Ausgabe 
19.2.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Dienstag 19. Februar 1902

Zweites Blatt

Nr. 42

157. ^abrgang

Erscheint tS-lich mit Ausnahme be6 Sonntag».

General-Anzeiger für Vderhefjen

Rotationsdruck und Verlag der vrühkfck« Universität« - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange. Gießen.

Tie VMtßener ZamlllenblLtter" wc-den dem ,8lnlier* viermal wöchentlich beigelegt, da» Kreiiblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Terhessische Canbolrt4* erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- fträne 7. Expedition und Verlag:

Redaktion:«-^ 112. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.

Gießener Anzeiger

Preisen

isler*'

rin4 ftein-inSlai! HU5. bügeln ew. djenartinölidjinaiv.. tßalliorllraiie 2,11

:ersweg 20

A.«*

»0, Ov

Neue Werte von Haus Thoma.

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben:

Der Altmeister Hans Thoma ist biS heute, da SilbnfLden tu feinem Haar sich zeigen, der gleiche geb heben, -Ut Gleiche und immer noch sugendlich Frische tn 1 einem «scbanen und Wirken. Sein Künstleraugc hebt heute noch, wie in den Ärgot, ba Die Sugcnbglodcn seine Schultern umgaben, die deutschen Genwe u.i: ihren saftig grünen Talern,, ihren vugeln ui leuchtendem Sonnenglanze, ihren Bergen und Hohen und Wiesen und Driften. Schwarzwald und Taunus, des Rheines und Mames rdyllqche Niederungen waren von jeher Thomas LiebliNgSproiekte. «tud) bis abgeiaufene Jahr hat den Meist« zu neuen Werken angeregt. Frisch von der staffelet weg hat, er leuie längsten Schov>mtgen dem Schneiderfchen Kunstsalon zur JJ*

<nbt. Fsztf Kunstwerke sind eS, die die Jahreszahl ISOb tragen, .'.nd wieder sehen wir in ihnen Land',chastsltuüe. X-a.no- <aften tragen die Titel: Blaue Einjarnkeu, Nichterfülltes Tal, Vormittag am Donauufer und Weiden am ^Gehen wir die Leinwände entlang, so nimmt vor jedem Bild eine eigenartige Stimmung uns gelangen. 3ebe£-mali)t Die Larbenkomposition auf eine ganz be,andere Wirkung berechnet. vjn ,,Blaue Einsamkeit sehen wir eine wundervolle ties-blaue Atmo- I vhüre, die sich über dem leuchtenden Grün eines wellhm Uck ci'nenbcn, füllen Wiesengeländes auSbreitet. Spärlich ist ut dem Eelände der Baumwuchs. Das Imposante bei die, er Lchovsung i.t der Farbenzweillang, der uns aus dem saftigen Grün und bem leuchtenden Blau entgegenhallt. Wolkenlos dehnt fich das byirmament über der Fläche, die einsam daliegt. Dann uno mann ragendes Geäst, bann und wann Figuren, die man fast steil Kennen fann; sonst nrchts wie Himmelsblau und Grün . e .

rrichtelokal

;e ber Liabl flclnql unter uiuüti an lnzeiger erbeten. tcu wird zu pog. || übe Huber Lnabt II Liäusduig. |11'W euwiiebli üdj w !L j .dem Hause sürl^'. 1 rontiui-ieriir.7U |v.> I

Hier sind. Ircuthi- tn guter Saun-..

Lielduugen umr . inerAnzetga^.-

umbüocLtU'... litb llüdjiM-- Hiö je r, itredm >

unJH___j

am L tlpxll/ - i wxi nn flii«' | ^teiunüifl« terkunti familit, irren euer i Lbeway1 0tulv I Milli lebenden 2-. . Mines zu vemuuV n erdeten an 1 p Jr. st. viuckostt jj^uiavttweab£2_ I ,Mtztzerrim.r- itnYt zu verpüv» ui der MW ' LrAnzeM^'-

lOOUU W

xil zu leiben b1', MMüevote"-

,r iU übertraf,, , I

I

rwr7eisei

politische Lagerschatt.

Zum Beginn der NeichStagSseffioa.

R. Berlin, 18. Februar.

AlS ältestes Mitglied deS Reichstages ist zur Leitung dec eenen Sitzung ber Adg. v. Winterf et d-Menkm (tonlj berufen. Der kleine Herr auS der Uckermark, weithin kennt- iich durch weißen SUicbelbart und blaue Augengläser, hat. obwohl im 86. LebenS>ahre stehend, nochmal- das 'Dlanbat seines HeuiiatkreifeS übernommen, wie er denn überhaupt zu den fleißigsten SitzungSbesuchcrn zählt. Im Lebensalter ain nächsten stehen ihm Fürst flnyp Hausen (kons.) und Gras Hompesch, der FraklionSvotsigeude des Zentrums, dem Aufgabe Vorbehalten ist, bei gewichtigen Anlässen Erklärungen abzugeben. ,®enjaniin1 deS Reichstages ist nicht mehr Herr Erzberger, auch nicht, rote in cmjclnen Zeitungen imt- getcilt worden tvar, ber 28jährige Tr. flatl Böhme, der Herrn u. Gerlach in Marburg aus Dem Sattel warf, lonbccn der neue Abgeordnete für Bielefeld-Wiedenbrück, der Be­sieger von Möller, der Schlosser Severing, mit 27 */, Jahren. T. ist im Sommer 1879 in Herford geboren. Also eine Stadt mit so ivichttgen industriellen, gewerblichen Interessen, wie Bielefeld, wird nicht durch einen Mann von den flennt« nisten und den reichen Verdieitslen deS früheren preußischen Handelsministers o. Möller, sondern durch einen 27jähilgeu Schlosser im Reichstag vertreten. Herr v. Möller hat übrigens auf die flandidatur in Langensalza-Mühlhauseu verzichtet, nachdem sich Agrarier und Freisinnige von ihn, loSgesagt haben.

Im Anschluß an die erste Plenarsitzung werden sich die Fraktionen konstituieren. ttine Aenderung in der Führung teilt nur bei der Freisinnigen AolkSpartei ein, inbeni Tr, 'Müller-Lagan voraussichtlich durch den Abgeordneten Dr. Wiemer ersetzt wird. Für die liberalen Fraktionen besteht jetzt die Notwendigkeit, engere Fühlung unlcremanbet zu nehmen, um durch entsprechende Taktik in Wirklichkeit das parlamentarische Schivergewicht zur Geltung zu bringen, bas dem Liberalismus auf flosten des Zentrums zugefallen ist Jener hat in Zukunft mehr als diejeS die Entscheidung tn der Hand, und eS wird auf da- ganze parlamentarische Leben erfrischend wirken, daß nicht mehr abgewartet werden muß, was Dr. Spahn sagen ober einstweilen nicht sagen wird, denn das Zentrum liebt es bekanntlich, bis zur letzten Stunde du harten verdeckt zu halten. Eitel Friede und Eintracht bikfk kaum im FraktionSzimmec dieser Partei herrschen, von deren Mitgliedern sicherlich em Teil eS unliebsam empsinbet, ben Platz an dec Sonne ber RegierungSgunst verloren zu haben. Wahrscheinlich gibt e« Meinungsverschiedenheiten schon bei den Erörterungen über die Stellung der Fraktion zur Pcä- üdentenwahl.

Generalmajor a. D. Heim

ianbte unS einen von ihm in denBerl. N. Nachv." öeröifenfr lichten Artikel über seine Tätigkeit bei den Wm-len, in dem es u. a. heißt:

Selbstredend mußten viele hundert Briefe geschrieben und beantwortet werden, um die persönliche Agitation in die richtigen Kanäle zu leiten. Diese Briefe hat nun derBayerische Kuner" veröffentlicht und ich übernehme für ihren sachlichen Inhalt, soweit sie von mir fcerrüijren, die volle Verantwortung. Ist der Deutsche Flo tten-Ver ein damit nickt ciiLöcrftanten, i so möge er micy in di c Wüste schicken. Aber dem Flottcn-Berein kann man aus meiner Tätigtest keinen ©trief drehen wollen. DaS ist unehrlich und unanständig.

Auch Geld ist nötig gewesen, viel Geld! Ader fein Mennig ist hierzu ,alus ben Mstglieder-Beiträgen genommen worden. Einige zartbesaitete Preßgemüter die sonst an Zartheit des Gewissens und der Akoral nicht leiden haben ein Zetergesthrei erhoben, daß der Herr Reichskanzler 30 0U0 9Jtiart aus ihm von Prioallreisen zur tierrügung g^fielhien SDlitteln beim Flotten- SJerein überweisen wollte oenn sie sind bis dato noch nicht ein gegangen, so ist dabei ein gut Teil Heuchelei im ^^So haben die Mitglieder deS Fwtten>Verems innerhalb der ihm satzungsgemäß gezogenen Grenzen in mehrwöchenllicher, mühsamer, unablässiger uno höchst umuchtiger Weste das erkennen selbst unsere intimsten Feinoe an ihre nationale Scouldigkeit alS Angehörige eines nationalen Vereins getan. Tyur die gute Sache! Und wenn ich als Leiter der Agitation bei dem AuSgleicyamt so ziemlich lämtnchen Ux*ctcien mal hier und da auf ihre respektioen Füße getreten habe, |o buta ich nachträglich um Entschuldigung. Es ist aber pro Patna geichehen.

hier die Züge kreuzen können und nicht, die in Gioßen-Buscck zu kreuzen hatten, Verspätungen die flreuzung nach Laasen Die Züge von Fulda hatten dadurch ost daß in Gießen die Anschlüsse versäumt

aber durch Heine verlegen mußten, solche Verspätung, wurden. Mit den

1, Futi und als Festort für das nächlte Fahr wurde ein­stimmig Lich gewählt, nachdem flirchham feine Bewerbung zurückgezogen halte. Die Verhandlungen wurden durch ein gememiomefl Essen unterbrochen, bei dem die beiden Lprecher der hiesigen Turnvereine flaufmann Althosf (Tw) und RcchlSamvalt flaufmann ('DUo), Gauoertceter Helm und der Sprecher deS Wetzlarer Turnvereins Almenröder

21 u» siadt und Land.

Sprechstunden der 'jiebaiLon 11- 1 i-be vor... <',,8 Uhr abdS. Gießen, ben 19. Februar.

Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Haar- baufen. Mit der Stelle ist Organisten« und Leklorendienst verbunden.

Boualisches. Neuerdings lörnen für den Bezirk ber Lber-Poiiöirettioii in Darinitaot w.-dcr Beiverber für kvottbotcn- üeilen vorgemerkt werden. Es kommen in der Regel nur hesstick.: Staatsangehörige in Betreust, die ihrer Militarpiiicht genügt, sich gut getuhrt und da- 13. Lebensjahr nock niqt zuruäge.egt Hasen.

* (y e r n f Ö r e dj a n i cb l ü i 1 e. Zm Fnterene mögluvst früh, zeitiger Fnaiigriiinahme der Arbeiten zum weiteren Au-oau der Femsprecyanlagen ist c- cnorocrau>, bag d.e Anmelbungen neuer öemureajaniQjlufie s teste n s b is - u m 1. März ocn fluiier» iia)en Te.egraptlcnaiii.aiten Dvidcgen. Verspätet ang ' mel­de te Aistchlüsir, die außerhatv des Bauplans nur mit Mehraust Wendungen (z. V. uut-, beiondere Entienoung einer Baukoionne uiro.) hi-rzufieil n find, weroen in dem naaifien Bauabschnitt nur bann ausgestihn. wenn oie Antragsteller zu den cntiiehendsti 'jJie.jrtoftcn einen Zuswuß von Mk. teilten oder wenn bieh Mehrloitcn den Betrag von 60 Mk. über neigen, den wirklich auigenxnbiten Avstenbetrag erstallen.

Arbeiter als Geschworene, ^n ber Geschworenen- liste des Schwurgerichts für die Provinz starken barg be­finden sich erstmalig zwei Personen aus Arbeiterkreisen.

Der 7 ö. Gauturntag des Gaues Helfen fand am vergangenen Sonntag in der Turnhalle des Turnvereins Gießen unter zahlreicher Beteiligung ber zum Gau gehörigen Vereine statt. Nach Begrüßung der Eifchienenen durch den Vorsitzenden, Gauoertretec Fr. Helm-Gießen, wurde zunächst der Rechenschaftsbericht entgegengenommen. Ausgeschleden sind im Jahre 1906 6 Vereine, emgetretcn 12 (Amöneburg. Annerod, Torn-Assenheim, Grebenhain, Grotz-Felda, Hoch..- heun, floppet, Lützellinden, Äiaunheim, Röu^...au, Treis a. d. Lumda und Steustadt a. d. B.). Ter Gau zählte am 1. Januar 1907 67 (1906 60) Vereine nut 7942 (7371) Mitgliedern, davon 6627 (6287) Steuerzahler (über 17 Fohre alte Mitglieder), 1316 (1084) Zöglinge; 2863 (2617) Turner nahmen an den Turnübungen teil, davon roaren 1681 (1680) übet 17 Jahre alt und 1202 (1087) Zöglinge, 800 (139; Frauen und Mädchen. Die o,er Bezlrksoorturnerstunbeu luaren von insgesamt 566 Teilnehmern besucht, während die vorjährigen nur 492 Besucher hatten. Außerdem fanden zwei gut besuchte Gauoorturnerstunden statt, eine UebungSstunde im fleulenschwingen und eine weitere für die Lester oo» Frauen-Ableilungen. Die turnerischen Mettkämpfe im Gau nahmen sämtlich einen schönen Verlaus. Auch an ben turne­rischen Veranstaltungen un flreiS nahmen Angehörige öi-> Gaues in ansehnlicher Zahl teil, insbesondere am flrei3lurnfc|t in Hanau, am Feldberg- und am Spicherer Bergfest, dlach dem von Gaurechner Post-Alsseld erstatteten flossenbericht hatte der Gau eine Einnahme von 1940.45 Mk. (darunter 1609.76 Mk. Beiträge der Mitglieder und 142.77 Mk. Haft- pflichtbeiträge) und eine AuSgabe von 1846.34 Mk (barunter 900.29 Mk. Vcrbandsbeiträge und Haftpflicht- Versicherungsbeiträge. DaS Baroermögen des Gaues beträgt 706,62 Mark. Dem Rechner wurde Ent­lastung erteilt; die (Saufteuer für 1907 wird auf 25 Pfg. für daS Mitglied wie seither festgesetzt. Die Neu- wähl der auSscheidenben Mitglieder des GauausschusseS ergab die nahezu einstimmige Wicderwahl des fettherlgen Gau- Vertreters Friedr. Helm-Gießen, als Gauturnwact Will- Gießen, als 2. Gauschriftführer Grün-Kirchhain und als Gaurechner Post. Des weiteren sprach sich der Turntag für die Gründung einer KreiSturnzeitung auS, aber gegen die hiermit begründete Beitragserhöhung um 3 Pfg. für das Mitglied. Ein Antrag bei dem diesjährigen Gauturnfest beim Emzelwelturnen eine Gruppe Stabübungen als Weil- Übung eluzufchieben, fand Zustimmung und auf Antrag des Turn, und GesangoeremS Schotten, jährlich em wanderndes Bergfest nut volkstümlichem Wetturnen abzuhalten, wird be­schlossen, in diesem Jahr probeweise ein solches Fest auf dem Hoherodskopf abzuhalten. Die diesjährige Gauturnfahrt wurde dem Männerlurnverein Robheun q. d. B. übertragen und ferner in Aussicht genommen, das DünSbergturnen in Form eines TurngangeS mit flriegSspiel (also ohne Wett- turnen) abzuhalten. Tas diesjährige Gauturnfest findet in Bad-Railheim statt und zwar am 29. und 30. Ium und

Ansprachen hielten.

»»Der neunjährige 51 a r I, ber daS Gymnasium bestickt, hat feine liebe Last nut den lateinischen öa>ularbeiten und bur^ die Mutter. m doch babci zu belien. Diese kommt bannt auch nicht zurecht, sie wendet sich an ihren Mann, der in feinen Be- taiuitcnireiicn als gr^per ^uyer wc ücm 4>crcn güL und bringt mit ben Worten in ihm:Heinrich, hilf dock dem Jungen leine lateinischen Ausgaben machen."Frau", erklärt, drr Mann,du weißt doch. Latem war von jeher meine schwächste Seite." ,^3a, Mutter", meint start, niit.^m rihbiun U'ciia^fluusDrud, der ihm zu Gebote steht,wenn's Jägerlatein wäre, Im weiß der Später besser bauut Bescheid."

-r Grogen-Buseci, id. Febr. Am «amStag hielt der Gesangverein Sänijirtranz seine Lxnstandswaht ab. Der (cUl)crige Präsident Wsthe.m Größer legte sein *21 nu frei» willig nieder und es rouxbc iiarl Großer als Präsident einstimmig gewählt. Herr Größer nahm daS Amt dankend an und erklärte, daß er dieselbe Stellung euinebnun wolle, roie ber scilhcrige Präsident. Dem früheren 'Sräiuxnun wurde noch­mals Äncrkennung jur sein Wirken ausgesprochen.

t. ReiSkirchen, 18. Febr. Die Frau emeS hiesigen MaiirerS verbrannte sich gestern derart am flaffee, daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Mit Freuden begrüßt roub hier allenthalben, daß die langer- lehnte (tirocilerung deS hiesigen Bahnhofs endlich zur Wirklichkeit wird. Bton plant die Vergrößerung des Bahn­steigs, soivie dte Erweiterung der Gleisanlagen, so daß auch

wie seither, Züge

Abendwolken nennt Thoma das zweite Werk. Hier finden 1 Lchöpiungen voller, innerer, seelischer Gehalt, «n Moment, hinter ' ' " dem Technik uno Manier als unwesentlichere traftoren bei xboma

iurüdtreteu müssen. Josef M. Jürinek.

wir einen Kontrast der Farben. Es leuchtet auf in Grau und Braun, in mattem Grün und feurigem Gold. Friedlich un Schlummer liegt daS Lergland, tief grau-braun in der Färbung, darüber ein helles Firmament mit zerrissenen Wolkengebilden, die von den feurigen Ztrahlen ber für uns schon längst verschwun, denen Sonne in grelle, ziegelsteinfarbige Tinten getaucht werden. Tas ist nicht mehr und nicht weniger wie ein letzter Gruß der scheid enden Sonncnkugel an die ruhenoe Erde und ihre Bewohner.

Neben diesem Scheidezruß in rotgoldener Glut grüßt uns ein stilles Schwarzwaldtal. Ta finden wir Thoma in seinem Lieb- lingSelemeni. Bon feinen Silberfäden scheinen des Tales ent­fernte Hügelketten u-mwoben, trunlene Sommer färben beleben, gleichsam in satter Fülle schwelgend, ben Vordergrund. Unb traumverloren dünkt uns die Frau, die auf dem Waldweg zur Seite einsam dahinschreitet. In ihren Lugen ist zu lesen, daß der Blick den Hügeln in der Form gilt.

Im vierten und fünften Bilde endlich schildert ber Altmeister die mehr verborgenen Reize zweier Flußmotive. Hier an ber Donau kühle Morgenluft, bte lebem Gegenstand eine |d>atfe Silhouette gibt, dort am Rhein träge Sommerschwüle, die auf der Landstraße lastet. n

Tas ist Thomas ureigenste Kumt, die sich in bieien ptni neuesten Schöpfungen kundtut. Fast muten uns die Schilderungen, in denen vor allem ein kemig-deutsches Gemüt zu uns iori(i..t, in ihren Farben vertrauter an als die Natur, die uns umgibt Tie n.-uen Werke Thomas sind wenig, eigentlich gar nicht stilisiert zu nennen. Das Kolorit ist unbestreitbar Rarer, stellenweise auch härter, als wir es sonst bei Thoma gewohnt sind. Könnte man hieraus vielleicht daraus schließen, daß es dem Meister heute nicht mehr so leid- gelingt, seine ihm unprünglich eigene Ennachi)eit_ in Farbe unb Form zu treffen, so ist doch auch in die,en neuesten

Arbeiten will man so rasch vorgehen, daß die Neuanlagea bis zum Herbst dem Verkehr übergeben werben können. Bei der vorige Woche hier adgehaltenen Holzversteigerung wurden Preise bezahlt, wie sie hier noch nicht vorgekommen sind. Buchenscheit kosteten 4214 Mk. pro 4 Meter, flnüppel wurden mit 2830 Mk. bezahlt unb da» halbe Hundert Wellen waren unter 14 Mk. nicht zu haben.

4- Lich, 16. Febr. Poswerwalter Rau feierte heute sein 25jähriges Dienstjubiläum. Deni allgemein, beheb tett Beamten gingen von nah unb fern zahlreiche Glückwünsche zu.

* Grünberg, 17. Febr. Der am 18. Äiacz lbri2 ju Friedclhausen verstorbene Freiherr Adalbert von Nordeck zur iHab^ nau hat durch Testament Icytiuitiig verordnet, es solle sein nach Auszahlung der im Testament zugewiesenen Erdteile verbleibendes Bermöge.i, nnoweit er anderweitige Verfügungen Nicht treffe, ein im Alannesslanime nach Prinwgenitur vererbliches sukzesiwe- llniversaljideikommiß fein, das unter dem NamenF reiherr - lich von Nordcck zur Rabenauscheö Familienfidei«, kommiß des Appenbörner Hauses" zu einem Familien- iideilommiß erhoben werde, ui das sein Enkelsohn Graf Everhard von Schwerin als emur Fiduziar erbe bezw. ÖibcitoiunuBbeii&er uerifen |cu Nachdem S. K. H. der Großherzog 1UU0 die Errichtung geiicymigt hat, ist nunmehr ein Antrag auf Vergrößerung des 'öamilieniibeifommiifcü gestellt worden. Für die Vergro,xcu>ig jmd üurgeicyen Grundflücke in den Gemarkungen Appenborn, Gailshauien, Kesselbau.', Lwndors, Ldenhausen, Wcitershain, Al­lertshausen, Climbach, Rüddinghausen, Treis a. d. Lun da, Alien­dors a. d. Lda. und Staufenberg.

0 AuS ber Wetteran, 17. Febr. Im März sollen die Arbeiten zur Herstellung ber Grupp enwafferleltung für die Orte Assenheun, Ossenheim, Nieder-Florstabt, Reichels­heim, Bingenheim, Staden unb Leidhecken begonnen werden. Die Hauptrohrleitung zweigt in Berstadt vom staatlichen Wasserwerk Bad-Nauheim ab und ist 22 Kilometer lang. Die Ortsrohrleitungen haben eine Länge von 22 050 Nieter, die Hochbehälter fassen ca. 1000 Kubikmeter Wasser. Die Arbeiten Iollen noch im Sommer vollendet werden.

P. Schlitz, 17. Febr. Wer von unierm Städtchen behauptet, daß hier nichts los sei, wird durch die in der vorigen Woche gebotenen Vergnügungen eims besseren belehrt werden. Tie Woche stand fast durchweg unter dem Beil en des Vergnügens. Ten Reigen träumte am Samstag Der Gesangverein Harmonisches Kranz wen durch einen Mastenbali, ber autzerordenmch gut besucpt war; auch am Sonntag wurde noch etwas gefeiert. Am Mittwoch wuroe das jährliche Famiiiensest des Kirchen-Ehors buru) ein Konzert begangen, der Donnerstag brachte 21 i n e m a t o- graphische Vorstellungen des Flottenoereins, von Denen, nebenbei bemerkt, allgemein behauptet wird, daß man

Der preuß.Staatsanz" veröffentlicht die (Ernennung deS Architekten Professor Albert Messel zum Architekten bei ben Königl. Museen in Berlin. Messel ist be- lamitlich der Schöpfer des Darmstädter Museum-Neubaues wie des genial entworfenen großen Wertheimschen Kaufhauses an der Leipzigerstraße in Berlin, ein durchaus moderner Künstler von höchster Begabung.

Bologna, 18. Febr. Unter Teilnahme einer ungeheuren Menschenmenge hat heute die feierliche Beisetzung Giosuß Earduecis stattgefundey. Ter Nationaltrauer um den Dichter halber waren die Läden geschlossen. Die Straßen­laternen längs des Weges, ben der Zug nahm, waren angezünoet und mit schweren Schleiern umhüllt. Ter Graf von Turin, a!3 Vertreter des Königs, begab sich sogleich nach seiner Ankunft in das Sterbehaus Carduccis, um der Leiche einen Besuch abzustatten unb der Familie das Belleid des Königs auszusprechen. Um 2 Uhr nachmittags setzte sich der Zug, in dem Professoren vertreten waren, ui Bewegung. Man hörte die historische Slocke des Rathauses läuten. Zu Seiten des von vier Pferden gezogenen Leichenwagens marschierten Stu­denten, hinter ihm bet Graf von Turin, Unterrichtsministet Raoa, die Präsidenten des Senats unb der Kammer, viele Senatoren unb Deputierte, Generäle, Admirale uno hohe Beamte. 2er zwei Kilometer lange Zug durchzog die Stabt bis zum Weich- bilbe, wo er sich auflöste, währenb ber Leichenwagen bis zum Karthauser Friedhof fuhr, wo Carducci beigesetzt wurde.