Ausgabe 
16.2.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

pensionriähigen Anschlag« der Dienstwohnung ober der Miet- t!it|cf)äöiflunfl em.vilreten.

Andere Wnmche des Landeslehrer-veceins sind ,m wesentlichen daraus gerichtet, bte Bolksschulletner in vollem Uinfnnue au Staat-- beamten git machen. Tie Großh. Negierung ist der iRemnng, daß eine solche Veränderung in der Stellung der Mehrer weder nn Interesse des Staates, noch in dem der Gemeinde, noch m dem dec Schule liegt."

Eine Zentrumswählcr-Bcrsammlnng, die zu großen tHabauf jenen führte, war gestern abend nach den Konkorbia-Lälen einberufen. Als Hauptredner sprach Abg. Erz berg ec über den Ausfall dec Wahlen und über die Stellung seiner Partei im neuen Reichstage. Em solches Steg es fest, führte er aus, haben wir noch nie gefeiert ivie nach dieser Wahl. 9lur wir allein haben gesiegt. Bülow zog aus mit verschiedenen Ausreisen, um einen Bären zu fangen. Er ist aber dabei auf den Bauch gefallen. Ucbei die unter seinen Augen vorgekommenen Wahl-Machinatwnen werden wir zur gegebenen Zeit em scharfes Wort mit ihm reden. Angesichts des Treibens des ,unpülitijd)en* Flotten-Vereins, dem zahlreiche Zen- truuis-Abgeordnele angehören, muß es jetzt heißen: .Naus anS diesem Verein!' Ter Staatsanwalt täte besser, sich diesen unpolitischen Verein einmal vorzubinden, an>talt nach gestohlenen K oIonial-Schrift stücken zu forschen. Ueder die Stellu ng seiner Partei im neuen Reichs­tage wolle er noch nichts ausplaudecn. Rur soviel tömu er sagen: AlS AushülfSroß werde man sich nicht ge- Kränchen lassen. Tas Zenirumspfecd habe in den letzten Wochen Oppositionshafec genossen, dec ihm gut bclommen sei.

Eine Eriippe nationaler Katholiken, die teils aus alten Herren, teils aus stiidierenden bestand, hatte sich über den Saat verteilt. Als ihr Führer eme Diskussion beginnen wollte, wurde ihm das Wort entzogen, da es nur eine Verjammlung von Zentrumswähtem sei, worauf die Nationalen unter Absingnng beS XliebcS .Deutschland, Deutschland, übei Alles' den Saat verließen. Erst gegen Rlitternacht fane> die Versammlung ihr Ende.

Neues aus Rußland.

DerRust" tritt mit neuen Enthüllungen über enorme llnterschleife von staatlichen Geldern hervor. Diesmal be­trifft die Angelegenheit den Ge n e r a l l e u t u a n t D e s s i u o und den Staatsrat Pawlow, früheren Gesandten in Soul, welche beide als Bevollnrächtigte während des letzten Kriege- in aktiver Tätigkeit waren, um Fort Arthur mit Lebensmitteln und Munition zu versorgen. Auf Veranlassung des Ktiegsmiiliiteriums fiat eine Geheimkommission festgestellt, daß, wenn man alle An- gaben des Generals Dessiiro gelten läßt, von den ausgeworfeneii 30 Millionen 10 bis 15 Millionen fehlen, über deren Verbleib sich die beiden Bevollmächtigten gerichtlich zu oeraut- worten haben werden.

Ausland.

London, 16. Febr. Ein liberales Parlaments-Mit- glied, Dickensen, brachte eine Vorlage tut Unterhause ein, die das Fra u en-Wa hl recht emsühren soll. Wenn die Regierung die parlamentarische Gilebigung dieser Vorlage begünstigt, dürfte sie angenommen werden, allerdings, um dann von den Lords verworfen zu werben.

Der neueste Plan des KriegSntintsterS Haldane zi,r Reorganisation der englischen Armee wird als erster Schritt in der Richtung der Konskription an. gesehen.

Belgrad,' 16. Febr. Die letzte Nummer beS revo- lutionären Blattes ,Radenit,chka Borba" wurde ivegen Mas eslätsbeleidigung beschlagnahmt. Das Blatt griff in Zusammenhang mit den letzten Finanzoperationen den König, die Prinzessin Helene, sowie den Kronprinzen Georg an, von dem eS sagt, daß er die für ihn in Aussicht genommene Apanage verivenden würde, um seine groben Fähigkeiten für Kämpfe mit seinen Lehrern, Dienern, Köchinnen, 51 atzen und Mäusen besser zu entwickeln.

Au» Srudt und Land.

Gießen, den 16. Februar.

Ordensverleihung. S. 5t. H. der Grobherzog haben dem Präsidenten des Rerchsversicherlingsamts Tr. K a u f- mann in Berlin das Komturkreuz zweiter Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen und dem Rechnttngs- rat Bluuienthal im ReichSamt des Innern das Ritter­kreuz erster Klasse desselben Ordens verliehen.

* Lehrerpersonalien. Uebcrliagen wurde dem Schulamtsaspiranten Sorg auS Poppenhausen (Preußen) eine Lehrcrstelle an der Gemeindeschule ju Gau-Bickelheim, dem Lehrer Keil zu Weiskirchen eine Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Bieber, dem Lehrer Jüngst zu Ober» Finkenbach die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wetterfeld, dem Lehrer Hedrrch zu Ober-MaoS die Lehrer- stelle an der Gemeiiideschule zu Oppenrod, dem Schulamts- aspiranten Hofmann aus Framersheim eine Lehrerstelle an der Schule zu Guslavsburg, Gemeinde Giiisheim. Be­stätigt wurde der von dem Grafen von Schönborn-Wiesent- Heid auf die erste Lehcerstelle an der Gememdefchiile zu Heusenstamm präsentierte Lehrer Spreng zu sJ)iamflmgni.

K u n st v e r e l n. Im Laufe dieser Woche hat die Gemälde-Ausstellung am Brand ivieder eine durchgreifende Aenderung erfahren. Es gelangte unter anderem neu zur Ausstellung eine Kollektion von Prof O. H e ich e r t - Königs­berg. Bon unselen einheimischen Künstlern hat W. Barthel ein neues Bild .Strenger Wintertag' ausgestellt rind Helene Oncken ist mit einer hervorragenden Kollektion PvrträiS aus hiesigen Familien vertreten. Tarimter befinden sich auch die vor lurzeni bem Ofstzters-Kasino überwiesenen Porträts des Großherzogs Ludwig IV. und des Prinzen Alexander von Hessen. Der Besuch der gegemvärtigen Ausstellung sei aufS angelegentllchsie empfohlen, umsomehr, als em Teil der neu ausgestellten Bilder Ende der Woche zur Wetlericndung gelangen müssen, um an ihrer Stelle wieder neue Bilder zur Ausstellung bringen zu können.

E i n karnevalistisches Konzert unserer Regimentsmusik findet morgen abend nn 9ieucn Saalbau statt.

? Allertshausen, 16. Febr. Gegen die Bürger- m e i st e r w a h l, die am 20. Oktober stattfano und bei der ivegen Stimmengleichheit durch baß Los Lanowirt villgärtner zum Bürgermeister bestimmt wurde, ioar R e 11 a m a i i o n eingelegt worben, weil bie Wahlurne etwas über eine halbe Stunoe zu früh geöffnet worben war. In der Kreisausschustsitzung zu Giesten wurde heute bie Reklamation für begründet angesehen, sodaß demnächst Neuwahl stattsinben must.

AuS der Wetter« n, 15» Febr. Tas Ziistande- kommen desElektrizitätswerks Wetter an" mit dem Sitz in Reichelsheim ist jetzt gesichert. Im Frühjahr beginnt die Erbauung des Werkes und im Herbst gedenkt man es zu eröffnen. Ter Baliplatz ist in der Nähe des Bahnhofs. In aller Kürze wird die Firma Gobiet-Kasjel hier ein Baubureau errichten. Die elektrische Energie wird durch Bra iiikohlenbrand aus den nahen Bergwerken Mel- bad) und Wolfersheim erzeugt. An dem Werk sind bis jetzt eliva 10 Gemeinden beteiligt.

b. Frankfurta. Bi., 15. Febr. Zu bem Bomben- fund in einem Eisenbahnabteil wird noch mit- geteilt, dab die Ermittelungen nach der Person, die das ©e- schob im Bahnwagen zucückgelassen hat, noch kein greifbares Resultat ergeben haben. Dec Reisende einer französischen Champagnerfabrik, der in Begleitung seiner Frau und seines Sohnes Deutschland besucht, wurde gestern in Geisenheim mit seiner Familie vernommen. Keine der drei Personen hat clmai Auffälliges wahrgenommen, auch beim Verlassen des Wagens tue in Zeiliingspapier cingcivicfclte Bombe nicht bemerkt Allerdings sind während der Fahrt verschiedene Reisende ein» und ou5geflicgen, aber and) an ihnen ist den Franzosen nichts vesonderes ausgefallen. Ter fragliche Wagen kam von Toci- munb und her über Köln, Oberlahnstem, Wiesbaden nach Frankfurt. In Kastel hat, wie sitzt bekannt wird, em Heri ein leeres Abteil zweiter Klasse von dem in Wiesbaden stationierten Schaffner des Zuges verlangt; dieser hat dem Betreffenden aber em solches nicht geben können, weil in jedem Abteil bereits Passagiere vorhanden waren. Tararif ist der betr. Herr in eines der mehr oder weniger besetzten Ab­teile emgeniegen. Ter Cchassner meint übrigens, dab er wohl kaum einen der Passagiere des betr. Wagens wiedercrkennen würbe. Tic Polizei ist jetzt der Ansicht, daß ein Attentat aus den Zug beabsichtigt war. Diese Absicht soll sich angeblich aus der Lage der Bombe ergeben haben; sie lag verlleckt in Der letzten Ecke des Netzes und konnte bei einem Stoß oder einem Ruck, ivie dies ja bei Kurven häufig eintritt, heraus- geschleudert werden und bann zur Explosion kommen. Tie Bombe hatte ein Gewicht von 12 Psuud. Uebrigens ist and) die Annahme nicht ganz von der Hand zu weisen, dab ein Irrsinniger feine Hand im Spiele gehabt hat. Bei der am 5. Februar erfolgten Eröffnung des Hohenzollern- Haus-Kaiserkellers hier ivurden von den versammelten Festgästen für die Hinterbliebenen der auf der Grube Reeden verunglückten Bergleute 10 00 Mack gesammelt und au die König!. Bergwerksdirektion Saarbrücken zur Zinszahlung gebracht worden. Tie Direktion quittierte nun mit einem Tankschreiben über den emgegangencn Betrag.

Marburg, 15. Febr. And; hier ist der Brot- preis um 2 Pfennige erhöht ivorden. 4 Pfund Scbwarz- brot kosten 46 und Weistbrok 50 Pfennige. Gestern a end fand die konstituierende Versammlung der neuen Wohnungsbau-Genossenschaft statt.

und den Nachbarstaaten. In Maibach starb der Bei­geordnete Kvnc. Althen III durch einen Schlaganfall- Er war 75 Jahre alt genwrden. Der neugeioählte Bürgermeister, seitherige Beigeordnete K a i s e r z. R i n b e r b üjj e n wurde unterm 13. Februar verpflichtet und in feinen Dienst eingewiesen. J.r Fauerbach bei Nicwa wurde Herr Dietrich mit 55 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat Herr Böckcl erhielt 32 Stimmen.

L'crinijchtes.

* Tie N a ch n a h rn e s ch >v i n d e l e ie n im Güter- abfertigungsdienst der E i se n ba h n, diuch die der preustische Eiseiibahnflskus um 21,300 Mark geschädigt worden ist, haben eine überraschende Anfkläriing gefunden. Als Betrüger ist der E i s e n b a h n p r a k t i k a n t K ü ck r e r in Hamburg verhaftet worben. Tie blaue Brille, beten er fick) bei dem Abheben dec Gelber in Berlin bebiente, wurde in seiner Wohnung gefunden. Bei feiner Verhaftung versuchte er zwei Rach- nahmebegkeltscheine, die zu zivei Sendungen vom Anhalter Bahnhof gehörten, imd mit einer gleichfalls von ihm gefälschten Quittung versehen waren, zu verschlucken. Tie Sck;eiiie konnten ober in Sicherheit gebracht werben. Bei einer in ber Wohnung des Täters vorgenommenen Haussud)nng wurden 810 Mait in Gold und Papier vorgefiinden und beschlagnahmt. Ob der Täter noch Helfershelfer hat, konnte nod) nicht ermittelt werden. Darüber, ob die bestehenden AbfertigungSvorschrifteu in Rücksicht auf den vorliegenden Fall Abänderungen zu unter­ziehen sein werden, ist eine Prüfung cmgeleitct worden.

Der Personenz ug Mailand »Bologna stieß bei der Einfahrt in die Station Eodogno mit einem Güterzuge zusammen. Ter Materialschaden ist grob. Zwei Angestellte vom Bahnpersonal und zwei re ije n de F r a u e n wurden verwundet. Infolge Achsenbruchs entgleiste ferner auf der Linie Mailand-Varese ein Güterzug. Die öffentliche Meinung ist empört über die täglich sich wiederholenden Un­glücksfälle, die durch schlechtes Rollmaterial oder ungenügende Bahnhofsanlagen verursacht morden.

New Port, 15. Febr. In Constable Hook (New Jersey) ist ein Petroleum behälter der Standard Oil Co., welcher über 1000 hl Petroleum enthielt, explodiert. Tie Gemalt der Explosion mar so stark, daß das Tack; des um den Behälter errichteten Sd)uppeiiS über 100 'Dieter weit fortgeschleudert und die Erschütterung im Umkreise von 10 Diesten verspürt wurde. Tie Fenster fänillidjer in ber Um­gegend gelegenen Häuser wurden eingedruckt, wodurch drei Personen verletzt wurden. Glücklicherweise waren die Arbeiter zur Zeit der Explosion abwelcnd. 8000 Mann und 60 Tampsspritzen gelang es, das Feuer nach längerem Kampse ;u bewältigen. Em zufällig in der Nähe des ExplosionsorteS .inweseuder Journalist wurde weit fortgeschleudert.

* Kleine T a g e s rh r o n i t. In Berlin Hot der Notar Justizrat Wilhelm Bruck fid) in seiner Wohnung, in einem Aufalle von Geistesstörung erschossen. Ter etembiuder Wilde ans Rathenow, der den unifioniertcn Bahnwärter Hennig bet Genthm ermordete und beraubte und deshalb vom Schwurgericht zum Tode vcruricilt ivorden war, ist zu lebenslänglichem »juchihaus begnadigt ivoibeii. In W u k aut Rügen wurden die Arbeuers- trau Berg und ihre zivei Kinder durd) KoblengaS vergiftet toi m den Bellen au'gest ttden. Benn Transport euies Luxem- b u r g e r Zuges enistieg einem von einer nnbekam>leu Frauensperson Oii gegebeiien Cchliebkorbe eine Rauchtvolke. Ter Korb enthielt in Beiroleurn und Terpenun gehüllie Lappen. AlleS betäub sich in T raub. T'e Absicht der Täierur ist ränelha't. Tie Kriminalpolizei sud)t eifrig nach der Urheberin. Ter B r rt ch d e s C d e r d a m in e 3 bei dein Torie Lchiedlo würbe durd) Eisversetzung verursacht, die sich unterhalb des Lries gebildet baue. Tie Eisversetzung ist auch jetzt noch nicht behoben. Eur einziges großes Dleer von

Eis und Schnee schlicsit das Torf von allen Seiten ab. Die Re­gierung beabsichligt Die ganze Ortschaft anizukauseg. Eure ii n g e h e li r e U e b e r s ch w e nr in u n g s k a t a il r o p h e ist zu befürchten, wenn plötzlich Tanweiier eiuucteit würde. Tann befinden sieh auch bie tints von ber Ober belegeuen Ortschaften in größter Gefahr. Jnr Schnellztige R e a p e 1 - M e j s t n a e r s ch o st dec Kau'nrann Constantino Romeo feine Geliebte, die yrau Prosefjor Billaur, und bann sich selbst.

Giesteucr Ltrafkautmer.

X Gießen,, 15. Februar. Eine sozialpolitisch intereifauie Berlsandlung.

Im üerflofiLiieu Jahre erging an den Vorstand der All- gemeinen Sterbe taffe zu Gietzen bie Aufforderung, sich üei d em Austiastsamt für Privatversicherung anzumelden. Nach dem Gesetz vom 12. Mai 1901 unterliegen bie Privalverficheruiigs> Unternehmungen, Vorbehaltlid) ber im Gesetz bestimmten Aus­nahmen, ber Aussicht des Kaiserlichen Aussichtsamtes in Berlin. Trotzdem der Verein fdjon vor dem Jnkrasttcelen des genannten Gesetzes bestanden hat, erging diese Aussocderung erst im vorigen Jahre. D as Schüsfengericht, dem die Verhandlung und Entfmei- buiig auf Anzeige des Aussichtsamts überwiesen worden war, stellte fest, daß ber Verein gewisse Vermogensschwierigkeiten seiner Mit­glieder dadurch zu erleichtern bezw. zu beseitigen verfudjüe, mbem er an die Hinterbliebenen eines verstorbetten Mitgliedes, ein von der Generalversammlung sestzusetzendes Sterbegeld auszahlte. Tie hierzu nötigen Mittel brachte man in ber Weise auf, daß jcocs Mitglied fiu) verpflichtete, im Sterbesail eines Mitgliedes 25 Psg. zu entrid)tcn; außerdem wurde ein einmaliges Eintrittsgeld, bae sich naa; bem Lebensalter des Eintretenben bemaß, erhoben. Nach den Statuten war bie Sterbelaste als Versid-erungsverein aus Gegenseitigkeit aufzufassen, ber ber Aufsidst unterlag. Um sich ber Äuificht ber Behörde zu entziehen, änderte ber Verein unter anderem die Satzungen dahin ab, daß ben Hinterbliebenen eine von ber Generalversammlung festzufetzende nicht einklagbare Unterstützung gewährt werbe. Da aber eine Aenderung ber Sta­tuten nicht ohne Genehmigung ber Aufsichtsbehörde in KTaft gesetzt werben darf und diese ihre Zustimmung versagte, blieben die alten Statuten in Geltung. Die Mitglieder ber Kasse gründeten beshalb einen neuen Verein mit anderen Statuten, ber bie Be­zeichnungVerttn für Sterbeunternützung" erhielt. Die Sterbt, lasse wurde burch einstimmigen Beschluß ber Generalversammlung aufgelöst und bas gesamte Vermögen b em zuvor gegründeten Verein für Sterbeunterstützung überwiesen. Es kann deshalb nicht be* stritten werden, baß ber neue Verein nur eine Fortsetzung des alten ist. Das Schössengericht war der Ansicht, die Statuten seien aus­schlaggebend, ob der Verein der Aussicht ber Behörbe unterlieg! ober nicht. Daraus, daß da_§ Gesetz burch die Neugründung bes Vereins umgangen werben sollte, ist eine Strasbarkeil nicht zu schließen, denn die Organisation des Vereins ist wie sie bas Gesetz in Ausnahmen zuläßt. Die Ausnahme besteht barin, baß ben Hinterbliebenen ein Rechtsanspruch auf Auszahlung des Sterbe­geldes nicht zusteht. Da nach diesen Ausführungen bie Ange- tlagtcn Vorstandsmitglieder eines Vereins sind, ber nach Maßgabe des Gesetzes der Beaufsichtigung nicht unterliegt, so mußte Frei- sprechung eintreten. Die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an und machte geltend, baß der neue Verein nur zum Schein gegründet vorden ist, unn das Gesetz zu umgehen. Er hielt es für ausge- chlossen, daß man ernstlich daran denkt, die Auszahlung des Sterbegeldes von der Willkür ber Vereinsmitglieder abhängig zv machen. So töunte es voriommen, daß bie Hinterbliebenen eines Mitgliedes, bas lange Jahre hindurch seine Beiträge bezahlt hat, im Sterbesall unberücksichtigt blieben. Die Strafkammer kam jedoch zur Verwerfung der Berufung. Sie war nicht in ber Lage, zweifelsfrei festzustellen, daß bie Angeklagten sich bewußt waren, daß es sich bei bem neuen Verein nur um eine ©djcingrünbunfl handelt, weshalb schon mangels Nachweises des Bewußtseins ber Rechtswidrigkeit Verurteilung nicht ein treten könne Eine Erörterung bes objektiven TatbestanbeS hielt sie unter diesen Umständen nicht für erforderlich.

Handel tntö verkehr, Volkswirtschaft.

Die Hrivothekenbank in Hamburg oer/ffentUdn im Anzeigenteil ber tmiligen Nummer ihre Bilanz iteb/l Genmrn- unb Berlnst-Conto für 1900.

Reichsschatzan Weisungen. Neuerdings Wirt) von Ber­lin aus versichert, br.\ itr.ti m'ißgcbenber Stelbe-.üi5wifd)ien tnc Ueberzerigung Platz gegriffen bat, büß an eine Emission von Reichs­anleihe nicht gedacht werben kann. Die gegenwärtigen noch offeunt Kredite betragen nur 50 Mill. Mk.: zunächst dürfte man für diesen Betrag 50 Mill. Mk. tnerproz. Schatzanweisungen freihändig be­geben und <ruch die nod) zu bewilligenden Kredite im Laufe bes Jahres auf die gleiche Weise decken.

Beruhigung am Berliner Getreidemarkt. Es ist der Spekulation nicht gelungen, bie russische Notlage allzu stark auszunützen und eine künstliche Getreibehausse von einiger Dauer mit nachfolgender Verteuerung ber Brot- und Mehlpreise in Szene zu setzen. Der Weltmarkt, namentlid) die amerikanischen Plätze, sind ber Berliner Aufwartsbewegung nicht nackte,olg.ü Die argentinische Ernte scheint nämlich gjänjen£i zu sein, und bie Verschissungen des Monats Januar übersteigen diese des Bor- jahres beinahe um halben Million Meterzentner. Aus Buenos Aires werden weiter sehr starte Marktzusuhren gemeldet. Auch sind die indischen u nb australischen Versäsissungen anhaltend wett größer als i. V. Auf ben Westmärkten herrscht bie Ansicht vor, daß hierdurd) der russische Ausfall paralysiert werden wirb, ^nt übrigen hat man am Mittwoch in Berlin der ossiziellen russischen Depesche, daß die Regierung durch die vorangegangenen Käufe ihren Bedarf bis zum Mai gedeckt HZibe, wenig Glauben geschenkt man merkt bie Absicht, der Steigerung entgegen zu wirken. Trotz­dem hat Ltie Nachrickst die Realisationsneigung DerfdjäriL

Gerichtssaal.

Posen, 15. Febr. Vor der hnsigen Strafkammer wurde gegen den Redakteur des .Poslep', Tcocha, in vier Stiaifachen wegen Vergehens gegen den § 110 des Et.-G.-B., Aufsoiderung zum Schnlsireik, verhanbelt. Wegen der ersten Slrasiacke wurde Trocha zu 150 Mark Geldstrafe, m der zweiten zu 70 Alark, in der butten zu feck)s Wock;en Geiängnis und tu der vierten zu250 Mark Gelb- lirne uerurtcilt, demnach insgesamt zu 470 'Mack Geldstrafe und sechs Wochen Getängms.

^7^7^77 " _______

Llttiverjitäts-Nachrichten.

Der Prwatbozent in der tijeoiognajen Fakultät der Uni­versität zu K i e 1 Professor Lic. Dr. Erich K l o st e r m a n n ist zum außerordentlichen Prosessor ernannt worden.

vricfkastcn Ser XkOafHcu.

(Anonyme Anfrage« bleiben unberückfichtigt.)

Gesellschaft für gemütliche Abeudftuudcu. Akuve O'sizieri können m den Reichstag gewählt werden, sind aber nicht >vahd berechtigt. Ter stellv. Kolomaldtrektor Der n bürg bleibt auch als Retchsbeamtec hefsijd;er Staatsangehöriger, weshalb die ILr- lanbnis zum Tiagen ihm verliehener Lrden von er. Kgl. W öciu Großherzog zu erteilen ist. Tas deutsche Reich hat (eint Orden, die beirestende isiuszeichnnng wurde vom König von Preußer. verliehen, weshalb die Genehmigung ertorderlich ioar. Tie 'bist' teilung, daß der Kaifer den Orden verliehen habe, ist auf bu Gepflogenheit zurückzu'ühren, Orden, bereu Verleihung wegen der Verdieniie des Emp'aiigers um das Lcutjche Reich criolgt, als von' Kaiser verliehen zu bezeichnen.

Vicneuzüchler auS dem Vogelsberg. Die prägen werben in der iiäditicu Rümmer des ,peh. 2andwirts" beaniwouet.

Schijs^nachrichLen.

vr c u o i u r r: i u i e. , M ,

Ter PostdampfecFtnland" derRed Star ~mte Antwerpen t|i laut Telegratutn am 11. Februar wohlbehalten t» New-Bork cmgetouuneiu

gjleti

2»», s" nll

i 7öO.

(41.

ghtivifliit

SsraitSfi^ t

Z« «[£ 11. Marz IW Wine des osfei 8A. vcrze Jlinbfleifd), 2. nicrcnfctt, U 6. 100 8.350 kg Lei schmalz, deuljcl Ntizen- und 50 kg Butler, 15.3000 kg j 6500 kg Erbse Psesser, ganze, gtschälte, 22. 24.2500 kg l 2500 kx Bohn 28.1000 kg 5 Mjoran, 31 Kvelschen, 33

B. Verb lnthrazitkohlk ^lohten, r rainiierseise, papict, 41. flämme, 43. Wassergläser geiäße, 47. ll. Verzeichr

C. Lt. non§ tannei Sohlleder, 63. 15 Sti artikcl, öS, $nl* unb < schrauben, N Terpentinöl, bl, GO. 4M fd)icbtne S Schafwolle, 500 kg Kr 1500 kg 0 68. 500 kg

Sie Gi 12, 13-15, werden zusai 3743,45, i - von Angl

Akten. Tie Mist tragen, pichen Stuis

^inpeii seins

«er M u Abzüglich ?eferuna }? Juni 1893 fta^ten al ^erftagci "°chnntiags^ >tun9 bc] »W »erbe, iS Rieben m

0f< Eist

Ga

H m B Nea

Markt