Nr. 138 Zweites Blatt
L57. Jahrgang
Samstag 15. Juni 1907
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Gießener ZamlIIenblStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisbiart fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hesfilche Landwirt" erscheint monatlrch einmal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl^chen UnwersitätS - Buch- und Kleindruckes et» 9L Lange, Dietzen.
Redaktion. Lxoeditwn und Wnufmii Schul- strotze 7. Expedition und Verlag i 6L Redaktion: HL teL-Vihu illneeigerDietzen»
tznlvrckung einer nrntn russisch n Verschwörung.
- Petersburg, 14 Juni. (Pet. Tel.-Ag.) Am 18. Mai erfuhr die Petersburger Poli-er, daß die Wohnung des Duma- a b g c o r d n e t e n O h s o l, wo Sitzungen der s o z i a l d c m o k r. Parier der Reichsduma stattfinden, auch von Mitgliedern der revolutionären Militärorganisation besucht werde. Diese Nachricht, die später durch die Ve rhaftung einiger Mitglieder der erwähnten revolutionären Organisation bestätigt wurde, gab Veranlassung zu einer Haussuchung in der Wohnung Ohsols. Bei dieser wurden zahlreiche Schriftstücke gefunden, welche darauf Hinweisen, daß die 55 Dumaabgeordneten, welche die sozial- denwkratische Dumafraktion bilden, eine v e r b r e ch c r i s ch e B e r- cinigung gebildet haben zum Umsturz der durch die Grundgesetze festgestellten! Regierungssorm mittelst V o l k s a u f st a n d e s sowie zur Einführung einer demokratischen Republik. Zur Erreichung dieser Ziele traf die Vereinigung folgende Maßnahmen: Sie trat in Verbindung mit einer geheimen verbrecherischen Vereinigung, welche sich „Zentralkomitee der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei" nennt und mit dem Petersburger Komitee dieser Partei und einer ganzen Reihe von bcm Zentralkomitee unterstellten Lokalkomitces in Verbindung steht. Ferner ordnete sie ihre Organisation dem Zentralkomitee unter, leitete aber selbst zur Vorbereitung eines Volksaufstandes die Tätigkeit der an verschiedenen Orten des Reiches entstandenen Geheimkomitees. Auch versandte sie an die Geheimkomitees Zirkulare, in denen die Agitatoren beauftragt worden sind, das Volk gegen die Regierung, den Adel, die Beamten und gegen die Gutsbesitzer aufzuwiegeln. Weiter beauftragte sie die verbrecherischen Geheimkomitees, die von ihnen aufgewiegelten Bauern, Arbeiter und Soldaten zu geheimen Vereinen, Filialen und Gruppen zu vereinigen, und alle Gruppen wiederum zu dem Zwecke zu einigen, um die Unzufriedenheit und Erregung der ärmeren Volksklassen zur Inszenierung eines gemeinsamen Aufstandes des Militärs, der Bauern und Arbeiter auszunutzen.
In einem an die Bauern gerichteten Aufruf forderte die Vereinigung diese auf, Vereine zu bilden, sich mit den Arbeitern in Verbindung zu setzen und sich zum offenen Kampf mit der gesetzmäßigen Regierungsgcwalt Rußlands zur Aneignung der Staatsgewalt und der Uebergabe an die Volksvertretung bereit zu halten. Mit bic". geheimen verbrecherischen Vereinigung, die als nächstes Ziel ihrer Tätigkeit die Vorbereitung eines Militäraufstandes betrachtet und sich Militärorganisation der russischen und sozialdemokratischen Arbeiterpartei nennt, trat die Vereinigung in direkte Verbindung. Durch einen ihrer Mitglieder, dcn«Abg. Gerus, leitete sie am 12. April in Petersburg die Geheimversammlung einer der Organisationen der erwähnten Vereinigung. Ferner nahm sie Instruktionen von Angehörigen der Wilnaer und der Pctersourger Garnison entgegen und empfing eine Abordnung der Petersburger Garnison, der sie ihre rNithilfe versprach. Die erwähnte Vereinigung bildete den Mittelpunkt, in dem sich die revol. Forderungen der Lokalkomitees, der geheimen Verbände und Gruppen der ärmeren Volksklassen bezüglich der Einberufung einer Konstituante und gewaltsamer Einführung der demokratischen Republik in Rußland konzentrierten.
Alle Geheimkomitees sandten Berichte an diese Vereinigung ein, die auf diese Weise über die revolutionären Kräfte und Mittel Buch führen konnte. Sie berief die Vertreter der Geheimkomitees, um ihnen Instruktionen zu erteilen, und entsandte ihre Mitglieder in gesetzwidrige Arbeiterversammlungen, damit sie dort Brandreden hielten. Auch verfügte die Vereinigung über falsche Pässe, mit denen sie solche Personen versorgte, die sich der Verfolgung durch die Obrigkeit entziehen wollten Gegen 55 Dumaabgeordnete ist die Voruntersuchung eröffnet; sie unterliegen dem Gesetze zufolge der zeitweiligen Ausschließung von den Dumasitzungen. 16 derselben, welche an der Tätigkeit der verbrecherischen Vereinigung einen hervorragenden Anteil genommen haben, sind auf Verfügung der Staatsanwaltschaft in Haft zu nehmen. Die Regierung hat diese Frage in der Reichsduma vorgebracht.
Tie Dumafitznug.
Ter Dumapräsident Golowin erhielt um 1 Uhr 50 Min. nachmittags ein eigenhändiges Schreiben des Ministerpräsidenten Stolypin, er habe der Duma Mitteilungen zu machen, welche keinen Aufschub dulden, und ersuche, ihm sofort bei Eröffnung der Duma das Wort zu erteilen und auf Grund des Artikels 44 die Öffentlichkeit der Sitzung aufzuheben wegen der Zugehörigkeit von Abgeordneten zur revolutionären Kampforganisation, sowie Vorbereitung eines bewaffneten Volksaufstandes. Es findet eine geheime Dumasitzung stall. Im Verlaufe der Sitzung erklärten sich, wie verlautet, gegen den Negierungsantrag die Sozialdemokraten und der Polcnwlo. Von den Kadetten war ein größerer Teil dafür und ein kleinerer dagegen. Die Minorität cr- närte, nötigenfalls aus der Partei aicstreten zu wollen. In der Sitzung verlangte Stolypin die sofortige Verhaftung 16 sozialdemokratischer Abgeordneter, sowie Genehmigung dazu, den größten Teil der übrigen Sozialdemokraten, etwa 55, zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen.
Ministerpräsident Stolypin erklärte, die vom ihm gestellte Frage müsse sofort in der Tunra entschieden werden. Wenn das Haus sich weigere, die angeklagten 16 Abgeordneten sofort äbführen zu lassen, fasse die Regierung dies als eine Erklärung auf, daß es mit der Regierung nicht weiter arbeiten wolle. Tie Regierung lehne jede Verantwortung für die Sicherheit des Staates ab, 'wenn die .Angeklagten nicht sofort festgenommen würden. Tie Kadetten schlugen vor, den Antrag der Negierung an eine Kommission zu verweisen. Die Rechte und die Oktobristen stimmten dagegen. Tie Verhandlungen trugen einen äußerst stürmischen Charakter. Ten Sozialdemokratenwurde Landesverrat und schwerste Verbrechen vorgeworfen. Schließlich ging der Antrag der Kadetten durch mit der Maßgabe, daß 22 Mitglieder in jene Kommission gewählt werden. Wegen der Weigerung der anderen Parteien, an dieser Kommission teilzunehmen, wird sie nur aus Kadetten und Mitgliedern der Linken bestehen. Dadurch wird die Ablehnung des Regierungsantrages wahrscheinlich und die Auflösung der Duma erscheint nahegerückt. Äsaken halten das Tumagebäude andauernd umzingelt. Tas Ministerium ist solidarisch und unerschüttert. In den Wandelgängen der Duma wird für wahrscheinlich gehalten, daß ein n e u e s W a h l g e s e tz auf der Grundlage von Vermögen und Bildung mit Ein s ch rä nkungen für die GrenzVölker und die Juden ergehen werde. Die unerwarteten Ereignisse machen gewaltigen Eindruck. Man glaubt aber nicht, daß Unruhen ausbrechen werden.
Tie Kommission von 22 Mitgliedern muß auf einen Antrag Stolypins die Entscheidung innerhalb 24 Stunden fällen.
Nach 6 Uhr fand im Elagin-Palaste, wo Ministerpräsident Stolypin gegenwärtig wohnt, eine Sitzung des Ministerrates statt. Stolypin w>ar nach Petersburg zum Zaren beschieden worden. Tie Sitzung fand unter dem Vorsitze Kokoczwew's statt. Es nahmen an derselben ferner teil: der Stadthauptmann von Petersburg und die Chefs der in Petersburg liegenden Truppen. Aus der Umgegend soll das Leibdragonerregiment nachPeterK- burg berufen werden. Für den Fall, daß über Petersburg der Kriegszustand verhängt werden sollte, soll GeneralSaru- »arow zum Kommandanten von, Petersburg ernannt werden.
Tie 16 Abgeordneten sind bereits gewaltsam aus dem Sitzungssaal der Tuma ins Gefängnis abgeführt worden.
Tiflis, 14. Juni. In einem Postzuge auf ter Strecke Alcxar.dropol-Tislis übersielen heute sieben Männer einen Kassierer und raubten ihm annähernd 25000 Rubel. Die Räuber töteten bei dem Ueber'all einen den Zug begleitenden Schutzbeamten und machten einen zweiten durch Wegnehmen der Waffen kanepfunsähig. Nach Erreichung ihres Zweckes ließen die Räuber den Zug anhalten und entwichen ins Gebirge.
Sdunska Wolja (Gvuv. Kcklisch., 14. Juni. Anläßlich der Ermordung eines Fabrikmeist'' Z qaa das Militär eine Salve ab, wobei zwei Frauen getötet wurden.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Juni. Ter Stauer hat während seines letzten Aufenthaltes in Hannover anläßlich dec jüngsten Spieler-Affäre eine Rede gegen das Jen gehalten. Bei der Besichlignng des Kömgs-Ulanen-Regiments richtete er eine sehr scharfe und ernste Ansprache an die zu seinem Empfange ausgestellten Offiziere des M i l i t ä r - R e iti n >t i - tuts. Mit energischen Worten wies der Kaiser auf die Folgen des Spieles und auf den Ungehorsam hin, dessen sich jene Offiziere schuldig gemacht hätten, die jetzi auf seinen Befehl zu den Regimentern zurückgeschickt rourbeii. Kämen derartige Sachen wieder vor, so verbleibe es nicht bei einem Zmückschicken zum Truppenteil, sondern es werde Verabschiedung erfolgen. Ta auch zwei Offiziere der Leibregimenter (Leibgarde, Hiisaren und Lelbhusaren) sich am Spiel beteiligt und sich hierdurch des Vertrauens des Kaisers unwürdig gezeigt hätten, so würden sie in andere Regimenter versetzt.
— Ter Kaiser spendete für dieses Jahr für die Seemannshäuser der Kriegsmarine 10 000 Mark.
— Der Bundesrat nahm m der gestrigen Plenarsitzung Vorlagen über die steuerliche Behandlung von Zigaretten papicr und Gewähriing von Ersatz für unbrauchbar gewordene Zigarettensteuerzeichen an. Ter Ausschußberichi über die' Vorlage betreffend die Beschlüsse des Landesausschusses zu dem Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Berggesetzes für Elsaß-Lolhringcn sand Zustimmung.
— Em konservativer Delegiertentag findet am 11. Dezember in Berlin statt. Tie Tagesordnung ist noch nicht festgesetzt.
München, 14. Juni. Fürst Karl Löwenstein zu Klein-Heubach, der lang-jährige Koiinnlssar der deutschen Katholikentage und Präsident der Antivuclliga, tritt, 73 Jahre alt, in das Dominikanerkloster Venloo m Holland als Novize ein.__________________________________________________
jhüiänST
Christiania, 14. Ium. Ter Storthing verwarf mit 73 gegen 48 Stimmen einen Gesetzentwurf betreffend das all- gemeine Wahlrecht für 3-rauen und nahm mit 96 gegen 25 Stimmen einen Gesetz, imurf betreffend das staatsbürgerliche Wahlrecht für Frauen in derselben Ausdehnung, wie jetzt bei den kommunalen Wahlen, d..s heißt, daß die Frauen selbst ober deren Ehegatten für das letzte abgelaufene Jahr Steuern bezahlt haben müssen. Hierdurch wird die Wählerzahl um etron 300000 vermehrt.
London, 14. Jun . Generalfeiomarschall von Hahnke und eine Ofsiziersdeputittion des Infanterieregiments von Goeben Nr. 28 sind zur Teilnahme an der am 15. Juni angesetzten Feier der Enthüllung des Tcnkmals für den Herzog von Cambridge einge- ttöffen und werden wahrend des Aufenthalts Gä ft edes Königs sein. Sie wurden heu.: nachmittag vom König empfangen. Ter König verlieh dem Generalseldmarschall v. Hahnte das Großkreuz des Vikloriaor^ens, ferner dem Großherzog von Oldenburg und dem Landgrafen von Hessen das Großkreuz des Viktoriaordens.
— Aus Luxemburg wird gemeldet: Prof. Laband in Straßburg übermittelte der luxemburgischen Regierung ein vorläufiges Gutachten über die Thronfolgefrage; nach demselben luerbcn dem Grasen Merenberg alle Ansprüche am den Thron ab- gesprochen. Ein aussührllches Gutachten roiro Laband demnächst folgen lassen.
Paris, 14. Juni. Ter römische Korrespondent des „Tleffibor* teilt mit, daß Frankreich gestern Italien uon der Unterzeichnung eines Bündiiisvertrages zwischen Spanien und Frankreich in Kenntnis gesetzt habe, durch den beide Mächte sich den gegenseitigen Schutz im 'JJhtiehneer und im Atlantischen Ozean garantieren. Ein gleichlauteiider Vertrag fei gleichzeitig zwischen England und Spanien unlerzeichuel ivorden.
Cherbourg, 14. Juni. Die Jacht „Viktoria und Albert* mit dem KönigSpaar von Dänemark an Bord ist hier ein- getroffen, eskortiert von vier englischen Panzerkreuzern. Präsident Fallieres begab sich mit den Munstern an Bord der „Viktoria und Albert", wo er von König Friedrich von Dänemark empfangen wurde. Vor der Abreise nad) Paris gab FalliLres ein Frühstück, wobei er einen Trintsprucy ausbrachle. Ter König dankte und verlieh dem Präsideiiteii Falliöres den Elefantenorden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. Juni.
" Neuer Kommerzienrat. Se. König!. Hoh. der Großherzog haben dem Kaufmann Karl Camesasca zu Moskau den Charakter als Kommerzienrat erteilt.
• • Die unkündbare Anstellung wurde verliehen den Eisenbahnassistenten Friedr. Berkes zu Fulda, Joh. Hch. Dörmer zu Hachenburg, Joh. Aug. Luh zil Gießen und Val. Jaeger zu Dietz, sowie den Lokomotivführern Karl Gerl ach zu Gießen und Karl Rüspeler zu Londorf, sämtlich in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft.
* • Erledigt ist die mit einem kathol. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Wöllstadt. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem kath. Pfarrer und dem OctSvorstand zu Ober-Wöllstadt steht das Präsentationsrecht zu.
" Künstle rein. In der Gemälde-Ausstellung am Brand hat wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde stattgefunden. Unter den neu ausgestellten befinden sich Werke von Prof. Hamm a ch er-Berlin, Al. Frey-Dresden, A. Wex, R. Lipps, A. Ehelius, E. Meißner, W. Har sing- München und Anna Borne mann-Hamburg.
• e Anlage m usik findet am Sonnla vormittag 12 Uhr in der Süd-Anlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zur Oper ,Ter Schiffbruch der Medusa", von Reiniger; 2. Venus-Walzer, von Linckc; 3. Czardai? G-moll, von Michiels; 4. Armeemarsch 145.
• • Verhaftet wurde gestern abend auf dem Schiffen» berg von zwei Schutzlciiten der Lederarbeiter Wilhelm Krüger aus Freist. Er wird von der Königs. Staats- anivaltschas't Magdediirg wegen schweren Diebstahls steckbiieflich verfolgt iind halle sich als Knecht auf dem Schiffcnberg vermittel.
• .Der Fritz war'sl* Vom TaunuSrennen wird erzählt: Nr. 3, Fritz Opel, hatte seine erste Runde. Er war der erste Fahrer, der wieder am Ziel vorüber kam. Eine Trillerpfeife kündete vom Zielrichterhäuschcn auS sein Heran- uahen und S. K. H. unser Groß Herzog, der hinüber zur Chaussee geeilt ionr, kehrte freudestrahlend an den FrühstückS- tisch im Cafözclt zu seiner Gesellschaft zurück und ruft schon von weitem: .Der Fritz war'sl"
*♦ Dekorierte hessische Aussteller in Mailand 190 6. Nach dem ossiziellen Verzeichnis der auf der Internationalen Ausstellung in Mailand 1906 erteilten Aus- zeich.-ililgen ist eine ganze Anzahl hessischer Aussteller mit solchen bedacht worden. Es erhielten: In der Sektion 1, Abt. Feuer- weh-.a.isstellung, H. Müller u. Co., Offenbach, eine silberne Medaille: in der Sektion 2, Lpndtransportwcsen, die Firma Mayer u. Schmidt, Offendach, einen großen-Preis; in der Sektion 4, Ponwesen und Meiwlogie, Wilhelm Spoerhase^ vorm^C. Staudi. ger u. Co., Gießen, einen großen Preis; in dec Sellion 7, Telorative Kunst, Professor Joseph M. Olbrich, Sann;iavt, und Ludw. Schäfer, Möbelfabrik und Dekoration, Mainz, einen großen Preis' Bcrlagsmtstalt Alex. Koch, Darm- nabt, ein tthre.ib.pwm; Oberdhan u. Beck, Mainz, eine gowene Medattle. In der Sektion 8, Arbeitshalle, erhieltenz außer Wettbewerb eine Auszeichnung Collet u. Engelhard, G. in. b. H., Werkzeugmaschinensabrik in Offenbach; einen großen Preis Ma_yer u. Schmidt, Offenbach; eine goldene Medaille rZrieix.ch Schmaltz, Schleifmaschinen- und Sck)leisräder-Fabrik, Offenbach. In der Sektion 9, Fischereiwesen, erhielt eine goldene Medaille Heinrich Henkel, Hoslieserant, Darmstadt; in der Sektion 10, Landw.rcschiast, Conrad Appel, Darmstadt, einen großen Preis (außerhalb der deutschen Abteilung ausgestellt); in der Sektion 11, Sanitittswesen, erhielten ein EhrendiplomMaye r und Schmidt, Offenbach; eine goldene Medaille Mayer und Schmidt, Offenbach; eine bronzene Medaille Dr. W. Nägeli, Mombach.
x Daubringen, 14. Juni. Arbeitsreiche Tage stehen nunmehr unserm K r i e g e r ü e r e i n bevor. Gilt es doch, das am 7. Juli statlsindende Ehrenfest seines 35jährigen Bestehens würdig vorzubereuen. Den Gipfelpunkt der Festlichkeiten bildet die durch einen Vertreter der Regierung et'olgenbe feierliche lieber- reichnng der K a i s e r s ch l e i f e an den Jubetverein. Die Fesi- jungfrauen und der Gesangverein „Eintracht" wollen sichs ebenfalls nicht nehmen lasie», u-ren Sympathien durch Ueberreiehnug je einer Schlecke 'Ausdruck zu geben, ein schönes Zeichen dafür, daß auch in unseren durch Parui- und StaudeSzersptitterung gekennzeichneten Zeitläuften die Geuihle der Kameradschaft und Zusammeugehörig- teit nicht ganz erloschen sind. Als Festplatz ist em Terrain von ca. 20uU qm vorgesehen, bas jedoch nach Belieben dem Bedürsmsse entsprechend eriueiiert werden kann. Tie Einteilung bezw. Ein- richNing ist so geplant, daß allen Anforderungen für schnelle Bedienung und die Beqnemtichleii der Gäste aufs weilgehenste eiit- fprochcu werben kann. Z. B. stehen allein in der überdeckten Fest- Halle über 2000 Sitzplätze znr Verfügung. Was Unterhaltung und Vergnügungen anbelangt, sind derartige Veranstaltungen vorbereitet, baß sie auch bie verwöhntesten Anfprüche befriedigen werden. Falts bas Wetter keinen bösen Streich spielt, wird der 7. Juli für alle Festieitnehmer noch lange mit recht angenehmen Erinnerungen verknüpft fern.
— Steinbach, 14. Juni. Der hiesige LandwirtHch. Keßler besitzt eine Kuh, die dieser Tage drei gesunden normal ausgebildeten Kälbern das Leben gab. Die Kuh« drillinge befinden sich wohl.
X Gründerg, 14. Juni. Ein hiesiger Metzger hat das Pfund Schweinefleisch auf 60 Pfg. herabgesetzt. Die Schweine kosten hier per Pfund lebend 40 Pfg.
Q Lauter, 13. Juni. Gestern ist auch das Wasserrad des Llpprctnr- und Walkgeschästs Schlörb wegen Mangel an Wasser stehen geblieben. Durch die Nauheimer Gruppenwaffecleitiing stehen seit mehr als einem Jahr hier fünf Mühlen still. Dem Schlörb'schen Geschäft bleibt nun nichts anderes übrig, als eine große Dampfmaschine anzuschaffen. Tas Hodosar'sche Spinnerei- und Appreturgeschäst wird im Juli ober spätestens August nachfolgen. Welche Steuerkraft geht für das erst 400 Seelen zählende Dorf Lauter durch den Wegfall der Ntühlen und Geschäfte verloren! Die Gemeindesteuer beträgt jetzt schon 118 Prozent der StaatSsteuer. Außer dem Verlust der Steuerkraft, der an sich schon sehr fühlbar wäre, kommen noch die Kosten der neuen Wasserleitung für die Gemeinde Lauter hinzu. Der Prozentsatz der Gelneinbesteuer zu der Staatssteuer wird eine Höhe erreichen, wie in keiner Gemeinde im Kreise Gießen, vielleicht auch nicht in ganz Oberhesfen. Man sollte es kaum für möglich halten, daß es auch noch Leute gibt, welche von einem neuen Schulhausbau sprechen.
W. Bad Nauheim, 14. Juni. Bis zum 13. Juni sind 11 028 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6571 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 13. Juni 109 507 abgegeben.
ed. Gonterskirchen, 14. Juni. Die Maffenerkrankung. die vom Kreisgesundheitsamt Schotten als Unterleibstyphus festgestellt ist, ist noch immer in der Zunahme begriffen, so daß in manchen Häusern fast alle Familienmitglieder darniederliegen. Fest steht, daß zuerst Hochzeits- gäfte erkrankten und daß in dem Haufe, in dem die Hochzeit abgehalten wurde, vor 2 Jahren em Typhusfall vorgekommen ist. Am letzten Montag konferierten hier der Vertreter des Großherzogl. Kreisgesundheitsamts Schotten mit den beiden Laubacher Aerzten. Als Frucht der Beratung ist daS Verbot der Wafferentnehrnung aus den Brunnen, die in Nähe des Horloffbaches liegen, anzusehen.
Mainz, 14.Juni. Bei den vorgestrigen Felddiensi- Übungen aus dem Großen Sande, die anläßlich der Be-


