Dbg. Stadtbag en (So-.), mit schallender Heiterkeit und minutenlanger Unruhe'begrüßt, kritisiert nochmal? die Erklärungen des Staatssekretärs und polemisiert gegen den Abg. Varenhorst.
Abg. Heckscher (Freisg. Vgg.) glaubt, es wäre die Aulgabe des Neichsjuslizamtes und der Einzelslaaten von jetzt ab dafür zu sorgen, daß den Bestimmungen des Gerichtsversasiungsgesehes genügt werde. In dem Kerichtsverfassungsgesetz und den Motiven dazu wird kein Mort gesagt, daß die Arbeiter und Minderbemittelten von den Schöffen und Geschworenenämtern auszuschließen seien. Daß die Arbeiter die Kosten des Amtes nicht tragen könnten, sei durchaus richtig. Sie wären stolz, wenn ihnen diese Funktionen übertragen würden.
Staatssekretär Dr. Nieder ding erklärt: In dem Gesetz werde die Heranziehung von Arbeitern zu Schöffen und Geschworenen nicht gefordert, sondern nur zugelassen. Tie Zurücksetzung des Arbeiterstandes hinter den anderen Bevölkerungskreisen sei nicht beabsichtigt, die Frage der Vorbildung spreche auch in dieser Angelegenheit mit.
Aba. H e ck s ch e r glaubt, unter den Millionen von Arbeitern würden sich genügend Personen finden, die dieses Amt einnehmen. Es bandelt sich nicht tun die Frage der Jultizresorm, sondern um die Anwendung der Gesetze. Redner fragt sodann, wie es komme, daß Bayern ein Reskript erließ, wonach die Arbeiter herangezogen werden sollen, wenn eine derartige Bestimmung schon existierte.
Abg. Wagner (Kons.) bemerkt: In Sachsen, z. B. in Dresden, würden vielfach Arbeiter herangezogen.
Abg. Günther (Freis. Vp.) meint dagegen, daß außer in Dresden auch in Sachsen höchst selten Arbeiter herangezogen würden.
Abg. Singer (Soz.) stellt lest, daß überall, wo Sozialdemokraten berufen würden, die ganze Welt voll des Lobes über ihre Objektivität sei. Protestieren müsse er dagegen, daß die neue Mehrheit hier wiederholt versuchte, die Ehre der Arberterkreise herabzusehen.
Abg. Wagner (Kons.) führt aus, die Sozialdemokraten seien nicht die Verteter der deutschen Arbeiter. Singer sei etwas ganz anderes als ein Arbeiter. Seine Partei wolle auch zukünftig den wirtschaftlich Schwachen Schuh angedeihen lassen.
Abg. Tr. Müller- Meiningen (Freis. Vp.) protestiert heftig gegen die Ausführung Singers, daß die neue Mehrheit die deutsche Arbeiterschaft beleidigt habe. Seine Partei vertrete mindestens ebenso gut oder besser die Interessen der Arbeiter als er, Singer. Seine Partei besitze doch wenigstens die Gerechtigkeit, auch die Sozialdemokraten zu der deutschen Arbeiterschaft zu zählen, während Singer glaubt, daß die Sozialdemokratie alle deutschen Arbeiter vertrete. Eine solche Zusammenschweißung von Sozialdemokratie und Arbeiterschaft weise er itamens hunderttausenden von Arbeitern zurück. (Lebhafter Beifall rechts und links.) Wenn die Sozialdemokratie in dieser Weise wie Singer uns vollkommen unmotiviert angreikt, so weise er dies einfach als Verleumdung zurück. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Stadthagen (Soz.) konstatiert, daß die bürgerlichen Parteien es waren, die die Anträge der Sozialdemokraten au? Ein- sührung der Diäten für Schöffen und Geschworene abgclehnt hätten.
Abg. K r e t h (Kons.) führt aus, es wäre eine Beleidigung des sächsischen Richterstandes, wenn er ihn gegen die Verunglimpfungen der Sozialdentokratie in Schutz nehmen wollte. Redner protestiert ferner dagegen, daß die Sozialdeinokraten sich wie im Wahlkampfe als Vertreter der deutschen Arbeiter aufspielen.
Abg. Junck (Nall.) legt zur Steuer der Wahrheit dar, daß die Arbeiter in Sachsen sich als Geschworene und Schöffen sehr gut geeignet hätten.
Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird die Besprechung geschloffen.
Morgen: Rest der heutigen Tagesordnung; Reichsinvalidenfonds.
parlamcitfarifdyes»
— Dem Herrenhause ging ein Eiitwur? des Gesetzes betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Hanau zu.
— Tie Budgetkommission des Reichstages verhandelte heute über das Etatnotgesetz tuib bewilligte die darin enthaltenen Forderungen für die Miliiärverwaltung, u. a. die für stragetische Bahnbauten a.igeforderleii Mittel von insgesamt 10 396 800 Mk., für eine Kaseriie in Mainz 25 0 0 00 Ai k. Bei „Titel" Truppenübungsplatz in Köiiigsbrück fragte Gras Oriol a ob nicht in der Gegend von Hanau ein Truppenübungsplatz geschaffen werden könne. Der Mangel eines solchen schädige die dortige Gegend recht fühlbar.
Der ermordete bulgarische Ministerpräsident Petkow war 1858 in einem Dorfe in der Dobrudscha geboren. Mit Schulbildung kaum belastet, ging er 17jahrig nach Rußland, um auf Wunsch seines Vaters K a u fni a n n zu werden. Aber bald zogen ihn die bulgarischen Verschwörer, die damals mit aller Macht an den Vorbereitungen für einen Aufstand ihrer Heimat gegen die osmanische Herrschaft arbeiteten, in ihre Reihen, und beim Beginn des russisch-türkischen Krieges gehörte er zu den ersten Freiwilligen, die sich zum Dienst in den von Rußland ausgestellten bulgarischen Druschinen meldeten. Mit diesen Truppen focht er tapfer bei Gurkos Uebergang über den Balkan und büßte auf dem Schipka die linke Hand ein. Später huldigte Petkow noch sozialistisch-nihilistischen Anschauungen, und seine Wühlarbeit gegen Alexander von Battenberg brachten ihm Gefängnisstrafen. Aber allmählich arbeitete er sich zu ruhigeren Ansichten durch und trat Stambulow nahe. So klomm Dimitri Petkow die Stufen der politischen Laufbahn empor. Er wurde Bürgermeister von Sofia und leistete außerordentliches für die Entwickelung der Stadt. Aus dem schmutzigen, verwahrlosten, fast dorfähnlichen Gemeinwesen der Türkenzeit wurde allmählich eine den westeuropäischen ähnliche Siedelung, allerdings mit schwerer Verschuldung der kommunalen Finanzen. Rücksichtslose Tatkraft drückte sich schon in Petlows ganzem Aeußern, in der untersetzten Figur aus mit den breiten Schultern, auf denen ein runder Kopf saß, dessen Augenstellung und dünner Kinnbart ihn: etwas Mongolisches gaben. Der Sturz Stam- bulows, dessen Bautenininifter und Kammerpräsident er eine Zeitlang gewesen war, riß auch Petkow aus der Regierung in die Opposition. Sein Kampf gegen Rußland wurde mit wilder Leidenschaft geführt und verfeindete ihn mit den Panslawisten. Er wollte Bulgarien frei von jeder äußeren Beeinflussung sehen und glaubte wie Stambulow, die großen nationalen Ziele am besten zu erreichen, wenn man suche, sich mit der Türkei auf gutem Fuß zu stellen und für die friedliche, aber erfolgreiche Arbeit in Schule und Kirche die nötigen Vorbedingungen zu schaffen. Den Geheimgesellschaften konnte er schon deshalb kein Freund sein, und seit mazedonische Handschare Stambulows Lebensfaden durchschnitten hatten, war Petkow noch erbitterter gegen diese Elemente gesinnt, die ein Staat im Staate fein wollten. Erft 1903 kamen die Stambulowiften wieder an das Ruder, in dem Kabinett Petrow wurde er Minister des Innern und zeigte bald, daß ihn die furchtlose Tatkraft nicht verlassen hatte, die ihm eigen gewesen war, als er fast zehn Jahre vorher unter den Drohungen einer wütenden Menge, ohne Schutz der Polizei unbedeutenden Nachfolgern den Platz hatte räumen müssen und später bei den scheußlichen Auftritten, die Stambulows Beerdigung schändeten, bent rasenden Pöbel Trotz bot Doch der unerschrockene Kämpe mit den starken Rednerlungen und spitzer Zunge wurde allmählich ein ruhiger und besonnener Staatsmann. Mit gleicher Energie wie früher setzte er seinen Willen durch, wenn es galt; nur die Formen waren allmählich denen der zivilisierten Welt niehr angepaßt. Auf die Dauer konnte Petkow sich mit bem Ministerpräsidenten Petrow nicht verständigen. Er hatte sich das volle Vertrauen des Fürsten Ferdinand gewonnen und war der berufene Mann für die Leitung des Ministeriums, als der unruhige General int November 1906 zurücktrar Daß er den Gesandten in Petersburg, Stantschiow, zum Minister des Aeußern nahm, bewies seinen Wunsch, zu Rußland - Beziehungen zu unterhalten, und auch mit der Pforte wußte er eine Besterung der Verhältnisse anzubahnen. Es ist ein fc lchimes Verhängnis für Bulgarien, baß seine besten Männer durch Meuchelmord fallen. Auch in Petkow verliert Bulgarien einen seiner hervorragendsten.Söhne.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 14. März.
*• Der Großherzog a ( 3 Jagdpächter. Die Gemeinde Berkach im Nied hatte ihre 280 Hektar große, zu M. 500 gewertete Gemeindejagd, seit Jahren von der Hofjagdverwaltnng gepachtet, von neuem zur Verpachtung ausgeschrieben. Forstmeister Kleinkopf-Dornberg blieb namens S. K. H. deS Großherzogs mit M. 1100 JahreSpacht Höchst- bietender. Die Gemeinde verweigerte aber den Zuschlag und forderte M. 100 mehr. Man ging hierauf ein. Doch auch jetzt noch verweigerte die Gemeindevertretung den Zuschlag, ohne Angabe des GrundeS. Hierauf erhob der Steigerer Beschwerde vor dem Kreisausschuß in Groß-Gerau. In der Sitzung war die Gemeinde nicht vertreten. Der Kreisausschuß entschied, daß die Ausübung der Jagd der Hofjagd- vermaltung für jährlich M. 1100 zuerkennen sei und ver- urteilte die Gemeinde in eine Aversionalstrafe von M. 10.
* Der 2 0. Verbandstag Oberhessischer freiwilliger Feuerwehren wird vom 13.—15. Juli in Assenheim abgehalten werden. Ein aus zirka 60 Herren bestehendes Komitee, an der Spitze Graf Franz zu Solms- Rödelheim und Affenheim, ist zusammengetreten, um das Fest vorzubereiten.
Evangelischer Bund. Ter Familien »Abend des Gießener Zweigvereins des evangelischen Bundes war sehr stark besucht und in jeder Hinsicht wieder wohlgelungen. Wie üblich bestand das Programm ans einem Vortrag und aus musikalischen Darbietungen. Ter Redner des Abends, Pfarrer Fr i t s ch-Ruppertsburg, sprach über das Thema: „Luther das Vorbild eines deutschen Mannes." Es schien ihm nicht darum zu tun, eine erschöpfende wissenschaftliche Anssührung des Themas zu geben; in volkstümlicher Weise, stets auf die Gegenwart blickend schilderte er Luthers Wesen nach den Eigenschaften „bieder", „fromm" und „stark". Luther zeigte die rechte Frömmigkeit, die im Gewissen mit Gott versöhnt, wurzelt und fern von aller Frömmelei und Weltenlfremdung ist. Bieder war er, d. h. aufrichtig und ehrlich, wie seine Schriften zeigen, genügsam, nicht von Goldgier erfüllt, wie es leider in der Gegenwart so oft vorkommt, gemütvoll, wie seine Hochschätzung der Frau und der Ehe beweist, wogegen jetzt so oft gefehlt wird. Seine Stärke und sein Mut ziehen uns besonders an, da er sie stets bewahrt, sowohl nach oben gegen Kaiser und Papst, wie auch nach unten, gegen die aufrührerischen Bauern. Stark war er in seiner Vaterlandsliebe, zu der er auch uns auffordert. Luther ist ein Erzieher des deutschen Volkes; ihn zu ehren und gegen Cchntähnngen zu verteidigen und seinem echt deutschen Vorbild nachznleben ist Aufgabe des evangelischen Blindes. — Reicher Beifall lohnte die packenden Ausführungen des Redners und dankte ihm für seine warmen Worte. — Auch die mtrsikalischen Darbietungen des Abends standen auf seltener Höbe. Der Maschinenbauer-Gesangverein fang unter der Leitung seines Dirigenten Gernhardt eine Anzahl von Liedern, die das vorzügliche Stimmenmaterial und die gute Schulung in ein Helles Licht setzten. Besonders gefiel das „Schlummerliedchen", eine Komposition des Herrn Dirigenten selbst. Treue Freunde besitzt der evangelische Blmd in den Solisten deS Abends. Fräulein Stammler, sowie die Herren B l u m e n a u und S ch ä 11 l e r haben uns schon öfters durch ihre Kunst erfreut. Auch diesmal waren ihre Gaben mustergültig und sanden lebhaften Beifall. Mögen dem evangelischen Bunde durch feine anregenden Familien- Abende immer neue Mitglieder zuwachsen und seine gute Sache weitere Ausbreitung finden.
** B e i dem anhaltenden kalten Wetter suchen unsere befiederten Sänger wieder häufiger die Futterplätze auf. Man versorge sie mit Nahrung, bald lohnen sie wieder die Wohltat mit jubelndem Gesang und durch Vertilgung vieler Schädlinge unserer Kulturpflanzen.
+ Großen-Linden, 13. März. Die Neno- vierungsarbeiten an unserer alten Kirche haben am Montag ihren Anfang genommen, indem die Zimmerleute mit dem Absprießen beschäftigt sind. Die Arbeiten sollen bis Herbst d. I. vollendet fein, doch begegnet man allenthalben Zweifeln, ob die umfangreichen Ausführungen bis zu dem betr. Zeitpunkt zum Abschluß gelangt fein werden.
X Reiskirchen, 12. März. Die Frau des hiesigen Handelsmannes L. stürzte heute und verletzte sich an der rechten Hand so, daß sie sich nach Gießen in die Klinik begeben mußte.
A Münzenberg, 12. März. In den letzten fünf Jahren wurden von den standesherrlichen Familien zur Erhaltung unserer unter dem Namen „Wetterauer Tintenfaß" rühmlichst bekannten Burgruine ca. 20 000 Mark ausgegeben. Auch in diesem Sommer werden wieder umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Der Besuch der Burg hat infolge der Verbesserungen und besonders seit Erbauung der Bahn Lich—Butzbach in den letzten Jahren sehr zugenonunen.
? Ettingshausen, 12. März. Vergangenen Sonntag wurde der Handelsmann Seligmann Lüwenberg von hier zu Grabe getragen. Löwenberg war ein Veteran und machte den Feldzug 1870—71 mit. Der hiesige Kriegerverein war vollzählig erschienen und gab die üblichen drei Ehrensalven ab.
|| Aus der Wetterau, 12. März. Daß es nun doch bald Frühling werden muß, beweist, daß jetzt täglich die polnischen und oslpreußischen Arbeiter auf den Wetlerauer Höfen eintreffen und die Vogelsberger Rechen m acher mit schwerbeladenen Wagen zu Tal ziehen.
— Vilbel, 13. März. Von den Ueberschüssen der S p a r k a s s e V i l b e l (Malhildenstist) wurden den in Frage kommenden 27 Gemeinden des ehem. Kreises Vilbel 1000 Mk. zur Anschaffung von Material in den Industrieschulen und Lehrmitteln in diesen Schulen sowie zur Beschaffung von Lehrmitteln für arme Volksschulkinder zur Verfügung gestellt. Die nach der Einwohnerzahl der Gemeinden ansgeschlagenen einzelnen Beträge schwanken zwischen 10,04 Mk. (Rommelhausen) und 186,55 Mk. (Vilbel).
Mainz, 12. März. Die für heute anberaumte gemeinschaftliche Sitzung der Unterkommissionen und Deputationen bezüglich des Theatern m baus ist, wohl infolge der Oppo- fition der 'Mainzer Presse, auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Ter Umbau soll nach dem „Rh. SL" 900 000 Mk. kosten.
Gonsenheim, 13. März. Gestern nachmittag wurde auf dem Wege von Marnbach nach Gonsenheim eine ältere Frau, eine Hausiererin, von einem unbekannten jungen Menschen überfallen, blutig geschlagen und ihres Geldes beraubt. Mehrfach verletzt und blutend begab sich die Frau in Gonsenheim m ärztliche Behandlung. Sie schilderte n. d. „M. I." die Sache dem sie behandelnden Arzte mit der Behauptung, daß sie bei Gegenüberstellung des Täters diesen sofort wieöer erkennen würde.
M a r b u‘r g, 13. März. Heute fand, n. d. „6eff. LdZztg.*, die Verletzung des Denkmals des Rentmeisters Jeremias
Stamm (1537—1601) statt. E§ wurde vom alten Friedhöfe am Barfüßertor, wo es sich an der Rückseite der Straßenmauer links vom Eingänge befand, nach der lutherischen Pfarrkirche verbracht und an der Mauer unter der Treppe rechts aufgestellt. Das Denkmal ist noch gut erholten und ist wohl eins der schönsten Renaissance-Grabdenkmäler. Die Ueberführung wurde auf Kosten eines Nachkommen des Ver» storbenen, des Eisenbahnsekretärs Stamm in Frankfurt a. M., vorgenommen. Es wäre erwünscht, wenn solchen alten Grabdenkmälern überhaupt mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde.
Kassel, 13. März. In dem seit zwei Tagen hier verhandelten Lu stm ordp rozeß gegen den Arbeiter Mai, der im Sommer des vergangenen Jahres das zwölfjährige Schulmädchen Ebenau mißbraitcht und barouf ertränkt hatte, bezweifelten die Sachverständigen Medizinalräte Heinemann- Kassel und Tuezek-Marbiirg, ob der Täter, wenn auch nicht damals, so doch gegenwärtig verantwortungS- oder zu- rechnungsfähig sei, woraus durch Gerichtsbeschluß die vorläufige Einstellung des Verfahrens erfolgte.
verinischtes.
* Ein geheimnisvolles Duell sand in der Nähe von Paris auf der Ehanffee von Enghien nach Argenteuil statt. Wie ein Mechaniker berichtet, der sich auf dem Rückweg von Saint DeniS nach Epinay befand, kam gegen 11 Uhr abends auf einmal ein rotes Automobil angefahren, dem sechs Herren entstiegen. Ohne ein Wort zu wechseln griffen zwei der Ankömmlinge zum Degen, und ein Kampf auf Leben und Tod entspann sich. Im dritten Gang erhielt der eine der Gegner einen Stoß in die Brust, der ihn kampfunfähig machte. Er wurde auf das Automobil gehoben, und in rasendem Tempo entfernte sich die ganze Gesellschaft. Wie es heißt, ist der Verwundete ein Ingenieur aus Saint Denis, während sein Gegner der Besitzer der Fabrik fein soll, in der er angestellt war. Der Fabrikant soll Grund zur Eifersucht gehabt haben, weil der Ingenieur seiner Gattin zu auffallende Huldigungen entgegenbrachte.
* Kleine Tageschronik. Ter Intendant be§ Stuttgarter Hostheaters Baron zu P u t t l i tz ist nach vierwöchiger Hast aus der Festung Rastatt beurlaubt worden. Puttlitz war wegen Zweikampfes mit dem Redakteur oon „lieber Land und Meer" D r. Pieper zu drei Monaten Festungshaft verurteilt worden.
(ßericfytefaaL
4- Marburg, 13. März. Wegen Uebertretung des Dynamit-Gesetzes wurde heule ein älterer Bergmann au5 Ottrau, der eine Sprengstoffe enthaltende Kiste kurze Zeit ohne Beaufsichtigung gelaffen, von der (Straffammer zu der Mindeststrase von 3 Monaten Gefängnis verurteilt. — Gelegentlich beS vorjährigen Erdarbeiter-Streiks belästigten vier Streikende einen Arbeitswilligen. Drei der deshalb Angeklagten wurden zu je 8 Tagen und der letzte zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.
Hamburg, 12. Marz. Die Strafkammer 4 des hiesigen Landgerichts verhandelte heule im Wiederaufnahmeverfahren des Prozesses gegen den verantwortlichen Redakteur des sozialdemokr. „Hamb. Echo" Wadersky, der von dieser Strafkammer wegen verleumderischer und einfacher Beleidigung der Hamburger Polizeibehörde zu einer G e f ä n g n i S ft r a f e von 5 Monaten und 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Der Staatsanwalt beantragte, unter Aufhebung des ersten Urteils den Angeklagten wegen des Delikts Fahrlässigkeit zu einer Geldstrafe von 200 Mark zu verurteilen und die Strafe durch die bereits verbüßten 42 Tage Gefängnis für verbüßt zu erklären. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten dem Antrag des Staatsanwalts gemäß.
Posen, 12. März. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich gestern der jetzt 22 jährige Handl ungsgehülfeWardonski unter der Anklage des versuchten Al o r d e s zu verantworten Er hatte mit einem 13jährigen Mädchen ein Liebesverhältnis unterhalten und faßte, wie er behauptet, in Gemeinschaft mit seiner Geliebten den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Tas Gericht erkannte gegen Wardonski auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von drei SDlonaten Untersuchungshaft.
Briefkasten der Re-aktion.
(Anonyme Einsendungen bleiben unberücksichtigt.)
P- H- Die Witwengelder>Berechnung für die Hinterbliebenen von Staatsbeamten ist in dem Gesetz vom 30. 7. 86 bezw. vom 2. 8. 99 wie folgt geregelt: Das Witwengeld beträgt 80 % dec Pension, zu der der Verstorbene berechtigt gewesen wäre, wenn et am Todestag in den Ruhestand versetzt wäre. Das Witwengeld soll jedoch nicht unter 216 Alk., bei Besoldungen bis einschließlich 2500 Alk. mindestens ein Fünftel der Besoldung und bei höheren Besoldungen mindestens 500 Alk. betragen. — Wenn Sie die bezl. Bestnnmuiigen einsehen wollen, bitten wir um Ihren Besuch.
W. Nach Ortsgebrauch um 12 Uhr mittags des nächsten Werktags, also Tieiistag, 2. April.
Telefonische des Giessener Anzeigers, mitge und Jndusti
Frankfurter Börne 3^e/o Reichsanleihe . . 95.75 3% do. . . 84.75 3^°/0 Konsols .... 95.70 3% do. . « . . 84.70 3%°l0 Hessen .... 95.20 -z4°/o Oberhessen . . . 94 UO 4% Uesterr. Goldrente. . 98.80 4‘/5 % Uesterr. Silberrente 99.3u 4^0 Ungar. Goldrente . . 94.55 4% Italien. Rente . . . 103.40 3% Portugiesen Serie I . 68.20 3% Portugiesen „ III 69 00 4)j0/ö russ.Staatsanl. 190a 90.25 4j$"ojapau. Staatsanleihe 91.00
Conv. Türken von luuo 94.75 Türkenlose ... . . 141.80
1 % Gneeh. Monopol-Anl. 50 50 \% äussere Argentinier . 84ch0 d°/0 flleuaauer . . 66.25 4»*7O Chinesen .... 97xKJ
Aktien:
Bochum Guss..... 223.25
Buaerus E. W .... —.—
Tendenz: flau.
Berliner Börse, 14
Canada E. B......174.50
Darmstadter Bank . . . 132.2t Deutsche Bank .... 2ii4.K Dortmunuer-Lnion 0. . . 74.ou Dresdner Bank . . . 149.7t
lenden/.: flau.
Kursberichte
teilt von der Bank für Handel is, Giessen.
. 14. März, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 131.00 Elektriz. Schachert . . . 112.00 Eschweiler Bergwerk . . 226.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 198.20 Hamburg-Amenk. PaketL 139.80 Harpener Bergwerk. . . 207.00 Laurahütte...... 224.00
Äordd. Llojd ..... 120.00 Obeischles. Eisen-Industrie 110.50 Berliner ilandelsges . . 163.50 Darmstädter Bank . . . 132.90 Deutsche Bank . . . 235.30
Deutsch-Asiat Bank . . 167.60 Diskouto-Kommandit . . 178.80 Dresdner Bank . . . 150.50 Kreditaktien.....212.40
Baltimore- und Ohio-
Bisenlahn . . . 101.60
Gotthard bahn . . . . —
Lombard. Eisenbahn . . 26 80 Uesterr. Staatsoumi . . . 142.80 rruiee-Henn-Eiseubaha . 135.00
März. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 2^7.00 ..aurauütte .... 323.60 umbarden E. B. ... 26.50
-\urdd. Lloyd.....118.50
i uraeuluse . ... 142.50
Foulard - Seide p,.
Zollfrei! — Muster au Jedermann! —
D'/.° Seidentabnki. Henneberg, Zürich.


