t Handeltreibende und Kaufleute, ö Schriftsteller und Redakteure, 2 Landräte, 1 Prinz, 3 Grafen (2 auch als Rittergutsbesitzer gezählt), 1 Geheimrat, 4 Rentner, 6 Direktoren, General- und Arbeitersekretare u. dergl., o Bürgermeister, 1 ohne Beruf. Die Fraktion der Polen erscheint mit 4 Rittergutsbesitzern, 3 Anwälten, 4 . .cm, 1 Gewerbetreibenden, 1 Fürsten, 1 Rentner, 4 Schristst . Redakteuren usw. und zwei Abgeordneten ohne Berus. Vo. den N a tio n a l lib er a l en sind 5 Rittergutsbesitzer, 3 Gutsbesitzer, Landwirte u. dgl., 1 Oekonomierat, 4 Gerichtsbeamte, 7 Anwälte, 6 Kirchen- und Schulbeamte, 5 Gewerbetreibende, 8 Kommunalbeamte, 1 Militär, 1 Arzt, 4 Kommerzienräte, 2 Landräte, 1 Prinz, 1 Graf, 4 Geheimräte, 1 Rentner, 2 Direktoren, Sekretäre usw. Die freisinnige Volkspa r t e i stellt 2 Gerichtsbeamte, 4 Anwälte, 8 Professoren, Lehrer und Schulvorsteher, 2 Gewerbetreibende, 6 Kommunalbeamte, 2 Aerzte, 1 Kaufmann, 1 Schriftsteller, 1 Kommerzienrat und 1 Rentner. Zur Freisinnigen Vereinigung bekennen sich 1 Bergrat a. D., 2 Anwälte, 1 Pfarrer a. D., 1 Gewerbetreibender, 1 Kommunalbeamter, 1 Arzt, 1 Schriftsteller, 4 Direktoren, Sekretäre usw., lohne Beruf. Tie süddeutsche V o l k s p a r t e i hat ihre 7 Mandate 3 Anwälten, 1 Kaufmann, 1 Schriftsteller und 2 Gewerbetreibenden übertragen. 1 Gutsbesitzer, 1 Rechtsanwalt und 1 Fabrikbesitzer bilden die Gruppe der Lothringer. Der einzige Däne im Reichstag ist Redakteur. Von 43 Sozialdemokr aten bezeichnen sich nicht weniger als 18 als Schriftsteller und Redakteure: außerdem gehören der Fraktion an 1 Privatbeamter, 2 Anwälte, 8 Gewerbetreibende, 1 Stadtverordneter, 6 Kaufleute, Geschäftsführer u. dgl., 1 Rentner, 4 Verbandsvorsitzende. Sekretäre usw., 2 ohne Beruf. Unter den Wilden, die sich den konservativen und liberalen Gruppen zurechnen, ist 1 Prinz, 1 Graf und 1 Rektor.
Airche und Schule.
— Das Staatsministerium in Oldenburg hat der Realschule Ober st ein-Idar den Slaatszuschuß (jährlich 18 500 Alk.) entzogen und die Aufnahme neuer Schüler in Sexta untersagt, bis die erforderlichen Räume beschaffen und die Lehrergehälter neu geregelt sind.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 20. Februar.
— Prinz Ludwig von Battenberg, Großbritannischer Konteradmiral, ist, wie die Dacmst. Ztg. mitteilt, von seiner bisherigen Stellung als Chef des zweiten Kreuzergeschwaders entbunden und unter gleichzeitiger Beförderung zum überzähligen Vizeadmiral zum zweit- kommandierenden Admiral der Mittelrneer-Flotte ernannt worden. Der Prmz-Admiral wird seine Flagge auf dem Linienschiff „Venerable' hissen.
— Geh. Obermedizinalrat Dr. Karl Neidhardt in Darmstadt feiert, wie die N. H. V. hören, heute seinen 7 0. Geburtstag. Dem ausgezeichneten Beamten, der sich als Vorsitzender des Hessischen Landesverbandes gegen den Mißbrauch geistiger Getränke als Mitbegründer der Darmstädter Volksküche und der Hessischen Trinkerheilslätte um das Gemeinwohl noch besondere Dienste erworben, wird es an herzlichen Glückwünschen zu diesem festlichen Tage gewiß nicht fehlen.
— AiiS dem Militär-Wochenblatt. Befördert: zu Lts. der Res.: Werth (Halberstadt), Nierhaus (Elberfeld), des Großh. Art. Korps, 1. Gcoßh. Hess. Feldart. RgtS. Nr. 25, Glimm (Danzig), des Großh. Hess. Tcarn- Bats. Nr. 18, Edler (II. Darmstadt), des Inf. Leibrgts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) 9lr. 117, Maercks (Friedberg), des 5. Großh. Hess. Inf. Rgts. Nr. 168, Schm i tz ('Mainz), des Garde-Drag. Rgts. (1. Gr. Hess.) Nr. 23, Konrad (Worms), des 2. Gr. Hess. Feldart. Rgts. 9lr. 61, Schmitt (Mainz), des 2. Nassau. Feldart. Rgts. Nr. 63 Frankfurt; Vonnegut (Mainz), zum Lt. der Ländw. Inf. 1. Aufgeb., Otto (Hanau), des Garde-Schützen-Bats. Der Abschied bewilligt: Eller ('Mainz), Hauptm. der Res. des 1. Nassau. Inf. NegtS. Nr. 87, Pfeiffer (Gießen), Oberlt. der Landw. Feldart. 1. Aufgeb., Secker (Mainz), Lt. der Landw. Pioniere 2. Aufgeb., Dr. Klein (I. Darmstadt), Oberarzt der Landw. 1. Aufgebots. — Befördert zum Asslst.-Arzt: Unterarzt der Res. Dr. Birkenholz (Friedberg).
•• Wohltätigkeits-Konzerte der Gießener Militär-Vereine am 28. Februar und 3. März in Steins Saalbau. Am verflossenen Sonntag hat der „Engere Ausschuß' alle auf die Konzerte bezüglichen Fragen geregelt. Von Freunden und Gönnern der Vereine sind für den edlen Zweck bereits namhafte Spenden eingegangen. Die aus früheren Hoboisten und Musikfreunden gebildete Kapelle ist fleißig an dec Arbeit, ein schönes Gelingen des musikalischen Teiles also gesichert. Nun ist es aber auch eine Ehrenpflicht der Militär-Vereine, auö ihrer Mitte dazii beizutragen, daß eine stattliche Zuhörerschar alter Soldaten den Saal füllt. Aber auch auf weitere Kreise muß unbedingt gerechnet werden, löenn alles wohlgelingen soll. Wenn die Militärmusik ertönt, wenn die Fahnen wehen, strömen Hunderte nach dem Paradeplatz oder dem Manöverterrain, wenn nur ein kleiner Teil dieser „Schlachtenbummler' der Alten von 1866 und 1870/71 gedenkt, muß das schöne Liebeswerk gelingen.
— Künstlerkonzert. Die Besucher des, ruie bereits mitgeteilt, am Sonntag, den ö. März in Steins Saalbau stattfindenden Klavier-, Lieder- und Duettabends dürfte eS interessieren zu hören, daß die beiden auftretenden Sänger, die Herren Theurer und Zimmermann unlängst in Stuttgart in einem Konzert auftratcn, dem auch die Königin von Württemberg beiwohnte. Nach Schluß des Konzerts konnten die beiden jungen Künstler von der Königin sehr anerkennende Worte hören. Das .Stickig, Tagebl." äußerte sich über die beiden Sänger folgendermaßen: Herr Zimmermann bekundete in Liedern von Schildert und Schumann ein kräftiges, biegsames und gediegene Schulung verratendes Organ. Der Vortrag selbst zeugte von Tiefe der musikalischen Auffassung. Von Herrn Theurer rühmt dasselbe Blatt die kräftige, außergewöhnliche klangschöne Stimme verbunden mit einer sehr wohltuend berührenden Wärme des Vortrags.
— Gegen namenlose Mitteilungen (anonyme Denunziationen) wendet sich in dankenswerter Weise folgende amtliche Bekanntmachung des KreisamteS Bingen: Die nie aufhöcenden, neuerdings sich noch mehrenden Mitteilungen ohne Namensnennung (anonyme Denunziation) veranlassen uns, immer wieder erneut darauf hinzuweiien, daß derartige Zuschriften gar keine Berücksichtigung finden, daß unS aber sedermann vertrauensvoll seine Wünsche, Klagen und Beschwerden offen Vorbringen und versichert fein kann, daß ihm Im Falle der Begründung keinerlei Unannehmlichkeiten irgend einer Art daraus erwachsen sollen.
— Heimarbeitausstellung zu Frank f it r t a. M. Der Ausstellnngsvorsiand, dem satzungsgemäß die Leitung sämt- ltchee das Ausslellnngsunternehmen betreffender Geschäfte obliegt und der das Unternehmen nach außen vertritt, hat seine Aemker in folgender Weise verteilt: 1. Vorsitzender Fabrikant I. H. Epstein, 2. Voilitzender Professor Tr. Pl). Stein, 3. Vorsitzender Sladto. Rechtsanwalt Tr. L. Brrtck, Kassensührer Prokurist der Teutfchen Bank E. Simon, 1. Schriftführer Geschäftsführer Dr. Pelrenz, •2. Schriftführer Gewerkschaftssekrelär L. Torschu. Zur Erledigung der vorhegenben Arbeiten hat der Ausstellungsvorstand drei Sonderausschüsse geschaffen, einen Finanzausschuß, dessen Vorsitz Kommerzienrat ^adenburg übernommen hat, einen Preßans - schuß, den Direktor Th. Eurti leitet und einen w t s s e n s ch a f t l. Ausschuß, dem Professor Tr. P. Arndt vorsteht. Dem letztgenannten Ausschuß wird insbesondere die Leitung der wissen- schaillichen Arbeiten und die Bildiing von Fachausschüssen für die verschiedenen Ziveige der Heimarben obliegen.
Was durch Selbsthülfe erreicht werden kann, zeigen die Emrichtiingen des Deutschnationalen Hand- lungsgehülfen-Verbandes. Ter Verband, der Ende 1893 gegründet wurde, zählte am 1. Januar d. I. 90413 Mitglieder und die Abteilung für Lehrlinge 5174. Ter Verband, der dec größte kaufmännische Verein dec Welt ist, besitzt in Hamburg ein eigenes Verwaltungsgebäude und unterhält Geschäftsstellen in Berlin, Leipzig, Köln, Mannheim, Breslau, Chemnitz, Dresden, Hannover, Stuttgart, Magdeburg und Wien, in denen ec 143 Angestellte beschäftigt. Tie Unter- stützungskassen verausgabten im letzten Geschäftsjahre 78 341,20 Maik, wovon 60 352,40 Mark auf die Versicherung gegen Stellenlosigkeit entfielen. Das Vermögen dieser Versicherungs- kasie betrug rund 310000 Mack. Dte Kcanken- und Begräbniskasse hatte 15 280 Mitglieder und ein Vermögen von rund 230000 'Mark auszuweisen.
Lehrergehälter in Offenbach. Die Nachricht aus Offenbach, daß der Antrag der dortigen Lehrer auf Teuerungszulage abgelehnt worden sei, bedarf der Richtigstellung. Die Lehrer hatten nicht den Antrag auf Teuerungszulage gestellt, sondern um eine Neuregulierung ihrer Gehaltsskala gebeten. In dec Stadtoerordneten- liijung vom 28. Januar 1907 wurde der Beschluß gefaßt, die Bürgermeisterei möge sich mit dem Vorsitzenden des Lehrer- verems in Verbindung setzen und anfragen, ob die Lehrer eine Teuerungszulage wünschen, wie sie den städtischen Beamten gewährt worden ist, oder ob sie eine Neuregulierung ihrer Gehallsvcrhältmsse vorzichen.
** Sektion deutscher Platzholzhändler. Am 11. d. Mts. lsand in Franksurr a. M. eine-' Versammlung von Platzholzhäiidlerit des Großherzogtums Hessen, der Provinz Hessen- Nassau und des Regierungsbezirks Cobleuz söatt. U. a. wurde ein Beschluß gefaßt, der das Verhältnis der Platzholzhändler gegenüber ihren Lieferanten berührt. Eine Resolution lautete dahin, daß die Lieferanten, die als solche gleichzeitig Stontimxnten sind, aus das Unnatürliche des Verhältnisses hiiigewiesen und unter Zusicherung tunlichster Zuwendung von Au,trägen dahin ver- pslichtet werden, ihre direkten Lieferungen an Konsumenten zu unterlassen. Des weiteren wuroc zur Frage der Sicherung der Bauforderungen beschlofsen, dem Reichstag in einer Eingabe und unter ausführlicher Begründung des in Aussicht genommenen Gesetzes die Annahme des Gesetzes dringend zu empfehlen.
Werdorf, 19. Febr. Ist das schon Herdors? fragte kürzlich ein Herr seine Mitfahrenden, als der Schaffner imsere Station ausrief. Schon mehrmals solls vorgekommen sein, daß ziim erstenmal nach Herdorf reisende, unkundige Leute hier aiisgestiegen sind, weil sie sich verhört hatten, zumal die Flamen Wecdorf und Herdorf (Sieg) zum verwechseln ähnlich klingen. Wir möchten deshalb eine Namens- abändernng und zwar die Bezeichnung Werdorf-Dill oder Werdorf-Berghausen Vorschlägen. Letztere Benennung ist um so zutreffender, als die Dorfschasten Werdocf und Berghausen fast gleichweit von unserer Eisenbahnhaltestelle entfernt liegen.
A Frankfurt, 19. Febr. In der vergangenen Woche hielt der Demokratische Verein seine Generalversammlung. Den Vorsitz führte Abg. R. Oeser, der allen Dank sagte, die in der Wahlbewegung rege mitgearbeitet haben, und die Notwendigkeit des Fortbaues der Organisation betonte. Zur Zeit zählt der Verein nahe an 1200 Mitglieder. Rege Tätigkeit entwickelte der Verein bei den Stadtoerordnetenwahlen und der Neichstagswahl, die erfolgreich durchgeführt wurden. Nach 22 Jahren ist die Demokratie wieder in den Besitz des Reichstagsmandats gelangt. Nachdem der Kassenbericht erstattet und Decharge erteilt war, entstand eine lebhafte Diskussion, in der hauptsächlich Anregungen gegeben wurden, wie man die neugeschaffene Organisation in Zukunft noch stärken könne, und in der man auch der eifrigen Mit- ar beit'bei: Frauen gedachte. Einstimmig wurde folgender Antrag angenommen: ,Der Demokratische Verein erklärt sich mit der Bildung eines gemeinsamen Komitees, bestehend aus je drei Mitgliedern der demokratischen, Fortschritts- und national-sozialen Partei, ein» verstanden, dem die Vorbereitung der politischen Wahlen zu übertragen ist. Dieses Komitee soll zugleich den geschäftsführenden Ausschuß für das Parteisekretariat bilden." Ferner fand mit allen gegen drei Stimmen em Antrag Annahme: „Der Demokratische Verein spricht sich grundsätzlich für die Errichtung einer Auskunft st ellefürBürgerangelegen- Heiken aiis und beauftragt den Vorstand, nut den zwei anderen befreundeten Parteien deswegen iu Verbindung zu treten.'
X Wetzlar, 19. Febr. Dec Tombauverein hielt am Montag a.benb in der „Dvmfchenke" seine Generaloer- sammlungj *Jb. Landrat Dr. Sartorius gab als Vorsitzender zunächst ein Bild über die Rechnungsiagc. Nach Aufführung der Einnahmen und Ausgaben vervleibt ein Bestand von 377 735,49 Mark. Tie Rechnung wurde von einer Kommission geprüft tumb für riastig befunden. Bei der nunmehr erfolgenden Ersatzwahl für den verstorbenen Kaufmann Ad. Becker, wurde Kauimann H. Engel gewählt. Leider ist die Mitgliedcrzahl von 830 auf 770 gesunken; der Rückgang ist wohl daraus zurückzuführen, daß beide Kirchengemeinden, um ihren Beitrag zu den itol’tat des Tombaues decken zu tonnen, eine besondere Steuer ausgeschrieben haben. — lieber den Fortgang der Wiederhec- stcltungsarbeiten berichtete Kreisbauinspettor Stiehl. Danach lüerben der Ausbau des nördlichen Seitenschiffes und des südlichen Quergebäudes int Aeußeren die Ausgabe des lausenden Baujahres bilden. Was das zukünftige Forticpreiten des Baues betrifft, so wirb im nächsten Jahr die Westfront und das nördliche Querschiss in Angriss genommen, sowie die Erneuerung des gesamten Kirchenoaches, das sehr baufällig ist. Für das fünfte Baujahr, dsts Jahr 1909, bleibt die Fertigstellung der Westfront nbrig. — Wie der Vorsitzende bekannt gab, findet in diesem Jahre in Anbetracht der vielen anderen Lotterien keine Dombaulotterie statt.
Erlebnisse eines AfrikakämpserS.
Aus Dalle a. S. wird geschrieben: Vor dem hiesigen Kriegsgericht der 8. Division hatte 'ich der frühere Soldat der Schiw- ttuppe, der jetzige Invalide Qtto Hübner von Bernburg zu ver. antworten. Hübner war wegen Beleidigung eines Vorgesetzten. Ungehorsams und Achtungsverletzung angeklagt. Er soll am Mor gen des 11. April vorigen Jahres im Truppenteil des Frhrn. o. Stein-Kesselbrunn in Beziehung auf diesen Vorgesetzten die Aeußerung getan haben: „Das wäre ja noch schöner, glaubt der Kerl, daß wir verhungern sollen: ich nehme mein Kochgeschirr mit hinaus und will nicht verhungern/' Dann soll der Angeklagte nach einem Anruf des Frhrn. v. Stein respektwidrig mit Den Händen in den Hosentaschen zurückgetreten fein und bei seiner Festnahme — Anbinden an einen Qchsenwagen — die Worte gerufen haben: „Schon wieder einer." Der Angeklagte war auf Qchsenwache kommandiert worden und wollte fia>, weit cr um 6 Uhr noch teilten Kaffee getrunken hatte und die Wache 24 Stunden dauern sollte. Kochgeichirr, Wasier und Proviant mitnehmen. Ties verweigerte man ihm, weshalb et in grüße Erregung geriet. Nach diesem Vorfall wurde der Angeklagte traut und war monatelang in den Etappenlazaretten von Windhuk, Ketmannshoop und Swatopmund an Fieber, Bluthusten und der Ruhr behandelt, bis er nach 'Deutsch.and als Invalide ab- geschoben wurde. Der als Sachverstandtge geladene Stabsarzt tagte, daß in SüdwesiUsrika „allerhand Dinge" passierten, und MB der Angeklagte, wie seine spätere Krankheit ergab, schon bei der Tat unter dem Tropenkoller gelitten haben tonne. Er sei für seine Vergehen nicht verantwortlich zu machen, da er in einem Zustande gehandelt habe, durch den seine >r2ie Willens- beftimmung i.JU5gefa)lofien gerne, en sei. Ter Ankläger'setzte sich aber üver das Gutachten des Arztes mit den Worten hinweg, „man tonne doch nicht alles mit dem Tropenkoller entschuldigen", und beantragte zwei Monate und drei Tage Gefängnis. Tas Gericht erbliutc m dem damaligen Zustand des Angeklagten nur einen Mild-rungsgrund und verhängte gegen den Invaliden eine Strafe von 22 Tagen strengen Arrest.
* Kleine Tageschr a n । ■ In Berlin ist auf entsetzliche Weise dec Chemiker Felix O s s y r a ums Leben gekommen. Als er tm Begriff mar, sich schlafen zu legen, wurde er plötzlich uon Asthma heimgesucht. Er itürzte zu Boden und riß beim Fallen die neben dem Bett stehende Nachttampe um. Wahrend Offyra besinnungslos auf dein Fußboden lag, geriet seine Kleidung in Brand und bald verbreitete sich das Feuer über den ganzen Körper hinweg. Tie Wirtin, die spater das Znnmer betrat, fand ihren Herrn tot auf; die linke Körperseite des Unglücklichen war vollständig verkohlt. — Ter wegen 'Mordes verhaiiete Arbeiter Koichitzkt aus Ren- kramzig gestand, mit dem Arbeitgeber Porawsky auch die Familie Greiser m Wiebelshos bei Bomst (Posen- ermordet zu haben. Po- raiosfi wurde verhaftet und dem Ai e s e r i tz e r Gefängnis zugeführt. Beide 'Mörder kamen nachts zur Familie Greiser unter dem Vorwande, Vieh zu füttern, das am solgenden Tage von Häitdlern ab- geholt werden sollte. Die Tochter Greifers begleitete sie in den Stall. Porawsli entfernte sich und ermordete mit einer Axt das hochbetagte Greisersche Ehepaar, während Kojchitzki die Tochter int Stalle abjckstachtete. Ten 'Mördern fielen gegen 300 'Mark als Beute zu. — Unter dem Verdacht, ihr sechs Jahre altes Kind zu Tode mißhandelt zu haben, ist die 28 jährige Fran des Kaufmanns Stlberstein in Ai a n n h e i m verhaftet worden. Die Anzeige erfolgte durch den Atzt und den Toletibeschauer, die das Kind über und über mit schweren Wunden bedeckt landen.
Märkte.
th Gießen, 20. Febr. Ter gestrige R i n d v i e h m a rki hatte einen Auftrieb von ca. 900 Stück Großvieh, etwa 100 Stück Jungvieh zur Zucht und 200 Kälber. Tas Geschäft am Vormailt war m Milchkühen recht schleppend; aUerömgä waren schwere oft- friesische Kühe stark gefragt und wurden sehr .hoch — bis über 600 Alk. das Stück — bezahlt. Arn Markt selbst fehlten diesmal die Handelsleute vorn Rhem, die gute Preise anzulegen pflegen, fo daß gute mittlere Milchkühe schwer unierzubringen waren, wenn die Verkäufer nicht Geld beilegen wollten. Tie 2age des Tlüdj- viehhandels ist eben jo, daß die Tiere im Ankauf noch zu l/vch sind. Ta nur Bedarf für die großen Stücke vorliegt, gewinnt, lyeim dieser einmal ausbleibt, der Handel nichts. Er legte vielfach noch Geld zu, entweder durch längeres Auiheben und von 'Markt zu 'Marli schleppender Tiere, wodurch erhebliche Spesen entstehen, oder durch Verlaufen mit Verlust. Eine Gesundung dieser Verhaltniffe kann erst eintreten, wenn sich die Produzenten an die zu Gunsten eines Preisabschlags eingetreienen Lage gewöhnt haben. Junge Rinder und Stiere für Zuchtzwecke sowie Fettvieh war nicht hoch int Preise und wurden recht flott gehandelt. Aus den Handel in ietten Rindern und Kühen tvirken die Preisabschläge der 'Marlte von Frankfurt a. 9)1. und Köln auch auf unsere Märlten preisbilbenO cm. Der 'Markt in Kälbern ioar nicht sehr lebhaft, weil die Kimd- schäft vom 9)lam und Rhein fehlte, sodap unsere heimischen Metzger Niid die der umliegenden kleinen Städte ihren Bedarf zu angemessenen Preisen decken konnten. Der Handel in Fahrochseit war nicht sehr lebhaft, obgleich das kommende Frühjahr dies hätte erwarten lassen. Es fehlten auch hienür die Reslelianten vom Sliederrhem und aus Nassau, die wegen der dort herrschenden Seuche kein Gangvieh zuführen. 'Mehrere allerdings recht schwere Paare Sim'menthaler Fahrvieh wurden zu Preisen nach Lbechessen an- gefanft, wie sie so hoch selten auf unseren 'Märkten bezahlt werden. Liese Einkäufe beeinflußten auch die Preise für minder schwere Ochsen überaus günstig. Gehandelt ivurdeti 9)littelkühe pro Stück I. Dual. 500-450 Mk., II. Qual. 425-375 Mk., III. Qual. 330 bis 275 'Mk. Junge Rinder und Stiere zur Zucht l^jäbrig 250 bis 200 9)1 L, */4—ljähng 220—170 Mk. das Stück. Verkauft wurden der Zentner Schlachtgewicht: fette Rinder L Qual. 74—72 Mk., II. Qual. 71-69 Mk., leite Kühe I. Qual. 69-68 9)1 f., II. Qual. 67-66 Mk., Kälber I. Qual. 74-69 9)ik., II Qual. 66-64 Mk, III. Qual. 62—58 Mk. Gangvieh ging pro Paar ab I. Qual. 1050 - 950 Mk. (einzelne Paare bis 1200 'Mk.), IL Qual. 900 — 850 Mk., III. Qual. 800—750 'Mk. Ter Markt war spat zu Ende, aber ohne erheblichen Ueberftanb zu lassen.
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.
Frankfurter Börse
3%e/o Reichsanleihe . 97.70
3% do. . . 86.30
3Jtie/e Konsole .... 97.50
3% do. .... 86.20
3>j°/0 Hessen . , . . 96 40
Oberhessen . . . 95.50
4 % Oesterr. Goldreute. . 99.65
4l/e "6 Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 95.65 496 Italien. Rente . . . 108.45 396 Portugiesen Serie I . 69.30 396 Portugiesen „ III 70.35 4 % °i0 rnss.Staatsanl. 1905 91.45 4J$°,o japan. Staatsanleihe 93 95 4 96 Couv. Türken von 1KU3 96.10 Türkenluse ... . . 146.60
196 Griech. Monopol-Aul. 5.200 4 96 äussere Argentinier . 88.25 3°/0 Mexikaner . . . 66.75
4>sv/0 Chinesen .... 98.00
Aktien:
Bochum Guss 243.10
Buderus 11 W . . . 125.00
Tendenz: schwach.
Berliner Börse, 19.
Cauada E. B 188.80
Darmstädter Bank . . . 138.00
Deutsche Bank .... —.—
Dortmunder-Union C. . . 85.90
Dresdner Bank .... 158,10
Tendenz: ruhig.
19. Februar, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmoyer . . 141.00
Elektriz. Schachert . . . 117.25 Eschweiler Bergwerk . . 251.10 Gelsenkirchen Bergwerk . 215 00 Hamburg-Amerik. Paketf. 151.30 Harptner Bergwerk. . . 22L50i Laurahiitte
Nordd. Lloyd 131.50
Obeischles. Eiseu-Iudustrie 121.25 Berliner Haudelsges . . 172.00 Darmstädter Bank . . . 187.80 Deutsche Bank . . . 243.10
Deutsch-Asiat Bank . . 172.90 Diskonto-Kommandit. . . 184.80 Dresdner Bank . . . 158.-- Kreditaktieu 215.25 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn . . . 117.40
Gotthard bahn
Lombard. Eisenbahn . . 32.30 Oesterr. Staats Dahn . . . 146.W Pnnce-Henn-Eisenbahn . 147.0)
Februar. Anfang sktirse.
Harpener Bergwerk. . 215.00
Laurahiitte • • • •
i.oinbarden E. B. ... 31.9*
Nordd. Lloyd
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