Nr. 179
Zweites Blatt
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Erscheint täglich mit Ausnahme de§ Sonntags. .
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157. Jahrgang
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Die
Zeit auf
Freitag 2. August 1907
l Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen
* Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Die „Gletzcner ZamUiendlütter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Slrhen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Eine Erklärung des Abg. Köhler.
Abg. Köhler schreibt uns:
Tie verehrt. Redaktion des „Gießener Anzeigers" bitte ich, Folgende zu veröffentlichen, und die andern hessischen und
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion. 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Schweinefleisch- und Schweinepreise.
Hessische Landivirtschciftskanimer faßte vor einiger Grund eines Antrages des Landtagsabgeordneten der in den Verhandlungen darüber sagte .der
Frankfurter Zeitungen bitte ich, solches n a ch z u d r u ct e n:
Die „Kleine Presse" schreibt in ihrer Nr. 176, Seite 3, vom 29. Juli 1907:
Ein Antrag Köhler. Der im hessischen Landtag als Antragsteller bekannte Reichs- und Landtagsavgeordnete Köhler-Langsdorf beklagt sich darüber, daß ihn: neben seinen landwirtschaftlichen Berufsgeschäften nicht die Möglichkeit gegeben ist, sein Reichs- und Landtagsmandat gleichzeitig auszuüben. Er hat sich mit einer Eingabe an das Reichstagspräsidium gewandt und darin eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie die Geschäftsführung des Reichstags eingerichtet werden müsse, damit bif* Abgeordneten ihre Berufsgeschäfte erledigen und etwaige Doppelmandate ausüben könnten. Keiner der Vorschläge würde eine befriedigende Lösung herbeiführen. Die von Köhler vorgeschlagene Geschäftsverteilung will als volle Arbeitstage nur den Mittwoch und den Donnerstag gelten l a s se n. Damit würden die Reichstagsverhandlungen, die bisher schon durch die Redesucht mancher Abgeordneten in die Länge gezogen wurden, zu einem schädlichen Hemmschuh der Reichsregierungsmaschine. Auch im Interesse des Staatssäckels und damit der Steuerzahler ist eine möglichst rasche Erledigung ber parlamentarischen Arbeiten erforderlich. Unsere Parlamente haben deshalb die Pflicht, sich in ihrer Geschaftseinteilung nach den Interessen des Staates, nicht nach denjenigen der Abgeordneten zu richten.
Die Leser des „Gießener Anzeigers", denen der ganze Wortlaut meines Schreibens an den Herrn Reichstagspräsidenten, datiert vom 5. Juli, seinerzeit mitgeteilt wurde, können mir bestätigen, daß, abgesehen von all den anderen Auswürfen, ganz besonders der Satz: „Tie von Köhler vorgeschlagene Geschäftsverteilung will als volle Arbeitstage nur den Mittwoch und den Donnerstag gelten lassen", eine freventliche Umkehrung der Tatsachen bar- stellt. Ich habe in meinem Schreiben wörtlich ausgeführt:
Aus dieser Erwägung heraus möchte ich bitten, in's Auge
— In Mannheim ging als Novität der Operettenftst- spiele die Uriaufführung „Der fidele Bauer", Operette! von Viktor Leon, Musik von Leo ö'all, vor sich. Für die beiden Au- toren bedeutete diese Aufführung einen unbeitrittenen Erfolg. Am Schlüsse entfernte sich dks Publikum nicht eher, als bis der Librettist, der Mitverfasser der „Lustigen Witwe", einige Worte gesprochen hatte. Ter Gang der Handlung bringt beu Gegensatz von T-orf und Stadt zum Ausdruck. Ein nicht auf Rosen gebetteter, aber immer kreuzfideler Bauer läßt feinen Sohn studieren. Stephan soll Pfarrer werden. Schließlich aber wird er „medizinischer Toktor" und endlich gtar Professor. Er schämt sich seiner Herkunft, verleugnet Vater unb Schwester, nachdem er eine Turne aus vornehmer Familie geheirate^ hat — bis ihm diese eines Tsages ins Haus schneien. Turch das Zusammentreffen der Viauern mit der vornehmen Gesellschaft im Hause Stephans ergeben sich dann allerlei ernste und heitere Komplikationen. Tie Gestalten sind dem Lebe:: abgelauscht, die Handlung interessiert bis zum Schluß. Was Fall's Musik anlangt, so erfreuen ichöne, langgezogene l'Xelodienlinien mit den reizendsten Kanti- LcHCii und Hiarmonien das Ohr; sie ist durchgehends votts-- uiiiuia) und von leichtem Rhythmus charakterisiert, ein mili- tiiuiajc3 Mprschlerzett wird durcb ferne urwüchsige Komik über-' all Wirtuna erzielem
wissensfrage" vorgelegt, ob im Fall eines Krieges nut einer anderen Macht England nicht im Rückstände sei? Rach einem Bericht der „Nationalzeitung" bemühte sich der Offizier, in diploinatischen Redewendungen um den Kern der Frage herumzugehen. „England wird nicht zurückbleiben — die Behörden halten ihre Augen offen — ich glaube sagen zu dürfen, daß Experiiiiente vorgenommen lootben sind, die gute Ergebnisse hatten usw." Der Offizier konnte aber nicht umhin, einzuräumen, daß in England zwar Pläne und Mobelle in Hülle und Fülle vorlägen, daß aber noch nie ein Militärlustschiff aufgestiegen sei. Dieser Mangel an praktischer Erfahrung habe seine Ursache in — Mangel an Geld. Das kann der englische Sachverständige doch wohl selber nicht im Ernst glauben. Dem reichen Englaiid, das ängstlich darüber wacht, daß jede Verstärkung der Seewehr einer andere Macht englischerseits sofort wettgemacht wird— diesem sonst geradezu verschwenderisch wirtschaftenden Jnselreich sollten nicht ein paar tausend Pfund für Experimente mit Luftschiffen erschwinglich gcivejcn sein? Offenbar haben auch die Herren von der Londoner Regierung, denen die Sorge für die Landesverteldigiing obliegt, die Isolierung und Einkreisung Deutschlands als der politischen Weisheit letzten Schluß betrachtet und die Lösiing des Luftschiffproblems darüber vernachlässigt.
ist, ruie der Verfasser richtig bemerkt, gemacht, aber viel bleibt noch zil tun übrig und eine große Reihe alter und^neuerer Fehler läßt sich kaum mehr gut machen. Namentlich die Staatsregierung und einzelne Private haben viel zur Wiederherstellung ellies architektonisch einheillich unb heimatstnnstlerisch wirkenden Stadtbildes getan. Voll Seiten der Stadtverwaltung aber ist in dieser Beziehuiig bisher noch das Meiste zu erwarten; in manchen wichtigen Neubauten jedenfalls hat sie in dieser Beziehung nicht geringe schuld auf sich geladen. Rian sehe nur einmal die wunderhübschen, in die Landschaft stets durchaus passenden Dorfschulhäuser an, die die Staatsregierung baut und dagegen^ Gießens Lrchulhansbauten. Wem gehen da nicht seltsame dichter auf! Auch der übrige textliche unb illustrative Teil des Kalenders ist wertvoll. Jedenfalls wwd der neue Jahrgang noch mehr Freunde sehen als seine
peiitifebe CagerßÄhaW.
Zur Tabakbesteuerung.
Der Vorstand der Landwirtschastskammer für die Rhein- provinz hat, wie wir der „Köln. Ztg." entnehmen, in seiner letzten Sitzung beschlossen, an die Staatsregierung den Antrag zu richten, daß bei der Steuerberechnung des Tabaks die Gcwichtsschätzung an Stelle der bisherigen Art der Ermittelung treten möge. Die bisherige Art der Ermittelung ist die Flächen st en er, die im Deutschen Reiche nur als Ausnahme zugelassen ist und zwar für den Kleinbetrieb, d. h. für Anbauflächen unter 4 Ar und bei Einzelpstanzung; hier beträgt die Steuer 41/2 Pfg. für das Ouadratmeter, also 4^ Mk. für das Aar. Im allgemeinen erscheint die Tabaksteuer in Deutschland als Gewichtssteuer mit den Sätzen von 221/2 Mk. für den Zentner dachreifen, d. h. getrockneten, unfermentierten, und von 18 Mk. für den Zentner fabrikationsreisen, d. h. fermentierten Tabaks, wobei 100 Pfund dachreifen Tabaks 80 Pfund fabrikationsreifen Tabaks gleichgesetzt werden. Die Flächensteuer, deren Ueber- reste nach dem Anträge der rheinischen Landwirtschaftskammer jetzt beseitigt werden sollen, war noch vor Gründung des Zollvereins in Preußen eingeführt worden und wurde 1868 für das ganze Zollgebiet übernommen und nach Gründung des Reiches als Reichssteuer beibehalten. Die geringen Ergebnisse dieser Flächensteuer legten aber schort 1871 den Gedanken an eine andere Steuerform nahe. Das Monopol, das die Regierung vorgeschlagen hatte, wurde indes nach mehrjährigen Verhandlungen im Bundesrate fallen gelaßen zu Gunsten der Gewichtssteuer, die aber dem Reichstage vorerst nicht gefiel, von ihm aber in dem Gesetz vom 16. Juli 1879, das noch heute gilt, doch angenommen wurde; als Ausnahme wurde für den kleinen und sporadischen Anbau die alte Flächenstcuer beibehalten. Diese Flächensteuer hat indes, da der deutsche Tabakbau meist Kleinbetrieb darstellt, eine weite Verbreitung. Die Mißstände dieser Steuerart liegen hauptsächlich darin, daß sie das roheste Steuermerkmal, das man sich denken kann, die Fläche, der Besteuerung zugrunde legt und dabei auf die ausschlaggebenden Momente, die Menge und die Güte des Ertrags einer Fläche, gar keine Rücksicht nimmt. Dazu kommt, daß diese Flächensteuer vom Tabakbauer selbst zu zahlen und da- mit in der Regel auch zu tragen ist, da eine Abwälzung aus den Verbraucher, d. h. zunächst auf den Fabrikanten und von diesem auf den Raucher, weniger sicher eintritt als bei der sonst üblichen Gewichtssteuer, die im Augenblick der erstmaligen Veräußerung erhoben wird, also meist im Jahre nach der Ernte. Allerdings ist auch die jetzt bestehende Gewichtssteuer nicht völlig besriedigend, weil sie sowohl nach der steuertechnischen wie nach der steuerpolitischen Seite hin erhebliche Mängel aufweist. Die Erhebung ist umständlich, schwerfällig, kostspielig und für den Tabakbauer der unvermeidlichen Kontrolle des Ackers und Trockenbodens wegen lästig; die Besteuerung selbst aber berücksichtigt wiederuin nur em äußerliches Merkmal, das Gewicht, während die eigentliche Tragfähigkeit doch im Werte, also in der Güte des Tabaks liegt. Dieser Steuerumstand würde aber am zutreffendsten berücksichtigt werden können bei einer Fabrikatsteuer.
Köhler, ,
wucherische Zwischenhandel der Metzger müßte ausgeschaltet werden", den Beschluß, die Großh. Regierung zu ersuchen, eingehende Erhebungen über das Verhältnis der Schweinefleischpreise zu den Sch iv ei nep reisen anzustellen und die Konsumenten darüber aufzuklären, welche Fleischpreise den jeweiligen Viehpreisen entsprechen würden.
Das Großh. Ministerium des Innern hatte darauf die Vertreter der hessischen Metzger-Innungen aufgefordert, ihren Standpunkt zu diesem Ersuchen mitzutcilen und insbesondere
zur Abwehr eines Vorwurfs, ber djas Andenken an Professor Hesse zu verdunkeln imstMde wäre. r ■ ■
Dr. I. Han au, prakt. Arzt, Wiesbaden. *
— Hessen-Kunst, Kalender für alte und neue Kunst 1908 Herausgegeben von Christian Rauch. Verlag von Otto Ehrhardts Univ. Buchhandlung Adolf Ebel, Marburg. — Je mehr bas Ringen nach einer neuen Kunst in ruhigere Bahnen einlenkt, desto öfter unb lieber schwellt ber vergleichende Blick rückwärts, sucht er in alter Kunst das Heimatliche heraus zu finden. Dr. Ehr. Rauch, der Herausgeber des soeben in feinem Z.Jahrgang erschienenen Kalenders „Hessen-Kunst", ließ es sich daher angelegen sein, hier von beiden klärend unb läuternd zu reden. Und Otto Ubbelohde, der bekannte treue Schilderer der hessischen Erde, unterstützte ihn dabei durch eine Reihe charakteristischer Zeichnungen aus etabt unb Land. So ward vom Zeichner ohne weiteres eine Verbindung von Alt und Neu geschaffen. Eins der ersten Bilder des Kalenders zeigt uns eins ber schönsten, in seiner malerischen Architektur sehr bemerkensweiten Stücke vom alten Gießen: die beiden alten hoch- giebligen Häuser hinter der Stadtkirche nut dem in schonen sich verjüngenden Proportionen darüber hinausragenden Kirchturm. Es ist äußerst schade, daß dieses prächtige alte Städtebild nicht genügend respektiert wirb unb daß sich jetzt em m fernen formen keineswegs dazu paffender Schulhausneubau ohne jebe Rücksicht- nähme auf bic nahen eljrwüvoig schönen alten Häuser davor lagert. Sic anderen Feicynimgeu Ubbelohdes zeigen die Gropzugigkeit, das Eueigische, WeitatiSgreiiende des die Bewegtheit liebenden Künstlers. Von den sehr instruktiven Aufsätzen verdienen besondere Beachtung der über „das Großherzogtum Hessen als Brndeglied zwischen UloiD- unb Süddentschland" von Geheimrat Prof. Dr. 'Matthäi in Danzig, ber einst Prwatdozent für moderne Knntt in Gießen war, der einem individualistischen intellektuellen Panckiila- rlsmuS iii Hessen aus guten, wol)l erwogenen, prafttid)en und ideellen Gründen daS Wort redet, und der des Heransgebersüber „baalte Gießen unb das neue Gießen." Wer diesen Augatz nut Ver,: ndnis lieft, ber wirb sich mit dem Verfasser und nut uns nau ur.ci Gesundung m der Gietzener Städte- unb HausbauUmü von gedankenlosem Formalisnuis in ber Anlage, im Aufbau und m ber inneren unb äußeren Ausschmückung sehnen. Einiger Ansang
die Frage zu behandeln, ob unb gegebenen Falls wie sich eine genaue Statistik ermöglichen lasse.
Die hessischen Metzger-Innungen haben darauf folgenden Bericht eingereicht:
ES wirb Großherzoglichem Ministerium bekannt fein, daß im ganzen Deutschen Reiche von der Landivinschait der Versuch unternommen wurde, die Schuld an den erhöhten Fleischpreisen und iiisdesondere benen für Schweinefleisch den Metzgern zuznschiebeii mit der Behauptung, daß die „Spannung" zivischen dem Preise für Schlachtschweine unb dem für Schweinefleisch „zu hoch" sei, und daß die den Fleischpreisen durchaus nicht eiitsprechenben Schweiiiepreise die Landwirtschaft zu einer unerwünschten Einschränkung ber Viehhaltung veranlassen müßten. Zur Begründung dieser Behatiptung würbe den Preisen der Schlachlschiveiite die Preise des Schivemefleisches verschiedeiier Plätze gegenübergcftellt.
Wenn jetzt auf die „erhöhte" «Spannung verwiesen wirb, so ist diese eiiifach daraus erklärlich, daß in der teuersten Zett diese Spanmiiig einfach „zti niedrig" gewesen ist. Tie Behauptung der Landivirte, baß die Fleisch-Verkaufspreise nicht den Viehpreiseii entsprechend gefallen seien, ist deshalb in keiner Weise berechtigt, llmiowcniger aber darf von dieser Seite ein Vorwurf gegen die Metzger erhoben werben, als die Landwirte selbst ohne Rücksicht auf ihre ProduklionSkofteii die ber Konjunktur entfprechenbeii enorm hohen Preise slrupellos nahmen, dabei den bamals tatsächlich vorhandenen Mangel an Schweinen durch von der Viehzentrale in Berlin nachweislich veranlaßte Schiebungen und Aracheiischasten zu verdecken suchteii unb nun den seither eingetretenen aber schon wieder überwundenen 9111 cf gang der Schweinepreise als Anlaß nehmen, nut ber Einschränkimg der Viehhaltung zu drohen.
In der Hauptsache dreht es sich jedoch barum, daß die Unterlage für den von ber Landwirtschaftskammer beschlossenen Antrag an Großherzogliche Regierung — bic ausgestellte Statistik — in vergleichender Hinsicht nicht nur einwandfrei ist, sondern daß ben Lchweinepreisen weder allgemeine, noch durchschnittliche Schweine- fleischpreise iiberhaiipt gegenüber gestellt werden können. In wieviel verschiebeiiartiger Gestalt Schiveiiiefleisch in größeren Städten, in bereu einzelnen Stadtteilen nnb m weiterer Folge m den Gegenden unb Provinzen hergerichtet und ausgeboten wirb, bas laßt sich in den Rahmen einer ernst zu bewertenden Preisstatistik nie hinein- zivängeii. Tas Produkt „Schweinefleisch" ist kein feststehender Begriff mehr, der sich mit dem Schweine als Rohmaterial statistisch in vergleichende Beziehung bringen läßt.
Tie von bem Anträge Kohler geforderten allivöchentlicheii genauen und detaillierten Erhebungen durch die Polizeiverwctttnngen lassen sich aus diesem Grunde gar nicht anstellen, denn tatsächlich kaiiit von „aUgememen" Ladenpreisen für Fleisch heute nicht meljr gesprochen werben. Vielmehr muß jeder Aletzger nach Lage semes Geschäftes, nach den Ansprüchen seiner Kuiidfchaft, itach Art ber Bevölkeriingskreise, aus benen die Kundschaft sich ziisamnieiisetzt, schlachtet: unb die Fleisch- unb Wurstwaren Herstellen bezw. her- nchteii, augerbem die nach Art und Lage des Betriebs total verschiedenen Spesen berücksichtigen unb darnach die Preise anfetzeii. Ta der Geschmack sich allgemein verfeinert hat, fette und geringere Stücke sehr schwer Abnehmer finden, ist es selbstverständlich, daß bessere Stticke höher bewertet werdet: müssen, um den Ausfall bei den geringeren zu decken. Je besser die Qualität der geschlachteten Tiere ist, je ausgemäfteter diese sind, desto größer ist ber Abfall, desto wertvoller sind dann auch die mageren Fleischstücke. Hier Vergleiche zu ziehen, die auch nur einigermaßen zutreffend wären, ist ein Ting der Unmöglichkeit, was in der Praxis längst festgestellt ist.
Theoretisch läßt sich auf diesetn Gebiete nicht operieren, jeder Metzger muß sich nach seinen eigenen Geschäfts- und Absatzverhältnissen, sowie nach der Konkurrenz richten, und es ist absolut feststehend, daß unter den genannten Umständen sich eine einwandfreie Statistik über Fleischpreise im allgemeinen unb Schweinefleisch- unb Wurstpreise im besonderen nicht aufstellen läßt, sowie daß der Begriff „Fleisch" an sich schon so verschieden ist, daß er Einern Vergleich mit dem Schlachttier gar nicht zu Grund gelegt werden kann. Tie Landwirtschaftskammer stellt in ihrem Antrag, die „gerechten Fleischpreise" sestzustellen, ein Ansinnen an Großherzogliche Regierung, dem zu entsprechen schon mangels der nötigen Unterlagen unmöglich ist, ganz abgesehen von ber sich daraus ergebenden natürlichen Folgerung, die „gerechten Preise" für Vieh, Getreide und alle weiteren wichtigen Lebensbedürfnisse zu ermitteln. «
England und das Milit'ärlustschiff.
Die überraschenbei: Erfolge des deutschen Militär-Luftschiffes haben auch in England starken Eindruck gemacht, natürlich keinen angenehmen, denn die fatale Tatsache läßt sich nun einmal nicht wegleugnen, daß das Land ber Maschinen unb der Technik bei der Lösung des Ltiftschiffproblems von Frankreich und erst recht von Deutschland überflügelt worden ist. Ein Londoner Blatt hat nun schleunigst, um die bekümmerten Patrioten zu beruhigen, einen: auf dem Gebiet der Aeronautik als sachverständig geltenden Offizier die „Ge-
2!leines Leuilleron.
Man schreibt uns: In ihrem F-euilleton veröffentlichte dio „Franks. Ztg." vor einiger Zeit aus einem Schreiben des Professors Rudolph von Jhering von Ciarl Friedrich von Gerber in Tübingen eine Erinnerung Ian eine komische Szene, die sich gelegentlich der Jmma- trikulatio n ber hessischesPrinzen Ludw:g unbH e:n- rrch im Hause des damaligen Rektors ber Gießener Universität, des Professors der Theologie HermMn Hes^se, zutrug. Professor Hesse wird von Jhering lals em braver ebie&burger bezeichnet, ber feiner Hauveren Sage wegen zum Rektor gewählt Worten Wäre. Wjas Jhering bewog, sich in dreier Art über Hesse zu äußern, weiß ich nicht, icbenfialö steht es fest, daß Hesse nicht nur ein tüchtiger Fachmann unb ein bei feinen Schülern sehr beliebter Lehrer war, sondern auch em von der ganzen Studentenschaft und den Gießener Burgern hochgeschätzter Dozent. Mas den Vorwurf des^pießburgerttimsl an langt, so widerspricht dem schon in hohem Grade die Tatjache, baß Hej e, dis Theologe, seinem einzigen ^ohne erlaubte, als aktives Mitglied einer Burschenschaft beizutreten. Wer aber, wie ich, Professor Hesse auf studentischen Kommersen gesehen hat und gehört, wie er in feuriger Rebe unb mit gegeisterten Worten bie lauschenden Jünglinge aufforberte, als ^tuoenten nicht nur m fleißigem Streben ihre Pflicht zu tun, sondern auch Ehre, Freiheit unb Vaterland hvchzuhalten unb einzutreten mit Gut und Blut für diese höchsten Güler der Menschheit, der wird mit mir übeveinstimmen, d,aß ein Mann, der so sprechen konnte, üm^- weas ein Philister gekannt werden durfte. WaS n.m Die pekuniäre Lage der Familie betrifft, so war diese weder bei, er noch schlechter, <als die vierer anderer Professoren ter ba- Äiaen ßSt, wo noch mehr bem Idealismus gehuldigt würbe und noch nicht die praktische Anschauung der Jetztzeit^ bei ber Auswahl einer Lebensgefährtin. 4Jie _ erwähnte ^-zene, die sich wohl so zugetrjagen haben dürfte, wie sie erzählt wurde, würe auch in mmch einem anderen Hanse möglich getoefen. Als frreunb des vergebenen -Lohnes des Professor Hesse und des ältesten Sohnes des Professor von Jhermg, bw beide derselben Burschenschaft angehörten, wie ich, glaube ich mich berechtigt
fassen:
1. Beginn der Session Anfang November;
2. Schluß der Session Mitte bis Ende Mai;
3. Vierzehntägige Sitzungsperioden;
4. Alle 14 Tage eine Woche frei.
Den Leserm des „Gießener Anzeigers" ist bekannt, daß mich bei meinem Vorschläge besonders auch die Ansicht leitete, daß durch «Einfügung der freien Woche den Abgeordneten, die Mitglieder der nichtpreußischen Landtage sind, hierdurch Gelegenheit gegeben würde, wahrend dieser freien Woche an den Verhandlungen ihres heimischen Landtags teilzunehmen.
Es wäre interessant zu erfahren, welche Meinung die näheren Parteifteunde der „Kl. Pr." bevorzugen, meine ober bie ihrige. Tenn z. B. bie Freunbe tter „Kl. Pr." im Württembergifchen Lanbtag, Herr Lanbtags-Präsident von Payer, Herr Abg. Konrad Haußmann und ihr anderer Parteigenosse und Mitglied des Reichstags, Herr Schremermeister Wieland zu Göppingen in Württemberg, werden ihren Ausführungen, die freilich nur der Haß gegen ben Antisemiten biftierte, wohl wenig Tank wissen.
K ö hier -L an gsd o r f.


