Kie heutige Wummer umfaßt 14 Seiten.
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Die Friedenskonferenz.
Haag, 12. Juli.
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günstigen Erfolg ivünschen.
politische Tagesschasr.
Der Kampf um Peters.
In der PeterZ-Diskussion scheint ein Ende noch nicht abzusehen. Man wird sich wohl bis zu»i Beginn des Beleidigung-Prozesses, den Dr. Peters gegen die »Köln. Ztg." angestrengt hat, über Schuld oder Nichischuld dieses Afrikaners unterhalten, und nach dem Prozeß erst recht Material für die Fortsetzung der Erörterung haben. Kein Tag vergeht ohne Erklärungen der an dem Münchener Peters-Prozeß Betei- ligten. Heute legt der Sachverständige Eugen Wolfs Wert darauf, die Freundschaft Wchmanns mit ihm durch Briese zu beweisen. Das große Geheimnis des gcsälschten Tucker- Brie feS, dessen Aufhellung sich Peters eifrig angelegen sein läßt, scheint allen Bemühungen zu trotzen. Auf wen auch als „Inspirator' des Tuckcr-Briefes geraten wird, keine Per- mutung hält Stand. Gouverneur a. D. v. Bennigsen zerstört den von der „Post" ziemlich leichthin ausgesprochenen Verdacht, ob er vielleicht mit dem Tiicker-Bricf etwas zu tun gehabt habe? Nicht das geringste I antwortet Herr v. Bennigsen. Was der eigens von Nemyork heranziehende Herr Gicseb recht von der Sache weiß, bleibt abzuwarten. Schließlich, aus den Tucker-Brief kommt es nur nebensächlich an. Ein Mann >vie Herr v. Bennigsen mit seinen Erfahrungen im dunklen Erdteil ist ein nicht zu unterschätzender Gegner, auch wenn die Akten über die Peters-Prozesse aus höheren politischen Rücksichten weiterhin geheim gehalten werden.
der Beschluß gefaßt, die Frage einer , pater en Erörterung vorzubehalten. Hierauf entspinntftch^melange Er-I örterung über die feindlichen L-chiffen bet Eröffnung der Feindseligkeiten zu gewahrende SÄonungs frist. Staatsrat v. Martens-Rußland weist dar- auf hin, daß der russische Antrag keine bestimmte Zeit an etze Es handele sich nur darum, die bestehende pslogenheit in eine gesetzliche Form zu bringen. Jm Grumde herrscht Uebereinstimmung, nachdem man in einen. Miet« \ nungsaustausch getreten war über die, Frage, ob das Wort I Schonung" (faveur) nicht den Begriff einer Verpflichtung
'aus chließe. England und Japan sprechen sich tm Sinne des Ausschlusses deL Begriffes der Verpflichtung aus. Es, ftrirb noch nidjt über bie grundsätzliche tfrage abgestimmt, i da mehrere Delegierte noch Erklärungen abzugeben toun^' schen. Die Weiterberatung würbe vertagt.
zwischen Institute Prof. Tr. B e st. Ein besonderer Enitt iR dem akademischen Leben gewidmet, aus dem namentlich b.r frisch geschriebene Aufsatz von Oberlehrer Dr. Roes e „Aus dem Gießener Studentenleben der Vergangenheit crivähitt sei. Von dem übrigen ^nbalt sei noch — ohne deshalb das Nichtgenannte alsl mmbet- wertig oder weniger interessant hinstellen zu wollen die sehr sorgfältig bearbeitete Geschichte der ^tadt erwähnt, die einen ilr^r besten Kenner, Oberbibliot^ekar Dr. Ebel, zum V^rfaster hall ferner die interessante Geschichte der Garnison Gießen von Maior Mohr, die Schilderung deS Nruseums von Hauptmann a D Kramer, des Kunstlebens unb der Kunstpflege von Pro-
Hcsterreich und Italien.
Der österreichische Minister des Aeußern Baron Aehren- : tbal ist nach Desto gereist, um eingehend mit Herrn u Zit tont zu konferieren und bei dieser Gelegenheit auch dem tp' Sinnige Viktor Emanuel auf Schloß Raccontgt^ etnen An- !, trittsbesuch zu machen. Eine solche Aussprache zwischen i ben leitenden Staatsmännern ist gerade bet galten und st Oesterreich sehr notwendig, denn wenn auch das offizielle st Verhältnis an sich nichts zu wünschen übrig laßt, so handelt es sich doch bei dem Bündnis zwischen beiden Machten ’•■■■ lediglich um eine Vernunstehe, von Liebe ist auf beiden "ft Seiten wenig zu spüren, und srühere Differenzen find noch ' . immer nicht unvergessen. Ja es fehlt nicht an vielfachen l- kleinen Plänkeleien, die kaum geeignet sind, dte gelingen vorhandenen Sympathien zu vermehren, und so steht sich ».die Bevölkerung beider Länder kühl bis ans Herz hmau gegenüber. Hierin liegt zweifellos ein unsicheres Mo- '!-> ment für den Wert deS Dreibundes, zumal es ja jen että h der Alpen nicht wenige gibt, bie auch von Deutschland c’j nicht viel wissen wollen und lieber ein Bündnis mit Frant- /'t reid) sähen: man hat daher auch ost genug bie Frage st; ausgeworfen, ob wohl Italien iin Ernstfälle seinen ^undes- Nltid)ten nach jeber Richtung hin Nachkommen würve, eine nicht unberechtigte Besorgnis im Hinblick auf bie Sonoer* neg abmachungen Italiens mit Frankreich unb England. <511 Er den letzten Monaten ist man aber in Italien doch zur 1 Vernunft gekommen, da man merkte, daß für Italien der : Dreibund immer noch der sicherste Rückhalt sei, zumal 7-namentlich die übrigen Freunde von Italien nur ver- langten, ohne etwas greifbares dafür zu geben, wahrend M dem Dreibünde derartige egoistische Gesichtspunkte fehlen, -unb Italien mit seinen bisherigen Bundesgenossen in wert i|fl höherem Maße auf die Rechnung kommt.
uns ' Eine Begegnung der beiden Leiter der auswärtigen ir. Angelegenheiten darf unter diesen Umständen auch als ein M Symptom der gebesserten Beziehungen angesehen werden, J wenngleich noch lange nicht alles so ist, wie es wohl sein ’ könnte unb sollte. Gibt es doch in Italien viele, denen
\hib wie wird uns da altes geschildert! sticht im trockenen VädLäecstil, sondern in frischen eigenartigen Schilderungen, -ra- zu tcnimt, daß dec gesamte Inhalt nicht nur aus 1 a ch rund 1 g e n , sondern -aus den fach kund igsten Federn stammt. Mit erstaun, lichem Geschick hat es der Herausgeber verstanden, gerade die rechten Leute zur Mitarbeit zu begeisterm eo lrmrde das Werk naiu von selbst zu einer wertvollen Monographie der ^tadll die deren Eigenart gebührend gerecht wird und als Quellenwerk und Miiiturbilb bleibenden Wert , behalt. Und dieser blei- Lende Wert beschränkt sich nicht aus Gießen allem, oao Buch erzählt uns zugleich den Werdegang einer alten deutschen ^tadt von ihren frühesten Zeiten bis zur lebensvollen F
wenn man es durchblättert, wird man .finden, daß gerade Gießen, das trotz seines lebhaften Verkehrs Uw,w viel. elgeuarttges in seiner ganzen Wesensart erhalten und sich dabei ^uleswegs der modernen Entwickelung verschlossen hat,
ßU Beispiel für die Entwickelung einer deutschen MittAstadt durch Handel und Wandel, Kunst und Wissenschait sowie den Gemein- iaUtÄ^9Ä einz-kn- auf» was
... kejl geschildert i)t, denn die Auszählung der .^nhalts- Uebersicht allein würde einen beträchtlichen 9tcmnt emnebmen. So will ich mich denn mit der allgemeinen Mitteilung be- anügm daß außer den fc^tüebenben.]^Ü^Eeranöaberl, bie W p 1S b unb übersichtlich gehalten sind, in besonderen Aus z -‘9 / blle Gebiete des öffentlichen Lebens behandelt werden und .zwar, wie^schon oben erwähnt wurde, fast ausnahmslos von ^^Tem MLaß der Herausgabe des Buches entsprechend, ist. die Universitär besonders eingehend behandelt. Ihre Geschichte behandelt auf Grund eingehenden Quellenstudiums über national? nf innnr tRmfeiibr Tr. Viermer, bie Unwertitatsbibliothek >Jbei> Bibliothekar Dr. H Müb hie Unipersitätskliniken mch Mdi-
Schilö-ruug der U mg c g c n d Gießens leitet-in instruktiver Aufsatz über Charakter, Sitten, Gebrauche und Sprache der Hessen im weiteren Umkreise Gießens über. Die nähere und wei ere Umgegend der Stadt, soweit sie land,chaftlich oder gelchicht- sich bemerkenswert ist - und das ist sie fast überall m welcher Richtung man von hier feine Schritte auch lenken mag ist
ebenfalls sehr eingehend gewürdigt, so daß selbst urancher geborene „Gießer" hieraus Anregungen zu lrohem genußreichen Waiwern schopfen^ ^ils wird säst noch überboten von
dem schier überreichen B i l d e r s ch m u ck. Nicht weniger als 213 Illustrationen sind dem Buche beigegeben und gewahren einen Mündlichen Einblick in baä malerische Städtebild Gießens. Vor allem werden wohl allgemein die bübschen Bildchen aus dem alten Gießen gefallen, bie teilweise letzt schon Verscb "Undenes reiaen aber auch das sehenswerte Vorhandene festha> .u. Wenn schon die Textbilder trotz ihrer Kleinheit sämtlich genau und gut sind so gilt dies noch viel mehr von den 12 Vollbildern und den 4 hervorragenden Aquarelldrucken. An erster Stelle moch <) öie farbenprächtige Reproduktion des G ü n t he r - N a u m b u r g - schen Gemäldes K l 0 st e r Arnsburg (Kapitelsaal) erwähnen, ferner die Bilder desselben Mnstlers vom G l eioe rgund vom Laiidaraf Philipp-Platz. Ein charakteristtzches Stuck Alt- aießens leigt und das 4 Aquarell:. Die S ch u l st r a tz e, wie sw 1840 aussah. Was sonst alles im Bild wiedergegeben ist, 1Ttnn Bnche selbst nachsehen, nur einige der charakteristischsten Bildchen seien noch erwähnt: die Abbildungen der beiden alten Burgmannenhäuser, der alte Brandplatz, „>zns ^otze Eck", die Bilder bomi allten Schloß (die meines Wissens zum erstenmal auch einige Zimmer voni Absteigequartier S. lü. H. des Großherzogs zeigen), die — Straßenbahn (audj Ömmbuö genannt), die studentischen Bilder usw, Eme wertvolle Ergänzung findet der illustrative Teil des Buches durch einen Stadtplan, eine Umgebungskarte und einen Plan her Plätze im neuen Stadt-
qeichmackvolle, von Künstlerhand entworfene Umschlag des Buches zeigt im Hintergrund ein Bild der Stadt mit Gleiberg und Letzberg, umrahmt von einem alten Stadttor, an dem ein^Laudsknecht mit der wappengeschmückten.^ue Gießens ein gtubent in WM Mache Haltern Sie technische Herstellung
des Buches, die in der Brühl'schen Universitäts-Druckerei erfolgte, {Pinem trefflichen Inhalt und seiner dauernden hervorragenden Bedcuturi/entsprethenv^ausgefallen, so daß das Werk auch autzer. sich eine Zierde für jede Büchersammlung darswllt. ,
Um eine allgemeine Verbreitung des Buches z,u erinoglichen, wurde ein überaus niedriger Preis testgefetzt, es koM nur eine Mark. Ich schreibe abstchtsich eine Mark m Buchstaben^ damit niemand glaubt, cs sei ein Druckfehler, denn selbst daS Dreifache wäre immer noch ein entiprecheuder Preis.
Ein Hausbuch für d.ie Einheimischen, eine hebe Erinnerung für alll, die früher hier lebten und studierten,, und em verläßlicher Führer für die erwarteten Festgäste und lonftigen Befucher dÄ alten Stadt Gießen sollte mit dem Buche geschallen roerben ; Daß dies in so reichem Maße gelungen ist, darüber Kursen sich alle, die ihr Gießen lieb haben und feine Vorzüge gU schätzen wissen, von Herzen freuen. c-
- Münchener Festspiele 1907. .Für die Richard Wagner- und Mozart-Festspiele, welche heuer m der Zett vom 1 Äugust bis 14. September im Prinzregenten-Theater und int Köniql Residenztheater zu München itattlmden, stt nunmehr die Besetzung für die einzelnen Abende erschienen und wir neben iie im Auszug wieder: Don Giovanni 1. und 7. Augult. L Gwvan^i - Feinhals, Donna Anna - Burk-Berger. Don Octavio — Walter (7. August Buysson), Eomthur — B^er (7 Anqust Gillmann), Donna Elvira — Preuse (7. August Faßbender? Leporello — Geis, Zerlina — Bosetti Figaros Hochzeit 3 und 9. August: Graf — Feinhals (9. August Gura) Grafin -- Kobotb (9 August Fay), Cherubm — Tordeck, Figaro — Gill mann Cosi fan tutte 6. und 11. August: Frordttigi - Hempel, Dorabella — Kvboth, Guglielmo — Brp^rsen (11. August Gura), Ferrando — Walter. Tristan und Jiolde 12., 21., 26- August und 7 September: Tristan - Knote, (21. August Kraus, 26 Aug. Burriau), Isolde — Wittich (7. September Faßbender), Bran- Äne - Preuse. Tannhäuser 23. August und 4, September: Gandaras — Bender (4. September Gillmann), Elisabeth — qai) (4 September Morena), Tannhäuser -Slezak (4. September Knote), Wolftam — Brodersen (4. September Feinhalch,,Venus — Faßbender (4. September Burk-Berger) Die Meistersinger von Nürnberg 24. August und 5 September: Sachs - Femhals (5. September Weidemann), Beckmesser — Geis, ^lol^ing — Knote (5. September Slezak), David — Reiß, Eva =
(5 September Fay). Ring des Nibelungen, I. Ringl 14 bis 19. August, II. Ring 28. August bis 2 September, Ring 9 bis 14. September: Wotan — Femhals (II. Ring WhitehiU), Loge — Briesemeifter, Alberich — Zador, Fricka Preuse, Siegmund - Burgstaller (II. Ring tote), ©«ghnbe - ^0 (II Ring Morena, III. Ring Wittich) Brunnhttde
/Ti Ring Faßbender, III. Ring Plaichmger), Siegfried Knote (IL Ring Kraus), Gunther - Brodersen, Hagen - Gillmanw
trotz aller freundschaftlichen Versicherungen doch geeignet inb, Italien in feinen Mittelnieermteressen zu schädigen. Die Begegnung dürfte darum auch eine wertvolle Ergänzung des Bülowschen Besuches' bei Tittoni fein, der zu einer Zeit erfolgte, wo jene Verträge noch nicht abgeschlossen waren. Diesem Umstande dürfte die Begegnung zwischen
Hießen 1607—1907.
Wegweiser durch bie Universitatsstiadt Gießen und ihre Umgebung.
Die Feftg.abc, die unser einheimischer rühriger Verleger Emil Roth seiner Vtaterstadt und der Landesuiiiversttat aus Anlaß der Treihundert-Jiahrfeier der letzteren gespendet hat, liegt uns nunmehr vollendet vor. Aus dem ursprünglich chs ouhrer fur diL Gäste unserer Landesuniversität gedachten,Wegwener ist em statt-. Heber Band geworden, der unser Gießen so eingehend und lebenswahr behandelt, daß wohl keine andere otabt einen nur annähernd gleichwertigen Führer, amzuwetten .haben^wird. Aus 330 Oktavseiten wird unfer Gießen in Vergangenheit -und Gegenwart so liebevoll geschildert, daß es dem, der es kennt, noch bekannter und lieber werden wird und dem, der es noch nicht kennt, ebenfalls lieb und vertraut weroen kann Mik einem Wort, das Buch ist wert, ein rechtes Haus>- buch zu werden und sollte in jeder Gießener Familie emen Ehrew-
Der Kriegsschatz der Sozialdemokratie.
Der „Vorwärts" quittiert für den Monat Juni wiederum über einen stattlichen Betrag von, rund 1^/000 Mr. au Parteibeiträgen, die der Zentralkasse zuftosten; den Löwenanteil lieferte die Vorwärrs-BnchHandlung mit,o0 000 Mark ab; dann kommen bie Hamburger Wahlkreise mit 29 000 Mk. und die Berliner Wahlkreise mit 15000 Mt.; der Ueber chuß aus der sozialdemokratischen Fraktwns- kasse ist mit 7000 Mk. an die Parteikasse gelangt; ein besonderer Beitrag aus dem achten hannoverschen Wahlkreise führte ihr 4000 Mk. zu. Die „Natl- Korr. sag. dazu: Wenn man erwägt, wie stark die „Genossen noch anderweitig durch die Gewerkschaftsbeitrage, durch, au'ßer- ordentiiche Zahlungen anläßlich der viernn Ausstaitde in Deutschland und durch Unterstützungen an die russische Sozialdemokratie in Anspruch genommen werden, so ist ihre Opferwilligkeit und Opferfähigkeit ledenfalls nicht a»rina einzuschätzeu und muß immer von neuem den bürgerlichen Parteien als nachahmungswertes Beispiel t)Dr= geführt ^werden. |||||rr miwiiiw
In der heutigen Sitzung der Unterkommission erklärten bei der Fortsetzung der Dis kussio n üb er d i e Kri e g s - er Harun g Großbritannien, Amerika und Japan, die in Der vorhergehenden Sitzung bezüglich des Prinzips Vorbehalte gemacht hatten, daß sie sich dem franz. Vorschlag an- chlössen, indem Amerika noch darauf hinwies, daß nach )er Verfassung der Vereinigten Staaten das Recht der Kriegserklärung dem Kongreß zusteht, dies aber kein Hindernis für den Beitritt bilde. Artikel 1 des französischen Vorschlages wird mit allen Stimmen gegen zwei bei zwei Stimmenthaltungen angenommen. Das niederländische Amendement, welches eine Frist von 24 Stunden verlangt, wird mit 16 gegen 14 Stimmen bei fünf Stimmenthalringen verworfen; Belgien schlägt vor, den neutralen Staaten eine Frist von 48 Stunden nach Mitteilung des Eintrittes des Kriegszustandes zu gewähren. Dieses Amen- )ement, sowie der ganze Artikel 2 des französischen Vorschlages, der dahin geht, daß der Kriegszustand ohne Verzug den neutralen Mächten mitgeteilt werden muß, Wird der Redaktionskommission überwiesen, die in der nächsten Sitzung eingesetzt werden soll.
In der heutigen Sitzung Ser vierten Kommission wurde lange über die Umwandlung von Handelschiffen in Kriegssahrzeuge verhandelt, ftontre- admiral Siegel (Deutschland) unterstützt dabei den österreichischen Vorschlag, der besagt, daß die Umwandlung für die ganze Dauer des Krieges stattsinden müsse und daß während dieser Zeit eine Rückverwandlung nicht gestattet fein solle. Barbosa-Brasilien weist in der längeren allgemeinen Besprechung darauf hin, daß bie Umwandlung von Handelsschiffen in Kriegsschiffe im Widerspruch stehe mit der Erklärung von 1856 und hebt hervor, daß Deutschland dieses Verfahren im Jahre 1870 angewandt habe, baß Frankreich Einspruch erhoben habe unb daß England darin Deutschland Recht gegeben habe. Aber.die ersten Autoritäten, insbesondere Bluntschli, hätten sich im Prinzip dagegen erklärt. Siegel stellt fest, daß diese Umwandlung ich nicht in neutralen Gewässern vollziehen dürfe, unb pricht dann den Wunsch aus, daß diese Umwanblung auf reiem Meere gestattet fein solle, da dieses keiner sremden Gerichtsbarkeit unterworfen sei. Diese These wird durch Oberst Ovtchinnikow-Nußland unterstützt. Schließlich wird
die Eroberung Norditaliens noch nicht genügt, sondern die 1,1 aiKh Istrien und Südtirol dazu haben möchten, ohne h daß irgend welche berechtigten Ansprüche hiersur vorhanden ift mären; man stellt diese Forderung lediglich auf, weil bte r enannten Gegenden zum Teil italienische Bevölkerung ■5 haben. Ebenso unbegründet sind auch die oft geäußerten
Wünsche auf den Besitz Albaniens, indem man sich von Oesterreich bedroht glaubt. . .
Wie verlautet, soll auch die Balkanpo li tik bei den Erörterungen der beiden Staatsmänner einen beträchtlichen Raum einnehmen, aber im Grunde genommen dürfte es nach dieser Hinsicht kaum Tifferenzpunkte geben, da Oesterreich unter allen Umständen auf die Au'-recht- erhaitung des status quo in der Türkei besteht. Aber beide Staaten haben im östlichen Teile des Mittelmeeres noch viele weitere Interessen und gerade diesem Prikte durfte im Hinblick auf die englisch-französisch-spanischen Abmachungen der Hauvtteil der Konferenz in Dejio gewidmet fein.
Es ist sehr wohl möglich, daß man in Italien letzt wieder engeren Anschluß an Oesterreich uno ^Deutschland sucht, weil eben die anderen Vertrage
»r. 162 Erstes Blatt 157. Jahrgang Samstag 13. 3mK l »O7
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