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12.7.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 161

Erscheint täglich außer Sonntags.

Tein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bie Siegener Familirn- dlätter viermal in der Woche beigelegt und zweimal wöchentlich das Kreisblatt für den Kreis Gießen. Fernsprech-An- schlutzf. d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen sur die Tagesnnrnmer bis vormittags 10 Uhr.

Erstes Blatt

Frettag 1«. Juli 1907

K

157. Jahrgang

Olafen denken mag sich auch außerhalb der Grenzen seines Landes nnzweifelhast gewisse Sympathien erworben hat.

Bezugspreis: monatlich 75 Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen rnonallich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- jahrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., auswärts 20 Pfennig.

w vf aw ® '*$5N2^r Verantwortlich

General-Anzeiger für Oberheffen WW

Kotatioiisbruc! und Verlag der vrützl'schen Unio.-Vuch- und Steintzruckerei. H. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Lchulstrahe ?.

_________________1____ __________________ Anzeigenteil: H. Beck.

Waisuliz der ZLrigant.

N. C. Durch die Gefangennahme Kaid Mac Leans nacht jetzt Rayuli, der marokkanische Freibeuterpar xceHence wieder einmal von sich hören. Bald als bedrohter, bald als Protektor der Stadt Tanger auftretend, ortwährend ein Dorn im Fleische des Machscns, maßte sich raistili abwechselnd die Machtbefugnisse des Sultans selb n, um sich dann wieder als geächteter Flüchtling, au essen Kopf ein Preis ausgesetzt war, im Gebirge zu ver- ecken. Im Juni 1903, als die scherifianischen Truppen vaisulis das Dorf Zinat angriffen, nahmen die Leute de§ zriaantensührerS den Times-Korrespondenten Harris zwei cutsche Meilen vor den Toren Tangers gefangen. Elf Tage r einem kleinen schmutzigen Raum im Hause Naisulis inter- rert, wurde Harris später in das Aughera Gebirge entführt nd erlangte schließlich seine Freiheit nur dadurch, daß der . iiltan in einen Austausch gegen 15 gefangene Männer von taisuliS Stamm willigte. Im Mai 'des folgenden Jahres itführte Raisuli nachts den reichen Amerikaner Jon Pcrdi- iris und seinen Schwiegersohn Barley aus ihrer kaum eine -'eite von Tanger entfernt gelegenen Billa in die Berge. ie britlsche und die amerikanische Regierung entsandten cirauf Kriegsschiffe nach Tanger, aber erst nach mehr als nem Monat, am 24. Juni, roitrbcn die Geiseln sreigelassen, achdem die marokkanische Negierung Slaisulis hochgeschraubte edingungen die Befreiiing aller eingekerkerten Anhänger Qisnlis, die Absetzung des Gouverneurs von Tanger und >ahl Naisulis an seiner Statt erfüllt und ein Lüsegeld )n fast 250 000 Mark bezahlt hatten. Mit diesem Gelde : baute sich Raisuli eine Festung in den Bergen oberhalb cmgers und hier hielt der frühere Viehräuber während des amasan Festes buchstäblich Hof und empfing als tatsächlicher utator der Provinz Tanger die einflußreichsten Männer Marokkos sowie auch zahlreiche Eiiropäer von Ruf. Er war l energischer Gouverneur; die Karawanenübersälle unter­lief te er gänzlich und es war damals, daß Air. Perdicaris ine Wahl zitm Pascha von Tanger als besten Ausweg aus n Schivierlgkeiten warm befürwortete. Bald jedoch verdarb

Raisuli wieder mit den im Lande wohnenden Ausländern,. - cu europäisches Eigentum außerhalb Tangers zerstörte, Elektrizitäts-Gesellschaft gegenüber Erpressungen verübte ib in unmittelbarer Nachbarschaft der französischen und utschen Legationen ihm mißliebige Leute zu Tode prügeln

Dies jährte dazu, daß letzten Herbst ein französisches io ein spanisches Geschwader vor dem Hafen erschienen und aisulis Unterbrücfnng forderten. Der stets schwankende iiltan versprach alles, entsandte ein Heer gegen den ciganien, versicherte ihn aber gleichzeitig in einem privaten chreibenseines vollen Vertrauens und weitgehender uerstützung". Raisuli versuchte den uiarokkanischen Befehls- b?: zu überreden, sich mitsamt seinem Heer auf seine Seite schlagen; als letzterer jedoch hierauf nicht einging und aus usillis Versuch, sich weitere Europäer als Geiseln zu sichern 5 auf die Gefangennahme von sieben armen spanischen abbenfischern nichts wurde, floh der Brigant wieder tu ne Festung. Am 9. Januar d. I. nun wurde diese festigte Position von den marokkanischen Truppen im iirm genommen und geplündert und Raisuli niußte wieder i mit nur wenigen Anhängern in die Berge fliehen.

Raisuli, dessen vollständiger Name Mulai Ahmed ben ohammed er Raisuli lautet, steht im Alter von etwa 41 Jah- i lind der Times-Korrespondent Harris schildert ihn als ttiichen schönen Mann, dessen Gesichtszüge mehr griechischen > arabischen Typus aufweisen. Er gehört der Aristokratie GioffoSan, da er dtirch Mulai Jdris, der die mohamniedanische rIchaft in Marokko begründet und der erste Sultan der 'rifiten Dynastie war, Anspruch auf direkte Abstammung in Propheten und den Scherifftitel erhebt. In Tetuan er» 3 en, suchte er, des ruhigen Lebens überdrüßig, bald Aden­er und wurde eilt berüchtigter Viehräuber und Banditen- tiptling, dessen Taten den ganzen Distrikt mit Schrecken üllten.

Durch einen Freund verraten und an die Regierung Sgeliefert, schmachtete der Brigant fünf Jahre im Kerker Mogador. Einer seiner Anhänger verstand es jedoch, eine ile, in ein Brot eingebacken, ins Gefängnis zu schmuggeln b es gelang Raisuli nach inonatelangen Llnstrengungen, re Ketten zu durchfeilen und auszubrechen. Allein nur nige Stunden sollte er sich seiner Freiheit erfreuen. In c Sackgasse geraten, ereilten ihn feine Verfolger und aber- ls, mit noch stärkeren Ketten gefesselt, warf man ihn ins fängnis. Seine Freilassung verdankte Raisuli schließlich ch zwet weiteren Jahren der Intervention Mohamed el rroi, des auswärtigen Vertreters des Sultans in Tanger, feine Heimat zuräckgekehrt, hatte der Brigant ursprünglich Absicht, hinfort ein ruhiges Leben zu führen, mußte aber Entdeckung machen, daß sein Freund, der ihn verraten tc, mittlerweile Gouverneur von Tanger geworden war > sein gesamtes Eigentum konfisziert hatte. Rache ge- cnd sammelte Raisuli darauf wieder eine Anzahl seiner Heren Anhänger um sich und erlangte bald größere Riacht je zuvor. Heute ist der gewitzigte Freibeuter ein Mann, dem nicht nur der Sultan, sondern alle in Nordafrika regierten Mächte rechnen müssen und der Einzige in Marokko, en unbezähmbare Energie wie man auch sonst überfeine

4>oLLtii?che LageskcharL« Falsche Gerüchte aus Ellaß-Lothriugen.

TieKöln. Ztg." tritt den Gerüchten entgegen, die von einem bevorstehenden Rücktritt des Statthalters zu berichten ivußten. Das Blatt schreibt:Alle diese Gerüchte von einem bevorstehenden Rücktritt des kaiserl. Stattbalters ober des Staatssekretärs v. Köller ober beider zugleich entbehren aber jeder Grundlage. Weder Fürst Hohenlohe, noch Herr v. Köller denken im entferntesten daran, die Posten zu verlaffen, auf die sie das Vertrauen des Kaisers, das ihnen bis heute in vollstem Maße erhalten geblieben ist, gesetzt hat." Nun ist in der Tat gar fein anderer Grund für derartige Rücktrittsgerüchte vorhanden, als der sehr gebrech­liche, daß der Statthalter in einigen Wochen seinen 76. Ge­burtstag feiern kann. Wenn derBerliner Lokalanz." dem Gerüchte ein Rückgrat dadurch zu geben versucht, daß er sich aus Straßburg berichten läßt, der kaiserliche Statthalter werde deshalb zurücktreten, weil der Kaiser darüber ungehalten sei, daß der Statthalter den Präsidenten des Direktoriums Augs- burgischer Konfession, Curtius, der sich durch die Herausgabe der Memoiren des früheren Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe- Schillingsfürst beim Kaiser mißliebig gemacht hat, nicht zum Rücktritt habe bequemen können, so ist das nur eine Wieder­gabe einer Vermutung des Abgeordneten Wetterlö im Journal de Colmar^. Cb der Präsident geht ober in feinem Amte bleibt, wird dem Kaffer wohl gänzlich gleich­gültig sein. Da es jederzeit in der Entschließung des kaiser­lichen Statthalters liegt, den Präsidenten Curtius von feinem Posten zu entfernen, so kann man ernsthaft über­haupt nicht aus dem Bleiben ober Gehen des Präsidenten eineKabinettsfrage" für den kaiserlichen Statthalter machen. Der Fall Curtius ist ein Fall für sich, der mit der angeblichen Statthalterfrage auch nicht das geringste zu tun hat. Cb der persönliche Verkehr, wie ein Berliner Blatt behauptet hat, unter den Wirkungen des Falles Curtius leidet, wollen wir hier nicht untersuchen. Man kann sich allerdings denken, daß die eine ober andere Angelegenheit durch mündliche Ber- handlimg rascher erledigt wird, als wenn man nur auf den amtlichen Schriftverkehr angewiesen ist. Im übrigen scheint der Augenblick, da sich der Kaiserliche Statthalter im Urlaub in Langenburg befindet, ganz besonders ungeeignet zur Er­örterung der Frage: Geht ober bleibt Dr. Curtius? Auf fast noch ilnsicherer Grundlage ruhen die Gerüchte über das Scheiden des Staatssekretärs v. Köller aus seinem $lmte. Mit dem ibm eigenen guten Humor hat der Staatssekretär die Gerüchte von seinem Scheiden dadiOch widerlegt, daß er das Datum seines Rücktritts 1. Oktober 1909 einer Zeitung, die ihn gern jetzt schon in Pension geschickt hätte, selbst mitteilte. Dadurch hat er mit humorvoller Bündigkeit die Nachricht, er denke an seinen Rücktritt, widerlegt. Alan würde Herrn von Köller unrecht tun, wenn man ihn deshalb einenKleber" nennen wollte, wie es hier und da geschieht. Er ist es nicht. Bon entscheidender Stelle ist sein Bleiben auf dem Posten des Staatssekretärs für Elsaß.Lothringen ausdrücklich gewünscht worden, und diesem Wunsche gibt er nach. Wenn er seinen eigenen Wünschen folgen wollte, so hätte er die Rückkehr in die Heimat wohl auf einen frühem Termin angesetzt. Auch die Berufung auf die Altersgrenze, mit der einige Blatter operieren, trifft nicht zu. Für einen Staatssekretär gibt es keine Altersgrenze.

Ja der Veterinärabteilung des Neichsgesuudheitsamts sollen nach einer Mitteilung derBerl. Tierärztl. Wochen- chrift" organische Veränderungen bevorstehen, nachdem der lisherige Leiter der Abteilung feinen Abschied genommen hat. Die Neichsbehörden seien bestrebt, unter entsprechender Er­weiterung der Abteilung eine tierärztliche Direktor­te l l e zu errichten. Falls sich diese Absicht verwirklicht, werde ür bie Besetzung der Direktorstelle Pros. Dr. Oftertag-Berlin in erster Linie in Frage kommen.

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Ein Zwischenfall im Haag.

In der vierten Kommission (der ScerechtZkommission) hat sich, wie wir imBerl. Tagcbl." lesen, ein kleiner Zwischenfall ereignet, dem niemand eine besondere Bedeutung leigemefien, der aber, in der Ruhe des Konferenzlcdens, doch wenigstens einen nicht ganz uninteressanten Gesprächsstoff ab­gegeben hat. Es ist begreiflich, daß Kolumbien, feit der Trennung von Panama, dem Präsidenten Roosevelt der diese Trennung um des Kanalbaues willen gefördert nicht gerade ausnehmend dankbar und freiindschaftlich gesinnt ist. Als nun in der Seerechtskommisfion der amerikanische Dele­gierte Choate die Anträge der Vereinigten Staaten entwickelt yatte, erhob sich der Delegierte Kolmnbiens, Herr Perez Triana, und hielt eine lange Rede, die von merkbarer Ironie durchtränkt mar.

Herr Perez Triana begann mit den Worten:Ich habe die Ehre, mich an Sie in meiner Eigenschaft als koliimbischer Delegierter zu wenden; das heißt, daß ich zu Ihnen als Amerikaner spreche. Dieses Wort wende ich in seinem weitesten Sinne, in seinem ganzen historischen und geo­graphischen Umfange an: unter Amerika verstehe ich den ganzen Kontinent, Nord-, Mittel- und Südamerika und die

Inseln der amerikanischen Nleeresteile." Schon hier fiel der Sarkasmus, der in den Worten des Delegierten lag, den Hörern auf. Aber dieser Sarkasmus wurde noch weit deut­licher, als Herr Perez Triana mit den folgenden Sätzen schloß:

Herr Clwate hat im Namen des erlauchten Präsidenten der Veremigten Staaten die Bölkcr der Welt nufgclorbert, seinen Vor­schlag anzunehmen, selbst ivenn sie von ihrenJmeressen oder ihrem Ehrgeiz etwas opfern müßten. Tas ist ein edler Appell, und er kommt von hoher Stelle. Herr Roosevelt kann sich wirklich einen glücklichen Aiann nennen, denn das Prestige, die Macht und der Einfluß, bie von dieser Stelle ansgehen, stellen seinen Sessel in eine Reihe mit Königs- und Kaiserthronen. Und so ivird er spater, wenn nach unablässiger Wirksamkeit bie Sonne seines Lebens sich dem Untergange zeigt, mit ausgerichtetem Haupte und mit der Hand auf dem Herzen vor dem ftorunt der Geschichte und der Welt erklären können, daß er bei jeder Gelegenheit die Rechte der Schwächereii, der Gerechtigkeit und der Humanität verteidigt hat, auch wenn das den Interessen und bein Ehrgeize seines Landes nicht entsprach! Wemr ein Mann eine solche moralische Autorität besitzt, hat er ganz gewiß das Recht, cm die Nationen der Welt zu appellieren und sie atlizufordern, uninteressiert (desinterestedly) zu handeln im Interesse der Aienschheit."

Der offizielle Bericht hat von dieser Rede des Herrn Perez Triana nur wenige Worte mitgeteilt. Wir wollen noch hinzusugen, daß der Vater des Herrn Triana Professor und eine Zeitlang auch Präsident von Kolumbien war und dann wegen angeblicher Vergehungen verbannt wurde. Der Sohn, der jetzige Delegierte, hat in Deutschland studiert, lebt in England und ist, wie sein Biograph imCourier der Friedenskonferenz" erzählt, Philosoph und Humorist.

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Die Ermordung von Jollos.

Da§ russische Sozialrevolutionäre Zentralkomiiee ver­breitet weitere Enthüllungen über die provokatorische Tätigkeit des Verbandes des russischen Volkes. Derselbe Kasanzew, der das Witte-Llttentat organisiert hatte, organisierte auch die Ermordung von Jollos. Er überredete einen jungen Ar­beiter, der schon früher Beziehungen zur revoliitionären Partei hatte, die Ermordung von Jollos auszusühren. Er sagte dem Arbeiter, daß eines der Mitglieder der Maximalisten­partei 80 000 Rubel Partcigelder entwendet habe und daher zum Tode verurteilt worden sei. Das Todesurteil sei bis jetzt unvollstreckt geblieben, da sich kein Vollstrecker gefunden. Der junge Arbeiter erklärte sich nunmehr bereit, die Voll­streckung des Urteils zu übernehmen. Kasanzew nennt ihm nicht den Namen des verurteilten Nkanncs, zeigt ihm dagegen als den Verurteilten Jollos. Kasanzew macht den Arbeiter auf den Durchgangshof des Hauses Torapow, an dem täg­lich Jollos üoiübergcljt, aufmerksam. Am Tage des Mordes führte Kasanzew den Arbeiter in eine Bierkneipe, von wo aus man das Herankommen von JolloS beobachten tonnte. Als Kasanzew Jollos von weitem bemerkte, ging der Ar­beiter aus der Bierkneipe heraus, stellte sich bei der Pforte des Hauses Torapow auf und gab vier Schüsse auf Jollos ab. Daraus entfloh der Arbeiter. Als er am Abend erfuhr, Jollos fei kein Maximalist, sondern Kadett gewesen, übersiel den Arbeiter Argwohn, schließlich kam er zu der Ueberzeugung, daß er das Opfer eines schändlichen Betruges geworden, und so entschloß er sich, Kasanzew zu eemorden. Als das gc< schehen, suchte er einige Mitglieder der soziatrevolutionärett Partei auf, gestand alles und war bereit, seine Aussagen voL Gericht zu wiederholen. Wäre eine Gerichtsverhandlung mög­lich, so würde dtlrch sie auch festgestellt werden, daß Kasanzew in engsten Beziehungen zum Grafen Buxhoewden stand, der Beamter für besondere Aufträge beim Generalgouverneur von Bios kau ist. Von Buxhoewden bekam Kasanzew große Geld- summeu. Tie Untersuchung in Moskau ist zu dem Ergebnis gekommen, daß Kasanzew Agent des Grafen Buxhoewden gewesen ist. /

Ta8 Recht der Eingeborenen.

Professor Kohler hat einem Mitarbeiter desBerl. Lok. Anz." gegenüber in kurzen Umriffen das Programnr gezeichnet, das die gegenwärtig in Berlin tagende Kommission zum Studium des Eingeborenenrechts beschäftigt.Was wir anstreben/ so etwa führte er aus,ist zum guten Teil ein Vermächtnis Bastians, und er würde an der Bernfung einer solchen Körperschaft seine Helle Freude gehabt haben. Derrn er ging davon aus, daß hier früher, dort später für alle heute noch lebenden Naturvölker der Tag kommen werde, an dem sie entweder ihre Existenz oder ihre Eigenart infolge der Berührung mit uns verloren haben würden. Daher mahnte er, zu retten, was noch zu retten sei; deshalb trieb es ihn bis in sein hohes Alter immer aufs neue fort zu fremden Völkern und Ländern. So war ich diesein Gedanken Bastians gefplgt und hatte vor etwa zehn Jahren der bamaligen Kolonialabteilung einen Fragebogen unterbreitet, durch den uns Aufschlüsse gegeben werden sollten über die Nechts- auffaffimg der in den deutschen Kolonien (ebenen Natur­völker. Der Fragebogen bezog sich auf das Familien- und das Personenrecht, auf den Strafprozeß, das Eigeiitumsrecht, endlich auf Staats- und Völkerrecht. Die Fragebogen brachten auch ganz bemerkensiverte Eingänge, die bearbeitet wurden und im Jahre 1898 in dec Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft erschienen find. Zil dem Material, das wir diirch diese Enquete geivonnen hatten, luareu noch die Einsendungen der Bllssionare gekommen, die wir veranlaßt hatten, uns über miterlebte Prozesse zu berichten. Das war