Ausgabe 
14.12.1907 Drittes Blatt
 
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157. Jahrgang

Nr. 284

Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntag».

General-Anzeiger für GberheW

einem großen Telle des englischen

E. A.

verwandten Schwedens.

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Koche mitKnorr

In teurer Zeit

(Mehr als 30 Sorten.)

Hausfrauen, achtet auf die Kaffeemühle!

FRANCK

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wo der Kaiser der Königin Wil- Besuch abgestattet hat, wird der

enthalten alle Nähr- und Geschmack­stoffe einer guten Fleischsuppe. Man braucht nur mit Wasser sn kochen. Ein Würstchen gibt 3 Tel.cr gehaltreiche Sappe.

Kaisers wenigstens von Volkes geteilt wird.

lieber Amsterdam,

Die JMeßencr ZamiNenblLtter- werden dem ,Anzelger^ oiennal wöchentlich beiqelrqt, da? Kretsblali für den Kreis töleffen" zweimal wöch«i'Uich Der ^hessische tandmirt4* ettchemt «snuilrch einmal.

Redaktion. Expedition uiW Druckereir strotze ?. ©rpeötnon unt Vertag i 6L Kedaktton. 112. ieL-Slhu. 9bi*«tyer®ufcen.

Vorlage unter den Tisch fallen sollte, werden wir ihr in Hessen keine Träne nachweinen. Eine Verbesserung un- eres freiheitlichen Vereinsgesetzes ist sie ja nicht, im Segen» -eil, und man muß es unserer Regierung dank wissen, daß sie, nach ihrer Erklärung in der Kammer, alles getan hat, um im Bundesrate die Beibehaltung der hessischen Bestimmungen durchzufetzen. Eine ausführliche Erörterung dieses Themas in der jetzt zu einer kurzen Tagung zu- ammengetreteuen zweiten hessischen Kammer wird jedenfalls noch vor den Weihnachtsferien erfolgen, und man wird dann nähere Einzelheiten über die Verhandlungen im Bundesräte hören.

Fürst Bülow hat zwar erklärt, daß die Blockpolitik des Reichstages nicht ohne weiteres auf das preußische Abgeord­netenhaus übertragen werden könne; aber er hat aus den Vorfällen der letzten Zeit doch wohl die Lehre gezogen, daß es verhängnisvoll wäre, die Blockparteien im Llbgeord- netenhanse anders zu behandeln als im Reichstage. Allem Anschein nach will er diesem Gedanken auch bei der weiteren Behandlung der Ostmarkenvorlage Rechnung tragen, die bei den Freisinnigen nicht gerade große Freude hervor- gerufen hat. Die Ablehnung der Bestimmungen über das Enteignungsrecht hat die Staatsregierung veranlaßt, in neue Erwägungen einzutreten. Die Verhandlungen sollen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben und die nächste Kommissionssitzung, die für Freitag in Aussicht ge­nommen worden war, wird endlich Klarheit hierüber bringen.

Man hat gegen die Vertreter der linken Blockparteien verschiedentlich den Vorwurf der allzu großen Nachgiebigkeit gegen die Regierung und die Konservativen erhoben und es so dargestellt, als wenn die Wähler gründlich enttäuscht seien. Man sollte indessen doch nicht immer gleich mit Worten der Verurteilung und Ent­täuschung hervortreten, toeitn einmal das Verhalten der Abgeordneten nicht ohne weiteres verständlich ist. Wie darf man es überhaupt aus der Ferne und ohne Kennt­nis der äußeren und inneren Beweggründe wagen, den Abgeordneten gleich Verrat am Liberalismus vorzuwerfen, wenn sie einmal ehrlich bemüht sind, eine Verständigung zu sind en. Man sollte doch erst abwarten, ob es denn mit der Blockpolitik im deutschen Reichstage wirklich nicht geht. Wozu vorzeitiger Pessimismus? Die große Masse der Blockwähler hat sich bisher erfreulicherweise von diesem Pessimismus frei gehalten, das läßt sich bis zu einem ge­wissen Grade auch aus dem Ausfall der allermeisten Kom­mun a l w a h l e n erkennen. Insbesondere hat man es in unserer Gegend mit Befriedigung aufgenommen, daß die letzten Wahlen in Offenbach, Gießen, Mainz und Hanau mit so schönen Siegen der bürgerlichen und staatserhaltenden liberalen Parteien geendet haben.

Aber es ist nun einmal nicht alles vollkommen in dieser Welt und eine recht bedauer liche Krisis ist neuer­dings im Flottenverein ausgebrochen. Es war be­kannt, daß in diesem von dem besten Bestreben beseelten Vereine Meinungsverschiedenheiten bestanden und man wußte, daß es sich hierbei namentlich um Gegensätze zwischen Nord und Süd handelte. Mit der Wahl des bekannten Generals Keim zum geschäftsführenden Vorsitzenden des Flottenvereins ist die Krisis nun endlich offen zutage ge­treten. Diese Wahl hat ben Protektor des Bayerischen Landesverbandes des Flottenvereins, den Prinzen Rupp­recht von Bayern veranlaßt, dieses Protektorat nieder­zulegen. Der Prinz befürchtet, daß der Flottenverein unter der Leitung Keims zu sehr einen parteipolitischen Charakter hervorkehren werde. Man kann es nur bedauern, daß sich diese Dinge soweit zugespitzt haben und daß man bei der bekannten dNihstinnnung gegen Keim von seiner Wahl nicht Abstand genommen hat; die Krisis int Flottenverein wird allem Anschein nach auch noch weitere unerfreuliche Folgen haben, wenn man nicht noch in letzter Stunde einlenkt.

Welche Folgen der Rücktritt des Präsidenten des Reichsbankdirektoriums, Koch, haben wird, läßt sich natürlich nicht Voraussagen. Seinem Nachfolger, dem bisherigen Leiter der Seeharrdlung, Havensiein, geht der Ruf einer außerordentlich tüchtigen Kraft voraus, aber es fehlt neuerdings auch nicht an mancherlei Befürchtungen; man rechnet in einigen linksliberalen Kreisen sogar mit der Möglichkeit einesRucks nach rechts" im staatlichen Geldverkehr und weist hierbei auf die agrarische Presse hin, die den Rücktritt Kochs mit großer Genugtuung be­grüßt hat. Bei ruhiger Ueberlegung muß man aber doch zugeben, daß zu irgendwelchen Befürchtungen vorläufig noch fein Anlaß vorliegt. In unserer Zeit der Blockpolitik ist für einseitige Jnteressenpolitik fein Raum, das weiß man auch in den hier in Betracht kommenden Kreisen sehr gut.

Gießen, 14. Dez.

Die Krisis im Reichstage ist zwar schnell beseitigt wor­ben, aber eine Klärung der Lage ist doch noch keines­wegs festzustellen. Unsere innerpolitischen Verhältnisse er­scheinen gegenwärtig sogar noch verworrener denn je. Es herrscht, wie VieVossische Zeitung" ganz richtig sagt, in parlamentarischen Kreisen und weit darüber hinaus im Volke vielfach ein Gefühl der Unsicherheit:Bald wird dieser, bald jener Exzellenz der Abjchiedsbrief geschrieben, der Zerfall der Blockmehrheit für einen mehr oder minder nahen Termin vorausgesagt, der Rücktritt des Fürsten Bülow für einen nicht fernen Zeitpunkt in Aussicht gestellt. Auch gefallen sich die Geschichtenträger in geheimnisvollem Achselzucken und Mienenspiel, wenn die Rede auf den Kaiser kommt. Ist er krank? Und woran leidet er? Wil­helm n. ist von jeher gefällig genug gewesen, knipsenden Photographen das Spiel nicht zu verderben, und jeder glaubt sich befugt, fein Kunstwerk der Öffentlichkeit zu über­geben. Den Trägern der Krone wird fein Recht am eigenen Bilde gewährt. Auf den Bildern, die von England kom­men, soll der Kaiser angegriffen, abgemagert, verfallen erscheinen. Wenn ein französisches Blatt flottweg erfindet, es sei neuerdings ein Kehlkopfspezialist berufen worden, was verschlagen dagegen amtliche Berichtigungen? Was alle Versicherungen zuständiger Beurteiler, daß der Herrscher sich wieder wohl befinde und der besten Gesundheit erfreue ? Die Gerüchte von seiner ernsten Krankheit wollen nicht schwinden und verstärken die unbehagliche Empfindung, daß man nicht wissen kann, was die nächsten Monate bringen werden." Es handelt sich bei allen derartigen Meldungen natürlich nur um gänzlich unkontrollierbare Gerüchte und es ist wohl anzunehmen, daß der größte Teil dieser Gerüchte falsch ist und lediglich auf Erfindung sensationslüsterner Berichterstatter beruht, aber daß sie ge­glaubt werden, ist ein Charakteristikum der Zeit.

Merkwürdig vor allem ist, daß die Gerüchte über eine ernste Krankheit des Kaisers nicht endlich ein­mal aushöreu, obgleich doch von allen denjenigen, die in Letzter Zell mit dem Monarchen zusammengekommen sind, mit großer Uebereinstimmung sein gesundheitliches Aus­sehen hervorgehvben wird. Auch der Kaiser selbst hat wiederholt erklärt, wie gut das englische Klima auf seinen Gesundheitszustand eingewirkt habe. .Der Kaiser hat sich ün England sehr wohl gefühlt und es ist bezeichnend, daß er neulich gesagt haben soll:Wenn ich nicht deutscher Kaiser wäre, möchte ich wohl ein englischer Landedelmann jein." Auch bei seiner Abreise von England hat der Kaiser wiederholt, daß er ein treuer Freund des englischen Volkes geh daß er, wenn möglich, jedes Jahr einige Zeit in England verbringen werde und daß es sicherlich nicht an ihm Liege,wenn die Beziehungen Deutschlands und Englands nicht Len erwünschten Grad der Innigkeit erreichen sollten. Daß ber Kaiser in England außerordentlich große Sympathien genießt, hat dieser Aufenthalt auf englischem Boden gezeigt unb die freundlichen Abschiedsgrüße, die dem Kaiser von maßgebenden englischen Zeitungen gewidmet worden sind, Lassen erkennen, daß die fteundschaftliche Gesinnung des

seines zweiten Enkels stattftnden wird.

Inzwischen bereiten die in der Reichshauptstndt weilen­den Volksvertreter sich zur Heimreise vor. Die Weih-- nachtsferien werden ihnen erwünschte Gelegenheit geben, in aller Stille die Erfahrungen dieses kurzen aber inhaltsvollen Tagungsabschnittes zu überdecken, um sich jür die kommenden, schweren Ereignisse vorzubereiten. Die endgültige Entscheidung über die Mockpolitik wird aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach Wechnachten erfolgen. Dann wird es sich zeigen, ob es im deutschen Reiche möglich ist, mit einer aus so heterogenen Elementen zusammen­gesetzten Blockmehrheit zu regieren. Die Gegner des Blockes warten schon mit Ungeduld auf den Augenblick, wo der Block zusammenfällt, aber sie werden diese Freude nicht erleben, wenn Regierung und Block auch fernerhin be­müht sein werden, Reibungsflächen zu beseitigen. So ist man auch jetzt schon bemüht, vor allem eine Verständigung Über den ominösen § 7 des Bereinsgesetzes zu finden, und sie wird unzweifelhaft erreicht werden, denn in dieser Fassung ist der § 7 wohl allen Parteien des Hauses unannehmbar. Wenn über diesen Verhandlungen die ganze

Die Vorgänge auf dem Balkan mit ihrem ewigen Einerlei von Greueltaten aller Art hatten in letzter Zeit ür uns Westeuropäer alles Interesse verloren. Da meldet >er Telegraph uns nun die Ermordung von Vor iE S a r a f o w. Jahrelang war der Name dieses Mannes auf das engste verknüpft mit der revolutionären bulgarischen Bewegung auf dem Balkan. Mit einer Skrupellosigkeit ohne gleichen arbeitete er auf den Sturz der türkischen Herrschaft und die Errichtung eines autonomen Make­doniens hin, über das er selbst die Leitung und Oberhoheit haben wollte. Seine ehrgeizigen Pläne sollten sich nicht verwirklichen, und es ist eine eigene Tragik, daß er nun durch die Kugel eines bulgarischen Landsmannes gefallen ist. Der Grund für diese Ermordung soll darin zu suchen sein, daß Sarasow Gelder, die der revolutionären bulgarischen Propaganda dienten, für sich verwendet hatte.

Mit aufrichtiger Trauer hat man auch bei unS im deutschen Reiche die Kunde vom Tode des Königs Oskar n. von Schweden vernommen. Er war ein warmer und aufrichtiger Freund Deutschlands und ver­diente als Herrscher, als Gelehrter, als Dichter und als Mensch die größte Sympathie. Selbst die Norweger können ihre Trauer beim Tode Oskars II. nicht verbergen, wie ein tiefempfundener Nachruf erkennen läßt, den Norwegens ungekrönter König", der Dichter Björnsterne Björnson, dieser Tage veröffentlicht hat. Von besonderem Interesse ist, wie Björnson die Trennung der Union beleuchtet.Ncor- wegen," so schreibt er,ging für König Oskar einzig und« allein nur dadurch verloren, daß der schwedische Liberalis­mus nie durchdringen konnte und niemals imstande war, sich zu einer siegreichen Partei zu vereinigen. Nur eine solche Partei hatte vermocht, Norwegen Wer- trauen einzuflößen. Sie hätte den Anspruch Norwegens auf volle Gleichberechtigung gebilligt, besonders wenn der König damit einverstanden gewesen wäre. Wir können eS auch so ausdrücken: hätte die Dynastie der Bernadottes von Anfang an die Festigkeit besessen, die Union so zu er­halten, wie sie geschlossen worden War als eine Personal­union, in der Norwegen volle Gleichberechtigung zuge­sagt worden , so hätte das unwillkürlich die Dynastie, dem Ursprung dieses Königshauses angemessen, auch in Schweden in eine liberalere Bahn hineingezwungen. Aber der Kurs war von der ersten Stunde an auf ein skandinavisches Groß-Schweden gerichtet. Das war es, was die herrschende Partei wollte, uni) was zum Schluß die Union zerstörte." Björnson schließt seinen Nachruf mit den Worten:In dem großen Jahre 1905 tat er mir leid. Er hatte schlechte Ratgeber um sich unb machte einen Fehler nach dem an­deren, und diese Fehler verursachten die Trennung. Das Schicksal wollte, daß er für hie fehlerhafte Politik der ganzen Dynastie Norwegen gegenüber gestraft werden sollte: Und das gab seinen letzten Tagen etwas Tragisches. So empfinden es auch heute die Norweger. Wir wußten ja, daß der alte, herzensgute Mann verhältnismäßig der am wenigsten Schuldige war, und es tut uns leid, daß die Verhältnisse sich so gestalleten, daß gerade er den Schmerz und die Schande der Trennung zu tragen hatte."

Dem neuen Schweb eniönige, Gustav V., bringen allo Kreise des Landes -Vertrauen und Sympathie entgegen. Auch uns Deutschen ist er kein Fremder. Verheiratet mit einer deutschen Prinzessin, ist er als Kronprinz ein häufiger unb immer gern gesehener Gast in deutschen Landen ge­wesen. Wir dürfen uns daher der Hoffnung ^ingebeu,- daß er die deutschfreundliche Politik seines Vaters fort­setzen werbe. Wir haben nicht viele Freunde in der Welt, umsomehr freuen wir uns dieser Freundschaft des stamm-

Sjelmina einen kurzen

Kais er heute in Berlin eintreffen, wo demnächst die Taufe

Samstag 14., Dezember 1907

a Rotationsdruck und ® erlag bet Brühl'lchen Unwersuäts. und e-tttnb cuttetet

H M R. Lange, Gletze».

leisten > MAGGr Snppen-Wttrfel

der sparsamen Hausfrau vorzirgkichc Dienste. Nach wie vor kosten sie nur 10 Psg. (ein Würfel für 2 Teller». Sie schmecken, mir m. Wäger wenige Minuten gekocht, eben­so kräftig wie bte beste Fteifchsuype. Man Verlange aus­drücklich Sruwon (Schutzmarke Kreuzstern.)

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