Nr. 290 • !«•«* außer Sonntags
Dem Siebener Rnzetg« toftben tm Wechsel mit dem hesftfchea Landwirt die Siebener KavrUiew blüttrr viermai m der Woche be,gelegt und zweimal roödifiulid) ba3 Xreisblatt für den Kreis Sietzen. Fernsprech-An- schluß |. K Nedaklion 112 Verlag n. ExpedUwn 61 Ldreße 16t Depeich«^
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Erstes Blatt
157. Jahrgang
Dienstag 10. Dezemberl907
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Verantwortlich tüt den oolitifchen Teil: L. Anderson; f. ^cuttie- ton und .Vermischtes*
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* u f 5 u. Land- und ^Grcrchts-
Hotaflotisirnd we» Verlag der vrShllchea llvlv.-vuch- an» Aenr-nrckerÄ. 8. Lauge. Reöattfon, Expedition und Druckerei- Schulftratz« 7. ^^meü^'v^BeL
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Are heutige Wupimer umfaßt 12 Setten.
Stimmsngsött» aus dem Reichstag«.
Berlin, 9. Dez.
Die erste gefetzgeVe-rische Frucht der Eonfer- dativ-lEerAlln Paarung, das Reichsvereinsgesetz, ist mu Montag der Volksvertretung präsentiert worden. Herr v. Bethnraun-Hollweg gab der Vortage das Geleit- tuort.^ Der Staatssekretär sprach leidenschaftslos, mit philosophischer wie immer. Aber er ist nicht nur Philosoph, er ist auch Diplomat, und so glitt er denn über die mancherlei ^Wacken und Wtze" des Entwurfs — um ein Wort Luthers zu gebrauchen — mit beredtem Schweigen hinweg. Dian hatte mitunter das Gefühl, daß Herr v. Bethmaun-Hollweg Dicht ganz mit dem Herzen bei dem sei, was er sagte; so hörte sich, seine Verteidigung der Zulassung von Jugendlichen zu politischen Vereinen und Versammlungen sehr danach an, als würde er es gern sehen, wenn diese Bestimmung wieder mW den: Gesetz verschwände. Interessant genug war die L-egrürrduug, die er für diese Bestimmung gab: Weil die Sozialdemvtratbe die Jugend doch schon heute verhetze, müßte den bürgerlichen Parteien auch Gelegenheit gegeben werden, auf die Jugerck) in nationalem Sinne politisch einzuwirken.
Soviel ist klar: Als ein rwli me tangere betrachtet die Regierung die Vorlage nicht.
In der Rede des Konservativen Dietrich, der vorbehaltlich einiger Aenderungen die Vorlage guthieß, trat besonders die der Regierung gewiß nicht unwillkommene Äbneigung der Rechten gegen die Teilnahme Minderjähriger an politischen Zusammenkünften vor, und es war nicht ohne pikanten Reiz- als der konservative Redner die Begriffe „l i b e r a l" und vernünftig" identifizierte. Die Forderung der Teilnahme der Jugend an politischen Vereinigungen körrne, so erklärte er, keine liberale Forderung sein, denn sie sei unvernünftig. Nun wissen wirs also: Was vernünftig ist, muß nach konservativer Anschauung zugleich liberal sein. Ehe sich Rechte und Linke gemeinsam an den Parlaments tisch setzten, las mans anders. . . .
Zentrum und Sozialdemokratie sind natürlich unbedingte Gegner des Gesetzentwurfs: Herr Trim- born, der für die schwarze, und Herr Heine, der für die rote Antivloäpartei sprach, hatten nicht nur wie der natioualliberale Redner Dr. Hie der Einzelheiten der Vorlage zu rügen, sondern sie verwarfen sie in Bausch und Sogen. Von der obligatorischen deutschen Ver- tzc.adlnn gs spräche, dem Kern und Stern des Gc- jetzes, wollten sie unter keinen Umständen etwas wissen, und was das Gesetz sonst an Fortschritten bringt, die sie selbst nicht leugnen, das lehnen sie ab nach der Losung „Alles oder nichts."
Die Vorlage wird, nachdem sich morgen (Dienstag) noch die drei freisinnigen Parteien, die Polen und die di rnino- cum genti nun dazu geäußert haben, an eine große Kommission gehen. Entweder werden 21 öder 28 Herren sich über sie den Kopf zu zerbrechen haben. Lüth man darf neugierig sein, was für ein Gesicht diese Herren dem ersten cruf das Paarungsprogramm zugeschnittenen gesetzgeberischen Extemporale der Regierung geben rnerden.
pc!iiHd?e Tagesschau.
Wechsel im ReichSbankpriifidium.
Wie die „Ocordd. Allg. Ztg." erfährt, hat der Präsident des Reichsbankdirektoriums Wirkt. Geh. Rat Dr. Koch um seine Entlassung gebeten. Als Nachfolger gilt der Präsident der Seehandlung, Haven st ein. Dieser Wechsel im Reichsbankpräsidium kommt nicht gerade überraschend, denn in letzter Zeit wurde bereits mehrfach davon gesprochen, daß Exz. Koch zurückzutreten beabsichtige.
Richard Eduard Koch wurde am- 15. September 1834 zu Kott- bus geboren. Bereits im Jahre 1851 bezog er die Universität Berlin, tvo er nach fünf Semestern — vom 6. Semester toar ihm vom Justizminister Dispens erteilt toorben — die erste juristische Prüfung bestand. Am 2. dkovember 1853 wurde er bei dem Kreis- gcrid>tc in Kvttbus als Auskultator vereidigt. Im Jahre 1855 wurde er Neserendar, drei Jahre später Gerichtsafsesfor, 1862 Staü^- und Kreisrichter in Danzig. 1865 wurde er an das Stadtgericht in Berlin versetzt. 1868 fungierte er bei den Beratungen 5er Kommission zur Ausarbeitung einer Zivilprozeßordnung für den Norddeutschen Lund als Protvürllführer. Am 3. Oltooer 1870 trat er als Hilfsarbeiter in das Hauptbank-Direltorium her damaligen Preußischen Bank ein, wurde bald darauf Mitglied desselben und.Justitiarius, 1876 zum Geheimen Oberfinanz- rat, 188 < zum Lizeprasidenten des Reichsvanö-Direkwriums er- nointi. Als a,m 30. April 1890 der Prä,ident v. Dcchend starb, kam für den erledigten Posten fein anderer in Frage, als Koch, dessen Ernennung am 23. Mui 1890 er fügte. Im Jahre 1893 wurde ihm der Titel Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz vergehen. Bald nach seiner Ernennung zum Reichs- banL-Präsidentcn wurde er auf Lebenszeit ms Herrenhaus berufen und zum Kr^nsyndikus ernannt.
Wenn Präsident Havenstein nun wirklich Nachfolger- Kochs werden sollte, so kann diese Wahl als recht glücklich bezeichnet werden, denn in seiner bisherigen Stellung hat er sich nicht nur in jeder Hinsicht bewährt, sondern er hat geradezu Großes geleistet. Unter seiner Leitung hat die Seehandlung erst einen wirklichen Aufschwung genommen.
Rudolf Havenstein wurde am 10. März 1857 geboren. Er tcibnietc sich nach bestandenem Abiturientenexamen dem jurßt- ischen Studium, war meljrerc Jahre als Assessor beim Gericht tätig und wurde dann in das F.nanznuinisterium berufen, wo er vornehmlich die Etats- uno Liass-enangetegenheiten bearbeitete. Hervorragenden Amtell hatte er an der Schaffung des Kvmp- tabititüts-Gefestes. Im Jahre 1900 wurde er zum Präsidenten Lec SeehandluLg ernannt.
Haudelsksmmer und Zivilprozeßreform.
Die Handelskanrmer in Frankiurt a. Rt. hat ihre Stellung zur Zivilprozeßreiorm in folgender Resolution sestgestellt: Die Handelstaumrer kann den dem Reichstage vorgelegten Entwuri eines Gesetzes, betreffend Älbändenmg der Zivilprozeßordnung und des Gerichtsverfaffungsgefetzes, nicht als eine geeignete Gnmdlage für bie Reiorm des Prozeßverlahrens erachten. 1) Tie Erhöhung der Zuständigkeit der Amtsgerichte über die bisherige Grenze hinaus würde die Mitwirkung der Handelsrichter an der Rechtsprechung für die große Zahl von Prozessen ausschalten; dieS steht, in: Gegensatz zu dem heute allgemein gebilligten Bestreberr einer stärkeren Heranziehung des Laienelementes divr Rechtsprechung, wie solches kürzlich erst zur Schaffung der Kaufmannsgerichle geführt hat. Die Ausschaltung der Handelsrichter würde auch mit Rücksicht auf die häufig n i ch t ausreichende Erfahrung namentlich der jüngeren Richter in kauimännifchen Dingen eine Verschlechterung der Rechtspstege bedeuten, zumal überhaupt gegenwärtig dem Kollegialgerichte gegenüber dem Einzelrichter der Vorzug zu geben ist. 2) Zn Bedenken gibt ferner die Bestimmung Anlaß, wonach die Berufung bei einem Streitwerte von nicht mehr als 50 Al ar k künftig ausgeschloffen sein soll. In diesen Fällen müßte jedenfalls em anderes Rechtsmittel eiugeführt werden, um bei offenbar unrichtigen Urteilen die Aiöglichkeit der Abhilfe zu gewähren. 3) Tie in dem Entwürfe vorgesehene Regelung der Gerichtsgebühren stellt nach den vor' liegenden Berechnungen in dem Enderesultat eine nicht unwesentliche Dl e h r e i n n a h m e für d e n F r s k u s dar; mit dem angeblichen Bestreben des Entwurfes nach Verbilligung der Rechtspflege kann dies nicht ui Einklang gebracht werden. 4) Durch das mechanische Diiltel der Besteuerung der einzelnen Prozeßtermine, soweit diese eine bestimmte Anzahl überschreiten, kann eine Beschleunigung der Prozesse nicht erreicht werden. Diese Maßregel wird vielmehr, da sie die Qualität der einzelnen Prozesse nicht berücksichtigt, dazu führen, daß schwierigere Prozesse, besonders soweit die Vernehmung voii Sachverständigen erforderlich ist, eine nicht genügend gründliche Behandlung erfahren. Dazu kommt, daß gerade bei größeren Sachen die schon jetzt ungewöhnlich hohen Gerichtskosten noch erheblich vermehrt würden, o) Dagegen o e r- missen wir in dem Entivurse Bestimmungen über die Eliminierung der Versäumnis- und Anerkenntnis- Urteile aus den öffentlichen Sitzungen, worüber von verschiedenen Seiten Vorschläge gemacht worden sind. Bestimmungen in dieser Hinsicht würden jedenfalls sehr geeignet sein, eine Beschleunigung des Prozeßverfahrens und eine Entlastung der Richter, insbesondere auch der Handelsrichter, herbeizusützren.
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Vom Journalisten zum Gesandten.
Der Gesandte bei den Hansestädten Tr. Edmund Freiherr v. Heykina liegt der-Voss. Ztg. Zufolge an den Folgen eines Schlaganfalls in Baden-Baden schwer darnieder und wird nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren.
Geboren 18o0_ in Livland, studierte er in Dorpat, war nach Ableguiig der Prüfungen kurze Zeit Beamter int Ministerium der Reichsdomäne in Petersburg. Von 1876—1880 war er in Riga journalistisch tätig, siedelte darauf nach Deutschland über und trat, von Bismarck empfohlen, in Michsdienfte. Nach kurzer Tätigkeit im Reichsamt des Innern stellte ihn Bismarck im Aus- toärtigen Amt au, aus dessen unmitlelbarem Dienste er 1885 infolge bekannter Vorfälle aus schied. Er wurde bald darauf int auswärtigen Konsulardienste verwendet; zuerst als Viz-ekonsul in Newyork, dann als Konsul in Valparaiso, Kalkutta, Alexandrien. Von dort lvurde er auf den Gesanvtenposwn in China berufen, der damals eine besonders fähige Kraft erforderte. Es war die Zeit, in der Kiautschou zum Reich gepachtet wurde. Als sein Gesundheitszustand einen längeren Urlaub erforderte, konnte ihm dieser nickst gewährt toecöen. Er mußte feinen Pekinger Posten aufgeben und^ wurde als Gesandter nach Diexiko versetzt. Nach vieljähriger Verweiroung im außereuropäischen diplomatischen Dienst wurde v. Hehking nach dem Thronwechsel in Serbien zum Gesandten in Belgrad ernannt. Von dort kam er im vorigen Jahre nach Hamburg. Mit v. Heyking scheidet ein Diplomat von nicht gewöhnlicher Befähigung aus dem Dienst, und wohl der einzige kaiserliche Gesandte, der es vom politische:! und Feuillewnredalleur zum diplomatischen! Vertreter des deutschen Kaisers in vier Weltteilen gebracht hat.
♦ Ein neuer Bombenfund in Lissabon.
Der „Mvrning Leader" berichtet aus Lijsabon über einen neuen Bombensund. Als die Errichtung des neuen Opernhauses in San Carlos fast vollendet war, fand man zwei Bomben in der prachtvollen Hofloge versteckt. Es bestand offenbar die Absicht, bei der feierlichen Eröfs- nungdesOpernhauses durch den König von Portugal am 18. Dezember ein Attentat auf diesen zu verüben. Die beiden Bomben waren durch elekcrifche Drähte mit einer elektrischen Batterie hinter der Bühne verbunden und zwar auf sehr geschickte Art und Weise, so daß nur jemand mit ausgezeichneten technischen Kenntnissen dre Anlage gemacht haben kann. Die Entdeckung der Bomben wurde durch einen anonymen Brief herbeigeführt. In diesem Briefe wurde einer der Architekten des Gebäudes denunziert. Die Polizei umzingelte dessen Wohnung. Er erschoß sich aber, bevor seine VerHaftung erfolgen wnnte. Die Polizei hat bereits andere Verhaftungen mit dieser Affäre vor genommen.
Ein räuberischer Uebersall in Sudwestafrila.
Berlin, 9. Dez. In Deutsch ^.wwe^asrlla wurde nach einer amtlichen Mlldung vom 5. Dezember zwischen A r a h o a b u n d K o w i s e ko l k von feindlichen Banden ein O chsenw a gen angegriffen. Dabei fielen deutscherseits drei Reiter; ein Reller wurde schwer ver- lvundet. Bei diesem lieber fall handelt es sich wohl um Raubgesindel, das sich aus Nahrungsmangel des Verpflegungswagens bemächtigen wollte. Nicht ausgeschlossen aber ist ^iuch> daß die Räuber zu der Bande von Simon Köpper gehören, der sich bisyer noch nicht der deutschen Herrschaft unterworfen hat, sondern in die äußerst schwer zugänglichen Kalahari ausgewichcn ist. Mehrfache Versuche, ihn dort zu fassen, mußten infolge Wassermangels aufgegeben werden. Die Verfolgung kann erst im geben werden. Die £k^ofgung kann erst im Frühjahr 1908 auf genommen werden. Die Verfolgung kann erst im
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Frühjahr 1908 ausgenommen werden, da erst zu diesem Zeitpunkte die Wasser ersetzende Tzamassmcht (Kürbisart) reif ist. Die Kapregierirng sagte ihre Unterstützung bei der Unternehmung gegen Sinwn Köpper zu; gegenwärtig wird er von den am Westrand der Kalahart befuib* lichen Stationsbesatzungen durch Kamelreiterpatrouillen beobachtet.
NerrtZches Ucsctz.
Berlin, 9. Dez. Dem „Berl. Tagebl." zufolge wurde gegen den Hauptmann Dominik, gegen beit vor Jahresfrist im Reichstage wegen angeblicher Greuel- taten in den Kolonien schwere Vorwürfe erhoben wurden, das Disziplinar-Verfahren einge- le itet. Gleichzeitig wird dem Blatte von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß ein seitens der Reichs-Kolonial-i Verwaltung gegen drei sozialdemokratische Agitatoren in Gotha anhängig gemachtes Strafverfahren wegen verläumderischer Beleidigung bis nach Erledigung des wider den Hauptmamr Dominik schwebenden Disziplinarverfahrens ausgesetzt wurde.
— In der Angelegenheit des früheren Gouverneurs Jesko von Puttkamer wird sich der Disziplinarhof in Leipzig als Berufungs-Instanz am 13. Januar n. I. beschäftigen.
«Stuttgart, 9. Dez. Tie Handelskammer in Stuttgart hat einstimmig einen Antrag angenommen, der die Regierung auffordert, der geplanten Reform der Telephongebühren mit Einführung einer Gesprächsgebühr neben der Grundgebühr ihre Zustimmung zu versagen, da diese eine ungerechtfertigte. neue Belastung des Handels st an des bedeute.
Die Morgenblätter melden aus Jena: Der Nationalökonom Prof. Harms wurde vorn Generalrate der deutschen Gewerkvereine aufgefordert, ein neues .Programm für sie auszuarbeiten.
paHamenhmfdjcs.
Berlin, 9. Dez. D ie Budget-Kom m i s s i o n des Reichstags begann heute ihre Tätigkeit mit der Beratung des Flo t ten gesetz es. Die Stimmung der Parieien mit Ausnahme der Sozialdemo traten ist dem Gesetz durchaus günstig. D!e wirtschaftliche Vereinigung will ihre endgültige Stellungnahme von der Erledigung der Deckungs- fragen abhängig machen. In der Diskussion erklärte namentlich der Abg. Wiemcr von der freisinnigen Volkspartei, daß seine Parteifreunde durch die technischen Darlegungen des Staatssekretärs durchaus befriedigt seien. Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt.
Berlin, 9. D^z. Der Nachtrags-Etat von 400000 Mark zugunsten des Grafen Zeppelin ist heute dem Reichstage zugegangen.
Frankfurt a. M., 9. Dez. Die Geschäftsordnung s ko m m i s s io n des Reichstags beschloß, die Genehmigung zur Einleitung eines sr r a s a e r i chtli ch en Verfahrens gegen den Abg. Oeser wegen angeblicher unrichtigerAbgabeei'n ereides stattlich en!' Ve r s i che r u n g zu erteilen. Leser ist der Vorwurf gemacht worden, in dem Konkursverfahren gegen seinen Sruber eine falsche, eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben. Leser hatte selb stbeantragt, die Genehmigung zu seiner straf- rechllichen Verfolgung zu erteilen, um die erhobenen Beschuldigungen als haltlos nachweisen zu können.
SchMrrrgevrcht.
P. Gießen, 10. Dez.
Eine Anklage wegen ^wrdversnch.
Gestern vormittag eröffnete Landgerichtsrat Brühl die letzte Tagung des diesjährigen Schwurgerichts. Als ersie Anklage wurde gegen den noch unbestraften 22jährigen Dienstknecht Johannes Hölscher von Arnshain (Kreis Alsfeld) wegen M o r d v e r fuchs verhandelt. Die Anklage vertrat Gerichts- afsessor Dr. Hetzel, während die Verteidigung von Justizrat Katz geführt wurde. Es waren 13 Zeugen und als w.edizimsche Sachverständige der praktische Arzt Dr. Engelharo-Neustadt und Medizinalrat Dr. Haberkorn zu hören. Ter Llngeklagte, der int Großen und Ganzen gestärrdig war, erzählte, daß er seit Weih- nachren 1905 bei dem Land- und Gastwirt Seng als Knecht int Dienst gestanden hat. Ein Jahr später fei bei seinem Dienst- Herrn die Karoline Liesemer als Viehmagd angenommen worden, die ca. 4 Jahre älter fei als er. Sie habe mit ihm ein Techtelmechtel angefangen, fic habe sich ihm aufgedrängt imb ihn verfuhrt. Im August oder September habe das Mädchen sich geäußert, daß sie aus dem Umgang Folgen spüre. Er will, der Ansicht gern ei en fein, daß die L. mit anderen Burschen ebenfalls verkehrt hat und er nur als Deckmantel habe dienen sollen. Am Sonntag, 6. Oft., habe die^ Liesemer ihm gegenüber wiederholt, daß sie von ihm gui.er Hoffnung sei, woraus er Verdacht wegen des Umgangs mit anoeren Burschen geäußert habe, „ doch bestritt das Mädchen dies. Der Angeklagte will sich über die ganze Sache wenig aufgeregt haben, doch war sie ihm unangenehm, weil er mit einem anderen Mädchen im Lrt, das etwas Vermögen besitzt, ein Verhältnis hatte. Er dachte, daß eS damit aus fein wurde, wenn jenes Vtädchen erfahren würde, daß er mit der Liesemer Umgang hatte. Am Dienstag, 8. Okt., sei er um 5 Uhr aufgestanden und in den Pserdestall gegangen um an die Arbeit zu gehen. .Dort habe ihn die Verzweiflung gepackt, und er habe den Entschlup gefaßt, die Liesemer umzubringen und sich darin selbst auszuhängen. Äor- bereuungen zu der Tat habe er nicht getroffen, er haoe wohl daran gedacht, sein Taschenmesser ba^n anzuwendeu. Der Angeklagte uejau fici) in den Biehstall, wo die Liesemer sich schon befano, er überblickte u-cn Hosraum um zu sehen, ob ihn niemand beobachte, dann griff er nach einem an der Seite im Stall hängenden Melkstuhl, packte die Liesemer, die auf ihn zu kam, am Hals und druckte fic auf den Zuckst, wobei das Mädchen äußerte: „Ach, laß mich doch gehen." Der Angeklagte erwiderte: „Kathrine, eS ist ja doch alles ganz egal." Durch die WuM


