Ausgabe 
15.10.1907 Zweites Blatt
 
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rr. 242 Zweites

tSgNch mit Ausnahme bc3 SomMgS.

©teSttetzener LamUienblälter" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lretrbkstt für den Krtl$ Elchen" zweimal wöchentlich. DerkZeffische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

157. Jahramra

Blatt

General-Anzeiger für Gberhefien

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: b-Obl. Redaktion:e^^lI2. Tel.-Adr^AnzeigerGiehen.

Dienstag 15. Oktober 1^)7

Rotationsdruck und Verlag der Dr Ührchen UniversitätS - Buch- und Sietndruckeret.

R. Lange, Gießen.

ig (16. Dez.) kommtFidelio" heraus. :ft Max MöllersSchön Edelrot" er-

nien, zu sehen war, wird bei den Korpsbekleidungsämtern mit Hochdruck gearbeitet. Nach Weisungen, die über die Durchführung der Neuausrüstung der Armee ergangen (mb, sollen zunächst die Jnfanterietruppenteile, die Pioniere und, in feldgrüner Farbe, die Jäger und Schützen je eine Gar­nitur der neuen Felduniform erhalten. Später werden auch die Kavallerie und die Artillerie damit versehen werden. Der neue Waffenrock erhält eine Taillenschnur uni> einen Umlegekragen, der aufgektappt die Ohren schützt. Der Kragen, die zum Abknöpsen eingerichteten Achsel­klappen und die Ausschläge zeigen die Farbe des Grund­tuches mit bunten Einfassungen. Die Litzen der Garde und einzelner Linienregimenter sind beibehalten worden. Die acht Brustknöpfe, die Knöpfe der Aufschläge und die Trage­knöpfe an der Taille sind aus mattem (brüniertem) Metall gefertigt. Der Rock hat auch vorn je zwei Rocktaschen zur Aufnahme von Reservemunition. Statt der bisheriges schwarzen Halsbinde wird ein graues Halstuch eingeführt, wie es die Franzosen in blauer Farbe schon haben.

-d) hierzu nicht. . .

Ein Reichsvereinsgesetz werden toir im Reichstage zu esprca-en haben und ich kann hierzu sagen, daß es, soweit ich cr- ihren habe, e i n r c ch t l i b e r a l e s toird. A u ch d e n F r a u e n hti) cs volle Gleichberechtigung bringen. Wir werden es der ! erung aber nicht verargen können, wenn sie sich gegenuoer cn polnischen Vereinen gewisse Rechte Vorbehalt, _A/te ^e- irebnng^n der Polen sind mit den Jahren in ein solch radikal ci chafeindliches Fahrwasser geraten, daß toir ^^..?^rung, oic gesagt, nicht verdenken, wenn sie nach dieser Rrchttrng hrn ich Vorsicht. Auch eine Reform des B ö r s e n g e f e tz e s wird -orgcnominen werden müssen, denn sie ist notwendig geworden. -Er werden die Bestimmungen über, den Getreidetermmhandel iid;t beseitigen, aber das Bestreben verfolgen, Treue und Glauben j.cdct herzustellen, die auf Grund dieser Bestimmungen vielfach rerloren gegangen sind. _ _ ,,

In der Iustizreform muß ebenfalls Dampf aufgemacht verd eil. Hier müssen toir endlich aus dem Stande der Erwägungen j-erauskommen. In dem Gebiete des Strafrechts erheischen die Bestimmungen über die Verurteilung jugendlicher und rückfälliger Verbrecher eine Aenderung in liberalerem und sozialerem <2inne. ttür icerden ferner die Einführung einer Berufungsinstanz für Strafsachen nicht länger hinausfchieben können, ebenso wird bie reue Strafprozeßordnung die Heranziehung von schössen in Die Strafkammern vorsehen. Auf 'dem Gebiete der Sozial P o l 1111 TivarteL uns ebenfalls die Lösung großer Aufgaben. Hier cr- oüderl die Witwen- und Waisenversicherung, die bekanntlich m Jahre 1910 in Kraft treten muß, unleve Aufmerksamkeit. Es

hat.

Kein Wander alsir, daß sich die beiden Intendanten I ense n u Elaar dieses Jahr mächtig ansrrengen, um den Zuschuß nicht erhöhen zu müssen. Sämtliche drei Theatergewaltige Frankfurts teilten mir ihre Pläne mit.

Intendant Jensen plant in etwa 14 Tagen eine grofze Uraufführung:die rote Gred" von Mttner. Der No­vember bmngt eine Neueinstudierung von WebersEu- ryunlüe" und die Premiere von Puccinis 'MadameButterfly". An Beethovens Geburtstag /1 * * x

Als Weihnachtsmärchen is.c ----- ... ,

uwrben. Die Reihe der Novitäten soll Enrioo Bofiis einaktige OperDer Wanderer" abschließen. Große Wagnerzyklen werden

politische Tcrgeskebarr.

Haussuchung in der Kirche.

Ans Petersburg wird der Russischen Korrespondenz ge­schrieben:

Bon einer Haussuchung in einer Kirche gibt ein Bries Kenntnis, den die Tochter eines Geistlichen aus dem Gou­vernement Archangelsk an die Redaktion desRjetsch" sendet. Sie beschreibt darin die Verhaftung ihres Vaters, eines 62jährigen kranken und schwachen Greises, der noch jetzt, nach einem Zeitraum von drei Monaten, in Einzelhaft gehalten wird. Ihr Vater wurde in dem Moment, als er in Anwesenheit der Gemeindemitglieder den heiligen Akt der Taufe eines Kindes vornehmen wollte, von dem Polizeikommissar verhaftet. Erst nach der Verhaftung tarn auch der Staatsanwalt in das Dorf. Es erfolgte daraus eine Haussuchung, die nicht nur in der Wohnung des Geist­lichen, sondern auch in der Kirche vorgenommen wurde. Die Kirche wurde dabei von Kosaken mit aufgepslanztem Bajonett umringt. Bon Polizisten wurde mit einer Axt ein Schrank im heiligen Altar aufgebrochen, in dem wich­tige Kirchenpapiere aujbewahrt sind. Die Haussuchung er­gab keinerlei Anhaltspunkte für ein Delikt des alten Geist­lichen. Nichtsdestoweniger wurde er zuerst in das kalte Zimmer des Gemeindehauses eingesperrt und dann, nach­dem die Herrschaften erst einen Besuch abgestattet hatten, nach dem Orlower Gefängnis transportiert. Zur Charak­teristik dieses Geistlichen führt seine Tochter in ihrem Briefe an, daß ihr Vater feit 33 Jahren Geistlicher dieses Dorfes sei, die Bauern hängen mit außerordentlicher Liebe an ihm. Nun habe sich unlängst eine Filiale des Verbandes des russischen Volkes aus dem Abhub der Gesellschaft gebildet, durch diesen wurde gegen den 62jührigen kranken und schwachen Greis die Anllage erhoben, daß er vor den Gemeindemitgliedern eine revolutionäre Rede gehalten habe mit der Aufforderung, keine Rekruten für die Militür- aushebung zu liefern usw. usw. Obgleich alle Mitglieder der Partei die völlige Unschuld des Geistlichen vor Gericht bekundeten, wird er bis jetzt als gemeiner Verbrecher in Einzelhaft gehalten. Aber noch mehr, trotz eines Gerichts­beschlusses den Geistlichen gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen, muß er doch auf administrative Anordnung weiter in Haft bleiben. .

Heer und Flotte.

Reue Uniformen.

An der neuen feldgrauen Uniform, die im Kaiser- manövec vereinzelt, u. a. bei den beiden Radfahrkompag-

Ucöeutei ^ompromihpotttlk.

In einer Versammlung zu Dortmund, die von der ntung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Dort- und-Hörde veranstaltet war, sprach am Sonntag der ^ichstagsabgeordnete Bassermann überReichs- olitik und Aufgaben der nationalliberalen arteü'. Der Andrang zu der Versammlung war un- -wöhnlich stark: es mochten insgesamt an die 3000 ersonen erschienen sein. Nach einer Schilderung der durch c Neuwahlen geschaffenen Situation, die sich in manchen tücken mit seiner Programmrede in Wiesbaden deckte, kam ir Abg. Wassermann auf die Blockpolitik zu fprechen. n der Beziehung führte er, wie man uns aus Dortmund hreibt, u. a. aus:

Angesichts der beiden mächtigen Feinde ist es lehto Hkupt- hiiigung für den Fortbestand des Blocks, daß die sich in ihm remigenben Parteien vertragen. Blockpolitikbedeutet o m v r o m i ß p o l i t i k. Es ist daher im Augenblick auch nicht oglich, das ganze liberale Parteiprogramm durchzubringen, toclpolitik bedeutet aber keinesfalls Verzicht uf die liberalen Forderungen. Wir sind der Ueber- ugnng, daß anch unter der Blockpolitik es uns möglich sein ird, liberale Gesetze zustande zu bringen, und toir nässen auch, wir positive Arbeit leisten müssen, daß toir nach Schluß der ejfiou nicht mit leeren Händen vor unsere Wähler hintreten ^Wir werden große und wichtige Fragen auf dem Gebiete <x Heeresorganisation lösen müssen. Die großen Fort- rritte auf technischem Gebiete haben deren Nutzanwendung in der eererfrage notwendig gemacht. Tas Problem der Lenkbarkeit ?s Luftschiffes ist gelöst und damit tritt das Luftschiff in den ienst der Armee. Der russisck)-japanische Krieg hat eine ganze eilje neuer Lehren gebracht, die wir uns dienlich machen müssen, as Telephon- und Telcgraphenwesen spielt im Felde eine sehr cobe Rolle. Die große Bedeutung der Feldbefestigungen, auch ne Erfahrung des russisch-japanischen Krieges, steigert die Be- .mtung der Pionier-Truppen. Eine mehr feldmäßige Uni- o r in wird zur Notwendigkeit. Auf alle diefe technischen Einzel­nen müssen wir unser vollstes Augenmerk richten, weil sie eoen *i unserer Armeeausrüstung eine immer größere Atolle fpielen. azu kommen noch die F l o t t e n fragen. Viel veraltetes Aia- *rial befindet sich unter unseren Kriegsschissen. Die Lebensdauer iifcrcr Linienschiffe muß auf 20 Jahre herabgesetzt werden, ^er nierseedootfrage müssen toir erhöhte Bedeutung schenken, ^ uns nf diesem Gebiete V »iCxre Nationen zuvor gekommen sind, lag Ktt an den Schwierigkeiten, die der Regierung bei Durchführung rilltärischer Reformen im Reichstage bereitet worden sind.

Unsere Kolonien haben uns große Sorgen bereitet, und hwere Kämpfe haben sie uns gekostet. Die Fehler in der Lckonialpolitik lagen daran, daß man nicht rechtzeitig Eifenbahnen nute Tie Kämpfe in den Kolonien haben die Notwendigkeit . ncy militärischen Schutzes dargetan. Polizeitruppen eignen

Und Frankfurts Schauspielhaus ! München nal>m uns Die Heroine, Frl. Josef ine Rottmann. München hat von Frankfurt Fr. Rabitow erhalten^ München lugt noch heute nach mancher Vüyuenkraft der Kaiseritadt am Main.,

ßur AusfüiMng bezw. Uraufführung find folgende Novitäten erworben:Das wahre Gesicht", Drama von Max H a l b e,Anna Karenina", Drama nach Tolstois Roman von Guiraud, ,-Der Dummkopf", Lustspiel von Ludwig Fulda,John Glahdes Ehre , Schauschel von Alfred Sutro,Der SckMttmacher", Lustspiel .7- -'wan Viaximvwitsch Velitschko, ,,Der Meister von Palmyra SchausRel 'von Wilbrandt (anläßlich des vollendeten 70. Jahres ^es Dichters-,Mroderne Diplomaten", ^ck)auspiel von Kurt lieurode,Der letzte Funke", Lustspiel von Blumenthal und tadelbnrg,Die Liebe wacht" (L'amour vellle), Lustspiel von Ft«S und Enilluvet. ,Mrqnd", Schauspiel von Henrik Ibsen,

eins: Kvnrad Dreher wird im IZrühjahr in Frankfurts drittens Theater mut NealsDer Zechpreller" gastieren. Pro Aderig

Ueberblickt man zusammenfassend die Frankiifrter Theaters plane für 1907/08, so sieht man, daß Deutschlands lheoter-r ärmste Stadt in dieser Saison die theaterfleißigste werden toilq Josef M. Jurrnek.

*

Ernst v. Wilde nbruchsR a b e n st e i n e r i n* ami THSatre Sarah Bernhardt in Paris da? wird das Er­eignis unter den diesjährigen Premiören der Pariser Buhnen feui.i Sarah Bernhardt hat sich die französische Uebertragung des Werkes vorlesen lassen und umnittelbar nach der Vorlesung an Ernsn v. Wildenbruch ein begeistertes Telegramm geschickt.

K l e i n e E h r o n i k a u s K u n st u n d Miss e n s ch a s t.l Im Verein für evangelische Freiheit zu K ö l n sprach dieser uragel Geheimrat Professor D. G. Krüger aus Gießen über^Jesus und, die mittelalterliche Kirche". - In Darmstadt soll em deutsches Kammermusikfest stattfinden. Unter anderen sind bereits Richard Strauß, Max Reger und Gustav Mahler ge­wonnen worden. Tas Fest soll zwei Tage umfassen und das Pro­gramm soll zum Teil klassische, zum Teil moderne Werke enthalten». Der G r o ß h e rz o g hat daS Protektorat übernommen. Ain 28. Oktober findet in' München in der Galerie Helbing die V e r- st e i g e r u n g der Kollektion des Prilizen Otto S a y n - W i t t g e li­st e i n statt. Ten Hauptbestandteil der Sammlung bildet das Kunstgewerbe des 18. Jahrhunderts und hier dominiert die Por- zellanknnst. Unter den Manufakturen seien erwähnt Meißen, Nnmphenburq, Höchst, Fraickenthal, Ludwigsburg, Berlin, Wien,^ SevreZ, Vineennes, Wedgewood, Eapo di Mv'.ite u. s. w. Ab-' gesehen von bemerkensiverten Silberarbeiten, sehr hübschen Dosen,- entzückeiiden Fächern der Louis XV.- und Louis XVl.-Periode, geschmackvollen Möbeln, ist noch einer kleinen Zahl von Oel- gemälden alter Meister zu gedenken, wie Teiiiers d. I. und Belasquez« Tas nächste Heft der »Neuen Rundschau- (Berlin, S. Fischers Verlag) bringt eine größere Anzahl unveröffentlichter Briefe von Friedrich Nietzs che aus dem Jahre 1888, die an die Mutter, Schwester, Peter Gast, den Verleger Naumann uud verschiedene andere gerichtet sind. Tie Briefe offenbaren feinen Seelenzustand m den letzten Monaten feiner geistigen Frifche. In Brüssel ist der K r e d s f o r f ch e r Dr. R o q n e 11 c am Kehlkopfkreps gestorben, ben er sich durch A n st c ck u n g zugezogen hatte. Der Verstorbene hat vor anderthalb Jahren seinen Psitarbeiter Tr. Jacobs durch den Tod edelifalls iujolge Krebs­ansteckung verlore-u

Frankfurter Thcaterpläne.

Frankfurt a. M., ben 14. Oktober.

Frankfurt, die Vaterstadt dcs grüßten deutschen Dickstcrs, ist in Bezug auf ihre Größe und Beoeutung , Deuttchlands .Heater ärmste Stadt. Frankfurt hat stich jahrzehntelang mit einem einzigen Theater begnügt, hatte weitere Jahrzehnte ein Fpern- und ein Schauspielhaus und nennt seit September noch 'in drittes Theater sein eigen. Und Oper und Schauspiel inb silbern noch halb städtisch, sie haben den respektablen rähr- Fchen Zuschuß von rund 300 000 Mark nötig.

Waren eine Zelllang Oper und SchauFnel so gut wie kon­kurrenzlos, so ist ihnen seit Bestehen des Albert Schumann- Theaters, das Deutschlands prunkvollster Vavietötheaterbau ist, manche Einnahme weggeschimppt worden. Nun ist noch em drittes Th-ater hinzugekommen: bas Resibenztheater, dessen Leitmig der ölmsteebamer Direktor Max Gabriel t'chernommen

Tie Dame mit den Lilien", Lustspiel von Rudolf Presbcr, Die Wetterfahne", Lustspiel von Georges Berr,Paul Lange und Tora Parsberg", von Bjömson, zur Feier bes 75. Geburts­tages des Dichters,Die gelbe Gefahr", Luwipiel von Kurt Kraatz, Manövertage", Volksstück von Herm. Hausleitner,Ter fromme Habakuk", Schwank von Reimann und Schwartz,Doppel)elbst-- mord", von Anzengruber, ,,2'Erbschast", ländliche Kvmödie ton. Alfred Auerbach. _ . .

Nicht weniger als zehn Aufführungen, spricht diese Zahl nicht ton einem kühnen Unternehmungsgeist? Auch total» pattiotisch ist der Intendant Elaar, denn die letztgenannten fünf Schwankautoren lind Mitglieder des ^rani» furter Schaufpielhauses.

An Neueinstudierungen will Elaar bte Klassiker pflegen,,denn an Neueinstudierungen narben vorbereitet:Die Nibelungen st von Hebbel, sowie d,es DichtersMaria Magdalena", Shakespeares Sommernachtstraum" (in neuer, aus das Original zuruck- greifender Einrichtung und gänzlich neuer Inszenierung und Aus­stattung). In das Repertoire wieder ausgenommen werden ferner: Miß Sara Sampson",Minna von Larnhelm", Emilla Ga- totti" undNathan der Weise" (die vier Lesfingdamen m einer Woche),Wallenstein-Trilogie",Tartüsf" undMiianthrop , Nora", sowieOthello".

Mit Spannung sieht man dem Werdegang von Frankfurts drittem Theater entgegen. Max Gabriel, der m Amsterdam das .Nembrairdt-Theater nach mannigfackwn Trubniisen endlich glücklich in den sicheren, ertragreichen Port geleitet hat, hat ein Kunststück mit der Leitung des lyranliurtcr Re) idenztheaters unteniommeii, das von kühnster Tatenlust unt> gtofeent . . . Optimismus kündet. Das Frankfurter Re)rbenztheater' durfte ems der schicksalsreichsten deutschen Theater sein. Es diente sck>on jeder Theatergattung, > angefangen tom Barrrson-Itummel dis zum literarischen Probierstück. Nun kam Gabriel und griff gleich Mit fester Hand zu. Begann mit dem tollsten aller neuesten schwanke: H<cben Sie nichts zu verzollen?"Soll das Ihr Programm sein? fragte ich ben neuen dritten Theatermann Frankfurts, bewahre", erhielt ich zur Antwort.Was also wollen ene in Jl)rar ersten Frankfurter Saison geben?" Gabriel holte sein Regiebuch uud las vor: Meine zweite Komödie ift das Ver­brecherstückRaffles", donn folgen:Reiterattacke", von Sto- bitzer,John Glads Ehre", ein englisches Gefellschaftsstück, folgt 2er Heuckster" von Shmv, ,,2as Lebcnsw)t" ton Diößler,Staats- anwall Alexander" von Alfted Hiutor,Lgnd der Jugend", cm weibliches Studentenstück,Florette und Patapon", ftanzösiches Paprika, uni) schlieUichDer Jahrmarkt Lu Pulsest Noch

Ans Staöt und Land.

Gießen, 15. Ott. 1907,

** In Audienz empfangen wurden von S. K. H.f dem Großherzog am Samstag u. a. Geh. Hofrat Pro-' sessor Dr. Haupt uud Professor Dr. Sauer von hier.

** Ein früherer Kommandeur der hessi­schen Division gestorben. Am Samstag starb in Potsdam der Generaladjutant des Kaisers, General der Kavallerie Karl Adolf v. Bülow. Der ^Verstorbene hxrc in Berlin am 11. Januar 1837 geboren. 1854 trat er in die Armee ein und wurde nach Besuch der Kriegsakademie von 1864 bis 1865 zur Topographischen Abteilung deS Großen Generalstabs kommandiert. Am Feldzug von 1866 nahm er int Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl teil. 1869 bis 1870 bekleidete er den Posten eines Militär-- attachees in Paris, machte donn den Krieg gegen Frankreich, im Generalstab des Großen Hauptquartiers und bei dem Oberkommando der 2. Arnree mit und erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse. 1874 wurde er Flügeladjutant des Kaisers^ 1882 Kommandeur des 3. Garde-Ulanenregiments, 1887 Ge­neralmajor und 1894 Generalleutnant; gleichzeitig erhrelt, er das Kommando der hessischen Dwision in Darmstadt.^ 1895 erfolgte seine Beförderung zum General der Kavallerie und Kommandierenden General des 8. Armeekorps. 1902" wurde er ä la suite des 3. Garde-Utanenregiments und zur Disposition gestellt. An seinem Sterbebette verschied vor wenigen Tagen seine betagte Gemahlin Mathilde, geborene v. Balan. Adolf v. Bülow war Ritter des schwarzen Adler­ordens und des eisernen Kreuzes 1. Klasse.

** Ordensangelegenheit. S. K. H. der Groß- her^og haben dem Verlagsbuchhändler Dr. Karl Kirch­heim zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum. Tragen des ihm von dem Lateinischen Patriarchen in Jerusalem namens des Papstes verliehenen RitterkreuzeA des Ordens vom heiligen Grab erteilt. t

** Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-' Fürstenau auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stockheim (Kr. Erbach) präsentierte Schulamtsaspirant Saf. O h l aus Klein-Umstadt.

** Ernannt wurde Gg. Heil in Friedberg §nnf Schreibgehilsen bei dem Amtsgericht Friedberg.

** Zu den bevorstehenden Stadtverord^ netenwahlen empfingen wir zahlreiche Zuschriften, dis, sich mit der Kvndidatenbenennung usw. beschäftigen. Da^ wir grundjätzlich derartigen persönlichen Erörterungen inß redaktionellen Teil keinen Raum gewähren können, mußte) die Aufnahme der Zuschriften unterbleiben. Sehr gefallen^

MU! ÜMJllIWLU I H II

liegt die Absicht vor, die drei großen Versicherungsgesetze, das Unfall-, Kranton-, Alters- und Jnvalidenversicherungsgesetz, zu einem ganzen zusammenzufassen. Bestimmungen über die Heim­arbeit müssen getroffen werden. An gekündigt ist auch das Ge- etz ilber Arbeilskammern. Der Gesetzentwurf über die Rechts- ähigkeit der Berufsvereine wird hinter dem neuen Vereins­gesetz zurücktreten müssen. Wir stehen auf dem Standpunkt, baß bcm einzelnen die Koalllionsfteiheit nicht geschmälert werben darf. Gerade der Arbeiter legt hierauf großeii Wert, und cs wäre durchaus verkehrt, ichi daran hindern zu wollen.

Die Bestrebungen des Mittelstandes eifalyrcn durch un­sere Partei wärmste Uiiterstützirng. Hier ist es vor allen Dingen der kleine Befähigungsnack-weis, das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb und die Sicherung der Forderungen der Bauhandiverker, die unser Interesse in Anspruch nehmen. Den Bestrebungen der Privatbeamten lassen wir unsere warmstt Förderung an- gebetljen. Eine Gehaltsaufbesserung der staatlichen Beam­ten sindet unsere Spmpatien. Diese Aufbesserung i)t notwendig geworben infolge der allgemeinen Verteuerung der Lebensniittcl.

In allen biefen Fragen bas ist unsere Ueberzeugung Serben bie im Block vereinigten Parteien sich verliehen und einigen zum Wohle einer geocihllchen, den modernen Verhält­nissen entsprechenden Politik unb zum Wohle unseres lieben deutschen Vaterlandes".