Ausgabe 
22.8.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 196

Zweites Matt

157. S

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Erscheint tSgllch mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

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* Zur Das Großh. dringlich vor Gebäude und

zur Annahme der von der deutschen Delegation vorgelegten Reso­lution.

Pflicht der sozialistischen Frauenbewegung in allen Ländern ist es, sich an allen Känrpfen, welche die sozialistischen Parteien für die Demokratisierung des Wahlrechts führen, mit größter Kraftentfaltung zu beteiligen, aber auch mit der nämlichen Energie dafür zu wirken, daß in diesen Kämpfen die Forderung des allgemeinen Frauenwahlrechts nach ihrer grundsätzlichen Wich­tigkeit und praktischen Tragweite ernstlich verfochten wird.

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Am Nachmittag besichtigten die Genossen in corpore die Stadt und machten Ausflüge nach den Schlössern Rosenstein und Wil- hlelma.

Für den Abend war eine große Volksversammlung mit Dr. Pernerstorfer-Wien, Frau Lily Braun-Berlin und National- rat Greulich-Zürich als Rednern vorgesehen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion.^OllZ. Tel.-AdruAnzeigerGießen»

Ans StaSt nnd Land.

Gießen, 22. Aug. 1907.

Beachtung für Eltern und Erzieher.

Polizciamt Gießen warnt (s. amtl. Teil) ein-- dein durch Kinder verübten Beschmieren der

Einfriedigungen, und weist darauf hin, daß im

^nimuitioiialer SoziaListen-Kongreß.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

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S. u. H. Stuttgart, 20. Aug.

Donnerstag 22. August 1907

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

DieSiebener ^amUienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

. Deute trat der Internationale Sozialisten-Kongreß zu seiner ' rsten Plenarsitzung unter denr Vorsitz Singers zu- rmmen. Nach der offiziellen Feststellung sind insgesamt 886 jj)elegierte anwesend. Zunächst wurden alle seit dem Amster- 1 !nn^r Kongreß vom Internationalen Bureau gefaßten Resolu- onen en btoc gebilligt. (Beifall.)

Die erste dieser Resolutionen erhebtim Namen des Pro- tariats aller Länder den entschiedensten Protest gegen die preußische P o l it i k der G e r m a n i s i e r u n g Polens." ine zweite Resolution fordert denSchutzderausländifchen Arbeiter. Eine dritte Resolution protestiert gegen die A u s - < eisung fremder Arbeiter aus Argentinien und ne vierte nimmt gegen d i e V e r fo l g un g derrussischen S ozialisten rn Deutschlan d Stellung. In einer fünften ^psolution spricht sich der Kongreß für die Unabhängigkeit er balkanischen Völker aus.

I Die sozialistische Einheit in allen Ländern be- p -isst die nächste Resolution. Die siebente und letzte Resolution $ trifft die antimilitaristische Propaganda und be- 1(3 rot: Sobald die Ereignisse einen Krieg möglich oder wahr- peinlich nrachen, werden sogleich die sozialistischen Parteien der :troffcnen Länder miteinander in direkte Verbindung treten, m ein gemeinsames und übereinstimmendes, proletarisches und >zialistifches Vorgehen zur Verhütung des Krieges festzusetzen

Kleines Feuilleton.

Aus den Frankfurter Theatern. Aus ankfurt wird uns unter dem 21. ds. geschrieben: Als ste Premiere brachte unser Opernhaus gestern Anton ubinsteins schon über 30 Jahre alte und bei uns Deutschland trotzdem nirgend eingebürgerte, in Frank- rt sogar noch ganz unbekannte OperDer Dämon". :r lebhafte Erfolg, den die Aufführung fand, hat gezeigt, ß die große Mühe, die sämtliche Mitwirkenden an die sung ihrer Aufgaben setzten, sich gelohnt Hut. Man nicht blind gegen die Schwächen des Werkes, aber man teilt setzt milder über sie, da man dieses Werk schon :hr historisch ansieht und an eine Konkurrenz Rubin- ins mit Wagner nicht mehr ernstlich denkt. Daß der off, der einer Dichtung des großen russischen National- hters Lermontofs entstammt, nicht dramatisch ist, daß - Gestalt des Dämon, der bald mächtiges Elementar­sen, bald menschlich schwach ist, und sein Kämpf um - Liebe der schönen Prinzessin Tamara keineswegs klar irakterisiert sind, daß es der großen enttcheidenden Vrbesszene im letzten Akt an dramatischer Wucht und Irtvoller Leidenschaft fehlt, ist heute ohne jede Diskussion I r. Aber die echt musikalischen, in Rhythmus und Melo- 11 ost mit glücklicher Hand national gefärbten Stzenen, 5 c allem das hinreißend schone Ballert im dritten Akt b doch Perron, deren Glanz hell genug erstrahlt, um ' Ausführung der Oper auch heute, im Zeitalter Wagners j b Richard Strauß' noch erfolgreich zu machen. Die rstellung war szenisch glänzend und darstellerisch aufs bufic gelungen. Zu nennen ist an alererster Stelle ) au He n ser - Sch weitzer als Tamara. Neben ihr Herr :eiten selb als Dämon, Herr Wirk als Prinz. .Dr. > t t e n b e r g dirigierte brillant. Intendant JMfen hat

Frankreich nur 12 264 neue Werke jährlich auf den Markt wirft gegen 27 606 neue deutsche.

Unter den alten Akten der früheren Uni­versität Wittenberg ist ein interessantes Schriftstück auf­gefunden worden, das ein Stück Wittenberger Sittengeschichte aus der Mitte des 1 6. I a h r h u n d e r t s enthält. Die Studenten jener Zeit waren nämlich groß im Schuldenmachen bei Gastwirten und Schneidern. Um diesern Unwesen zu steuern, erließen die Stadt Wittenberg und die Universität Edikte, die vorschricben, daß die Studenten jeden Freitag die Wirte bezahlen sollten. Geschah dies nicht und kreditierte der Wirt über ein gewisses Maß hinaus, so wurde er als Förderer der Lüderltchkeit bestraft. Das große Kreditedikt wandte sich aber besonders gegen die hohen Schneiderrechnungen. Es verordnete:Dieweil die Pluderhosen eine schändliche Tracht sind, soll der Schneider, welcher sie gemacht, dein Rate 10 Gulden und der Student, welcher sie trägt, dein Rektor 10 Gulden zur Strafe geben oder drei Jahre relig'iert und dem Rektor solch Kleid zu überantworten schuldig sein." Im Jahre 1568 erschien eine ausführliche Wittenberger Kleiderordnung, die sogar den Macherlohn bestimmte, den die Schneidermeister nicht überschreiten durften. Nach ihr war ihnen erlaubt, für einen Mantel höchstens zwei Taler, für einen Rock von lundener Tuch höchstens 15 Groschen, für eine Hose 10 Groschen re. zu verlangen.

Der Zar als 9)1 äcen. Der Zar bringt der Kunst und der Wissenschaft ein großes Interesse entgegen. Besonders läßt er sich die Pflege der russisch-nationalen Musik angelegen fein, da et von ihr eine Förderung des nationalen Sinnes erwartet. Aus diesem Grunde hat er für russische Komponisten, die unterstützungs­bedürftig sind itiYb Talent haben, Geldunterstützungen und Prämten bewilligt, die von ihm auf Vorschlag des Konservatoriums verteilt werden. In Aussicht genommen sind vor der Hand zwei Preise, einer von 5000 Mark und einer von 2500 Mark. Auch den wissenschaftlichen Arbeiten Rußlands kommt er fördernd entgegen. So hat ein russischer Ingenieur, namens Ssokolow, ein neues System fiir drahtlose Telcphonie erfunden, bei dem als besonderer Vorzug große Ersparnis von elektrischer Kraft genannt wird. Dieses System, das in jeder Hinsicht große Vorzüge haben soll, will sich nun der Zar persönlich vorführen lassen.

ch nd zu vereinbaren. .

vt Ter Vorschlag der südafrikanischen und französischen Dele- fl rtioncn, den Nutzen einer internationalen Hülfs- Sprache (Esperanto) zu betonen, wurde als verfrüht ab» ä 'lehnt.

j Darauf wurden die Verhandlungen um V/> Uhr auf Mitt- l|t och 10 Uhr vormittags vertagt.

3 Tas ThemaDer Militarismus und die inter- , a t ion alen Konflikte" beschäftigt länger, als man ur- i,t wünglich glaubte, die erste Sektion des Internationalen Kon- iz cesses. Bebel als Referent für die deutsche Sektion gab I- iner Ansicht dahin Ausdruck, daß das ThemaMilitarismus" e Internationalen Kongresse nachgerade genug beschäftigt habe, peziell das, was der Genosse Gustave Hervs in seinem Merke Leur Patrie" über den Antipatriotismus ausgeführt Tbe,, sei schon weit früher von Tomela Nuiwenhuis, dem j tzt ins anarchistische Lager abgeschwenkten Genossen, aus den $ ^nationalen Kongressen gesagt worden. Wenn Hervs sage, das aterland sei nichts für den Proletarier, weil es ausschließlich St r herrschenden Klasse dienstbar sei, so sei dem doch ent- et'geumhalten, daß die bloße Negation unfruchtbar ' Das ganze Kulturleben baue sich in Wirklichkeit auf natio- alem Boden und auf der Grundlage der Muttersprache auf.

3 weise speziell aus die Verhältnisse in Oesterreich und Polen i. Auch in Rußland werde die Nationalitätenfrage

2 )ch einmal erwachen. (Widerspruch Rosa Luxemburgs.) Er . innere ferner an die Freiheitskriege. Und wie habe sich lsas'Lolhringcn gegen die Trennung von Frankreich gewehrt, ir dem es trotz der deutschen Sprache so eng verwachsen ar. Ter Gedanke Herväs, daß das Proletariat kein Interesse j ran habe, ob Deutschland Frankreich oder Frankreich Deutsch- nd erobere, sei absurd. (Zurufe: Tas ist gar kein Gedanke! j 'äerkeit.) Hervs würde einfach von seinen eigenen Landsleuten ucr die Füße getreten werden, wenn er diese Lehre einmal | ^wirklichen wollte. (Sehr richtig!) Was habe er, Bebel und d eblnccht, nicht 1870 am eigenen Leibe erfahren müssen, als u' sich nur der Abstimmung über die Kriegsanleihe enthielten, E ährend sie doch nur so gehandelt hätten, weil die l- h u n g der Emser Depesche schon durchschaut und die

s r iegsprovokation durch Bisnrarck erkannt hätten. Tie von eroe empfohlenen Mittel: Massenstreik, Fahnenflucht und Jn- rrcftion werden im Kriegsfälle untauglich sein, nicht mur in sch land, sondern auch in Frankreich. Würde die deutsche o Aaldemokratie die ihr durch die Gesetze aufgezwungene strenge 1 mttralität gegenüber der Armee aufgeben, so hätte sie gleich Paragraphen des Strafgesetzbuches auf dem Halse. (Sehr tjiig! bei den deutschen Delegierten.) Eine erfolgreiche i r c in i l i t ar i sti s ch e Agitation in Frankreich aber Irde, den W eltfr ieden gefährden. Tatsächlich verfolge der ' u t s ch e G e n e r a l st a b die gegenwärtigen Jnsurrektionsfälle

,L nerhalb der französischen Armee mit dem größten Interesse, J i! ein desorganisiertes H e er Ieine Schwierigkeiten j «cije. (Bewegung.) Ernsthaft wolle zurzett niemand in eutschland den Krieg, denn die Herrschenden Müßten ganz genau, daß sie sich nicht unter len Umständen auf die zwei Millionen sozial.

and wehr männer verlassen könnten. Habe doch Fürst I Hon) sogar zugegeben, daß jetzt ein Krieg der herrschenden

Falle der Strafunmündigkeit der Schuldigen, deren Eltern, Vormünder re. zur Verantwortung gezogen werden.

V o m L e h r e r b e r u f. Die kürzlich veröffentlichte Statistik über den Schülerbestand in den Präparanden- anstalten Hessens und die dabei vertretenen Berufsarten der Eltern wirft, wie man uns aus Lehrerkreisen schreibt, ein Schlaglicht auf die Schwierigkeit des Lehrerberufes, das keiner Erläuterung bedarf. Von 312 Schülern sind nur 12 Söhne von Lehrern! Auf die ca. 3000 Lehrer Hessens ent­fallen somit nur 0,4 %. Niemand vermag die Schwierig­keit und Anstrengung eines Berufes besser abzuwägen, als seine Glieder. Wenn nun nur eine so verschwindend kleine Zahl von Lehrern ihre Söhne wieder Lehrer werden läßt, so offenbart das klar, daß der Lehrerberuf Schwierigkeiten bietet, die vielfach unterschätzt werden.

R- Odenhaus'e n, 20. Aug. Am Sonntag waren unserem sonst so stillen Dörfchen einige schöne Stunden beschieden, tnbcnti der Kriegerverein Kesse tbach, welcher noch eine stattliche Aw­zahl alter Kriegskameraden birgt, seine diesjährige Gravelotte^ feier hier abhielt. Mittags P/s Uhr kam der Verein mit benn Gesangverein Kisselbach. Lehrer Schmidt von Nüddingshäusen stellte sich mit seiner Schülerkapelle an die Spitze und unter den munteren Tönen der Musik ging es durch das Torf, nachdem sich der Gesangverein Odenhausen noch ängeschlossen hatte, nach dem nahen im schönen Wald gelegenen und für derartige Zwecke sehr passenden Festplatze. Der Präsideirt des Kriegervereins, Vete-^ ran Schomber, begrüßte die Anwesenden und hieß sie herzlich willkommen. Tie Schülerkapelle eröffnete die Feier mit einigen patriotischen Musikstücken, sodann fangen die Gesangvereine ge­meinschaftlich unter Leitung ihres bewährten Dirigenten Lehrer Ziegler-Kisselbach einen Gesamtchor: Ter Feind rückt an, den Stahl zur Hand, zur Grenzwacht zieht das Heer! Präs-, Schomber hielt nun einen Vortrag über die Schlacht am 18- August 1870, indem er ihren Hergang, soweit er selbst daran beteiligt war, schilderte. Der alte Herr sprach mit solcher Wärme und solchem Eifer, daß manche stille Träne über die gefurchten Wangen der alten Meger rollte, aber auch die übrigen Anwesenden^ waren von seinen Worten sehr ergriffen. Ter Redner schtost mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den obersten Kriegs^ Herrn- Hierauf wechselten Gesangsvorträge und Musikstücke. So­dann ergriff Bahnhvfs^Aufseher W'eb er das Wort, um in längerer Ansprache unser schönes Vaterland und 'seine Machtstellung in der Welt zu feiern- Er brachte ein kräftiges Hoch auf die WiÄev- erbauer des deutscher: Vaterlandes aus- Veteran Becker-Kessel­bach dankte in bewegten Morten allen, die zur Verschänerungj der Feier beMettagen und fprach den Wunsch aus, noch öfters solch traute Stundei: hier verleben zu dürfen- Kamerad Hill- giärtner sprach ebenfalls über den 18- August 1870. Den Vorsitzende des Gesangvereins K^esselbach feierte dann noch das deutsche Lied und feine Bedeutung- Tie übrige Zeit wurde durch Einzelchöre der beiden Vereine sowie durch Musikstücke ans gefüllt Der kleine Chor Knaben von 1014 Jahren hat feine Aufgabe prächtig erfüllt und viel zur Unterhaltung der Anwesenden bevi getragen. Gegen Abend schieden die Gäste mit dem Bewußtsein^ eine würdige Feier verlebt zu haben und als sie von dem hoch­gelegenen Festplatze in das herrliche Lumdatal herabmarschiertenj und der Weg am Friedhöfe vorbeiführte, mag mancher alter Veteran der Kameraden im Stillen gedacht haben, die die kühle Erde deckt- , i v

Ulrichstein, 21. Aug. Die Aufbringung bezw. Garantierllng der zum Bahn bau Mücke-Ulrichstein

sich selbst um die Regie verdient gemacht. Ter Besuch ist sehr zu empfehlen. Dr. G. Z.

Heber Frau Bayrhammer alsFrau von Pöchlaar" in Schönthan-KadelburgsGoldfischen" lesen wir in Kasseler Blättern:Tie Künstlerin war von entzücken­der Anmut und traf den Ton süßer Schelmerei mit der gleichen Sicherheit, wie den für ernstere Empfindungen." In einem anderen Blatte he:ßt es:Frau Bayrhammer verdient entschieden einen ersten Preis. Unsere Bühnen­leitung hat in dieser jungen Künstlerin eine Kraft ge­wonnen, zu der man sie nur beglückwünschen kann. Mit einem reichen Toilettenaufwand hielten die innerlichen Eigenschaften Schritt, so daß die Figur der verliebten jungen Witwe ihren vollen Reiz ausübte. Wie sie das Bangen, durch ihren unbesonnenen eifersüchtigen Schrttt, die Liebe Erichs wieder zu verlieren, zum Ausdruck brachte, das zeugte von wirklich starker Innerlichkeit des Empfindens. Alles in allem eine Leistung, an der man seine Freude haben konnte."

E. K. Die Büch er pro duktio n der Kultur­völker. 80 OM neue Werke werden alljährlich in folgen­den 11 Staaten mit zusammen 314 000000 Einwohnern- veröffentlicht: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schwerz, Belgien, Holland, Däne­mark,^ Norwegen und Vereinigte Staaten. Das macht im Durchschnitt ein Buch aus 3920 Einwohner. D:e Schweiz hält den. Rekord der Fruchtbarkeit: Aus 448 Schweizer kommt jährlich ein Buch! Es folgt Holland mit erneut Bande auf 1600 Einwohner, und weiter schließen sich mit folgenden Zahlen an: Dänemark 1618, Deutschland 2085, Belgien 2700, Norwegen 3146, Frankreich 3180, Großbritan­nien 4642, Italien 5320, Vereinigte Staaten 10171, Oester­reich- Ungarn 20 454. Das französische Blatt, das diese Zahlen zusammenstelltt bebt nocy besonders hervor, haß

Militarismus als solcher sei man sich ja vollkommen einig. Tie deutsche Sozialdemokratie bekämpfe den Krieg und den Militarismus durchaus, aber sie könne und werde sich darüber hinaus nicht zu Schritten drängen lassen, die dem ganzen Parteileben, ja der Existenz der Partei im höchsten Maße ae- fähtlich werden könnten.

Gustave H e r v 6 , mit Beifall und Zischen begrüßt, der zu­sammen mit Jaurös, Guösde, Vaillant die ftanzösische Dele­gation in der Sektion darstellte, führte auf diese Angriffe Bebels hin aus, er wisse nicht, ob wiEch der General st ab in Berlin seine Agitation mit so großem Interesse und solcher Freude verfolge, wie Bebel es' dargestellt habe. Aber das eine wisse er gewiß, daß die g an z e s o z ial ist is ch e W e l t mi t Erstaunen und.Trauer auf diegegenwärtigeHal- tung der deutschen Sozialdemokratie zum Mili­tär :smus blicke. (Beweaung.) Die französische antimilitar. Propaganda sei in dem Augenblick brutal, rücksichtslos und wild geworden, als die russische Revolution ihren Höhepuntt erreichte und täglich die preußischen Bajonette auf die russischen Revolutionäre loszugehen drohten. W:r fragten uns, was wird dagegen die deutsche Sozialdemokratie tun und mußte:: fürchten, daß sie gegen so ein frevelhaftes Begmnn: nichts' alsdas moralische Gewicht ihrer drei Mill. Stimmen in die Wagschale werfen" werde. (Große Heiterkett.) Dann kam die schreckliche Spannung der Marokko­affäre, da die Kriegsfurie über Deutschland und Frankreich schwebte. Und wieder fragten wir uns, und wieder hatte die deutsche Sozialdenwkratie als Antwort nur das moralische Gewicht ihrer drei Millionen Stimmen. Bebel hat mich gütigst darüber belehrt, .daß dieVaterländer" im gegenwärtigen Europa eine historische Tatsache sind. Aber ich habe von Bebel noch mehr Interessantes gelernt. In Amsterdam sagt er uns: Ob deutsche Monarchie oder französische Republik, ist ganz gleich. Genau dasselbe sage ich euch heute. Meine antimilitaristische Agitation sollte ein lauter Schrei, ein Warnungsruf an die deutsche Sozial- demokratie sein, ihrerseits ihre Pflicht für die Inter­nationale LU tun und den Krieg unmöglich zu machen. Meine Agitation hatte den größten, durchschlagendsten, großartigsten Erfolg. (Heiterkeit.) Ist nicht schon das ein Erfolg, daß ich in jeder Stadt, in jedem Dorfe Frank- reichS dieJdee desVaterlandes verlachendurfte, ohne in Stücke gerissen zu werden?

Ich verkenne die großen Verdienste von Marx und Engels, Lassale und Kautsky, Bebel und auch Bernstein des einzigen, der in Deutschland noch Mut hat durchaus nicht. Aber jetzt seid Ihr nur noch eine Wahl- und Zahl­maschine, eineParteimitMandaten undKassen. Mit dem Stimmzettel wollt Ihr die Welt erobern. Aber ich frage .Euch: Wenn deutsche Soldaten abgesandt werden, den Thron des russischen Kaisers wieder aufzurichten, wem: Preußen Frankreichs Proletarier überfällt, was werdet Ihr tun, was werdet Ihr tun?.? Und nun antwortet nicht metaphysisch und nicht dialektisch, sondern offen und klar, praktisch und taktisch: Was werdet Ihr tun? Was soll Euch im Kampfe gegen den Krieg der Stimmzettel? Ich weiß, im Jahre 1871 ging Bebel als Rebell ins Gefängnis. Aber jetzt fürchtet Ihr den Kampf mit der Regierung, habt picht mehr dm Mut, dem preußischen Zuchthaus zu ttotzen. (Rosa Luxem-burg: Das ist unwahr!) Sie meine ich natürlich nicht, aber sonst hört man nichts mehr davon, daß ein deutscher Sozialdemokrat Mut auch vor dem preußischen Gefängnis hat. (Bebel: Sie wissen ja gar nichts! Zehnmal mehr Gefängnis nehmen wir auf uns, als die französischen Antimilitaristen!) Nein, jetzt ist die ganze deutsche Sozialdemokrat:e verbürgerlicht und Bebel unter dieRevisionisten" von Marx gegangen, indem er sagt:Proletarier aller Länder mordet Euch!" (Große Unruhe!) Ich war gespannt darauf, die deutsche So- zialdemokratte persönlich kennen zu lernen, die ich seit Jahren nur mit Achselzucken aus dem silbenstecherischen, haarspaltenden Kampf um die Auslegung von Karl Marx kannte. Jetzt habe ich sie in den Straßen Stuttgarts gesehen, die deutschen Proletarier: Meine naiven Illusionen sind alle zerstört, jetzt weiß ich den Wert ihrer radikalen Phrasen zu schätzen; es sind gute, heitere, zu- friedene satte Spießbürger. (Schallende Heiterkeit.) Der französische Generalstab ist durchaus moralisch entwaffnet; er weiß, daß der Krieg den Aufstarch des Proletariats bedeutet. Der Inter­nationalismus der deutfchen Sozialdemokratie ist Lipp en dienst und Kongreßbummelei. Sie hemmt, sie erdrückt uns. Und so nehme^ ich an, daß bei dem Kadavergehorsam, den die deutschen Sozialdemol'raten dem Kais er Bebel entgegenbringen, sie dem Kaiser widersta::dslos in den Krieg folgen und ihre Bajonette auf die Brust der französischen Proletarier setzen wer­den, die die Barrikaden mit der roten. Fahne der Revolution verteidigen. (Unruhe und Lachen.)

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.Die internationale Fr auen konf er enz kam nach zweitägigen, endlosen Debatten über das Frauenstimmrecht