Erstes Blatt
157. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhefsen
Die yeulige Kummet umfaßt 13 Seitcu
der RegentschaflSrat ben
aus authentischer Quelle verlautet,
an
des des
oer von
j d) e n Prinzessin während der bevorslehenden Anwesenheit des Königs von Sad)sen m Lissabon verlaulöarl werden.
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letzt. Tas SUtenHl erfolgte, während der Kandidat einer Wählerversannnlung heunfuhr.
— Nach einer Privatinelbnng würde die Verlobung Herzogs Nianuel von Beja, deö jüngeren SohneS portiigiesischen Känigspaareß, mit einer beut*
Vorsd)lag eines Regenten bem zusainiuentretendcn Landtags auSichiis; überlassen.
Vfr- 52
Erscheint tliglich «über Sonntag».
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche deigelegl unt zweimal wöchentlich da? Krelsblan für den Kreis Sieben. Fernsprech-An* fchlußl.d. Redaktion 113 Berlag u. Expedition 51
Aus Stadt und Land.
(Sieben, 2. März.
"Die Eröffnung des neuen StadttheaterS wird vorausichttich am Dienstag, den 23. uli, also
bürfen. Kurz zu erwähnen ist auch noch die kleine Leistung deS Herrn Krauß als Oberlehrer Kosinsky.
Das zahlreich erschienene Publikum fand an dem Stücke wohl weniger, desto mehr aber an dem munteren Spiele der Benesiziantin Gefallen und schien sich köstlich über diesen Backfisch zu amüsieren. Reicher Beifall ward Frl. Donecker nach jedem Aktschlüsse zuteil. Außerdem wurde ihr noch eine Reihe von Blumeuspenden und anderen Ehrengeschenken überreicht. O. R.
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R. B. Darmstadt, 2. März. (Tel.) Gestern abend erlebte die breiaktige komische Oper „M i r a n b o l a", Musik von Professor Tr. Bernharb Scholz, ihre Uraufführung uni> fand eine geradezu glänzende Ausnahme. Der Text der Ober, ist von Th. Rehbaum nach einem alten Lustspiel Goldonis geschrieben und der Komponist, der bekannte Leiter des tzochschen Konservatoriums in Frankfurt a. M., hat das Textbuch mit großem Gesaftet in Musik gesetzt und es namentlich verstanden, den Lustspielcharakter in der Musik festzuhalten. Das Werk steht zwar nicht auf der Höhe der Operetten von Richard Strauß, dürfte aber den Freunden guter Spielopern sehr willkommen sein. Das Publikum kargte trotz der wenig günstigen Abschlüsse nicht mit seinem Beifall und der Komponist mußte nach dem 2. und 3. Akt wiederholt vor der Rampe erscheinen. Um die Ausführung machten sich namentlich die Trägerin der Titelrolle, Fräulein R ö d i g e r, sowie die Herren Weber und Wolf verdient. Der Aufführung wohnten auch II. KK. HH. der Großherzog und die Groß- Herzogin bei.
diePost Alk.2.— viertel* jährt. Quehtil BeileUg. Annahme von Anzeige» iüi bie iaqeonummer bis oonniuaqe IU Uhr. Zeileiipreis. total auswärts 2U tz'ennig.
e i a n (ro o r (11 d) <üt ben poliL and aUgem. Teil: P. Wittto tüt ,Smdt and itaiitr and .(.«endjtsjaal* Ernst peß, tüi den An- jeiqentetl. öans Beck
politifctyc (Zagcsfctyati*
Zur braunschweigischen Frage.
Nachdem der Bundesrat sich dahin ausgesprochen hat, daß kein 'JJhlQlieb bet Familie Euinderlanb zur Thronfolge in Braunschweig zugelassen werben könne, solange der Ehe, der Familie, der Herzog Ernst August von Cumberland, nicht einen formellen Verzicht auf feine angeblichen Ansprüche auf Hannover geleistet habe, ist man in Braunschweig vor die Slotrocnbigffil gestellt, em neue 0 Provisorium zu schassen. Den von vielen Seiten geäußerten Wünschen, das WclfenhauS ein für allemal von der Sukzeision auszuschließen und, statt eines Regenten, einen Landesherrn zu wählen und damit eme neue Dynastie oufzurtchten, stehen so schwere staatsrechl- liche Bedenken entgegen, daß bie Erreichung dieses Zieles als fast ausgeschlossen erscheinen muß. Die meisten Aussichten, nut der Regentschaft betraut zu werden, soll nach wie ooi der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen haben, der jüngste Sohn be0 verstorbenen Prinzregenten "Albrecht, der noch zu seinen Lebzeiten bestimmt hatte, daß der Prmz in die Geschäfte der Verwaltung praktisch emgejührt werden solle. Dies geschah schwerlid) ohne die Annahme, daß Prutz Friedrich-Wilhelm einst berufen werden würde, an bie Stelle seines Vaters zu treten. Ter Prinz arbeitet zurzeit bei bem Ober- Präsidium in Königsberg t. Pr. Cb aber angesichts der m Braunschweig herrschenden wenig preußenfreundlichen Stimmung, die Wahl sicher auf ihn fallen toirb, darf doch als fraglich gelten. In letzter Zeit hat man im Hinblick hierauf verschiedentlich bie Blicke auf ben Prinzen Friedrich Karl von Hessen gerichtet, der persönlich als von großei Liebenswürdigkeit und Herzensgüte gerühmt wird, aber Diel- leicht als Schivager des Kaisers den Braunschweigern gleichfalls wenig genehm erscheinen könnte. Vieler Sympathie erfreut sich dagegen der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der |id) bereits einmal mehrere Jahre hindurch als Regent in jeder Beziehung bewährt hat, und and) sonst bie erforberlidjen Eigenschaften für einen Regenten in Braunschweig nntbruigt. Nun, bie Braunschweiger haben ja selbst zii entjd)eiben, und irgend eine Emmiichung, auch nicht von Preußen, ist unter feinen Umständen zu ermatten. Nach einer Meldung au0 Braunschweig wird, wie
Adresie iüt Depeichen: Nolatlonrdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7.
Anzeiger Wietzen. ________________________________________ ____________________ _______
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Diärz. Der Kaiser entging heute eine Detzp- tatioil seines russischen Regiments Wyborg, um ein Gemälde entgegenzunehmen, auf weichem bas Regiment während der Schlacht bei Siboantung dargestellt ist.
— Zum lOiährigenJubiläumdernationallibc- ralcn Partei hatten sich gestern abend in der Wandelhalle des Reich--tagsZebäudes die Reichs- und Landtagsirattchii nebst sonstigen Angehörigen der Partei zu einem Festesten zusammcn- gesunden. Avg. Basseri»:ann hielt eine Festrede und verlas naä>- stehend.s Glückwunschtelegramm:
Reichstagsabg. Uin ermann, Vorsitzender des Zentra lvor- standes der nationstlliberalen Partei. Berlin. Reickzstag.
Zur heutigen Feier des 40 jährigen Bestehens der national» liberalen Partei bitte ich Sie und Ihre Herren Parteigenossen des vreichstages ivie des Landtages, meine Glückwünfck-L ent- gegenzunehmen. Die Nationalliberalen können ihrer ehrenvollen Vergangenheit jetzt in lichter gewordenen Gegenwart gedenken. Möge es der Partei beschieden sein, auch an ben großen Ausgaben der Butunit zum Besten des Vaterlandes einen Ijeroorragenbcn Anteil zu nehmen. Mit deutschem Gruß
Reichskanzler Fürst Bülow.
Nach einer Rede des Abg. Dr. Friedverg verlas Abg. Gras Oriola eine lange Reihe von Glückwunschtelegrammen aus allen deutschen Gauen, in Reim und Prosa, und knüpfte daran ein Hoch aus die nationalliberale Wählerschaft, in das die Anwesenden cinftimmten.
— Dem Obcrlaildesgerichtsrat Geh. Justizrat Roeren ist bie nachgesuchte Dienstentlassung erteilt worden.
— Wie verlautet, beabsichtigt der durch die Kvlonialskandale bekannt gewordene Herr W i st u b a in a u s l ä n d i s ch e D i e n st e zu treten. Die „Nat.-Ztg." bemerkt hierzu, daß er noch immer Gehalt beziehe, ohne beschäftigt zu werden.
Gteszcner stadrtyeater.
Die SchmeLLerlingsfchlacht.
Siidermanns hier längst bekannte „Schmetterlingsschlacht" hatte Fräulein Donecker zu ihrem Benefiz herausgefucht. Was ben Gefamteindruck der Ausführung anbelrisft, so mutz der Regie Dani gciüur k-erben. Herr Lippert hatte für gutes Zusammenspiel Sorge getragen und versucht, aus dem Stücke Wirkung, sei es auch nur durch Situationskomik, hervorzuholen. Recht sorgfältig war auch bie äußere Ausstattung.
Dazu kam auch ein gutes Einzelspiel. Der Benesiziankin selber iel Die Rolle der Rosi zu. Rosi Hergentheim, dieser sechzehn- ährige^ Backfisch, ist eigentlich nichts weiter als der Liebesbote hrer Schwester. Dabei lernt sie früh genug die Schlechtigkeiten >er Welt kennen, ohne doch den rechten Kern des Herzens zu verlieren. Fräulein Donecker gab sie als das, was sie ist, als eine rechte Vaci'fischnatur. Ihr außerordenllich munteres Spiel wirkte ungemein. Nicht ganz behielt sie anfänglich ben rechten Ton in den sentimentalen Stellen bei, aber auch nur anfänglich, und daran trug weniger die Darstellerin als die betreffende Stelle die Schuld. Im ganzen schuf sie eine Leistung aus einem Guß, welche bie anberen Spieler mit begeisterte. In ber Sektszene hätte sie nicht übertroffen werben können.
Die übrigen weiblichen grollen sind die weiteren Mitglieder des Hauses Hergentheim. Die Mutter verkörperte Frau Bono. Aus dieser Figur hätte, schon der Dichter mehr machen können. In den ersten drei Allen, wo diese Rolle durchaus komisch ist, gelang sie Frau Bons aufs beste. Aber nachher un Schlußakte, als mit
einem Male eine ernste Frau vor uns steht, wollte sie nicht so ganz glaubhaft erscheinen. Fräulein Schuster machte aus bei Else, was daraus zu machen war. Die Rolle der Laura hatte an Stelle von Frl. Schellenberg Frau B a y r h a m m e r übernommen. Auch sie wußte ihrem Spiel einen äußerst natürlichen, munteren Ton zu geben, ber sehr für sie einnahm.
Eine ganz ausgezeichnete Charakterleistung schuf Herr Lippert in bem engherzigen Golbbonzen und Podagristen Winkelmann. Das Ordinäre, das in dieser Gestalt liegt, verfemte er. Sein Sohn Max freilich kann nie für sich einnehmen. Solche Schkafmütze mißfällt stets. Gerade in diese Figur wollte Sudermann ein paar feinere und zartere Töne legen, aber es ist ihm nicht recht geglückt. Auch Herrn Kober glückte es nicht ganz, viel aus ber Rolle zu machen. Wo er biskret spielte, erschien er noch halbwegs glaubhaft; aber bie ganze Figur bleibt doch immer, man mag sie anfajfen, wie man will, eme Jammergestalt. Gerade das (Gegenteil ist der Reisende Keßler. Das ist der rechte Berliner Schwerenöter, wie er leibt und lebt, ber mit der grüßten Unverfrorenheit alles nach seinem Wunsche genießt. Herr Goll schuf einen prächtigen Commis Voyageur daraus. Durch sein seines, ruhiges Spiel wußte er ber Rolle das Unsympathisch^ das sie an sich hat, geschickt zu nehmen. Der Apothekerlchrling ist an und für sich eine höchst unnütze und farblose Figur. Man nufcfjte denken, Sudermann habe durchaus einen Hanswurst in ber „Schmctterlingsschlacht" gebraucht. Herr Gronert verlieh ber Gestalt noch etwas Leben und Humor, sobaß sie wenigstens als Hanswurstfigur ihren Zweck erfüllte. Nur hätte er einheitlich bleibeq müssen und zum Schluffe nicht ganz possenhaft werden
lügenUirbanD^", d. L in burgcr.iajer Spruche bt’ gegen die Sozialdemokratie. Es hatte, sagte man, an genügender Aufklärung gefehlt, weshalb die nationallibcralen Gegner noch einmal vergingen, d.r Reichsverbandsschwindel und die Kvlonial- pljantaficn nocy Gläubige gefunden butten. Die Wahl von 1907 sei „ein Sieg der Dummheit".
Wißt ihr es letzt, ihr Männer, die ihr eure Stimme Herrn Krumm niaji gegeben haut, was ihr seid? Herr Vetters hat cs euch in dem letzten Satz gesagt. Wetm jene snbswelvußten Herren nicht in sich selbst schauen rooüen, um den Weg zur Besserung zu sindm, Eann es uns recht jein. Sie hclien luid auch bann in Zukunft wider ihren 'Billen.
Aber noch anderes von Intereise bringt ber Bericht über bie genannte Wahlvereinsverfamuiiung. An dem Zank im eigenen Lager sind nauj der Meinung eines Gießener Führers die „akademisch gelmbtten U>artcigciu,|len schuld'. Das ist der Dank, ben man den wifsenschufllichcn Arbeitern ber eigenen Partei jur das Opfer, das fie durch Aufgabe ihrer bürgerlichen Steilung und durch ihre teilweise bedeutende Geist-esarveit bringen. Diese Melodie ist gar nicht neu. Sie ist sck-on auf Parteitagen von anderen g(Jungen worden, die auch nur emfack-e Schulbildung genossen haben. Das ist bie von jener Partei sonst äui Sa>au getragene Achtung vor der Wissenjchait unb ihren Vertretern! O, die Herren L-r. DovrO, Braun, Calwer, Bernstein u. a. sind um ihre Stellung in ihrer Partei nicht zu beneiden. Wie steht man denn hier zu den akademischen Herren Genossen Dr. Ar i ch e l s und dem Theowgcn Ä ö st e r, die man auch in Gießen bie Liebe zum Vackrlanbe, das auch ihnen neidlos durch seine ungeahnte Cntwicktimg den Nähr- und 'Mullerooden lieicrt, tatsch ragen loouten, im Namen der Partei, bie den perjonlichen wie den nationalen Egoisinus — in ihrer Sßerblenbung natürlich auch die butrn liegende gesunde, lebenlocnuenbe Kraft — vernichten will, obwohl doch in keiner Partei so rücksichtslose Gülen» oogcnuaurai, ückenschen mit so einseitiger, engherziger Menschen- ücue sind a.s gerade in ihr.
Welche or^O^u d.r Ueoerzeugung unb selbst der Anwenduna der Mittel zur geistigen Ausbudung dott herrfälen, zeigten auch bie Herren Beckmann und Krumm in der Versammlung deS luieBenir Wahlvcreins. Ersterer verlangte im Ansckftuß an bie Krckik über das Verhalten einiger Genossen bei der letzten Stich- wayl, „bag j.der Partttgemsse Disziplin halten und die Beschlüsse d^r Parieiorgauisatii-n Hochhalten müsse". Wer al|o zuerst sozialdemokratisch gewühlt hat, vcrichreibt sich bamii mit Haut unb Haar denen um Herrn Becllnann. Er darf keine selbständige Stellung zu den bürgerlichen Kandidaten der Stichwahl nehmen. So verlangt es die Partei ber absoluten Freiheit! Doch eS kam iwch be,ser. Es heigt in dem Bericht ber „Oberh. VolkSztg.":
„Im Schlußwort forderte Herr Krumm auf, besonders für die Viiwrcitung unserer Pres.e zu sorgen unb die gegnerische Presse aus dem Hause zu lassen, auch die, bie s i ch unter „unparteiischer" Maske empfiehl t."
Tie Herren furchten also den Emftuß ber bürgerlichen Presse auf ihre Anhänger. Da muß es doch schlecht bestellt sein um die Dielgcraljnite überzeugende Kraft des soziaideawkratischen Programmes. Ist dieses Verbot burgerlidjer Leitüre Freiheit ober Tyrannei? Was würben jene Herren sagen, wenn in einer bürgerlichen Lesehalle unb bergt bie sozialdemokratischen Blätter ausgeschlossen würden? Dieses Zeterges^rei möchten wir einmal hören. Wie schon muß es bud) in dem Zutun ftsstaat werden! Tp läu|t_Jeber mit einer goldenen Kugel am Bein und einem ebensolck-en Schloß am Mund herum. Lesen darf freilich jeder, was er will; denn eine strenge Zensur hat vorher jeden „nationalen Gedanken", jede „Reichslüge" mit bem „Rotstift" unterdrückt, um bie Getreuen davor zu bewahren, daß sie Schaden an ihrer politischen Kommaiidv-Ueberzeugung nehmen. Freiheit unb Persönlichkeit! für euch ist dann Dein Raum mehr auf dieser „roten Erbe", il)i müßt hinabsteigen mit „Vaterland" unb anderen reaktionären Ideen — in bas Grab.
AusLcrnd.
Paris, 1. März. Dem Sohne des National-Oeko- nomen Leroy-Beaulier, ber als gemäßigter Nepublikaner in Dlonlpeliec für einen Deputiertensitz kandidiert, wurde dort durch 4Nevolverschüfse derrechteArm
Samstag 8. März 11907 vc-ug-pret»: mcniaftlch7äPl^olertek- jäh> ich Mk. 2.20. dtirch Abhole- u. Zioeigstellen nwiioihct) 65 'Vf.; duich
— Zu ben Gerüchten vom Rücktritt des Staatssekretärs v. Stengel schreibt die „Tagt. Rundschau": Tas Dementi ber „Nordd. Allg. Ztg." mag insofern zutresfen, als ber Rücktritt nickft unmittelbar bevorsteht. Andererseits haben sich aber nach ihret Kenntnis der Dinge zwisck-eu dem Staatssekretär und den maßgebeiiden Parteiiuhrem hinsichtlich ber künftigen Finanzierung des Reichöhaushalts durch neue Steuern so erhebliche Meinungsverschiedenheiten herausgc- ftellt, daß Herr v. Stengel seme Rücktrillsobfichten un Lauw des Sommers doch aus>ühreir bürite, fojern ein Uebeieui- Bommen nicht erzielt wird.
— AlS letzte PaNei des Reichstags haben nun auch bie Polen ihre Initiativanträge eingebracht, und zwar folgende: 1. Sck-aftung eines Reichsarbeitsamtes; 2. Ein- f d) ra nTu n g der Frauenarbeit in den Fabriken aus acht Stunden; 3. einen Gesetzeritwirrl beivefjeub Regelung des Aufenthattes von Ausländern im deutschen Reich vorzu- legen, damit willkürlia-e Ausweisungen, namenttich üun Slaven, vermieden werden; 4. Gewährung von Attersrcnt.' schon bei Boliendulig des 6U. Lebenswahres eintreten zu lasftn; 5. EnUi-ürse über das K o a 1 i t i v n s r e ch t der Landarbeiter sowie über die Erweiterung der Krankenversicherung vor» zulegen' G. Untersagung des L, r a n n t w e i n - Ausschankes an Sonntagen i.nt> an amstage.i von 5 Uhr abends an; /. Verkürzung de r M a i ma t a r b e 11 ö e 11 iui Bergarbeiter au, d Stmiden; d. Vorlegung eines Reichstberggesetzes ujio.; ti. Aender-uiig des § 52 Rr ^tra^proze^ordnung; lu. Vorlegung eines Gesetzes, daia) bas bestimmt wird, bau |ui bie Entscheidung von Ansprüchen gegen Beamte ausschließlich bie ordentlichen Gerichte zuständig sind.
— Dem Reichstage ging ein Antrag Basser mann zu, nach welchem ber Reichskanzler ersucht werben soll, einen Gesetzentwuri ootjuicgcn, durch Den der Zeugniszwang gegen bie Presse auf dem Gebiete bes Strafrechtes unb bes Disziplinarrechts aufgehoben wirb.
— Das „Verl. Tgöl." erklärt, heute in der Sage zu fein, genaueres über ben Dieb ber Flottenvereiiisbriefe mitleilen zu können. Der Dieb dec Briefe des Generals Keim heißt Janke; er wurde vor vier Jahren als B u r e a u b e a m t e r im Flottenverein angestellt. Janke verschwand in bem Augenblick, wo ber „Bayc. Kur." bie Enthüllungen begann. Man forschte nach unb entbedte, baß er einen Teil ber,Briefschaften aus einem eifernen Schranke entwendet hatte, dessen Schlüssel er besaß, und daß er a’ud) einige andere Briefe, die sich nicksit in jenem Schranke befunden hatten, auf noch .unaufgeklärte Weise gestohlen hatte. Auch das Verschwinden von Wertsachen wurde konstatiert. Tie Untersuchung hat ergeben, daß Janke wiederholt abends, nach Schluß ber Bureauzeit, in den Räumen des Flottenvereins zurückgeblieben war. An bem Morgen, wo wegen des grünen öcyueegciLöoer^ bie Angeitellten ]a|t aller Berliner Bureaus zu spät Ian- en, we r Janke als einziger Beamter fckson um y Uhr bei ber Arbeit. Man nimmt an, baß er an jenem Morgen, begünstigt von bem Schneesturm unb ber Einsamkeit, den Raub verübt habe.
Mühlhausen (Thüringen), 1. März. Bei der heutigen N e i chs t a g s n a ch w a h l im Wablkrei.se Mühlhausen-Langen- salza-Weißensee wurde nach den bisherigen Feststellungen Arn- stad t (kv n s. u n d B d. b. L b w.) mit 11 909 Stimmen gewählt. Porten (Frs. Botksp.) erhielt 5989, Grunwald (Sozd.) 5bll Stimmen. Zersplitllrt waren 26 Stimmen. Bekanntlich hatte der sreis. Projcfior Eickhoff, der hier und in Remscheid gewählt worden, war, das hiesige Nämidat zugunsten des Rem>cheibcr abgclefjnt
Köln, L März. Der Vorsitzende des rheinischen Bauernvereins, Frhr. v. Los, erklärte in einer Versammlung des Ausschusses des genannten Vereins, daß bei ber sozialpolitischen Betätigung im öffentlichen Leven den Lanbwtrten vielfach die politische Schulung fehle, was sich auch bei den letzten Wahlen gezeigt habe. Um diese Lücke auszufüllen, fei ein größeres Grundstück in Köln erworben, um ein Ge- bände zu errichten, in dem für Landwirte sozialpolitische V o r t tage gehalten werden sollen.
Sozialdemokratisches aus Gegenwart und Zukunft.
Man schreibt uns:
Von einigem Interesse für die bürgerlichen Bewohner unseres Wahlkreises dürfte die Art fein, wie die Gießener foziaidemv- kratischen Führer die erlittene Schlappe erklären unb Mittel zum Auswetzen dieser Scharte aussua-en. Wer da glaubt, die Herren B einmal in sich, prüften ihre politischen und wirtschaftlichen len, der irrt gewaltig. Als Ursachen für die unerwartete Niederlage bezeichnet man: Mangel an Regsamkeit, zu hochgespannte Erwartungen infolge des Ausfalls ber Wahlen von 1903, wirtschaftliche Kurzsichtigkeit der Hanbwerker und Bauern, die sich durch anscheinend zu hohe Forderungen der Arbeiterschaft, bezw. vorübergehende, scheinbare Erfolge ber bisherigen Wirtschaftspolitik täuschen liegen, Mangel an Zeitungen, an Rednern im Verhältnis zu den bürgerlichen Pc Lfeien, ungünstiger Eindruck der Streitereien auf dem fozialbemokratischen Parteitag zu Dresden, vor allem aber die angeblichen Verdrehungen, Verfälschungen des von ben Soziaidemolruteii so gebauten „Reichs-


