Erstes Blatt
Tänze in Wort und
157« Jahrgang
— Schwalm er Tänzer vorderKaiserin. Als unser Kaiserpaar aus seiner Besitzung in Sabinen (Westpr.) weilte, bereitete es ihm ein großes Vergnügen, die PolnehrLndorier in ihren alten Volkstrachten und angestammten Tänzen als ihre Gäste bei sich zu sehen. Ein ähnliches Interesse bringen sie jetzt auch den heimatlichen Sitten der ländltchen Bevölkerung entgegen, die in Kurhessen sitzt und sich ganz besonders durch die eigenartigen Äußerlichkeiten ihrer Volksfeste auszeichnet. In diesen Tagen werden junge Söhne und Töchter aus dem Schwalmgrund in Wilhelmshöhe vor der Kaiserin erscheinen, die sie entbieten ließ, um sich die originellen Schwälmer Tänze vorführsn zu lassen, für die sie schon bei ihrem vorjühriaen Besuche in der Schwalm das lebhafteste Interesse ge
wann. Der Schwälmer Tanz ist sehr wenig in weiteren Kreise,i bekannt. Der Tondich^- ..... n- " ~
Freitag 1«. August 1907
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Nr. 191
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Anzeiger Gießen.
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sönlicher Leitung mit dem Violinkonzert Beethovens. Der Londoner Erfolg führte einen über Nacht berühmt gewordenen deutschen Geiger nach Leipzig zurück. Mendelssohns früher Tod war der erste schwere Schickjalsschlag, der Joachim beschieden, der zweite sollte kommen, als später Stöbert Schumann ihn verließ, dessen großes, ihm gewidmetes Violinkonzert sich im reichen Mannskript- jchatz Joachims befindet. Die Freundschaft mit Schumanri stammt aus den Hannovertagen des verstorbenen Meisters, da er, Konzertmeister der köntgl. Kapelle, dem blinden König so eng befreundet war, daß dieser mit seiner Gemahlin bei seinem Ucbcrtritt vom Judentum zum Christentum ihm Pate stand. Dazwischen liegen die Tage von Weimar, wo Josef Joachim Richard Wagner und Franz Liszt, ohne deren Schaffen zwar völlig zuneigend (fein ehr- Ucher Charakter hat ihn beiden gegenüber stets zur Aufrichtigkeit verleitet), so nahe trat, das enge Duzfreundschast sie verband. Und dann kamen die bedeutunasvollen Momente, da Joachim in das Schaffen eines Johannes BrahmS so tiefen Einblick gewann, daß er — vor Hans von Bülow noch — zum Apostel des Wiener Meisters wurde. Im Jahre 1868 kam Joachim nach Berlin. Seine bedeutsame Lehrtätigkeit datiert von diesem Zeitpunkt her, wo er festen Fuß fassen lernte an einem und demselben Orte, seinen Wohnsitz nur zu Gastspielfahrten verlassend, als Virtuose seines Instrumentes in fast allen Kulturländern, Führer der Quartettvereinigung, die seinen Namen führt und deren Veran- ftaüungen im Laufe der Jahre eine Weihe erhalten yaben, daß man nicht mehr Konzerte sie zu nennen gewohnt war, sondern musikalische erbauungskünstlerische Weihestunden. Nun trauert die ganze musikalische Welt um so tiefer um den Heimgang des unvergeßlichen Vorbildes aller Geiger, als in unserer Zeit leider
Ioscpi) Joachim f.
Berlin, 15, August. Professor Joseph Joachim ist heute mittag 1% Uhr im Alter von 76 Jahren gestorben. Die königliche Akademie der Künste hat sofort nach dem Ableben des Meisters den Kaiser, die Kaiserin, den Kronprinzen und den Kultusminister telegraphisch von der eingetretenen Katastrophe benachrichtigt.
Nun ist er dahingegangen, der große Meister der Geige. Seit ahr und Tag bereits hatte sie, die Zaubergeige, geschwiegen. In nein der letzten Winter hatte er in Berlin einen gemeinsamen onatenabend mit Eugen d'Albert angekündigt. An diesem Abende )er bereits entbehrte die Greisenhand, die den Bogen führte, der - aft, und nur gedämpft klangen die Töne durch den Raum — , als ob die Nymphe Echo die Klänge des Orpheus flüsternd lederholle. Seitdem war er dem Kon^erlsaale ferngeblieben. Am i. Juni b. I. aber konnte er in verhältnismäßigem Wohlsein die >. Wiederkehr des Tages begehen, der ihn zu Kittsee bei Preßburg Ungarn das Licht der Welt erblicken ließ. Der Geigerkönig war i seinem Ehrentage seinem Berliner Domizil entflohen, um . nab von der großen Schar derer, die ihm huldigen wollten, den ig in Ruhe zu begehen.
Jetzt, da er dahingegangen, denkt man zurück an eine der änzendsten Künstlerlaufbahnen, die je gewesen. Je mehr man rücksichtigt, roie Josef Joachim, ein echtes Kind des Glückes, im den nie so recht zu kämpfen gezwungen war, desto höher miiß an es bewerten, wenn er allezeit viel um die Besserung des Loses ver bemüht mar, denen Göttin Fortuna nicht so hold zii lächeln ißte wie ihm, ihrem Liebling. Ja, ein rechtes Kind des Glückes ,ir von jeher Josef Joachim. Von der Kindheit ersten Tages bis in Mannes- und Greisenalter. Schon dem Wunderknaben Josef chelte das Glück, da er, ein Siebenjähriger, in Stanislaus ,'rwacynski zu Pest den besten Lehrmeister fand, den es für ihn den konnte: verständige Eltern, tüchtige Ratgeber und kluge hrmeisler schützten das junge Künstlerdasein vor den Dornen icr frühen Künstlerkarriöre, und mit Recht machte man den . April 1899, den Tag, wo Joachim vor 60 Jahren in Ungarns luplsladt zum ersten Male öffentlich aufgetreten war, zu einem )eutsameu Festtage für ihn, das Freudenfest in der Berliner »ilharmonie, das seine Schüler veranstalteten, mar eine imposante ilbigung von 200 Musikern aus aller Herren Länder.
Im Hause Brunswick zu Budapest lernte Joachim Beethoven den und bei Böhm in Wien lernte er ihn spielen. Im Jahre 13 gewann er in Leipzig dreizehnjährig die Freundschaft und hrung Mendelssohns, Beziehungen, die zum ersten Höhepunkt in ler jungen Künstlerlaujbahii führten, dem ersten Auftreten in der ndoner Philharmonischen Gesellschaft unter Mendelssohns per-
■ der die Hand dazu bot, vag die alte Mißstimmung zwischen - ihm und seinem Neffen beseitigt wurde. Aus der Ab- i wesenheit des englischen Botschafters Lvs- : celles darf geschlossen werden, daß die Aussöhnung der ! beiden Monarchen und nicht die Aussprache über politische - Vorgänge der eigentliche Zweck der Reise König Eduards : nach Wilhelmshöhe gewesen ist.
Von besonderem Interesse sind die Aeußerungen der englischen und französischen Presse über die Monarchenbegeg- uung aus Wilhelmshöhe. Tre englische Presse drückt über die Zusammentunst von Wilhelmshöhe eine große Be- : friedigung aus, die in der Tribüne in ein Lob für König Eduards große Verdienste auf politischem Gebiete und als Friedensforderer ausklingt. „Dail— Chronicle" betont den Umstand, daß König Eduards Einfluß in politischen Dingen jetzt allenthalben anerkannt und das Endziel englischer Politik besser verstanden werde, das betreffs Europas im Grunde immer dasselbe und auf die Erhaltung des Gleichgewichts der Macht und die Förderung des Friedens gerichtet sei. „Daily News" sieht unter Hinweis auf die eben getroffene Vereinbarung mit Rußland in der Zu- ammenkunft die förmsliche Ankündigung, daß die englischen Abmachungen mit anderen Mächten in keiner Weise auf die Vereinsamung Deutschlands abzielen. Im übrigen gebe es leine Streitfrage zwischen beiden Ländern, die weniger Anlaß für einen Streit hätten als irgendwelche andern zwei Mächte. Die einzige Frage, die diplomatische Arbeit, aber liicht dringender Art, verlange, sei derjenige der Bagdad- bahn. Vorläufig genüe es, den herzlichen Willkomm önzu- erkennen, den das deutsche Volk und die deutsche Presse König Eduard entgegenbringe. Die Aenderung im Ton der deutschen Presse gegenüber England wird auch von den Oppositionsblättern mit lebhafter Befriedigung hervorgehoben. „Daily Telegraph schreibt: In England herrscht nur ein Gefühl, nämlich dasjenige lebhafter Befriedigung darüber, daß endlich wieder die stattgefundenen Monarchenbegegnungen und Vegrüßungsseierlichkeiten den Ton in der deutschen Presse ändern, indem sie dartun, daß die Ansicht, England bezwecke eine Isolierung Deutschlands, auf Täuschung beruht. Die lange Liste freundschaftlicher Beziehungen, die England angeknüvft hat, darf nicht als vollständig betrachtet werden, so lange Deutschland nicht aus ihr vertreten oder wenigstens in ihr einbegriffen ist. Wer die Verträge und Uebereinkommen Englands ohne Hintergedanken betrachtet, wird die Hoffnung fassen, daß die Zu- s ammenkunft den end gültigen Wendepunkt in den englisch-deutschen Beziehungen dar stellt. Ohne Zweifel ist die Marokkokrisis auf beiden Begegnungen, sowohl in Wilhelmshöhe als auch in Swinemünde, Gegenstand der Erörterungen gewesen. Man kann überzeugt sein, daß Frankreich sich an den Buchstaben der Algecirasakte halten und dre bewaffnete Intervention auf das absolut notwendige Maß beschränken wird.
Ter „Daily Grap hie" nennt sie eine amtliche Bestätigung der Llussöhnung, die nichtamtlich seit einiger Zeit im Gange gewesen sei. Die ^Times" allerdings sorgt dafür, daß der Mißtlang nicht ganz fehlt. Sie jucht der Zusammenkunft jede politische Bedeutung abzusprechen. Wer von ihr eine bestimmte Verständigung erwarte, offenbare eine mangelhafte Kenntnis der europäischen Tinge. Immerhin könnte sie die Bestrebungen zur Aussöhnung, die sich allgemein in den internationalen Beziehungen rundgäben, ördern, namentlich dann, wenn der freundliche Ton der deutschen Presse andauere. Die Stellungnahme ^euttc^ lands auf der Haager Konferenz bilde den Prüfstein, auf
Heimgang des uii-
_ _ v unserer Zeit leider
echter künstlerischer Glan^ immer seltener wird.
— Tie Akademie oer Künste zu Berlin veranstaltet, wie uns aus Berlin gemeldet wird, am Montag nachmittag im Gebäude der Hochschule für Musik in CHarlottendurg eine Trauerfeier für Professor Joachim. Die Beerdigung findet auf dem Kirchhof oer Kaisev-Wilhelms-Gedächtniskirche statt-
Mer Johann Lewalter hat die Schwälmer Weife in der Schwalm gesammelt und zum ersten Male herausgegeben. Wie Lewalter erzählt, wurden die Bauerntänze, Schwälmer genannt, schon vor vielen Jahren zu Fiedel und Schalmei in der Schwalm zur KirmeSzeit getanzt und sind in dem auf der Wiera und Willingshausen gelegenen Schwälmer Dorfe Wasenberg noch jetzt sämtlich gang und gäbe. Ihre packenden Weisen haben sich bet den Dorfspielleuten seit uralter Zeil erhalten und sind niemals aufgeschrieben worden. Tie Spielleute spielen sie daher nach Zigeunerart auswendig. Es gewährt einen herrlichen Anblick, wenn die Schwälmer Burschen unb Mädchen in ihren bunten Trachten unter der Dorflmde nach den eigenartigen Tanzweisen sich drehen. Die Paare tanzen erst rechts, dann links herum, die Burschen oft auf einem Bein, am Schluffe der einzelnen Teile stamvfen sie zumeist mit dem Fuße auf; oder das Mädchen dreht sich allein tanzend herum, während der Bursch, in die Hände klatschend, hinterher hüpst; oder das Mädchen erfaßt das von dem Burschen hochgehaltene rötlich-bunte Taschentuch und dreht sich unter seinem hochgehaltenen Arm. Oder Bursch und Mädchen treten sich gegenüber, nähern sich einander unter malerisch aussehenden Bewegungen und lassen bann einander wieder los. Beim Schluß des Tanzes stampfen alle Paare wie auf einen Schlag heftig mit den Füßen auf. Sind die Burschen erst in Stimmung gekommen, so jauchzen sie. Die Ausführung des Schwälmer Tanzes ist wegen der damit verbundenen, durch das sehr schnelle Zeitmaß hervor- gerufenen Anstrengungen schwer, so daß die „Schwälmer" auf der Kirmes nicht oft getanzt iverden. Aber allemal, wenn ein echter „Schwälmer" gespielt und getanzt wird, ist dies der Glanzpunkt des Kirmestages. Der „Schwälmer" Hal einen stark ausgeprägten Rhythmus, steht im Zweivierteltakt und bewegt sich nur in Dur- tonarten. Er bestehl aus zwei bis drei Teilen, von denen jeder gewöhnlich acht Takle hat, wird sehr schnell gespielt und oft zwanzig- mal wiederholt. Es sind ini ganzen zehn „Schwälmer", die uns Lewalter überliefert hat, darunter natürlich auch die berühmtesten • 3nfe Kermes zü Leßhäuse", „Seng der da die Hofebengel", „Zu Aescherob, zu Aescherob" unb „Ich hab mich in de Kech verbeugt" Jii einem der Tänze kommt eine der größten musikalischen Seltenheiten vor; der zweite Satz des Tanzes Nr. 4 erfcheim nämlich onderbarerwelse in der ungeraden Taktart von dreimal drei Takten Tie Wirkung dieses Satzes ist besonders elektrisierend. Bemerkt 'ei, daß Johann Lewalter in seiner Abhandlung Der Pankee doodle em schwälmer Tanz?, den Nachweis zu erbringen versucht bat dieses berühmteste amerikanische Volkslied sei Schwälmer Bauern zu verdanken.
die Meldung in Abrede stellt, als seien in Wilhelmshöhe Verträge ähnlicher Art angebahnt worden, wie sie vorher zwischen anderen Völkern Ketrosfen wurden. Das find nach der Aeußerung des Auswärtigen Amtes lediglich Kombinationen der Presse. Die Auffassung der Reichsregierung von ber Zusammenkunft in Wilhelmshöhe zeigt immerhin, wie der Korrespondent des Blattes auf Grund der hier gewonnenen Eindrücke hürzufügen möchte, daß der Besuch des Königs von England durchaus alle berechtigten Erwartmigen erfüllt, die man von diesem Vorgang hegen durfte. Der Geist des Entgegenkommens, der zwischen England und Deutschland rege geworden ist, und der in der Zusammenkunft der beiden Fürsten seine feierliche Bestätigung gefunden hat, bietet die Gewähr, daß in der Folge, wenn sich die Erörterung bestimmter Einzelfragen als wünschenswert und nötig erweisen sollte, stets auf klare Aussprache und Verständigung zu rechnen ist. Die Haltung verdeutschen Reichsregierung hat offenbar durch ihre Stetigkeit und ihr Maßhalten beispielsweise in der Marokkosrage durch Festigkeit und zugleich durch selbstlose Zurückhaltung bei allen Mächten das Vertrauen zur deutschen Politik gestärkt. Die deutsche Politik und die Friedenspolitik überhaupt darf, so schließt die Ausjührung, nach alledem mit den Tagen von Swinemünde, Wilhelmshöhe, Ischl zufrieden sein.
Die „Köln. Ztg." schreibt zu der Monarcyenbegegnung in Wilhelmshöhe: Die öffentliche Meinung nicht'nur in Deutschland hat sich daran gewöhnt, in König Eouard den wirklichen Leiter der auswärtigen Politik Großbritanniens zu sehen und sie wird mit um so größerer Freude die Friedensbotschaft vernehmen, die von ihm ausgeht. Ta auch Bülow und Hardinge Gelegenheit zu langen Aussprachen gehabt haben, so können wir annehmen, daß ein neuer Schritt aus der Bahn gemeinsamen Wirkens zwischen den beiden großen Völkern für die friedliche Arbeit nebeneinander getan ist. Noch 'ist der Winter unseres Mißvergnügens nicht mit einem Schlage dem glorreichen Sommer gewichen, doch vor der Sonne des ernsten Willens werden nach der Hoffnung aller Kveise die sttebel allmählich verschwinden, die seit lange jeden Blick in eine bessere Zukunft verhinderten. Die Begegnungen in Swinemünde, Wil- helmshöhe unb das Zusammentreffen König Eduards und Kaiser Franz Josephs werden, wenn sich unsere Erwartungen erfüllen, einmal als Mertsteine in der Geschichte getten können.
Ischl, 16. Aug. Unmittelbar nach seiner Ankunft im Hojßl Elisabeth empfing der englische Unterstaatssekretar Sir Hardinge einen seiner englischen Freunde. Aus dessen ?rage über den Verlaufher Entrevue von Wilhelms- ö h e erwiderte er: Ich kann nur sagen, wir sind äußer st befriedigt über den Verlauf. Wir haben dies nicht in solchem Maße erwartet.
Kassel, 16. Aug. Aus der Umgebung des Reichskanzlers wird mitgeteilt, daß in diplomatischen Kreisen das SchwergewichtderBegegnung Kaiser Wilhelms mit König Eduard nicht in der Klärung etwaiger Fragen der auswärtigen Politik, sondern in der Wiederherstellung der früheren innigen Freundschaft beider Monarchen lag, die gestern erfolgt ist. Die Trrnksprüche konnten nicht herzlicher sein, als sie lauteten. Sie geben aber auch nach außen hin den unanfechtbaren Beweis dafür, daß die f r u h e r e n p e r s ö n l i ch e n Verstimmungen gänzlich behoben sind. Ter König hat wiederholt sein Bedauern ausgedrückt, daß der
Wtlhilmshö'je.
Der Trinkspruch des Ka isers auf den König von Eng- 'and hatte folgenden Wortlaut:
„Ich bitte Eure Majestät, der Kaiserin und meinen wärmsten Dank entgegeimehmen zu wollen für den freundlichen Besuch, )en Eure Majestät uns beiden gemacht haben- Ich erblicke in )ie!em Besuch den AuÄrruck der verwandtschaftlichen und reu.ndschaftlicheu Gefühle, die Eure Majestät hegen ür die Kaiserin, für mich und mein Haus, Gefühle, die begründet inb in alten Beziehungen zivischen unseren Häuserir von langer Zeit her und die in unseren Zeilen ihren Ausdruck gefunden wben, als wir gemeinsames Leid trugen an den Särgen meiner üben Eltern und an der Bahre der großen Königin, meiner Grvß- Ttutter- Zu gleicher Zeit aber erblicke ich in Euer Majestät den Vertreter des großen englischen Volkes und in Euer Majestät besuch den Ausdruck guter Beziehungen zwischen unseren beiden Völkern- Auf 'der Fahrt zum Schloß Knuten Euer Majestät in den Augen der Bürger von Kassel und hrer Kinder und später bei 'unserer Rundfahrt durch die schönen yiuren und stillen Wälder in deu Gesichtern derer, welche die rhre und Freude gehabt haben, Eure Majestät zu sehcu, das Gefühl dankbarer Ehrerbietung für diesen Besuch zu lesen- Ich -ine Eure Majestät um die Erlaubnis, mein Glas zu erheben iuf das Wohl Eurer Majestät, Eurer Majestät erhnvenen Ge- nahlin, der .Wuigin, des gefamten großbritannischen Königshauses und Eurer Majestät Volkes-
Der König erwiderte in deutscher Sprache:
Ich bitte Eure Majestät, von ganzem Herzen meinen besten Lank aussprechen zu dürfen für die so gütigen und freundlicher! -Borte- Eure Majestät können versichert sein, daß es mir große yreilte bereitet hat, zu diesem leider sehr kurzen Besuch hierher u kommen. Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin ann ich uichtgenug danken für den herzlichen Empfang, der nir gehörten ist, von feiten der Armee Eurer Majestät und von lern Volk, wie es uns in den Straßen begegnet ist- Eure Majestät vissen, daß es mein größter Wunsch ist, daß zwischen in ] er en beiden Ländern nur die besten und an- e ne hmften Be ziehun gen bestehen- Ich freue mich sehr, aß Eure Majestäten mich bald in England besuchen 'erden- Ich bin fest 'davon überzeugt^ nicht nurf meine Familie, -'dern das ganze englische Volk werden Eure - aj e )1 ä tc n mit der größten Fr e u de empfangen-
-.ch erhebe mein Glas auf bas Wohl Eurer Majestäten.
Informationen über das politische Ergebnis der Begegnung von Wilhelmshöhe, die dem Vertreter - ,,Frkf. Ztg." in Wilhelmshöhe aus Kreisen des Auszügen Amtes aus der unmittelbaren diplomatischen Um- -Duitg des Reichskanzlers Fürsten Bülow erteilt wurden, ücn folgendermaßen: Der Reichskanzler Fürst Bülow und er englische Unterstaatssekretär Charles Haroinge hatten c|ieni vor der Galatafel eine befriedigende Unterredung, ins beiden Seiten ist dabei der lebhafte Wunsch hervorge- -etcit, daß Ruhe uud Frieden auf der Welt nicht gestört -erden möchten. In Bezug auf die Fragen der hohen - litik, die naturgemäß im Laufe der Unterredung gestreift )urden, zeigten sich im großen Ganzen eine erstaun- i ch e U e b e r e i n st i m m u n g und zwar nicht nur im Ve- reben, aus der Bahn des Ausbaues dec englifch-deutschen Beziehungen sortzuschreiten, sondern auch -dre Fragen, die ie Welt beschäftigen, möglichst gemeinsam zu behandeln. 6as die T r i n k s p r ü ch e angeht, die der Kaiser und der ö.ttg gestern in Wilhelmshöhe gewechselt haben, so ist er herzliche Ton ja bereits überall bekannt geworden. Be- -nders bemerkt wurde, daß König Eduard in fliehender eutscher Rede antwortete. Im ganzen ist abschließend zu rgen, daß her Verlauf der Zusammenkunft als urchaus befriedigend und sehr gut bezeichnet, werden muß. - Soweit die offizielle Auffassung, die übrigens gleichzeitig
S«ral-Anzeiger für SbecheKn
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch- und Ztelndrnckerei. 8. Lange. RedaMon, Expedition und Druckerei- Schulftrafte 7.
u Anzeigenteil: H. Beck.


