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16.2.1907 Zweites Blatt
 
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muStnfl 16. Februar 1607

Zweites Blatt

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Rr. 40

Lilcheinl täglich mit Ausnahme deS Sonntag-.

Die hessische Negierung und die Wünsche

bei den Der- am 13. l. M. auf bie Vor^ für bie Volks-

der Bollsjchullchrcr.

Tie ,Tarmsi. Ztg.^ ist ermächtigt, die Handlungen des Finanzausschusses verlesene Antwort der Großh. Negierung IteUungen wegen Erhöhung der Gehaltssätze

jchüllehrer mil-uteilen:

den Vorstellungen deS LandeSlehreroereinS vom 8. Sept, und 17. Tez. löuO ivivD darum nackigcfncht, bau die wehalle der Mehrer au den Volksjchuleit aui 14008400 Alk. ieftgeseyl luerbeu und die Tteuslwolnuuig oder Mieienlschädiginia im Falle der Pcn-I nomeumg mit 600 Alk. augereclmel iviib. Tie Borslellung (Jic- joliinoii) vom 2. Zanuar 1907 wiederholt diese Bme zwar nicht allsdtückiich; es fami aber wohl angenommen werben, dah da- erste 'Ansuchen awrechl erhallen iviib.

Die BorsleUung (Resolution) deS katl)ol. LehrervereinS möchte die wehalle:

a) oer Lehrer auf 12003000 Mk. nnb

b# ber Lehr er mnen auf 11002150 Alk. festgesetzt, sowie bis Vergütungen bec Schulverwalter uub der Schulverivalterümen um ie 150 Alk. erhöht haben.

Ter jährliche staatliche Mehraiisivand an Tienstzulagen würde sich belau'cn bei Annahme der Sage:

140034uO Alk. am etwa 1 24u000 Mk., 1200 - 3000 Mk. für die Lehrer nnb 110o-21öo Mk. mr die Lehrerinnen, beide auf etwa 5b7 000 Alk. (pierbet rs! der Personatveitaud am 1. Mai 1906 zugrunde gelegt.)

Für derartige Mehraisiwendungen stehen bie Mittel nicht zur Beifügung. Es kann deshalb bei» Wünschen der beideii Lehrec- vereme, inioiveit sie bie (Schölte berühren,.nicht e>lljprochen werben.

Tie Gehalte der Lehrerinnen nuifien, iianienllich wenn man sie nut bencit der Lehrerunren in anbeien Bundesstaaten vergleicht, als den henligeu Berhättinsfen ennprecheud angeiehen iverden; eine Veranlassung zu einer Ausbesserung dürste daher nicht ge­geben {cm. ...

Für die Schnloerwalter unb Schuloerwalterinnen, sowie bie Schnlgeiiül'en unb Schiilgehülsiimen ist nn Entwurf bee Hanvl- Voranschlags für 1907 eine Erhöhung ber Vergnlnng um je 10u Alk. vorgeiehem Es kann hierbei jein bewenden behalten.

Was nun die Frage der Anrechming der Tienslivohnnng ober ber Aiielenlschädigung bei Festsetzung des Ruhegehaltes anbelangk, so ist die wioßh. Regierung nach nochmaliger Bruinug ber '43er- hä/tnisse geneigt, ui Erörterungen über eine angemessene Erhöhung

RotanonSdnick unb Verlag der Brübl'schen IbiwcrfuäiS - Buch- unb 6teiubrudercL R. Lon i e, Tiegen.

Tierietzener $amilienblättcr* werben dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblall für den Kreis Sieben" -wemral wöchentlich. Terhesstsche Landwirt" ericheriU monatlich einmal.

polttijctyc Lagcrschatt.

Wie eine Thronrrdr entsteht.

Tie Eröffnung des neuen Reichstages steht bevor. Ta ist eS vielleicht interessant, einige Worte darüber zu sagen, aus welche Weise die Thronreden DOibeicild und int Texte selige lellt werden, nut denen ber ftaijet oder sein Vertreter das Parlament befl Reichstages zu empfangen pflegt, unb m denen baS Programm der Rcichsiegierung für die beginnende Gijiion klargelegt wird. Jedes Wort der Thronrede ist bei Gegenstand der sorgfältigsten Erwägung. Technisch, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf, spielt sich die Genesis ber Thronrede in folgender Abstufung ab. Zunächst muh natürlich bie politische Situation des Augenblicks, müssen bic Pläne bedacht werden, die bie Negierung hegt, bie Hoffnungen, deren Ve wirllichung sie beim Reichstage diirchzusetzen wünicht. Als den Auftakt für die Festsetzung dieser Süiiibgebuug der Slronc kann man die Zwiesprache anjehcn, die ber Haifer unb der flankier vorher täglich miteinander halten. Wird doch dcr Zn- Halt der Besprechilngcn zwischen dem Slaijer und dem obersten ocr» anlworllichcn Veamten deS Reiches von diesem ilclS alSbald schriftlich mebergelegt unb bann den Archiven etnuerieibt. Ter Reichskanzler beauftragt nun einen seiner Räte, den Entwurf ber Thronrebe ouSznarbeitcn. Wenn in ihr Sonder- gebiete berührt werben, so verfehlt man nicht, bas Urteil unb bie Mitwirkung deS zuständigen ^iessortchesS zu er. bitten; so wirb, wenn sozialpolitische Fragen geiireift werden sollen, bie Autorität be5 Staatssekretärs deS Innern jti Rate gezogen. Ter nut ber Ausarbeitung bes Textes der Rede Beauftragte hat für ihre Einheit in Stil unb Guß ju sorgen. Dann wud ber Eniivurf dem Hanoier vor­gelegt, unb ber oeränbert, streicht, macht Zusätze. Run fertigt inan eine Reinschrift an; die ist für den Naher bestimmt unb erleidet dasselbe Schicksal. Mil feinem langen schwarzen Bleistifte Bnntilifte benutzt er nie gibt ber Reifer ber Rebe bie Fassung, die er wünscht unb die nun nicht mehr geändert werden darf. Tie Rem- schuft wird von einem Hosrale besorgt unb auS ihr verliest ber Kaiser bann im Weihen Saale bie Worte, mit bnien er bie Vertreter beö Reiches vor Begum ihres Wirkens nach allem Herkommen begrünt.

Redaktion, (trpebition unb Druckerei: Sck'ul- flruue 7. Sxvebuion und vertag: eyiN Redaktion: 112. TcL-2U>r- AirzergerTre üau

Deutsche» Ueich.

Verlin, 15. Fcbr. Ter Kaiser besuchte heute das Atelier deS Pros. Su-oU und besichtigte dort int Beisein des Geh. tiiate u. Ihne das Uliobeil jiuh iöiuiiöuuu Wuhc.inS 1. uuu Lcumtn. Später mad>lc der Jtaiier bem viiiwslanz.er einen Besuch. Juni oruhslüct soigre der Haifa eurer Eurtaouug des lomiiiaiU). Uuue- rats v. Kisiet.

Ber dem heutigen Jubiläum des Verein- der Spiritus iabrilaii len in Teurschland erhielt ber lang- jährige Vorsitzende bid Verein-, Rüiergutsbisrprr v. Graß- Ui an in düui Kaiser folgendes Telegramm:

Ich spreche Ihnen a,s dein Voruoeiwrn de- Verein- bei Spiriiussaorilantcn Tru.schlaudS am hemiglN Tage, an wrlcheru ber Verein die Feier seine- öUjühugeii Brirehens oegchl, meinen Wütmlieit Gtückwunsch ans. Was bet Verein in bit)cii Jahieu durch treue tirbeu, nicht -uni uiinoefieii von (eiten le in es uner; rnublichcn längen Vorjihenbetl, geiehassen unO erreicht hat, isi für das landwirlfchafilia^ Gewerve, für bie heimifck>e Lanowirt- fujaft überhaupt, für das gciauile Vaterland uun großem Segen gewesen. Zn bauluaret Anerlennung ihrer herooiragenden Ber- bleuste auf biefeni Gebiete und unter Würdigung ihres ausge­zeichneten Willen- im Tieufu meinet treuen ProvinzLörstpreußen habe ich Ihnen den Eharalier al- Wirtlicher Geheüuer Rat mit bem Prädilat U ( 5 c 11 e n i verliehrii unb freue mich. Ihnen hicrrwn noch biriii Kenntnis zu geben. W. DL

Tem früheren Ober» Raebke wurde heule burch bie Staatsanwaltschaft bie Kabinettsordre, dura- welche die Titel- cntziehung begründet wird, zugestellt. Gaedle richtete darauf, wie dasBert. Lagebl." mitteilt, au die Staatsaiiwatiswust eine Zuschrift, in der er schreibt, daß die Slaatsanwalisa>ajt hierfür leine gesetzliche Zuständigkeit unb Ermächlignug besitze, sodaß birfc u u g e i u p 11 u) e Zustcuung ievcr rcchtuchcii Löirl^ug cntbeh,.e.

Gegen Adolf Damaschke, den Leiter des BunocS deu..- fcher Bodenreformer, hat die Ortsgruppe Eharlotieuourg des genannten Bundes in Verbindung mit einer Reihe von Mitgliedern der Berlin.r Ortsgruppen Anklagen erhoben und ihn ersucht, innerhalb 48 Stunden eine Erklärung abzugebeu, ob er bereit sei, sofort aus bem Bunde deutscher Bodenreformer aus zu scheiden. Fall- er zum Austritte nicht bereit sein sollte, wirb bic Ginbetufung einer außerordentlichen Gleneraloer« sammlung des Duubcs in Berlin beantragt. Tamaschie soll über ein Mitglied des Bundes wider bes, eres Wissen un­wahre Behauptungen verbreitet und der Vorsitzenden der üiaucngruppe Frau Elsner von Groiww in unziemlia-cr Weise die Tür getviesen haben.

TieRation", bie von Dr. Th. Varth herauSgegebene Wochenschrift, soll zum 1. April d. I. e i n g e h e n. Wie ber B. B.-E.", bem wir diese Nachricht entnehmen, bemerkt, steht dieser Entschluß mit dem Ausgang der Reichstagswahlen unb der ganzen gegenwärtigen Strömung im Zusammenhänge, bie ber von bem genannten Politiker vertretenen Auffassung, bas freis. Bürgertum habe in ber Sozialbemokratic ben nächsten Bunbes- genossen im politischen Kampfe zu sehen, so ungünstig wie mög­lich ist.

Eine von sehr maßgebender Stelle in München gefallene Aeusterung lautet:daß von einer Spaltung der Zen- trumspartei nicht die Rebe sei, daß man aber begründete Hoffnung habe, den nationalbenkenden Teil bes Zen­trums in Zukunft su stärken."

Abg. Roeren erhob Klage gegen den Lrtsvorsteher Sauerwein in Oschatz wegen 23e.ciblg.ing in einer Wc.tz.rcbc.

Die vom Staatssetret.r FvsabowSky angeregte

Beratung über eine Revision des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes hat unter dem Vorsitz des Minisierralbireltors Zonauicrcs Begonnen. Zu ben Bera­tung en sind Vertreter des Hanbelsitandcs, insbesondere der ge- werblichen und industriellen Körperschaften zugezogen. Schon bei der Einführung einer Qteneraltlaufel statt ber bisherigen Spezial-

Gießener Sradttheater.

Preziosa.

Zu seinem Ehrenabend hatte sich Herr Reimer-Schlegel Preziosa", das Bol.tSit.uck seines arten Kollegen Wolff, ausersehen. Wolff, der burdj feine gkanzvotlcn.äußeren Akittel und sein ganzes Wesen ein Liebling G^cches und Schillers war, hat mZrezioja" das einzigefboitsnud. mit Qkiang" geschrien, das sich falt ein Zahrhundcrt lang auf den Brertern behaupten konnte ur.b dessen Aufführung regelmäßig auch heute noch ein volles £)au6 bedeutet. Wie kommt es, daß dieses Bühnentverk sich solchen Einfluß sichern konnte? Das bui es neben seiner Zigeunercomannt wohl vor allen Dingen dem Umfranbe zu danken, baß Sari Maria von Weber dazu jene köstliche Musik und jene herrlichen Mewdien schuf, bie wircjaj das ixrj des Bo.les für sich geivannen. Aus jeoermann, auf alt unb jung üben Ticptnng wie Musik immer wieder ihren Reiz aus, unb jur die Bedeutung des Stückes ist es gewiß nicht zu unterschätzen, baß bie 2.uNahrungen, die im vosoperntheatcr zu Wien von den schauspielerifepen Ärästen bcs Burgtheaters und den Thören der L>o,opee oeranitaltet wurden, zu den glLnzcrrdstcn Lheaterdaroretmvjcu der c*un Laiserstadt gehörten.

Die Preziosa ward gestern abend von einem Gast, von Fr. Marie Lautermann aus Darmstadt, gegeben. Wegen ihrer glänzenden äuß.ren Erscheinung ist diese Dame sicher zur Lar- luliung einer sollen bwuen geeignet Fr. £aut.rmann uetdel aber in einen a_ten Feh.er, sie bcLamiette zu oiet 2ab:i versagte sie in den Melodramen, wohl uno.ge liarfer Lrlaltung. Ihre aiijäjigliQie Befangenheit erklärt iiaj aus achtjährigem Fermem von der Bahne. Zn den Übten beiden Akten machte ,ie bann sehr vieles wieder gut Tie nunst.erm ver.mrck) ujre Roile recht weil, aber sie gas uns eine PttLiojarezEatarn, keine Prezwia,

fratiion dcS ZciurumS cinwiifcn, dürfte sich täuschen. Schon hinter der Präsentation dcS Frhrn. v Henllng zuui Bizepräsidenlctt wird bie Fraktion einmütig flehen.

Tie lange Reihe der neuen Männer ist der Ocffcnt- lichkctt bereits durch die Presse vorgejührt. Es sind barnmer heivorragende Polillcr und Redner, allen voran Pfarrer W a u m q n n Die AnScinaiidersepung zwischen Ranmaitn und Stöcker, einem gleichfalls vorzüglichen Redner, dürste zn einer gellnstretchetl Epifooe werden. JiuercsiaineS viiiprichl der dlustrng des NonflilleS zwischen dein Eibprrnzen zu Hohenlohe und den Zolonialdcinokratcu des Zentrums. Tiefen bietet fiel) auch sehr bald welegenyert, wieder einen Waffengang zu nm mit ihrem meistgehatzten Partner, bem Llolnnialdiieltor Tern - bürg, und mit ber RegierungSmänner obriitnn, dein Fürsten Bülow, ber den Wahlkampf gegen das Zentinm so plötz­lich abbrach. Alles m allein: der r)ieichslag veriammelt sich zu einer Eeision unter Auspizien, wie sie eigenainger und interessanter seit Zahrzchnlen nicht zu verzeichnen waren.

keine Südländerin. Herr Kober deklamierte noch mehr unb war durchaus lein span.schic Edeler. Ter Südländer ist doch weit lebLa,t.r als der Deursche. Herr G r e e s s als Don Eugcnio wußte jayon weit eher ben richtigen Ton für feine Rolle tu fmben. Dieser junge Stünulcr bot geuern eine sein burchbachte, abg^ tunbete Leistung. Der ZigeunerhaMitrnann erweckt ichon baducch Interesse, daß ihn der Tiu-ter bei Lebzeiten selber spieite. Aber [eincswigö hat er ihn so Dargeitellt, wie heitern abend Herr Kost, ber emestcirs ui bornbairischer Redeiocne schwelgte, anderer­seits in ben kurzen Zwischenreden ganz aus der Rolle frei. Die Diarba wurde von Frau Bons in ber herkömmlichen Lei,e ganz venreiilich Derürpert unb erregte viel Heiterkeit Hervor- zuheben smb auch Die kleinen, aber auten Leistungen bet Frau uon Zagemann unb ber Herren k r a u ß unb Bakof.

Dm besten war gestern abend ohne Zweiiek der SBcne^iant selber. Sein Ton Pcdrv regle denn auch die Lachmusleln maytig an. TaS hat ja Herr Reimer-Schkegel schon recht oit getan, und mancher irof) verorachte Abeno, manche Lachträae ist ihm zu banken. Der Bcijukl, der ihn gestern ehrte, war reich verdient

Las Regie urJ> Musik anbctr.ü, so bars man ja bei den primitiven Birhällnisscn unieter Bühne keinen allzustrengrn Maß­stab verwendiit In liebenswürdiger Weise wirkten äußerst Wacker unb mit iLU,iiiL,it Freube Mitütredet hiesiger Gejangvereme und em Teil b:i wruitärl-upelle mit. An euicm größeren Theater sind ia natürlich Chor und Lapelke weit starker besetzt Doch hatte ich von der musikuiischen Leistung des gestrigen Abends lange nicht das erwartet, was lie uns tatsächlich bot Tie Lapekke hatte mit gutem Ersolge großes Stxi:. t auf bie Darstellung der,Z:zeuner- uiufik g.kg.. Di. Statisterie, die aus Tiket.anien befand, war höchst lobenswert, ba- ^>^yiienüiib stets oewegt Das Laus war auäDerlauft unb spendete vielen Beifall^ ß. uL.

Ter neue Reichstag.

H. Berlin, 15. Februar.

ES ist kennzeichnend für bie Arbeitslast, bie beni Neichslagsbureau and der Veränderung in ben Fraktions- Äffern erwachicn ist, daß bcii Parlaunntsberichlerstattern die Karlen zur Zonrnalisiendühne erst in letzter Stunde zu gestellt weiden können. Es herrscht ein unaushocltchis Momme» unb Gehen in den Raumen des Relchshauses. Altenwagcn enllaben ihren gewichtigen Inhalt an Druck- suchen, die zunächst in bie Registratur wandern; in Person Üchcn ober telegraphischen Bestellungen bitten bie Erwählte» dcS Volkes unb zu>»al dieneue»»»er" um Berück' sichtigu»g spezieller Wünsche bei der Zuweisung des Platzes un Sitzungssaal usw.; baS Publikum sucht sich ^beizeiten Tribünenkarlen zu sichern, uni Zeuge der ersten Sitzungen des so ganz anders gestalteten Parlaments sein zu tonnen.

Iui Willlelpunkt deS Interesses stehl augenblicklich bie Wahl beö Präsidiums. Glas Ballestreni hat gründlich vorbefprophezelt, als er bei Abschluß seiner Präsidenten' tatigkett meuiic, Singer werde sein l)!achsolgcr fein. Als künimerlicher Torso, auf wenige Bankrcihcn ber äußersten Linke» zufammetigedrängt, wirb die Fraklio» Bebcl sich praje»tierc!l, unb Fürst Bülow bürste sich in Zukunft hüten, sofort das Wort zu ergreifen, sobald eine sozialistische Braiidreöe auf sprüht. Früher war das eine Gepflogenheit des Kanzlers, bic von ben bürgerlichen Parteien wiederholt mißbilligt würbe. Er wirb gut tun, ber Kritik von feiten der bürgerlichen Linken größeie Beachtung zuzuwenben und auch in diesem Sinne bem liberalen Geist feine Reverenz zu erweisen.

Wenn die Mehrheit des Reichstages, wie vorauszusche» ist, den konservativen Grafen Stolberg zum Prafiden- ten beruft, bann dürften bie ermüdend langen Sitzungen, die unter dem Grafen Ballestrem üblich waren, in Fortfall kommen; beim Graf Stolberg ist ein Freund ber konzeii» hinten Arbeit, bie in einem mit Tagegeldern bedachten und in dcr Regel beschlußfähigen Haufe sehr wohl durchführbar ist. Kürze wird stets auch des Parlamentär. Witzes Seele fein und kann bei» vffcnlliche» Ailfchcn bes Rcichslags »ur fvrdeilich luctbeit Die bevorstchcube Session, m ber des vorgnückteii Winters wegen mit Hochdruck gearbeitet werben muß, ist ganz besonders geeignet zum Nachweis, daß ein in jedem Betracht frisches Leben auf bei» parlamentarische» Bode» nblüht ist. sticht nur die Regierung würbe esmit viele» Freuden" sehen.

Weiterhin gilt das allgemeine Interesse den Aktionen der verflossenen Regierungspartei, des Zentruuis. Sein Ruck zur Opposition kommt auch äußerlich insofern zur Erscheinung, als durch ben Mandatsgewlnn ber Rechten bas ZenlitlUl seine Sitzreihen jetzt mehr nach links ht» aus- dchnen muß. Einstweilen bürste Dr. Spahn Fraktions­führer bleiben, auf die Dauer vielleicht nicht, denn auf sein Haupt paßt bester der Zisimder des KoinproinißlerS, als ber Sturmhut des Oppofittonsmanncs. Spahn hat parlamcn- tcrijdje Bedeutung erlangt als Führer desregierenden" Zent.ums; nun aber erscheint geeigneter auf bem Platze »de der Front ein Mann von ber Art Erzbergers. Er ilt freilich noch zu jung dazu, einen zweiten Windihorst dnrzustcllen, deshalb sind älteren Kämpen, z. B. Gröber, eher Chancen auf den Führerposten zuzuerkennen. Wer ba ober glaubt, die fonferoatioe Sezessionsbewegung im baye- kNfchen Zentrum werbe auf bas Gefüge der Reichstags-

Gießener Anzeiger

Eenerai-Anzeiger für Göerheffen

beftimmutigen des va .tz.s zeiaie tu, eine erpcjiiaje Meinung-. Verschiedenheit. Tcr BoriLlo.7. da- Getetz allgemein auf Jeden auszubehne i, b.r uii.nuicr.n kL'<ttbe.j.ro hareipt, begegueu ja ft alig;meuicn Wibcrwruch. Lud) bic ciöriciungcn über die weiteren Punlu nahmen zum Teil ein n sehr taüha.ten Gipraficr an. 'allgemein i'ojeint inbe :n bet Wunsch nach euur '.IbiuMiiung d.r Schranken m.d Älaufem, bura: Die prakuiche Anwendung txs (Rietzes heute victsau) ütuwruch gemacht wirb, zu icin. Die Jiciu!£>regurunfl bat d.e ub)iu,t, diesem Verlangen nach Su^id^eit entgegen zu komme».

DcrBosi. Ztg." zufolge wirb bic Freisinnige Volk-. Partei un Wahiireise M uhihaujen-Langensalza bei bei jitiujbiugd.'.xau.vdyi die n. t.viia.)ir..le ilanö.b. l-r des fruöcien .»ai.deisiiiiniitcrs.sir nia,t umeruüticn, fonöern feinen eignen Kandidaten aufiicllcit. 'Rach einem Te.egramm der De..tichen Sages-tg. i;ut b.r Bund ber Landwirte heute ben Oniifr» ucsitzcr Arnuabt El- ^anb.b. ten aufgeitcllt.

XJr om berg, IG. Febr. Tcr Realschüler Skibinski aus Wöllstein wuibe van der Konigl. l)icai(ujuic verwiesen, weil sein Baier, der Schneidcrmeister Skibiusli, im Vvibeigrunbe Der pouiisMen Bewegung zu Wöllstein siehe unb auu) feine Schivesier anbeuerno un S ch u l st r e i k verharre. Zugleich wuibe bem Verwiesenen erössnei, daß seine Aufnahme in eine höhere ocutsme £n}ian|1alt für immer ouagcimloficn sei. Einem anderen Schüler würbe die Maßregelung angedroht, sall- bcffen Geschwister weiter in ber Obstruktion beharren.

Leipzig, lo. Feor. Zn iLltzONHaidc un Erzgebirge würben ans d.m '.W 11 i l a r u e r e i n 114 Üliitg lieber wegen Teil. nähme an sozialbeuiokratischc» Umtrieben auoge- fchlvssen.

(Pera, 15. Febr. Tie Vereinigten bürgerlichen Parteien b.*e Fürstentums Reuß j. L. haben ein Flugblatt verbreitet, in beul zum fenen Zuja m in c n f ch l n ß g c g e n bie Sozialdemo­kratie aiifqefcrktt wird. Namentlich bie (pescbästSleuta werben aufgefoibert, nichtinsozialbemokrattschenZel- langen z n i n | e c i e i e n. u.ie lyt|UjaiUlcule, bie der A u f i lorbecung nicht Nachkommen, füllen öffentlich b e - rannt gegeben n ub die Bürgerschaft aiifgeioibcit werben, ui biijcn uXfchäjten nicht mehr z u kaufen. Die bürgerlichen Parteien sind za biefeni Vorgehen gezwungen worben durch das icrroriflifaje Borgeheii bet isx»iialbeuu>tratie gegen Ue tieüiai EesihäflSleute.

Nürnberg, IC. Febr. Der öauoorflanb der nord- b a h r i f d) e n Sozialdemokratie beschloh, den Ans­bacher S o z i a l d e ni o k r a t e n wegen ihces disziplinwidrigen Verhallens bei der Reid^StagS-Siichwahl (Eintritt gegen den Demo- tiaieii Quidde, für den Bauernbünöker Hufnagel) den schär f sie» T a dc l auszusprechen.

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