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Zweites Blatt L 3?. Jahrgang
Montag IS. November 1907
tt1d)efnl tSgklch mit AuSnabme des Sonntags.
De .Gletzeaer §q\. UtenblStter- werden dem „Anze-ger* viermal wöchentlich beigeJegt, das „Krdsblan für den Kreis Sieben" zweimal wSchenUlch. Der ..hessische £anöa»lrt" crscheml Otonatltd) einmal«
General-Anzeiger für Gberhessen
Rotationsdruck and Verlag der Brüh kochen UnwersttälS • Buch» and Steindrucke ret.
R. Lang«. Gießen.
Redaktion. Exvedittoa anb Druckers- Schul- stratze 7 S^peÖtlton ant Vertag L-SO bL Redaktion:1!2 rell-Adr^AneetgerGretzen.
2Vöcbc8ijd?att.
Gießen, 18. November.
Die große Herzlichkeit, mit der die Engländer das )eutf cf) e Kaiserpaar allenthalben empfangen haben, jat etwas Uebercaschendes. Eine so glanzvolle Aufnahme jat bei uns wohl kein Mensch erwartet. Man gab sich reilich m letzter Zeit der Hoffnung hin, daß die Zeit )cr ^Mißverständnisse und des Uebelwollens vorbei sei und raß die deutsch-englischen Beziehungen wieder normale Gestaltungen anzunehmen anfingen, man erwartete auch -inen freundlichen Empfang, trotzdem die englischen Sozia- iiten allerhand Demonstrationen gegen die deutschen Gäste Kanten, aber mau konnte es, wie gesagt, nicht vocaus- eijen, daß die große Masse der englischen Bevölkerung -em deutschen Kaiferpaare so freundlich und herzlich ent- ;egenrommen werde. „Blut ist dicker als Wasser" hat >er Kaiser bei der denkwürdigen Begrüßung in der Londoner Guildhall gesagt und damit einem alten, in den letzten fahren nur gar zu oft vergessenen Gedanken neue Geltung -erschafft. Bedeutsam ist auch, was der Kaiser einer Ab- »rdnung englischer Journalisten am Samstag gesagt hat. Die Abordnung überreichte dem Kaiser eine Glückwunsch- idresse. In seiner Antwort sagte der Kaiser: „Die Macht, wer die die Journalisten verfügen, ist groß und ihre Betätigung ist sehr wohltuend, wenn sie der Pflege der ceundschastlichen Gefühle zwischen den Nationen gewidmet st. Die Adresse, die Sie mir überreicht haben, beweist, ■ag Sie diesen Zweck verfolgen. Ich danke Ihnen infolge- essen für Ihren Besuch und bin hocherfreut, Sie begrüßen u können. Ich hoffe, daß Sie fortfahren werden, zu Gunsten der Förderung der freundschaftlichen Gefühle zwi- chen den beiden Nationen zu arbeiten, Gefühle, die für den frieden Europas so notwendig sind. Wir gehören derselben iajse, derselben Religion an, und diese Bande sollten e.iügen, um die Freundschaft und Harmonie zwischen uns u stärken."
Will man das Ergebnis des diesmaligen Kaiserbesuchs n England kurz zusammenzusassen, so wird man sagen önnen: es besteht darin, daß die Monarchen Deutschlands nd Großbritanniens und die Kabinette dieser Länder sich ndlich gefunden haben. Inwieweit sich diese Annäherung uch aus die Völker beider Länder erstrecken wird, muß ic Zukunft lehren; ohne Einfluß auf die Beziehung beider Völker zueinander wird aber hoffentlich auch das nicht leiben, was der Kaiser, wie oben erwähnt, den englischen ,'ournalisten gesagt hat. Eine auftichtige und ehrliche »allung der Presse wird schließlich, so darf man hoffen, as Meiste dazu beitragen können, die Völker einander äherzubringen.
Seit mehreren Jahren ist die Reichsregierung zu der Gepflogenheit übergegangen, die hauptsächlichsten Ziffern us dem Etat kurz vor dem Zusammentritt des Reichstages urch ihr offiziöses Sprachrohr weiteren Kreisen mitzu- nlen. Dieses Verfahren ist durchaus löblich, denn ein» ml wird der früher üblichen, mißlichen Verhökerung vor- ebeugt, wobei oft unrichtige Zahlen mit unterliefen, an- erfeits ist es auch für die nichtparlamentarischen Kreise ngenehm, beizeiten die hauptsächlichsten Ziffern kennen u lernen und etwaige Pläne der Negierung daraus zu rsehen, zumal ein genaues Studium des dickleibigen Ge- amtetats eine für den Laien nicht kleine Aufgabe bildet. Iber auch für die Abgeordneten selbst ist die frühere Vec- sjentlichung nicht unerwünscht, da sie sich so beizeiten über itandje Fragen informieren und aus der Preßkritik er- ennen können, wie manche Regierungsabsichten in der Öffentlichkeit ausgenommen werden. Der diesmalige Etat uft keine allzu großen Ueberraschungen hervor, nicht einmal bei dem Marineetat, da man ja seit langem weiß, sohin die Absichten der Reichsregierung mit ihrer Novelle rhen. Das gleiche gilt von dem Militäretat, da die Fest- egung durch das jüngste Quinquennat es nur gestattet, ie vorgeschriebenen Verstärkungen vorzunehmen und sonst ebiglich Einrichtungen zu trefsen, die technische Verbesseungen bedeuten. Des weiteren hat man sich darauf gefaßt emacht, daß die in Aussicht genommene Erhöhung der kamtengehälter gewaltige Summen erfordern wird, an eren Bewilligung durch die Volksvertretung nicht zu Inseln ist. Von den bisher veröffentlichten Etats inter- Ificrt am meisten derjenige der Kolonialverwaltung. Ta w es nicht ohne Jnterefse, daß der Reichszuschuß für ie Schutzgebiete sich beträchtlich ermäßigt, und zwar um ßst 24 Millionen, wovon allerdings etwas über 21 auf wdwestasrika entfallen, da die dortigen militärischen Aufwendungen infolge Niederwerfung des Aufstandes erheblich erabgesetzt werden können. Immerhin ist es erfreulich, aß eine Verringerung des Reichszuschusses, wenn es auch Ur 3 Millionen sind, zu verzeichnen ist, da dies beweist, aß unsere Kolonien in wirtschaftlicher Hinsicht vorwärts hreüen. An Zuschüssen erfordern Ostasrika 4,7, Kamerun '7, Süowestasrika 43,6, Kiautschou 10,6 Millionen, während er Zuschuß für die übrigen Schutzgebiete sehr gering ist, nd Togo nach wie vor als rühmliche Ausnahme gar 'inen bedarf. Allerdings sind in .dem Etat die neuen ^hnprojekte für Ostafrika noch nicht enthalten, und nur we Schlußrate von 8 Millionen figuriert darin für die ortführung der Bahn nach Keetmanshoop. Von allgemeiner Bedeutung ist die Absicht der Negierung, den Kolo- wlbeamten eine bessere wirtschaftliche Vorbildung zu eben; für diesen Zweck ist der hierfür zur Verfügung ehende Fonds von 42 600 Mk. auf 130 000 Mark erhöht 'vrden. Ein Teil der Beamten, resp. Aspiranten soll me Berliner Handelshochschule besuchen, ein anderer Teil W in Hamburg Spezialstudien machen, wo hierfür be
sondere Einrichtungen getroffen werden sollen. Eine derartige Ausbildung könnte nur von Nutzen sein und der Entwicklung unserer Kolonie zum Segen gereichen. Die sonst zur Veröffentlichung gelangten Etats sind nur von geringerer Bedeutung, höchstens daß die Reichseisenbahnen einen Ueberschuß von 23,5 Millionen bringen. Wie mag Herr von Stengel bedauern, daß nicht sämtliche Eisenbahnen in Deutschland dem Reiche gehören, dann hätte er nicht notwendig, jetzt immer und immer nach neuen Quellen für die Aufbringung der Mehrkosten zu suchen.
Während bei uns das Reichsparlament erst im Laufe dieser Woche zusammentritt, ist die russische Reich s- duma bereits versammelt. Populär ist diese „Herrenduma" in Rußland nicht, denn man sieht sie als ein allzugefügiges Werkzeug dec Regierung an oder besten- falls als ein bloßes Dekorationsstück.
Iculscher ^avaib amtcntag.
S. u. H. Frankfurta. M., 17. Nov.
. Fast alle Organisationen der Privatangestellten aus allen Teilen des Reiches hatten sich hier zusammengefunden, um zu der Frage einer staatlichen Pensionsversicherung Stellung zu nehmen. Auf der Tagung sollte Stellung genommen werden zu dem Entwürfe eines Privatverficherungsgesebes, das von einer Siebencrkonunission, die in verschiedenen deutschen Städten im Verlaufe der letzten Monate getagt hatte, ausgearbeitet worden war. Ueber den Weg, auf den man zu einer staatlichen Pcn- lionsversicherung gelangen könne, waren schon in dieser Kommission dü Meinungen sehr verschieden, und die Gegensätze platzten hart aufeinander. Es handelt sich vor allem üm zloei Grundfrageic. Die Majorität, die vor allem von den kaufmännischen Vereinen gebildet wurde, verlangte die Einrichtung einer Sonderkasse. Im Gegensatz dazu traten die technischen Organisationen mit aller Ent- !chiedenheit für den Ausbaubestehenden Jnval.dengesetzgeüung em. Auch in iocr Aus,chußsitzung, die bereits am gestrigen Sonnabend stattfand, gerieten die beiden Richtungen scharf aneinander. In stundenlangen Debatten wurden die einzelnen Möglichkeiten einer Pensionsoerficherung erörtert. Es wurde verschiedentlich hervorgehoben, daß es der Negierung nicht einfallen würde, eine Sonderoerstcherung der Privatueamten zu gell.at.en. Sie würde sich hüten, den vielen hunderttausend Privatangestellten zu gestatten, aus der Invalidenversicherung auszutreten, weil deren Rentabilität dadurch ernstlich in Frage gestellt werden würde. Von anderer Seite wurde wiederum hervorgehoben, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der Privatange^etlten doch wesentlich anders seien, als die der Arbeiter, auf die unsere Invalidenversicherung doch einzig und allein zugeschnitten sei. Die Majorität im, Ausschüsse blieb trotzdem bei ihrer Forderung einer Sonder- itone bestehen. Eine geringe Minorität stiimnte gegen diese Sonder- wsse. Zugleich aber erklärte die Majorität, daß sie wohl die Etnrnchtung einer Sonderkasse für notwendig erachte, daß sie aber, falls die Regierung nicht damit einverstanden sei, sich sastießtich auch mit dein Ausbau der Invalidenversicherung zufrieden geben müsse. Für eine solche Ergänzungsoersicherung mußten aber damc folgeiwe Ätindeslforderungen gestellt toerden: a) dem Privatangestellten muß gegcmiucT den bisherigen Sätzen der Invalidenver,icherung eine höhere Rente bewilligt werden; bst das Alter für'das Recht des Rentenbezuges muß auf 65 Jahre seslgesetzt werden; c) eine Witwen- und Waisenversicherung i,t er- forderlich; d) die Berufsinvalidität muß eingeführt werden; e- fcn Versicherten müssen in der Verwaltung größere Rechte eingeräuml werden, als es in der heutigeir Jnvalwenoersicherung der Fall ist. — Für diese Mindestforderungen einer eventl. Ergänzungs- Versicherung Mid sich eine große Majorität. — Darauf wurde die ^iebencrkommijsion aufgelöst, )veil ihre Arbeit erfüllt war.
Heute wurden die Beschlüsse der Ausfchußtagung einer großen Massenversammlung von Privatangesteckteii im Hippodrom vor- gelegt. Die Versammlung, die von Ehlers-Frankfurt geleitet wurde, war äußerst stark besucht. Es ging sehr stürmisch zu. Gleich zu Beginn der Verhandlungen kam es zu tumultarischen S k a n d a l s z e n e n, weil die Mitglieder der in der Minderheit befindlichen technischen Gruppe dagegen protestierten, daß nur drei Referate gehalten und in keine Diskussion cingetreten werden sollte. Sie stellten den Antrag aus Diskussion, den der Vorsitzende aber ablehnte. Darauf erhob sich ein furchtoarer Lärm, der erst sein Ende fand, als die technische Gruppe in Stärke von etwa 800 Mann den Saal verließ. U. a. trennten sich von der Kundgebung die Mitglieder d.s deutschen Werkmeister- verbandcs, des deutschen Gruben- mrd Fabrikbeamtenverbandes, des Bundes der technisch-industriellen Beamten, des deutschen Zuschneidcrvcrbandes, des deutschen Zeichnerverbandes.
Nachdem die Führer der Minorität den Saal verlassen hatten, trat man in die Tagesordnung ein. Hiller- Leipzig vom Verbände Deutscher Handlungsgehilfen berichtete wie Fischer- Offenbach über die Arbeiten der Siebenerkommission der deutschen Privatangcstellten. Die Kommission wurde am 16. Juli d. Js. in Berlin gebildet. Sie ist seitdem in verschiedenen deutschen Städten dreimal zusammengetreten und hat die verschiedenen Fragen zur Sache der Pensionsversicherung der Privatangestellten eingehend erörtert. Sie ist schließlich zu dem Resultat gekommen, eine Sonderkasse für die Privatangestellten zu fordern. — Hans Bechly vom Hamburger deutsch-nationalen Handlungsgehilfen- verbande behandelte dann die Frage, ob für die Privatbeamtenversicherung eine Sonderkasse vorzuziehen sei, oder ob man sich mit dem Ausbau der bestehenden Invalidenversicherung begnügen solle. Er beantwortete die Frage dahin, daß die besonderen Verhältnisse der Privatangestellten die Einrichtung einer Sonderkasse rrotwendig machten, und daß man nur im Notfälle sich mit dem Ausbau der Invalidenversicherung begnügen solle. Er ging dann auf die Geschichte der Bestrebungen der Privatangestellten nach einer Pensionsversicherung ein. Schon im Jahre lb03 habe sich mit elementarer Wucht der Ruf nach einer staatlichen Pensions- Versicherung geltend gemacht. Bei einer solchen Pensionsversicherung müsse aber der Eigenart der Stellung der Privatbeamren völlig Rechnung getragen werden. Es müsse eine höhere Invalidenrente für sie gefordert werden, als sie für die Arbeiter bestimmt ist. Und diese Rente müsse auch bei der Berufsinvalidität gewährt werden. Die Altersgrenze für das Recht des Rentenbezuges müsse auf mindestens 65 Jahre abgesetzt werden. Alle diese Sonderwünsche der Privatangestellten könnten aber am besten nur durch eine Sonderkasse erreicht werden. Es bestehen zwei Möglichkeiten, um den Privatangestellten eine Pensionsversicherung zu schaffen. Entweder begnügen sich die Privatangestellten mit den Leistungen einer Arbeiterversicherung, oder sie treten für eine Sonderkasse mit höheren Beitrügen und höheren Leistungen ein. Der Stand der Privatangestellten sei eine bedeutende Gruppe, die viele Hunderttausend Mitglieder zählt. Sie habe das Recht, daß die Gesetzgebung auf sie Rücksicht nimmt. Mit theoretischen Phrasen könne man die Wünsche der Privatbeamten nicht unterdrücken. Es werde immer gesagt, die Einheitlichkeit der Versicherung werde bedroht, wenn die Privatbeamten sich zu einer Sonderkasse zusammenschließen. Durch solche Reden sollten sich die Privatbeamten nicht abhalten lassen, iüre gerechten Wünsche vorzubringen. Jbre Pensionsversicherung
müsse den Verhältnissen angepaßt roeroen und dürfe nicht schematisch geregelt werden. Die Notwendigkeit einer Sonderkasse für sie ergebe sich ohne weiteres bei näherer Betrachtung der einzelnen Forderungen. Die Berufsinvalidität könne nicht gut auch für die Landarbeiter gefordert werden, sie eigne sich nur für Leute, die einen ausgesprochenen Beruf haben. Durch die Einführung der Berufsinvalidität würde eine Erhöhung der Beiträge saft um die Hälfte erforderlich sein. Zum Schluß wieS der Redner darauf hin, daß nach der ganzen Fassung der Denkschrift der Regierung es wohl möglich sei, daß eine Sonderversicherung gewährt werden könnte. Es sei kein Ziveifel, daß, wenn die Negierung sie fordere, auch eine große Mehrheit im Reichstage dafür zu haben sein würde. Tie Privatangestellten wären politisch unklug, wenn sie nicht nehmen würden, was sie bekommen. Die Zeit sei günstig, man dürfe sie nicht ungenutzt vorübergehen lassen. Hofsentlich werde auch die Minorität an dem großen Ziele Mitarbeiten. (Lebh. Beifall.) — Bei der Abstimmung wurden die Vorschläge des Ausschusses mit 502 000 Stimmen gegen 136 000 Stimmen angenommen. — Darauf wurde die Tagung geschlossen.
uaiO Land.
Gießen, 18. Nov 1907.
** Auszeichnung. Dec Lektoc dec französischen Sprache an der hiesigen Universität Lucien Paul Thomas hat in dem „concours interuniversitaire" eine goldene Medaille und einen Ehrexpreis für seine hervorragende Arbeit über den Culteranismus in Spanien erhalten.
** Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am Samstag, 23. d. M., Dornt. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Landenhausen, 2. Klage des Ortsarmenverbandes Friedberg gegen die Ortskrankenkasse Reichelsheim i. d. W. wegen Unterstützung des A. Pascolo von Venzone, 3. Beanstandung der Wühl eines Bürgermeisters zu Rödgen (Kr. Friedberg).
** Im Kolosseum hat sich am gestrigen Sonntag vor überfülltem Saale dec übliche vterzehntägige Programmwechsel vollzogen. Das neue Programm ist recht glücklich zusammengestellt. In solcher Reichhaltigkeit und Vielseitigleit wird es auch dec berühmte, geistreiche Otto Neutter, der sich morgen und übermorgen als Gast im Kolosseum hören lassen wird, nur in den großen Städten antreffen. Eröffnet wird das Programm von Mstr. Giggi, der aus einer etwa vier Meter hohen, senkrecht aufgestellten Stange balanzierend die gewagtesten Verrenkungen seiner Glieder vornimmt. Als schneidige Kostüm-Soubrette folgt ihm Fräw- lein Elsa de Sylvia. Das Ballett Barbarina besteht aus drei gar gewichtigen Damen, die indessen ihre schwierigen Spitzentänze mit viel Anmut und Schönheit der Bewegungen aussühren. Nach der Pause tanzten sie noch eine elegante mexitanische Matchich, die ihnen reichen Beifall eintrug. James Belli zeigt am Vertikalseil Proben von Kraft und Geschicklichkeit. In der dänischen Soubrette Elly Niggers begrüßte das Publikum eine Bekannte vom Sommerprogramm her. Sie hat inzwischen nichts an ReiA eingebüßt. Die akrobatischen Leistungen oer Dahlvedis wirten durch derbe Komik. — Der zweite Teil des Programms bringt eine Affengruppe von seltener Größe der einzelnen Tiere, deren Dressur hervorragend genannt werden muß. Sie stellen sich ats Zirtusreiter, Seiwänzer, Akrobaten und Fahrcadkünstler vor. Der Karikatur-Humorist und Parodist Hartley gewann im Fluge die Gunst seiner Zuhörer. Er bietet so ganz anderes als die herkömmlichen Lckomiker: viel originelleres. Sehr groß von Gestalt und von gewaltiger Stimme ist er mit einem Paar langer Fangarme ausgerüstet, deren merkwürdige Verwickelungen allein ihm schon den Lachersolg erzwingen. Es folgt noch eine geschickt pointierende Vortrags-Soubrette, Fräulein Titti P o st i n i und die !d r e i S i l b e r ft e r n e, wie sich ein ausgezeichnetes Turnertrio nennt, bilden den Schluß des sehenswerten Programms. B.
□ Klein-Linden, 17. Nov. Dem Lehrer Ehr. Eß wurde eine Schulstelie zu Darmstadt übertragen. Herr Eß hat über 15 Jahre hier gewirkt und man sieht den beliebten Lehrer nur ungern von hier scheiden.
? Klein-Linden, 17. Nov. In der hiesigen Ortsgruppe des deutschen Flotten Vereins hielt gestern abend Lehrer Keil einen Vortrag über ,Die deutsche Lehrerfahct nach der Wasserkante, die Bedeutung des Hamburger Welthandels und des Kieler Kciegshafens". Als Gäste waren von Gießen erschienen Regierungsrat Dr. Welcker und Telegraphist Schad. Negierungsrat Dr. Welcker wies auf die Wichtigkeit des Flottenverems hin, und Telegraphist Schad gab Auskunft über den Stand des Vereins. Die Redner ernteten lebhaften Beifall und der 2. Vorsitzende PH. Neuschling sprach den Dank des Vereins aus. Im Winter soll ein weiterer Vortrag über Helgoland und seine Bedeutung folgen.
+ Ettingshausen, 17. Nov. Gestern abend hielt Lehrer Volt, Verbandsredner des Hassia-Kriegerbundes, auf Einladung des Kriegervereins einen Vortrag über den ruhmreichen Anteil der hessischen Division im deutsch-französischen Krieg. Der Saal des Gastwirts Ph. Keil war von den Mitgliedern des Vereins gut besetzt. Präsident I. Keil dankte dem Redner für seinen lehrreichen Vortrag.
+ Hattenrod, 17. Nov. Eine schwere Ziege schlachtete heute dec Schneidermeister und Nachtwächter H. Hahn von hier. Das Tier wog ausgeschlachtet 78 Psd. und hatte 12 Pfund Fett. Handelsleute boten ihm vorher 15 Mk. dafür.
g. Bad Nauheim, 17. Nov. Ans Antrag des Militär- veceins Hassia hier wurde in dec letzten Stadtverordneten- Versammlung dec Beschluß gefaßt, gelegentlich der Feier des Geburtstages Sc. Kgl. Hoh. des Großherzogs, von dem bisher üblichen Geburtstagsessen abzusehen und einen allgemeinen Kommers zu veranstalten. Mit großer Sympathie wurde dieser Beschluß von dec Bevölkerung de- grüßt. Am Abend des 25. November findet also diesmal m^Sprudelhotel Langsdorf die Feier statt, zu der an alle hiesigen Vereine Einladungen ergangen sind. Dec Gesang-


