Ausgabe 
14.8.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 189

Zweites Blatt

GMeint tSgttch mit Ausnahme des Sonntags.

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Kleines Feuilleton

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Errichtung von vier polnischen Konsumvereinen mit vorläufig 48 Zweigstellen behufs Durchführung des Boykotts deutscher Ware unö deutscher Geschäfte. Tas Gründungskapital wurde von polnischen Banken des Ostens gezeichnet.

militärischen Inspektionsreise die Tour in Belfast auf.

Belfast, 13. Aug. Die waren sorgfältig vorbereitet

157. Jahrgang

von Connaught, der auf einer durch Irland begriffen ist, gab

Berlin, 13. Aug. DecSLaatsanzeiger" veröffentlicht Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften landschaftlich hervorragenden Gegenden.

Duisburg, 13. Aug. Eine Delegierten-Tagung polnischen Vereine des Ruhrgebietes beschloß die

Heer iiiid Flotte.

Berlin, 13. Aug. Prinz Joachim Albrecht von Preußen, dessen Rückkehr aus Afrika nach Berlin, wie kürzlich mitgeteilt wurde, im September erwartet wird, wird nach deut Manöver wieder in die Armee zurücktreten.

. Bei den Landungs-Manövern der Flotte, die voraussichtlich in der Zeit vom 9. dis 13. September in. der Nähe von Apenrade stattfinden werden, sollen üußep verschiedenen Automobilen vom deutschen frei­willigen Automobil-Korps ebenso wie bei den dies­jährigen Kaiser-Manövern auch von Privatpersonen geführte Krafträder im Nachrichten- und Vcrkehrsdienst zur Verwendung ge­langen. Tie dabe: gewonnenen Erfahrungen werden als Grund­lage dienen für die geplante Bildung eines Freiwilligen Motor-Nadfahrer-Korps, wie solche in anderen Lau­dern, speziell in England, Frankreich und Italien schon seit längerer Zeit geschaffen worden sind.

Mittwoch 14. August 1907

Notationsdruck und Verlag der Brühlffchen Universitäts - Bilch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Rochefort, 13. Aug. Lecoq, der am letzten Sonntag den Kri eg s m inister Picquart be l e id'figte, wurde au vier Monaten Gefängnis verurteilt.

New York, 13. Aug. Zwei Armenier deckten das Treiben der Hunschakisten-Geheimgesellschaft auf. Tie hie­sige Polizei fand eine Waffenniederlage, Dynamit und vergiftete Tolche, auch einen Falschmünzerapparat. Zahlreiche Ar­menier wurden verhaftet.

H Ter hiesige Aus st and der Telegraphisten scheint das ganze Land nach sich zu ziehen. Hier streiken unge­fähr 5000 Mann, insgesamt schätzt man die Z ahl der St re i- kenden auf 15000 Mann.

DasZentralbureau der Western UuionTelegraphen- ^^^tt^^^c^ft^nacht^gef^n^bend^ro^^usdärer^Ätnoa!

AnsianS.

Rom, 13. Aug. Litton i wird dem Kaiser Josef eigenhändiges Schreiben des Königs überreichen.

Petersburg, 13. Aug. Ter Kreuz erBajan" wird

DieSiebener Zamlllenblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

gestrigen Ruhestörungen

,, _ gewesen; es waren betten quer

über die Straßen gespannt, um die Kavallerie zu behindern. Es war beabsichtigt, die Straßen- und Geschästsbeteuchtung aus­zulöschen um dadurch den Unruhestiftern Vorteile den Soldaten

diente. Anfänglich wohnten die Leute in dürftigen Erdhöhlen, von denen man Spuren noch heute an der Landstraße sieht. Dann aber, als sie, durch ihre Tätigkeit als Holzarbeiter in detr dortigen riesigen Wäldern, die beim finanziellen Niedergange der Fürsten von Witgenstein zmn Teile abgeholzt mürben, durch ihrer Frauen einträgliches Wahrsagegeichäit, wohl auch durch mancherlei weniger einwandfreie Beschäftigungen, zu einigem Wohlstand, nach ifjren Begriffen, gelangten, bauten sie sich neun winzige Hütten nahe am Dorse, die noch vor wenigen Jahren von etwa 50 Menschen bewohnt wurden. Jetzt aber gehen auch diese ihrem Verfall entgegen. Viele der Leute, besonders der Nachwuchs, haben ein neues Nomadenleben begonnen, andere haben als Artisten reifenben Kunstreitergesellschaften sich angeschlofsen, und nur noch wenige Hausen heute in Saßmannshausen mit ihrer frei­lich ständig sich außerordentlich mehrenden Kinderhorde, die die Bettelei mit Virtuosität auszuüben versteht. Ihrer Muttersprache haben sich die Leute fast gänzlich entäußert. Nur die alten Weiber schimpfen noch in ihrer Volkssprache auf die gelegentlich ihren entsetz­lich schmutzigen unb niedrigen, vernachlässigtenZiegenställen ähnlichen Hütten ein paar neugierige Blicke schenkenden Fremden, die ihnen ihre Börse nicht biä auf den letzte,, Pfennig leeren. So ist denn hier die Zigeunersprache dem Untergange geweiht. In England dagegen hat sich soeben eine Gesellschaft für Volkskunde der Zigeuner, die feit 1892 zu bestehen aufgehört hatte, neu begründet, und sie läßt eine Zeitschrift erscheinen, deren erftc Olumnier kürzlich zur Ausgabe gelangte. Der Präsident dieser Gesellschaft, David Mae Ritchie, weist darauf hin, daß infolge der Eingriffe des mobcrnen Staates, der auch bie Zigeuner dem allgemeinen Schul­zwange unterwirst, die Isolierung und die Reinheit der Rasse völlig zu verschwindeii drohen: die Nornadengewohnheiten und die be­sonderen Sitten, durch die sich die Zigeuner bisher ailszeichneteii, ivevbcn immer mehr aufgegeben, und auch die schöne Sprache der Zigeuner entartet schnell zu einem gebrochenen Jargon, so daß der Sprachforscher. der ihr ferne Aufmerksamkeit zuwenden w'll, schon

wurde bemerkt, daß das Änrücken jeder Truppe regelrecht sig­nalisiert wurde. Der Herzog

15. August auf 'bqc Admiralitätswerft in Petersburg vom Stapel laufen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion-.L^ii2.Tel.-Adr.:AnzeigerGwßen.

I efucht und ausgenommen und mehrere bisher unbekannte nach- ® iCiviefen. Von letzteren sind zit erwähnen besonders die Ring- ;6 välle vom Burgberge bei Christerode (bei Neukirchen), vom Kreuz- lt erg in der Rhön, dem Wollenberg an der Lahn, dem Heiligen­erg bei Züschen unb dem Löhner Kops.

Zigeuner. Vor etwa 5 Jahren noch gab es in unserer Habe, bei Saßmannshausen, einem idyllisch zwischen den j oaltiigen Bergen des Rothaargebirges gelagerten schmucken '! >örsche,l zwei Stationen hinter LaaSphe, eine recht stattliche iigeunerfolonie. Die braunen Kinder eines südlicheren Landes atten gegen Ende des 18. Jahrhunderts ihr Nomadenleben auf- eben büiicn durch die Gnade eines Grasen von Sayn-Witgeii- ein, der sich ihrer als Boten. (SnaümnchAr und Spione be-

Koloniales.

Berlin, 13. Aug. Im Hinblick auf die erneute z we i fel- hlafte Haltung Moren gas an der deutsch-sübwestafri- künischen Südgrenze ist der deutsche Botschafter bei der bri-, tischen Regierung vorstellig geivorden. Daraufhin hat ihm die britische Negierung entgegenkommende Erklärungen gegeben. Sie stellt ihm iin Aussicht, telegraphische Weisungen an die Kapregierniig ergehen zu lassen, daß diese VLorengas weitere Um­triebe verhindere, da der Ausbruch eines neuen Aufstandesi durchaus vermieden rverden müsse. Dem deutschen Botschafter ist nunmehr von der britischen Regierung weiter mit- geteilt worben, der Gouverneur lwr Kapkolonie habe geantwortet, die Kapregierung sei bereit, ihr^ Unterstützung zu leihen. Es seien Maßregeln angeoronet worden, um M o r e n g a unver- z.ü glich nach Upington zurückzubringen; ihm werde ein Wohnsitz fern vonder deutschen Grenze angewiesen werden. Falls er sich steigere, würde er aus der Kapkolonie deportiert werden. Unabhängig von diesen Vertändlungen, meldet Unterstaatssekretär von Lindequift, daß er sich mit deck Regierung, von Betschuanaland in Verbindung gefetzt habe. Morenga sitze mit 30 bis 60 Mann nahe der deutschen 'Grenze östlich Blydewach. Es seien zwei Boten von Simon KoPPer bei Morenga eingetroffen. Tie Heimtransporte deck Schutz t r u p p cn finb bis auf weireres sistier: worden.

Der Vorstand des Vereins für hessische Äeschichle und Landeskunde in Kassel berichtet über das verflossene Vereinsjahr: Die Arbeit an der heimischen Vorgeschichte )at in diesem Jahre nur wenig gefördert werden können, da die Hufgabe, die Neugestaltung unseres Museums herbeizusühren, be- onders viel Zeit m Anspruch nahm. Der Spaten wurde nur an >rei Orten angefetzt. Bei Volkmarsen wurden Grabfunde gemacht, die eine wenn auch mir schwache Hoffnung erweckten, Ueihengiäber fränkischer Zeil dort zu finden. Eine zweitägige »labung erwies die Gräber als mittelalterlich. Bei Brunst ar vurde ein Hügelgrab der jüngeren Steinzeit geöffnet. Es nthielt nur Scherben fchnurverziener Becher, aber bei der Selten- icit neolithischer Gräber in Hessen ivar bie Feststellung sehr er- vünscht, eine fernere Ausbeutung wird von der Untersuchung der A enachbarten Hügel ekhosst. Ein Hügel im Stadtwalde stellte sich £ 'ei der Ausgrabung als Anlage der Haltstadtzeit heraus. Auf 5 hren Streifzügen im Lande haben ferner der Vereinsvorsitzende * Generalmajor z. D. Eisentraut unb Bibliothekar Dr. Lange eine lleihe von vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Befestigungen

gegenüber zu bieten. Spät nach Mitternacht wurden die Sol­daten und die Polizei mit Pflaster st einen be­worfen, wobei Frauen und halbwüchsige Jungen großen Eifer an den Tag legten. Wiederholte Angriffe mit dem Bajonett und Polizeiknütteln hatten nicht den Erfolg, die Menge in Furcht zu setzen, vielmehr wurden die Truppen zurück- gedrängt und die Aufrührer schienen momentan die Oberhand zu behalten. 30 Zivilpersonen wurden ins Hospital gebracht, von denen sechs Gewehrschußwunden hatten; ebenso eine Anzahl Soldaten. Die Polizei nahm 50 Verhaftungen vor. Der Polizeigerichtshof ist Tag und Nacht mit der Aburteilung der Verhafteten beschäftigt. Die bisher verhängten Strafen gehen nicht über sechs Monate hinaus.

Der unmittelbare Anlaß zu den gestrigen Ruhestörungen war geringfügig. Zwei Leute, die sich ge­prügelt hatten, waren von Polizisten verhaftet worden und sollten in einem Polizeiwagen nach der Wache transportiert werden.

Paris, 14. Aug. Wie aus Casablanca gemeldet .oird, wagen sich die Marokkaner in Abterlungen bis zu 30 Manu in entwickelter Linie an das französische Lager, ichießen aus guter Deckung und verschwinden, um einer drei- >achen Schützenzahl Platz zu machen. Tubei lassen sie ihr Hauptziel, die Umzingelung des gesamten französischen Lagers, nicht aus den Augen. Das Zelt des Generals Drude wurde von mehreren Schüssen durchlöchert. Man entfernte oarum die Trikolore vom Generalszelt. Nach den letzten INeldungen aus Casablanca erwartet Trude die spanischen Verstärkungen, um einen Teil der französischen Truppen nach Mazagan zu senden. Tort haben dre Europäer einst­weilen einen Verteidigungsdienst eingerichtet, der aber nicht ausreicht, um die Umgebung zu schützen, wo einzelne Fak­toreien den Plünderungen ausgesetzt bleiben.

Köln, 14. Aug. Wie dieKöln. Ztg." aus Casablanca meldet, sind die Stämme der nächsten Umgebung bereit, ich zu unterwerfen. Aus der Stadt geflohene Mauren erhalten vielfach die Erlaubnis, zurückzukehren. General Trude schreitet gegen die Zügellosigkeit seiner Truvpen ein. 9 Mann wurden vor ein Kriegsgericht gestellt. Europäische Damen wurden von Posten lelästigt. Ter englische Konsul sand einen plündernden Soldaten in seinem Haus und legte auf ihn an. Ter )eutsche Kaufmann Figge traf 12 Soldaten, die ein verschlossenes Lager bewachen sollten, beim Plündern in. Ein Offizier, den Figge um Unterstützung anrief, er- llärte, dienstlich beschäftigt zu sein. Es werden strenge Strafen gegen die Plünderer verhängt._____________"

Der Besuch oes LLönigs Eduard.

Berlin, 13. Aug. TieNordd. Mg. Ztg." schreibt aus Anlaß des morgigen Eintreffens König Eduards aus Wil- helmshöhe:Wir begrüßen diesen Besuch als ein besonders nach zwei Richtungen willkommenes Ereignis: Es ergänzt in erwünschter Weise die so erfreulich verlaufene Begegnung in Swinemünde und die bevorstehende Zusam­menkunft des'nigs mit Kaiser Franz Josef in Ischl. In dieser Folge der Monarchenbegegnungen darf man eine Be­kräftigung der friedlichen und ausgleichenden Tendenzen erblicken, welche in den Beziehungen der Nationen auf allen Seiten zutage treten. Sodann entspricht die Begegnung in Wilhelms Höhe auch den freundlichen Gesinnungen,' die mehr und mehr in der Bevölkerung Deutschlands wie Englands wieder herrschen werden. Die uneigennüüigen Bemühungen um die Stärkung und Vertiefung dieser Volks­stimmung werden auf beiden Seiten durch das Beispiel der Monarchen eine Förderung erfahren. Indem wir den König auf deutschem Boden ehrerbietig willkommen heißen, wün­schen wir seinem Aufenthalt in Wilhelmshöhe wie seiner weiteren Reise glücklichen Verlauf."

London, 13. Aug.Daily Graphic" bezeichnet die Anwesenheit des Fürsten v. Bülow bei der Zusammenkunft des Kaisers und des Königs Eduard als ein sehr befriedigendes Zeichen der Wiederaufnahme politischen Zusammenwir­kens und erwartet eine weitere Festigung der guten Be­ziehungen von dem sür den Herbst angekündigten Besuch des Kaiserpaares in England.

Ter König wurde auf der Fahrt zum Bahnhof vorn Publikum herzlichst begrüßt. Auf dem Bahnhöfe hatten sich u. a. die A o t s ch a s t e r Deutschlands und Oester­reich-Ungarns zur Verabschiedung eingesunden, mit denen sich der König einige Minuten bis zum Abgang des Zuges freundlich unterhielt.

Der König trat in Begleitung des Unterstaatssekretürs Sir C. H a r d in g e, des Generalmajors Sir Stanley Clarke, des Marquis Severae und des Majors Pensonby die Reise nach Port Victoria von der Charing-Croßstation aus, an. In Port Victoria wird sich der König auf der JachtVic­toria and Albert" einschiffen. Die KreuzerNatal" und Herzog Edinburgh" werden die Königsjacht bis Vüssingen begleiten.

Kassel, 13. Aug. Reichskanzler Fürst v. Bülow ist heute morgen 8 Uhr in Kassel euigetrosfen und hat sich alsbald nach dem königlichen Schloß Wilhelmshöhe begeben, wo der Fürst aus Einladung des Kaisers Wohnung nimmt. Der Kaiser nahm vormittags einen längeren Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Fürst Raoolin, der den gestri­gen Tag in Norderney verbrachte und dort mit dem Reichs­kanzler eine längere Unterredung hatte, ist ebenfalls' in Wilhelmshöhe eingetrofsen und wird heute vom Kaiser emp- sangen werden.

Ruhestörungen in Belfast.

London, 13. Aug. Zum erstenmal wurde gestern abend, nachdem die Geduld der Soldaten erschöpft unb verschiedene von ihnen verwundet worden waren, auf den revoltieren­den Mob gefeuert, wobei drei Tote und sechs Verwundete gezählt wurden. Es handelt sich übrigens nicht mehr um Dockstreikexzesse, sondern um w o h l o r g a n i s i e r t e r e - volutionäre Angriffe gegen das Militär. So

Hartnäckige Versuche von Tumultuanten, diesen Wagen umzu- werfen, ergaben den ersten Zusammenstoß. Die Angreifer wichen zuerst mit blutigen Köpfen zurück, ihre ALenge wuchs aber schnell auf etwa 5000 an, die sich wie rasend benahmen. Das Polizei­aufgebot mußte entsprechend verstärkt und schließlich Militär mobil gemacht werden. Nachdem der Pöbel erst wiederholt aber nicht nachhaltig mit Bajonetten zurückgedrängt worden war wurde insgesamt sechsmal geschossen. Erst gegen Mitter­nacht trat vorläufige Ruhe ein.

Belfast, 14. Aug. Während des gestrigen Aufruhrs wur­den viele Häuser völlig zerstört. Ganze Sttaßen sind ohne Pflastersteine. 28 Verwundete liegen in den Spitälern und viele hunderte werden in den Häusern verpflegt. 28 Rädelsführer wurden verhaftet. 30 Soldaten und mehrere Offiziere liegen verwundet im Militär-Lazarett

in naher Zukunft keinen Zigeuner mehr finden wird, bet dem er sie studieren kann. Die neubegrünbete Zeitschrift will nun das Material für diese Studien zu erhalten fudjen. Sie bringt u. a. auch einen Artikel von bem verstorbenen Charles Gobfrey Leland über Shelta, den alten Jargon der irischen Kesselflicker, in dem der Nachweis versucht wird, daß diese Sprache mit der der alten keltischen Barden in Zusammenhang steht.

Eine Vereinigun g der künstlerischen und literar. Gesellschaften im westlichen Deutsch­land ist nach längeren Vorbereitungen kürzlich in Wiesbaden zustande gekommen. Sie führt den NamenSüdwestdeut­scher Verband für künstlerische Kultur" und will ihre Aufgabe in der gemeinsamen Vertretung der Interessen der ihr angeschlosfenen Gruppen in der Oefsentlichkeit suchen; ein Austausch der Programme, Schriften und Drucksachen soll der gegenseitigen Information bienen; gemeinsame Engagements von Künsttern und Vortragenben unb Zusammenstellung vow Tournöen werden den Vereinen wertvolle praktische Vorlelle bieten, insbesondere auch, durch die Ermöglichung der Gewinmmg erst­klassiger ftr- und ausländisck-er Kräfte. Bei den jährlichen Zu- fanimenfünften der abgeordneten Vertreter sollen die gewonnenen Erfahrungen ausgetauscht unb neue Anregungen gegeben werden. Angeschlofsen haben sich bis jetzt Vereine aus folgenden Städten: Bonn (Gesellsä-aft für Literatur und Kunst), Darmstadt (Zlichard Wagiter-Verein, Journalisten- und Schriftsteller-Verein, Freie literarisch-künstlerische Gesellschaft), Düsseldorf (Lfterarische Gesi'Z- schaft), Elberfew (Literarische Gesellschaft), Frankfurt a. M. (Ge­sellschaft für ästhetische Kultur, Freie literarische Gesellschaft^ Trarbach (Wissenschaftlicher Verem), Wiesbaden (Literariici)er Verein), Zürich (Lefe^irkel Höttingen). Tie Geschäftsführung des neuen Verbandes liegt für die ersten zwei Jahre in den Händen der Gesellschaft für ästhetische Kultur in Frankfurt a. M.

$ve Lage in Marokko.

London, 13. Aug.Daily Telegraph" meldet aus i Casablanca: D i e Stadt i ft gesäubert. Der angerich- I tete Schaden läßt sich noch nicht abschätzen. Tas ganze Ju d en v i e r t e l ist zerstört. Hier zählt man hundert Tote. I Im arabischen Teil der Stadt sind die Leichen von Hunden | und Ratten, die sie ansressen, buchstäblich zerrissen worden. 1500 Leichen wurden in der Stadt gefunden.

Wie derTimes" aus Tanger berichtet wird, haben die Franzosen den Gouverneur von Casablanca verhastet und behalten ihn als Gefangenen auf einem Kriegsschisf.

Anlaß zur Berhaftungdesfranzosenseind- Zichen Gouverneurs von Casablanca mar, daß ein französischer Kaufmann, Mercier, ihn als Begün- Züiger der Plünderungen angab. Auch gegen Tiß Tikali, den marokkanischen Zoll-Ches von Casablanca, sind bie französischen Kaufleute erbittert und verlangen dessen Bestrafung, angeblich mit Zustimmung Tilalis eigener Frau, einer Europäerin. Am Casablancaer Rabat-Tor dauern die Hinrichtungen von den bei Plünderungen ertappten Marokkaiiern fort. Tie französischen Truppen mußten wegen Iber Hungersnot schon ihre Konserven angreisen.

Der Korrespondent derDaily Mail" ist der Ansicht, daß, die Vorgänge in und um Casablanca einen heilsamen Einfluß aus die anderen Stämme längs der Küste gehabt haben. Rabat, Mazagan, Mogador und Saffi sind noch unbehelligt. Doch sind die Europäer in jeder dieser z Ortschaften an einem Platz konzentriert, damit sie, wenn r nötig, leichter verteidigt werden können. In jedem dieser Häsen liegt ein französisches Schiff. In den maurischen Häu- st,ern Casablancas wurden große Mengen Waffen ausge­graben. Darnach scheint die kriegerische Erhebung von langerHand vorbereitet gewesen zu fein. Der dortige Importeur aus Manchester, Sa mb, hat die Hoffnung ausgesprochen, daß die s r a n z o s i s ch e B e s a tz u n g n u n - mehr permanent würde. Brandt, der Chef der größ- Jten deutschen Firma, ist nach Berlin berusen worden.

Gibraltar, 13. Aug. 7 8 0 flüchtige Ju den sind ie-gestern aus Tanger und verschiedenen anderen marokkani­schen Städten hier eingetrofsen. 400 von ihnen bleiben in J Gibraltar.

Tanger, 13. Aug. Nach brieflich eingegangenen Nach- richten ist die Stadt Casablanca gestern von etwa 1000 Mauren angegriffen, der Angriff aber zurück- ' geschlagen worden. Nähere Nachrichten stehen noch aus.

Paris, 13. Aug. In Cadix sind dreihundert Infanteristen und eine Eskadron Kavallerie fürCasa- olanca eingeschifft worden.

Madrid, 13. Aug. Aus Casablanca wird gemel­det: Eine Tynamitgranate vom KreuzerGloire" explo­dierte zusülligerweise in der Nähe des spani- i chen KanonenbootesAlvaro Baza n". Ein Boot desselben wurde zum Sinken gebracht; die Mannschast des Bootes wurde gerettet.