Nr. 193
Drittes Blatt
2. Klasse des Ordens vom Zähringcr Löwen erteilt, sowie I Jahre dem Baumeister Gust. Wolff in Halle a. ©. das Ritter-macht kreuz 1. Klasse und am 15. Äug. dem Kanzleirat a. D. Jak. + 14.
EIN
157* Jahrgang
Verwaltungen in ihren Regierungsbezirken dieses Vorgehen des genannten Vereins gefälligst zur Beachtung und Berücksichtigung zn empfehlen.
" Zum 11. deutschen Turnfest, das im nächsten Jahre in Frankfurt a. M. stattfindet, werden 40 000 Feft- teilnehmer aus ganz Deutschland, Deutsch-Oesterreich und dem Ausland, soweit die deutsche Zunge klingt, erwartet. Rach den eigentlichen Festtagen finden Turnfahrten statt, an denen erfahrungsgemäß Tausende von Turnern teilnehmen werden. Der vor einigen Tagen tagende Turnfahrten-Aus- schuß hat beschlossen, daß die Hauptturnfahrt nach dem Feldberg geht, während außerdem hauptsächlich dec Rhein, der Odenwald usw. als Ziel gewählt werden sollen. Auch der Vogelsberg wird wahrscheinlich von einer Turnfahrt besticht werden. Unsererseits möchten wir einen Besuch deS Lahn- talS mit unserem Gießen als Mittelpunkt anregen und der Zweck dieser Zeilen soll sein, die beteiligten Turnvereine, Verkehrsvereine usw. zu Schritten in dieser Richtung anzuregen.
Erscheint tllgllch mü Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamllienblatter" werden dem .Anzeiger" Dicrmal wöchentlich beigelrgt, das „Kretsbkitt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Canöwirt" erscheint monatlich einmal.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. August.
WELT-TAFELGETRÄNK.“ °
Niederlage Lei: Jean Weisel, Sonnenstr. 6.
76-A $
Samstag 17. August 1907
K AA Rotationsdruck und Verlag der Brühtlchen Universitäts - Buch- und Stetndruckeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei'. Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 6L
Redaktion:<LE1I2. AnzeigerGiehen.
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Kad-Hiauyeimcr Briefe.
(Nachdruck verboten.)
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Wie eine Idee Leben schaffen kann, dafür ist unsere Stadt tu sprechendes Beispiel- Was war Nauheim vor kaum zwiei, Nenschenalteru, und Mas ist es jetzt! Ein erstaunlicher Um- chiuuiio! Und das alles durch den einen genialen Gedanken beS -Lalzamtsassessors" Weiß, die warmen, salzhaltigen Quellen des )nes zur Gründung eines KurbetriebA zu benutzen- Am 1. Juli 835 _ wurde dieser offiziell eröffnet- Wie ein wunderbares tüchtiges Leben kam es nun in den alten, kleinen Ort, der sich is dahin von anderen seiner Größe nur durch die Anlagen, ur Salzgewinnung, unterschied- Ta waren die Salinengebaude, ie Gradierwerke, die beiden großen Wässerräder an der Ufa und u der Wetter, der Teich, der das Wasser der Usa zu steter Ver- nndbarreit aussammelte- All das lag außerhalb des Ortes hü hatte w-eiier feine Beziehung zu ihm, als daß an der Saline ein Teil der Bewohner Arbeit und.Lohn fand-
Deute wird es in Nauheim wenige geben, die nicht mit ihrer anzen Existenz Don den Quellen und ihrer Benutzung abhängig !;aren- Alle sind Mit verflochten in das allgemeine, üppig reib eilte Wachstum- Völlig gesprengt ist schon der Nahmen des lten Städtchens, eine neue Billenstadt auf der anderen Seite der isa entstanden, und diese neuen Kräfte und Interessen vev- 2hren schließlich sogar die bescheidenen, hinderlich gewordenen teste der srüheren Zeit-
In diesem Sinne ist schon der Bahnhof charakteristisch. Bei -iner Erbauung auf viel feinere Verhältnisse berechnet, hat c schon allerlei Uni- und Anbauten nötig gemacht-
Für die endlos iümgen Züge hat die Perronhalle nach eiden Seiten hin erst in diesem Jahre wieder verlängert! stcrden müj|en- Am Rande des Wäldchens auf dem Goldstein ncd die Aufmerksamkeit des klulommenden gleich angezvgen durch ie große Maschinenzentrale, welche die Heizung nach den Bade- äusein und das elektrische Licht in die Stadt liefert. Mo- ernster Gwßstadtbetrieb! Trotzdem aber ist üuch die^Vornehm- ?it deS internationalen Kurortes nicht verleugnet- Sogar der abrikschornstein erscheint hier in elegant modellierter Form- ie staatliche Damp«Wäscherei nebenan erinnert noch deutlicher i n den Charakter des Badeortes-
Lln der Usa, wo sumpfige Niederungen sich links und rechts :r Ufer einst hinzvgen, fanden die Badeeinrichtüng-en ihren ckatz- Tas erste Kurhaus "mit seinen neun Badezellen und neun remdenzimmern war rasch zu eng geworden- Es ist ganz lebcr verschwunden und an seiner Stelle ragt die neue evan- lische Tankeskirche enlpor- Eine ganze Reihe neuer Bads- iuser eulüaud aus der gegenüberliegenden Usaseite- Tas jetzige urhaus, nut noch geselligen Zwerten dient, wurde von 'n Pachtern des Spiels errichtet, von denen auch der Park an- -legt rverderr mußte^. Urch heute filch aM diese Gstrichtuugen
Meyer in Darmstadt das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ble i ch e n b a ch. Eine Lehrerstelle an der kath. Schule tzu Herbstein. Mit der Stelle kann die Hälfte des Organrstendienstes verbunden werden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenschlirf. Mit der Stelle ist Organisten- drenst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeind esch ule zu D i r l a m m e n. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden.
** Kein Mord. Zu den Berichten über die Auffindung einer Leiche im Ockstüdter Wald wird uns von zuständtger Seite mitgeteilt, daß der ärztliche Befund der Lerche leine Merkmale für Einwirkung einer fremden Gewalt insbesondere keine Verletzung der Schädeldecke ergeben hat Eine Wiederausgrabung der Leiche hat nicht statrgejunden.
•* Gegen den Alkohol. Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu Berlin hat kürzlich ein Anschreiben an die Magistrate aller städtischen und ländlichen Gemeinden mit 3000 Einwohnern und darüber gerichtet, in dem die neuere Literatur über die Alkoholfrage zusammengestellt ist, die für die Verwaltungsbehörden teils zur eigenen Orientierung, teils zu geeigneter Massenverbreitung von Interesse ist. Der preuß. Minister des Innern ersucht in einem Rundschreiben die Regierungspräsidenten, den Gemeinde-
- 19Ua gegenüoer dem Jahresdurchschnitt 1900—1904 , - ftch besonders bemerkbar für die Stadtstaaten Lübeck (+ 14-9 auf 100 000 Einwohner!, Bremen (+ 14.2- und Hamburg (+ 8.1). Auch die im Verhältnis zur Bevölkerungs^- zisser höchste Zahl der Ehescheidungen fällt auf diese Staaten. Mit 70.2 auf je 100 000 Einwohner in Hamburg, 49.2 in Bremen und 59.0 in Lübeck; auch Sachsen (29.5; hat eine verhältnismäßig hohe Ehescheidungszifser. Die günstigsten Ziffern in der Ehescheidungsstatistik weisen Waldeck und die beiden Lippe aus mit 1.7 bezw. 4.5 Fällen auf je 100 000 Einwohner. — In Hessen kamen auf obige Einwohnerzahl 12.6 Eheirrungen, was gegenüber dem Jahresdurchschnitt 1900 bis 1904 eine Steigerung von 3 Scheidungen "auf je 100 000 Einwohner bedeutet. Die Zahl dec Ehescheidungen betrug bei uns im Jahre 1900 76; im Jahresdurchschnitt 1900 vis 1904 erhöhte sie sich aus 110, um dann im Jahre 1905 mit 151 ihren Höchststand zu erreichen. In der Reichshauptstadt stieg, was noch angefügt sein -nag, die Zahl der Ehescheidungen von 1068 im Jahre 1900 aus 1425 im Jahre 1905, d. h. daß im Jahre 1905 auf je 100000 Einwohner mehr als 70 Ehescheidungen kamen.
** In Amerika verstorben ist Frau Katharina M. Scho en eck aus Friedberg, 71 Jahre alt, wohnhaft zu Brooklyn, N.-Y.
schon wieder zu eng. Die Terrasse am'Kurhaus mußte erheblich erweitert, der AäusiktemPel lsinausgeschoben und die Erbauung eines besonderen Kvnzertsaales in Angriff genommen werden- Tie Badehäuser aber verschwinden, um einer architektonisch einheitlichen und geradezu großartigen Anlage Platz zu machen- Eben find wir mitten in der Umwandlung drin- Halb steht schon das Neue, Halo twch das Alte- Tie laute Bautätigkeit muß wahrend der Saison ruhen und so ist hier das Ueber-gangsftadium für einige Zeit festgelegt- Von der Bobnh-ofsseite her genießt man schon das Bild der neuen Zeit- Durch das dunkle Grün der amerikanischen Ulmen an der Ludwiastraße schimmern freundlich die breiten, ruhigen Flächen der roten Dächer,' und unter ihnen das leuchtende Weiß der Gebäude- Nach langer Zeit der nüchternen Eintönigkeit ist oie Lust an der Farbe auch in der Architektur wieder durchaebrochen- Breit und bequem führt die Treppe zlvischen den Gebäuden aus den Platz mit den drei Sprudeln hinunter, wo man dann zur rechten Hand schon den Anfang des geplanten Umganges, zur linken dagegen iwch ganz die frühere Seenerie hat-
Auch zwischen der Dankeskirche und dem Postamt liegt altes und neues Leben im Streit. Nennen wir als drittes noch die katholische Kirche, so haben wir die drei Hauptrichtpunlte für die zukünftige Entwicklung in dieser Gegend. Die Trinkhalle zwischen ihnen ist ebenso dem baldigen Untergänge geweiht, wie die alten Salinengebäude. Die letzteren, einst Haupterwerbsquelle, jetzt zmn Nebenbettieb geworden, werden auch auf den Goldstein übersiedeln. Villen und Kolonaden sollen statt dessen an der Usa entstehen und statt der Salinenknappen von früher werden künftig auch hier die Kurgäste ans allen Ländern sich begegnen, upd wo einst die schwerfälligen Karren mit den kostbaren Salzlasten fuhren, da wird dann nur noch das leichte Personeufuhrwerk durch die (straften rollen. Das ist fast wie eine Rache der Geschichte. Früher hat die Saline die Gemeinde Nauheim ihres schönsten Schmuckes, des Waldes, beraubt, man bedurfte des Holzes zum Salzsieden. Jetzt wird der Wald mit großen Kosten gepflegt und ausgedehnt, um die Kurgäste in immer größerer Zahl herbeizuziehen mrd den Ansprüchen der Kurgäste muß die Scüine weichen.
Der Badebetrieb rettete den Gipfel des Johannisberges vor völliger Entblößung und von da ans ziehen sich jeftt die Waldanlagen nach allen Seiten hin, Anschluß suchend an den Frauenwald, an den Bad-Nauhiirner Hochwald, an die Stadt und an den großen Teich. Diese letzteren Anlagen am Donnersgraben bieten noch ein ganz besonderes Interesse durch die vielen Arten exotischer Gewächse, die man hier angepslauzt hat.
Auch am Teich ist die Wachstumsbewegung des Badeortes nicht spurlos vorüber gegangen. Nicht nur, daß das Teich- Haus Erweiterungen nötig hatte, und daß die staatliche Gärtnerei in seine Nähe verschoben wurde — er selbst hat ,cch eine Einschnürung gefallen lassen müssen, bamit sein schattiger UuiJ tzang beguMer und breiter werden konnte. Leine Wche ist!
** Zur Ehescheidungsstatistik in Hessen. (Nachdruck — auch auszugsweise — verboten.) Ehen werden, einem Volksworte zuchlge, im Himmel geschlossen. Aber — könnte man hinzufügen — auf Erden — gelöst. Jeder Tag unserer Zeitgeschichte bestätigt das. Und wenn auch das Wrgerliche Gesetzbuch der allzu leichtfertigen Auflösung einer Ehe einen starken Riegel vorgeschoben hat, so ist doch die Zahl der Ehescheidungen im ganzen Reich sowie in den einzelnen Bunoesjlaaten von Jahr zu Jahr in der Zunahme begriffen. JLn Reiche stieg sie von 7928 auf 11147 im Jahre 1905. Absolut fand die stärffte Zunahme der Ehescheidungen naturgemäß in Preußen statt, wo die Zahl der rechtskräftigen Urteile in Ehescheidungsangelegenhetten ich um mehr als 2000 erhöhte. Eine Abnahme fand nur statt in Schwarzburg-Rudolstadt von 15 Ehescheidungen im Jahre 1900 auf 14 im Jahre 1905 und im Fürstentum
’Ammiini Es- ß- M Zunahme der ^hesck)Lidungen im
** Ein Wahlidyll. Sehr ruhig ging die Gemeinderatswahl in Sickendorf vor sich. Die Wahlkommission war vollzählig versammelt und wartete und wartete auf die — Wähler, von denen keiner erschien. Keine Stimme wurde abgegeben, und was ist der Grund? Böse Menschen behaupten, n. d. „Smit. Anz.", die Furcht vor dem großen Roten sei schuld daran.
+ Herbstein, 16. Aug. Se. Exzellenz Minister Braun traf heute morgen in Begleitung des Großh. Kpeisrats v. Bechtold hier eip und besichtigte die Brandstätte. Alsdann nahmen die Herren an einer Sitzung des Orts vor stand es teil. Kreisrat v. Bechtold dankte dem Minister im Namen der Bevölkerung für das bekundete Interesse. In der Sitzung, zu der außer dem Ortsvorstand Amtsrichter Cramer und die beiden Ortsgeistlichen erschienen waren, führte Diinister Braun den Vorsitz. IL a. wurde beschlossen, wegen Vornahme der Ausräumungs-- arbeiten mit Rücksicht auf die bevorstehende Ernte und den herrschenden Arbeitermangel um die Cmtsendung eineL Militärkommandos nachzusuchen. Bezüglich der Wiederbebauung der Brandstätte schlug der Minister die Ausstellung eines Ortsbauplanes vor und stellte in Aussicht, daß von der Staatsregierung ein Architekt zur Versügnng gestellt wird. Die Lieferung von Heu und Futtermittel durch die Nachbargemeinden soll angestrebt werden. Zur Stapelung der Feldfrüchte sollen Feldscheuern in erforderlicher Anzahl gebaut werden. Die Obdachlosen sind nun sämtlich unter- aebracht. Der Gesamtschaden wird nahezu auf eine Million geschätzt. Der Wert an eingeäscyerten Gebäuden, beträgt nach der Zugrundelegung der Schätzung im Brandkataster 260 000 Mk., doch dürste der effektive Schaden diesen Betrag bei toeitem übersteigen. Der Rest entfällt auf geü)= früchte, Warenbestände und Mobilien.
übrigens groß genug, daß er diese Kleinigkeit am Rande cinbufteit konnte, ohne irgend etwas von der Schönheit und Bedeutung seiner Gestalt einzubüßen.
An Nauheims gegenüberliegender freier Seite nach Friedberg und Homburg zu bezeugt sich das treibende Leben vor allem in einer regen Bautätigkeit. Schon ist der alte Friedhof, der ftüher außerhalb des Ortes lag, rings von Häusern eingeschlossen. Eben jetzt entsteht an seiner Seite die neue höhere Bürgerschule als Nachbarin des wenig älteren freundlichen und luftigen Stadlschulhguses. Die Toten haben zu ihrer letzten Fahrt jetzt noch ein gut Stück weiter. Reizlos und öde liegt vorläufig der neue Friedhof an der Homburger Chaussee. Der schöne Gedanke, ihn an den . nahen Waldrand zu bringen, hat sich leider der Wasserverhältnisse wegen nicht verwirklichen lassen. Der alle Friedhos wird sich in einen Park verwandeln und nicht mehr Toten den ewiger: Frieden, sondern Lebenden einen Frieden zu ihrer Erholung spenden.
Von der Peripherie aus greift die treibende Kraft des neuen Lebens, aber auch direkt hinein in die bescheidenen Kreise der Altstadt, und hier im engen Raume wird der
Gegensatz umfo empfindlicher. Der alte Umgang für die
Wächter der Stadt (Wächtersgang) wird mehr und mehr verbaut und in größerem Greife zieht an feiner Stelle der Ernst Ludwig-
Ning. Von der FürstMsttaße aus hat sich der gesteigerte;
Verkehr einen breiten Weg mitten durch eine alte Scheuer hindurch gebrochen, die nun malerisch als Burgpsorte vor uns steht und in die Schnurstraße hinübersührt. Ihr Name enthält alles, lvas von der Burg der Selbolds und Greifenklaus, die einst hier stand, ^wch übrig ist.
Als verlassene Denkmäler anderer Zeiten stehen auch die beiden alten Kirchen in der Stadt. Vielleicht, daß die eine von ihnen, oder wenigstens ihr Platz, dem russischen Kultus dienen wird, wie ja für die englische Gemeinde schon eine eigene Kirche da ist. Englischer und russischer Gottesdienst! Das fortschreitende Kulturleben erzieht zur Toleranz. Selbswersiänd- lich fehlt die Synagoge tticht und am Ende wird auch der Freireligiöse noch seine Gemeinschaft fittden.
Die Anwrderuilgen, die an ein Gemeinwesen mit so abnormex Entwicklung gestellt werden, sind nicht gering. Geld, Geist und Arbcilskratte zwingt es m seinen Dienst. Das schlichte, kleine Rath- Haus aus dem Marktplatz entspricht diesen Ausgaben schon Ichtgft meßt Mehr. Ob es mit denr Stadthaus, das jetzt yinzugemjetet ist, auch noch einmal in einen einzigen großen, z,vecknwßigen Bau au« Mmmenschmelzen wird ? Sicherlich. Rur das „wann'4 kann noch die ö’vage sein. Einmal muß auch hier die veränderte Seele des netu'il Geineinweseits die ihr angemeffene äußere Form sich schassen, etu Smubild der ganzen Entwicklung, die in gewaltigen Drängen das neue lieben aus den Schalen des alten Ijervorireibt.
Dr, Strecker.
Politische Tages?chK«.
Der Vatikan und die Polen.
S. u. H. Rom, 14. Aug. 1907.
Dre Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung Und dem Vatikan über die Besetzung des erledigten Erzbischofsstuhles in Pofen haben in den htesigert polnischen Kreisen eine gewisse Konsternation hervorgerufen, da es erst jetzt bekannt wird, daß der Vatikan aus drploma- lischett Rücksichten den Wünschen der preußischen Staatsregierung nachlommen dürfte und somit kein natio- ualpolnischer Geistlicher den Thron des heiliget! A d a l b e r t besteigt. Diese Wandlung des Vatikans, gegenüber den Polen hak einen bekannten polnischen Patrioten, den Propst Zatrewski in Golcjewko, der sich durch das Projekt des Uebertt'itts der Polen zum armenischen Ritus in der letztetc Zeit besonders bekannt gemacht hatte, veranlaßt, in den polnischen Blättern folgenden bemerkenswerten Aufsatz zu veröffentlichen: „Es ist unbedingt notwendig, den herligen Vater von der vatikanischen Diplomatie zu trennen, um dem polnischen Volke Liebe für bett heiligen Stuhl und den Glauben an die unerschütterliche Gerechtigkeit dieses Stuhles zu erhalten. Jeder Un- befattgene muß zugebdn, daß die Tätigkeit der vatikanischen Tiplontatie in den polnischen Angelegenheiten viel eher imstattde ist, in den Herzen der Polen Bitterkeit und Ab- nergung als Liebe und Anhänglichkett für den heiligen Lrtuhl yervorzurufen. Es ist unerhört, wenn inan von feiten der vatikanischen Diplomatie zwecks der Erhaltung leidlicher Verbindung mit der lutherischen preußischen Regierung die Sache soweit treibt, daß man die Polen im preussischen Staate als „quantite negligeable" behandelt, ferner, daß man sogar verlangt, daß diese Polen, die ttroch einen loichtigen Faktor für bic katholische Kirche bilden, gewissermaßen sich selbst für diese Kirche opfern sollen, d. h. sie sollen ihrer Nationalität zu Gunsten des Katholizismus rntsagen. Es ist naturgemäß, daß die Strömungen nur Unluft gegenüber dem Vatikan seitens der polnischen Bevölkerung zur Folge haben könnten.
Ter beste Beweis, daß es so ist, ist die Angelegenheit . es polnischen Schulstreiks, nur den Beeinflussungen der vatikanischen Diplomaten ist zu verdanken, daß der heilige Vater in der für die Polen so überaus wichtigen und ernsten Angelegenheit kein entscheidendes Wort gejprochen .ntd sie gewissermaßen der preußischen Regierung aus- jeiiefert hur Dieser Standpunkt des Papstes ist um so »erwunderlicher, als er am 22. September v. I. anläßlich .ner Privataudienz mehrerer polnischer Geistlicher sich Io* >end über das Verhalten der streikenden Kinder rnsgesprochen hat. Ich glaube, die Sache ist so nichtig, daß es angezeigt erschemt, der Oesfentlichkeit, .e in privaten Kreisen schon längst bekannten Tatsachen richt vorzueitthalten." Bei der in der katholischen Kirche -rrrschenden Disziplin ist es bemerkenswert, daß ein katho- ischer Geistlicher es in dieser Form öffentlich wagt, gegen >en Vatitan aufzutreten. Die Stimmen der polnischen r’reffe lassen auch erkennen, daß gegenwärtig im Vatitan ür die polnischen Bestrebungen ein ttngünstiger Wind zu - tt)en scheint, wenn sogar die polnische Geistlichkeit aus yrer Reserve heraustritt._________________
** Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Gvoß- - e rzog haben dem Rettor der Landesuniversität Geh. Hofrat Oeos. Dr. Behaghel zu Gießen die Erlaubnis zur An- lahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen . - ersehenen Kroneu-Ordens 2. Klasse und des ihm vorn I Jahre örosDerzog von Baden verliehenen KommandeurkreuUsiLipp


