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13.3.1907 Erstes Blatt
 
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Erscheint täglich außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit Lern hessischen Landwirt die Siebener ZamilteN' blätter viermal in der Woche beigelegt um zweimal wöchentlich da? Erelsblatl für den KrtU Sirtzen. Fernsprech-An- schluß i.d. Redaktion US Verlag u. Lxpedinon 51 Adresse füt Depeschen: «njeiger Gießen.

Erstes Blatt 157. Jahrgang

Mittwoch 13. März 1907

General-Anzeiger für Oberheffen

Rotatronsörutf und Verlag der Vrühl'fchen Unlo.-vuch« und SteindruSerel. B. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7.

VezugSpretS: mor. atlich 75 vietteb» jäbihd) Mk. 2.20. du ich Abhole- u. ^welg'leUen monaihd) 65 Ps.; durch die Post Mk. 2. oieriel» jährl. ausichl. Be'iellg. Annahme von Anreige» für die Lage-nuiniuer b«S uoniuiiüd« lo Uhr, Zeilenprers. lokal lb pi, audiuäne 20 P'enntg. Belaniworttich tüt de» polu. und aUgem. ieil: P. Willko tüt ,Sladl und tianlr und -b)eud)is|aal'. ü c n ft peB, tüt den An­zeigenteil Pan « Beck

ALe heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.

5?om wirtschaftlichen Kampfplatz.

Der Streik der Grubenarbeiter im Ruhrreoier ist ouS* geblieben, und wenn eS auch nicht ganz ohne ArbeitSein- jtellungcn und Absperrungen abgegangen ist, im allgemeinen boten die letzten sechs Monate doch em Bild deS wirtschastl. und sozialen Friedens, wie wir es seit Jahren nicht mehr erlebt haben. Daran ändert die Tatsache nichts, daß äugen- blicklich Tapezierer, Schneider und Schuhmacher hier und da im Lohnkampse stehen, daß im Mctallarbeltergewerbe noch immer kriselt effektiv hoben wir größere Streiks in dem letzten Wmtcr nicht gehabt, und das ist höchst erfreulich.

GS handelt sich hierbei nicht um eine zufällige Erschei­nung für daS Zurückgehen deS Kampfes zwischen Arbeit­geber und Arbeiter sind zwei schlagende Gründe vorhanden. Einmal der ausschlaggebende Grund für die Arbeiter: die absolute Resultatlosigkeit der großen Streiks. Ls sind ja wohl ab und zu bessere Arbeitsbedingungen erzielt worden, aber im allgemeinen sind alle Streiks für die Arbeiterschaft un­glücklich auSgegangen. Wir erinnern nur an die Gruben-, TrLtil- und IHctaÜarbeiter. Es ist unendlich viel Geld seitens der Geioertjchaften und seitens der sozialdemokratischen Presse in diese Unternehmungen gesteckt worden, und da- Geld war zum größten Teil verloren. Dazu kam noch das unendliche Elend, das diese großen Streiks über tausende von Familien gebracht haben was war das m Sachsen zu Weihnachten vor vier Jahren für eine grenzenlose Rot! Ta sagten sich die Arbeiter mit Recht: zu welchem Zweck stürzen wir uns in diese Fährlichleilen? Zum größeren Ruhme der soziald-m. Partei? Tie Partei ilt nicht imstande, unseren Kindern und uns Brot zu schassen auf weiß Gott, wie lange hinaus. Das war sehr richtig kalkuliert, und die Streitunlust in den Ar- beiterfteifen ist auf dieses Kalkül zurückzuführen. ES ist heute ohnehin schwer genug, und unter den gegenwärtigen Teuerungs- Verhältnissen Leuten nut großer Familie fast unmöglich, auL- ziilommen mit dem, was sie sich verhienen. Lazu noch em Streik das geht einfach nicht.

Der zweite Grund dafür, daß man größere Streiks nach Möglichkeit zu vermeiden trachtet, liegt dann, daß das Ge- heiinniS der Organisation eben fein Geheimnis mehr ist, daß

können, daß aus dem Reichs-Arbeitgeberverband nichts ge­worden ist, aber diese kleineren Korporationen scheinen berufen, den Wirtschaftskampf einzudämmen, und das ist anS sozialen Gründen, das ist im Interesse auch der Arbeiterschaft nur zu begrüßen.

Kampf ist immer etwas Bitteres, denn jeder Kampf schlägt Wunden, und bei jedem Kampf muß es Sieger und Besiegte geben. Bei der Gegensätzlichkeit der Weltanschau­ungen aber, die nun einmal zwischen Besitzenden und Besitz­losen herrscht, lasten Kämpfe sich nicht vermelden. Man kann deshalb nur den einen Wunsch hegen, daß diese Kämpfe in einer möglichst humanen Form geführt werden. Was in der Weltpolitik durch die nächste Haager Friedenskonferenz erzielt werden soll, das sollte sieh doch auch auf die wirtschaftlichen Kämpfe übertragen lasten. Streiks und Aussperrungen sind die denkbar schroffsten Kampfmittel, und wenn die sich vermeiden ließen, dann wäre eS ein hoher Segen für unsere Industrie sowohl, wie für unsere Arbeiterschaft. Industrie und Arbeiter sind aufeinander angewiesen. Ohne Arbeiter gibt eS keine Industrie und ohne diese müsten die Arbeiter verhungern. WaS ist aber ein Niesenstreik anders alS em Kampf der Arbeiter gegen die Industrie, die sie nähren soll? Und waS ist eine Aussperrung anders alS ein vernichtender Kampf der Industriellen gegen die Arbeiterschaft, ohne die sie nun einmal auch nicht auszukommen vermögen.

Rehmen wir nun die Tatsache, daß die Streitlust bei der organisierten Arbeiterschaft wesentlich zurückgegangen ist. sJiel)mcn wir ferner die Tatsache, daß Streiks durch den Zusammenschluß der Arbeitgeberfchaft immer aussichtsloser werden, so gelangen wir zu dem allerdings optimistischen, aber nicht unlogischen Schluß, daß der wirtschaftliche Kampf in der schroffen Form, roie er bisher geführt wurde, in ab­sehbarer Zett verschivindet. Denn er hat keine Berechtigung. Wie bann Streitfragen zwischen Unternehmern und Arbeitern ausgetragen werden, das ist eine Frage, die die Zukunft wohl beantworten wird. DaS Aernünftigste wären eben Schiedsgerichte, die zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern unter dem Vorsitz eines amtlichen Organs gebildet werden müssen. Doch daS ist Zukunftsmusik bleiben wir schön bei den Tatsachen! Wir iviederholen, der Kampf weist einen erfreulichen Rückgang auf wenn der so bleibt, so ist daS im Interesse der Arbeiterschaft und In-

auch die Arbeitgeber von den Sozialdemokraten gelernt haben.

dustrie in hohem Maße zu begrüßen!

iec Zusammenschluß der Arbeitgeber hat sich in den ver­schiedensten Formen und unter den verschiedensten Normen

Keusche Zweite Kammer.

vollzogen, und die Arbeitgeberverbände sind immer noch im wachsen begriffen. Eine Einigkeit unter den verschiedenen ®eioerben und Branchen hat sich allerdings nicht erzielen losfon, weil die Arbeitgeber nicht durch eine politische Idee zisammengehalten werden, wie die sozialdemofrat. Gewerk- idioften, aber auch diese Arbeitgeberverbände im engeren Rahmen sind imstande, den organisierten Arbeitern als gleich starte, ja in vielen Fällen als überlegene Macht gegenüber zu treten. Man wird es au§ sozialen Gründen nicht bedauern

K B. Darmstadt, 12. März.

Am Ministertisch: Staatsmimster Ewald, Furanzurmister Dr. Guau 1 h und mehrere Ministerialräte.

Nachdem Präsident Haas die Sitzung eröffnet, fetzt daL HauS die Etatsberatung fort bei der IX. paupiabtetlung:

Ministerium der Justiz.

Abg. Dr. G u tf l e i f ch führt als Ausschrrbreforent aus, der Ausschuß sei ans die Frage mbeirefj einer Erweiterung der Zuständigkeit der Amisgerrchte iür Prozesse von mehr als 300 Alk. bis 1000 oder 1200 Alk. und ersucht um Aus- tunft, wie sich die Großh. Regierimg dazu stelle. Weiler bespricht

*

Gieszener Stadttyeater.

Fuhrmann Henschel.

Gießen, 13. März.

Zwei der stärksten Jndividrialitäten, die die deutsche Ahnenkrinst z. Z. besitzt, »das Blütegeschlecht auf der von Reicher, dem Vater des letzten Berliner Realismus, geöffneten 8al)n*, wie Alfred Kerr, der Rezensent des .Tages", in seiner gkschranbien Weise sich auSdrückt,') Else Lehmann und Rudolf .Millner, sollten uns am letzten Donnerstag auf die äußerste Höhe der modernen Theaterkultur führen. Doch Frl. &i)mann ließ, wie kurz zuvor das Hofthcatec in Wiesbaden, len Gießener Thcatervereln aufsitzen, und so versetzte n8 denn unsere wackere Künstlerjchar ohne die beiden Ükdiner Heroen der darstellenden Kunst in die düstre Fnhr- MnnSstube Henschels, dieses Herku le s im Bauern kittet m dem Herzen eines Kindes, in jene engen und dumpfen di e Wände, die der herzenswärmste, nutleidstärkste unter nnjcrn heutigen Dichtern, der treueste Schilderer des gesunden, Irischen, seiner selbst bewußten Deutschtums des Bauern, ton unbarmherzigen Leben nachgeschaffen hat.

Daß für em solches Werk von nacktester, unerbittlichster Kkfonswahrhcit, wenn es eindringlich wirken soll, die Dar- ßrllung viel, sehr viel bedeutet, ist selbstverständlich. Herrn Eo ko fs Gestalt und Wesen, sein großes Organ machen ihn nicht ungeeignet für bäuerische Urlrast. Packend und wuchtig war er besonders in der Wirtshausszene. Im letzten Akte, besonders in der letzten Szene aber nahm er das Tempo schneller, als e- die Stimmung wünschenswert erscheinen ließ. Ueberhaupl Ulten den ganzen Slbeub über die Stimmungspausen; das gcht Herrn Bakof als Regisseur an. Sie sind zur Erhöhung bf: lebensvollen Eindruckes wie für den dem Dichter nach- |l)Ienben Zuschauer von gleicher Unentbehrlichkeit. Mitunter Mistel Herr B. leider, wie das bet ihm leicht der Fall ist, in eine Art, die nicht sowohl der rücksichtslosen Wahrheit Honplmanns als vielmehr der Theatralik etwa eines Wilden- l»iuch entsprach. Zuzugcben ist, daß die dumpfe Melancholie, tit seelische Gebrochenheit des von Lebeusschlägen Erschöpften, ifts iui Wahne des Wortbruches rettungslos und tat- und ratlos

Verderben entgegen Taumelnden, daß besonders die Szene,

*)Schauspielkunst" von Alfr. Kerr, Verlag von Bard, Mar- Midi u. Co. Ul Berlin, em fein ausgestatieics Büchetchen, das i- a. auch die Porträts von Rittner als Fuhrmann Henschel und rhe Lebmann als Rose Bernd enthalt.

in denen sich seine Sinne verwirren und Wahnvorstellungen ihm das Gespenst feiner ersten Frau vorzaubern, außerordentlich schwierig sind für den Darstellenden.

Die Hanne deS Frl. Schuster war eine sehr ernst zu nehmende, höchst respektable Leistung. Sie hatte sich der Aufgabe einer in die Tiefe der Seele dringenden Charakter­schilderung mit erstaunlich gutem Erfolge gewidmet. Wenn sie auch, wie alle, mit dem Dialekte nicht sehr zurecht kam, so gestaltete sie barür die harte, empfindungslose, dabei aber heißblütige und liebeStüficrne Bauern-Messalina von innen heraus fast ohne alle die kleinen Uebertreibungcn und Absichtlichkeiten, welche ihr sonst mitunter eigen sind. Schlechtigkeit hört immer mehr auf, unsympathisch zu sein, ivenn sie als etwas Selbstverständliches, in der Natur Be- gründeteS erscheint. Und Frl. Schuster gewann eS über sich, sich so weit zu entäußern, daß ihre Hanne vor uns stand in voller LebenSechthett, nut ihrer ganzen selbstsüchtig schlauen, berechnend lauernden Art. Das Beste davon war aber, daß sie das rechte 3)la6 stets einhielt, daß sie nichts übertrieb, daß jeder Ton, fast jeder Blick und fast jede Beivegung durchaus echt schien. Am eindrucksvollsten war die Schluß­szene. Hanne öffnet die Tür zum Schlafzimmer, in dem sich ihr Mann erhängt hat. Er antwortet nicht auf ihre Rufe. Es beschleicht sie ftumme, rieselnde Angst. Sie taumelt voi Entsetzen, nur hastig jähe Brusttöne ausstoßend, zurück, findet nur allmählich die Stimme, die anschwillt und in Kreischen verschwimmt. Tie bebenden Lippen bringen Worte nur un­deutlich hervor. In der Gewißheit der unseligen Tat durch- wirbelt sie der Schauer, und der Aufschrei eines Menschen- tieres läßt daS Blut gerinnen. Frl. Schuster fand mit Recht den starken Beifall einer ergriffenen Menge.

Auch sonst wurde teilweise erheblich über Durchschnitt gespielt. So war der Siebenhaar des Herrn Krauß em Kabinettstück seiner Charakteristik. Von taktvoller Diskretion, zahm und mild, und doch sicher und eindringlich in der Tonart, in vorzüglicher MaSke, ward dieser vom Schicksal gleichfalls Mitgenommene durch die Darstellung nächst bei Hanne die interessanteste Gestalt der Dichtung. Nahezu gleich vortrefflich war der Hauffe des Henn Lippert. Wir be­sitzen in diesem bescheidenen Künstler wirtlich eine vielseitig verwendbare, nie ui der Charakteristik seht gehende aus­gezeichnete Kraft. Herr Reimer trug sichtlich größtes Maß Lur Schau, indem er dem alten Komödianten möglichst wenig

Webner die Vorteile und Scdwächcn der Nüliegioigcudjie und uen AnwaNszwang. DaS System der Kollegialgenchle erfdieme aller­dings als verbefferilngsbedüriiig, aber es trage sich doch sebr, ob man mit der allzustarken Heranziehung der Emzelrlchter das Rich­tige treffen werde. Die R e v o l u i i o n im Richterstand und die Z e r st r e u u n g des A n w a l t s st a n d e s könne doch ivohl kaum im Znleresse der Aechtsuchenden liegen. Be« der (Srweiteiuiig der Amtsgerichtskompeienz iaUe auch für die melieren Sachen der Anwaltszwang weg, gegen diesen tonne man aber auch ol)iie eine orgamsaiorische Aenderung not geben. Es sei eine ungesunde AechiS- ennvirfelimg, ivenn man den Burger und Bauer zwinge, sich nur durch Vermittlung des Amvalts an den Richter zu luenbeit und den Letzteren veranlasse, anstatt direkt mit den Parielen zu ver» lehreii, sich au deren Rcchisbelstaud zu wenden. E» müsse über- baupt an bie Emsiihrung eines e t ii i a d) e r e n Prozeßver- fahrens herangclreten werden. Allerdings sei eS fraglich, ob die Anusgerichie den ihnen zu flellenben Anforderungen mbezng auf Vereiniactmug und Schnelligkeit würben gerecht werden können« Eine Verbesierling der Rechtspflege lei schon sicher von den Ver­tretern derielben erschwert ivorden. Im übrigen erklärt der Redner namens des Ausschußes, daß alle die zahlreichen Vorsietlimgeu auS den verschiedensten Streifen der Justtzbeamieu zuiückgeslelli werben mußten. Ta zur Zeit die dafür enoröerlichen Aiiliel fohlten und sich erst nachAevltgiieüung des Elais und der Slachiragsvorlagen em besseres Bild über die ganze Lage ergeben werde.

Abg. Dr. G t ä s s i n g (Hosp, der Natt.) ersuchi die Regierung bringend, die seitens der Amtsrichter und der O3eiid)i9u|ieHoien vorgebrachien Wümche bezüglich ihrer Anllellungsverhältnifje tc. m Berücksichtigung zu ziehen unö bespricht dann die Crgmiiiütion der Gemelnde-Wauenpstege und Der Vnllallsvornrundichau. Iubeireff der (sriueiterunfl der AnusgeridUszustaildlgkelt bemerkt Redner, man könne dem Cberbürflermemer Dr. Ädickes für fome Bestrebungen zur Hebung der Justlz nur dankbar sein. Er fei bezüglich der Kompetenzerwerlerung weniger pessimiilisch als der Vorredner, balle über eine sehr sorgiälnge Vorbereitung sür nonoenöig und glaube, daß die ganze Frage erst dann sprud;reii werde, ivenn sich die einzelnen Regierung.u, vor allem Preußen, in klarer Weise darüber geäußert hatten.

Abg. Wolf ('Um.) bespricht die jüngste Rechtsprechung be­züglich der Weinlalschungen und wendet sich tu scharfen Worten gegen den Führer des Bundes bet Land- iDrte, Dr. Röficke, der die Widerveraußerrmg der beschlag­nahmen Weine vorschlug und fid) über den hessischen Weinbau in abfälliger Weise äußerte; auch gegen bie unwahren Behaupt­ungen dcS Reidistagsabgeordneten Stauffer muffe er protestieren. Mit derartigen Aiitteln werde man Den Deutschen Weinbau nicht heben und er spreche feine Verwunderung darüber aus, daß eut Baueruvertreier im Reichstag, wie Dr. Rösicke, sich nicht eiublöbet hat, in emer so wichltgeii Frage so schlechte Witze zu uracheu. In pessetl werde fern einziger SachveritänDiger sein, der nicht der 'Illeumng wäre, daß das Wemgefetz von 1001 ausgezeichnet funktio­niert hätte. Es foi im Reichstag auch bei Erörterung der Wein- 'cUfchllngen stark übertrieben worben. Tas Weinbaugebiet in Hessen sei ein geographisch nur kleines und bie gute Kontrolle ver- hmDere schon an sich die Lust zu Weiniälsd)ungen. Es müsse da­rauf gedrungen werden, baß eine eulhenltdie rlteichskontrolle etnge- Mhrt nnb Preußen zur Aliigabe feiner mtDerft>red)enben Haltung veranlaßt iverde. Man sollte die Bestimmung zur Turdi'ubrung bringen, Daß jeder Wembesitzer auf Beiragen der Siaaisanwaltichafk oder Der BehörDe lederzeu Den Rachweis über Die Herkunst jemer Werne zu erbimgen tu der Lage jem muß.

Abg. Dr. Frenay (Zenlr.) bespricht deS Längeren die Tätig­keit der Ortsgerlchte und Die Vorschriften über Deren Kompetenz tut Grundsiücksverkehr. Es müsse Doch etwas bebentlid) eridjemen, Die Ortsgerlchte mit der Verpflichtung zu betasten, daß sie auch jederzeit AllSkunit, auch m per|önlid)ec Hinsicht, zu erteilen bauen.

Komödienhaftes gab. Den koketten Tänzelbackfisch Franziska, ein wild wachsendes Pflänzchen, bas bem von ferner Staub­schicht überdeckten Sumpfe des Lebens entgegenstrebt und das der Dichter mit wenigen Strichen köstlich geschildert hat, gab Frl. Donecker mit besonderer Lust und Anmut, aber leider etwas zu bewußter Ungeniertheit.

Die Herren Ries, Gronert, Kost, Schlottau, G ree ff rc. gaben im ganzen eine zweckentsprechende Staffage.

Lobenswert war die Sorgfalt der Regie. Alles in allem war eine gewisse Einheitlichkeit vorhanden, abgesehen vom Dialekt. Der ÄtaturaliSmuS wurde nicht übertrieben. Die Wirtshausszene hätte freilich von Anfang an lebendiger, weniger gezwungen arrangiert werden können. Doch kann man von einer recht befriedigenden Gesarntauffuhrung dieser Hanptrnann'schen Dichtung sprechen, die m. E. duichaus mit Recht SeivaeS neulich im .Ltterar. Echo" zu den aller- stärtsten und rundesten Leistungen Hauptmanns zählte.

P. W.

Frankfurt, 12. März. DieFreiellterarischeGe- sellschast hatte dieser Tage zu einer Veranstaltung ein» geladen, die ausschließlich den Dichtungen der Franksurte r Dichterin Julia Virginia (Frl. Scheuermann) ge­widmet war. Diese selbst las eine ProsaskizzeEine stille Stunde im Städel" vor u,nb ließ in bunter Reihe eine Anzahl größerer und kleinerer Gedichte folgen, die bisher nur zum Teil gedruckt sind, alle aber von der Begabung ihrer Versusserin das beste Zeugnis ablegen. Frau Hensel-Schweitzer sang je zwei von Kapellmeister Franz Neumann und von Theo Schäfer nach Texten der Dichterin verwute Lieder und erzielte mit ihnen, gleichwie die Dichterin für ihre Rezitationen, lebhaften Beisall. Tie beiden Neumannschen, bisher ungedruckten LiederErste Blüte" undDir!" sind tief empfunoene Kompositionen, die gewiß ihren Weg machen werden. Den Schluß deS Abends bildete die ebenfalls sehr beifällig aufgenommene Rezitation der DichtungPan" durch Max Bayrhammer, die durch die stimmungsvolle, ebenfalls von Kapellmeister Neumann her- ruhrende melodramatische Begleitung zu bcfonderer Wiikung ge­langte. Am Klavier waltete Lilty Mayerhofer mit ge­wohnter Sicherheit ihres Amtes.

Lübeck, 12. Mürz. Die Bürgerschaft nahm den Senats­antrag betreffend Erbauung eines Stadttheaters mit Fcst- älen für 1 734 000 Mk. an. Den Bauplatz hat Senator Pos- zehl gestiftet.

Der deutsche Kaiser hat Peter Rosegger, dem öftere. Bauerndichler, den Sloten Adlerorden 2. Klasse verliehen