Ausgabe 
17.4.1907 Zweites Blatt
 
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Mittwoch 17. April 1907

157. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 89

Srschewl lSglich mit Ausnahme deS Sonntags.

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Der Reichskanzler ließ dem Reichstag den Bericht der Kölonialabteilung zugehen, in dem die Ergebnisse der Untersuchung der in der Oesfentlichkeit erörterten Fälle in der Kolonialverwaltung durch die mit derselben betrauten drei preußischen richterlichen Beamten niedergelegt sind, und hat weiter der Kolonialabteilung die von dieser er-

RotattonSdruck and Verlag der VrühlNchen Universität- - Blich- und kiemdruckeret.

R. Lange. ®tei$eru

Dief leftener LamiltenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS Krtlsblott für den Krti« Siehe«" zweimal VSchentluh. Derhesstsche Landwirt" erscheint monatlrch einmal.

Ter Pariser »Temps* veröffentlicht einen Berliner Bttei Saint Sasns, in welchem der berühmte Rompmuft zunächst

.kauft

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expeditton und Verlag ; 6L Redaktion:l 12. Tell-Tldr- AnzeigerGlehen.

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DieNordd. Allg- Ztg. ..Der Reichskanzler lreß

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Im KLuüou uvrr Die No.vsee.

Nachdruck verboten.

Derrn Dr. Kurt Wegener, dem Frankfurter Aeronauten, und dem Direktor der neuen Auwmobugcscllschaft Derrn K o ch - Franksurt, eines Sohnes des Gießener Kommerzienrats und Lan- delskammerpräsidentcn, ist, wie sie bereits wiederholt mttgeteüt haben, mit dem BallonZiemer" die Ueberqueruug der Nordsee und damit die erste deutsche Ballon-En g- l a n d s a h r t geglückt.Es waren wundervolle 19 Stunden, die wer im Ballon verbracht haben!" mit diesen Worten empfing mich Dr. Wegener, mit dem ich am 8. März den dritten Aufstieg des BallonZiegler", der uns bis 2600 Meter Löhe hinauf­getragen, mitgemacht hatte.Was uns damals nicht glücken wollte," so fuhr Dr. Wegener fort, ^diesmal hat uns ein frischer Südost von unserem Aufstiegsort Bitterfeld quer über Deutsch­land gebracht, hat uns die Triften Lollands gezeigt und dann über die Nordsee getragen, bis wir im wunderbaren Gartenland bei L e i c e st e r wieder Boden unter unsere Füße bekamen. Ein­fachschlemmerhaft!" c

Inzwischen bat der Aeronaut Karten und Plane auf dem Tische seines Arbeitszimmers ausgebreitet. Und nun erzählte mir Dr. Wegener seine Deutsch-Englandfahrt. Also:

Donnerstag abend um 8 Uhr 10 Minuten waren wir von B i t t er f e l d aufgestiegen. Wir hatten eine lange Fahrt geplant und darum den Ballon zum ersten Male mit Wasterstoffgas füllen lassen, weil da im Verhältnis zum Leuchtgas der Austrieb fast IV,mal stärker ist. Die erste Ueberraschung bereitete uns schon die nur sechsstündige Füllung. Auf zwölf Stunden hatten wir uns gefaßt gemacht. Wir hatten einen ganz leichten Korb, den uns Professor Dcrgesell-Straßburg, der Präsident der internatw- nalen Kommission für wissenschaftliche Luflschisfahrten, geliehen hatte. Nur zwei Personen haben mit Müh und Not in dem Korbe Platz. Mit zweiunddreißig Sack Ballast begann die Fahrt. Unter uns die sich zur Ruhe begebende Erde. Der Auftrieb wax ungemein stark, sodaß wir auf dem ersten Teil der Fahrt viel Ballast verpulvern mußten. Außer dem nötigen Proviant hatten wir eine Bombe Sauerstoff mitgenommen, weil wir bei Wmdstille unbedingt eine Löhensahrt riskiert hätten. So glitten wir dahin in stiller Nacht, dem Winde uns anvertrauend unh_ unserem Ballon. Don unten heraus grüßten und Lichter aus Städten und Dörfern. Dann kam der Lar z. Wie magische Zaubergestalten nickten uns die Bergeskuppen zu: bald fielen wir, bald schob uns die elfte Inversion in die Löhe. Es mag Mitternacht ge> wesen sein, die Berge waren hinter uns, dunkle Nacht umgab uns: wir hatten die Orientierung verloren. Dem Wind be­sohlen war unsere Losung.

Bei Alfeld wußten wir erst wieder, wo wir waren. Unsere Apparate zeigten an, daß wir mit 52-Kilometer-Geschwindigkett dahinsegelten. Dämeln flog -an uns, oder besser, wir über ihm vorüber. Die Stunden der Nacht vergingen mit Minutengeschwin­digkeit, wir störten die feierliche Stille nicht, nur unsere Appa- rate und Messer tickten ihren monotonen Gang.

Schneller wurde plötzlich unser Flug, im Osten schimmerte das erste Morgenrot. Ein Blla auf die Erde zeigte uns ein herrliches Bild. Da zogen sich die Kanäle Lollands wie Silberstreifen durch die in frischem, jungem Grün prangenden Auen und Wiesen. Wir ließen uns etwas fallen, um die .Herrlichkeit des Geländes ganz zu genießen. Dicht über der Erde, nur in einer Löhe von etwa 250 Meter, überflogen wir Lolland. Unter uns erwachten Dtenschen und Natur. Lolländer riefen uns Grüße zu, schmucke Holländerinnen wünschten uns glückliche Fahrt. Ich i°S auf

FrrußisHcs Avg.ocouerenyaus.

Berlin, 16. April.

Die Beratung des KultuSetats wird fortgesetzt bei der angemeinen Besprechung über die höheren Lehran- t a l t e n.

ALg. Dr. v. Dötting er (Nl.) wünscht Erweite­rung des naturwissenschaftlichen Unterrichts.

Geheimrat Köpke erwidert, eine besondere Kommission würde das Ergebnis demnächst veröffentlichen.

Abg. Dr. Tittrich (Ztr.) erklärt, es fei eine Tatsache allerbetrübenster Art, daß auf den höheren Lehranstalten >ie materialistische Richtung vorwiegt. Um diesen Lehren entgegenzütreten, wäre ein biologischer Un­terricht in den höheren Klassen wohl angebracht. Die Weltanschauung des Lehrers müsse aber eine gesunde sein. (Bravo!)

Abg. Dr. Krüger (kons.) erklärt, daß es keine Frage sein kann, daß die Naturwissenschaft auf den höheren Lehr- anslalten eine andere Stelle einnehmen muß, als bisher. Materialistische Lehren müßten ausgeschlossen sein. Die naturwissenschaftliche Lehre an sich schärfe die Beobachtungs­gabe und wäre auch deshalb für jeden Schüler von höchster

Bedeutung.

Abg. Dr. Berndt (Nl.) wünscht eine b t bildun g der Lehrer und tritt für eine , der Schuldiener ein. Redner hält die Kenntnis der Steno­graphie für die Schüler für außerordentlich wertvoll.

Abg. S t r o s s e r (tons.) spricht seine Genugtuung- dar­über aus, daß das Frauen st udium auch bei der Reform des Mädchen,chulwcfens nur als Ausnahme angesehen wer­den soll. Die Reformschulen würden immer im rosig­sten Lichte hinge stellt. Die Vorteile wären aber gar nicht so groß. Er erklärt, dem Anträge Arendt nicht zustimmen zu können. Redner verlangt weiter Gleichlegung- der Ferien.

Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff hält eine Gleichlegung der Ferien nicht für möglich.

Abg. Metzger (Nl.): Den einzelnen Schulformen müsse Luft und Licht gegeben werden; keine Schulform dürfe von der Regierung bevorzugt werden.

Abg. Pallas ke (kons.) wendet sick gegen die Ein­führung eines besonderen LehrfachesBürgerkunde".

Geheimrat Köpke bemerkt, daß die Berfassungsverhält- nisse des Volkes schon nach den jetzigen Lehrplänen in der Geschichte durchgesprochen werden, und ein besonderes Lehr-

meine Apparate, Derr koch zaistte unferen Ballast. Wir schauten uns stumm an. In unseren Blicken lag die Frage: Sollen wir eS wagen? Vor uns schimmerte die Küste, brauste das Meer an das felsige Gestein, am Simmel war die Sonne aufgegangen und zog fürbaß ihre Bahn. Da drüben lag unser Reiseziel: England. Sollen wir es wagen? Noch hatte vor uns kein Luftschiffer die Nordsee überquert.

Wir entschlossen uns kurzer Hand. 5 Uhr 25 Minuten mor­gens zeigten uiqere Uhren. Wohlan. . . . Die Küste dcs Zuider Sees lag unter unS, rechts von uns brannte noch em Leucht­feuer, wir warfen Ballast, die Fahrt über daS wogende, brandende Meer begann. Die Sonne brannte auf unsere gelbe Ballon­kugel und mit rasender Geschwindigkeit zog uns die Sonnen­wärme höher und höher. Die Temperatur sank bis aus sechs Grad Kälte. 2000 Dieter über Meer kündeten unsere In­strumente. Was wird nun auS uns? Eine dichte Wolken- schicht wogte unter uns, es brandete in den Wolkengebilden mit wunderbarer Gewalt. Das Meer war unseren Blicken entzogen. Und doch wußten wir unter uns die ewig bewegte Flut. Immer weiter und wetter trug uns der Wind, kein Stillstand hier oben, seine Bahn ging derZiegler" fort und fort. Es wurde 9 Uhr, es wurde 10 und 11 Uhr vormittags. Immer kämpfende, brodelnde Wolken unter uns. Da horchten wir plötzlich auf. Ein Donnern drang an unser Ohr. Ein Brausen und Zischen. Schaurig-schön. . . Und immer lauter wurde das Tosen --Glück auf, das war die Küste, das war die Meeresbran­dung, die so tobte. Als in unserer Heimat die Glocken die Mittagsstunde einläuteten, da hatten wir wieder Land unter uns, da sahen wir, diaß wir an der Küste von Norfolk dahmglttten, die Heb erquerung der Nordsee war uns geglückt. . ."

flun machte der Aeronaut, der sich rühmen kann, die längste Dauerfahrt 52 Stunden im Ballon gemacht und damit einen Weltrekkord geschaffen zu haben, einen tiefen Atem­zug, als denke er noch zurück an die glücklich verlaufene, aber gefährliche Fahrt. _ _

England!" wiederholte Dr. Wegener.Noch niemals war ich m diesem Lande, nun sahen wir seinen schönsten Teil. Die Kraft der Sonnenstrahlen zerriß die Nebelschleier, und ein Landschaftsbild voller Pracht zeigte sich unsren Blicken. Hügel­ketten zogen sich unter uns hin, Wiesengelände breitete sich aus Ja, über einen Garten flogen wir, so dünkte und der letzte Teil unserer Fahrt. Wtt beschlossen zu landen. Bei Lei­cester riß ich die Neißbahn auf, wir wurden etwa 150 Meter geschleift, hatten Löcher in unseren Anzügen, aber sonst waren wir gesund. . . Der gastlichen Aufnahme in Englwid ent­zogen wir uns, denn wir sahen recht mitgenommen aus, fuhren nach London und von da nach Hause. Lier bin ich nun und arbeite das wissenschaftliche Ergebnis unserer Fahrt aus!

Wichtig ist zunächst, daß zum erstenmal der Aufitieg über See geglückt ist Besonders bemerkenswert war dec überaus rege Luftaustausch auf der südlichen Larzseite. Im allgemeinen war die Fahrt wenig aufregend, wir haben etiva bOJ Kilometer in dieser Zett zurückge.egt. Die Temperaturschwankungen, die Feuchtigkeit der Luftt'chichten in den verschiedenen Doyen :c., das haben sorglich die Apparate aufgezeichnet. Jmmerhm: ^iir tausend Mark, die die Fahrt insgesamt gekostet hat, ist viel er­reicht worden!" 3- 3-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen

betene Ermächtigung erteilt, der Budgetkommission des Reichstages an der Hand der Aufzeichnungen der Unter­suchungskommission über die Untersuchungsergebnisse die weitestgehende Auskunft zu erteilen. Es sind im ganzen 27 Fälle, welche die Oeffentlichteit beschäftigt hatten, neben einer Anzahl sonstiger Fälle untersucht worden. Don den 27 Fällen beziehen sich 20 auf Beamte oder ehemalige Be­amte der Schutzgebiete und Schutztruppenoffiziere. In fünf oon diesen Fällen fand ein gerichtliches Verfahren statt. In vier derselben ist Diszipllnarbestrafung erfolgt; in einem ferneren Falle wurden die Ermittelungen wegen des T o d e s der Beschuldigten eingestellt. In drei Fällen (einer derselben ist in den gerichtlich abgeurteilten Fällen bereits mitenlhalten) schwebt noch das Disziplinarverfahren. In drei weiteren Fällen ist das Ermittelungsverfahren noch nidjt abaeschlofien. In den verbleibenden acht Fällen hät sich kein Anlaß zu einem straftechtlichen oder diszipli­nären Vorgehen gegen die Beschuldigten ergeben. Die unter­suchten Beschuldigungen erstrecken sich auf über 17 Jahre. Während dieser Zeit sind in den Schutzgebieten mehr als 2000 Beamte tätig gewesen. Nach dem oben angeführten Ergebnis der Untersuchungen erscheint der Prozentsatz der nachgewiesenen strafbaren Vergehen, auch wenn man die wenigen in den angeführten Zahlen nicht mtt- enthaltenen Fälle hinzurechnet, in welchen sich sonst ein Anlaß zum Vorgehen ergeben hat, als nicht erheblich, besonders unter billiger Berücksichtigung des die Nerven ungünstig beeinflussenden Klimas, der sonstigen schwierigen Verhältnisse in den Schutzgebieten, die in früheren Jahren häufigen Kriege und Expeditionen, die Unbekanntheit mit dem Wesen sder Eingeborenen, sowie dem Mangel an Fa­milienleben und geselligem Verkehr. Die übrigen Fälle betreffen Beschuldigungen gegen Beamte der Kolonial-Zen- tralverwaltung. Nach dem Ergebnis der bisherigen Unter­suchung durch die Kommission hat sich, abgesehen von dem bekannren F-alle des Majors Fischer, kein Anlaß zu straf­rechtlichem oder disziplinärem Vorgehen gegen Beamte der Kolonialabteilung oder Offiziere des Oberkommandos der Schutztruppen ergeben. ___________________

fach nicht beabsichtigt sei.

Abg. Cassel (srs. Vp.) meint, auf dem Gebiet der Schulentwicklung müsse Ruhe herrschen. Durch den Antrag des Dr. Arendt aus Begünstigung der Reformschulen sei aber der Frieden gestört worden. Jetzt wolle man sogar das Griecyische im Gymnasium wahlfrei machen. Ta solle man doch auch in der Oberrealschule die Mathematik wahlfrei machen.

Kultusminister Dr. v. Studt sagt dem Abg. Cassel Dank für seine Verteidigung des humanistischen Gym­nasiums.

Der Antrag Arendt wird bis zur weiteren Lesung -u-- rückgestellt.

berichtet, daß die vom Fürsten oon Monaco m Berlin cer- anftalteten Opern Vorstellungen über alles Erwarten glück­lich gelungen feien, und sodann u. a. hervorhebt, daß Kaiser Wilhelm die Künstler mit jener Freudigkeit und Herz­lichkeit beglückwünscht habe, welche alle diejenigen Personen, die die Auszeichnung genossen haben, sich ihm zu nähern, kennen. Ter Kaiser habe über alle Fragen der Kunst mit vollstem Sach­verständnis und mit feiten er Feinh eit gesprochen und dabei bie ernstesten Tmge scheinbar leichthin mit jener bestricken­den fröhlichen Laune behandelt, welche seinen Gesprächen einen so großen Reiz verleihen. In Kaiser Wilhelm, schreibt Samt Saöns, sind zwei Dien sch en, der Krieger mit harten Zügen und der Künstler mit lächelndem Antlitz. Meinen Kunilgenossen und mir ist es vergönnt gewesen, bloß dieses Gesicht betrachten zu dürfen, sowohl im Theater, wie bei den intimen Empiängen, die in uns unauslöschliche Erinnerungen zurücklaflen werden.

Zum 7 5. Geburtstage Wilhelm Buschs. Eine Tischrunde nationalliberaler Abgeordneter hat Wilhelm Busch zu seinem. Geburtstage folgenden Glückwunsch von Berlin aus telegraphisch übermittelt:

Muhe, Sorge, Not und Plage Hat an jedem Sitzungstage Jeder treue Volksvertreter, Will er meiden das Gezeter Seiner Wähler, die im Lande Hatten es für eine Schande, Tritt er nicht genug hervor: Tadelnd zupft man ihn am Ohr. Darum muß im allgemeinen Uns das Leben traurig scheinen, Die zu diesem schweren Amt Diele Monat' sind verdammt, Und fern Tröster wär' uns nah, Wärst Tu, Wilhelm Busch, nicht da, Dessen gute, weise Lehren Stets in uns'rem Kreis zu hören: Wenn man die Geduld verliert, Schnell wird Wilhelm Busch zttiert, Schwillt vor Zorn die Ader an, Flugs mutz Wilhelm Busch heran, Steigert sich des Aergers Wut, Wie tut BuschenS Wort uns gut! So am Morgen und Mittage Scheuchen mir die Sorg' und Plage Und nicht minder abends fort, Wilhelm Busch, mit Deinem Wort, Dankbar drum in unfern Herzen Zünden wir Geburtstagskerzen Für Dich, allvereoTtcn Al atm, Heut' zu Deiner Feier an.

Und beim Trunk am heut'gen Abend, Ter uns emgeht mild und labend, Tönt es ui der Männer Runde, Denen du so manche Stunde Reichen Glückes haft beschert: ,Heut' wird Wilhelm Busch geehrt; Nehmt den Humpen, trinft ihn aus: Schutz' Dich Gott, Tu alles tpauS!'

Militärzahnärzte. Abg. Liebermann von Sonnenberg (Wirtsch. Vgg.) hat eine Resolution eingebracht, >urch die die verbündeten Regierungen ersucht werden, baldmöglichst im Etat Stellen für Militärzahnärzte an­zufordern und ferner die Einrichtung zu treffen, daß die Studierenden derZahnheilkunde in gletcherWeise rote dieStu- dierenden der Medizin, der Arznettvissenschaft und der Tier­heilkunde, ihre einjährige Dienstzeit im ersten halben Jahr mit der Waffe, im -wetten halben Jahr als einjährig- freiwillige Unterärzte ableisten können.

politische Lngerscharr.

Deutsche Kolonial-Lergeheu.

parlamentarisches.

Berlin, 16. April. Tie Budgetkommission des Reichstages nahm in ihrer heutigen Sitzung ohne De­batte einen Antrag Singer an, nach welchem von der Reichs- rcgieruna in dem Ergänzungsetat für 1907 Mittel anzu­fordern sind zur Besserstellung der technischen Hilfsarbeiter bei einigen Reichsämtern, sowie zur Gleichstellung der seit ober nach 1897 angestellten erpeoierenden Sekretäre und 5kalkulatore mehrerer Steichsbeyörden mit den vor diesem Zeitpunkt angeftellten Amtsgenossen. Bei der nun fol­genden Beratung des Kolonialetats wird das Gehalt für einen Staatssekretär mit 44 000 Mk. bewilligt. Bei Titel 2 (Gehalt für einen llnterstaatssekretär 26000 Mk.) befürworten die Referenten die mehr kaufmännische Gestaltung der Kolonialverwaltung. Kolonial­direktor Dernburg sagt das zu, weift aber darauf hin, daß die Verwaltung auch Aufgaben juristtscher, santtärer und technischer Natur habe. Tie Verwaltung müsse aus der Wilhelmstraße mehr in die Kolonien verlegt werden. Ferner erklärte er bezüglich der Einberufung der Land- komMission, daß dtese erst durch Neuwahl von Ab­geordneten aus dem neugewählten Reichstag ergänzt wer­den müsse. Bezüglich der Reform des Rechnungswesens in den Kolonien wirb als Borbedmgung regierungsseitig die finanzielleSelbständigkeit der einzelnen Kolonien bezeichnet. Dr- Arendt und Frhr. v. Richt- Hofen wünschen die P aarung von kaufmännischem und bureaukatischem Geist in der Verwaltung der Kolonien. Bebel empfiehlt daS Srudium der Kolonial- polttik Englands und Hollands und erklärt sich gegen die oon Arendt befürwortete Pauschalbewilligung für die Kolo­nien. Das führe zur Korruption. In der weiteren Debatte, in der sich mehrere Mttglieoer über den häufigen Beamten- kvechsel in den Kolonien äußern, gibt Kotonialdirektor Dernburg zu, daß jich verwerflicher Kastengeist in den Kolonien geltend gemacht habe. Dr- Wiemer und Erz­berger wünsuzen eine schnellere Rechnungslegung; letz­terer verlangt größere Selbitändig-keit für den Gouverneur. Das Gehalt des Unter staats sekretärs und die Besoldungen oeüerer Beamten werden bewilligt.

Der Seniorenkonoent des Reichstages trat heute zusammen und nahm m Aussicht, die Verhandlungen nach dem vorliegenden Plan wetterzuführen: für die Etats deS Reichstags, Reichskanzler, Auswärtiges Amt, Kolonial- abteilung und Schutzgebiete zusammen sieben Tage, für das RelchLamt deS Innern noch zwei Tage (16. und 17. April), Militär- und Reichsmilitärgericht drei Tage, Manne ein Tag, Justizverwaltung zwei Tage, ReichSschatzamt, Reichs-Eisen­bahnamt, ReichSschuld, Rechnungshof, allgemeiner PcnsionS- sondS, ReichSinvalidenfondS zusammen ein Tag, Post^und Reichsdruckerei zufammen zwei Tage, Reichseisenbahnen, Zölle, Stempelabgaben, Expedition nach Oltasien, Expedition nach Südwestafrika, allgemeine Finanzierung zwei Tage. .Die> würde 20 Tage ergeben, so daß der Schluß der Session am 3. Mai erfolgen könnte. Es ist zu bemerken, daß es sich hierbei nur um einen Vorschlag handelt.

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