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2.10.1907 Erstes Blatt
 
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Mittwoch Z, Oktober 1907

Erstes Blatt

die Begründung des

Urteils heben wir sol- Angeklagten der Schutz hat davon auszugehen,

157. Jahrgang

vertraut machen wolle. Welche Tendenz Herr Dr. Holte uuJ-cu 'uauuuopq uatjaj nL uvm qauu z;ßjoJag (pijpiat es sich um die Frage der weltlichen Schulaufsicht handelt, die auch in der nächsten Session Gegenstand ernster Dis­kussionen sein dürfte.

zu können, ist es aber notwendig, Urteils kennen zu lernen.

Aus der langen Begründung des

Rr. 231

Br|d)ei«i täglich außer Sormtaq».

Vrnr Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit >en> befsifchen Landwirl )ie Sietzener Familien- ijatter viermal in der Uocye beitUleql und .weinml wöchentlichdas {etisbiatt für den Kreis Kietzen. Fernsvrech-An- ctjiuül. d. Redaktion 112 3erlag u. Expedition 51 Ubrefie für Depeschenr «nzetg-!'- Gießen.

Iie Volksschule.

Die jüngsten Veränderungen im Kultusministerium crben sich nur auf dos Gebiet der Universitäten und höheren ohranstalten erstreikt, während das nicht minder wichtige jebiet der Volksschule keine Personalveränderung auf- utveisen hat; verschiedentlich hatte man dies doch er- )artet, nunmehr aber hat der Kultusminister Dr. Holle usdrücklich erklären lassen, daß er keineswegs beabsichtige, .ch von der bewährten Kraft des Dr. Schwarhkopf zu rennen. Dieser Umstand mag nicht überall mit Befriedi- ung verzeichnet werden, denn der genannte Ministerial- irektor galt als der Inspirator der letzten Volksschul- esetze, die zum Teil im Parlament auf lebhaften Wider- and gestoßen sind; man sah auf der Linken in Herrn (chwartzkopf den Träger einer rückschrittlichen Schulpolitik, nd er mußte gleichwie Herr von Studt scharfe Angrisfe iu Wgeordnetenhause über sich ergehen lassen. Man nahm ayer an, daß auch er nach dem Einzuge des Herrn Holle ehen werde, und es hieß sogar bereits, daß er für den 'osten des Präsidenten am Oberverwaltungsgericht aus- rsehen sei. Nunmehr aber will Herr Holle ihn doch halten, )(i3 an und für sich noch kein Stein des Anstoßes zu sein raucht, denn es gibt hohe Ministerialbeamte, die sich nach en Tendenzen des Ressortleiters richten und auch nach incm Systemwechsel gewissenhaft ihren Dienst versehen und .ch dem Umschwung anzupassen vermögen; man hat dies i im Auswärtigen Amt und bei anderen Behörden gesehen, nd warum sollte dies im Kultusministerium außer dem Bereiche der Möglichkeit liegen? Die Beibehaltung des )errn von Schwartzkopf besagt somit durchaus nicht, daß >crr Holle auf dem Gebiete der Volksschule in den Bahnen nner Vorgänger verharren wird, wenngleich an einen ölligen Bruch mit den bisherigen Heb erlief er ungen bei er ganzen Sachlage in Preußen natürlich nicht zu denken st. Wie sich Herr Dr. Holle bewähren wird, und nach sicher Richtung hin, läßt sich heute kaum sagen, wenn- -,eich er nach berühmten Mustern eine sich ihm bietende '.legenheit benutzt hat, um eine Art Programmrede zu .llcil Bei der Einweihung eines Bereinshauses Berliner ji rer hörte man eine längere Ansprache des Ministers, -an und für sich recht schön klang, im großen und ganzen bor ziemlich farblos gehalten war. Der Minister erklärte ch darin gern bereit, die Bestrebungen der Lehrer zu Ordern, welche auf die Erfüllung berechtigter Wünsche tu ihre Gesamtlage gerichtet sind, aber er vergaß nicht en Passus hinzuzufügen:Soweit sie sich in den berech- .glcit Grenzen halten-." Das ist also eine Mahnung, von )m als neuen Herrn nur nicht gar zu viel zu erwarten. Litern Anschein nach will Herr Dr. Holle ängstlich be­ruht bleiben, nach keiner Seite hin anzustoßen und sucht uf solche Weise zu lavieren. Indessen ist es erfreulich, das Lehrerbesoldungsgesetz entgegen den jungst auf- anchenden Gerüchten unter allen Umständen in der nächsten Zession an das Abgeordnetenhaus gelangen wird, nachd­em bereits ein wenig Lehrerfreundliches Blatt schadenfroh rklärt hatte, man könne es dem Minister nicht verdenken, jcmi er damit zögere, weil er sich genau mit der Materie

sie doch in der Forderung, daß der Mensch sich in diesem Leben praktisch betätigen und bewähren müsse; darum solle ihm die Schule vor allem das geben, was im Leben nützlich und brauchbar sei. Ferner war es der Neuhumanismus, jene in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkommende hohe Wertschätzung des Griechentums, der die griechische Literatur in weiterem Umfange als Bildungsmittel für unsere Gymnasien erobert hat, und dem auch der griechische und nicht minder der lateinische Unterricht wie oben gezeigt eine neue Ziel­setzung verdankt.

Der Lehrplan weist so bei Beginn des 19. Jahrhunderts abgesehen vom Turnen alle die Fächer auf, die er auch heute enthält. Aber damit war freilich noch nicht gewährleistet, daß diese auch im Unterricht, wie er tatsächlich war, eine entsprechende Berücksichtigung erfuhren; faktisch kam vielmehr beim Urteil über Versetzung und Reife der Schüler noch immer fast allein das Lateinische in Betrackst. Auch hier hat erst das 19. Jahrhundert und zwar nur ganz allmählich einen wirklichen Wandel geschaffen.

Es mußte nämlich ohne große praktische Bedeutung bleiben, wenn man diese oder jene neuen Lehrfächer auf den Lehr­plan setzte, solange nicht auch für diese Fächer tüchtig vorge­bildete Lehrer vorhanden waren. Dafür hat man aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ausreichend Sorge getragen. Bis zum Ausgang des 18. gab e5. noch keinen eigenen Obcr- lehrerstand. In den katholischen Territorien hatten meßt L)r- densleute, besonders die Jesuiten, den Gymnasialunterricht m den Händen, in den protestantischen Gebieten waren die Gym­nasiallehrer in der Regel auch Theologen, die gewöhnlich nur solange im Lehramt blieben, bis sie in ein Pfarraiut eurrücken konnten. Das ist um die Wende des 18. und 19. hundert anders geworden. Der Neuhumanismus brachte das Studium der klassischen Philologie zur Blüte, Jetzt mehrto sich die L>ahl derer, die den: Beispiele Friedrich August Wolfs Mgenb sich auf erd Universität nicht mehr als Studrosi der Theologie, sondern der Philologie immatrikulieren ließen und von vorn­herein die Lehrtätigkeit am Gymnasimn als Lebensberns m Auf­sicht nahmen. So bildete sich ein besonderer Stand von Ober­lehrern; aber während mehrerer Jahrzehnte überwogen m ihm durchaus die klassischen Philologen noch heute ist w die Bezeichnung der Oberlehrer alsPhilologen" dem populären Sprachgebrauch geläufig. Und da diese an den Gymnasien un wesentlick-en das lehrten, was sie an der Universität gelernt Iratten, so ist es wohl begreiflich, daß die klassische Philologie lange Zeit dem Gymnasialunterricht sein eigentliches Gepräge ver­lieh. Erst allmählich kamen auch entsprechend der Entwick- luiig dieser Disziplinen im Universitätsunterricht- tüchtig vor­gebildete Lehrer für Mathematik und .Naturwissenschaften, Ge­

schichte und Geographie, Deutsch und neuere Sprachen in größereck Zahl hinzu. Sie sorgten dafür, daß diese Fächer nicht mehrt bloß auf dem Lehrplan standen.

Daniit stellte sich freilich auch die Gefahr einer Ueberbürdun^ der Schüler ein, und daraus ist es abgesehen von anderem; wiederum verständlich, daß sich in den letzten Jahrzehnten deÄ abgelaufenen Jahrhunderts in gesteigertem Maße das Bedürfnis geltend machte nach einer wissenschaftlichen Ausgestaltung dev Lehre von Erziehung und Unterricht. In der Pädagogik uiüN Didaktik tritt uns aber eine weitere geistige Potenz entgegen^ die für die Gestaltung des Lehrplans und noch mehr dcs( Lehrverfahrens und der Lehrerbildung recht bedeutungsvoll worden ist. Tas zeigt sich gerade in der Geschichte des Gießener Gymnasiums besonders klar, wenn man die Wirksamkeit Hermarnck Schillers betrachtet. Je reicher und komplizierter die modernes Kultur geworden ist, umso schwieriger wird auch die Aufgabe der Schule, ihre Zöglinge zur Anteilnahme an dieser Kulturarbeit zu befähigen. Wenn aber auf allen Gebieten menschlichen^ Wirkens zu der rein instinktiven Betätigung mehr ,und mehr eine reflektierte, ihrer selbst bewußte hinzugetreten ist, so wird^ dies auch für die erzieherische und unterrichtende Tätigkit; gelten müssen, zumal ihr Gegenstand der wertvollste ist: ms Heranwachsende Generation, der Träger unserer liebsten Host-, nun gen. Geschichtliche Erforschung der Entwicklung unseres Bck-i dungswescns und Feststellung seiner Ziele und Wege im Einklangs mit dem Geistesleben und der ganzen Kultur der Gegen-, wart, das sind Aufgaben, die heute die Arbeit von Fachmännern; erfordern. Durch die wisfenschöstliche Pädagogik soll und kanw aber natürliches Erziehungsgeschick und instinktives pädagogstchesi Taktgefühl nicht überflüssig gemacht werden: diese Eigenschaften, werden jedoch dadurch Klärung und Leitung erhalten.

Heber all den erwähnten Faktoren materieller und geistiger Art, die im Laufe von drei Jahrhunderten eine so grosch Wandlung wie in unserem Bildungswesen überhaupt, so mich in unserem Gymnasium herbeigeführt haben, ist nun endlich, einer nicht zu vergessen, der freilich neben den anderen emc; eigenartige Stellung einnimmt: der Staat.

Er konnte die materiellen Mittel, die dem Schulwesen heut? in so viel reicherem Maße zu Gebote stehen als vor 300, und! selbst noch vor 100 Jahren,^ nicht aus nichts hervorzauvern; er konnte auch die geistigen Kickste, die in der Schule Uurksan» sind, nicht aus dem Boden stampfen: so wenig die geistigen Güter, ivelche die Bildungsstoffe aus machen, wie die Personen, die iureti Lebensberuf darin finden, diese geistigen Schütze der hernn- wachfenden Generation jimi innerlichen Eigentum zu machen. Aber er kann organisieren, und ec kann jene materiellen und geistigen Potenzen in den Dienst der Wdnngszlpecke stellen, und

Ium Iuviläum unseres Gymnasiums. *)

Von Professor Dr. August Messer.

(Schluß.)

Vergleichen wir mit dem damaligen Lehrplan den heutigen, ) fälii zunächst seine außerordentliche Bereicherung auß Eine air.c Reihe neuer Fächer ist hinzugekommen: Deutsch, Geschichte, -ickurgeschichte und Naturlehre (Physik und Chemie), Französisch, iurncn, Zeichnen als obligatorische Fächer, Hebräisch^mld Englisch ls farültativ; dazu wird Mathematik und Griechisch in viel reitercm Umfange gelehrt. Die Kosten hatte hauptsächlich das iateinische zu tragen; aber es hat nicht nur an Stundenzahl eträchiliche Einbuße erlitten, auch das Ziel des Unterrichts at sich geändert: Nicht mehr gilt als solches die Beherrschung er Sprache zu eingnem mündlichem und schriftlichem Gebrauch. :oweit in es angestrebt wird, soll es nur Mittel sein für den igenHidjcn Zweck: die Fähigkeit, die lateinischen Klassiker zu erstehen und da so durch Quellenstudium das Altertum selbsr, a me seine geistige Art, kennen zu lernen. Ganz ent- r c end wird auch das Ziel des griechischen Unterrichts

Faktoren, die diese reichere Ausgestaltung des Lehr- lans bedingt haben, smd mannigfacher Art: ,die Entwicklung es nationalen Bewußtseins und der natwnaielr Spcacyrm har das 'ateinisch^' aus der Stellung der internationalen Gelehi-teniprache e'rdränar. Für uns Deutsche kam der glückliche Umstand hinzu, un - in den Tagen Goethes und Schülers eine Hämische w-onale Literatur erwuchs und damit ein neues Vildungsgut on dauerndem Wert. Auch die Wissenschaften ^von Natur und seickstchte (im weitesten Umfange) haben sich erst im Laust der rei Wen Jahrhunderte zuWissenschaften" im heutigen Sinne es Wortes entwickelt. Endlich haben die ünmer reger sich estallenden Beziehungen zu den wichtigsten westeuropaischeri Kul- urnationcn die Kenntnis von Französisch und Englisch wunschens- JC^llrilrcC teil'"1 geistigen Strömungen, die auch die Tendenz n sich trugen, das Bildungswesen diesen veränderten Verhalt- uüm cmMnb zu gestalten, sind im 18. Jahrhundert zu- läcyst Piel'st-mus und Aufklärung zu nennen. Sie standen zwar n tiefem inneren Gegensatz: der Pietismus war dem jenseits, "e AuMrung tat Weit« zug-waM, ab« eintg »«en .. C ,, Crften Teil dieses 9lu(iatje5 finden sich mehrer« Truck- !V, ?. Z e si nstö ende feie.' hier richtigstem: gleich m der ; Ille5!; cs beiücn: .die Äclchichle der Anstalt tu ihren jnnut >>n" (statt Hauptj weigen), und ui der 12. Zelle (vom -chlutz au gerechuel»:das Neue Testauieut war der einjtge teiestoss (statt Lehr stoss) im Griechischen".

gen des hervor: Es fragt sich, ob dem des § 193 zur Seite steht. Das Gericht , , ,

daß der Angeklagte mit den in seinem offenen Brief ausge­stellten Behauptungen an und für sich ein berechtigtes In­teresse verfolgt hat. Tie Gründe sind folgende: Ein Disziplinar­verfahren gegen Schmidt schwebte nicht und konnte nach seiner Entlassung aus dem Dienst auch nicht anhängig gemacht werden, so daß dem Angeklagten keine Gelegenheit ge­bot e n w a r , s i ch ö f f e n t l i ch zu rechtfertigen. Andererseits batte sich der Privatkläger Roeren geweigert, außerhalb des Reichstages die Beschuldigungen gegen den Angeklagten zu wiederholen. Gerichtlich gegen den Privatklüger Roeren vorzu­gehen, war für den Angeklagten aussichtslos, da ersterer als Abgeordneter bekanntlich immun ist. In dieser Lage bleibt dem Angeklagten Schmidt als einziges ihm zu Gebote stehendes Mittel übrig, den Kläger Roeren zum gerichtlichen Vorgehen gegen ihn zu zwingen. Der Angeklagte hat jedoch durch die beleidigende Form des offenen Briefes gezeigt, daß es i h m n i ch t n u r u m d i e V c rfo l g u n g seiner be­rechtigten Interessen zu tun war, sondern daß er es geradezu auf eine Beleidigung des Klägers abgesehen hatte. Diese Absicht der Beleidigung ist erkennbar in der Aeußerung:Ob der Kläger des preußischen Richteramtes noch würdig ist, mag die preußische Regi.'rung entscheiden." Dieser Satz stellt eine Beleidigung im Sinne des § 185 dar, da der An­geklagte ihn nicht zur Wahrnehmung berechtigter Interessen, sondern nur bei Gelegenheit der Wahrnehmung seiner In­teressen geschrieben hat. Tie Frage, ob der Privatkläger Roeren noch länger würdig sei, im Richteramt zu bleiben, hatte nicht der Angeklagte Schmidt, sondern die-Justizverwaltung zu ent- sck>eiden. Durch diese Anzweiflung der Würdigkeit, des Klagers Roeren als Richter und durch den weiteven Vorwurf der F-eigheit hat der Angeklagte Schmidt die Grenzen der Rechtswahrung in bewußter Weise überschritten. Der Schutz des § 198 ist dem An­geklagten zu v-ersagen, und er ist überführt, ^durch den offenen Brief in berRationalztg." und in derTgt. Rdsch." den Kläger Roeren beleidigt und durch dieselbe Handlung nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet und den Kläger verächtlich gemacht, und. in der öffeittlichen Meinung herab gewürdigt zu haben. Als strafverschärfend ist in Betracht zu ziehen, daß der Angeklagte Schmrdt die denkbar schwersten Beleidigungen gegen den Richter und Reichstagsabgeordneten ausgesprochen hat; strafmildernd, daß der Angeklagte, wenn er auch in seinem Privatleben, wie er selbst sagte, fein Engel gewesen ist, sich bisher, straffrei ge­führt I>at und in dienst! i'her Hinsicht nach der Aussage des Dr. Stuebel ein außeror^ntlich tüchtiger, fleißiger und sehr ener- aisck-er Beamter gewesen ist, der sich in seinem Bezirke grotze Verdienste crlvorben und den Bezirk in guter Ordnung gehalten und nach einem großzügigen Plane verwaltet hat. Zu be­rücksichtigen war außer der Wahrnehmung seiner be­rechtigten Interessen, endlich, daß der Angeklagte Schmidt durch die von Roeren gegen ihn erhobenen Beschuldiguilgen äußerst gereizt worden ist, und zwar

Herr Roeren.

Wir haben das Urteil im Prozeß Roeren-Schmidt ver­öffentlicht. Hiernach ist bekanntlich der frühere Bezirks­leiter im Togogebäet, Geo A. Schmidt, wegen Beleidigung des Herrn Roeren zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt wor­den. Um die Tragweite dieses Urteils richtig verstehen

BezugSprei-r . monatlich 75Pf^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch» Abhole- u. Zwetgstelleir monaHtd) 65 Ps.; durch die Post Mk.2. oierlel- jährl. ausschl. Bestellg. ßeilenpveiS: lokallbPf* auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich

General-Anzeiger für Oberhessen' MM

Annahme Anzeigen 1 o i V u. Land" undGerichts-

>u o-nnmuA''üh^ Kotfltion$6ru(f und vrrlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. H. Lange. Redaition, Expedition und Druckerei: Schulfiratzr r.

Art, die zum Teil strafbar fein w ürden, wenn der Ankläger Roeren nicht durch die^Jmmunität als Reichstagsabgeordneter vor Strafe geschützt wäre. Insbesondere hat der Klager Roeren den Llngeklagten einen Sittlichkeitsverbrecher genannt und Ausdrücke, wie Tro--en^ koller, verrückt, wahnsinnig usw. gebraucht. Dem Tlngeklaglrn, einem verdienten Beamten, der freiwillig aus dem Dienst ge- schieden äst, wurde der Vorwurf gemacht, er sei für unsäh'.g erachtet worden, weiter ein Amt zu führen. Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände hielf das Gericht trotz der Schwere der Betest digung eine milde Strafe von 100 M k. für ausreichend

Herr Schmidt ist nun zwar verurteilt worden, aber, Herr Roeren wird sich über das Urteil wohl wenig freuen. Unter dem Schutze der Immunität als Abgeordneter hatt^ Herr Roeren am 3. Dezember im Reichstage die benfbar schärfsten Angriffe gegen Herrn Schmidt gerichtet und noch ausdrücklich versichert, daß alle seine Behauptungen wahr seien, nicht entstellt und nicht übertrieben. Die Gerichts^ Verhandlung hat aber ein ganz anderes Bild geliefert, toie\ die Begründung des Urteils darlegt. Herr Schmidt hab seine gegen Roeren veröffentlichten Beleidigungen mit; einer Strafe von 100 Mark zu büßen. Von Roeren aber heißt es in der Begründung des Urteils, duß seine Be­schuldigungen gegen Schmidt strafbar fein würden, wenn der Ankläger Roeren nicht durch die Immunität als Reichs- tagsabg. vor Strafe geschützt würde. Nicht ganz Unrecht: hat daher die Vos fische Zeitung, wenn sie ihre Meinung über diesen Prozeß folgendermaßen zusammenfaßt: Mit hundert Mark glaubte der Gerichtshof die gegen Herrn; Roeren verübten schweren Beleidigungen genügend ge­sühnt. Die öffentliche Meinung aber, wenn auch Weits entfernt, alle Handlungen des Herrn Geo A. Schmidt zw entschuldigen, wird nicht anstehen, Herrn Roeren als, den wirklich Verurteilten zu betrachten. Ins noch weit schärferer Form spricht sich die Kölnische £ tung gegen Herrn Roeren aus.

Der 27. Parteitag der Deutsche»! Bolkspartei.

Konstanz, 29. Sept.

Im Laufe der Diskussion brachte Landtagsabg. Verredey Be-i denken gegen die Blockpolitik vor, denen sich zum Teil auch Professor Onidde anschloß, der aber eine abwartende Haltungi empfahl. LandtagsacI. Heimburger-Karlsruhe erklärte u. a.:Mit der Soziachnnokratie können wir gar nicht zusammen gehen, werL zum Zusammengehen zwei gehören. (Sehr wahr!) Wir b ü xA fen uns der Sozialdemokratie nicht immer an dem Hals werfen und von ihr nur Grobheiten ein4 stecken. Unsere Reichstag sfr akcion bürgt dafür, daß an unseren! Prinzipien nick-ts verdorben wird. Wir bringen ihr cholles Ber-f trauen entgegen. (Beifall.) Redakteur Goldschmidt- Franks fort a. M. führte aus:Praktisch müssen wir ur^ doch sagens daß nach 20 jähriger Karrenzzeit, in der wir zwar reden konnten^ aber nrchts zu sagen hatten, jetzt endlich unsere Wünsche gehört werden und daß wir endlich ein Stück demokratischer Politik drrrchsetzen können. Das: Alles oder Nichts! hat, die Sozial-s demokratie zu ihrem dcachteil srhon genügend betrieben. (Lebh< Beifall.) Der größte Gegner für jeder: Fortschritt ist nach meincnt inneren Gefühl die klerikale Demagogie. (Lebh. Beisakt.) Tick Sozialdemokratie hat den schärfsten Kampf nicht gegen diese Re^ aktion, sondern gegen den Freisinn geführt. Darum müssen loch' unseren Führern dankbar sein, daß sie trotz dieser Gegnerschaft uns die dNöglichkeit praktischer Fortschritte verschafft haben. (LebÄ Beifall.) Nachdem noch ein Vertreter der jungen Volkspartet in gleichem Srnne gesprochen hatte, erhielt Reichstagsabgeordn^