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157. Jahrgang
Erstes Blatt
Mittwoch 17. Juli 1907
stehen am. Beerdigungstage; es wird aber, dieser Hoffnung leben wir, die Zeit kommen, da die Letten im Lichte der Geschichte
Ire heutige Kummer umfaßt 10 Seite».
ihren bedeutendsten, wenn auch deutschen Sprachforscher und
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In Erwiderung
Vor wenigen Tagen hat man in M i t a u, so lesen der „Deutschen Tagesztg.", einen der bedeutendsten,
dieser Anfrage gibt der Zivillord der Admiralität Lambert lediglich Einzelheiten über die Stärke der beiden Flotten.
wir ver-
politische Tagesscha«.
Pastor Tr. Bielenstcin i.
Kulturbringer er kennen werden, indem sie auf die geistigen Denkmäler blicken, die er dem lettischen Volke hinterlassen hat."
Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich iür den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille-
britischen Streitkräften entstehe. Daraus fragt Bellairs (lib.), ob die Negierung Kenntnis davon habe, daß solche Vergleiche, die oom deutschen Kaiser gezeichnet seien, jährlich dem
Aus dem englischen Unterhause.
London, 16. Juli. Auf Anfrage erklärt der Staatssekretär für Indien, Morley, daß während der ersten sechs Monate des Jahres 1907 im Pundschab 632 953 Personen und in ganz Indien 1060067 Personen a n der Pest gestorben seien. Bevor die Regierung sodann eine Anfrage betreffend das Stärkeverhältnis der deutschen Hochseeflotte und des britischen Kanalgeschwaders beantwortet, fragt Pirie (üb.), ob die Regierung den Schaden bedenke, der im Interesse des internationalen Friedens durch ein beständiges Vergleichen der Streitkräfte einer befreundeten Nation mit den
Ur. 165
Erscheint täglich außer Sonntags.
)cm Gießener Anzeiger icrben im Wechsel mit
: ein hessischen Landwirt ie Gietzener Samilkn« i lütter viermal in der . ^oche beigelegt und ] veimalwöchentlichdas reirlüatt für den Kreis ietzen. Fernsprech-An-
I hlußf. d.Redaktion 112 ' erlag u. Expedition 51
vKiiumMiwrau im wva'iiviicii
"nähme von Anzeigen * Sfr u.Land" und „Gerichts-
iS DomdmgTio'u^ Rotationrdruck und Verlag der brühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerel. R. Lange. RedaMon, Expedition und Druckerei: Schulftraße 7. Anz-igent-???
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Die Haager Konferenz.
Haag, 16. Juli. Heute wurde das erste bedeutende Resultat der Konferenz erreicht. Die Verbesserungsanträge, die die Genfer Konvention auf den Seekrieg ausdehnen, waren, wie bekannt, einen! Redaktions- ausschuß überwiesen worden. Von d e ut s ch er Seite nahmen die Herren Siegel und Netzmann an den Ausschußoerhandlungen teil. Regnault-Frankreich legte den Bericht des Ausschusses vor und dieser Bericht wurde in allen seinen Teilen angenommen. Regnault beinerkt in seinem Bericht, der deutschen Delegation gebühre der größte Dam dafür, daß sie in gewissenhafter Arbeit die Vecbesserungs- anträge zu dec Genfer Konvention ausgeacbeltet habe. ^Hierdurch ist unsere Arbeit außerordentlich vereinfacht worden. Die Konvention von 1899 umfaßt 14 Artikel, die jetzige 26/ Dann ging Regnault auf die einzelnen Verbesserungsanträge ein, die in der von Deutschland vorgeschlagenen Fassung bereits miigeteilt worden sind. Die neue Fassung behäl im großen und ganzen die deutschen Gesichtspunkte bei.
Frankfurt a. M., 16. Juli. Dec Haager Kocresp. der ^Fks. Ztg/ erfährt, daß England beabsichtige, bereits nächsten Sonnabend eine Formel für die Einschränkung dec Rüstungen in der der Plenarsitzung vorzubringen. Die Formel ist etwas akzentuierter als die von Bourgeois, die den Wunsch ausdrückt, die Staaten möchten Mittel studieren und prüfen zur Einschränkung der Rüstungen. Man ist sich klar, daß die englische Formel nicht die Zustimmung: der Mehrheit finden wird und daß die Engländer lediglich mit der Einbringung des Vorschlages em Versprechen ein» lösen. Da nichts gegenteiliges beschlossen ist, wird die Sitzung öffentlich sein.
London, 16. Juli. Nach den Meldungen der englischen Sonderberichterstatter im Haag herrscht unter den Delegierten aller Länder die Meinung, daß die englische Delegation in der Plenarsitzung am nächsten Freitag den Abrüstungsvorschlag nur deshalb einbringt, um das liberale Kabinett Eampbell-Bannerman im allgemeinen und Eampbell-Bannerman selbst im besonderen zu rehabilitieren.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 16. Juli. Der Zar hat heute von Peter- hof aus die angekündigte Seereise angetreten. In Peter Hof ist alles abgefperrt.
Große Ausschreitungen sind in der Nähe von Rostow bei dem Dorfe Kruglow vorgekommen. Dort entwendeten Bauern die Ernte des Gutsbesitzers Neschenski. Kosaken schritten ein; mehrere Bauern wurden getötet, andere schwer verletzt. Darauf brannten die Bauern alle Baulichkeiten des Gutshofes nieder, ebenso alle Vorräte. Der Schaden ist enorm.
Die „Voss. Ztg." meldet aus Petersburg: In der großen Nikiolskaja-Weberei in Orechowo-Suewo streiken 15 000 Arbeiter. Die Fabrikverwaltung erklärt, sie werde alle Arbeiter entlaßen und den Betrieb einstellen, falls nicht sofort die Arbeit wieder ausgenommen werde.
Die „Voss. Ztg." meldet aus Petersburg: Die Mißhandlungen von Passanten durch die Schwarze Bandein Odessa, dauern fort. In den letzten Tagen wurden 30 Personen schwer verletzt. Juden werden verprügelt.' Ein Russe, der sich weigerte, seine Religion anzugeben, wurde ermordet.
London, 16. Juli. „Times" meldet aus Petersburg: In einem Stadtviertel kam es zwischen Arbeitern, welche dem Verbände des russischen Volkes angehören, und Sozialisten zu einem blutigen Zusammenstoß. 20 Personen wurden hierbei verletzt.
Riga, 16. Juli. Gestern nachmittag kam es bei der Beerdigung eines Arbeiters der Eisengießerei Poule auf dem Friedhof zu einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und der Polizei. Die Polizei nahm Verhaftungen vor und trieb die demonstrierenden Arbeiter mit Waffengewalt auseinander.
Alexandropol, 16. Juli. (P. T. A.) Als General Alichanow heute morgen um 2Vs Uhr in Begleitung seines Sohnes, sowie der Gattin und der Tochter des Generals Glebow von einer Festlichkeit im Regimentshause des Regiments Kabardinsky heimkehrte, wurden an der Ecke der Bebutowstraße zwei Bomben unter seinen Wagen geworfen. Durch'die Explosion wurden General Alichanow, die Frau des Generals Glebow und der Kutscher getötet. Der Sohn Alichanows und die Tochter Glebows wurden verwundet. |
Aehrenthal irr Italien.
Racconigi, 16. Juli. Tie Minister Frhr. v. Aehren- t al und Tittoni kamen in Begleitung des österreichischen Botschafters Grafen von Lützsw um 10 Uhr 43 Min. an, wurden au: dem Bahn Hofe vom Zeremonienmeister Grafen Avogrado unb den Adjutanten des Königs Easierv und Peano empfangen und begaben sich sogleich nach dem Landsitz des Königs.
— Minister Freiherr von Aehrenthal unb Tittoni mürben sofort nach ihrer Ankunft im königlichen Palais vom Könige in dem für Empfänge bestimmten Saale empfangen. Hieran unternahm der König mit Frhr. v. Aehrenthal eine Automobiltour im Parke unb kehrte bann in das Palais zurück, wo er Acy-ven- ihal der Königin vorstellte. Hierauf fand Frühstück im kleinen Kreise statt, nach dessen Beendigung die Majestäten Cercle abhielten. Dann fuhren Aehrenthal und Tittoni in Begleitung ihrer Kabinettschefs, des Zcreuwnienmeisters Grafen Awogadro und des Tldjutanien des Königs, Cafiero, in Wagen nach dem Bahnhofe und reisten nach Turin ab.
Turin, 16. Juli. Fcecherr von Aehrenthal ist cheute abend nach Oesterreich abgereist. Tittoni trat die 9Rückreise nach Rom an.
Wien, 16. Juli. T-as „Fremdenblatt" ntefaet aus Berlin: Tittoni und Aehrenthal haben durch ihre Vertreter in Berlin dem Fürsten Bülow die Mitteilung machen lassen, daß sie währerck) ihrer Unterredungen Deutschlands und dessen treuer Bundesgenossenschaft in herrlicher Würdigung gedacht haben.
— Ter Spezialkvrrcspcmdeut der „Neuen Freien Presse" in Tesio hatte eine Unterredung mit Baron Aehrenthal, der ihm sagte: „Oesterrcich-Ungarn und Italien sind nicht nur von ehrlichem Willer erfüllt, in allen Fragen zusammenzuhalten, jonbern fie finb in je der Hinsicht einig, und diese Einigkeit wird durch die Ereignisse keine Aufrechterhaltung er> leiden. Nun soll die Presse durch Besonnenheit unb freies Maß- Halten die Bemühungen der Staatsmänner unterstützen. Für Oesterreich-Ungarn unb Italien bleibt der Grundsatz der Erhaltung des Gleichgewichts und des stätus qno die oberste Richtschnur. Tie Politiker beider Staaten werden alles ausbieten, um diesen Grurrdsatz aufrecht zu erhalten. Heute unb auch in Zukunft: Tie Einigkeit der beiden Staaten ist nach jeder Richtung hin hinsichtlich jeder Eventualitäten eine vollkommene."
Aer ögerreichisch-Mgalische Ausgleich.
Nach längerer Pause sixd in Wien bte schon feit langem webenden Ausgleichsverbandlungen wieder ausgenommen ! >rden, um endlich einen gesetzmäßigen wirtschaftlichen Modus iendi zwischen beiden Reichshälften herzustelleu, nachdem mehrere ihre hindurch die Quote durch kaiserliche Verordnung festgesetzt 1 eben mußte. Auf die Dauer konnte dieses Verfahren aber nicht . tgcsetzt werden, weil die Ungewißheit der definitiven Regelung j t unsicheres Moment in der wirtschaftspolitischen Situation j :berführen mußte. Es ist lange hin und her verhandelt worden, | ne daß man zu einer Einigung kommen konnte,, weil die j gam im Vollgefühl ihrer Selbstherrlichkeit mit Forderungen | neu, die Oesterreich nimmermehr bewilligen konnte. Die Herren , j gam wollen alles, nur nicht zahlen; die weitgehendsten Kon- ' j ) unten wollen sie von Cisleithanien, sie selbst aber wollen nichts ■ j >en, und vor allem sträubt man sich mit Händen und Füßen jen eine Erhöhung des Quotensatzes. Bisher war die Ber- lung so gestaltet, daß Oesterreich s/s und Ungarn nur 1/3 zu den nctufamen Staatslasten beitrug. Oesterreichischerseits wollte man r sich nicht länger auf diese ungleiche Verteilung einlassen, Ungarn sehr wohl in der Lage war, einen höheren Satz zu •aljien und für Oesterreich feine Veranlassung vorlag, ohne cub welches Aequivalent höhere Lasten aufzunehmen. Daran ist her fast jeder Vergleich gescheitert. Nunmehr scheint man aber i) einigermaßen zur Vernunft kommen und eine Quote be- ’ligeit zu wollen, welche annähernd der Billigkeit entspricht.
heißt, daß die Beiträge Oesterreichs auf 57,6 und diejenigen garns auf 42,4 normiert werden sollen. Auf eine Ermäßigung ser Quote werden die Ungarn unter feinen Umstünden, an- ichts der im ungarischen Reichsrate vorherrschenden Stimmung, rechnen haben, das weiß man in Budapest sehr wohl und im iblick auf diese Situation scheint man in den sauren Apfel ften zu wollen. Man sieht auch ein, daß bei einer derartigen lehnung an Oesterreich, Ungarn am besten fahren würde unb dürfte denn ein Ausgleich bis zum Jahre 1914 voraussichtlich tuiibc kommen. Ueberhaupt verstummen diejenigen Wortführer ner mehr, welche für eine völlige Trennung Ungarns auf irischem wie wirtschaftlichem Gebiete plädierten, weil man mehr > mehr merkt, daß Ungarn alsdann recht schlecht dabei weg- imen würde. Die Ausgaben für Heer und andere Institutionen rben ganz enorm wachsen, und dem ohnehin nicht allzureichen rde die allerschwersten Opfer auferleben. Auch eine wirtschaft- ie Trennung würde für Ungarn wenig Vorteile in sich bergen, i einer wirtschaftlichen Loslösung von Cisleithanien hatte man > vtsächlich auf einen vergrößerten Absatz in Deutschland ge- jiict. Hierbei kommt in erster Linie Getreide unb Viehimport betracht, aber gerade auf diesem Gebiete hat sich die Situation entlich verändert. Der deutsche Zolltarif fonute den Ungarn rrechte gewährerr unb überdies wird Deutschland reichlich durch sstand und Amerika mit Getreide und anderen Nährprodukten sorgt, sodaß die Ungarn alsdann das Nachsehen hätten. Unter Ücii Umständen zucken selbst die Kossuthianer mehr und mehr ück, denn die vielgerühmte Unabhängigkeit würde den Magharen oer an den Geldbeutel gehen und in Geldfragen hört bekannt- i die Gemütlichkeit aus.
: testen und verdientesten der geistigen Führer des ntsch-Baltentums zu Grabe getragen, den altehrwür- ’ en Pastor Dr. Bielenstein. Er ist der hervorragendste Typus innigen Deutschen, die in den Ostseeprovinzen mit glühender . be zu ihrem deutschen Volks- unb Stämmestum eine uner- biidje, selbstlose unb hingebende Kulturarbeit für das mit ihnen gemeinsamen Heimatsboden bewohnende lettische Volk ver-
; egte. In Mitau 1826 geboren, Schüler der Gelehrtenschule Schulpsorta, studierte er von 1846 bis 1850 in Dorpat
> wlogie, wurde 1857 Pastor der deutschen Gemeinde zu Doblen in taub, und in diesem Amt hat er, trotzdem er bereits seit
; geren Jahren gänzlich erblindet war, mit größtem Segen ge* ft, bis auch ihn, den blinden Greis, ilach 53jähr. Amtstätig- bic Revolution von feiner Heimstätte und von seinem Wir-
' gslreise vertrieb. Seine große wissenschaftliche Bedeutung liegt dem Gebiete der lettischen Sprachforschung, die vor ihm noch
' 'n wissenschaftlich behandelt war. In den Jahren 1863 und 1864 )ien fein erstes zweibändiges Werk „Die lettische Sprache nach . n Lauten und Formen", das in der ganzen Welt unb besonders
Jacob Grimm begeistert anerkannt wurde. Dann gab er im fe der Jahre eine große Reihe weiterer Werke der lettischen ad.forfc'rung heraus, unter ihnen auch eine Sammlung lettischer
I kslieder unb Volksrätsel. 1892 erschien auf Kosten der Peters- ner 'Akademie der Wissenschaften sein monumentalstes und ßtes Werk über „Die Grenzen des lettischen Volksstammes und lettischen Sprache in der Gegemvart uno im 13. Jahrhundert", e Fülle von Ehrungen und Anerkennungen wurde auf ihn ge- ft, barniiter der theologische Ehrendoktor der Dorpater Univer- unb der Dr. phil. honoris causa der Universität Königsberg.
vohl feil Jahren infolge zu vielen Schreibens und Studierens ' i ?-lich erblindet, arbeitete er ununterbrochen fort, und noch im " । -1904 erschien in einem starken Bande eine von ihm diktierte 1 Ostbiographic, für den Blinden bezeichnend, unter dem Titel I’ji glückliches Leben". Der Ausbruch der Revolution, der auch von Haus und Hof vertrieb, und bei dem lettischen Fanatismus !)erostratischem Wahnsinn einen Teil seiner wertvollen Biblio- und Ätanustript verbrannte, die nur dem Lettenvolke bienten, ibn besonders schmerzlich, aber fein festes Glaubensbewußtsein feine unerschöpfliche Lebensfteudigkeit halfen ihm auch hier- : - hinweg, und noch im vorigen Jahre hatte der Schreiber dieser i en Gelegenheit, mit ihm im Kreise fü^renber Männer des Berber Deutschen in Kurland zusammen zu sein unb sich an m unverwüstlichen deutschen Optimismus und seiner geistigen chc zu erfreuen. Noch als blinder Achtzigjähriger unternahm
1 jei Sturm- und Winterwetter Vortragsreisen zu Gunsten des 'ins der Deutschen in Kurland, dessen Gründung und Ent- eiiiug die letzte große Freude feines Alters war. Noch nach '.m Tode erscheint sein letztes großes zweibändiges Werk über
Atts Staot uno Lutt0.
Abdruck unserer durch KorresPoudeuzzeicheu kenntlich gemachten Ortgiualartikel ist nur unter genauer Quellenangabe (Gieß. Anz.) gestattet.
Gießen, 17. Juli 1907.
•* Pfarcpersonalien. S. K. H. dec Großherzog haben den evang. Pfarrer Kirchenrat Herm. Fuchs zu Rim-> dach auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienstführung von dem Amte eines Dekans des Dekanats Erbach enthoben.
** Ord en s v e r le i h u ng. S. K. H. der Gr oß - h erzog haben dem Koinmerzienrat Ludwig Mayer in Frankfurt a. M., Inhaber dec Firma I. Mayer L Sohn inj Offenbach a. M., das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
•’ Das landwirtschaftliche Wanderlehr-s wesen wird im Großherzogtmn Hessen von der Land-1 Wirtschaftskammer übernommen werden. Die Kannner wird < jedes Jahr planmäßig abwechselnd in den Ortschaften des Landes eine größere Anzahl von landwirtschaftlichen Ver- saminlnngen mit Vorträgeit abhalten lassen.
** Kunst verein. Das Vereins blatt ist eingetroffen, und wird den Mitgliedern in den nächsten Tagen zugestellt werden. Es ist eine Originalradierung des aus Darmstadts stammenden, noch jugendlichen Graphikers Schmoll von. Eisenwerth, der vor kurzem als Professor nach Statt- j gart berufen worden ist. Sein Name hat in seiner hessischertt Heimat guten Klang, und seine Radierungen haben sehr oftj unsere Ausstellungen geschmückt und sich Beifall ver-. dient. Die gegenwärtige gewinnt den Beschauer vielleicht! nicht auf den ersten Blick. Ein Steinbruch im Hochgebirge, ein einzelner Mensch, der den Hammer schwingt gegen trotziges Urgestein, wildes Geröll die baumlose Halde hinab, ein bleierner Himmel darüber und zwei Raubvögel in den Lüsten. Es liegt etwas Beklemmendes über diesem engen Talschluß^ von dem kein Pfad hinauf und hinüber führt über die ' schroffen Felswände, hinter denen man liebliche Täler träumt und ersehnt. Der Stimmungsgehalt dieser einsamen Wt ist meisterhaft erfaßt und erschöpfend znm Ausdruck gebracht. Wir sind überzeugt, daß die meisten Empfänger nach an- änglichem Befremden willig auf diese ernste Stimmung eingehen und sich mit diesem eigenartigen Werk der edlen Griffel- kunst befreunden werden. B. 8.
** „H ei d e l b ee r! Heibelbeer!" tönt es bald wieder mehr oder weniger melodisch durch die Straßen. Die Fenstev klappen hier uno dort auf, unb willig folgt der Rufer dem „aus der Höhe" Angehenden Winre. Um wenige Pfennige erlangt man eine hinreichende Menge, um die näschigen Mäulchen der leinen Schlecker zu befriedigen. Freude bei groß und klein, wenn das verräterische Schwarz der Zähne und dec Lippen auf den herrlichen Genutz {bl-iefer Waldbeeren himveist. Der gerbsäurehaltige Farbstoff der schwarzen Beeren läßt auch wohl manches^ eitle Menschenkind vor dem Genüsse dieser gesundheitlich wohl-' tuenden Früchte zurücksck)recken. Aus NichttvürOigung des Wertes versagt sich manches 'diese mit einem leichtherben Beigeschmack behaftete Waldfrucht. Einige aufsteigende kleine Schwefeloamps- wölkchen, von einem der zwei Schwefelhölzchen gewonnen, zer- lören in wenigen Augenblicken die schwarzblaue Färbung der Zahne. Dabei heißt es jedoch: „Nase unb Augen zu: den Atem ein wenig anhalten!" Roh unb gekocht liefert die Heidelbeere üße Beispeise zu Mehlgerichten. Jedes bessere Kochbuch gibt genügenden Aufschluß über die Verweicdnng der Heidelbeeren^ zu Gelee, Kvntpott, Psauukuchen, Heidelbeerwcin unb Heideldeeri kuchen. Im Jamcar und Februar, wenn Niangel an gutem Kom-
e Holzbauten und Holzgeräte der Letten", das wieder auf en der Petersburger Akademie der Wissenschaften veröffmt- wird. Bon seinem Tode nahm die lettische Presse ohne 1 Hinweis auf seine Lebensarbeit Kenntnis, nur in einem ;te schreibt ein Lette: „Vielleicht werden die, für welche , , -----u.o.
enficin cm meisten gearbeitet hat, seinem Grabe am fernsten I deutschen Parlament vorgelegt würden.


