Ausgabe 
15.3.1907 Zweites Blatt
 
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Freitag IS. März 1907

1S7. Jahrgang

Zweites Blatt

-rr. 63

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Erscheint Sgllch mit Ausnahme de» Sonntags.

General-Anzeiger für Oberheffen

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Vertag i fcss# 61.

Redaktion:113. Tel-Adr^ AnzeigerGießen.

DieSiebener LamilienblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das tattsblott sSr den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität- - Buch- und bteindruckerei.

R. Lange, Dießen.

Sin neuer Protest des Herzogs von Cumberland.

Braunschweig, 14. März.

Beim Rcgenlschastsrnt ist ein Protest des Herzogs von Lumberland gegen den Beschluß des braunschweigischen Land­tage- betreffend die Negentcnwahl eingelaiifen. Das Protest­schreiben ist an das StaatSministerium gerichtet und vom 12. März datiert. Es wendet sich gegen den Beschluß des Bundesrates. In dem Schreiben heißt eS:

Den Bundesratsbeschluß von: 28. Februar können wir e b e n s o» wenig rote den Beschluß des Bundesrates vom 2. Januar 1885 als rechtsgültig ansehen, und wir müssen unsere und unseres Hauses Rechte aus die Thronfolge und die Regierung im Herzog- lu>n Braunschweig samt allen »ugehorenden Rechten hiermit offen verwahren, wie wir eine solche Rechtsverwahrung gegen den Beschluß vom 2. Juli 1885 an das Herzog!. Slaatsininislerium seinerzeit gerichtet haben. Indem wir unferem Bedauern Ausdruck geben, daß der Bundesrat ungeachtet der auch nach Ansicht der brauiischweigtschen Regierung und der Landesverjanimlung durch unsere Erklärungen vom 15. Dez. 1005 veränderten Sach- und Rechtslage, unserem Vorschläge zur endgültigen Ordnung der Re- gierungsoerhältnisse im Herzogtum nicht Folge gegeben, sprechen wir erneut in fester Zuversicht die E r w a r t u rl g aus, daß die verfassungsmäßigen Organe des Herzogtums ihre fort­dauernde Pflicht nicht vergessen und mit allen reichS- und landes­verfassung-mäßig zulässigen 'Mitteln daiür eintreten, daß uns als dem legitimen Souverän die Führuiig der Regie- r u n g nicht weiter behindert und unser Thronrecht wie da- Thronrecht unseres mit dem Lande Braunschweig in fast tausendjähriger Gefchichie durch Huld und Trelie innig verbundenen Fürstenhauses ungeschmälert erhalten iverde.

Der Herzog ersucht dann daS Slaatsininislerium, dieses Schreiben zur Kenntnis der Landesversammlung zu bringen.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. März. Der 5taiser tonferierte mit dem Reichs­kanzler und empfing den Kommerzienrat B ü r e n st e i n und den bekannten vorzüglichen mobetnen Maler Professor S k a r b i n a.

Wie die .Boss. Zig/ hört, wird die Angelegenheit der Posener Erzbischof-wahl erst nach vollständiger Beendigung de« Schul st retkes ihren Fortgang nehmen' Tie Kandidalensrage sei soweit als geregelt anzusehen, daß nur ein Nachfolger polnischer Herkunft, aber zuverlässiger deutscher Gesinnung in Frage komme.

Der französische Deputierte Lucien Hubert, Vizepräsident de» Kammercursschusses für auswärtige und koloniale Angclegen- beiten, der morgen abend in derKolonialgesellschast in Berlin einen Vortrag über die f r a n z ö s i s ch e n Kolonien in West - afrtka halten soll, ist heute ans Paris hier eingetrosfen. Hubert bestätigte in einer längeren Unterredung, daß seine Landsleute der Idee die grüßte Sympathie entgegendringen, das Verstäildnis für die gemeinlamen Interessen auf kolon. Gebiete durch das Halten von Vorträgen in Deutschland und Frank­reich zu wecken und zu fördern.

In der heutigen Sitzung des Bundesrats fand der Ausschußbericht über die Vorlage betreffend den Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Luxemburg über den Beitritt Luxem­burg« zur norddeutschen Brau st euerge meinschaft Zu- stimniung. Der AuSschußantrag zu der Vorlage betreffend die Regelung deS Radfahrverkehrs ist angenommen worden.

Das Herrenhaus lehnte den Antrag, das Straf- verfabren gegen Herrn v. KoSeielski währeiid der Toner der Session einzustellen, mit knapper Mehrheit ab. Tas Beamten- Pensionsgesetz wurde an die Kommission verwiesen. Ohiie Debatte wurde dann noch der Gesetzentwurf betreffend die Er- iv eiter ung des Stadtkreises Hanau angenommen.

Der polnische Schulstreik im preutz. Abgeordnetenhause

ü. Berl in, 14. März.

Soviel mehr oder wenigeredle" Polen sind lange nicht auf den Tribünen des preußischen Abgeordnetenhauses gtoefen, wie heute bei Beginn der zweiten Beratung des Kultusetats. Die Erörterung des polnischen Schulstreiks übte diese Anziehungs- fräst. Nur hätte die polnische Fraktion einen besseren Redner vorschicken sotten, als den Abg. Stychel. Er sprach ffast zwei Stuuoen hindurch pathetisch und entrüstet, jedoch unwirksam, von der Behandlung der polnischen Schulkinder, einer Behandlung, wobei die pädagogischen Grundsätze mit Füßen getreten würden, und er brachte es sogar fertig, dieb ew u n de r n s w e r te Lsa n g- mut" der Polen zu rühmen! Ta entstand ein Ho h n g e- lächter von seltener Stärke rechts und links. Eine überaus scharfe Rede gegen den polnischen Versuch, ihr Volkstum gegen oen preußischen Staat mobil zu nittchen, hielt der konservative JNHrer Abg. v. Heyde brand. Dem Kultusminister v. Studt war von seinen Räten eine gut abgefaßte Darlegung über die Entstehung des Schulstreits und dessen Organisation zu Papier! gebracht worden, die der Minister mit der an ihm bekannten schönen Würde"" unter Beifall vvrtrug. Bom Zentrum erhielten die Polen nur matten Beistand. Tsos war einst anders. Seitdem ober die Polen in die Wahlkreise desi Zentrums eingebrochen sind, regt sich das Zentrum! nicht »mehr sonderlich lauf über Polen-Unterdrückung. Mit dem polnischen Schulstreik erklärt sich das Zentrum nicht einverstanden. So blieben die Polen in der Verteidigung diesesMS verzweifelter Notwehr"" in glänzender Vereinsamung.

j?arLamentari?ches.

Berlin, 14. März. In der W a hl p r ü s u n g s - Korn­mission des Reichstags gab es heute bei der Wahl des Abg. Manz (frs. Vp.) sErlangen-Fürths eine grundsätzliche Erörterung über den Mißbrauch der geistlichen Gewalt. Hiermit hatten die Sozialdemokraten, bereu Kandidat Segitz in diesem Wahlkreise unterlegen ist, unter Bezugnahme auf das bekannte Hirtenfchreiben des Erzbischofs von Bamberg ihren Protest be­gründet. Im Gegensatz zu den Vertreter,! der Linken vertrat das Zentrum den Standpunkt, daß Mißbrauch der geistlichen Gewalt überhaupt nicht zur Kassierung eines Mandates führen könne. Gegen die Stimme des fozialdem. Kommljsiousmitgliedes Fischer wurde die Wahl für gültig erklärt.

Die B u d g e t - K o m n!! s s i o n des Reichstages setzte heute die Beratung des Stotgesetzes fort und zwar bei der Gewährung außerordentlicher einmaliger Bcihülfen an die gering besoldeten U n t e r b e a m t e n des Reichsdienstes und der dazu vorliegenden Anträge. In der Abstimmung wurde der Zentrumsantrag mit 10 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Ter Antrag Fischer wird m der abgeänderlen Form angenommen. Darnach sind die im Rot- gesetz vorgesehenen Beihülsen gestrichen und die Regierung wird in einer Resolution ersucht, bis zur drillen Lesung des Etats ihr Ein­verständnis damit auszusprechen, daß den Unterbeamten je 100 Mk., sowie den übrigen Beamten, deren Gehalt den Betrag von 4200 Mk. nicht übersteigt, je 150 Alk. als einmalige außerordentliche Beihülfe gewährt werde.

Stuttgart, 14. März. Tie Finanzkommission des Abge­ordnetenhauses behandelte die Frage der Erhebung der Schi ff- s a h r t ß a b g o b e n. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Die Verhandlung wurde als vertraulich erklärt, jedoch wird für die Oeffentiichkeit konstatiert, daß tu der Rechtsfrage der Auslegung

des Artikels 54 der Reichsverwffung die Kommission einmütig den Standpunkt der Staatsregierung teilt, nach welchem die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf nur regulierten Flüssen nach der ReichSversassung n i ch t z u l ä s s i g ist und eine solche Er- hedunq eine Abänderung der Reichsverfasjung darstellen würde.

IColonialpoft*

Don dem ÄuSbruche einer Pockenepidemie im Süd- bezirke von Kamerun sind Müteilungen des Gouverneurs ein» getroffen. Um bei der Bekämpfung der Epidemie ein einheitliches Vorgehen sicherzustellen, wurde die Leitung der Belämpfungsmaß- naymen (mit Lolodvrf, als Basis) dem Marinestabsarzt Dr. Wal- doiv übertragen. Das im Südbezirke tätige ärztliche Personal, Professor Dr. Haberer am Nyong, Dr. Ufer in Kilbi, Ober­arzt Dr. Handl in Ebolovp, und Oberarzt Dr. Bercke im Osten des Südbezirks, wurden ersucht, den Weisungen Dr. Waldows zu entsprechen.

Neues aus Rußland.

Petersburg, 14. März. Der Geh-. Medizinalrat Prof. Dr. Hoffa ist in Zarskoje Sselo, einer Einladung, der Kaiserin Alexandra Feodorowna folgend, emgt- troffen. (Hoffa ist ein hervorragender Orthopäde in Berlin. D. Red.)

Lodz, 14. März. Unbekannte verwundeten heute den FabrikantenStiller durch Revolverschüsse schwer. Ein Polizist und Soldaten staben auf die davonlaufenden Täter Salden ab. Der Militärkommandant ordnete an, daß die Patrouillen bei Begegnung mit Patrouillen die Hände aus den Taschen zu nehmen haben. In der Bene- dicten-Straße kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Ar> berrergruppm, wobei einige Leute verwundet wurden. Mili­tär zerstreute die Gruppen. In Zgierz haben Unbekannte einen Gendarmen erschossen.

Ausland.

London, 14. März. (Unterhaus.) Thomson (kons.) bittet den Staatssekretär des Aeußern, Str Edward Grey, Schritte zu tun, damit irgend ein Handelsabkommen zwischen Deutschland u n b den Vereinigten Staaten den britischen Handel nicht ungünstig beeinflusse. Grey erwidert, wenn irgend ein den britischen Handel berührendes Ab­kommen zwischen Deutschland uttd den bereinigten Staaten getroffen werde, werde die britische Regierung mit den Vereinigten Staaten in Verbindung treten. Eine andere Anfrage beantwortet der Premierminister Sir Eampell Bamierinan dahin, daß die vom deutsch e,t Kaiser geschenkte Statue Wil­helms III. vor dem Kensington Palast ausgestellt werden solle.

Reuters Bureau erfährt, daß Verhandlungen im Gange seien zwischen England und Rußland, sowie Rußland und Japan. Die englisch-russischen Verhandlungeii beziehen sich nicht allem auf Persien, sondern auf ein viel weiteres Gebiet. Auch seien bestimmte Gebiete abgegrenzt, in denen kerne der beiden Mächte Handels- konzeffionen zu etiuerben suchen iverde.

Sofia, 14. Mürz. Der Mörder des Ministerpräsidenten Petkow gestand, daß der Mordplan nut Komplizen zu wieder­holten Malen beraten worden fei, wobei beschlossen wurde, ben Fürsten Ferdinand, den Atinisterprasidenten Petkow oder Gena djew zu töten, damit das bisherige gewalttätige Regie beseitigt werde. Auch zwei m Frankreich Studierende hätten den 'Mörder brieflich zu der Mordtat angefeuert. Das RegierungS- organ erklärt, der Mörder sei daS Werkzeug einer Clique der 9lationalpartei, welche Rache üben wollte für den Prozeß, der gegen ihren Parteichef Gefchow wegen einer unrechtmäßig ange­eigneten '2)1 i 111 o n c n e r b f d) a f t anhängig gemacht worden ist. Die Untersuchung hat Anhaltspunkte für die Annahme ergeben, daß jene sozialistischen Elemente unter der Studentenschaft, die bet der Eröffnung des Rationaltheaters den Fürsten auspfiffen und mit Schneeballen bewarfen, mit dem Morde in Zusammen­hänge stehen. Mehrere Studeitten wurden verhaftet, ebenjo Mit­arbeiter des BlattesBalkanska Tribuna". Die Redaktion dieses Blattes soll von dsm Mordplaue Kenntnis gehabt haben.

Belgrad, 14. März. Als heute früh von auswärts ein­getroffene dauern behufs Aufnahme der Arbeit den Verftich erneuten, in die hiesige Zuckerfabrik zu gelangen, wurden sie von der Streikwache mit R ev v l v er s ch ü ss en empfangen. Die Gendarmerie schritt ein. Es kam zu einem Kampfe, wobei drei Arbeiter getötet und fünf verwundet wurden. Ein Haufen Aus ständig er zog mit dem Leichenwagen, in dem fick) der Leichnam eines von der Gendarmerie getöteten ft r el­fen b e n Arbeiters befand, vor die Sktipfchina und veranstal­tete eine Kundgebung gegen den radikalen Abg. Minitsch, auf dessen Veranlassung arbeitswillige Bauern zum Ersätze der ausstän­digen Arbeiter vom Lande herangezogen wurden. Die Streiken­den wollten mit dem Leichenwagen vor bas königl. Palais ziehen, ließen sich jedock) von den Sozialisten^bewegen, davon abzusehen, und überführten die Leiche nach den Spital.

Aürgermeistcr-IerjammlunK des Kreises Hießen.

H. Hungen, 14. März.

Jrn Gasthause »zur Traube" fand heute die B ü r g e r rn e i st e r- Versammlung des Kreises Gießen statt, zu der außer den Beamten des Kreisamts fast sämtliche Bürgermeister unseres großen Kreises erschienen waren. Ten eigentlichen Verhandlungen ging ein gemeinsames Mittagessen voraus, in dessen Verlauf Geheimerat Provinziatdircktor Tr. Br eid ert zunächst der drei feit der letzten Bürgermeister-Verfammlung oerftorbenen Bürgermeister Hillgärtner- Allertshaiisen, Widdersheim-Rabertshausen und Sommerlad-Wteseck gedachte, deren Andeiikeii in der üblichen Weise geehrt wurde.

Sodann erinnerte Geheimerat Dr. Breidert daran, daß heute der Namenstag der Großherzogin Mathilde fei, von deren für unter Land segensreichem Wirken noch heute die Mathilden- st i f t u n g Zeugnis ablege. Er empfahl diese Stiftung dem Wohl­wollen und der tätigen Mithilfe der Anwesenden. Em anderer Ge­denktag sei gestern gewesen, nämlich der Tag des Regierungsantritts Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs E rn ft Ludwl g. Was in den 15 Jahren seiner Regierung zum Segen des Landes und Volkes geleistet worden sei, sei in aller Gedächtnis. Er wolle nur er­innern an die Verstaatlichung der Eisenbahnen und den Abschluß der Eisenbahn-Gemeinschaft, die Steuerreform, die durch den Weg- fall der Grundsteuer hauptsächlich der Landwirtschaft genutzt habe, und da« Kunstftraßengeietz. An den Kunstbeslrebungen des Landes- fürften habe auch der Kreis Gießen seinen Anteil, wie ote zahlreichen neuen Schulbauten und die Wiederherstellung des allen Schlosses zu Gießen bewiesen. In das auf öe. Kgl. Hoh. den Großherzog ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein.

Eine Anregung, demnächst einen Ausflug der Bürger- meister, OriSoorstände, Lehrer, Schulvorstände und sonstiger im öffentlichen Leben stehender Personen zu machen, fand allgemeinen Anttang. Als Reiseziel wurde der Rhein oder die untere Lahn m Aussicht genommen und die Bürgermeister Fendt-Hungen, Türmer- Lich, Zimmer-Grünberg und Krämer-Steinbach beauftragt, in Gemeinschaft mit dem Kreisamt die Vorbereitungen zu Irenen.

Zu Beginn der eigentlichen Verhandlungen wies sodann der Vorsitz ende auf die Bestrebungen der Provinz und der Streife hin, die Wasserfchätze der Provinz nutzbar zu machen,

zunächst durch Das oiruppcmuafieriueil act Inheiden unD des bei Lißberg zu errichtendes Elektrizitätswerk, und fernerhin Durd) ähnliche Anlagen in den übrigen Teilen der Provinz, um die gesamte Bevölkerung mit Wasser, Licht und Kraft zu versehen. Außer diesen größeren Unternehmen belieben im Kreis noch etwa 12 Einzelprojekte für Wasjerleiinngen, sodaß in wenigen Jahren keine Äeniemde des Kreises ohne Wasserlcuung sein ivtrd. Der Vorsitzende gedachte sodann iveiter der Errichtung der Land- i r t j d) a f t S j d) u l e zu Lid; und der K r e i S h a u S h a 11 u n g 3 -

d) u l e, die so beliebt sei, daß bereits die Errichtung einer 2. derartigen Schule gewünscht werde. Ter auf Anregung des früheren Bürgermeisters Köhler-Langsdorf von Prof. Dr. GiscvmS iin Auftrag des Kreifes ausgesühne Versuch, in dem naturkundlichen Unterricht in den ländlichen Foitbildmigsfchuteii Die Landwirtschaft eingehender zu berücksichtigen, ist günstig ausgefallen, sodag bereits daran gedacht wird, die Reform auf das ganze Land auSziidehiien. Ter Kreis Gießen wird in diesem Jahr einen 2. Kursus mr Fort- bildungSschullehrer veranstalten, für den das tandw. Institut der Landesuuiveisilät Plätze zur Verfügung gestellt hat. Tie Kosten für die ben Kursus besuchenden Lehrer mären von den Gemeinden zu tragen, da die Kreiskasie durd) andere Unternehmungen in An­spruch genommen ist. Ferner hat btc Kreioschiilkoumiission einen Lehrgang für den Unterricht m der Verfasiuugskmide herauS- gegeben. Eine weitere Anregung des Str ei, cs geht dahin, für die von der Fortbildungsschule abgehenden Schüler für gutes Schreiben und 'Jiedjnen Piänuen zu geben. Schulrat Kleinschmidt führt aus, daß der in den Fortbitdungsichuten eingerichtete landivirtschafttiche Unterricht dem den ForibildiNigs- jd)ulcn vorgeschriebeueii Lehrziele nicht entgegen sei, Denn eS sei nichts anderes als ein naturwissenschaftlicher Unterricht mit praktischen Zielen, dazu sei der von Pros. Tr. Gisevius eingerichtete Unterricht sehr anregend für die ihn besuchenden Lehrer. Es handle fid) bei bet Sache um fern in der Luft schwebendes Experimeiit, sondern um etwas Gutes und Turchsührbares, von dem die länbltd)e Fortbildungsschule und die ta>id>virt|chafilid)e Bevölkeruiig Ltiitzen zu eriuanen habe. Ter Redner machte noch daraus aufmerksam, daß es sich nur um den einmaligen Besuch des Kursus handle.

Hieraus machte Geheimerat Dr. B r c i b e r t auf die Vorschriften über die SäuglittgStürsorge ausmciksam und empsichlt genaueste Beachtung der bezügl. amtlichen Ausschreibungen.

Der alte Wunsch, sämtliche Gemeinden des Kreises an bas Fernsprechnetz angeschlossen zu sehen, wird in nächster Zett einen beträchtlichen Schritt vorwärts kommen, indem die Gemein­den Bettenhausen, Burkhardsfelden, Daubringcn. Rüddingshausen, Ruttershausen und Watzenborn demnächst Anschluß erhalten. Den Gemeinden wird dringend der Anschluß empsohlen, sei es gegen Zahlung einer festen Gebühr ober gegen Garantieleistung. Letzterer Weg empfehle sich namentlich für kleinere Gemeinden. Besonders wird darauf ausmerffam gemacht, daß die Benutzung der im Herbst in Betrieb zu setzenden K r e i s s a m m e l w a s e n m e i st e r e i bei Garbenteich erst dann für die Gemeinden richtig nutzbringend sein wird, wenn telephonische Verbindung vorhanden sein wird.

iSchlutz folgt.)

Bon derIena"-Katastrophe.

Paris, 14. März.

In Toulon wurde eine Konferenz abgehalten, der die Admirale und Chefs des Generalstabes beiwohnten, lieber die Verhandlungen der Konferenz ist nichts offiziell verlautbart. SUüan glaubt aber zu wissen, daß man entdeckt hat, dieJen-"" sei einer neuen Gefahr ausgesetzte Ter Vorderteil des Schiffes sei unbeschüdtgt geblieben^ aber aus die Munition, welche daselbst aufbewahrt werde, habe die Explosion im Hinterteil offenbar durch die Er­schütterung gefährlich eingewirkt. Man frage sich, wie man ohne Gefahr die geladenen Geschosse sortschafsen könne.

Ein früherer Befehlshaber derJena"" erklärte, das Linoleum, mit welchem die Fußböden des verunglückten! Schisses bedeckt seien, dürste viel dazu beigetragen haben, daß die Feuersbrunst so rasch um sich griff. 9tad) übereinstimmender Ansicht der Fachleute scheint es ausgeschlossen, daß die Explosion durch Kurz­schluß entstand. In den Munitionskammern derSoufsraw", welche vollständig nach demselben Typ wie dieJena" gebaut sei, gibt es gar keine elektrischen Leitungsdcübte.

Auf dem PcurzerJena"" ist, wie man jetzt erfährt, in den letzten Jahren zweimal Feuer zum Ausbruch ge- tommeu. Tie Vertu st e, welche die f r a n z ö s i s ch e M a- rine in den letzten Jahren durch Schiffbruch und Explosion erlitten hat, werden, abgesehen von dem Unter­gang verschiedener Unterseeboote, auf 100 Millionen geschätzt.

In der Kammer erinnerte Präsident Brisson zunächst an den Untergang des UnterseebootesLutin" und knüpfte daran folgende Ausführung: Hier bietet sich uns im Verlaufe werriger Wochen abermals das Schau,pül, oaß Volker, getragen von dem Gefühl der Teilnahme, fast hätte ich gejagt, der gegenseitigen Liebe, von dem tiefen Empfinden der Solidarttät und Brüderlichkeit, der Menschlichkeit aber lassen wir diesen betrübettden Gegensatz beiseite. Lassen Sie uns in diesem Aufwallen der Gefühle bte ersten Keime eines zukün f tigen b esse­ren Menschentums begrüßen, das vor allem ist gegen­über sich selvst und seiner Befttmmung verbunden.

Tas Syndikat der Pariser Presse hat 5000 Frcs. alS erste Rate zur Verteilung an die Wttwen und Waisen der Opfer derJena""-Kütaftrophe nach Toulon gefanoi. Ter Polarsorfcher C h a r c o t wird zugunsten der HutterbltebenenI einen Vortrag halten. Ferner soll eine große Ausftel- lutig veranstaltet werderi, zu der namhafte Künftler Ge^ mälde zur Verfügung gestellt haben. Endlich wird ein Konzert geplant, an dem zahlreiche Mitglieder der Pariser TlMter ihre Mitwirkung zugesagt IjaUm

Aus Stadt und Land.

Gießen, 1b. März.

- Oberkonsistorialpräsident v. Buchner, deffen Versetzung in den Ruhestand wir gestern meldeten, ist am 31. Oktober 1829 in Darmstadt geboren. Er war vor seiner am 10. November 1886 erfolgten Ernennung zum Mitglied des OberkonsistonumS Rechtsanwalt in feiner Vaterstadt. Zum Präsidenten des Oberkonsistoriums wurde I). Buchner 1899 ernannt. Er verstand es während ferner Amtsführung, die oft recht schwierigen Geschäfte der obersten Kirchenbehörde des Landes in geschickter Weife zu führen und wußte durch fein liebenswürdiges und persönlich entgegenkommendes Wesen die oft sehr hart aufeinander prallenden Gegensätze der verjchie-