Nr. SL6
Drittes Matt
157. Jahrgang
Samstag 14. September 1907
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamiliendiatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beige/rgt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der„heffische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger für Gberheffen
Notattonsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universrtäts - Buch- und Steindruckerei, N, Lang«, Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei r Schulstraße 7. Expedition und Verlag > 61.
Redakttom^E N2. Tel.-Adr^ An-etgerGiehen.
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gegeben: für jedes Gewehr 35 Platzpatrone!, für den Karabiner 10 Platzpatronen, für jedes Geschütz 40 Manövenartuschen. Der Abtransport der Fußtruppcn geschieht mit der Bahn: die 80 er und 81er werden in Salniunftcr und Soden verladen^ die 87 er und 88 er in Steinau, die 115 er in Stockheim, die 116cr in Büdingen, die 168 er 1. Bat. Büdingen, 2. mibt 3. Bat. in Wächtersbach, 117 er und 118 er in Wächtersbach, die Pioniere in Wächtersbach, die Telegraphenabteilung in Wächtersbach, die schwere Artillerie in Stockheim.
x Staufenberg, 12. Sept. Heute sand hier Gemeinderatswahl statt. Es wurden wiedergewählt Ludw. D o r f e l d und Ludw. Reuter. Neugewählt wurde Karl Kuhl, Schmiedemeister.
X. Butzbach, 13. Sept. Nachdem nunmehr die Reform des hessischen Gefängn iswesens beendet ist, nennt sich die Gr. Hess. Zellenstrafanstalt Butzbachs lt. ministerieller Verfügung „Großh. Hess. Landes-Ge- f ä n g n i s", das Weiber-Gesängnis in Mainz, das zu Zuchthaus und Gefängnis verurteilte Weiber aufnimmt, „Großh. Hess. W e i b e r st r a f a n st a l t". Dos Landes- Gefängnis Butzbach ist gegenwärtig mit zirka 500 Ge- sangenen belegt, die mit allen möglichen Arbeiten beschäftigt werden, zur Bewerkstelligung der Fuhrleistungen sind vier Pserdewagen und Geschirre angeschafft worden. Auch dies wird von Gefangenen besorgt. Bon jetzt ab werden die Gefangenen mit Wagen von und nach der Bahn befördert, seither geschah der Transport noch zu Fuß. Außer dem Direktor wirken an der Anstalt noch ein ganzes Korps von Beamten, nämlich ein Bureauvorsteher (Oeko- nom genannt), ein Rechner, fünf Schreibgehilsen, drei Werkmeister, zwei Oberausseher und 40 Ausseher. Zur Leitung des Arbeitsbetriebes sind noch besondere sachverständige Werksührer vorhanden. Auch wirken in der Anstalt noch ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer, zwei Lehrer und ein Arzt. Alle Gefangenen unter 30 Jahren erhalten nämlich Schulunterricht, wie mancher Gefangene wird wohl als gebesserter Mensch die Anstalt verlassen^ und sich sagen, hier habe ich ein ordnungsmäßiges Leben zu führen gelernt. Denn neben gerechter Strenge herrscht hier doch ein Wohlwollen den Gefangenen gegenüber. Der für Gemeinschastshaft bestimmte neue Flügel wird demnächst eröffnet werden. Er enthält acht Arbeitssäle und 125 Schlafzellen; die Gefangenen arbeiten bloß am Tage in Gemeinschaft und werden am Abend in Einzelhaft zu-' rückgebracht. i
** Schotten, 13. Sept. Das evang. Dekanats Schotten, das in 18 Pfarreien 37 Gemeinden und 18 578 Seelen umfaßt, hatte i. I. 1906 einen durchschnitt-' lichen Kirchenbesuch von 4297 (34,7 Proz.) Erwachsenen und: 2510 (40,5 Proz.) Kinder. Die Zahl der Kommunikanten- betrug 17 319 am öffentlichen Gottesdienst und 279 privatim', (142,1 Proz. der Gesamtseelenzahl). Eheliche Kinder wurden^ 440 und uneheliche 24 getauft, konfirmiert wurden 3611 Kinder, während von 286 Verstorbenen 269 kirchlich beerdigt! wurden. Da nach dem bestehenden Herkommen 14 Kinderstill beerdigt wurden, wurde nur bei drei Gestorbenen die. kirchliche Beerdigung nicht in Anspruch genommen. Die kirchlichen Kollekten erbrachten im ganzen 11208 Mk. oder 60,3 Pfg. auf den Kops der evang. Bevölkerung. Den besten Kirchenbesuch der Erwachsenen hatte die Pfarrer Ruppertsburg mit 65,5 Proz. (1905: 73,3 Proz.) auszuweisen, den schlechtesten die Pfarrei Feldkrücken mit 11,6, (13,5) Proz. Die größte Beteiligung an der Abendmahls-, feier hatte die Pfarrei Ulfa mit 210,8 (218,8) Proz., die! geringste Schotten mit 68,4 (72,7) Proz. Die Kollekten erwiesen sich am ertragreichsten in Mittel-Seemen mit 232,1, Pfennig aus den Kopf der Bevölkerung und am wenigsten' ertragreich in Bobenhausen III. mit 18,6 Pfg.
R. B. Darmstadt, 13. Sept. In Sachen des,! Schäfer schen Konkurses sand gestern hier vor deich' Amtsgericht die erste Glüubigerversammlung statt. Der Wert der vorhandenen Immobilien wird im ganzen auf 278 000 Mk. eingeschätzt, welcher Summe an Hypotheken-, forderungen 349 000 Mk. gegenüberstehen. Die von 5en Gläubigern erhobenen Forderungen betragen gegen 140 000 Mark, wozu noch 7—8000 Mk. vorberechtigte Forderungew kommen. Für die Masse verbleiben im ganzen nur etwa' 13 000 Mk., d. h. etwa 7 Prozent.
[] Marburg, 13. Sept. Vergangene Nacht gegen 1 Uhr brannte im nahen Dorfe Marbach eine große mit Erntevorräten gefüllte Scheune des Landwirt P. Her- bener nieder.
in der Entwicklung oder beim Lernen zurück- bleibende ftüiber, sonne blutarme, nch mau- füblende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare und frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen atö Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. Hommcl's Hacmatogcu. DWo
Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Graste werden rasch gehoben, das Gesamt-Nerveriystem gestärkt.
Man verlange jedoch ausdrücklich das echte Dr. Hommcl's Haematogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen ausreden.
Christlich-sozialer Parteitag.
S. $?. Elberfeld, 10. Sept.
Folgende Resolution wurde dem Parteitag vorgelegt:
„Anknüpsend an eine Notiz der Wochenschrift „Tie Arbeit", worin dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben wird, daß der Reichstagsabgeordnete für Elberfeld-Barmen, der seinem Programm nach der christlich-sozialen Partei nahestehende Herr Oberlehrer Fr. Linz, sich der Reichspartei angeschlosfen hat, schreibt die „Kölnische Zeitung" am 9. Sept, u. a.: „Damit ist der Bruch der christlich-sozialen Partei in Elberfeld-Barmen mit ihrem siegreichen Kandidaten eine Tatsache geworden, mit der alle anderen Parteien zu rechnen haben werden."
Daß von einem Bruch zwischen den Ehristlich-Sozialen und Herrn Reichstagsabg. Oberlehrer Linz nicht die Rede sein kann, geht einerseits daraus hervor, daß genannter Herrin dankenswerter Weise am Freitag, den 6. und Samstag, den 7. ds., in großer Annonce in der „Volksztg^ f. Westdeutschland" die Mitglieder der fr. evang. Bolksvereini- gung zu Barmen ausgesordert hat, an den Veranstaltungen des christlich-sozialen Parteitages zahlreich teilzunehmen und anderseits, daß seitdem nicht das Geringste geschehen ist, waö einen Bruch herbeiführen könnte.
Mit fragt. Notiz hoffen die Liberalen einen Keil zwischen die bisher gemeinsame christlich-nationale Arbeit des genannten Abgeordneten und der christlich-sozialen Partei treiben zu können. Dieses Treiben wird den Liberalen nicht gelingen, vielmehr stehen die Christlich-Sozialen des Wupper- tales nach wie vor zu Herrn Oberlehrer Linz, obwohl sie seinen Beitritt zur Reichspartei bedauern."
Ans Stadt und Land.
Gießen, 14. September 1907.
** 23 o m Manöver. Tiefe Dunkelheit lag noch über der hügeligen Wetterau, als am Freitag in aller Frühe die in den Biwaks legenden Truppen der 25. Division alarmiert wurden. In vorzüglicher Ordnung wurden die Zelte abgebrochen und, der Tornister gepackt. Die blaue, 50. Brigade, stand unter dem Befehl des Generalmajors von Nieder, sie lag um Friedberg im Biwak. Es erstreckte sich von der Nauheimer Straße bis zur Ufa — hier lagen die 117 er auf Vorposten — bis ins Fauerbacher Feld 118 er. Tie ihr zugeteilten übrigen Truppen lagen im Quartier um Friedberg, Affenheim, Nieder-Wöllstavt, Ockstadt und Beienheim. Der Brigade-Stab lag in Friedberg. Die rote, 49. Brigade, hatte ihr Biwak bei Nieder-Mörlen bis vor Bad-Nauheim, die 116 er lagen Nauheim am nächsten, sie hatten Vorpostenbüvak, bei Nieder-Mörlen lagen die 115 er und 2. Bat. 168 er. In Ober-Mörlen war 1. und 3. Bat. 168 er einquartiert, die 25 er Feldartillerie lag in Ostheim, Rockenberg, Butzbach und Nieder-Weisel, die 24 er Dragoner in Hochweisel, Griedel, Oppershofen und Butzbach, die Pionierabteilung hatte Biwak bezogen. Die Schlachtenbummler, die aus der Umgegend, aus Butzbach, Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim, ja sogar aus Frankfurt herbeigeeilt waren, strömten in hellen Hausen in die Biwaks. Sie kamen nicht mit leeren Händen. Die vorher in 14 tägigen Standquartieren geschlossene Freundschaft bewährte sich. Um 9 Uhr, als die Musik den Zapfenstreich spielte, mußten die Zivilisten das Lager räumen, denn die Truppen brauchten Ruhe, da der vorausgegangene Tag anstrengend war und, neue Anstrengungen für Freitag bevorstanden. Wie bereits anfangs erwähnt, erfolgte das Wecken in dunkler Nacht. Lautlos rückten die Kolonnen vor, für die 49. Brigade galt es, die gestern auf den Höhen um Kaichewund Ober-Wöllstadt erlittenen Schlappen gut zu machen. Sie war verstärkt worden durch das Regiment 168. Die Nacht hindurch waren Patrouillen und Meldereitep unterwegs, um die feindliche Stellung auszukundschafteu. Bel- Tagesanbruch gerieten die Truppen aneinander, zuerst wechselte die Vorpostenabteilung Feuer, bis sich endlich gegen V2W Uhr ein größeres Gefecht entwickelte. Es begann auf den Höhen zwischen Ufa und Wetter, Bad-Nauheim, Steinfurth, Nieder- Mörlen, Melbach, Friedberg und Dorheim. Auch der Groß- h er zog war längere Zeit im Gefechtsgelände. Am Freitag abend beziehen sämtliche Fußtruppen mit Ausnahme des 2. Bat. 168 Biwak, das für die Gegend Echzell, Gettenau, Wölfersheim, Södel und Berstadt vorgesehen ist. Somit schiebt sich der letzte Manövertag in der Division mehr nach Hungen, Utphe und Nidda. Die 21. Division kämpfte am Freitag wieder in den Tälern der Nidda und des Seemenbachs. Die Truppen hatten in dem nördlichen Kreis Büdingen, 42. Brigade, bis hin in den Kreis Schotten, 41. Brigade, in Quartier gelegen und hatten anstrengende Märsche, besonders galt dies von den 81 em uni) 80 em. — lieber das nächsten Montag beginnende dreitägigeKorpsmanöversei zur Orientierung folgendes mitgeteiU. Es spielt sich zwischen Nidda, Gedern und Wächtersbach, also int südwestlichen Vogelsberg bis zum Kinzigtal, ab. Ter Korpskomtuandeur von Eichhorn trifft am Freitag tm fedjlob zu Gedern ein und leitet von dort aus die Korpsmanover. Zu Birstein, Büdingen und Ortenberg sickd Pferdesammelstellen eingerichtet. Am 16. und 17. Sept, erhalten alle Truppen Magazm- verpftegung aus den großen Proviantämtern und der großen Feldbäckerei und Schlächterei bei Ranstadt. Am 18. Sept, stellen die Truppen, die mit der Bahn abrücken, ihre Verpflegung selber, sie erhalten ihre Mittagskost aus der Kriegskochküche W achters - b ad). Während der Korpsmanöver werden an Munition aus-
Dcutscher Auwaltstag.
(Unbereditigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. M a n n h e i 111, 11. Sept.
Unter dem Vorsitz des Geh. Justizrats Erythropel (Leipzig) trat heute der Deutsche Anwaltstag zu feiner 18. Hauptversammlung zusammen.
Rechtsanwalt Tr. Hachenburg berichtete dann über den Regierungsentwur, zur Justizresvrm.
Daraus wurde folgende Resolution des Referenten einstimmig angenommen: „Ter Anwaltstag beschließt: 1. Eine Reform des Zivilprozesses der Gerichtsverfassung, des G. K. Ges. und der Geb.-O. für R.-A. kann nur einheitlich und gleichzeitig erfolgen. Tie Neubearbeitung nur eines Teiles ist abmlehnen. 2. Bei der Reform des Kost e n w e s e n s (Gerichts- und Anwalts-Gebühren) i' eine gerechtere Verteilung der Kosten anzustreben. Es ist euie Abstufung der Prozesse nach dem Gegenstände derselben wünschenswert. Insbesondere sind für Klagen aus den Arbeitsverträgcn ebenso für das Verstiumnisverfahren die Kosten zu mindern. Der Herabsetzung muß eine Erhöhung der Kosten in anderen streitigen Sachen entsprechen. Für Arrestprozesse, Klage-u aus Schiedsgerichtsurteilen, für den Urkundenpro^eß sind die vollen Gebühren angezeigt. 3. Bei der R e f 0 r r.. des Verjährens ist eine besondere Gestaltung del amtsgerichtlichen Verfahrens nach anderen Prinzipien als deo landgerichtlichen insbesondere unter Einführung des Osfizjal- und Jnquisitionsprinztps abzulehnen. Es ist ebenso eine 6>estaltung deS Prozesses, die nach dem Vorbilde der österreichischen Z.-P.-O. für alle Prozeßformen den Parteibetrieb völlig ausschaltet und die Parteivorträge einschränkt, abzulehnen. Es ist eine Beschleunigung des Verfahrens anzustreben, die ohne Gefährdung der Gnindlichkeit und Richtigkeit der Entscheidung erfolgt. 4. Bei der Reform der Gerichts-Verfassung ist das bisherige System der Kollegialgerichte beizubehaltei:. Eine Ersetzung desselben durch das System der Einzelrichter ist abznlehnen. Ebenso ist ein System des ZivttschöisengerichtL (KoUegialgerichts, das aus einem Juristen und zwei Laien besteht) als nicht durchführbar zu bezeichnen, auch nicht in der Weise, daß die Schöffen nur aus Antrag einer Purtei neben den rechtskundigen Einzelrichter treten. Dagegen ist zu befürworten, daß für bestimmte Prozeßarten ohne Rücksicht auf den Streitwert das Gericht aus einem rechtskundigen Richter und zwei Schöffen bestehe. Dies insbesondere für den Arbeitsvertrag (einfchlteßlich des Vertrages der Gewerbe- und Handlungsgehilfen) und für Ehesachen. Ebenso ist ein System, das die Zuständigkeit der A.-G. lediglich nach dem (Äreit- wert erhöht, abzulehnen. Zu befürworten ist dagegen eine Ueberweisung bestimmter hierzu geeigneter Sachen, insbesondere die Klagen aus dem Arbeitsvertrage und aus Unterhaltsansprüchen. 5. Bei der Reform der R.-A.-O. und der Gebührenordnung für R.-A. ist eine Regelung derselben dahin notwendig, daß der Rechtsanwalt wirtschaftlich und sozial so gestellt wird, daß er feiner Aufgabe als Glied der Rechtspflege in juristischer und ethischer Hinsicht entsprechen kann. Es ist eine Revision der Geb.-Ord. herbeizuführen, die durch Erhöhung, der Sähe eine Verbesserung der Existenzbedingungen der R.-A. (unter Berücksichtigung des unter 2 niedergeiegten Prinzips) ermöglicht. Es ist eine 23eseitigung der gewerbsmäßigen Vertretung der Parteien vor den Amtsgerichten dn.rch Personen, die nicht Reeüts- anwälte sind, anzustrcben. Es ist eine Zulassung aller innerhalb eines Lanogerichtsbezirks an einem Gerichte desselben niedergelassenen Rechtsanwälte beim Landgericht zu beantragen. Es ist auf eine stärkere Ueber.mhme der Rechtsanwälte als Richter in die oberen Gerichte hinzuwirken. 6. Der Vorstand wird beauftragt, sobaro der Entwurf der Reichsregierung über diese Materie verössentlicht sein wird, zur weiteren Beratung und Beschlußfassung über Einzelfragen einen außeroroentlichen Anwaltstag einzuberusen.
Daraus wurden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt.
Diese Resolution wurde einstimmig mit großem Beifall angenommen.
Ter Parteitag nimmt dann eine Resolution zu Gunsten eines schnelleren Ausbaues der Flotte an.
Folgender A u t r a g wird ferner angenommen:
„Tie christlich-sozialen Abgeordneten werden ersucht, im Reichstag dahin zu wirken, daß die Reichsregier'>ng eine Untersuchung über Umfang und Wirkung der von Industrie- Werken für ihre Arbeiter nnd Beamten errichteten und bestehenden Pensions-, Kranken-, Unterstützungs- und Sparkassen- und ähnlichen Einrichtungen vornimmt und das Resultat dem Reichstag vorlegt."
Auch zu Gtinsten d er P e n s i 0 n s v e r s i ch e r u n g der Privatdeamten wird einstimmig ein Antrag angenommen; ebe-nso ein solcher über die Forderung des „Ratio n a l e n A r b e i t e r - W a h l a u s s ch u s s e s" betr. Ausstellung von Arbeite', k a n d i d a t u r e n zum Landtage.
In der Rachmittagsversammlung sprach Pfr. Werner- Frankfurt a. M. über die Sozialpolitik im Reichstage.
Referent fordert in einer Resolution: die Rechts- fähigkei tder Berufsvereine, paritätische Arve i t s k a m m e r n und ein Reichs arbeitsamt, unter gnmdsäh kicher Anerkennung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen als tragfähigen Unterbau der gesetzlichen Instanzen.
Tie christlich-soziale Partei erblickt den wirrsamsten Arbeiterschutz in der Ausgestaltung eines modernen Arbeitsrechts und in der Schaffung eines einheitlichen, von überlebten Bestimmungen befreiten Vereins- und Versammlungsrechts.
Tie Ehristlich-Sozialen sind der Ueberzeugnng, daß eine gesunde Arbeiterpolitik die berechtigten Forderungen der Handlungsgehilfen sowie des bäuerlichen und gewerblichen Mittelstandes ebensowenig gefährdet als die Industrie übermäßig belastet. Tie wirtschaftliche und sittliche Hebung des Arbeiterstandes, wie sie die ch ri stlich- nationale Arbeiterbewegung erstrebt, dient dem nationalen Gesamtwohl und ein koiisumfähiger Arbeiterstand befestigt den Jnlandsmarkt.
Tie christlich-soziale Partei wird auch ferner mit großer Entschiedenheit da,für eintreten, daß ein .telb ständig er Mittelstand und ein lebe n s k'r ä ft ig e r Bauernstand erhalten bleibt.
Tie Resolution wurde nach eingehender zustimmender Debatte einstimmig angenommen. Rach einem begeisterten Schlußworte des Vorsitzenden wurde der Parteitag mit einem Hoch auf die christlich-soziale Partei geschlosfen.
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