Ausgabe 
9.12.1907 Drittes Blatt
 
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Nr. 28»

157» Jahrgang

Montag» S. Dezember 1907

Erscheint KgNch mit Ausnahme des Sonntags.

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DieSietzeser Zamilieudlatter- werden dem w2lnaeigct* viermal wöchentlich beigelegt, das Xreisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchenUich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefien

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RoiattonSdruck und Verlag der D'rllblllchen UnwersuötZ Bilch- and Sreindructeret.

R. Lange, Gießen.

Nebaktton. Gxveditton und Druckerei: Schul- ftratze 7. Expeditton und Verlag, 6L Redakttorud^ 112. Lel.-Adru AnzetgerGleßen.

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Biedenkopf einftinrmig beschlossen, dieserhalb bei dem Hauptoerein des Regierungsbezirks Wiesbaden eine Beihülfe von 1000 Mk. zu beantragen.

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der Statrorr GieKeu.

Sitzung des Provrnzial-Ausschusses.

L. Gießen, 7. Dez.

In Nieder-O f lei den besteht ein sogen. Bürg e-v ver­ein , der neben einem Handel mit Spezereiwaren und Haus- ,haltungsgegenständen auch einen solchen mit Flaschenbier und Branntwein betreibt. Die Konzession für den Branntwein-Klein­handel hat der Lagerhalter H. Wolf I. Aus Anlaß einer An­zeige der Gendarmerie ist feftgestellt worden, daß von dem Sohn des H. Wolf I., deut Joys. Wolf IV., der mit seinem Vater zusammenwohnt, eine regelrechte Wirts chaft be­trieben wird. Auf das Unzulässige dieses Wirtschaftsbetriebes' aufmerksam gemacht, suchte Johs. Wolf IV. um besondere Kon­zession für Schankwirtschaft nach. Obgleich der Gemeinderat die Bedürfnissrage bejaht hatte, lehnte der Kreisausfchuß des Kreises Alsfeld das Gesuch mangels Bedürfnisses ab. In Nieder- Osleiden, das bei der Volkzählung von 1900 45/ und bei der von 1905 436 Einwohner hatte, also an Seelenzahl zurück- gegangen ist, sind drei Wirtschaften und eine Branntwein- verkaufsstelle vorhanden. Auch der durch den Anwalt des Ge­suchstellers gegen das Erkenntnis des Kreisausschusses an den Provinzialausschuß verfolgte Rekurs, war erfolglos, da heute neue Momente zur Begründung dieses Gesuches nicht vorgebracht werden konnten. Der Rekurs wurde deshalb kostensällig ver­worfen.

Gegen die am 27. Juli d. Js. stattgehabte Bür g e r mei­ste rw ah l zu Mass eMh ei m reklamierte Georg Philipp See daselbst, indem er die Person des Gewählten, seines Gegew- kandidaten, als ungeeignet für den Bürgermeisterposten bezeich­nete, und dies durch eine Reihe von Behauptungen nachzu­weifen versuchte. Ohne auf die materielle Seite der Rekla­mation einzugehen, wies der Kreisausschuß des Kreises Friedberg sie zurück, weit sie nicht rechtzeitig und cur unrichtiger Stelle (bei dem Kreisamt statt bei der Bürgermeisterei) eingelegt war. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Reklamant Rekurs an den Provinzialausschuß, welchen Rekurs er in einer Anzahl von Schriftsätzen zu begründen unternahm. Der Provinzialausschuß wies den Rekurs ko st e-n fällig zurück, wobei er insbe­sondere feststellte, daß die gegen die Person des Gewählten erhobenen Beanstandungen jeder Begründung entbehrten.

Zur Verlegung des Bahnhofs Vilbel braucht die Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. eine Anzahl von Grundstücken, bezüglich deren sic, da über die zu leistende Ent­schädigung eine gütliche Einigung nickst zu erzielen war. Ent­eign u n g s a u t r a g bei dem Großh.Lreisamt Friedberg stellte. Die Verhandlungen vor der Lokalkommission führten auch nur bezüglich eines Teils der Grundstücke zur Einigung, weshalb die Sache' dem Provinzialausschuß zur Entscheidung erwuchs. Da die Eisenbahndirektion den Enteignungsantrag zunächst auf das Grundstück der Friedrich Lindemann Eheleute zu Vilbel beschränkt, aber auch weiter Antrag auf vorläufige Besitzein­weisung gestellt hatte, wurde heute nur hierüber verhandelt Der Provinzialausschuß erklärte die Einweisung der Königl. Eisen­bahndirektion in den Besitz des fraglichen Geländes gegen Hinter^ leoung der von der Lokalkommission begutachteten Entschädigungs­summe für zulässig, vorbehaltlich der späteren Festsetzung der zu zahlenden Entschädigung.

* Aeh riet p c vs orral ie n. lieber tragen wurden dem Lchrer Karl Box ler Viernheim, den Schulamtsaspi- in «mten Hch. Bentz aus Stein-Bockenheim, Hub. Knop sums Köln a. Ich. Friedr. Stump f aus Viernheim, k sowie den Schnlamtsaspirantinnen Eugenie Hauck aus 1 ^Wiesbaden und Katharina Petry aus Mainz Lehrer- bezw. L Lehrerinstellen an der Volksschule zu Worms. Bestätigt n rmrde der von dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand 7 Au.Mosbach ans die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu ^Mosbach präsentierte Lehrer Jvs. Pauly daselbst.

** Weihnachtskasse. Ein erfreuliches Resultat hat tie Weihnachtskasse der Stadt Marburg zu verzeichnen; H trotzdem dieselbe erst auf ein Jahr ihres Bestehens zurück- L lickt, wird am 14. Dez. eine Spareinlage in der beträcht- - Achen Summe von 4200 Mk. unter ca. 65 Mitglieder verteilt.

Druck des teuren Geldstandcs so schnell als möglich vom Mittelstand genommen werden möge. Dieser Druck laste aus allem, was ehr­lich arbeite. ^Beifall rechts.)!

Abg. Kvürlt (willllib.): Arber Hcmdwerkerfragen kann man nicht urteilen, ohne gründliche Kenntnis der praktischen Erwerbs- sorgen und der Ursache der mißlichen Lage des Handwerks. Es ge- nügt nicht, daß einige Regierungskommissare sich ein paar Referate auf Handwerkerkongressen anhören. Die Handwerker können sich vwlfacb des Eindrucks nicht erwehren, daß bei der Regierung trotz besten Willens vielfach nicht das richtige Verständnis für ihre miß­liche Lage vorhanden ist. Der sogenanntegrüne Tisch" ist in Handwerkerkreisen nicht besonders beliebt. Wir brauchen eine besondere Handwerksabteilung im Reichsamt des Innern. Dreierlei bedruckt das Handwerk: Es hat dem raschen Gang der Entwicklung im Zeitalter des Dampfes nicht rasch genug folgen können (Sehr richtigI links); weiter leidet es an Mangel an Kapital, imb schließlich fehlt den Handwerkern die Sicherung gegen Mangel und Not bei Krankheiten und Invalidität.

Der Redner bespricht die Anträge in wohlwollendem Sinne. Der selbständige Gewerbetreibende sei heute häufig viel' schlechter gestellt, als der besser bezahlte Arbeiter. (Sehr richtig I) Nötig sei daher die Ausdehnung der sozialen Fürsorge auf das Klein­gewerbe. Sehr traurig sei cs, daß die Regierung, sobald Hand­werkerfragen zur Besprechung kommen, fast stets durch Abwesenheit glänzt. Für das Handwerk müsse mehr geschehen, damit nicht noch weitere Steine herausfallen aus dem einst so fest gefügten Bau des deutschen Handwerks. (Beifall.),

Abg. Erzberger (Ztr.) : Wir Tonnen mit dem Verlauf der Be­sprechung sehr zufrieden sein. (Sehr richtig! im Zentrum.) Es ist eine unverantwortliche Unterlassung, daß nie­mand von den verbündeten Regierungen hier anwesend ist. Das Handwerk wird sich das merken. Die Marxistische Theorie, daß der Mittelstand dem Untergange geweiht ist, ist durch die Statistik längst widerlegt. Der jetzige hohe Bankdiskont ist für den Mittelstand ge­radezu unerträglich. Unser Handwerk muß zum Teil die Kosten für unsere Weltpolitik tragen.

Mit der Begebung unserer Reichs- und Steueranleihen muß Schluß gemacht werden. Auch müssen die Regierungen zurückhalten­der sein mit der Genehmigung von Kommunalanleihen, zumal diese vielfach für überflüssige Anlagen benutzt werden. Die Schwierigkeiten der Abgrenzung zwischen Fabrik und Handwerk sind in Preußen durch unnötige Ministerialerlasse noch erhöht. Die leistungsfähigen Betriebe sind dem Handwerk entzogen worden, so daß zu diesem fast nur noch Flickschuster und Flickschneider gerechnet werden. Das widerspricht der Gewerbeordnung. Alles, was den Mittelstand schützt, ist nationale Arbeit.

Erzberger beschäftigt sich im Laufe seiner Ausführungen mit der Diskontfrage und macht, um der Not abzuhelfen, den Vorschlag, man solle 200 Millionen ungedeckter Reichskafsen- scheine herausgebeu. ftLebh. Widerspruch rechts und links.X

brauch gemacht werden, bis die unbedingt notwendigen staatliches Ehrenkammern geschaffen sein werden. Dem Vorstande der Orts­gruppe Dresden gehören u. a. an: Oberst a. D. v. d. Decken, Leuttrant a. D. v. Salviati, Prof. Dr. Amelung, Generalleut--? nant z. T. von Niesewand, sowie von Leipziger Herren die Uni-- versitätsprofessoren Dr. Le Blanc, Dr. Hantzsch und Dr. üpauShorfy

Kleine Tageschronik.

Ein aufregender Vorfall ereignete sich in Hochftadt (Els.)^ Wilderer überfielen die Wohnung des Försters und beschossen das Haus längere Zeit. Dann begaben sich dic; 12 Rowdys vor das Haus des Altbürgermeifters Riedingeck und beschossen es ebenfalls. Sie zertrümmerten die Scheidest und spickten die Möbel mit Kugeln. Wie durch ein Wunder blieben der Bürgermeister und fein Sohn, ein Referendar, un-j verletzt. Die Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorgenommeu^

In der vorvergangenen Nacht traf eine gewisse Konrad in\ der Landsberger Straße zu Berlin zwei Männer, die fiet begleiteten. In einem Hause packte dann einer der Manner die Konrad am Halse, um sie zu würgen. Zu gleicher Zeit steckte, der zweite sein mit Chloroform getränktes Taschentuch dem Mäd­chen in den Mund. Dieses konnte noch um Httse rufen und erreichte so, daß ihr der Gastwirt Mitt mit feinen Gästen beisprang. Mill verschloß sofort die Haustür, so daß die beiden Männer seftgenommen werden konnten. Der eine hat eingestairden/ .daß sie das Mädchen betäuben und berauben wollten.

Ein Füsilier des Stargarder Grenadier-Regiments legte imj Scherz einen ihm zum Putzen übergebenen Revolver auf dew Füsilier Hamann an und erschoß ihn.

Nach Meldungen aus H o b o k e n haben in den dortigen Schifssbureaus in den letzten Tagen über 18 000 Au s w a n- derer ihre Rückwanderung nach Europa auf dew Schiffen der Hamburg-Amerila-Linie und des Norddeutschen Lloyd an gemeldet.

In Halbach (Kreis Lennep) sand der 59jährige Ackerer Lenhartz den Tod in den Flammen, als er ans dem brennenden Hause einige Wertsachen retten wollte. Die betagte Mutter und ein jüngerer Sohu suchten nach dem Vermißten^ und wurden dabei von den Flammen erfaßt; sie erlitten lebens-c gefährliche Brandwunden. Die Frau ringt mit dem Tode; W und der jüngere Sohn wurden ins Krankenhaus geschafft.

In einem Hotel in Baltimore erschoß s i ch Klara Bloodgvod, eine der erfolgreichsten amerikanischen Schau­spielerinnen, während die Vorstellung beginnen sollte und man mit Ungeduld auf ihr Erscheinen im Theater wartete, xxc-. Künstlerin war früher im Besitze eines großen Vermögens nnix batte eine glänzende Rolle in der Gesellschaft. ^Als sie bann iinr Hab und Gut gekommen war, wandte sie sich der Bühnen-» laufbahn zu.

Am 5. Dez. versuchte ein Geisteskranker namens John Steele in das Bureau des Gouverneurs Guild in B o stow einzudringen, um diesen zu er morden. Zwei Arbeiterführern-, die sich im Vorzimmer befanden, fiel das Benehmen des Un-i glücklichen auf. Als sie ihm entgegentraten, um ihn vom Eindringen in das Kabinett des Gouverneurs abzuhalten, ichotz er auf sie und verwundete sie beide. Es kamen weitere Per-^ fonen hinzu, durch die der Irre überwältigt wurde.

Ans Stadt und Land.

£ G i eßen, 9. Dez. 1907.

\ ** PostpevsouuTnachrichtren. Bestanden haben

;bie Po stsekuetürprüfun g: Postassistent Din gelbe in in i feib in gen; die Postas si; tentenprüfun g: Postgehilfe Gal l e i ttn Gießen.

Es sprachen weiter die Abgg. Brüh ne (Soz.), besonderL über Lehrlingsausbildung, Rieseberg (Wirtsch. Vgg.) über Submissionswesen u. a., Bindewald (Ref.-P.) über 2San* derlager.

Abg. Dr. Arendt (Rp.)' stellte die große Uebereinstimmun^ des Hauses inbezug auf die Handwerkerfrage fest, für die baä Interesse bei allen Parteien gleich groß sei. Wenn das Haus trotz« dem so schwach besetzt sei, so solle man es den Abgeordneten, die während der ewigen Wiederholungen der Redner Erholung suchen, nicht übel nehmen. Der Redner benutzt die Gelegenheit zu dem lebhaften Ausdruck des Bedauerns darüber, daß die Inter­pellation über den Bankdiskont bür, Weihnachten nicht mehr zur Beantwortung komme. Es gibt zurzeit nichts, was auf dem Wirtschaftsleben so lastet, wie der hohe Zinsfuß., (Leb­hafter Beifall.) Aber §er Versuch Erzbergers, die Kolonial- und Weltpolitik dafür mit verantwortlich zu machen, ist zurückzuweisen. Es ist eine Weltkrisis. Schatzscheine auszugeben, würde nichts nützen; denn es handelt sich nicht um eine Kapitattrisis, sondern um eine Geld- oder richtiger eine Goldkrisis., Der Schwer­punkt der Frage liegt beim Gold, und so lange wir die Frei­zügigkeit des Goldes haben, während in der ganzen Welt außer in England das Gold eingesperrt ist, so lange müssen wir diese schweren Opfer bringen. Wir kommen um diese Sache nicht mehr herum. So kann es nicht bleiben, die Regierung kann nicht mehr zuwarten, sie muß Abhilfe schaffen.

Abg. Dove (freif. Vgg.) erhebt gleichfalls nachdrücklichen Pro» test gegen Erzbergers Finanz vrojekte. Freilich, auch die Interpellation Kanitz wird den Zinsfuß nick' niedriger machen (Heiterkeit), mit dem Bankdiskont wird es nach ihr genau so aussehen, wie zuvor, falls dann nicht andere wirtschaftliche und Gelomarktverhättniffe im allgemeinen eintreten. Älfe ist not­wendig, man weiß nur nicht wie. (Heiterkeit.) Auch die ver­bündeten Regierungen werden kaum em Rezept wißen, wie der internationalen Krisis abgeholfen werden kann. Freilich, Herr Erzberger schafft Hilfe: er gibt ungedeckte Reichskassenscheine in Höhe von 200 Millionen heraus! (Heiterkeit.) Warum beim bloß 200 Millionen, Herr Erzberger? (Heiterkeit.) Papier ist ja billig I I a. ja, unsere Zukunftliegt in der Noten- presse! (Heiterkeit.)

Der Redner weist Angriffe Erzbergers auf dis angeblich rückständige Stadt Berlin zurück. Gerade in der För­derung des Fortbildungswesens ist Berlin mustergültig, sie ist eine der Kommunen, die die Pftichtfortbildungsschule eingefiihrt hat.

Mit einer Rede von Albrecht (Soz.)^ endet die Dis­kussion über die Zentrumsanträge.

Die Abstimmung wird bertagül

Montag 1 Uhr: Vereinsgesctz.

r Schluß 3 Uhr 25 Min.

Deutscher Reichstag.

68. Sitzung bam 7. Dezember.

Die Vundesratstische sind leer; das Haus ist fast leer.

Vizepräsident Kärn p f eröffnet die Sitzung .um 11 Uhr 15 Minuten.

Die Mittelstandsanträge.

Die Beratung der Anträge des Zentrums ^(Graf Hompesch_u. Gen.), betr. den gewerblichen und kauf­männischen Mittelstand wird fortgesetzt.

Abg. Hoffmeister (fceis. Vgg.) betont die Schwierigkeit einer zutreffenden Abgrenzung von Handwerk und Fabrikbetrieb; sie gehen ja vielfach in einander über. Wenn die persönliche Mitarbeit des Unternehmers ein Kriterium sein soll, dann würden die meisten Bauhandwerker nicht zu den Handwerkern zu rechnen sein. Auch die Durchführung der Arbeit bis zu Ende in einer Hand findet sich nicht bei Tischlereien, Schlosiereien. In der Mehrzahl der Fälle werden die^ Unternehmer selbst am besten entscheiden können über ihre Zugehörigkeit, zu Handwerk ober Fabrik; aber gelingt es der Weisheit der Regierungen, Kennzeichen zu finden, dann wäre es erfreulich. In der Frage der Handelsinspeklion ist auch die Frei­sinnige Vereinigung geteilt, ebenso wie die Volkspartei; der Redner äußert persönliche Bedenken, er hält die Gewerbe-Inspektoren hier­für für ausreichend. Der Redner schließt feine Ausführungen mit einer Mahnung an Handwerk und Kleinkaufmcmnstand, sich durch die staatlichen Maßnahmen nicht in Sorglosigkeit einlullen zu laßen, damit fte den Veränderungen im Wirtschaftsleben nicht ungerüstet Negenuberstehen. Worauf es vor allem ankommt, das fft ein inten­sives Fortbildungsschulwesen.

Abg. Raab (wirtsch. Vgg.)': Ztvei Tage Mittelstandsdebatte das war fricher nicht so. Es ist denn doch anders geworden, feit auch der Mittelstand sich zu organisieren begonnen hat. Handelsinspektion ist ebenso notwendig, wie Gewerbeinspektion. DaS zunehmende natiormlliberale Wohlwollen für die Mittel- starrdswünsche ist bemerkenswert, wenigstens in den Reden. Hof- fenÜich handeln Sie so auch bei den Abstimmungen, und hoffent­lich steht die ganze natrcnalliberale Partei hinter dem Abg. Findel. Wir hatten nicht so viele Gesetze notig, wenn nicht besonders in den kaufmännischen Mittelstand so viel jüdische Elemente gedrun­gen wären. Die Juden sind die allerprodukttvsten Entdecker immer neuer Formen des unlauteren Wettbewerbs. Wir müßen mit der Anlage vieler Juden rechnen, mit Geschick möglichst jedes Gesetz zu umgeben. Ohne eine klare Erkenntnis der Judenfrage werden wir an der Oberfläche der Mittelftandsfrage herumexperi­mentieren. Der Redner wendet sich gegen die Sozialdemokratie. Dem Abg. Doormann kann ich nur zurufen: Wir verbitten es uns, daß er mir immer dem Handwerk zuruft, es solle beßeres leisten. Unser Handwerk steht durchaus auf der Höhe und hat zu­nächst alle Mittel der Selbsthilfe erschöpft, ehe es nach Staatshilfe rief. Der Redner schließt mit dem Wunsche, daß der furchtbare

Gleichzeitig wird am Abend um 9 Uhr eine Versammlung kbgehalten zwecks Erneuerung der Kasse auf folgendes Jahr icnb Aufnahme neuer Mitglieder. Anmeldungen können schon jetzt dort erfolgen, wo auch die Statuten zur Einsicht offen

" liegen. Es ist hier Jedermann Gelegenheit geboten, eine «' wöchentliche Ersparnis in jeder Höhe von 50 Pfg. bis zu M Mk. ganz nach Belieben zu entrichten, um zu Weihnachten 4tin schönes Stück Geld zu erhalten.

-r. Rainrod, 5. Dez. Heute fand im Beisein des Kreis- tmrtmanns und Kulturingenieurs eine Besichtigung der hie- 5 sigen Wasserleitungsanlage durch die Ortsvorftände von 2t Ulfa und Rainrod statt. Es war geplant, auch die Gemeinde :er, Ulfa mit Wasser aus den hiesigen Quellen zu versorgen. Die A Anregung der gleichzeitigen Mitversorgung von Ulfa ging vom 6 Kreisamt Schotten aus, worauf die Gemeinde Ulfa, die früher , schon einen Betrag von 2000 Mk. für Schürfungsarbeiten- t QUsgesetzt hatte, einen Betrag von 17 000 Mk. für Wefteröauung tj der Wasferleitung bewilligte. Rainrod ist der Anficyt, dre Ge- xieinde Ulfa sottie zu den Kosten der Zuleitung vom Hoch- M Witter bis zum Dorf einen Zuschuß von 2000 Mr. _ nachbe- [ totlLiocit, zumal der Gemeinde Ulfa keine weiteren Kosten für Quettenerwerbung auferlegt wurden. In der heutigen Ver­sammlung führte das Kreisamt dem Ortsvorftand von Ulla vor, daß unter diesen Verhältnissen Ulfa auf billige Weise ju einer guten Wasserleitung komme, womit die schon lange unhaltbaren Zustande in Ulfa beseitigt würden. Es stellte sich aber heraus, daß die Ulfaer Geineindevertretung heute einen ablehnenden Standpunkt einnahm, einesteils, weil die Gemeuideangehorigen keine Wasserleitung wünschten und andernteüs, wett der Ge- Äieinderat sich nicht kompetent fühlte, eine Nackftorderung von 2000 Mk. zu bewilligen. Die,es Verhalten wird vielleicht damit illustriert, daß bereits im Mai 1905 schon eiiimat m Uita die Erbauung der Wasferleitung auf eigene Regie beschlosten wurde, der Befchluß wurde aber zwei Tage später wieder umgeftoßen Diese Unschlüssigkeit famt natürlich zu feinem Ziele fuhren und pas Kreisamt wird genötigt sein, den berechtigten Klagen durch Schließung der meist schädlichen Brunnen nachzukommen.

>< Atzbach, 6. Dez. Ern Sangerfeft gcdentt man im nächsten Jahr in unserem Dorfe, zu feiern. Ster ®e)aw verein Frohsinn blickt nämlich auf ein 2bfahrrges Be­steben zurück. Das erwählte Festkomitee ist bereits der der Arbeit um die Jubelfeier vorzubereiten. Als .Festtage wurden der 12 und 13. Juli ausersehen. Da der Verem schon manaies ^swärtrge Gefangsseft besucht hat so darf er an fernem Ehrew- f,..-. nnf eine große Beteiligung rechnen.

13 a gia uni) ci m, 6. Dez. Schon seit Jahren i)t man hier eine Jungviehweidc für Vogelsoerger Rindvieh einlurichtcu. Auf Vorschlag unseres Bürgermeisters Kern wurde ifi ° per Generalversammlung des Landw. Bezirks verein^, zu

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VerLZTischSss»

* Antidmellrga. Auf der Generalversammlung der Orts­gruppe Dresden her Deutschen Antrduettiga hob der erste Vor­sitzende, Oberftudienrat Prof. Dr. Bernhard, in fernem Jahres­bericht hervor, daß die deuffchen Hochschullehrer ut großer Zahl der Liga beigetreten sind. Auch die Lehrerschaft der höheren Schulen Teutfchlands hat eine entsprechende Agitation in die Wege geleitet, wie denn auch eine große Schar Studierender ^ina mm en getreten ist und für Ehrenhändel einen der Austragung mit den Waffen mindestens gleichartigen Ehrenrat sich gefckfaffen hat. Ferner konnte konstatiert werden, daß die Einrichtung der sreiwilligen Ehrengerichte in -einem sehr bemerkenswerten Falle Gelegenheit gehabt hat, sich zu bewähren, so daß zu l-offen ist, es werde von dieser Emrichlung, ebenso wie von der außerdem bestehenden! Einrichtung des obersten Ehrenrates in gesteigertem Maße Ge->

Dezember

1907

Barometer nur 0° reduziert

Temperatur der Luft

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

8. 2U

731,5

4.6

6,2

83

2

Regen

8. 9"

729,3

9,0

8,4

99

WSW

2

Aed. Himmel

9. 7

734,8

7,4

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Regen

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9,0 C.