgenossen, wird sie and) Dem Kollegen Fahrenholz verhängnisvoll. Er hat eines 9!achlS die reisende Schauspielerin Leonore Lamberta zu kritisieren, und er tut Las mit außerordentlicher Schärfe. Hätte er, der regelmäßig des Tages, oft aber sogar Tags und fllachlS die Nerven zerrüttender geistiger Slrbeit Ausgesetzte, mehr denn ein paar Späte Nachtstunden Zeit zu ruhigerer Uebcrlcgung, dann wäre tnohl an die Stelle manches spitzen oder brüsken Wortes ein «vorsichtigerer Ansdn cf getreten, hätte manches kurze, schroff timgenbe Gesamturleil eingehendere Begründung m ge- »vählterer Form gesunden. Jedenfalls setzt sich Kollege Kahrenholz dadurch nicht nur, wie wohl häufiger, nut dem großen Publikum, sondern auch nut dem Brotgeber. dem Ver
leger der »Wahrheit^, dermaßen in Gegenfatz, daß dieser noch aufgestachelt durch feinen Sohn, einen jungen schneidigen Referendar, die im Satz bereits fertige Nacht- kritik auS dec Zeitiingsform herauSheben läßt. Tas empfindet Fahrenholz natürlich als einen Schlag ms Gesicht. Tenn ec hat immerhin, wie sich DaS ja bei jedem anständigen Journalisten von selbst versteht, aus innerster Ueberzengimg seine vernichtende Kritik geschrieben, wenn auch vielleicht sein Temperament ihn in der Hast hinriß, hier oder da in der Form fehl zu gehen. Tie heimliche UnterfteUung einer unlauteren Absicht, eine Unterstellung, der er sich nicht erwehren kann, kränkt ihn naturgemäß de.» maßen, daß er, der verpflichtungslose, unabhängige Junggeselle, ohne Zaudern seine Konsequenzen daraus zieht und seine redaktionelle Stellung aufgibt. Hinterdrein stellt sich heraus, daß er gerade durch diese böse Nachtkritik den glänzendsten Beweis seiner Unparteilichkeit gegeben hat, denn bie getadelte Schauspielerin war niemand anderes als — seine Schwester, die zur Bühne ging trotz seiner Warnung und trotz semer richtigen Einschätzung ihrer geringen schauspieler- schen Veranlagung. Schließlich aber löst sich in dem Lustspiel natürlich alles in Wohlgefallen auf. Leonore wird die Braut des Verlegersohnes, und Fahrenholz, glänzend rehabilitier!, geht auf daS besonders ehrenvoll sich für ihn gestaltend. Anerbieten, den von ihm verlassenen Nedattionssessel der ^Wahrheit^ wieder einzunehmen, em, und dcr Vorhang fäll, zum dritten und letzten SDlale.
Tr. Rudolf Preeber, der bekanntlich früher jahrelang einen redaktionellen Posten in seiner Heimatstadt Frankfurt a.M. bekleidet hat und heute noch wöchentlich amüsante Plaudereien ans der ReichLhaiiptstadt nach Frankfurt schickt, ist weiteren Kreisen nicht nur als witziger und stets sehr unterhaltsamer, wenn auch immer nur auf den Oberflächen aller Lebens- erscheinungen sich rummelnder, ungemein schnell schaffender
Feuilletonist und Theatertritiker bekannt, als Herausgeber der neuen, viel illustrierten und abwechslungsreichen Zeitschrift .Mirena* und Mitredakteur eines Berliner lustigen Blattes, andern auch als ein reim- und formgewandter Lyriker und als Autor einer Reihe von humorvollen lllovelletten- büchern, die in Tausenden und Aberlausenden von Exemplaren verbreitet sind. Er gehört mit Recht zu den bei unseren Frauen beliebtesten Causeuren unserer Tage; alles, was er schreibt, ergötzt unsere Damen. Denn eS ist fast immer graziös und geschmackvoll, charmant und auch ein wenig pikant, aber doch auch wieder behaglich und gemütlich, er» inschend und von wohltuender Fröhlichkeit. Em geborener Feuilletonist, wie wir sie in Deutschland nicht viele Haden, von einer Art, Die den Leser umschmeichelt und ihm physisch ivohltut etwa wie dem Weingemeßer ein guter rheinischer Tropfen oder dem Radfahrer em erquicklicher leichter Sausewind in farbenreichem Felde. Wer freilich eindringlichen Ernst, in der Tiefe schürfende psychologische Forschung in den Gaben des anmutigen Talentes PresberS suchen wollte, würde arg zu kurz kommen.
Diese liebenswert tändelnde Leichtblütigkeit PresberS verleiht seinem Lustspiel ^Nachtkritik" Die Vorzüge und Die Fehler. Die Vorzüge sind Der oft sprühende, mitunter leck unb kokett pointierte Dialog, sind die aus intimer Kenntnis heraus geschaffenen, eignen Beobachtungen nachgestalteten Schilderungen des reDaUioiieÜen Ge- und Betriebes, sind manche klugen und guten Worten über die hohen Kulturaufgaben der Journalistik, ist die Art, wie sich Dir Makrokosmos in Dem so vielfach m iß achteten unD doch so viel beachteten, in dem so viel mißbrauchten und gebrauchten, benutzten wie nützlicher. Mikrokosmos einer ZeitungSredaltion sich abspielt. Tie Fehtec sind außer Den auch in feinen meduchen Novelletten nur zu oft zu beobachtenDen unleidlichen hand- lungsloien. Den ganzen Witz schädigenden Längen, Die völlige


