157. Jahrgang
Zweites Matt
r. Ätt7
General-Anzeiger für Gderheffen
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» strahe 7. Expedition und Verlag: öl.
Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzergerAießen,
Mittwoch 15. November 1907
RotattonSdruck und Vertag der Br übliche« UnwersllälS - Buch- und Stemdruckerei.
R. Lange. Lietzen.
^chrtni tSgN- ntti Ausnahme d-S Sonnu^gL.
k>,e ^Oietzener ZamtttendlLNer" werden dem P„zet«er' viermal wöchentlich beigelegt. das 'xretsblatt für den Kreis Giehcn" zivennal Vöchenlirch- Der ..hesstsche Landwirt" erfchemt monatlich einmal.
Icr Alock.
Nllr wenige Tage trennen uns noch von dem Zusarn- »nrrilt des Reichstages, für den bekanntlich eine sehr ^lige Session bevorsteht. Gilt es doch vor allem, l,rere Vorlagen unter Dach und Fach zu bringen, zu Hven 1 bie dem Negierungsblock angehörenden Parteien j.cr eine prinzipielle entgegengesetzte Haltung einnahmen bie man jetzt trotzdem für die Regierungsentwürse ‘pinnen muß, wenn man den Block nicht sprengen will, idessen darf es als ein bemerkenswertes Zeichen auf- saßl werden, daß innerhalb der verschiedenen Parteien .z Plvcks das ersichtliche Bestreben vorwaltet, soweit es irgendwie mit den Parteiprinzipien vereinen läßt, treu ii B^ock jestzuhalten und der Regierung die Gefolgschaft chi zu versagen. In verschiedenen Lagern hat es aller- ,.0s nicht an Stimmen gefehlt, die von dem Block nicht el wissen wollten, zumal die Zusammensetzung der Ne- eruugsmehrheit so heterogen ist; wie auf der Linken, V gibt es auch aus der Rechten Persönlichkeiten, die die njictjt vertreten, daß infolge der Zugehörigkeit zum egierungsblvck, eigene Parteiinteressen beträchtlich leiden id die nur ungern dafür zu haben sind, im Hinblick aus e politische Situation Konzessionen zu machen. Es ist in nicht ohne Interesse, daß kurz vor Zusammentritt »z Reichstages zwei wichtige Kundgebungen er- lgt sind, die einen Schluß aus die Haltung der am meisten ugegengesetzten Blockparteien, der Konservativen und der ccisiunigen, zulassen. In Breslau hielt der einjluß- ichsie Führer der Rechten Herr von Heydebrand eine nßere politische Rede, in der er sich für die augenblickliche iluation vollständig auf den Boden der konservativ-libe- ilen Paarung stellte unb es für nützlich erklärte, daß die nservalive Partei mit liberalen Anschauungen Hand in and gehe, er vergißt aber erklärlicherweise nicht hinzu- ijügeit, daß nicht verlangt werden dürfe, daß die kon- rvalive Partei ein prinziptelles Opfer ihrer Lebensinter- sen bringen müsse. Freilich verkennt der konservative arteijührer nicht, daß es sich bei der heutigen Gruppie- ing der Parteien um eine Situation handelt, die mög- cherweise nach einer kurzen Spanne Zeit überlebt ist, ie er denn auch den Standpunkt vertritt, daß auf die au er das Zentrum nicht von der Mitwirkung an den rutschen Reichsangelegenheiten ausgeschlossen werden mne.
Eine ähnliche Tendenz, wie sie Herr von Heydebrand insichtlich des Festhaltens an den Parteiprinzipien trotz s bestehenden Blocks vertrat, kam auch in der Frank- ;rter Eiingungsversammlung der linksliberalen Parteien int Ausdruck, und nach dieser Hinsicht bildete die Frauk- irter Versammlung eine Ergänzung zu dem in Berlin ogehaltenen freisinnigen Parteitage. Indessen darf der rantfurter Tagung doch insofern eine größere edeutung beigemejfen werden, als in Frankfurt die .ei freisinnigen Gruppen zusammengetreten waren rtö das einhellige Festhalten am Block in die Er- tjeiiiung trat. Es kamen in Frankfurt Redner 16 allen drei Gruppen des LinksliberalismuS zu Worte: laimer der freisinnigen Volkspartei, der Vereinigung und r spezifisch süddeutsch gefärbten Demokratie. Ader doch ai, da — wie uns scheinen will, mit gutem Grunde — ne Diskussion von vornherein ausgeschlossen war, Männer, ie bie gegenwärtige Situation akzeptieren und auf ihrer Uundlage bauen und Mitarbeiten wollen. Bloß ein paarmal 'dachte man der ewigen Besserwisser, die draußen geblieben aren. Spielte auf den Politiker an, „der sich selbst als nen entschiedenen Liberalen" bezeichne. Versetzte auch — drigens in durchaus maßvoller Form — dem poetischen Berliner Tageblatt" einen kleinen Hieb. Aber sonst ging n erfreulicher Zug von Einmütigkeit durch die Versammlung nb fein Geringerer als Friedrich Naumann stellte sich in iren Dienst, indem er der Korona den Rüttlischwur ent- egencief; „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in ’.ner Rot uns trennen und Gefahr." Das hat ihm, der as Instrument der Rede als Virtuos meistert, tosenden Bei
fall eingebi.acht. Aber daö politisch Bedeiitjamfie ivar es nicht. Das waren vielmehr die einleitenden Ausführungen Conrad HauSmannS, der, wie neulich schon sein politische! Bundesbruder Payer, einen anerkennenswerten bon sens in der Bewertung der politischen Konstellation bewies. Nüchtern, mit sympathischer Klarheit legte er dar, wie die ganze Lag^ den gegenwärtigen Kanzler zwinge, den Liberalen entgegen» znkommen, und wie töricht es von ihnen wäre, wenn sie sich in diesem Augenblick als impotent erwiesen. Und ungemein anschaulich wars und von zwingender Durchschlagskraft, wie der württernbergische Demokrat dann den Lieblingstranm der Barth und Genossen von der Bündnissähigkeit der Sozialdemokratie an das grelle Licht des Tages zog und uju erbarmungslos zerpflückte. Auch Herr Wiemer sprach em gutes Wort. Er meinte: mit der Theorie des alles oder nichts ist nichts getan. Der verstorbene Munkel hätte gelehrt: „Kann ich nicht einen großen Schritt vorivärts machen, so mache ich zwei kleine Schritte vorwärts, aber niemals einen Schritt zurück." 9)ht diesen Auffassungen wird sich auch der gemäßigte Liberalismus befreunden können._____________
Aie öS utuiot in öa Lunow.rijchcksr.
lieber dieses wichtige Thema h.elt am Freitag un landwirtschaftlichen Bezirksverein des Kreises Gießen Professor Dr. Gisevius einen interessanten Dorr g der un nachstehenden auszugsweise wiedergegeoen .e^. Veginn seiner Ausführungen wies der Redner darauf hin, dag nicht nur die landwirtschaftlichen Großbetriebe, sondern auch die Kleinbetriebe sehr unter der herrschenden Leutenot litten. Nur durch die Gewinnung einer entsprechenden Zahl landwirtschaftlicher Arbeiter könne der landwirtschafitiche Betrieb intensiver ausgestattet und insbesondere dem .Hackfrüchte- und dem Gemüsebau mehr Au|ineru'amteit gewidmet werden. Sehr bedenilich könne der Mangel an Arbeitskräften für den Fall eines Krieges werden, da dann der Landwirtschaftsbetrieb außerordenillch euigeschränkt werden muffe. Heute schon werden in Deutschland alljährlich 500000 ausländische Arbeiter an der Landwirtschaft beschäftigt und es sei nicht ausgeschlossen, daß im Falle eines Krieges die fremden Staaten die Leute zurückhalten werden. Dadurch könne ein direkter Notstand in der Landwirtschaft hervorgernsen werden. Vielfach werde für den Arbeitermangel die Freizügigteit verantwortlich gemacht, aber sie liege weiter zurück als bie letzten 10 Jahre, in denen die Leutenot so recht in die Erscheinung geireien sei. Tie Aufhebung der Freizügigkeit, die von manchen Seiten verlangt werde, sei bei der Entwickelung unserer Verhältnisse un- denibar. Daß die verbesserten Verkehrsverhältnisse dem Lande Arbeitskräfte zugunsten der Industrie entziehen, sei richtig,.aber auch hieran tonne nichts geändert werden. Weder könne man bie bestehenden Bahnen beseitigen, noch neue Linien verhindern; das liege auch gar nicht im Interesse der ländlichen Streife, was am besten daraus hervorgehe, daß gerade vom Lande zahlreiche Wünsche betr. neuer Eisenbahnen geäußert würden. Auch bezrigtich der dritten äußeren Ursache des Arbeitermangels, der wachsenden Ausdehnung der Industrie habe man keine Mittel, sie im Interesse der Landwirtscha,t zu unterbinden. Man könne nur annehmen, daß die Industrie einmal so zunehmen werde, daß keine weitere Ausoehnung eintreten könne. Denn die Industrie brauche nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Kapital und gerade jetzt sei sie in dieser Hinsicht an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Auch innere Ursachen kämen für den Wegzug der Arbeiter vom Lande zur Fabrikaroeit in Befracht. Diese inneren Urjachen liegen in Der Seele des Arbeiters. Wir verstehen sie in ihren Wirkungen nur bann, wenn wir uns in die Seele unserer Arbeiter felbst versetzen. Vor allem sei es der Wandertrieb, der tief in febem Deutschen stecke. Derselbe Trieb, der den Deutschen über das Meer führt, führt ihn auch in bie Städte, und vielfach:.ift an bie Stelle der Auswanderung die Landflucht getreten. Verstandesgemäß sei dies nicht, beim die Verhältnisse auf dem Lande unb bei der Landarbeit lägen vielfach gesünder und besser als in den städtischen Fabrikbetrieben. Ein Fehler sei es gewesen, bei Llufhebung der Leibeigenschaft eine Arbeiterschaft zu schaffen, die vollständig besitzlos sei. Die Leute wollen aus diesem besitzlosen Zustand heraus, da sie glauben, daß sie als Bergwertsarbeiter usw. eher zu einem Eigentum.kommen können. Ein weiterer Punkt, der den Arbeiter zur Industrie hinziehe, sei die Höhe des BarlohneS in der Stadt, die für den Arbeiter
sehr üerlou/iiu) fei. ur Ue^eiue zwar iuu^, vap uie Kaufkraft des Geldes aus dem Lande viel artiger sei als in der Stadt. Es sei au -erwarten, daß in dieser Hinsicht im Lause der Zeit eine Umwandlung eintreten und der Arbeiter einsehen werde, daß die Landarbeit hinsichtlich des Lohnes der Jndustriearbeit gleichstehe. Dazu komme bie Geringschätzung, die man vielfach dem besitzlosen Landarbeiter auf dem Lande entgegenbringe, die Möglichkeit, in der Stadt seinen Kindern eine bessere Schulbildung geben zu rönnen. Weiter lockt oie in der Stadt ftch bicteiiue Möglictz- teit, größere Geselligkeit zu pflegen, den Arbeiter in die Stadt. Auch die hinsichtlich der Arbeitszeit in der Stadt bestehende größere Ungebundenheit trage zur Land,lucht bei. Um Abhilfe zu schaffen, müsse man terjuujen, dem Landarbeiter einige der Annehmlichreiten zu bieien, die ihre städtischen Siamerabeu hätten. Die Hauptsache sei aber, oaß man ben Landarbeitern mehr SelbiraaMng einpflanze. Das System der Wanderarbeirer sei nicht etwa aus Er- fparnisgrünben erfolgt, sondern aus Noc, denn die Lohnhöhe fei außerordentlich gestiegen. Dazu komme, daß die Länbergebiete, die die Wanderarbeiter liefern, heute nicht mehr ergiebiger zu machen sind, da f\e in btejer Hinsicht erschöpft feien. <£>0)1)11 vor Jayren hat sich auaj ein lutangel an ausländischen Wanderarbeitern fühlbar gemacht. Die Wanderarbeiter seien nur eme vorübergehende Avhilse, die vielleicht für wenige Jahre helfe. Man müsse daran deuten, sich wieder eine einheimische Landarbeiterschafl zu schaffen. Manches tonne durch Arbeitervermittluiigsstellen geschehen und er könne Mitteilen, daß die hessische Landwirrschafts- tanuner dies schon in Aussicht genommen fyabe. Tie,e Einrichtung werde nur dann nutzbringend werden, wenn sie lür ganz Deur sch land gemeinsam etioigc, damit nicht durch oie Slonrurrenz der einzelnen Vermittlungsstellen die Lohne unnatürlich in die Hohe getrieben wuroen. Die Hauptjache sei aber die Schaffung einer einheimischen Landarbeiter- jchaft, die frei und nicht besitzlos sei. In dieser Hinsicht habe man in Sb er Hessen schon manches getan. Man habe z. B. bei Feld der emigung aus den sogen. Majiengruudstucken ucine Baustellen geschossen und an verschiedenen Stellen habe man Einrichtungen getroffen, daß die Landarbeiter nach und nach in den Besitz eigener Häuser gelangen. Dazu komme eine die Seele des ländlichen Arbeiters berücksill)- ligende laiidliche Wohlfahrtspflege, Volrsunterhattungs- abende, Volksbibliotheten usw., die Förderung des landwirt- schafklichen Fortbildungsschulwesens, auf welchem Gebiet ja der Kreis Gießen tatkräftig borangegangen fei. Auch die Pflege des Vereinswefens — Kriegerverein, Feuerwehren usw. — kann dazu beitragen, daß das Selbstbewutztsein des Landarbeiterstandes gehoben werde. Die Entlohnung des landw. Arbeiters sei keineswegs geringer als die der städt. Arbeiter, deshalb müsse man durch eine befere Verstandesbildung und geeignete Wohlfahrtspflege dafür sorgen, daß die Leute dies auch einsehen. Wie vor 30 Jahren, als die Getreidepreise unter die Produktionskosten sanken, sich die Landwirtschaft selbst geholfen habe dura) Vergrößerung des Ertrags, müsse und tonne sie auch in dieser Frage die Selbsthilfe in Anwendung bringen. Der Staat könne höchstens in der Uebergangszeit helfen. Die Hauptsache müsse aber auch die Lanowirtschast tun durch känokiche Wohr,ahrlspjlege und Schaffung eines freien besitzenden Arbeiterstandes. Wenn in diesem Sinn gearbeitet werde, so hoffe er bestimmt, daß es gelingen werde, aus der jetzigen diotlage herauszukommen. (Lebh. Beifall.)
An den Vortrag schloß sich eine Diskussion an.
Geheimerat Tr. Breidert sprach zunächst dem Redner herzlichen Tank aus und fragte ihn, ob es nicht durch die teilweise Ersetzung der Menschenarbeit durch Maschinenarbeit möglici) sei, die Dlotlage zum Teil zu beseitigen. Wasserleitungen und Ausnützung der elektrischen Kraft konnten in dieser Hinsicht viel tun und den Landbewohnern einen Teil der Vorteile bieten, die man jetzt nur in den Städten suche. Dazu müsse durch die Verbesserung des ländlichen Schulwesens ein jetzt vorhandener Anreiz, in die Stadt zu ziehen, beseitigt weroen. Wenn man all dies für das Land einführe, müsse es schließlich dahin kommen, daß man gern auf dem Lande wohne, wo es an und für sich gesunder zu wohnen sei. (Lebhafte Zustimmung.)
Pro,efsor Dr. Gisev ins bestätigt, daß durch größere Verbreitung der Maschinenarbeit menschliche Arbeitskraft gespart werden könne. Wie es beim Dreschen schon vielfach geschehen sei, könne auch beim Hackfrücyteoau Mel mehr mit Maschinenarbeit geleistet werden. Er besprach sodann noch
Kleine» Feuilleton.
— Zu unsenn letzten (V11L) Vad - N anbeimer Bries t Ar. 265 teilt unb das Großtz. Kreisamt Friedberg mit, aß die „Darstellung über Genehmigung von Gebäuden über T er r a f s e u sllr a ße z u B a b - a u h e i m nicht richtig eht. Bei sämtlichen seitherigen Neubauten in ber Terrassen- ,Kitze hat bie Stabtvcrtretung ber Erhöhung ber vorhandenen unb bereu monumentaler Gestaltung zugestimmt, nur bei cm Prof. Gröbel'schen Neubau sprach sie sich bagegen aus. Das reisamt hat daraufhin durch Verhandlungen mit dem Architekten nd dem Bauherrn veranlaßt, baß bas oberjte Stockwerk des ^nannten s)ueubaued nach ber Parkstraße zu, von ber aus bie ’vlje bis Geöäubes vielleicht hätte auffallen können, als Dachstock usgeüiwet roiro, hat also ben Beschlüssen ber Stadtverorbnc-.en-- erfammlung soweit möglich Rechnung getragen, Im übriger, ber bas Gebäude genehmigt, weil sowohl die V o r s ch r i f - en ber Bauordnung a l s des Ortsbau st atuts zu in er anderen Verfügung gar nicht berechtigen n b \b» i e Herabminderung des ganzen Gebäudes m ein Stockwerk einen ungerechtfertigten E i n- rifs in die Freiheit des Eigentums dargeftelll ütte. Ucbetbieö hat das Projekt einer ber er ft en Archi- eklen unseres G r o ß h e r z o g t u ni s ausgearbeitet und ieser wird es auch ausslihren; von sachverständiger ^eitewirdesalseinProjektvonhohemarchitekto- i f.cy e n unb k ü n st l e r i s ch e n Wert bezeichnet, bas n feiner jetzigen Ge statt ber Stabt Bad-Nau heim um Schinna gereichen wirb. Die Herabmindernng der affade um ein Stockwerk würbe oie künsilerische Wirkung des >edäubeä schwer beeinträchtigt haben unb iüücbe daher a u ch a l s in ungerechtfertigter polizeilicher E i n g r i f f i n re Freiheit b e s k ü n l e r i s ch e n S cha ff e n s e r f chi e- cn fein. Bemerkt sei noch, baß bie Kurverwaltung, bie p W Gevaubeu in ber Terrassenjkraße wesentlich interessiert
keinen Eiiuvrnch gegen bas Gebäube erhoben hat."
— Die Spuren ber Meteore. Heute, Mittwoch, unb in den folgenben Tagen ist ein reicher Meteorfall zu erwarten, beim von biejcni Tage an ist ber Leonibenschwarm in ber Nähe der Erbbahn, unb wenige Tage barauf ber große Anbro- meoarschwarm. Jeber hat wohl schon bas plötzliche Aufleuchten eines Meteors gesehen unb verwundert bemerkt, batz es eine leuchtenbe Spur hinterläßt, bie manchmal bis zu 20 Minuten lang anhält unb erst ganz allmählich verschwinbet. Woraus diese leuchtenbe Spur besteht, ist noch nicht ganz sicher ermittelt. Wahrscheinlich beruht sie auf ber Bilbung leuchkenoer Gase um bie Bahn bes Meteors, bei ber elektrische Entlobungen eine Rolle spielen. Nach, ber Theorie Professor Trowbridges sind diese Spuren selbstleuchtenbe Gaswolken, untermischt mit winzigen Staubteilchen, bie wie Wolken wirken. Sie treten nur in einer bestimmten Hohe, 50—100 Kilometer, auf, ba das Leuchten von dem Druck abhängt, unter dem die Gase stehen. Das allniähliche Verschwinden wirb burch Diffusion ber Gase in die Umgebung hervorgerufen, bie auch von dem Druck unb außerbem von der Temperatur der Luftfchic;t abhäugt. Die Färbung hat eine Ähnlichkeit mit dem Nachleuchten, das man int Laboratorium durch elektrische Entladungen Hervorrufen kann.
— Dr. r)i. Strecker, Religion und Polnik bei Goethe. Verlag von Emil Nolh. 6 Vorträge. Geh. Aik. 1.60, geb. Vit. 2.—. — Goethes Seelenleben liegt wie das keines andern Aienschen offen und klar vor aller Angen, und je mehr wir uns in seine Betrachtung verliefen, desto erhabener und reiner, desto herrlicher und liebenswerter tritt uns bas Bllb bes großen Dichters entgegen. Unb mchl bloß der Dichter ist es, den wir beiunnöciit und verehren, sondern saft noch mehr ber große und edle Aterisch, bas Vorbilb iuib der Lehrer eines höhereii und icineien Aienschentums. Sem Verftändnis niid feinen Euifluß in weiteren Kreisen zu veibieuen, ist daher em Stück Kulturarbeit, eine erzieherische Tat. Dies gilt cnicl) von dem vorliegenden Buche, dessen Titel wohl mit noch besserem Rechte lauten könnte „Goethe als Freimaurer", beim m dieser Eigenichait tritt er uns, ohne daß der Veifasser es beabsichtigt haben mag, m den sechs Volksvorlrägen emgegen. Es sind, um Kants Bezeichiinug
(ui gebrauchen, die biet Postulate ber praktischen Vernnnu, Gott, Tugend uub Unsterblichkeit, über bie wir Goethes Ansichten ver- nehnien. Daß ber Beriasser aiis dem Reichtinn der Goethesaien Gedankemvelt hauptsächlich bas heraiisgegriffen hat, was sich in den Gesprächen nut Eckermann vorfinbet, ist nur zn billigen, da nur hier die gereiste und abgeklärte Weltanschanung des älteren Goethe fennen lernen, das schließliche Resnllat j einer re ich en Lebenserfahrung. Lob oeibient seiner die freie und tapiere Gesinnung, nut ivelcher der Ver'asier unfern Dichter gegen die herkömnillchen Anfeindungen in Schlitz nimmt, ohne daß er deshalb einem kritiklosen Goethekulcus sich hingibt. Besonders anerkeiinensivert scheint mir, was am Schluß des füniten Vorirags über Goethes Kosmopoluisrnns gesagt wird. Weniger einverstanden hum man mit der Polemik gegen Slant (Seue 83) sein, obwohl Schiller bcffen angebliche Rigorosität m den befamuen Versen noch schärfer betont. Das legte Ziel ist bei Kant, was man nicht überjehen sollte, die vollkoniinene Heiligung des Willens, bie nichts luciu von einem Streite zwischen Pflicht unb Neigung. Aber als Beleg dafür, daß das Smengesetz nicht menschlichen Urspnuigs ist, sondern einer hohern Ordnung der Dinge entstannnk, konnte er natürlich nur solche Fälle aniühren, wo die Pflicht sich der Neigung entgegcnstellt. Doch dies beiläufig. Jedenfalls sind die sechs Vorträge eine verdienstvolle Arbeit, der man einen möglichst großen Leserkreis wünschen muß; namentlich möchten wir das Büchlein ben Logenbibllotheken zur Anschaffung warm empfeljleit. Vro'cssor Dr. Gerlach.
— Skleine Kun st ch r o .l i k. Frank W e b e k i n b s neues Drama „Musik", Sittengemälbe in vier Bilbern, ist bei Albert Langen ui Münu-en uiö Buch cr,chienen. — ^»i .jtü.iintr i. W. ist der Dichter b^s Weii^cen-Liedes, Altertumssorjck)er und Pro,efsor W o r m n. a l l, 80 Jahre alt, gesdoroen. — In M ä n ch e n hieck am 12. November Fürft Albert von Monaco in sranzöll- fcher Sprache einen Vortrag über Tiefseeforschung. Der Vortrag wurde durch ProieUwnsvilder und durch kinemato- graphijche Vor,ührungen erläutert, die die zur Ticjfeechrfchung benutzten Jnfrrunvenie vcr.chicoener Art, den W.lfrschsang, Wesen aus der Tiefsee, Eisberge usw. barftellteiL


